Visuelle und multimodale Metaphern

Aus Glossar der Bildphilosophie
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Unterpunkt zu: Bild und rhetorische Figur


Unterschiedliche Perspektiven und Diszi­plinen

Es gibt eine Vielzahl von Theorien, die sich aus unter­schiedli­chen Perspek­tiven und auch aus unter­schiedli­chen Diszi­plinen heraus der visu­ellen Meta­pher als einem der sprachli­chen Meta­pher verwand­ten Phäno­men anzu­nähern versu­chen. In der Kunstwis­senschaft lassen sich bereits seit Mitte des 20. Jahrhun­derts Versu­che ausma­chen, die Figur der Meta­pher als Mittel zur Bild­ana­lyse und -inter­preta­tion zu nutzen; oftmals handelt es sich dabei aller­dings nicht um eigen­ständi­ge Theorien, sondern vielmehr um Instru­mente für spezi­fische Kontex­te ([Gombrich 1978a]Gombrich, Ernst H. (1978): Meditationen über ein Steckenpferd. Von den Wurzeln und Grenzen der Kunst. Suhrkamp, Frankfurt/M.
, [Imdahl 1985a]Imdahl, Max (1985): Picassos Guernica. Insel, Frankfurt/M.
, [Wagner 1999a]Wagner, Christoph (1999): Farbe und Metapher. Gebr.Mann, Berlin.
). Hierbei werden oft einzel­ne Theorien zur sprachli­chen Meta­pher heran­gezo­gen, die sich für den jewei­ligen Kontext eignen; Gombrichs «Wertme­taphern in der Bilden­den Kunst» von 1952 stützt sich beispiels­weise auf Aris­tote­les «Poetik» (vgl. [Gombrich 1978a]Gombrich, Ernst H. (1978): Meditationen über ein Steckenpferd. Von den Wurzeln und Grenzen der Kunst. Suhrkamp, Frankfurt/M.
: S. 34-64), [Hausman 1989a]Hausman, Carl R. (1989): Metaphor and Art. Cambridge University Press, Cambridge.
auf [Black 1954a]Black, Max (1983): Die Metapher (1954). In: Haverkamp, A. (Hg.), Theorie der Metapher. WBG, Darmstadt.
, [Wollheim 1987a]Wollheim, Richard (1987): Painting, Metaphor, and the Body: Titian, Bellini, De Kooning, etc.. In: Wollheim, R. (Hg.), Painting as an Art. Princeton University Press, Princeton.
auf [Davidson 1978a]Davidson, Donald (1984): What Metaphors Mean (1978). In: Davidson, D. (Hg.), Inquiries into Truth and Interpretation. Clarendon, Oxford.
). Dennoch werden auch wichti­ge Grundla­gen zur Annä­herung an genuin bildhaf­te Meta­phern ent­wickelt, wie beispiels­weise die Unter­scheidun­gen zwischen​ »Sehen-​als«​ und​ »Sehen-​in«​ ([Wollheim 1982a]Wollheim, Richard (1982): Sehen-als, sehen-in und bildliche Darstellung. In: Wollheim, R. (Hg.), Objekte der Kunst. Suhrkamp, Frankfurt/M.
Nicht angezeigt: übersetzt von Looser, Max
) und die Beto­nung der bildhaf­ten Simul­tane­ität zur Erzeu­gung von Sinn ([Imdahl 1994a]Imdahl, Max (1994): Ikonik: Bilder und ihre Anschauung. In: Böhm, G. (Hg.), Was ist ein Bild?. Fink, München.
, [Boehm 1994a]Boehm, Gottfried (1994): Die Wiederkehr der Bilder. In: Boehm, G. (Hg.), Was ist ein Bild?. Fink, München.
). Auch wenn die Meta­pher als Export­gut aus der Lingu­istik immer wieder in den kunstwis­senschaft­lichen Diskurs rückt, bleibt ihre Stellung in diesem margi­nal und ihr Poten­tial wenig beach­tet ([Bätschmann 1984a]Bätschmann, Oskar (1984): Einführung in die kunstgeschichtliche Hermeneutik. WBG, Darmstadt.
, [Rimmele 2011a]Rimmele, Marius (2011): „Metapher“ als Metapher. E-Journal kunsttexte.de, 1.
Webadresse: kunsttexte.de/index.php?id=711&idartikel=37860&volume=37742&zu=121&L=0
).

Seit Goodman werden in der Kunstphi­loso­phie Formen visu­eller Meta­phori­zität disku­tiert. Vor allem die verschie­denen Modi der Reprä­senta­tion-​als bzw. des Sehen-​als stehen im Zentrum vieler Ana­lysen (vgl. [Goodman 1968a]Goodman, Nelson (1968): Languages of Art. Hackett, Indianapolis.
Notiz: 2. rev. Aufl. 1976
Nicht angezeigt: dt.: Sprachen der Kunst. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1998
, [Aldrich 1983a]Aldrich, Virgil C. (1983): Visuelle Metapher. In: Haverkamp, A. (Hg.), Theorie der Metapher. WBG, Darmstadt.
, [Danto 1984a]Danto, Arthur C. (1984): Die Verklärung des Gewöhnlichen. Suhrkamp, Frankfurt/M.
, [Majetschak 2005a]Majetschak, Stefan (2005): Sichtbare Metaphern. In: Hoppe-Sailer, R. (Hg.), Logik der Bilder. Reimer, Berlin.
). Oftmals verlie­ren die Begriffs­bestim­mungen aller­dings an Kontur, da die Meta­pher als Argu­ment für die Wesens­bestim­mung der Kunst funktio­nali­siert wird, wie im Falle der Ausdrucks­theorien von Danto und Aldrich. Beson­ders wichtig auf dem Wege zur theore­tischen Erfas­sung der visu­ellen Metapher sind Goodmans Ausfüh­rungen zur meta­phori­schen Exem­plifi­kation, anhand derer meta­phori­sche Prozes­se in Bildern deutlich von an Bilder heran­getra­genen meta­phori­schen Prädi­kati­onen unter­schieden werden können (⊳ auch Struktur­bild), und ande­rerseits Carrolls Bestim­mung der zentra­len Aspek­te visu­eller Meta­phern – wie Carroll selbst schreibt, der „most central and least contro­versial core cases of visual meta­phor“ ([Carroll 1994a]Carroll, Noël (1994): Visual Metaphor. In: Hintikka, J. (Hg.), Aspects of Metaphor. Kluwer, Boston.
: S. 215), die eine struktu­relle Verwandt­schaft zur sprachli­chen Metapher auswei­sen.

Aus semiotischer Perspektive wurde 2003 kriti­siert, dass in der Meta­phernfor­schung kein neuer Ansatz gesucht werde, sondern stets nur die Über­tragbar­keit der sprachli­chen Meta­pher in ande­re Phäno­menbe­reiche disku­tiert werde. Durch die semio­tische Ana­lyse non-​verba­ler Meta­phern wird versucht, einen Forschungs­ansatz neben dem logo­zentris­tischen vorzu­stellen, der vielleicht auch für die Ana­lyse sprachli­cher Meta­phern fruchtbar sein könnte ([Johansen & Posner 2003a]Johansen, Jørgen Dines & Posner, Roland (2003): Einführung. Zeitschrift für Semiotik, 25, 1.
: S. 4f., [Sonesson 2003a]Sonesson, Göran (2003): Über Metaphern in Bildern. Zeitschrift für Semiotik, 25, 1.
).

Seit den 1980er Jahren bieten kogni­tivis­tische Meta­pherthe­orien, wie sie vor allem von Lakoff und Johnson ([Lakoff & Johnson 1980a]Lakoff, George & Johnson, Mark (1980): Metaphors We Live By. University of Chicago Press, Chicago & London.
) und später Lakoff und Turner ([Lakoff & Turner 1989a]Lakoff, George & Turner, Mark (1989): More than Cool Reason. University of Chicago Press, Chicago.
) ent­wickelt wurden, eine theore­tische Grundla­ge, die nicht schon von vorn herein eine lingu­istische ist. Sie tragen dem Anspruch Rechnung, die Sprache als einzi­gen Ausgangs­punkt der Meta­phernfor­schung zu entkräf­ten, der bereits von Danto ([Danto 1984a]Danto, Arthur C. (1984): Die Verklärung des Gewöhnlichen. Suhrkamp, Frankfurt/M.
: S. 267f.) und Carroll ([Carroll 1994a]Carroll, Noël (1994): Visual Metaphor. In: Hintikka, J. (Hg.), Aspects of Metaphor. Kluwer, Boston.
: S. 205f.) formu­liert wurde. Dem Para­digma von Lakoff und Johnson folgend, „the essence of metaphor is under­standing and expe­rienc­ing one kind of thing in terms of an­other“ ([Lakoff & Johnson 1980a]Lakoff, George & Johnson, Mark (1980): Metaphors We Live By. University of Chicago Press, Chicago & London.
: S. 5), ist die Meta­pher maßgeb­lich ein Phäno­men unseres Denkens (⊳ Image Schemata). Force­ville greift dieses Para­digma in seinen Ana­lysen bildhaf­ter Meta­phern auf (vgl. [Forceville 1996a]Forceville, Charles (1996): Pictorial Metaphor in Advertising. Routledge, London.
, [Forceville 2005a]Forceville, Charles (2005): Cognitive Linguistics and Multimodal Metaphor. In: Sachs-Hombach, K. (Hg.), Bildwissenschaft – Zwischen Reflexion und Anwendung. Halem, Köln.
, [Forceville 2006a]Forceville, Charles (2009): Non-verbal and Multimodal Metaphor in a Cognitivist Framework: Agendas for Research(2006). In: Forceville, C. & Urios-Aparisi, E. (Hg.), Multimodal Metaphor. De Gruyter, Berlin.
), kriti­siert es aber in dem Punkte, dass trotz der Offen­heit der Fokus auf sprachli­che Meta­phern gerich­tet ist und somit das genuin visu­elle Poten­tial der Meta­pher weitest­gehend nicht thema­tisiert wird ([Forceville 2006a]Forceville, Charles (2009): Non-verbal and Multimodal Metaphor in a Cognitivist Framework: Agendas for Research(2006). In: Forceville, C. & Urios-Aparisi, E. (Hg.), Multimodal Metaphor. De Gruyter, Berlin.
: S. 21f.).

Ab­bil­dung 1: Zeich­nung des Au­tors nach der Fo­to­mon­ta­ge «In­gres’ Vi­o­lin» von Man Ray

For­ce­ville führt in die kog­ni­ti­vis­tisch ge­präg­te Me­ta­phern­for­schung die Un­ter­schei­dung zwi­schen mo­no­mo­da­len und mul­ti­mo­da­len Me­ta­phern ein. Ei­ne mo­no­mo­da­le Me­ta­pher ha­be den Quell- und Ziel­be­reich, zwi­schen de­nen im me­ta­pho­ri­schen Pro­zess die Pro­jek­ti­on von Ei­gen­schaf­ten statt­fin­det, in der glei­chen Mo­da­li­tät (s. Abb. 1), ei­ne mul­ti­mo­da­le Me­ta­pher hin­ge­gen in ver­schie­de­nen Mo­da­li­tä­ten. Multimodale Metaphern tauchen vor allem in der Werbung auf, wie Forcevilles Analysen zeigen. Eine Bildunterschrift kann beispielsweise zu einer anderen Lesart des Dargestellten auffordern, nach der der Betrachter Eigenschaften des in den Worten beschriebenen Phänomens auf das Bild projiziert. Indem die sprachliche Metapher als DIE Metapher entthront wird und als monomodale, wenn nicht als ihr Prototyp, neben die visuelle Metapher tritt, kann sich, so Forceville, die Erforschung nicht-sprachlicher Metaphern ihrer marginalen Stellung erwehren: „I will sketch how adopting the view that metaphors can assume non-verbal and multimodal appearances can and should guide the research of a new generation of metaphor scholars“ ([Forceville 2006a]Forceville, Charles (2009): Non-verbal and Multimodal Metaphor in a Cognitivist Framework: Agendas for Research(2006). In: Forceville, C. & Urios-Aparisi, E. (Hg.), Multimodal Metaphor. De Gruyter, Berlin.
: S. 22).


Visuelle und multimodale Metaphern

In der Theoriebildung zur visuellen Metapher hat sich bis zum heutigen Zeitpunkt kein Einheitsmodell etabliert, das allen Aspekten visueller Metaphorik oder den Fokusbildungen der unterschiedlichen Disziplinen vollends Rechnung tragen kann. In Forcevilles vorgestelltem Theorierahmen zur non-verbalen und multimodalen Metapher lässt sich allerdings ein erster Ansatz verorten, eine Forschungsgrundlage für Metaphern außerhalb der Sprache zu situieren, die sich der oft kritisierten einfachen Übertragung sprachwissenschaftlicher Theorien und deren eklektische Auswahl erwehren kann. Im Folgenden sollen zentrale Aspekte visueller Metaphorik und theoretische Probleme vorgestellt werden, die für die bisherige Forschung zur visuellen Metapher von zentraler Bedeutung sind und eine Grundlage zur Annäherung an das Phänomen darstellen.

Zwei wesentliche Arten metaphorischer Prozesse in Bildern können unterschieden werden: einerseits die Repräsentation-als und andererseits die Überschneidung oder Überlagerung zu einer Mischform.

Die Repräsentation-als bezeichnet die Darstellung eines Bildelements durch Attribute eines anderen Elements. Bereits Wollheim fixierte diesen Bildprozess mit dem Ausdruck ‘Sehen-als’ („seeing as“, [Wollheim 1982a]Wollheim, Richard (1982): Sehen-als, sehen-in und bildliche Darstellung. In: Wollheim, R. (Hg.), Objekte der Kunst. Suhrkamp, Frankfurt/M.
Nicht angezeigt: übersetzt von Looser, Max
), der von Aldrich aufgegriffen wurde ([Aldrich 1983a]Aldrich, Virgil C. (1983): Visuelle Metapher. In: Haverkamp, A. (Hg.), Theorie der Metapher. WBG, Darmstadt.
) und bei Danto ([Danto 1984a]Danto, Arthur C. (1984): Die Verklärung des Gewöhnlichen. Suhrkamp, Frankfurt/M.
) als ‘Repräsentation-als’ und später bei Majetschak ([Majetschak 2005a]Majetschak, Stefan (2005): Sichtbare Metaphern. In: Hoppe-Sailer, R. (Hg.), Logik der Bilder. Reimer, Berlin.
) wieder auftaucht. Einem Beispiel von Danto folgend, kann in dem Bildnis Napoleons als römischer Kaiser eine Repräsentation-als gesehen werden, da Napoleon kein römischer Kaiser war und die Darstellung ihn als einen solchen sehen lässt. Hierbei werden Attribute eines römischen Kaisers in einem metaphorischen Prozess auf Napoleon übertragen (vgl. [Danto 1984a]Danto, Arthur C. (1984): Die Verklärung des Gewöhnlichen. Suhrkamp, Frankfurt/M.
, Kpt. 7). Danto prägt für diesen Prozess den Begriff der »Transfiguration« ([Danto 1984a]Danto, Arthur C. (1984): Die Verklärung des Gewöhnlichen. Suhrkamp, Frankfurt/M.
: S. 256) anstelle von Transformation.

Die Überschneidung als zweite wesentliche Art metaphorischer Prozesse im Bild taucht erstmals bei Carroll in einer genauen Analyse visueller Metaphern auf, die er mit der Überlagerung („superimposition“, [Carroll 1994a]Carroll, Noël (1994): Visual Metaphor. In: Hintikka, J. (Hg.), Aspects of Metaphor. Kluwer, Boston.
: S. 196) als Kern visueller Metaphorik beschreibt. Diese Überlagerung erzeuge eine räumlich-homogene („homospatial“, [Carroll 1994a]Carroll, Noël (1994): Visual Metaphor. In: Hintikka, J. (Hg.), Aspects of Metaphor. Kluwer, Boston.
: S.190) Einheit, in der beide Teile sowohl getrennt als auch simultan wahrgenommen werden können. Als Beispiel dafür mag dafür Man Rays «Le Violon d'Ingres» von 1924 dienen, eine Fotografie, die einen weiblichen Rückenakt mit den F-Löchern eines Streichinstruments zeigt. Majetschak sieht diese Form der bildhaften Metaphorizität als Sonderfall der Repräsentation-als, da durch eine „visuelle Inversion“ ([Majetschak 2005a]Majetschak, Stefan (2005): Sichtbare Metaphern. In: Hoppe-Sailer, R. (Hg.), Logik der Bilder. Reimer, Berlin.
: S. 249) unvereinbare Dinge vereint werden. Beide Autoren unterscheiden sich allerdings in dem Punkte, dass Majetschak den Wittgensteinschen Hase-Ente-Kopf als Beispiel dieser Art von metaphorischem Prozess sieht, während Carroll den H-E-Kopf deutlich ausgrenzt, da sich beide Figuren nur getrennt und nicht simultan wahrnehmen lassen (zum H-E-Kopf vgl. auch ⊳ Kippbild).

Zentrale Frage in der Diskussion visueller Metaphern ist, ob im non-verbalen Bereich eine der ‘A ist B’-Form der sprachlichen Metapher strukturell ähnliche Form vorliegt. Eine visuelle Metapher in dieser Form zu verbalisieren, bedeutet oftmals eine Verschiebung ihrer Bedeutung. Nicht-sprachliche Metaphern können keine propositionalen Gehalten erzeugen und daher auch nicht wahr oder falsch im logischen Sinne sein (vgl. [Danto 1984a]Danto, Arthur C. (1984): Die Verklärung des Gewöhnlichen. Suhrkamp, Frankfurt/M.
, [Carroll 1994a]Carroll, Noël (1994): Visual Metaphor. In: Hintikka, J. (Hg.), Aspects of Metaphor. Kluwer, Boston.
, [Carroll 1996a]Carroll, Noël (1996): A Note on Film Metaphor. In: Carrol, N. (Hg.), Theorizing the Moving Image. Cambridge University Press, Cambrigde.
, [Sonesson 2003a]Sonesson, Göran (2003): Über Metaphern in Bildern. Zeitschrift für Semiotik, 25, 1.
, [Forceville 1996a]Forceville, Charles (1996): Pictorial Metaphor in Advertising. Routledge, London.
, [Forceville 2005a]Forceville, Charles (2005): Cognitive Linguistics and Multimodal Metaphor. In: Sachs-Hombach, K. (Hg.), Bildwissenschaft – Zwischen Reflexion und Anwendung. Halem, Köln.
, [Forceville 2006a]Forceville, Charles (2009): Non-verbal and Multimodal Metaphor in a Cognitivist Framework: Agendas for Research(2006). In: Forceville, C. & Urios-Aparisi, E. (Hg.), Multimodal Metaphor. De Gruyter, Berlin.
). Carroll sieht in der physikalischen Unvereinbarkeit („physically noncompossible“, [Carroll 1994a]Carroll, Noël (1994): Visual Metaphor. In: Hintikka, J. (Hg.), Aspects of Metaphor. Kluwer, Boston.
: S. 199) der Überschneidung eine der Falschheit sprachlicher Metaphern vergleichbare Möglichkeit, eine Anomalie zu erzeugen. In ähnlicher Weise nähert sich Sonesson dieser Problematik an – allerdings ohne genauere Bestimmung –, indem er von einem Verstoß gegen die „Syntax der Dinge“ ([Sonesson 2003a]Sonesson, Göran (2003): Über Metaphern in Bildern. Zeitschrift für Semiotik, 25, 1.
: S. 32) spricht. Forceville nähert sich diesem zentralen Problem visueller Metaphorik über das Konzept des simultanen Einsetzens („simultaneous cueing“, [Forceville 2006a]Forceville, Charles (2009): Non-verbal and Multimodal Metaphor in a Cognitivist Framework: Agendas for Research(2006). In: Forceville, C. & Urios-Aparisi, E. (Hg.), Multimodal Metaphor. De Gruyter, Berlin.
: S. 31) an, durch das eine der Struktur der sprachlichen Metapher verwandte Form erreicht werden kann: „Filling a schematic slot unexpectedly“ ([Forceville 2006a]Forceville, Charles (2009): Non-verbal and Multimodal Metaphor in a Cognitivist Framework: Agendas for Research(2006). In: Forceville, C. & Urios-Aparisi, E. (Hg.), Multimodal Metaphor. De Gruyter, Berlin.
: S. 31).

Theoretischer Dissens herrscht besonders bei der Frage der Direktionalität visueller Metaphern. Während Carroll einräumt, dass der metaphorische Prozess vieler seiner Beispiele symmetrisch und daher bidirektional sei ([Carroll 1994a]Carroll, Noël (1994): Visual Metaphor. In: Hintikka, J. (Hg.), Aspects of Metaphor. Kluwer, Boston.
), argumentiert Sonesson, die Lesart einer visuellen Metapher sei kontextabhängig ([Sonesson 2003a]Sonesson, Göran (2003): Über Metaphern in Bildern. Zeitschrift für Semiotik, 25, 1.
). Hausman geht als Folgerung aus seiner Interpretation der Interaktionstheorie der Metapher von Black ([Black 1954a]Black, Max (1983): Die Metapher (1954). In: Haverkamp, A. (Hg.), Theorie der Metapher. WBG, Darmstadt.
) grundlegend von einer Reversibilität visueller Metaphern aus ([Hausman 1989a]Hausman, Carl R. (1989): Metaphor and Art. Cambridge University Press, Cambridge.
). Forceville kritisiert die Annahme der möglichen Symmetrie visueller Metaphern: Bei vielen visuellen Metaphern, vor allem in der Kunst, könne nicht genau zwischen Quell- und Zielbereich unterschieden werden. Dies hieße allerdings nicht, visuelle Metaphern seien symmetrisch, sondern lediglich, dass sich zwei verschiedene Lesarten und somit zwei verschiedene Metaphern erkennen lassen können (vgl. [Forceville 1996a]Forceville, Charles (1996): Pictorial Metaphor in Advertising. Routledge, London.
, [Forceville 2006a]Forceville, Charles (2009): Non-verbal and Multimodal Metaphor in a Cognitivist Framework: Agendas for Research(2006). In: Forceville, C. & Urios-Aparisi, E. (Hg.), Multimodal Metaphor. De Gruyter, Berlin.
).

Bei Repräsentationen-als und bei Überschneidungen können nicht nur visuelle Eigenschaften der zusammengebrachten Elemente im metaphorischen Prozess übertragen werden. Besonders Forceville und Sonesson betonen die Kontextabhängigkeit innerhalb des Übertragungsprozesses. Grundlegend wirke sich auch das Genre (z.B. Werbung, Science-Fiction-Film) auf die metaphorische Projektion und ferner auf die Erkennbarkeit visueller Metaphern aus ([Forceville 2006a]Forceville, Charles (2009): Non-verbal and Multimodal Metaphor in a Cognitivist Framework: Agendas for Research(2006). In: Forceville, C. & Urios-Aparisi, E. (Hg.), Multimodal Metaphor. De Gruyter, Berlin.
). Im Falle der Werke der bildenden Kunst spielen zudem ikonographische Konventionen eine starke Rolle – neben allgemeinen kulturellen Kenntnissen wie im Falle des Bildnisses Napoleons als römischer Kaiser –, weshalb Majetschak den Bedarf zur Erforschung visueller Metaphorik vor allem in einer „metapherntheoretisch orientierte(n) Ikonographie“ ([Majetschak 2005a]Majetschak, Stefan (2005): Sichtbare Metaphern. In: Hoppe-Sailer, R. (Hg.), Logik der Bilder. Reimer, Berlin.
: S. 249) sieht.


Anschlußprobleme: Exemplifikation, Multimedialität, tote Metaphern

Neben der Frage nach metaphorischen Prozessen in Bildern lässt sich auch die Frage stellen, ob Bilder als Ganzes eine Metapher sein können. Zu sagen, ein Bild sei eine Metapher für Traurigkeit, lässt sich verkürzen zur Annahme, ein Bild sei traurig. Goodman bezeichnet derartige Fälle als metaphorische Exemplifikation, denn ein Bild könne Traurigkeit nicht buchstäblich, sondern nur metaphorisch exemplifizieren ([Goodman 1968a]Goodman, Nelson (1968): Languages of Art. Hackett, Indianapolis.
Notiz: 2. rev. Aufl. 1976
Nicht angezeigt: dt.: Sprachen der Kunst. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1998
, vgl. auch [Aldrich 1983a]Aldrich, Virgil C. (1983): Visuelle Metapher. In: Haverkamp, A. (Hg.), Theorie der Metapher. WBG, Darmstadt.
, [Danto 1984a]Danto, Arthur C. (1984): Die Verklärung des Gewöhnlichen. Suhrkamp, Frankfurt/M.
und resümierend [Carroll 1999a]Carroll, Noël (1999): Philosophy of Art. Routledge, New York.
).

Zur Erforschung non-verbaler und multimodaler Metaphern orientiert Forceville sich außer an der »conceptual metaphor theory« von Lakoff und Turner an der neueren Multimedialitätsdebatte ( ⊳ Sprach-Bild-Bezüge).

Die Annahme, auch visuelle Metaphern können wie sprachliche Metaphern “absterben” und durch häufigen Gebrauch konventionalisiert werden, zieht sich wie ein roten Faden durch die verschiedenen Ansätze und bietet einen Ausgangspunkt, um Übergänge und Unterschiede zwischen visuellen Metaphern und Symbolen herauszuarbeiten.

Anmerkungen
Literatur
[Aldrich 1983a]Aldrich, Virgil C. (1983): Visuelle Metapher. In: Haverkamp, A. (Hg.), Theorie der Metapher. WBG, Darmstadt.[Black 1954a]Black, Max (1983): Die Metapher (1954). In: Haverkamp, A. (Hg.), Theorie der Metapher. WBG, Darmstadt.[Boehm 1994a]Boehm, Gottfried (1994): Die Wiederkehr der Bilder. In: Boehm, G. (Hg.), Was ist ein Bild?. Fink, München.[Bätschmann 1984a]Bätschmann, Oskar (1984): Einführung in die kunstgeschichtliche Hermeneutik. WBG, Darmstadt.[Carroll 1994a]Carroll, Noël (1994): Visual Metaphor. In: Hintikka, J. (Hg.), Aspects of Metaphor. Kluwer, Boston.[Carroll 1996a]Carroll, Noël (1996): A Note on Film Metaphor. In: Carrol, N. (Hg.), Theorizing the Moving Image. Cambridge University Press, Cambrigde.[Carroll 1999a]Carroll, Noël (1999): Philosophy of Art. Routledge, New York.[Danto 1984a]Danto, Arthur C. (1984): Die Verklärung des Gewöhnlichen. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Davidson 1978a]Davidson, Donald (1984): What Metaphors Mean (1978). In: Davidson, D. (Hg.), Inquiries into Truth and Interpretation. Clarendon, Oxford.[Forceville 1996a]Forceville, Charles (1996): Pictorial Metaphor in Advertising. Routledge, London.[Forceville 2005a]Forceville, Charles (2005): Cognitive Linguistics and Multimodal Metaphor. In: Sachs-Hombach, K. (Hg.), Bildwissenschaft – Zwischen Reflexion und Anwendung. Halem, Köln.[Forceville 2006a]Forceville, Charles (2009): Non-verbal and Multimodal Metaphor in a Cognitivist Framework: Agendas for Research(2006). In: Forceville, C. & Urios-Aparisi, E. (Hg.), Multimodal Metaphor. De Gruyter, Berlin.[Gombrich 1978a]Gombrich, Ernst H. (1978): Meditationen über ein Steckenpferd. Von den Wurzeln und Grenzen der Kunst. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Goodman 1968a]Goodman, Nelson (1968): Languages of Art. Hackett, Indianapolis.[Hausman 1989a]Hausman, Carl R. (1989): Metaphor and Art. Cambridge University Press, Cambridge.[Imdahl 1985a]Imdahl, Max (1985): Picassos Guernica. Insel, Frankfurt/M.[Imdahl 1994a]Imdahl, Max (1994): Ikonik: Bilder und ihre Anschauung. In: Böhm, G. (Hg.), Was ist ein Bild?. Fink, München.[Johansen & Posner 2003a]Johansen, Jørgen Dines & Posner, Roland (2003): Einführung. Zeitschrift für Semiotik, 25, 1.[Lakoff & Johnson 1980a]Lakoff, George & Johnson, Mark (1980): Metaphors We Live By. University of Chicago Press, Chicago & London.[Lakoff & Turner 1989a]Lakoff, George & Turner, Mark (1989): More than Cool Reason. University of Chicago Press, Chicago.[Majetschak 2005a]Majetschak, Stefan (2005): Sichtbare Metaphern. In: Hoppe-Sailer, R. (Hg.), Logik der Bilder. Reimer, Berlin.[Rimmele 2011a]Rimmele, Marius (2011): „Metapher“ als Metapher. E-Journal kunsttexte.de, 1.[Sonesson 2003a]Sonesson, Göran (2003): Über Metaphern in Bildern. Zeitschrift für Semiotik, 25, 1.[Wagner 1999a]Wagner, Christoph (1999): Farbe und Metapher. Gebr.Mann, Berlin.[Wollheim 1982a]Wollheim, Richard (1982): Sehen-als, sehen-in und bildliche Darstellung. In: Wollheim, R. (Hg.), Objekte der Kunst. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Wollheim 1987a]Wollheim, Richard (1987): Painting, Metaphor, and the Body: Titian, Bellini, De Kooning, etc.. In: Wollheim, R. (Hg.), Painting as an Art. Princeton University Press, Princeton.

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