Visuelle und multimodale Metaphern: Unterschied zwischen den Versionen
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In der Kunstwis­senschaft lassen sich bereits seit Mitte des 20. Jahrhun­derts Versu­che ausma­chen, die Figur der Meta­pher als Mittel zur Bild­ana­lyse und -inter­preta­tion zu nutzen; oftmals handelt es sich dabei aller­dings nicht um eigen­ständi­ge Theorien, sondern vielmehr um Instru­mente für spezi­fische Kontex­te (<bib id='Gombrich 1978a'></bib>, <bib id='Imdahl 1985a'></bib>, <bib id='Wagner 1999a'></bib>). Hierbei werden oft einzel­ne Theorien zur sprachli­chen Meta­pher heran­gezo­gen, die sich für den jewei­ligen Kontext eignen; Gombrichs «Wertme­taphern in der Bilden­den Kunst» von 1952 stützt sich beispiels­weise auf Aris­tote­les «Poetik» (vgl. <bib id='Gombrich 1978a'></bib>: S. 34-64), <bib id='Hausman 1989a'></bib> auf <bib id='Black 1954a'></bib>, <bib id='Wollheim 1987a'></bib> auf <bib id='Davidson 1978a'>David­son 1978a</bib>). Dennoch werden auch wichti­ge Grundla­gen zur Annä­herung an genuin bildhaf­te Meta­phern ent­wickelt, wie beispiels­weise die Unter­scheidun­gen zwischen​ »Sehen-​als«​ und​ »Sehen-​in«​ (<bib id='Wollheim 1982a'>Woll­heim 1982a</bib>) und die Beto­nung der bildhaf­ten Simul­tane­ität zur Erzeu­gung von Sinn (<bib id='Imdahl 1994a'></bib>, <bib id='Boehm 1994a'></bib>). Auch wenn die Meta­pher als Export­gut aus der Lingu­istik immer wieder in den kunstwis­senschaft­lichen Diskurs rückt, bleibt ihre Stellung in diesem margi­nal und ihr Poten­tial wenig beach­tet (<bib id='Bätschmann 1984a'>Bätsch­mann 1984a</bib>, <bib id='Rimmele 2011a'>Rimme­le 2011a</bib>). | In der Kunstwis­senschaft lassen sich bereits seit Mitte des 20. Jahrhun­derts Versu­che ausma­chen, die Figur der Meta­pher als Mittel zur Bild­ana­lyse und -inter­preta­tion zu nutzen; oftmals handelt es sich dabei aller­dings nicht um eigen­ständi­ge Theorien, sondern vielmehr um Instru­mente für spezi­fische Kontex­te (<bib id='Gombrich 1978a'></bib>, <bib id='Imdahl 1985a'></bib>, <bib id='Wagner 1999a'></bib>). Hierbei werden oft einzel­ne Theorien zur sprachli­chen Meta­pher heran­gezo­gen, die sich für den jewei­ligen Kontext eignen; Gombrichs «Wertme­taphern in der Bilden­den Kunst» von 1952 stützt sich beispiels­weise auf Aris­tote­les «Poetik» (vgl. <bib id='Gombrich 1978a'></bib>: S. 34-64), <bib id='Hausman 1989a'></bib> auf <bib id='Black 1954a'></bib>, <bib id='Wollheim 1987a'></bib> auf <bib id='Davidson 1978a'>David­son 1978a</bib>). Dennoch werden auch wichti­ge Grundla­gen zur Annä­herung an genuin bildhaf­te Meta­phern ent­wickelt, wie beispiels­weise die Unter­scheidun­gen zwischen​ »Sehen-​als«​ und​ »Sehen-​in«​ (<bib id='Wollheim 1982a'>Woll­heim 1982a</bib>) und die Beto­nung der bildhaf­ten Simul­tane­ität zur Erzeu­gung von Sinn (<bib id='Imdahl 1994a'></bib>, <bib id='Boehm 1994a'></bib>). Auch wenn die Meta­pher als Export­gut aus der Lingu­istik immer wieder in den kunstwis­senschaft­lichen Diskurs rückt, bleibt ihre Stellung in diesem margi­nal und ihr Poten­tial wenig beach­tet (<bib id='Bätschmann 1984a'>Bätsch­mann 1984a</bib>, <bib id='Rimmele 2011a'>Rimme­le 2011a</bib>). | ||
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Seit Goodman werden in der Kunstphi­loso­phie Formen visu­eller Meta­phori­zität disku­tiert. Vor allem die verschie­denen Modi der Reprä­senta­tion-​als bzw. des Sehen-​als stehen im Zentrum vieler Ana­lysen (vgl. <bib id='Goodman 1968a'></bib>, <bib id='Aldrich 1983a'></bib>, <bib id='Danto 1984a'></bib>, <bib id='Majetschak 2005a'>Maje­tschak 2005a</bib>). Oftmals verlie­ren die Begriffs­bestim­mungen aller­dings an Kontur, da die Meta­pher als Argu­ment für die Wesens­bestim­mung der Kunst funktio­nali­siert wird, wie im Falle der Ausdrucks­theorien von Danto und Aldrich. Beson­ders wichtig auf dem Wege zur theore­tischen Erfas­sung der visu­ellen | Seit Goodman werden in der Kunstphi­loso­phie Formen visu­eller Meta­phori­zität disku­tiert. Vor allem die verschie­denen Modi der Reprä­senta­tion-​als bzw. des Sehen-​als stehen im Zentrum vieler Ana­lysen (vgl. <bib id='Goodman 1968a'></bib>, <bib id='Aldrich 1983a'></bib>, <bib id='Danto 1984a'></bib>, <bib id='Majetschak 2005a'>Maje­tschak 2005a</bib>). Oftmals verlie­ren die Begriffs­bestim­mungen aller­dings an Kontur, da die Meta­pher als Argu­ment für die Wesens­bestim­mung der Kunst funktio­nali­siert wird, wie im Falle der Ausdrucks­theorien von Danto und Aldrich. Beson­ders wichtig auf dem Wege zur theore­tischen Erfas­sung der visu­ellen Meta­pher sind Goodmans Ausfüh­rungen zur meta­phori­schen Exem­plifi­kation, anhand derer meta­phori­sche Prozes­se in Bildern deutlich von an Bilder heran­getra­genen meta­phori­schen [[Prädikation|Prädi­kati­onen]] unter­schieden werden können (⊳ auch [[Strukturbild|Struktur­bild]]), und ande­rerseits Carrolls Bestim­mung der zentra­len Aspek­te visu­eller Meta­phern – wie Carroll selbst schreibt, der „most central and least contro­versial core cases of visual meta­phor“ (<bib id='Carroll 1994a'></bib>: S. 215), die eine struktu­relle Verwandt­schaft zur sprachli­chen Meta­pher auswei­sen. | ||
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Aus semiotischer Perspektive wurde 2003 kriti­siert, dass in der Meta­phernfor­schung kein neuer Ansatz gesucht werde, sondern stets nur die Über­tragbar­keit der sprachli­chen Meta­pher in ande­re Phäno­menbe­reiche disku­tiert werde. Durch die semio­tische Ana­lyse non-​verba­ler Meta­phern wird versucht, einen Forschungs­ansatz neben dem logo­zentris­tischen vorzu­stellen, der vielleicht auch für die Ana­lyse sprachli­cher Meta­phern fruchtbar sein könnte (<bib id='Johansen & Posner 2003a'>Johan­sen & Posner 2003a</bib>: S. 4f., <bib id='Sonesson 2003a'>Sones­son 2003a</bib>). | Aus semiotischer Perspektive wurde 2003 kriti­siert, dass in der Meta­phernfor­schung kein neuer Ansatz gesucht werde, sondern stets nur die Über­tragbar­keit der sprachli­chen Meta­pher in ande­re Phäno­menbe­reiche disku­tiert werde. Durch die semio­tische Ana­lyse non-​verba­ler Meta­phern wird versucht, einen Forschungs­ansatz neben dem logo­zentris­tischen vorzu­stellen, der vielleicht auch für die Ana­lyse sprachli­cher Meta­phern fruchtbar sein könnte (<bib id='Johansen & Posner 2003a'>Johan­sen & Posner 2003a</bib>: S. 4f., <bib id='Sonesson 2003a'>Sones­son 2003a</bib>). | ||
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Zentrale Frage in der Diskussion visu­eller Meta­phern ist, ob im non-​verba­len Bereich eine der ‘A ist B’-Form der sprachli­chen Meta­pher struktu­rell ähnli­che Form vorliegt. Eine visu­elle Meta­pher in dieser Form zu verba­lisie­ren bedeu­tet oftmals eine Verschie­bung ihrer Bedeu­tung. Nicht-​sprachli­che Meta­phern können keine [[Proposition|propo­sitio­nalen]] Gehal­te erzeu­gen und daher auch nicht wahr oder falsch im logi­schen Sinne sein (vgl. <bib id='Danto 1984a'></bib>, <bib id='Carroll 1994a'></bib>, <bib id='Carroll 1996a'></bib>, <bib id='Sonesson 2003a'>Sones­son 2003a</bib>, <bib id='Forceville 1996a'>Force­ville 1996a</bib>, <bib id='Forceville 2005a'>Force­ville 2005a</bib>, <bib id='Forceville 2006a'>Force­ville 2006a</bib>). Carroll sieht in der physikalischen Unvereinbarkeit („physically non­compos­sible“, <bib id='Carroll 1994a'></bib>: S. 199) der Über­schneidung eine der Falsch­heit sprachli­cher Meta­phern vergleich­bare Möglich­keit, eine Ano­malie zu erzeu­gen. In ähnli­cher Weise nähert sich Sones­son dieser Proble­matik an – aller­dings ohne genau­ere Bestim­mung –, indem er von einem Verstoß gegen die „Syntax der Dinge“ (<bib id='Sonesson 2003a'>Sones­son 2003a</bib>: S. 32) spricht. Force­ville nähert sich diesem zentra­len Problem visu­eller Meta­phorik über das Konzept des simul­tanen Einset­zens („simul­taneous cueing“, <bib id='Forceville 2006a'>Force­ville 2006a</bib>: S. 31) an, durch das eine der Struktur der sprachli­chen Meta­pher verwand­te Form erreicht werden kann: „Filling a schematic slot unex­pect­edly“ (<bib id='Forceville 2006a'>Force­ville 2006a</bib>: S. 31). | Zentrale Frage in der Diskussion visu­eller Meta­phern ist, ob im non-​verba­len Bereich eine der ‘A ist B’-Form der sprachli­chen Meta­pher struktu­rell ähnli­che Form vorliegt. Eine visu­elle Meta­pher in dieser Form zu verba­lisie­ren bedeu­tet oftmals eine Verschie­bung ihrer Bedeu­tung. Nicht-​sprachli­che Meta­phern können keine [[Proposition|propo­sitio­nalen]] Gehal­te erzeu­gen und daher auch nicht wahr oder falsch im logi­schen Sinne sein (vgl. <bib id='Danto 1984a'></bib>, <bib id='Carroll 1994a'></bib>, <bib id='Carroll 1996a'></bib>, <bib id='Sonesson 2003a'>Sones­son 2003a</bib>, <bib id='Forceville 1996a'>Force­ville 1996a</bib>, <bib id='Forceville 2005a'>Force­ville 2005a</bib>, <bib id='Forceville 2006a'>Force­ville 2006a</bib>). Carroll sieht in der physikalischen Unvereinbarkeit („physically non­compos­sible“, <bib id='Carroll 1994a'></bib>: S. 199) der Über­schneidung eine der Falsch­heit sprachli­cher Meta­phern vergleich­bare Möglich­keit, eine Ano­malie zu erzeu­gen. In ähnli­cher Weise nähert sich Sones­son dieser Proble­matik an – aller­dings ohne genau­ere Bestim­mung –, indem er von einem Verstoß gegen die „Syntax der Dinge“ (<bib id='Sonesson 2003a'>Sones­son 2003a</bib>: S. 32) spricht. Force­ville nähert sich diesem zentra­len Problem visu­eller Meta­phorik über das Konzept des simul­tanen Einset­zens („simul­taneous cueing“, <bib id='Forceville 2006a'>Force­ville 2006a</bib>: S. 31) an, durch das eine der Struktur der sprachli­chen Meta­pher verwand­te Form erreicht werden kann: „Filling a schematic slot unex­pect­edly“ (<bib id='Forceville 2006a'>Force­ville 2006a</bib>: S. 31). | ||
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Theoretischer Dissens herrscht beson­ders bei der Frage der Direk­tiona­lität visu­eller Meta­phern. Während Carroll einräumt, dass der meta­phori­sche Prozess vieler seiner Beispie­le symmet­risch und daher bidi­rektio­nal sei (<bib id='Carroll 1994a'></bib>), argu­mentiert Sones­son, die Lesart einer visu­ellen Meta­pher sei kontext­abhän­gig (<bib id='Sonesson 2003a'>Sones­son 2003a</bib>). Hausman geht als Folge­rung aus seiner Inter­preta­tion der Inter­aktions­theorie der Meta­pher von Black (<bib id='Black 1954a'></bib>) grundle­gend von einer Rever­sibi­lität visu­eller Meta­phern aus (<bib id='Hausman 1989a'></bib>). Force­ville kriti­siert die Annah­me der mögli­chen Symme­trie visu­eller Meta­phern: Bei vielen visu­ellen Meta­phern, vor allem in der Kunst, könne nicht genau zwischen Quell- und Zielbe­reich unter­schieden werden. Dies hieße aller­dings nicht, visu­elle | Theoretischer Dissens herrscht beson­ders bei der Frage der Direk­tiona­lität visu­eller Meta­phern. Während Carroll einräumt, dass der meta­phori­sche Prozess vieler seiner Beispie­le symmet­risch und daher bidi­rektio­nal sei (<bib id='Carroll 1994a'></bib>), argu­mentiert Sones­son, die Lesart einer visu­ellen Meta­pher sei kontext­abhän­gig (<bib id='Sonesson 2003a'>Sones­son 2003a</bib>). Hausman geht als Folge­rung aus seiner Inter­preta­tion der Inter­aktions­theorie der Meta­pher von Black (<bib id='Black 1954a'></bib>) grundle­gend von einer Rever­sibi­lität visu­eller Meta­phern aus (<bib id='Hausman 1989a'></bib>). Force­ville kriti­siert die Annah­me der mögli­chen Symme­trie visu­eller Meta­phern: Bei vielen visu­ellen Meta­phern, vor allem in der Kunst, könne nicht genau zwischen Quell- und Zielbe­reich unter­schieden werden. Dies hieße aller­dings nicht, visu­elle Meta­phern seien symme­trisch, sondern ledig­lich, dass sich zwei verschie­dene Lesar­ten und somit zwei verschie­dene Meta­phern erken­nen lassen können (vgl. <bib id='Forceville 1996a'>Force­ville 1996a</bib>, <bib id='Forceville 2006a'>Force­ville 2006a</bib>). | ||
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Bei Repräsentationen-als und bei Überschnei­dungen können nicht nur visu­elle Eigen­schaften der zusam­menge­brachten Ele­mente im meta­phori­schen Prozess über­tragen werden. Beson­ders Force­ville und Sones­son beto­nen die [[Kontext|Kontext­abhän­gigkeit]] inner­halb des Über­tragungs­prozes­ses. Grundle­gend wirke sich auch das Genre (z.B. Werbung, Science-​Fiction-​Film) auf die meta­phori­sche Projek­tion und ferner auf die Erkenn­barkeit visu­eller Meta­phern aus (<bib id='Forceville 2006a'>Force­ville 2006a</bib>). Im Falle der Werke der [[bildende Kunst|bilden­den Kunst]] spielen zudem [[Ikonografie, Ikonologie, Ikonik|ikono­graphi­sche]] Konven­tionen eine starke Rolle – neben allge­meinen kultu­rellen Kenntnis­sen wie im Falle des Bildnis­ses Napo­leons als römi­scher Kaiser –, weshalb Maje­tschak den Bedarf zur Erfor­schung visu­eller Meta­phorik vor allem in einer „meta­phernthe­ore­tisch orien­tierte(n) Iko­nogra­phie“ (<bib id='Majetschak 2005a'>Maje­tschak 2005a</bib>: S. 249) sieht. | Bei Repräsentationen-als und bei Überschnei­dungen können nicht nur visu­elle Eigen­schaften der zusam­menge­brachten Ele­mente im meta­phori­schen Prozess über­tragen werden. Beson­ders Force­ville und Sones­son beto­nen die [[Kontext|Kontext­abhän­gigkeit]] inner­halb des Über­tragungs­prozes­ses. Grundle­gend wirke sich auch das Genre (z.B. Werbung, Science-​Fiction-​Film) auf die meta­phori­sche Projek­tion und ferner auf die Erkenn­barkeit visu­eller Meta­phern aus (<bib id='Forceville 2006a'>Force­ville 2006a</bib>). Im Falle der Werke der [[bildende Kunst|bilden­den Kunst]] spielen zudem [[Ikonografie, Ikonologie, Ikonik|ikono­graphi­sche]] Konven­tionen eine starke Rolle – neben allge­meinen kultu­rellen Kenntnis­sen wie im Falle des Bildnis­ses Napo­leons als römi­scher Kaiser –, weshalb Maje­tschak den Bedarf zur Erfor­schung visu­eller Meta­phorik vor allem in einer „meta­phernthe­ore­tisch orien­tierte(n) Iko­nogra­phie“ (<bib id='Majetschak 2005a'>Maje­tschak 2005a</bib>: S. 249) sieht. | ||
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==Anschlußprobleme: Exempli­fika­tion, Multi­media­lität, tote Meta­phern== | ==Anschlußprobleme: Exempli­fika­tion, Multi­media­lität, tote Meta­phern== | ||
Neben der Frage nach meta­phori­schen Prozes­sen in Bildern lässt sich auch die Frage stellen, ob Bilder als Ganzes eine Meta­pher sein können. Zu sagen, ein Bild sei eine | Neben der Frage nach meta­phori­schen Prozes­sen in Bildern lässt sich auch die Frage stellen, ob Bilder als Ganzes eine Meta­pher sein können. Zu sagen, ein Bild sei eine Meta­pher für Traurig­keit, lässt sich verkür­zen zur Annah­me, ein Bild sei traurig. Goodman bezeich­net derar­tige Fälle als meta­phori­sche [[Referenz, Denotation, Exemplifikation|Exem­plifi­kation]], denn ein Bild könne Traurig­keit nicht buchstäb­lich, sondern nur meta­phorisch exem­plifi­zieren (<bib id='Goodman 1968a'></bib>, vgl. auch <bib id='Aldrich 1983a'></bib>, <bib id='Danto 1984a'></bib> und resü­mierend <bib id='Carroll 1999a'></bib>). | ||
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Zur Erforschung non-verbaler und multi­moda­ler Meta­phern orien­tiert Force­ville sich außer an der »concep­tual metaphor theory« von Lakoff und Turner an der neue­ren Multi­media­litäts­debat­te ( ⊳ [[Sprach-Bild-Bezüge|Sprach-­Bild-­Bezü­ge]]). | Zur Erforschung non-verbaler und multi­moda­ler Meta­phern orien­tiert Force­ville sich außer an der »concep­tual metaphor theory« von Lakoff und Turner an der neue­ren Multi­media­litäts­debat­te ( ⊳ [[Sprach-Bild-Bezüge|Sprach-­Bild-­Bezü­ge]]). | ||
Version vom 26. Dezember 2013, 12:41 Uhr
Unterpunkt zu: Bild und rhetorische Figur
Unterschiedliche Perspektiven und DisziplinenEs gibt eine Vielzahl von Theorien, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven und auch aus unterschiedlichen Disziplinen heraus der visuellen Metapher als einem der sprachlichen Metapher verwandten Phänomen anzunähern versuchen.
In der Kunstwissenschaft lassen sich bereits seit Mitte des 20. Jahrhunderts Versuche ausmachen, die Figur der Metapher als Mittel zur Bildanalyse und -interpretation zu nutzen; oftmals handelt es sich dabei allerdings nicht um eigenständige Theorien, sondern vielmehr um Instrumente für spezifische Kontexte ([Gombrich 1978a]Gombrich, Ernst H. (1978): Meditationen über ein Steckenpferd. Von den Wurzeln und Grenzen der Kunst. Suhrkamp, Frankfurt/M. Seit Goodman werden in der Kunstphilosophie Formen visueller Metaphorizität diskutiert. Vor allem die verschiedenen Modi der Repräsentation-als bzw. des Sehen-als stehen im Zentrum vieler Analysen (vgl. [Goodman 1968a]Goodman, Nelson (1968): Languages of Art. Hackett, Indianapolis. Aus semiotischer Perspektive wurde 2003 kritisiert, dass in der Metaphernforschung kein neuer Ansatz gesucht werde, sondern stets nur die Übertragbarkeit der sprachlichen Metapher in andere Phänomenbereiche diskutiert werde. Durch die semiotische Analyse non-verbaler Metaphern wird versucht, einen Forschungsansatz neben dem logozentristischen vorzustellen, der vielleicht auch für die Analyse sprachlicher Metaphern fruchtbar sein könnte ([Johansen & Posner 2003a]Johansen, Jørgen Dines & Posner, Roland (2003): Einführung. Zeitschrift für Semiotik, 25, 1. Seit den 1980er Jahren bieten kognitivistische Metaphertheorien, wie sie vor allem von Lakoff und Johnson ([Lakoff & Johnson 1980a]Lakoff, George & Johnson, Mark (1980): Metaphors We Live By. University of Chicago Press, Chicago & London.
ist die Metapher maßgeblich ein Phänomen unseres Denkens (⊳ Image Schemata). Forceville greift dieses Paradigma in seinen Analysen bildhafter Metaphern auf (vgl. [Forceville 1996a]Forceville, Charles (1996): Pictorial Metaphor in Advertising. Routledge, London. Forceville führt in die kognitivistisch geprägte Metaphernforschung die Unterscheidung zwischen monomodalen und multimodalen Metaphern ein. Eine monomodale Metapher habe den Quell- und Zielbereich, zwischen denen im metaphorischen Prozess die Projektion von Eigenschaften stattfindet, in der gleichen Modalität (s. Abb. 1), eine multimodale Metapher hingegen in verschiedenen Modalitäten. Multimodale Metaphern tauchen vor allem in der Werbung auf, wie Forcevilles Analysen zeigen. Eine Bildunterschrift kann beispielsweise zu einer anderen Lesart des Dargestellten auffordern, nach der der Betrachter Eigenschaften des in den Worten beschriebenen Phänomens auf das Bild projiziert. Indem die sprachliche Metapher als DIE Metapher entthront wird und als monomodale, wenn nicht als ihr Prototyp, neben die visuelle Metapher tritt, kann sich, so Forceville, die Erforschung nicht-sprachlicher Metaphern ihrer marginalen Stellung erwehren:
Visuelle und multimodale MetaphernIn der Theoriebildung zur visuellen Metapher hat sich bis zum heutigen Zeitpunkt kein Einheitsmodell etabliert, das allen Aspekten visueller Metaphorik oder den Fokusbildungen der unterschiedlichen Disziplinen vollends Rechnung tragen kann. In Forcevilles vorgestelltem Theorierahmen zur non-verbalen und multimodalen Metapher lässt sich allerdings ein erster Ansatz verorten, eine Forschungsgrundlage für Metaphern außerhalb der Sprache zu situieren, die sich der oft kritisierten einfachen Übertragung sprachwissenschaftlicher Theorien und deren eklektische Auswahl erwehren kann. Im Folgenden sollen zentrale Aspekte visueller Metaphorik und theoretische Probleme vorgestellt werden, die für die bisherige Forschung zur visuellen Metapher von zentraler Bedeutung sind und eine Grundlage zur Annäherung an das Phänomen darstellen. Zwei wesentliche Arten metaphorischer Prozesse in Bildern können unterschieden werden: einerseits die Repräsentation-als und andererseits die Überschneidung oder Überlagerung zu einer Mischform. Die Repräsentation-als bezeichnet die Darstellung eines Bildelements durch Attribute eines anderen Elements. Bereits Wollheim fixierte diesen Bildprozess mit dem Ausdruck ‘Sehen-als’ („seeing as“, [Wollheim 1982a]Wollheim, Richard (1982): Sehen-als, sehen-in und bildliche Darstellung. In: Wollheim, R. (Hg.), Objekte der Kunst. Suhrkamp, Frankfurt/M. Die Überschneidung als zweite wesentliche Art metaphorischer Prozesse im Bild taucht erstmals bei Carroll in einer genauen Analyse visueller Metaphern auf, die er mit der Überlagerung („superimposition“, [Carroll 1994a]Carroll, Noël (1994): Visual Metaphor. In: Hintikka, J. (Hg.), Aspects of Metaphor. Kluwer, Boston. Zentrale Frage in der Diskussion visueller Metaphern ist, ob im non-verbalen Bereich eine der ‘A ist B’-Form der sprachlichen Metapher strukturell ähnliche Form vorliegt. Eine visuelle Metapher in dieser Form zu verbalisieren bedeutet oftmals eine Verschiebung ihrer Bedeutung. Nicht-sprachliche Metaphern können keine propositionalen Gehalte erzeugen und daher auch nicht wahr oder falsch im logischen Sinne sein (vgl. [Danto 1984a]Danto, Arthur C. (1984): Die Verklärung des Gewöhnlichen. Suhrkamp, Frankfurt/M. Theoretischer Dissens herrscht besonders bei der Frage der Direktionalität visueller Metaphern. Während Carroll einräumt, dass der metaphorische Prozess vieler seiner Beispiele symmetrisch und daher bidirektional sei ([Carroll 1994a]Carroll, Noël (1994): Visual Metaphor. In: Hintikka, J. (Hg.), Aspects of Metaphor. Kluwer, Boston. Bei Repräsentationen-als und bei Überschneidungen können nicht nur visuelle Eigenschaften der zusammengebrachten Elemente im metaphorischen Prozess übertragen werden. Besonders Forceville und Sonesson betonen die Kontextabhängigkeit innerhalb des Übertragungsprozesses. Grundlegend wirke sich auch das Genre (z.B. Werbung, Science-Fiction-Film) auf die metaphorische Projektion und ferner auf die Erkennbarkeit visueller Metaphern aus ([Forceville 2006a]Forceville, Charles (2009): Non-verbal and Multimodal Metaphor in a Cognitivist Framework: Agendas for Research(2006). In: Forceville, C. & Urios-Aparisi, E. (Hg.), Multimodal Metaphor. De Gruyter, Berlin.
Anschlußprobleme: Exemplifikation, Multimedialität, tote MetaphernNeben der Frage nach metaphorischen Prozessen in Bildern lässt sich auch die Frage stellen, ob Bilder als Ganzes eine Metapher sein können. Zu sagen, ein Bild sei eine Metapher für Traurigkeit, lässt sich verkürzen zur Annahme, ein Bild sei traurig. Goodman bezeichnet derartige Fälle als metaphorische Exemplifikation, denn ein Bild könne Traurigkeit nicht buchstäblich, sondern nur metaphorisch exemplifizieren ([Goodman 1968a]Goodman, Nelson (1968): Languages of Art. Hackett, Indianapolis. Zur Erforschung non-verbaler und multimodaler Metaphern orientiert Forceville sich außer an der »conceptual metaphor theory« von Lakoff und Turner an der neueren Multimedialitätsdebatte ( ⊳ Sprach-Bild-Bezüge). Die Annahme, auch visuelle Metaphern können wie sprachliche Metaphern “absterben” und durch häufigen Gebrauch konventionalisiert werden, zieht sich wie ein roten Faden durch die verschiedenen Ansätze und bietet einen Ausgangspunkt, um Übergänge und Unterschiede zwischen visuellen Metaphern und Symbolen herauszuarbeiten. |
Anmerkungen
Literatur
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