Hologramm: Unterschied zwischen den Versionen
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Erst als Anfang des 19. Jahrhun­derts Thomas Young seine Doppel­spaltex­peri­mente durchführ­te, wurde die Beschrei­bung des Lichts als Welle unab­weisbar, auch wenn es noch eini­ge Zeit und weite­rer Forschung bedurf­te, bis sich dieses Modell endgül­tig durch­setzte (<bib id='Buchwald 1989a'></bib>).<ref>Seit den For­schun­gen von Max Planck und ins­be­son­de­re seit Ein­steins Vor­schlag ei­ner Er­klä­rung des pho­to­elek­tri­schen Ef­fekts von 1905 wird Licht als Wel­le und Par­ti­kel­strom zu­gleich ver­stan­den; dies ist das Feld der Quan­ten­op­tik, vgl. <bib id='Fox 2006a'></bib>.</ref> Die Wellen­optik erlaubt nicht nur die Erklä­rung der Beugung, sondern auch die der Inter­ferenz, also die Über­lage­rung von Wellen, die wegen der parti­ellen Auslö­schung bzw. Verstär­kung von Wellen zu Inter­ferenz­mustern führt. 1891 stellte der Physi­ker Gabriel Lippmann (Paris) sein Verfah­ren der Inter­ferenz­farbfo­togra­fie vor, das unter Ausnut­zung der Inter­ferenz die Repro­duktion von Farben mithil­fe von hochauf­lösen­den S/W-Foto­emul­sionen (Silber­halo­genid-Emul­sionen) erlaub­te. Dies ist – außer den verschie­denen Formen der Holo­graphie – das einzi­ge medien­techni­sche Verfah­ren, das wellen­opti­sche Effek­te nutzt.<ref>Für die­ses phy­si­ka­lisch ge­nau­es­te Farb­fo­to­ver­fah­ren be­kam er 1908 den No­bel­preis. Das Ver­fah­ren konn­te sich auf­grund ver­schie­de­ner Nach­tei­le (z.B. Nicht-Re­pro­du­zier­bar­keit) aber nicht ge­gen an­de­re Farb­fo­to­ver­fah­ren durch­set­zen (vgl. <bib id='Schröter 2009c'>Schrö­ter 2009</bib>: Ka­pi­tel 4).</ref> 1901 hat der Physi­ker Aimé Cotton zum ersten Mal vorge­schlagen, die Inter­ferenz­muster zweier Lichtwel­lenfron­ten ohne Benut­zung eines Objek­tivs aufzu­zeichnen, was dem Konzept eines Holo­gramms schon sehr nahe kommt (bei Lippmann war die Projek­tion des Objekts auf die Fläche noch der geomet­rischen Optik verpflich­tet). | Erst als Anfang des 19. Jahrhun­derts Thomas Young seine Doppel­spaltex­peri­mente durchführ­te, wurde die Beschrei­bung des Lichts als Welle unab­weisbar, auch wenn es noch eini­ge Zeit und weite­rer Forschung bedurf­te, bis sich dieses Modell endgül­tig durch­setzte (<bib id='Buchwald 1989a'></bib>).<ref>Seit den For­schun­gen von Max Planck und ins­be­son­de­re seit Ein­steins Vor­schlag ei­ner Er­klä­rung des pho­to­elek­tri­schen Ef­fekts von 1905 wird Licht als Wel­le und Par­ti­kel­strom zu­gleich ver­stan­den; dies ist das Feld der Quan­ten­op­tik, vgl. <bib id='Fox 2006a'></bib>.</ref> Die Wellen­optik erlaubt nicht nur die Erklä­rung der Beugung, sondern auch die der Inter­ferenz, also die Über­lage­rung von Wellen, die wegen der parti­ellen Auslö­schung bzw. Verstär­kung von Wellen zu Inter­ferenz­mustern führt. 1891 stellte der Physi­ker Gabriel Lippmann (Paris) sein Verfah­ren der Inter­ferenz­farbfo­togra­fie vor, das unter Ausnut­zung der Inter­ferenz die Repro­duktion von Farben mithil­fe von hochauf­lösen­den S/W-Foto­emul­sionen (Silber­halo­genid-Emul­sionen) erlaub­te. Dies ist – außer den verschie­denen Formen der Holo­graphie – das einzi­ge medien­techni­sche Verfah­ren, das wellen­opti­sche Effek­te nutzt.<ref>Für die­ses phy­si­ka­lisch ge­nau­es­te Farb­fo­to­ver­fah­ren be­kam er 1908 den No­bel­preis. Das Ver­fah­ren konn­te sich auf­grund ver­schie­de­ner Nach­tei­le (z.B. Nicht-Re­pro­du­zier­bar­keit) aber nicht ge­gen an­de­re Farb­fo­to­ver­fah­ren durch­set­zen (vgl. <bib id='Schröter 2009c'>Schrö­ter 2009</bib>: Ka­pi­tel 4).</ref> 1901 hat der Physi­ker Aimé Cotton zum ersten Mal vorge­schlagen, die Inter­ferenz­muster zweier Lichtwel­lenfron­ten ohne Benut­zung eines Objek­tivs aufzu­zeichnen, was dem Konzept eines Holo­gramms schon sehr nahe kommt (bei Lippmann war die Projek­tion des Objekts auf die Fläche noch der geomet­rischen Optik verpflich­tet). | ||
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Als eigentlicher | Als eigentlicher ''Erfinder'' der Holo­graphie gilt jedoch Denis Gabor, der 1948 in «Nature» einen kurzen Aufsatz veröf­fentlich­te, in dem es darum ging, die Begren­zung der Auflö­sung von Elek­tronen­mikro­skopen zu umge­hen. Sein Vorschlag war, auf die Linsen (genau­er: Elek­tronen­linsen) zu verzich­ten und die Aufzeich­nung des Inter­ferenz­musters zwischen der einfal­lenden Welle und dem vom Objekt gebeug­ten Teil der Welle (Objekt­welle) zu nutzen, um die ursprüng­liche Objekt­welle später wieder zu rekon­struie­ren. Gabor bekam für dieses Konzept 1971 den Nobel­preis für Physik. Aller­dings war sein Versuch von zwei Proble­men belastet: | ||
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a. Gabors experimentelle Anordnung hatte eine ''Inline''-Struktur, d.h. die bei der | a. Gabors experimentelle Anordnung hatte eine ''Inline''-Struktur, d.h. die bei der Wellen­frontre­konstruk­tion entste­henden zwei Bilder (reelles und virtu­elles Bild) über­lagern sich, wodurch die Rekon­struktion verun­klart wird. | ||
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b. Kohärent sind zwei Wellen, wenn sie in einer festen | b. Kohärent sind zwei Wellen, wenn sie in einer festen Phasen­bezie­hung zuein­ander stehen. Gabor hatte aber keine wirklich kohä­rente Licht­quelle. Daher konnte er keine sehr guten Inter­ferenz­muster erzeu­gen. Erst mit dem Laser, der ab ca. 1960 völlig unab­hängig von den Forschun­gen Gabors u.a. entstand, steht eine solche Lichtquel­le zur Verfü­gung. | ||
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[[Datei:Offline-Holo.png|thumb| | [[Datei:Offline-Holo.png|thumb|Ab­bil­dung 1: Off­line-An­ord­nung zur Auf­nah­me ei­nes Ho­lo­gramms]] | ||
1963 erzeugten dann Emmeth Leith und Juris | 1963 erzeugten dann Emmeth Leith und Juris Upat­nieks mit einer ''Offline''-Anord­nung (Abb. 1, 2) und Laser­licht die ersten bildhaf­ten Holo­gramme, die sofort die größte Aufmerk­samkeit auf sich zogen.<ref>In­so­fern die­se Ho­lo­gra­phien zu ih­rer Er­stel­lung La­ser­licht be­nö­ti­gen, ge­hen sie al­so nicht nur auf die Wel­len-, son­dern auch auf die Quan­ten­op­tik zu­rück.</ref> Abbil­dung 1 zeigt, wie die Objekt­welle des vom Objekt reflek­tierten (gestreu­ten) Laser­lichts vor der hochauf­lösen­den Holo­gramm-Platte mit der Refe­renzwel­le über­lagert wird. Die Platte speichert kein Bild des Objekts, sondern das Inter­ferenz­muster, das sich visu­ell unter dem Mikro­skop als wirre Anord­nung schwarzer und weißer Linien zeigt. | ||
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[[Datei:Rekon-Holo.png|thumb| | [[Datei:Rekon-Holo.png|thumb|Ab­bil­dung 2: Re­kon­struk­ti­on des Ho­lo­gramms bei ei­ner Off­line-An­ord­nung. Das re­el­le und das vir­tu­el­le Bild wer­den an ver­schie­de­nen Or­ten re­kon­stru­iert und über­la­gern sich al­so nicht.]] | ||
Zur Rekonstruktion der ursprüng­lichen Objekt­welle wird, wie in Abbildung 2, das zur Aufnah­me verwen­dete Licht wieder durch die Platte gelei­tet, wobei diese Welle an den schwarz/weißen-Inter­ferenz­mustern gebeugt und so die ursprüng­liche Objekt­welle wieder herge­stellt wird. Es entste­hen ein virtu­elles und ein (pseudo­skopi­sches) reelles Bild. Das virtu­elle Bild erscheint als dreidi­mensio­nales Bild der beleuch­teten Seite des Objekts. So erzeug­te Holo­gramme kann man nicht in weißem Licht als holo­graphi­sche Bilder sehen – sondern nur im zur Aufnah­me verwen­deten Laser­licht (Laser-Transmis­sionslicht-Holo­graphie). | |||
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Es gibt allerdings auch noch andere | Es gibt allerdings auch noch andere geome­trische Anord­nungen, um Holo­gramme aufzu­zeichnen (z.B. Denisyuk-Holo­gramme); Verfah­ren, um Holo­gramme herzu­stellen, die man auch in weißem Licht sehen kann (Volu­menho­logram­me, Denisyuk-Holo­gramme gehö­ren etwa dazu; aber auch sog. Regen­bogen­holo­gramme); Verfah­ren, um vollfar­bige Holo­gramme aufzu­nehmen; Verfah­ren, um Holo­gramme mit Compu­tern zu gene­rieren oder Verfah­ren, um Film und Holo­graphie zu verknüp­fen (Multi­plex-Holo­graphie und holo­graphi­scher Film im enge­ren Sinne) und vieles mehr. Sehr ausführ­liche und hilfrei­che Erläu­terun­gen zu all diesen Verfah­ren findet man bei <bib id='Johnston 2006a'>Johns­ton 2006a</bib>. Hier können nur die basa­len Züge holo­graphi­scher Bildlich­keit disku­tiert werden. | ||
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Version vom 9. August 2013, 21:32 Uhr
Unterpunkt zu: Bildmedien
Definition und GliederungDie Holographie ist das Verfahren, die Interferenzmuster, welche sich bei der Überlagerung von zwei kohärenten Wellenfronten ergeben, aufzuzeichnen. Die fotografische Aufzeichnung dieser Muster wird Hologramm genannt. Ein solches Hologramm erlaubt die Rekonstruktion der Objektwelle, d.h. eines dreidimensionalen Bildes des aufgezeichneten Gegenstandes. Dieses ungewöhnliche Verfahren wurde um 1948 von Denis Gabor theoretisch entworfen. Seit der Entwicklung des Laserlichts Anfang der 1960er Jahre kommt es in zahlreichen, keineswegs nur im engeren Sinne bildlichen, Verfahren zum Einsatz. Die holographischen Bilder weichen in vielerlei Hinsicht von allen anderen bekannten technischen Bildern ab und waren bislang kaum Gegenstand der kunst-, medien- oder bildwissenschaftlichen Forschung (vgl. aber neuerdings [Rieger & Schröter 2009a]Rieger, Stefan & Schröter, Jens (Hg.) (2009): Das holographische Wissen. diaphanes, Zürich, Berlin.
Geschichte und Verfahren[1]Die epistemologische Bedingung der Möglichkeit der Holographie liegt in der Beschreibung des Lichts als transversaler Wellenfront, also in der Wellenoptik. Diese Beschreibung wurde schon im 17. Jahrhundert von Christiaan Huyghens vorgeschlagen, da Phänomene wie die Beugung mit dem zu dieser Zeit dominierenden Modell der geometrischen Optik (Licht als Bündel gerader Lichtstrahlen; oder als Strom von Partikeln auf gerader Bahn) nicht erklärbar waren. Zunächst konnte sich diese Beschreibung aber nicht durchsetzen.
Erst als Anfang des 19. Jahrhunderts Thomas Young seine Doppelspaltexperimente durchführte, wurde die Beschreibung des Lichts als Welle unabweisbar, auch wenn es noch einige Zeit und weiterer Forschung bedurfte, bis sich dieses Modell endgültig durchsetzte ([Buchwald 1989a]Buchwald, Jed Z. (1989): The Rise of the Wave Theory of Light. University of Chicago Press, Chicago. Als eigentlicher Erfinder der Holographie gilt jedoch Denis Gabor, der 1948 in «Nature» einen kurzen Aufsatz veröffentlichte, in dem es darum ging, die Begrenzung der Auflösung von Elektronenmikroskopen zu umgehen. Sein Vorschlag war, auf die Linsen (genauer: Elektronenlinsen) zu verzichten und die Aufzeichnung des Interferenzmusters zwischen der einfallenden Welle und dem vom Objekt gebeugten Teil der Welle (Objektwelle) zu nutzen, um die ursprüngliche Objektwelle später wieder zu rekonstruieren. Gabor bekam für dieses Konzept 1971 den Nobelpreis für Physik. Allerdings war sein Versuch von zwei Problemen belastet: a. Gabors experimentelle Anordnung hatte eine Inline-Struktur, d.h. die bei der Wellenfrontrekonstruktion entstehenden zwei Bilder (reelles und virtuelles Bild) überlagern sich, wodurch die Rekonstruktion verunklart wird. b. Kohärent sind zwei Wellen, wenn sie in einer festen Phasenbeziehung zueinander stehen. Gabor hatte aber keine wirklich kohärente Lichtquelle. Daher konnte er keine sehr guten Interferenzmuster erzeugen. Erst mit dem Laser, der ab ca. 1960 völlig unabhängig von den Forschungen Gabors u.a. entstand, steht eine solche Lichtquelle zur Verfügung. 1963 erzeugten dann Emmeth Leith und Juris Upatnieks mit einer Offline-Anordnung (Abb. 1, 2) und Laserlicht die ersten bildhaften Hologramme, die sofort die größte Aufmerksamkeit auf sich zogen.[4] Abbildung 1 zeigt, wie die Objektwelle des vom Objekt reflektierten (gestreuten) Laserlichts vor der hochauflösenden Hologramm-Platte mit der Referenzwelle überlagert wird. Die Platte speichert kein Bild des Objekts, sondern das Interferenzmuster, das sich visuell unter dem Mikroskop als wirre Anordnung schwarzer und weißer Linien zeigt. Zur Rekonstruktion der ursprünglichen Objektwelle wird, wie in Abbildung 2, das zur Aufnahme verwendete Licht wieder durch die Platte geleitet, wobei diese Welle an den schwarz/weißen-Interferenzmustern gebeugt und so die ursprüngliche Objektwelle wieder hergestellt wird. Es entstehen ein virtuelles und ein (pseudoskopisches) reelles Bild. Das virtuelle Bild erscheint als dreidimensionales Bild der beleuchteten Seite des Objekts. So erzeugte Hologramme kann man nicht in weißem Licht als holographische Bilder sehen – sondern nur im zur Aufnahme verwendeten Laserlicht (Laser-Transmissionslicht-Holographie). Es gibt allerdings auch noch andere geometrische Anordnungen, um Hologramme aufzuzeichnen (z.B. Denisyuk-Hologramme); Verfahren, um Hologramme herzustellen, die man auch in weißem Licht sehen kann (Volumenhologramme, Denisyuk-Hologramme gehören etwa dazu; aber auch sog. Regenbogenhologramme); Verfahren, um vollfarbige Hologramme aufzunehmen; Verfahren, um Hologramme mit Computern zu generieren oder Verfahren, um Film und Holographie zu verknüpfen (Multiplex-Holographie und holographischer Film im engeren Sinne) und vieles mehr. Sehr ausführliche und hilfreiche Erläuterungen zu all diesen Verfahren findet man bei [Johnston 2006a]Johnston, Sean (2006): Holographic Visions. A History of New Science. Oxford University Press, Oxford. Bildliche Eigenheiten und Einsatzgebiete der HolographieDie Holographie, obwohl sie auf fotochemischen Emulsionen beruht, unterscheidet sich von konventionellen Fotografien und auch von Stereoskopien deutlich: Eine Holographie ist im Allgemeinen einfarbig – da sie mit monochromatischem Licht hergestellt werden muss.[5] Die Holographie stellt meistens isolierte Objekte in einem dunklen Umraum dar, da das Bild in absoluter Dunkelheit aufgenommen werden muss, um zu vermeiden, dass das Interferenzmuster durch Streulicht gestört wird. Holographische Bilder, sind wie die Bilder der Lippmanschen Interferenz-Farbfotografie irideszent, d.h. sie erscheinen nur aus bestimmten Blickwinkeln bzw. können ihre Farbigkeit je nach Blickwinkel verändern (siehe etwa holographische Kopierschutzelemente auf Banknoten). Holographien können außerordentlich plastisch wirken, man kann die abgebildete Seite der Objekte aus verschiedenen Positionen betrachten und dabei verschiedene Aspekte sehen, man kann – anders als etwa bei Stereoskopien – auch verschiedene Bildebenen fokussieren.[6] Das macht Holographien im künstlerischen Bereich v.a. für installative Strategien interessant (vgl. [Schmid 2009a]Schmid, Gabriele (2009): Zwischen Bildern. Die holographische Installation als Handlungsfeld. In: Rieger, S. & Schröter, J. (Hg.), Das holographische Wissen. diaphanes, Zürich, Berlin. Es gibt prinzipiell keine holographischen Negative, die Bilder sind immer Positive – da eine Umkehrung des Interferenzmusters nichts an seinen Beugungseigenschaften ändert. Auf jeder holographischen Platte können durch leichte Veränderung der Frequenz des kohärenten Lichts bzw. durch Veränderung des Einfallswinkels des Referenzstrahls im Prinzip beliebig viele Bilder gespeichert werden, die sich gegenseitig nicht stören – das ist genau die Eigenschaft, welche man seit Jahrzehnten als Ausgangspunkt für holographische Speichermedien zu nutzen gedenkt.[7] Die aufzunehmenden Objekte dürfen sich keinesfalls bewegen, so führt die leiseste Bewegung bei der Aufnahme zur starken Verrauschung bis völligen Zerstörung des Musters etc. – aber diese Störanfälligkeit des Aufzeichnungsprozesses ist zugleich Ausgangspunkt einer wichtigen Applikationen der Holographie (s. unten). Allerdings ist es seit Ende der 1960er Jahre durch ebenso helle wie kurz gepulste Laser möglich, auch bewegte Objekte, wie etwa lebende Menschen, aufzunehmen. Aber vor allem: Die Holographie benötigt keine Linse. Sie kennt daher keine Probleme mit abnehmender Tiefenschärfe; sie kann nur Objekte zeigen, die (je nach Abstand) der Größe der Platten entsprechen, da ohne Linse auch nicht verkleinert und vergrößert werden kann. In gewisser Weise ist ein Hologramm selbst eine hochkomplexe Linse – denn so wie gewöhnliche Linsen das Licht fokussieren, so beugt das Hologramm das Licht, um die Wellenfront zu rekonstruieren. Das holographische Bild unterliegt nicht der geometrischen Optik, bzw. der perspektivischen Projektion, und der damit gegebenen 1:1-Korrelation von Bild- und Objektpunkten – wie sie für analoge wie digitale Fotografie, Film, Video und sogar für die heute dominanten (‘fotorealistischen’) Formen der Computergraphik beherrschend ist. Vielmehr ist jeder Objektpunkt mit jedem Bildpunkt korreliert. Das führt zu einer weiteren eigentümlichen Eigenschaft des holographischen Bildes: Jeder Splitter einer zerbrochenen Hologramm-Platte enthält das gesamte Bild, wenn auch mit proportional zur Teilgröße fallender Auflösung und eingeschränktem Blickwinkel. Der Informationsgehalt holographischer Aufzeichnungen ist mithin enorm, was noch auf lange Zeit den Versuchen holographisches Fernsehen zu etablieren, im Wege stehen dürfte. Durch ihre zahlreichen eigentümlichen Eigenschaften stellen holographische Bilder ein erhebliches Irritationspotenzial für die Medien- wie Kunst- und Bildgeschichte bzw. -theorie dar. In Geschichten optischer Medien taucht die Holographie nicht auf. Einerseits könnte das daran liegen, dass die meisten Formen von Medien-, Kunst- und Bildwissenschaft um das System der Massenmedien bzw. das Kunstsystem[8] (Luhmann) zentriert bleiben und daher Verwendungsweisen technologischer Bildmedien außerhalb dieser Systeme kaum in den Blick nehmen. Andererseits finden sich oft methodische Voraussetzungen, die die Holographie von vorneherein exkludieren. So schreibt Friedrich Kittler in seinem Buch Optische Medien über „Linsensysteme, wie alle optischen Medien bis heute sie voraus[setzen]“ ([Kittler 2002b]Kittler, Friedrich (2002): Optische Medien. Berliner Vorlesung 1999. Merve, Berlin. a. Die Störanfälligkeit des Aufzeichnungs- und Rekonstruktionsprozesses kann genutzt werden, um die inneren Eigenschaften und Spannungszustände von Bauteilen und anderen Materialien sehr genau zu analysieren (Holo-Interferometrie). b. Da die Wellenoptik epistemologisch die geometrische Optik einschließt, können wellenoptische Medien alle auf geometrischer Optik basierenden Bildtechnologien einschließen, aber umgekehrt können auf geometrischer Optik basierende Bildtechnologien nicht die wellenoptischen Technologien einschließen, d.h.: b.1 Es gibt die Möglichkeit, komplexe geometrisch-optische Anordnungen (Linsensysteme) holographisch abzubilden (‚Holographisch-Optische Elemente‘), was bedeutet sie platzsparend nutzen zu können. Dies kann z.B. für optische Systeme in Satelliten wichtig sein und wird auch in manchen Formen alltäglicher Scannerkassen eingesetzt. Mit computergenerierten Hologrammen können überdies optische Systeme erzeugt werden, die nicht physikalisch, also mit Linsensystemen, herstellbar sind. b.2 Viele Eigenschaften wellenoptischer Bilder (Irideszenz, dreidimensionaler Bildeindruck) sind mit geometrisch-optischen Technologien (z.B. den optischen Systemen in Fotokopierern) nicht reproduzierbar, daher haben Holographien (und auch die Lippmann-Fotografie) ein wichtiges Einsatzfeld auf dem Gebiet der Echtheitssicherung (Hologramme auf Geldscheinen, Kreditkarten, staatlichen Dokumenten, Originalverpackungen etc., vgl. [Schröter 2009d]Schröter, Jens (2009): Das holographische Wissen und die Nicht-Reproduzierbarkeit. In: Rieger, S. & Schröter, J. (Hg.), Das holographische Wissen. diaphanes, Zürich, Berlin.
Holographische MetaphorikDie eigentümlichen Eigenschaften der Holographie haben immer wieder und auf verschiedene Weise ihre Nutzung als Metapher nahegelegt. So wurde sie a. Metapher für den vollendeten Illusionismus, in dem die Bildlichkeit sich selbst aufhebt (was auch immer wieder als Argument gegen ihre Kunstwürdigkeit verwendet wurde). In populären Science Fiction-Formaten wie «Star Trek – The Next Generation» spielen Begriffe wie das ‘Holodeck’ – eine fiktive technische Vorrichtung, die eben einen solchen vollendeten Illusionismus ermöglicht – auf die Holographie an. b. Metapher für andere Formen der Speicherung bzw. des Gedächtnisses, die eine Totalität zu speichern vermögen. Stefan Rieger ([Rieger 2009a]Rieger, Stefan (2009): Holographie. Das Versprechen der Ganzheit. In: Rieger, S. & Schröter, J. (Hg.), Das holographische Wissen. diaphanes, Zürich, Berlin. |
Anmerkungen
Literatur
[Bousso 2002a]Bousso, Raphael (2002): The Holographic Principle. Reviews of Modern Physics, 74.[Buchwald 1989a]Buchwald, Jed Z. (1989): The Rise of the Wave Theory of Light. University of Chicago Press, Chicago.[Fox 2006a]Fox, Mark (2006): Quantum Optics. An Introduction. Cambridge University Press, Oxford.[Johnston 2006a]Johnston, Sean (2006): Holographic Visions. A History of New Science. Oxford University Press, Oxford.[Jung 2003a]Jung, Dieter (Hg.) (2003): Holographic Network. Rasch, Bramsche.[Kittler 2002b]Kittler, Friedrich (2002): Optische Medien. Berliner Vorlesung 1999. Merve, Berlin.[Rieger & Schröter 2009a]Rieger, Stefan & Schröter, Jens (Hg.) (2009): Das holographische Wissen. diaphanes, Zürich, Berlin.[Rieger 2009a]Rieger, Stefan (2009): Holographie. Das Versprechen der Ganzheit. In: Rieger, S. & Schröter, J. (Hg.), Das holographische Wissen. diaphanes, Zürich, Berlin.[Schmid 2009a]Schmid, Gabriele (2009): Zwischen Bildern. Die holographische Installation als Handlungsfeld. In: Rieger, S. & Schröter, J. (Hg.), Das holographische Wissen. diaphanes, Zürich, Berlin.[Schröter 2009c]Schröter, Jens (2009): 3D. Zur Theorie, Geschichte und Medienästhetik des technischtransplanen Bildes. Fink, München.[Schröter 2009d]Schröter, Jens (2009): Das holographische Wissen und die Nicht-Reproduzierbarkeit. In: Rieger, S. & Schröter, J. (Hg.), Das holographische Wissen. diaphanes, Zürich, Berlin.[Schröter 2010b]Schröter, Jens (2010): Das Zeitalter der technischen Nicht-Reproduzierbarkeit. Navigationen. Zeitschrift für Medien- und Kulturwissenschaften, 10, 1. Verantwortlich: Lektorat: Dank an die konstruktiven Beiträge von:
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