Technische Medien: Unterschied zwischen den Versionen

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<!--beides sollte in der Regel der gleiche Text sein-->
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Für die Bezeichnung ‘technische Medien’, die seit den 1980er Jahren nicht nur im medien&shy;wissen&shy;schaftli&shy;chen Feld verbrei&shy;tet ist, lässt sich kaum eine konsis&shy;tente Verwen&shy;dungswei&shy;se und kein streng abzu&shy;grenzen&shy;des Bezugs&shy;feld feststel&shy;len. Was techni&shy;sche Medien sind oder auch nur, was in den einschlä&shy;gigen Debat&shy;ten damit gemeint ist, kann schwerlich auf einen Nenner gebracht werden, zu unter&shy;schiedlich sind die Abgren&shy;zungen und zu vage vor allem das Gegen&shy;standsfeld. Zwar schreibt Friedrich Kittler, auf den die Verwen&shy;dung maßgeb&shy;lich zurück&shy;geht, dass techni&shy;sche Medien
:
:''physi&shy;kali&shy;sche Prozes&shy;se [nutzen], die die Zeit menschli&shy;cher Wahrneh&shy;mung unter&shy;laufen und nur im Code neuzeit&shy;licher Mathe&shy;matik über&shy;haupt formu&shy;lierbar sind'' (<bib id='Kittler 1993a'></bib>: S. 186, <bib id='Winthrop-Young 2005a'>Winthrop-&#8203;Young 2005a</bib>).
:
Doch stellt sich diese Defi&shy;nition weder als verbind&shy;lich dar, noch ist damit ein kohä&shy;rentes Gegen&shy;standsfeld umris&shy;sen. Da der Begriff entspre&shy;chend kaum über eine Defi&shy;nition zu fassen sein wird, bietet es sich für eine Annä&shy;herung an, nach seiner Funktion inner&shy;halb der Medien&shy;debat&shy;te zu fragen. Dabei lassen sich im wesent&shy;lichen drei Aspek&shy;te unter&shy;scheiden, die am Ende um die bild&shy;philo&shy;sophi&shy;sche Rele&shy;vanz des Themas ergänzt werden.


<!--Ab hier: eigentlicher Inhalt; Überschriften gegebenenfalls anpassen-->
=====Darstellung des gr. Zusammenhangs=====


<!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen-->
==Historischer Bruch und Abgren&shy;zung==
<!--Anmerkung zwischen <ref> und </ref> im laufenden Text-->
<!--Literaturverweise im laufenden Text <bib id='Jonas 61a'>Jonas 1961</bib> -->
<!--  ... id im Literaturverzeichnis nachsehen, gegebenenfalls neu einfügen -->
<!--  ... (siehe Link "Sammlung" in Bibliographie-Box -->
<!-- Bilder als thumbs einsetzen, Muster: [[Datei:Beispiel.png|thumb|Bildtitel]] -->


Die Verwendung des Begriffs ist vor allem im Gefol&shy;ge technik&shy;orien&shy;tierter Medien&shy;theorien aufge&shy;kommen, wie sie Friedrich Kittler seit Mitte der 1980er Jahre vertritt und die von zahlrei&shy;chen Arbei&shy;ten aufge&shy;nommen wurde (<bib id='Kittler 1986a'></bib>, <bib id='Kittler 1989a'></bib>). In der Technik wird ein Apri&shy;ori gesucht, das ähnlich dem foucault&shy;schen histo&shy;rischen Apri&shy;ori alles unter seine Bedin&shy;gungen stellt – unter selbst nicht sinnhaf&shy;te Bedin&shy;gungen der [[Materialität|Mate&shy;riali&shy;tät]]. Das techni&shy;sche Apri&shy;ori, das als Technik&shy;deter&shy;minis&shy;mus kriti&shy;siert wurde, bestimmt etwa in Form von Programm&shy;codes, techni&shy;scher Über&shy;tragbar&shy;keit oder Vertei&shy;lungen von Inhal&shy;ten alle Sagbar&shy;keiten und Sichtbar&shy;keiten und nicht zuletzt das, als was der Mensch gilt.
:
Der Begriff »technische Medien« wird dabei mitun&shy;ter affir&shy;mativ von der Techni&shy;zität her gedacht und hat zunächst die Funktion, mittels der Situ&shy;ierung eines histo&shy;rischen Bruches techni&shy;sche von anderen Medien abzu&shy;grenzen. Dieser Bruch wird grob im 19. Jahrhun&shy;dert, durchaus paral&shy;lel zur indus&shy;triellen Revo&shy;lution veror&shy;tet (<bib id='Stiegler 2009a'></bib>) und häufig durch die Nutzung von Elek&shy;trizi&shy;tät gekenn&shy;zeichnet, die mit der Mathe&shy;mati&shy;sierung techni&shy;scher Vorgän&shy;ge einen weite&shy;ren Schub bekommt und das Buch als Leitme&shy;dium ablöst (<bib id='Siegert 2003a'></bib>). Als ‘techni&shy;sche Medien’ bezeich&shy;net Kittler Arte&shy;fakte, die seitdem dazu dienen, Infor&shy;mation (selbst ein Begriff des 20. Jahrhun&shy;derts) zu verar&shy;beiten, zu speichern oder zu über&shy;tragen. Diese Begriffs&shy;trias dient medien&shy;histo&shy;rischer Arbeit als wichti&shy;ges Ana&shy;lyse&shy;tool. Als techni&shy;sche Medien zählen in den Debat&shy;ten der technik&shy;orien&shy;tierten Medien&shy;theorien mithin so unter&shy;schiedli&shy;che Dinge wie die elek&shy;tromag&shy;neti&shy;sche Tele&shy;graphie, [[Fotografie|Photo&shy;graphie]], [[Fernsehen|Fern&shy;sehen]], Rechen&shy;maschi&shy;nen aller Art oder das Grammo&shy;phon, später auch die Mikro&shy;elek&shy;tronik und der Compu&shy;ter. Welche konkre&shy;ten Gegen&shy;stände gemeint sind, ist in Kittlers Schriften zwar an einzel&shy;nen Beispie&shy;len deutlich gekenn&shy;zeichnet, aber eine geteil&shy;te Eigen&shy;schaft wird nicht deutlich. Auch aus techni&shy;scher Sicht bleibt diese Defi&shy;nition blass. Von Seiten der Technik her lässt sich keine Hilfe bei einer genau&shy;en Begriffs&shy;bestim&shy;mung erwar&shy;ten, gibt es doch keine Eigen&shy;schaft, die etwa Photo&shy;appa&shy;rat, Mobil&shy;tele&shy;fon und Grammo&shy;phon teilen.
:
Mit diesem medienhisto&shy;rischen Bruch oder vielmehr einer Vielzahl kleine&shy;rer Brüche wird eine Zäsur zwischen techni&shy;scher und vortech&shy;nischer Welt markiert, die ein Beschrei&shy;bungspo&shy;tential akti&shy;viert, weil Compu&shy;ter oder techni&shy;sche Zeitach&shy;senma&shy;nipu&shy;lation (<bib id='Krämer 2004a'></bib>) mit einem ande&shy;ren Instru&shy;menta&shy;rium bear&shy;beitet werden müssen als Bücher oder Werkzeu&shy;ge: nicht herme&shy;neutisch und nicht semi&shy;otisch, sondern medien&shy;archäo&shy;logisch und diskurs&shy;ana&shy;lytisch. Aus dieser Zäsur speist technik&shy;orien&shy;tierte Medien&shy;theorie ihr Inno&shy;vations&shy;poten&shy;tial. Techni&shy;sche Medien lassen sich, darin stimmen auch Auto&shy;ren über&shy;ein, die keinen histo&shy;rischen Bruch postu&shy;lieren, nicht auf gleiche Weise beschrei&shy;ben wie der Buchdruck und erfor&shy;dern ein neues, medien&shy;wissen&shy;schaftli&shy;ches Instru&shy;menta&shy;rium, wie es seit McLuhans grundle&shy;gender Blickwen&shy;dung ‘The Medium is the Message’ erar&shy;beitet wurde (<bib id='McLuhan 1964a'></bib>). Diese Zäsur kann also durchaus als ein Einsatz&shy;punkt von Medien&shy;wissen&shy;schaft über&shy;haupt erach&shy;tet werden.
:
Technische Medien werden entspre&shy;chend dadurch charak&shy;teri&shy;siert, dass sie die grundle&shy;gende Diffe&shy;renz zwischen der Über&shy;tragung von Signa&shy;len und den [[Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem|Zeichen&shy;ober&shy;flächen]], also die techni&shy;schen Ope&shy;rati&shy;onen hinter den Erschei&shy;nungen ihrer Inter&shy;faces verber&shy;gen. Sie sind nicht einfach Träger von Infor&shy;mation, sondern konsti&shy;tuieren die Bedin&shy;gung ihrer Möglich&shy;keit und Vertei&shy;lung. Anstatt die Inhal&shy;te von Medien zu fokus&shy;sieren, die als ephe&shy;mere Erschei&shy;nungen gelten, richtet sich die Blickwen&shy;dung auf die techni&shy;schen Verfah&shy;ren, Mate&shy;riali&shy;täten und Standards dahin&shy;ter, bevor&shy;zugt auch in das Inne&shy;re der Maschi&shy;nen (<bib id='Ernst et al. 2003a'></bib>). Techni&shy;sche Medien über&shy;tragen nicht, was sie in ihren Empfangs- und Endge&shy;räten sichtbar, hörbar oder lesbar machen, sie über&shy;tragen keine Bilder, Töne oder Buchsta&shy;ben, sondern codier&shy;te Daten, die aufwen&shy;dig synchro&shy;nisiert werden müssen. Sie über&shy;setzen Sinnli&shy;ches oder Schriftli&shy;ches in Daten&shy;flüsse und unter&shy;ziehen es dabei einer Ausdif&shy;feren&shy;zierung (<bib id='Rieger 2001a'></bib>). Der damit vollzo&shy;gene Bruch, der eine neue Beschrei&shy;bungskul&shy;tur mit sich bringt, prägt folge&shy;richtig die Infra&shy;struktu&shy;ren des Denkens, Wahrneh&shy;mens und Handelns.




==Universalmedium Compu&shy;ter==


=====Engere Begriffsbestimmung=====
Damit ist ein Hinweis auf die zweite Funktion gege&shy;ben. Der Bruch gegen&shy;über älte&shy;ren Medien wie dem Buch oder dem Gemäl&shy;de dient auch der Selbst&shy;situ&shy;ierung, wird doch das Entfal&shy;tungspo&shy;tential von Medien beson&shy;ders in der Technik gesucht und ihr ein teleo&shy;logi&shy;sches Poten&shy;tial zuge&shy;sprochen. Vor allem in den vom Inter&shy;net eupho&shy;risier&shy;ten 1990er Jahren lassen viele Medien&shy;theorien die Medien&shy;geschich&shy;te auf den Compu&shy;ter zulau&shy;fen, der als techni&shy;sches Uni&shy;versal&shy;medium alle ande&shy;ren Medien in sich aufneh&shy;men soll. Mit dem Compu&shy;ter konver&shy;gieren die Anwen&shy;dungen in einem techni&shy;schen Gerät, das nunmehr verschie&shy;dene Aufga&shy;ben über&shy;nimmt und mittels des digi&shy;talen Codes schlicht alles umwan&shy;deln soll. Diese Konver&shy;genz ist häufig als Aufhe&shy;bung und gleichsam teleo&shy;logi&shy;sches Ziel der Medien&shy;entwick&shy;lung beschrie&shy;ben und entspre&shy;chend aufge&shy;laden worden (<bib id='Mersch 2003b'></bib>). Lässt man diese Aufla&shy;dung beisei&shy;te oder versteht sie als Eigen&shy;dyna&shy;mik der Eska&shy;lation techni&shy;scher Entwick&shy;lungen, bleibt die Feststel&shy;lung, dass mit dem Compu&shy;ter in der zweiten Häfte des 20. Jahrhun&shy;derts Verfah&shy;ren der techni&shy;schen Daten&shy;verar&shy;beitung, Vernet&shy;zung und der [[Computergraphik|Bildpro&shy;duktion]] sämtli&shy;che Berei&shy;che der Kultur durchdrun&shy;gen haben, die nicht allein auf Inter&shy;faces und Umgangs&shy;prakti&shy;ken zurück&shy;geführt werden können (<bib id='Pias 2004a'></bib>, <bib id='Coy 1997a'></bib>).


<!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen-->


==Blickwendung zur Technik als Medium==


=====optional Beispiele=====
Der Begriff dient schließlich drittens der Refor&shy;mulie&shy;rung eines Blickwech&shy;sels, der Medien&shy;wissen&shy;schaft insge&shy;samt prägt, des Blickwech&shy;sels weg von den Inhal&shy;ten und hin auf die Medien, die diese Inhal&shy;te vermit&shy;teln, in irgend&shy;einer Weise prägen oder bedin&shy;gen. So hat Sybil&shy;le Krämer drei Konzep&shy;te als „Knoten&shy;punkte“ in der Medien&shy;debat&shy;te veror&shy;tet: lite&shy;rari&shy;sche Medien, techni&shy;sche Medien und [[Massenmedien|Massen&shy;medien]]. Techni&shy;sche Medien werden dabei durch die Techni&shy;sierung von Infor&shy;mation mittels Arte&shy;fakten gekenn&shy;zeichnet und im weite&shy;ren die Techni&shy;sierung von Wahrneh&shy;mungsop&shy;tionen und [[Interaktion und Kommunikation|Kommu&shy;nika&shy;tionsvor&shy;gängen]] beschrie&shy;ben.  In dieser Hinsicht hat Krämer unter&shy;strichen, dass die Unter&shy;suchung techni&shy;scher Medien über die instru&shy;mentel&shy;le Dimen&shy;sion von&#8203; »Mitteln für etwas«&#8203; hinaus als&#8203; »Mittler von etwas«&#8203; beschreibt. Techni&shy;sche Medien sollen dahin&shy;gehend nicht als Werkzeu&shy;ge betrach&shy;tet werden, mit denen sich eine bestimm&shy;te Arbeit verrich&shy;ten lässt, sondern als Appa&shy;rate der Welter&shy;zeugung: als Verar&shy;beitungs- oder Vertei&shy;lungswei&shy;sen und schließlich als Erzeu&shy;ger von Bildern, die es vorher nicht gab. Diese Über&shy;legun&shy;gen schließen durchaus an den anti&shy;ken techné-&#8203;Begriff an, der nicht im Werkzeug aufgeht. Techni&shy;sche Medien allein mit der Unter&shy;scheidung von Zwecken und Mitteln zu beschrei&shy;ben bleibt demnach unter&shy;komplex, wobei zu fragen ist, was nicht-&#8203;techni&shy;sche Medien sein sollen, die von der Bezeich&shy;nung ‘techni&shy;sche Medien’ voraus&shy;gesetzt werden. In dieser Hinsicht hat Gerhard Gamm betont, dass sich Technik allen Versu&shy;chen wider&shy;setze, auf eine instru&shy;mentel&shy;le Funktion redu&shy;ziert zu werden. Vielmehr müsse Technik als Medium gedacht werden, womit die Perspek&shy;tive noch einmal verscho&shy;ben würde (<bib id='Gamm 2000a'></bib>).
:
Die technische Infrastruktu&shy;ren, die etwa Bilder über&shy;tragen oder über&shy;haupt erst hervor&shy;bringen, sollen nicht als schlichte Träger konzep&shy;tuali&shy;siert werden, die Inhal&shy;te störungs&shy;frei transpor&shy;tieren. Medien gewin&shy;nen stattdes&shy;sen
:
: ''ihren Status als wissen&shy;schaftli&shy;ches, d.h. syste&shy;mati&shy;sierba&shy;res Objekt gera&shy;de dadurch, dass sie das, was sie speichern, verar&shy;beiten und vermit&shy;teln, jeweils unter Bedin&shy;gungen stellen, die sie selbst schaffen und sind'' (<bib id='Engell 1999a'></bib>: S. 10).
:
Krämer betont jedoch, dass die Unter&shy;scheidung in&#8203; »Werk&shy;zeuge«&#8203; und&#8203; »Appa&shy;rate«&#8203; nicht onto&shy;logisch als Auftei&shy;lung aller Gerä&shy;te gemeint sei, sondern Verwen&shy;dungswei&shy;sen betref&shy;fe: Appa&shy;rate können demnach als Werkzeu&shy;ge und Werkzeu&shy;ge als Appa&shy;rate benutzt werden. In dieser Hinsicht machen also funkti&shy;onale Zuschrei&shy;bungen etwas zum Medium und erfas&shy;sen es über die Zweckdien&shy;lichkeit eines Werkzeugs hinaus in Hinblick auf seine Eigen&shy;leistung (<bib id='Vogl 2001a'></bib>).
:
So ist über die Betonung eines Bruches hinaus, der techni&shy;sche Medien situiert, Technik selbst als Medium und die techni&shy;sche Verfasst&shy;heit jedes Vermitt&shy;lungsge&shy;schehens unter&shy;sucht worden. Der Begriff der Kultur&shy;techni&shy;ken beschreibt in dieser Hinsicht hete&shy;roge&shy;ne Anord&shy;nungen techni&shy;scher, sozi&shy;aler und kultu&shy;reller Konzep&shy;te, die über die klassi&shy;schen Kultur&shy;techniken&#8203; »Lesen«,&#8203; »Schreiben«&#8203; und&#8203; »Rechnen«&#8203; hinaus auch ope&shy;rati&shy;ve Verfah&shy;ren wie&#8203; »Zeichnen«&#8203; oder&#8203; »Messen«&#8203; sowie Ordnungs&shy;syste&shy;me wie&#8203; »Kata&shy;loge«&#8203; oder&#8203; »Suchma&shy;schinen«&#8203; umfas&shy;sen. Wird Technik in diesem Sinne nicht von bestimm&shy;ten Appa&shy;raten, Verfah&shy;ren oder einem histo&shy;rischen Bruch her defi&shy;niert, kann sie vielmehr als Perspek&shy;tive dienen, den Umgang oder die Welter&shy;zeugung durch techni&shy;sche Arte&shy;fakte und deren Bedin&shy;gungs- oder Möglich&shy;keitsräu&shy;me zu beschrei&shy;ben.


<!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen-->


==Bildphilosophische Aspekte==


=====Auswirkungen auf andere Begriffe=====
In Hinsicht auf die Herstel&shy;lung und massen&shy;hafte Verbrei&shy;tung von [[Technisches Bild|techni&shy;schen Bildern]], die mit techni&shy;schen Medien einset&shy;zen soll (<bib id='Kittler 2002b'></bib>), ist die Technik von bildge&shy;benden Verfah&shy;ren in zahlrei&shy;chen Arbei&shy;ten vor allem wissen&shy;schaftshis&shy;tori&shy;scher Prove&shy;nienz beschrie&shy;ben worden (<bib id='Schröter 2009c'></bib>). Wenn jedes Bild ein verkör&shy;perndes oder vermit&shy;telndes Medium braucht, in dem es sich zeigt, dann ist Bildpro&shy;duktion grundsätz&shy;lich an techni&shy;sche Verfah&shy;ren gebunden (<bib id='Bredekamp et al. 2008a'>Brede&shy;kamp et al. 2008a</bib>). Gefragt werden kann in Bezug auf techni&shy;sche Medien damit etwa nach der [[Materialität und Bildsyntax|Mate&shy;riali&shy;tät von Bildträ&shy;gern]], die sich histo&shy;risch verän&shy;dern, wodurch der Status der Bilder modi&shy;fiziert wird, beispiels&shy;weise wenn Gemäl&shy;de zur Repro&shy;duktion gezeich&shy;net, litho&shy;grafiert, photo&shy;graphiert oder [[digitales Bild|digi&shy;tali&shy;siert]] werden (⊳ [[Replika, Faksimile und Kopie|Repli&shy;ka, Faksi&shy;mile und Kopie]] und [[Original|Ori&shy;ginal]]). So hat Vilém Flusser mit seinem Konzept der Techno&shy;bilder betont, dass technisch erzeug&shy;te Bilder, also etwa Photo&shy;graphien, [[Diagramm|Diagram&shy;me]] oder Compu&shy;terani&shy;mati&shy;onen (bis hin zum ⊳ [[Interaktives Bild|inter&shy;akti&shy;ven Bild]]), nicht als Abbil&shy;dungen verstan&shy;den werden sollten, sondern Begriffe zeigen (⊳ [[Referenz, Denotation, Exemplifikation|Exem&shy;plifi&shy;kation]]).
:
:''Ein technisches Bild entzif&shy;fern heißt nicht, das Gezeig&shy;te entzif&shy;fern, sondern ihr Programm aus ihnen heraus&shy;lesen'' (<bib id='Flusser 1983a'></bib>: S. 13).


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{{GlossarSiehe}}
* [[Computergraphik]]
* [[Diagramm]]
* [[Digitales Bild]]
* [[Referenz, Denotation, Exemplifikation]]
* [[Fernsehen]]
* [[Fotografie|Photographie]]
* [[Interaktion und Kommunikation]]
* [[Interaktives Bild]]
* [[Massenmedien]]
* [[Materialität]]
* [[Materialität und Bildsyntax]]
* [[Original]]
* [[Replika, Faksimile und Kopie]]
* [[Technisches Bild]]
* [[Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem]]


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''Ausgabe 1: 2013''
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[[Benutzer:XXX]]
 
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''Lektorat:''
* [[Benutzer:Joerg R.J. Schirra|Schirra, J.R.J.]]
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Aktuelle Version vom 22. Januar 2024, 13:53 Uhr

Unterpunkt zu: Medientheorien: Übersicht


Für die Bezeichnung ‘technische Medien’, die seit den 1980er Jahren nicht nur im medien­wissen­schaftli­chen Feld verbrei­tet ist, lässt sich kaum eine konsis­tente Verwen­dungswei­se und kein streng abzu­grenzen­des Bezugs­feld feststel­len. Was techni­sche Medien sind oder auch nur, was in den einschlä­gigen Debat­ten damit gemeint ist, kann schwerlich auf einen Nenner gebracht werden, zu unter­schiedlich sind die Abgren­zungen und zu vage vor allem das Gegen­standsfeld. Zwar schreibt Friedrich Kittler, auf den die Verwen­dung maßgeb­lich zurück­geht, dass techni­sche Medien

physi­kali­sche Prozes­se [nutzen], die die Zeit menschli­cher Wahrneh­mung unter­laufen und nur im Code neuzeit­licher Mathe­matik über­haupt formu­lierbar sind ([Kittler 1993a]Kittler, Friedrich (1993): Geschichte der Kommunikationsmedien. In: Huber, J. & Müller, A. (Hg.), Raum und Verfahren. Stroemfeld, Basel.
: S. 186, [Winthrop-Young 2005a]Winthroph-Young, Geoffrey (2005): Friedrich Kittler zur Einführung. Junius, Hamburg.
).

Doch stellt sich diese Defi­nition weder als verbind­lich dar, noch ist damit ein kohä­rentes Gegen­standsfeld umris­sen. Da der Begriff entspre­chend kaum über eine Defi­nition zu fassen sein wird, bietet es sich für eine Annä­herung an, nach seiner Funktion inner­halb der Medien­debat­te zu fragen. Dabei lassen sich im wesent­lichen drei Aspek­te unter­scheiden, die am Ende um die bild­philo­sophi­sche Rele­vanz des Themas ergänzt werden.


Historischer Bruch und Abgren­zung

Die Verwendung des Begriffs ist vor allem im Gefol­ge technik­orien­tierter Medien­theorien aufge­kommen, wie sie Friedrich Kittler seit Mitte der 1980er Jahre vertritt und die von zahlrei­chen Arbei­ten aufge­nommen wurde ([Kittler 1986a]Kittler, Friedrich (1986): Grammophon, Film, Typewriter. Brinkmann & Bose, Berlin.
, [Kittler 1989a]Kittler, Friedrich & Tholen, Georg Christoph (1989): Arsenale der Seele. Literatur- und Medienanalyse seit 1870. Fink, München.
). In der Technik wird ein Apri­ori gesucht, das ähnlich dem foucault­schen histo­rischen Apri­ori alles unter seine Bedin­gungen stellt – unter selbst nicht sinnhaf­te Bedin­gungen der Mate­riali­tät. Das techni­sche Apri­ori, das als Technik­deter­minis­mus kriti­siert wurde, bestimmt etwa in Form von Programm­codes, techni­scher Über­tragbar­keit oder Vertei­lungen von Inhal­ten alle Sagbar­keiten und Sichtbar­keiten und nicht zuletzt das, als was der Mensch gilt.

Der Begriff »technische Medien« wird dabei mitun­ter affir­mativ von der Techni­zität her gedacht und hat zunächst die Funktion, mittels der Situ­ierung eines histo­rischen Bruches techni­sche von anderen Medien abzu­grenzen. Dieser Bruch wird grob im 19. Jahrhun­dert, durchaus paral­lel zur indus­triellen Revo­lution veror­tet ([Stiegler 2009a]Stiegler, Bernard (2009): Technics and Time 2. Disorientation. Stanford University Press, Stanford.
) und häufig durch die Nutzung von Elek­trizi­tät gekenn­zeichnet, die mit der Mathe­mati­sierung techni­scher Vorgän­ge einen weite­ren Schub bekommt und das Buch als Leitme­dium ablöst ([Siegert 2003a]Siegert, Bernhard (2003): Passage des Digitalen. Zeichenpraktiken der neuzeitlichen Wissenschaften 1500 - 1900. Brinkmann & Bose, Berlin.
). Als ‘techni­sche Medien’ bezeich­net Kittler Arte­fakte, die seitdem dazu dienen, Infor­mation (selbst ein Begriff des 20. Jahrhun­derts) zu verar­beiten, zu speichern oder zu über­tragen. Diese Begriffs­trias dient medien­histo­rischer Arbeit als wichti­ges Ana­lyse­tool. Als techni­sche Medien zählen in den Debat­ten der technik­orien­tierten Medien­theorien mithin so unter­schiedli­che Dinge wie die elek­tromag­neti­sche Tele­graphie, Photo­graphie, Fern­sehen, Rechen­maschi­nen aller Art oder das Grammo­phon, später auch die Mikro­elek­tronik und der Compu­ter. Welche konkre­ten Gegen­stände gemeint sind, ist in Kittlers Schriften zwar an einzel­nen Beispie­len deutlich gekenn­zeichnet, aber eine geteil­te Eigen­schaft wird nicht deutlich. Auch aus techni­scher Sicht bleibt diese Defi­nition blass. Von Seiten der Technik her lässt sich keine Hilfe bei einer genau­en Begriffs­bestim­mung erwar­ten, gibt es doch keine Eigen­schaft, die etwa Photo­appa­rat, Mobil­tele­fon und Grammo­phon teilen.

Mit diesem medienhisto­rischen Bruch oder vielmehr einer Vielzahl kleine­rer Brüche wird eine Zäsur zwischen techni­scher und vortech­nischer Welt markiert, die ein Beschrei­bungspo­tential akti­viert, weil Compu­ter oder techni­sche Zeitach­senma­nipu­lation ([Krämer 2004a]Krämer, Sybille (2004): Friedrich Kittler – Kulturtechniken der Zeitachsenmanipulation. In: Lagaay, A. (Hg.), Medientheorien. Eine philosophische Einführung. Campus, Frankfurt/M.
) mit einem ande­ren Instru­menta­rium bear­beitet werden müssen als Bücher oder Werkzeu­ge: nicht herme­neutisch und nicht semi­otisch, sondern medien­archäo­logisch und diskurs­ana­lytisch. Aus dieser Zäsur speist technik­orien­tierte Medien­theorie ihr Inno­vations­poten­tial. Techni­sche Medien lassen sich, darin stimmen auch Auto­ren über­ein, die keinen histo­rischen Bruch postu­lieren, nicht auf gleiche Weise beschrei­ben wie der Buchdruck und erfor­dern ein neues, medien­wissen­schaftli­ches Instru­menta­rium, wie es seit McLuhans grundle­gender Blickwen­dung ‘The Medium is the Message’ erar­beitet wurde ([McLuhan 1964a]McLuhan, Marshall (1964): Understanding Media. The Extensions of Man. Mentor, New York.
). Diese Zäsur kann also durchaus als ein Einsatz­punkt von Medien­wissen­schaft über­haupt erach­tet werden.

Technische Medien werden entspre­chend dadurch charak­teri­siert, dass sie die grundle­gende Diffe­renz zwischen der Über­tragung von Signa­len und den Zeichen­ober­flächen, also die techni­schen Ope­rati­onen hinter den Erschei­nungen ihrer Inter­faces verber­gen. Sie sind nicht einfach Träger von Infor­mation, sondern konsti­tuieren die Bedin­gung ihrer Möglich­keit und Vertei­lung. Anstatt die Inhal­te von Medien zu fokus­sieren, die als ephe­mere Erschei­nungen gelten, richtet sich die Blickwen­dung auf die techni­schen Verfah­ren, Mate­riali­täten und Standards dahin­ter, bevor­zugt auch in das Inne­re der Maschi­nen ([Ernst et al. 2003a]Ernst, Wolfgang et al. (Hg.) (2003): Suchbilder. Visuelle Kultur zwischen Algorithmen und Archiven. Kulturverlag Kadmos, Berlin.
). Techni­sche Medien über­tragen nicht, was sie in ihren Empfangs- und Endge­räten sichtbar, hörbar oder lesbar machen, sie über­tragen keine Bilder, Töne oder Buchsta­ben, sondern codier­te Daten, die aufwen­dig synchro­nisiert werden müssen. Sie über­setzen Sinnli­ches oder Schriftli­ches in Daten­flüsse und unter­ziehen es dabei einer Ausdif­feren­zierung ([Rieger 2001a]Rieger, Stefan (2001): Die Individualität der Medien. Suhrkamp, Frankfurt/M.
). Der damit vollzo­gene Bruch, der eine neue Beschrei­bungskul­tur mit sich bringt, prägt folge­richtig die Infra­struktu­ren des Denkens, Wahrneh­mens und Handelns.


Universalmedium Compu­ter

Damit ist ein Hinweis auf die zweite Funktion gege­ben. Der Bruch gegen­über älte­ren Medien wie dem Buch oder dem Gemäl­de dient auch der Selbst­situ­ierung, wird doch das Entfal­tungspo­tential von Medien beson­ders in der Technik gesucht und ihr ein teleo­logi­sches Poten­tial zuge­sprochen. Vor allem in den vom Inter­net eupho­risier­ten 1990er Jahren lassen viele Medien­theorien die Medien­geschich­te auf den Compu­ter zulau­fen, der als techni­sches Uni­versal­medium alle ande­ren Medien in sich aufneh­men soll. Mit dem Compu­ter konver­gieren die Anwen­dungen in einem techni­schen Gerät, das nunmehr verschie­dene Aufga­ben über­nimmt und mittels des digi­talen Codes schlicht alles umwan­deln soll. Diese Konver­genz ist häufig als Aufhe­bung und gleichsam teleo­logi­sches Ziel der Medien­entwick­lung beschrie­ben und entspre­chend aufge­laden worden ([Mersch 2003b]Mersch, Dieter (2003): Technikapriori und Begründungsdefizit. Medienphilosophien zwischen uneingelöstem Anspruch und theoretischer Neufundierung. Philosophische Rundschau, 50.
). Lässt man diese Aufla­dung beisei­te oder versteht sie als Eigen­dyna­mik der Eska­lation techni­scher Entwick­lungen, bleibt die Feststel­lung, dass mit dem Compu­ter in der zweiten Häfte des 20. Jahrhun­derts Verfah­ren der techni­schen Daten­verar­beitung, Vernet­zung und der Bildpro­duktion sämtli­che Berei­che der Kultur durchdrun­gen haben, die nicht allein auf Inter­faces und Umgangs­prakti­ken zurück­geführt werden können ([Pias 2004a]Pias, Claus (2004): Zukünfte des Computers. Diaphanes, Berlin.
, [Coy 1997a]Coy, Wolfgang; Tholen, Georg Christoph & Warnke, Martin (1997): Hyperkult. Stroemfeld, Basel.
).


Blickwendung zur Technik als Medium

Der Begriff dient schließlich drittens der Refor­mulie­rung eines Blickwech­sels, der Medien­wissen­schaft insge­samt prägt, des Blickwech­sels weg von den Inhal­ten und hin auf die Medien, die diese Inhal­te vermit­teln, in irgend­einer Weise prägen oder bedin­gen. So hat Sybil­le Krämer drei Konzep­te als „Knoten­punkte“ in der Medien­debat­te veror­tet: lite­rari­sche Medien, techni­sche Medien und Massen­medien. Techni­sche Medien werden dabei durch die Techni­sierung von Infor­mation mittels Arte­fakten gekenn­zeichnet und im weite­ren die Techni­sierung von Wahrneh­mungsop­tionen und Kommu­nika­tionsvor­gängen beschrie­ben. In dieser Hinsicht hat Krämer unter­strichen, dass die Unter­suchung techni­scher Medien über die instru­mentel­le Dimen­sion von​ »Mitteln für etwas«​ hinaus als​ »Mittler von etwas«​ beschreibt. Techni­sche Medien sollen dahin­gehend nicht als Werkzeu­ge betrach­tet werden, mit denen sich eine bestimm­te Arbeit verrich­ten lässt, sondern als Appa­rate der Welter­zeugung: als Verar­beitungs- oder Vertei­lungswei­sen und schließlich als Erzeu­ger von Bildern, die es vorher nicht gab. Diese Über­legun­gen schließen durchaus an den anti­ken techné-​Begriff an, der nicht im Werkzeug aufgeht. Techni­sche Medien allein mit der Unter­scheidung von Zwecken und Mitteln zu beschrei­ben bleibt demnach unter­komplex, wobei zu fragen ist, was nicht-​techni­sche Medien sein sollen, die von der Bezeich­nung ‘techni­sche Medien’ voraus­gesetzt werden. In dieser Hinsicht hat Gerhard Gamm betont, dass sich Technik allen Versu­chen wider­setze, auf eine instru­mentel­le Funktion redu­ziert zu werden. Vielmehr müsse Technik als Medium gedacht werden, womit die Perspek­tive noch einmal verscho­ben würde ([Gamm 2000a]Gamm, Gerhard (2000): Nicht nichts. Studien zu einer Semantik des Unbestimmten. Suhrkamp, Frankfurt/M.
).

Die technische Infrastruktu­ren, die etwa Bilder über­tragen oder über­haupt erst hervor­bringen, sollen nicht als schlichte Träger konzep­tuali­siert werden, die Inhal­te störungs­frei transpor­tieren. Medien gewin­nen stattdes­sen

ihren Status als wissen­schaftli­ches, d.h. syste­mati­sierba­res Objekt gera­de dadurch, dass sie das, was sie speichern, verar­beiten und vermit­teln, jeweils unter Bedin­gungen stellen, die sie selbst schaffen und sind ([Engell 1999a]Engell, Lorenz & Vogl, Joseph (1999): Vorwort. In: Pias, Claus et. al. (Hg.), Kursbuch Medienphilosophie. DVA, Stuttgart.
: S. 10).

Krämer betont jedoch, dass die Unter­scheidung in​ »Werk­zeuge«​ und​ »Appa­rate«​ nicht onto­logisch als Auftei­lung aller Gerä­te gemeint sei, sondern Verwen­dungswei­sen betref­fe: Appa­rate können demnach als Werkzeu­ge und Werkzeu­ge als Appa­rate benutzt werden. In dieser Hinsicht machen also funkti­onale Zuschrei­bungen etwas zum Medium und erfas­sen es über die Zweckdien­lichkeit eines Werkzeugs hinaus in Hinblick auf seine Eigen­leistung ([Vogl 2001a]Vogl, Joseph (2001): Medien-Werden. Galileis Fernrohr. Archiv für Mediengeschichte, 1.
).

So ist über die Betonung eines Bruches hinaus, der techni­sche Medien situiert, Technik selbst als Medium und die techni­sche Verfasst­heit jedes Vermitt­lungsge­schehens unter­sucht worden. Der Begriff der Kultur­techni­ken beschreibt in dieser Hinsicht hete­roge­ne Anord­nungen techni­scher, sozi­aler und kultu­reller Konzep­te, die über die klassi­schen Kultur­techniken​ »Lesen«,​ »Schreiben«​ und​ »Rechnen«​ hinaus auch ope­rati­ve Verfah­ren wie​ »Zeichnen«​ oder​ »Messen«​ sowie Ordnungs­syste­me wie​ »Kata­loge«​ oder​ »Suchma­schinen«​ umfas­sen. Wird Technik in diesem Sinne nicht von bestimm­ten Appa­raten, Verfah­ren oder einem histo­rischen Bruch her defi­niert, kann sie vielmehr als Perspek­tive dienen, den Umgang oder die Welter­zeugung durch techni­sche Arte­fakte und deren Bedin­gungs- oder Möglich­keitsräu­me zu beschrei­ben.


Bildphilosophische Aspekte

In Hinsicht auf die Herstel­lung und massen­hafte Verbrei­tung von techni­schen Bildern, die mit techni­schen Medien einset­zen soll ([Kittler 2002b]Kittler, Friedrich (2002): Optische Medien. Berliner Vorlesung 1999. Merve, Berlin.
), ist die Technik von bildge­benden Verfah­ren in zahlrei­chen Arbei­ten vor allem wissen­schaftshis­tori­scher Prove­nienz beschrie­ben worden ([Schröter 2009c]Schröter, Jens (2009): 3D. Zur Theorie, Geschichte und Medienästhetik des technischtransplanen Bildes. Fink, München.
). Wenn jedes Bild ein verkör­perndes oder vermit­telndes Medium braucht, in dem es sich zeigt, dann ist Bildpro­duktion grundsätz­lich an techni­sche Verfah­ren gebunden ([Bredekamp et al. 2008a]Bredekamp, Horst; Schneider, Birgit & Dünkel, Vera (2008): Das Technische Bild. Kompendium zu einer Stilgeschichte wissenschaftlicher Bilder. Akademie, Berlin.
). Gefragt werden kann in Bezug auf techni­sche Medien damit etwa nach der Mate­riali­tät von Bildträ­gern, die sich histo­risch verän­dern, wodurch der Status der Bilder modi­fiziert wird, beispiels­weise wenn Gemäl­de zur Repro­duktion gezeich­net, litho­grafiert, photo­graphiert oder digi­tali­siert werden (⊳ Repli­ka, Faksi­mile und Kopie und Ori­ginal). So hat Vilém Flusser mit seinem Konzept der Techno­bilder betont, dass technisch erzeug­te Bilder, also etwa Photo­graphien, Diagram­me oder Compu­terani­mati­onen (bis hin zum ⊳ inter­akti­ven Bild), nicht als Abbil­dungen verstan­den werden sollten, sondern Begriffe zeigen (⊳ Exem­plifi­kation).

Ein technisches Bild entzif­fern heißt nicht, das Gezeig­te entzif­fern, sondern ihr Programm aus ihnen heraus­lesen ([Flusser 1983a]Flusser, Vilém (1983): Für eine Philosophie der Fotografie. European Photography, Göttingen.
: S. 13).
Anmerkungen
Literatur
[Bredekamp et al. 2008a]Bredekamp, Horst; Schneider, Birgit & Dünkel, Vera (2008): Das Technische Bild. Kompendium zu einer Stilgeschichte wissenschaftlicher Bilder. Akademie, Berlin.[Coy 1997a]Coy, Wolfgang; Tholen, Georg Christoph & Warnke, Martin (1997): Hyperkult. Stroemfeld, Basel.[Engell 1999a]Engell, Lorenz & Vogl, Joseph (1999): Vorwort. In: Pias, Claus et. al. (Hg.), Kursbuch Medienphilosophie. DVA, Stuttgart.[Ernst et al. 2003a]Ernst, Wolfgang et al. (Hg.) (2003): Suchbilder. Visuelle Kultur zwischen Algorithmen und Archiven. Kulturverlag Kadmos, Berlin.[Flusser 1983a]Flusser, Vilém (1983): Für eine Philosophie der Fotografie. European Photography, Göttingen.[Gamm 2000a]Gamm, Gerhard (2000): Nicht nichts. Studien zu einer Semantik des Unbestimmten. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Kittler 1986a]Kittler, Friedrich (1986): Grammophon, Film, Typewriter. Brinkmann & Bose, Berlin.[Kittler 1989a]Kittler, Friedrich & Tholen, Georg Christoph (1989): Arsenale der Seele. Literatur- und Medienanalyse seit 1870. Fink, München.[Kittler 1993a]Kittler, Friedrich (1993): Geschichte der Kommunikationsmedien. In: Huber, J. & Müller, A. (Hg.), Raum und Verfahren. Stroemfeld, Basel.[Kittler 2002b]Kittler, Friedrich (2002): Optische Medien. Berliner Vorlesung 1999. Merve, Berlin.[Krämer 2004a]Krämer, Sybille (2004): Friedrich Kittler – Kulturtechniken der Zeitachsenmanipulation. In: Lagaay, A. (Hg.), Medientheorien. Eine philosophische Einführung. Campus, Frankfurt/M.[McLuhan 1964a]McLuhan, Marshall (1964): Understanding Media. The Extensions of Man. Mentor, New York.[Mersch 2003b]Mersch, Dieter (2003): Technikapriori und Begründungsdefizit. Medienphilosophien zwischen uneingelöstem Anspruch und theoretischer Neufundierung. Philosophische Rundschau, 50.[Pias 2004a]Pias, Claus (2004): Zukünfte des Computers. Diaphanes, Berlin.[Rieger 2001a]Rieger, Stefan (2001): Die Individualität der Medien. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Schröter 2009c]Schröter, Jens (2009): 3D. Zur Theorie, Geschichte und Medienästhetik des technischtransplanen Bildes. Fink, München.[Siegert 2003a]Siegert, Bernhard (2003): Passage des Digitalen. Zeichenpraktiken der neuzeitlichen Wissenschaften 1500 - 1900. Brinkmann & Bose, Berlin.[Stiegler 2009a]Stiegler, Bernard (2009): Technics and Time 2. Disorientation. Stanford University Press, Stanford.[Vogl 2001a]Vogl, Joseph (2001): Medien-Werden. Galileis Fernrohr. Archiv für Mediengeschichte, 1.[Winthrop-Young 2005a]Winthroph-Young, Geoffrey (2005): Friedrich Kittler zur Einführung. Junius, Hamburg.

Ausgabe 1: 2013

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Seitenbearbeitungen durch: Joerg R.J. Schirra, Florian Sprenger und Marcel Lemmes — (Hinweis)

Zitierhinweis:

Sprenger, Florian (2013). Technische Medien. (Ausg. 1). In: Schirra, J.R.J.; Halawa, M. & Liebsch, D. (Hg.), Glossar der Bildphilosophie. (2012-2026). [bildglossar.org/index.php?title=Technische_Medien].