Digitales Bild

Aus Glossar der Bildphilosophie
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Unterpunkt zu: Bildmedien


Definition und Gliede­rung

Der Ausdruck ‘digitales Bild’ steht für einen Sammel­begriff für verschie­dene Bildty­pen, die mit digi­talen Techno­logien herge­stellt oder bear­beitet werden. Seit ca. Anfang der 1990er Jahre kommt es zu einer gestei­gerten Ausbrei­tung von digi­talen Kame­ras, PC mit Bildbe­arbei­tungssoft­ware, aber auch von popu­lären Kino­filmen mit spekta­kulä­ren digi­talen Trick­effek­ten, so z.B. «Termi­nator II» (James Came­ron, 1991) oder «Juras­sic Park» (Steven Spiel­berg, 1993). Auch ist zu dieser Zeit viel von ‘Cyber­space’ und ‘Virtual Reali­ty’ die Rede. Infol­gedes­sen entfal­tet sich eine sich immer weiter verzwei­gende Diskus­sion um die Geschich­te, die Theorie, die Poten­tiale und Proble­me solcher Bilder.

Im Folgenden wird eine Gliede­rung der umfäng­lichen Lite­ratur vorge­schlagen, die nicht im enge­ren Sinne syste­matisch (also z.B. ‘Geschich­te – Theorie – Ästhe­tik’), sondern an beson­deren Problem­feldern orien­tiert ist, die im Lauf der Diskus­sion entstan­den sind.[1] In Abschnitt 2 geht es um die Frage, ob der Ausdruck ‘digi­tale Bilder’ über­haupt sinnvoll ist. In Abschnitt 3 wird das Problem der Refe­renz (oder auch des Welt- oder Wirklich­keitsbe­zuges) der verschie­denen digi­talen Bilder disku­tiert – eine insbe­sonde­re in der ersten Hälfte der 1990er Jahre zentra­le Frage­stellung. Abschnitt 4 skizziert die Diskus­sion um die Frage, ob und inwie­fern die verschie­denen Typen digi­taler Bilder spezi­fische forma­le bildli­che Eigen­schaften, einen spezi­fischen Look haben. In 5 werden schließlich die digi­talen Bilder hinsicht­lich der Perspek­tive des Archivs und der Zirku­lation betrach­tet.


Es gibt kein digita­les Bild?

Eine erste Gruppe von Texten stellt die Sinnhaf­tigkeit des Begriffs des digi­talen Bildes selbst in Frage (vgl. [Schneider 2009a]Schneider, Birgit (2009): Wissenschaftsbilder zwischen digitaler Transformation und Manipulation. Einige Anmerkungen zur Diskussion des “digitalen Bildes”. In: Heßler, M. & Mersch, D. (Hg.), Logik des Bildlichen. Zur Kritik der ikonischen Vernunft. transcript, Bielefeld.
: S. 192-194). Wolfgang Hagen ([Hagen 2002a]Hagen, Wolfgang (2002): Die Entropie der Fotografie. Skizzen zu einer Genealogie der digitalelektronischen Bildaufzeichnung. In: Wolf, H. (Hg.), Paradigma Fotografie. Suhrkamp, Frankfurt/M.
) unter­sucht z.B. das Charge Coupled Device. Dabei handelt es sich um jenen Sensor, der, unter Ausnut­zung des photo­elek­trischen Effekts, Licht- in Stromwer­te umwan­delt und heute in jeder digi­talen Foto­kame­ra ope­riert. Das CCD ist eine zentra­le Techno­logie zur Erzeu­gung digi­tali­sierter Bilder. Hagen argu­mentiert, dass zu seiner Entwick­lung ein quanten­mecha­nisches Wissen erfor­derlich war, das selber bildlos (unan­schaulich) sei. Diese Bildlo­sigkeit des bedin­genden Wissens mache es daher schwierig von ‘digi­talen Bildern’ (oder näher­hin von ‘digi­taler Foto­grafie’) zu sprechen. Diese Schlussfol­gerung kann verwun­dern – ange­sichts der selbstver­ständli­chen Alltags­praxis mit digi­tal aufge­nomme­nen Foto­grafien etwa im Journa­lismus oder in der Fami­lienfo­togra­fie, bei denen der Bildcha­rakter keines­wegs bezwei­felt wird.[2]

Ein etwas anderes Argument gegen die Sinnhaf­tigkeit des Begriffs des digi­talen Bildes schlägt Claus Pias vor. Digi­tale Bilder sind, wie alle ande­ren digi­talen Daten auch, in Form von binä­ren Codes gespei­chert (⊳ Nota­tion). Auf den Bildschir­men erschei­nen ana­loge Bilder, nur ihr Code ist digi­tal – wegen dieser Tren­nung zwischen Erschei­nung und Speiche­rung mache der Ausdruck ‘digi­tale Bilder’ keinen Sinn. Auf der Ebe­ne des Codes schon deshalb nicht, weil alle noch so verschie­denen Daten (Musik, Text, Video, ausführ­barer Programm­code etc.) auf diesel­be Weise gespei­chert seien. Der Code, der ein Bild beschreibt, könnte z.B. auch als Text oder Sound darge­stellt werden. Aller­dings ist auch dieses Argu­ment proble­matisch, denn die Daten, die ein Bild beschrei­ben, geben bei ihrer Darstel­lung als Sound besten­falls „Musik im Cage’schen Sinn“ ([Hagen 2002a]Hagen, Wolfgang (2002): Die Entropie der Fotografie. Skizzen zu einer Genealogie der digitalelektronischen Bildaufzeichnung. In: Wolf, H. (Hg.), Paradigma Fotografie. Suhrkamp, Frankfurt/M.
: S. 231). Nur unter Rekurs auf John Cages radi­kal erwei­terten Musik­begriff ist die Ausga­be von Bildda­ten als Sound Musik und nicht einfach eine sinn­lose Störung. Daher haben – zumin­dest unter Windows bei entspre­chender Konfi­gura­tion – Datei­en ja auch Endun­gen (wie ‘.tif’ oder ‘.wav’), die die Daten eindeu­tig einem Programm mit dem Zweck der richti­gen Darstel­lung zuord­nen.

Generell kann gegen beide Kriti­ken einge­wendet werden, dass Formu­lierun­gen wie ‘Es gibt kein digi­tales Bild’ (so der Titel von [Hagen 2002b]Hagen, Wolfgang (2002): Es gibt kein ‘digitales Bild’. Eine medienepistemologische Anmerkung. In: Engelt, L.; Siegert, B. & Vogel, J. (Hg.), Licht und Leitung. Bauhaus-Universität , Weimar.
und [Pias 2003a]Pias, Claus (2003): Das digitale Bild gibt es nicht. Über das (Nicht-)​Wissen der Bilder und die informatische Illusion.
Webadresse: www.zeitenblicke.de/2003/01/pias/pias.pdf
) die Begriff­lichkeit des digi­talen Bildes bereits voraus­setzen. Diskurs­ana­lytisch betrach­tet wäre sie also eta­bliert und mithin anschluss­fähig – es bleibt zudem zu fragen, welche Alter­nati­ve statt des Ausdrucks ‘Bild’ zur Bezeich­nung der Phäno­mene, die etwa auf den Displays[3] digi­taler Foto­appa­rate erschei­nen, ange­zeigt wäre. Selbst wenn die so erschei­nenden Bilder auch im Sinne der Symbol­theorie Goodmans ([Goodman 1968a]Goodman, Nelson (1968): Languages of Art. Hackett, Indianapolis.
Notiz: 2. rev. Aufl. 1976
Nicht angezeigt: dt.: Sprachen der Kunst. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1998
; vgl. [Scholz 2004a]Scholz, Oliver R. (2004): Bild, Darstellung, Zeichen. Philosophische Theorien bildhafter Darstellungen. Klostermann, Frankfurt/M.
Nicht angezeigt: 2., vollständig überarbeitete Aufl.
) ‘ana­log’ zu nennen sind, hilft der Ausdruck ‘digi­tales Bild’ doch dabei, die Grundla­gen zu spezi­fizie­ren, auf denen das entspre­chende Bild beruht.

Allerdings müssen weitere Differen­zierun­gen folgen: Heuris­tisch kann man digi­tali­sierte von (digi­tal) gene­rierten Bildern unter­scheiden (vgl. [Schröter 2004a]Schröter, Jens (2004): Das Ende der Welt. Analoge und Digitale Bilder – mehr oder weniger Realität?. In: Böhnke A. & Schröter, J. (Hg.), Analog / Digital – Opposition oder Kontinuum? Beiträge zu Theorie und Geschichte einer Unterscheidung. Transcript, Bielefeld.
). Bei digi­tali­sierten Bildern werden (in einer Kame­ra oder einem Scanner z.B.) abge­taste­te Lichtwer­te in digi­talen Code umge­setzt (und dann ggf. verän­dert). Bei (digi­tal) gene­rierten Bildern wird das Bild algo­rithmisch erzeugt (unter diesen Typ fallen auch Bilder, die mit Paint-Program­men, wie z.B. «Ado­be Illus­trator», manu­ell erstellt werden). Beide Typen können verbun­den werden. In Anschluss an solche Diffe­renzie­rungen sollte man – mit Birgit Schneider ([Schneider 2009a]Schneider, Birgit (2009): Wissenschaftsbilder zwischen digitaler Transformation und Manipulation. Einige Anmerkungen zur Diskussion des “digitalen Bildes”. In: Heßler, M. & Mersch, D. (Hg.), Logik des Bildlichen. Zur Kritik der ikonischen Vernunft. transcript, Bielefeld.
: S. 194) – weni­ger fragen, ob und, wenn ja, was ein digi­tales Bild über­haupt ist, sondern welche Funkti­onen seine verschie­denen Formen in verschie­denen konkre­ten Prakti­ken einneh­men. Von onto­logi­schen Frage­stellun­gen wäre mithin auf pragma­tische Frage­stellun­gen umzu­stellen (vgl. [Heßler 2006a]Heßler, Martina (2006): Von der doppelten Unsichtbarkeit digitaler Bilder.
Webadresse: www.zeitenblicke.de/2006/3/Hessler/dippArticle.pdf
Nicht angezeigt: letzter Kontrollaufruf: 07.08.2010
, [Schröter 2009a]Schröter, Jens (2009): Wirklichkeit ist überhaupt nur darzustellen, indem man sie konstruiert (Andreas Gursky). In: Heßler & Mersch (Hg.), Logik des Bildlichen. Zur Kritik der ikonischen Vernunft. Transcript, Bielefeld.
und [Günzel 2010a]Günzel, Stephan (2010): Die Geste des Manipulierens. Zu Gebrauch statischer und beweglicher Digitalbilder. In: Diekmann, S. & Gerlin, W. (Hg.), Freeze Frames. Zum Verhältnis von Fotografie und Film. Transcript, Bielefeld.
).


Referenzen

Eine der wichtigsten und zugleich umstrit­tensten Funkti­onen ist der Verweis auf “reale” Sachver­halte, die Refe­renz der Bilder. In den 1990er Jahren – und zum Teil noch bis in die jüngste Gegen­wart – domi­nierte in der umfang­reichen Diskus­sion ([Ritchin 1990a]Ritchin, Fred (1990): In Our Image: The Coming Revolution in Photography. How Computer Technology is Changing our View of the World. Aperture, New York.
, [Ritchin 1990b]Ritchin, Fred (1990): Photojournalism in the Age of Computers. In: Squiers, C. (Hg.), The Critical Image. Essays on Contemporary Photography. Lawrence & Wishart, Seattle.
; [Ullrich 1997a]Ullrich, Wolfgang (1997): Digitaler Nominalismus. Zum Status der Computerfotografie. Fotogeschichte, 17, 64.
; [Glüher 1998a]Glüher, Gebhard (1998): Von der Theorie der Fotografie zur Theorie des digitalen Bildes. Kritische Berichte, 2.
; [Baudrillard 2000a]Baudrillard, Jean (2000): Das perfekte Verbrechen. In: Amelunxen, H. (Hg.), Theorie der Fotografie IV 1980-1995. Schirmer & Mosel , München.
; [Stiegler 2004a]Stiegler, Bernd (1995): Digitale Photographie als epistemologischer Bruch und historische Wende. In: Engell, L. & Neitzel, B. (Hg.), Das Gesicht der Welt. Medien in der digitalen Kultur. Fink, München.
) die Vorstel­lung, digi­tale Bilder (wobei in der Regel nicht zwischen digi­tali­sierten und (digi­tal) gene­rierten Bildern diffe­renziert wurde) seien im Unter­schied zu ana­logen Bildern (womit meist die Foto­grafie gemeint war) refe­renzlos.

Ab­bil­dung 1: Bei­spiel zur di­gi­ta­len Bild­ma­ni­pu­la­ti­on

Zu­nächst stimmt es zwar, dass durch die Aus­brei­tung von PCs und Bild­be­ar­bei­tungs­soft­ware (⊳ Bild­ver­ar­bei­tung, di­gi­ta­le) seit An­fang der 1990er Jah­re Bild­ma­ni­pu­la­ti­o­nen er­leich­tert wur­den.[4] Es gab ei­ni­ge öf­fent­li­che Skan­da­le um ma­ni­pu­lier­te Bil­der (so z.B. die schwär­zer ge­mach­te Ab­bil­dung von O.J. Simp­son auf der «Time» vom 27. Ju­ni 1994 im Zu­ge des Mord­pro­zes­ses ge­gen ihn (Abb. 1), was ein Bei­spiel für die pol­i­tics of re­pre­sen­ta­tion di­gi­ta­ler Bild­ma­ni­pu­la­ti­o­nen ist.[5] Aller­dings wurde der angeb­liche Verlust der refe­rentiel­len Funktion – der im Falle der ana­logen Foto­grafie plötzlich als unprob­lema­tisch galt (als habe es dort nie Bildfäl­schungen gege­ben, vgl. [Jaubert 1998a]Jaubert, Alain (1998): Fotos, die lügen: Politik mit gefälschten Bildern. Äthenaum, Frankfurt/M.
; [Rosler 2000a]Rosler, Martha (2000): Bildsimulationen, Computermanipulationen: Einige Überlegungen. In: von Amelunxen, H. (Hg.), Theorie der Fotografie IV. 1980-1995. Schirmer & Mosel, München.
) – in Zusam­menhang mit postmo­dernis­tischen Posi­tionen v.a. Baudril­lards über die so genann­te „Ago­nie des Realen“ (vgl. [Baudrillard 1978a]Baudrillard, Jean (1978): Agonie des Realen. Merve, Berlin.
) biswei­len zu einer komplet­ten De-Reali­sierung gestei­gert. Ein solcher Diskurs passte zur Anfang bis Mitte der 1990er Jahre weit verbrei­teten Rede um ‘Virtual Real­ity’ und Cyber­space (vgl. [Rötzer 1993a]Rötzer, Florian (Hg.) (1993): Cyberspace. Zum medialen Gesamtkunstwerk. Boer, München.
; kritisch dazu [Schröter 2004b]Schröter, Jens (2004): Das Netz und die Virtuelle Realität. Zur Selbstprogrammierung der Gesellschaft durch die universelle Maschine. Transcript, Bielefeld.
: S. 152-276), wobei es meistens um letztlich völlig unrea­lisier­bare Phantas­men voll­endet realis­tischer, immer­siver und hapti­scher Räume ging – die von der Reali­tät schlicht un­unter­scheidbar sein sollten und die noch Kino­filme wie «The Matrix» (1999) antrie­ben. In Zusam­menhang mit solchen Vorstel­lungen war etwa von der „pure[n] Selbst­refe­rentia­lität der digi­talen Zeichen“ ([Wimmer 1991a]Wimmer, Thomas (1991): Fabrikation der Fiktion?. In: Rötzer, F. (Hg.), Digitaler Schein. Ästhetik der digitalen Medien. Suhrkamp, Frankfurt/M.
: S. 529) die Rede, was schon deswe­gen proble­matisch ist, weil ein Zeichen per defin­itionem auf etwas ande­res als sich selbst verweist, ein pur selbst­refe­rentiel­les Zeichen also gar kein Zeichen ist. Geoffrey Batchen ([Batchen 2000a]Batchen, Geoffrey (2000): Ectoplasm. Photography in the Digital Age. In: Squiers, C. (Hg.), Over Exposed. Essays on Contemporary Photography. New Press, New York.
: S. 15) schrieb noch 2000: „The main diffe­rence seems to be that, whereas photo­graphy still claims some sort of objec­tivity, digi­tal imaging is an overt­ly fic­tional process.“[6] Die These, digi­tale Bilder refe­rierten nicht auf Welt, wurde meist auf zwei verschie­dene Argu­mente gestützt, die beide aber diskus­sionswür­dig sind:

  1. Die digitalen Bilder seien – anders als die Foto­grafie – nicht mehr inde­xika­lisch, d.h. im Sinne der Semi­otik von Peirce nicht mehr über das Licht kausal mit dem Gegen­stand verbun­den.[7]
  2. Sie seien, da mathe­matisch verfasst, leichter mani­pulier­bar und verän­derbar als ana­loge Bilder. Daher seien sie die „Fälsch­barkeit schlechthin“ ([Kittler 2002a]Kittler, Friedrich (2002): Computergrafik. Eine halbtechnische Einführung. In: Wolf, H. (Hg.), Paradigma Fotografie. Suhrkamp, Frankfurt/M.
    : S. 179) oder „dubi­tativ“ ([Levinson 2002a]Levinson, Jerrold (2002): Digitale Fotografie. Das dubitative Bild. In: Wolf, H. (Hg.), Paradigma Fotografie. Suhrkamp, Frankfurt/M.
    ) und grundsätz­lich nicht vertrau­enswür­dig. Wenn über­haupt, würden die Bilder also auf die Algo­rithmen ihrer Be­arbei­tung verwei­sen (⊳ Bild in reflexiver Verwendung).

Zu a. (Nicht-)Inde­xika­lität

Digitalisierte Bilder sind immer noch inde­xika­lisch in dem Sinne, dass Licht vom Gegen­stand (oder einer Vorla­ge) reflek­tiert wird und auf einen Sensor fällt – nur dass dieser nicht mehr foto­chemisch, sondern quanten­elek­tronisch ist. Daran ändert auch Hagens ([Hagen 2002a]Hagen, Wolfgang (2002): Die Entropie der Fotografie. Skizzen zu einer Genealogie der digitalelektronischen Bildaufzeichnung. In: Wolf, H. (Hg.), Paradigma Fotografie. Suhrkamp, Frankfurt/M.
: S. 231-235) Argu­ment nichts, dass digi­tal-elek­tronisch aufge­zeichne­te Foto­grafien anders als chemi­sche Foto­grafien löschbar, also rever­sibel sind.[8] ‘Photo-Graphie’ heißt ‘Schrift des Lichts’, nichts an diesem Begriff bestimmt, ob die Aufzeich­nung ana­log oder digi­tal, dauer­haft oder flüchtig ist. Daher werden CCDs auch nach wie vor etwa in den Natur­wissen­schaften einge­setzt, um Spuren von Ereig­nissen festzu­halten, die es dann später auszu­werten und zu kommen­tieren gilt, damit Refe­renz erzeugt werden kann.[9] Dies wäre sinnlos, wenn diese Bilder keine Spur eines – wie auch immer defi­nierten – Realen (wenn auch nur vorüber­gehend) speichern würden. Der Hinweis auf die mangeln­de Inde­xika­lität scheint eher auf (digi­tal) gene­rierte Bilder zuzu­treffen, inso­fern diese keine Bilder einer realen Szene sind, aber durch ihren u.U. “foto­realis­tischen” ([Schröter 2003a]Schröter, Jens (2003): Virtuelle Kamera. Zum Fortbestand fotografischer Medien in computergenerierten Bildern. Fotogeschichte, 23, 88.
) Look ausse­hen können wie Einschrei­bungen von Licht (s.u.).

Zu b. Mani­pulier­bar­keit

Die glaubwürdige und fehler­freie Mani­pula­tion größe­rer Teile komple­xer bildli­cher Szenen ist ein außer­ordent­lich diffi­ziles Unter­fangen (vgl. [Mitchell 1992a]Mitchell, William J.T. (1992): The Reconfigured Eye. Visual Truth in the Post-Photographic Era. MIT Press, Cambridge, MA.
: S. 31-37). Daher ist die Frage berech­tigt, inwie­fern in kriti­schen Fällen eine Nicht-Unter­scheidbar­keit mani­pulier­ter von authen­tischen Bildern (mindes­tens für die Augen von Exper­ten) wirklich gege­ben ist. Außer­dem gibt es zahlrei­che Fälle, in denen die Mani­pula­tion bzw. Be­arbei­tung eines Bildes notwen­dig und zuläs­sig ist, z.B. bei der Aufbe­reitung von Bildern für den Druck. Es gibt also eine Grenze zwischen zuläs­sigen und unzu­lässi­gen Mani­pula­tionen (vgl. [Pang 2002a]Pang, Alex Soojung-Kim (2002): Technologie und Ästhetik der Astrofotografie. In: Geimer, P. (Hg.), Ordnungen der Sichtbarkeit. Fotografie in Wissenschaft, Kunst und Technologie. Suhrkamp, Frankfurt/M.
: S. 104), die keines­wegs mit der Grenze »ana­log/di­gital« iden­tisch ist.

Wie dieses letzte Beispiel schon zeigt, sollte die Be­arbei­tung digi­tali­sierter Bilder nicht auto­matisch mit dem Verlust von Refe­renz gleichge­setzt werden. Histo­risch lässt sich im Gegen­teil zeigen, dass die Be­arbei­tung von Bildern (‘Image Process­ing’) oft gera­de Bedin­gung ihres Weltbe­zuges ist – z.B. in mili­täri­schen, medi­zini­schen oder natur­wissen­schaftli­chen Prakti­ken (vgl. [Schröter 2001a]Schröter, Jens (2001): Eine kurze Geschichte der digitalen Fotografie. In: Hesse, W. & Jaworek, W. (Hg.), Verwandlungen durch Licht. Fotografieren in Museen & Archiven & Bibliotheken. Museumsverband Baden-Württemberg, Esslingen.
, [Schröter 2004a]Schröter, Jens (2004): Das Ende der Welt. Analoge und Digitale Bilder – mehr oder weniger Realität?. In: Böhnke A. & Schröter, J. (Hg.), Analog / Digital – Opposition oder Kontinuum? Beiträge zu Theorie und Geschichte einer Unterscheidung. Transcript, Bielefeld.
und [Schröter 2009a]Schröter, Jens (2009): Wirklichkeit ist überhaupt nur darzustellen, indem man sie konstruiert (Andreas Gursky). In: Heßler & Mersch (Hg.), Logik des Bildlichen. Zur Kritik der ikonischen Vernunft. Transcript, Bielefeld.
). Das korres­pondiert mit neue­ren theore­tischen Ansät­zen etwa aus der Akteur-Netz­werk-Theorie, die den Gegen­satz zwischen »Kon­stru­iert­heit« und »Wirk­lich­keit« – der in der Behaup­tung aufscheint, die Be­arbeit­barkeit eines Bildes redu­ziere auto­matisch dessen Refe­renz – zu unter­laufen versu­chen (vgl. [Latour 2007a]Latour, Bruno (2007): Eine neue Soziologie für eine neue Gesellschaft. Einführung in die Akteur-Netzwerk-Theorie. Suhrkamp, Frankfurt/M.
: S. 152-161). Natür­lich gibt es böswil­lige Mani­pula­tionen an und mit digi­tali­sierten Bildern, aber es hängt von konkre­ten Prakti­ken mit ana­logen und digi­talen Bildern ab, ob es sich um eine Täuschung oder um eine Aufbe­reitung mit dem Ziel klare­ren Verständ­nisses handelt. Umge­kehrt garan­tiert der Charak­ter eines foto­grafi­schen Bildes als inde­xika­lische Spur keines­wegs auto­matisch ein Wissen, worauf das Bild refe­riert. Auch ana­loge Foto­grafien benö­tigen oft Kommen­tare, um über­haupt verständ­lich zu sein.[10] Statt einer onto­logi­schen Fixie­rung von ‘ana­log’ und ‘digi­tal’ ist die Bezug­nahme auf das, was mit Bildern gemacht wird notwen­dig (⊳ Bildhan­deln) – da nach Luhmann ([Luhmann 1996a]Luhmann, Niklas (1996): Realität der Massenmedien. Westdeutscher Verlag, Opladen.
: S. 9) das System der Massen­medien einen perma­nenten Mani­pula­tionsver­dacht erzeugt, ist es nicht verwun­derlich, dass die ganze Debat­te um die angeb­liche Mani­pula­tion durch digi­tale Bilder vorwie­gend in den Massen­medien (oder in der Debat­te über Massen­medien) stattfin­det. Dies gilt auch für (digi­tal) gene­rierte Bilder.

Algorithmisch gene­rierte Bilder[11] scheinen zunächst eher dem Verdacht der Refe­renzlo­sigkeit zu entspre­chen. Insbe­sonde­re wenn sie foto­realis­tisch geren­dert sind (vgl. [Schröter 2003a]Schröter, Jens (2003): Virtuelle Kamera. Zum Fortbestand fotografischer Medien in computergenerierten Bildern. Fotogeschichte, 23, 88.
) – also im Grenzfall für Foto­grafien gehal­ten werden – können sie gera­de wegen dieser Verwechs­lung eine Refe­renz vortäu­schen. Aller­dings verwei­sen algo­rithmisch gene­rierte Bilder in der Regel selbst wieder a.) auf Daten und/oder b.) auf Modelle. Im Falle der foto­realis­tisch gene­rierten Bilder verwei­sen diese auf jeden Fall auf die Geschich­te der Foto­grafie bzw. auf ein aus dieser Geschich­te destil­liertes Modell von »Foto­grafie über­haupt«.

In vielen konkreten Fällen dienen generier­te Bilder als visu­eller Output von Model­lierungen bzw. Simu­latio­nen (vgl. [Schröter 2004c]Schröter, Jens (2004): Computer/Simulation. Kopie ohne Original oder das Original kontrollierende Kopie. In: Fehrmann, G.; Linz, E.; Schumacher, E. & Weingart, B. (Hg.), OriginalKopie. Praktiken des Sekundären. DuMont, Köln.
und [Hinterwaldner 2008a]Hinterwaldner, Inge (2008): Simulationsmodelle. Zur Verhältnisbestimmung von Modellierung und Bildgebung in interaktiven Echtzeitsimulationen. In: Reichle, I.; Siegel, S. & Spelten, A. (Hg.), Visuelle Modelle. Fink, München.
) und haben als solche wieder konkre­te, refe­rentiel­le Funkti­onen, auch wenn diese sich nicht auf die Vergan­genheit, sondern auf die Zukunft bezie­hen. Mit Entwurfs­software werden Gebäu­de, Maschi­nen usw. entwor­fen, die dann schließlich auch gebaut werden können ([Saxena & Sahay 2005a]Saxena, Anupam & Sahay, Birendra (2005): Computer Aided Engineering Design. Springer, New York u.a.
). Gene­rierte Bilder können in massen­media­len Nachrich­tenfor­maten sogar gera­de zur “Enthül­lung der Wahrheit” dienen ([Adelmann 2004a]Adelmann, Ralf (2004): Digitale Animationen in dokumentarischen Fernsehformaten?. In: Böhnke A. & Schröter, J. (Hg.), Analog/Digital – Opposition oder Kontinuum? Beiträge zu Theorie und Geschichte einer Unterscheidung. Transcript, Bielefeld.
).[12] Sie können in einem Flugsi­mula­tor zusam­men mit ande­ren Outputs dazu dienen, auf einen zukünf­tigen Flug zu verwei­sen. Dazu müssen die gene­rierten Bilder ausrei­chend realis­tisch erschei­nen, um als Vorbe­reitung über­haupt dienlich zu sein. Zugleich sind solche Simu­lator-Bilder – oder „Simu­lations­bilder“ ([Günzel 2008a]Günzel, Stephan (2008): Die Realität des Simulationsbildes. Raum im Computerspiel. In: Die Realität der Imagination. Architektur und das digitale Bild. Bauhaus-Universität, Weimar.
Webadresse: e-pub.uni-weimar.de/opus4/files/1292/10_Bauhaus-Koll.pdf
Nicht angezeigt: 10. internationales Bauhaus-Kolloquium
) – inter­aktiv in dem Sinne, dass das Verhal­ten des Betrach­ter/Nut­zers zur Verän­derung ihrer Darstel­lung genutzt wird. Hier schließt die mittler­weile eben­falls umfang­reiche Diskus­sion um die Bildlich­keit der Compu­terspie­le an (u.a. [Günzel 2006a]Günzel, Stephan (2006): Bildtheoretische Analyse von Computerspielen in der Perspektive Erste Person. IMAGE, 4.
, [Günzel 2009a]Günzel, Stephan (2010): Simulation und Perspektive. Der bildtheoretische Ansatz in der Computerspielforschung. In: Bopp, M.; Wiemer, S. & Nohr, R. F. (Hg.), Shooter: Eine multidisziplinäre Einführung. Lit, Münster.
, [Venus 2009a]Venus, Jochen (2009): Raumbild und Tätigkeitssimulation. Video- und Computerspiele als Darstellungsmedien des Tätigkeitsempfindens. In: Winter, G.; Schröter, J. & Barck, J. (Hg.), Das Raumbild. Bilder jenseits ihrer Flächen. Wilhelm Fink, München.
und [Beil 2010a]Beil, Benjamin (2010): First Person Perspectives. Point of View und figurenzentrierte Erzählformen im Film und im Computerspiel. LIT Verlag, Münster.
; ⊳ Cyber­space und insbe­sonde­re ⊳ inter­akti­ves Bild).

Auch in den Wissenschaften werden vielfach und auf verschie­dene Weise Bilder aus Daten und Model­len gene­riert, die auf diese Weise – wenn auch indi­rekt – auf ein Reales refe­rieren. Derlei „Daten­bilder“ ([Adelmann 2009a]Adelmann, Ralf (Hg.) (2009): Datenbilder. Zur digitalen Bildpraxis in den Naturwissenschaften. Transcript, Bielefeld.
) werden u.U. dazu verwen­det, Phäno­mene dingfest zu machen und Ergeb­nisse vorher­zusa­gen, deren Eintre­ten dann aber durch Expe­rimen­te noch bestä­tigt werden muss. Eine wichti­ge Frage ist dabei, welche Weise der Darstel­lung oft selbst unsinn­licher und auf Unsicht­bares refe­rieren­der Daten und Model­le in welchen Kontex­ten und mit welchen Effek­ten gewählt wird ([Law & Whittaker 1988a]Law, John & Whittaker, John (1988): On the Art of Representation. Notes on the Politics of Visualisation. In: Fyfe, G. & Law, J. (Hg.), Picturing Power: Visual Depiction and Social Relations. Routledge, London.
, [Lynch & Edgerton 1988a]Lynch, Michael & Edgerton, Samuel Y. (1988): Aesthetics and Digital Image Processing. Re-presentational Craft in Contemporary Astronomy. In: Fyfe, G. & Law, J. (Hg.), Picturing Power: Visual Depiction and Social Relations. Routledge, London u.a.
, [Schirra 2005a]Schirra, Jörg R.J. (2005): Foundation of Computational Visualistics. DUV, Wiesbaden.
und [Badakshi 2006a]Badakshi, Harun (2006): Körper in/aus Zahlen. Digitale Bildgebung in der Medizin. In: Hinterwaldner, I.; Buschhaus, M. (Hg.), The Picture's Image. Wissenschaftliche Visualisierung als Komposit. Fink, München.
, sowie ⊳ Bild in der Wissen­schaft, ⊳ Struktur­bild und ⊳ Seman­tik logi­scher Bilder).


Digitale Bildlich­keit?

Mit dem Hinweis auf die Darstel­lungswei­sen ist die Frage nach den visu­ellen Eigen­heiten der digi­talen Bilder, nach ihrer „digi­talen Form“ ([Pratschke 2005a]Pratschke, Margarete (Hg.) (2005): Digitale Form. Bildwelten des Wissens. Kunsthistorisches Jahrbuch für Bildkritik. Akademie, Berlin.
) aufge­worfen (vgl. auch [Mitchell 1992a]Mitchell, William J.T. (1992): The Reconfigured Eye. Visual Truth in the Post-Photographic Era. MIT Press, Cambridge, MA.
). Haben digi­tali­sierte und (digi­tal) gene­rierte Bilder eine spezi­fische Bildlich­keit, die sie durch ihre äuße­re Erschei­nung von ande­ren Bildern unter­scheidbar macht? Auf diese Frage gibt es keine einfa­che Antwort. Einer­seits zeigen Bemü­hungen wie das foto­realis­tische Render­ing, dass bestimm­te Typen digi­taler Bilder – z.B. um als Effekt in anson­sten weitge­hend foto- bzw. video­grafi­schen Filmen einge­setzt werden zu können – gerade den “Look” eta­blierter Bildme­dien über­nehmen sollen.[13]

Andererseits sind gene­rierte Bilder natür­lich keines­wegs auf die Regeln der geome­trischen Optik, die – neben Emul­sionsef­fekten, Bewe­gungsun­schärfe etc. – den Look der ana­logen Foto­grafie bestim­men, festge­legt. Daher gibt es auch Formen des „non-photo­realistic render­ing“ ([Gooch & Gooch 2001a]Gooch, Bruce & Gooch, Amy (2001): Non-Photorealistic Rendering. AK Peters, Natick, MA.
. [Strothotte & Schlechtweg 2002a]Strothotte, Thomas & Schlechtweg, Stefan (2002): Non-photorealistic Computer Graphics: Modeling, Rendering, and Animation. Morgan Kaufmann, San Francisco u.a.
oder [Isenberg 2007a]Isenberg, Tobias (2007): A Survey of Image-Morphologic Primitives in Non-Photorealistic Rendering. In: Schirra, J.R.J. (Hg.), Computational Visualistics and Picture Morphology. Halem, Köln.
Webadresse: www.gib.uni-tuebingen.de/own/journal/pdf/buch_image5b.pdf
Nicht angezeigt: Themenbuch zu <em>Image 5</em>
), die oft eta­blierte male­rische und zeichne­rische Formen imi­tieren. Dabei werden auch Darstel­lungsfor­men wie verschie­dene paral­lelpers­pekti­vische Projek­tionen benutzt, die in der techni­schen bzw. Archi­tektur­zeichnung spätes­tens seit dem 19. Jahrhun­dert eine große Rolle gespielt hatten und die von opti­schen Medien wie Foto­appa­raten nicht herstell­bar sind ([Carlbom & Paciorek 1978a]Carlbom, Ingrid & Paciorek, Joseph (1978): Planar Geometric Projections and Viewing Transformations. ACM Computing Surveys, 10, 4.
, [Salomon 2006a]Salomon, David (2006): Transformations and Projections in Computer Graphics. Springer, London.
: S. 57-70, sowie [Beil & Schröter 2011a]Beil, Benjamin & Schröter, Jens (2011): Die Parallelperspektive im digitalen Bild. Zeitschrift für Medienwissenschaft, 4, 1.
). Solche Projek­tionswei­sen sind insbe­sonde­re für den Einsatz von gene­rierten Bildern in Archi­tektur- und Technik­entwurf von zentra­ler Bedeu­tung ([Saxena & Sahay 2005a]Saxena, Anupam & Sahay, Birendra (2005): Computer Aided Engineering Design. Springer, New York u.a.
: S. 54-65).

Die prinzipielle Offenheit digi­taler Compu­ter ([Schröter 2004b]Schröter, Jens (2004): Das Netz und die Virtuelle Realität. Zur Selbstprogrammierung der Gesellschaft durch die universelle Maschine. Transcript, Bielefeld.
) legt nahe, dass solche Maschi­nen (zunächst) die etab­lierten Formen der Bildlich­keit appr­oxima­tiv simu­lieren (und/oder samplen) und dann ggf. zu neuen Bild-Hybri­den verbin­den. Dies ist z.B. in den popu­lären compu­terge­nerier­ten Filmen zu beobach­ten, wie z.B. in «Monster AG» (Pixar, 2001), in denen ein aus dem Comic und Cartoon entlehn­ter Zeichen­stil mit einer foto­realis­tischen Anmu­tung von Lichtwurf, Räumlich­keit bis hin zu simu­lierten “foto­grafi­schen Fehlern” wie Lens-Flares kombi­niert ist.

Wenn man Elemente genu­iner Bildlich­keit digi­taler Bilder sucht, so können neben der genann­ten Hybri­disie­rung mindes­tens noch drei weite­re Aspek­te erwähnt werden.

Artefakte bei digi­talen Bildern

Ab­bil­dung 2: Bei­spiel der re­fle­xi­ven Nut­zung von Ei­gen­hei­ten di­gi­ta­ler Bil­der

Der Hin­weis auf die Si­mu­la­ti­on von fo­to­gra­fi­schen Feh­lern lenkt den Blick auf die Feh­ler und Stö­run­gen di­gi­ta­ler Bil­der selbst. Die­se un­ter­schei­den sich deut­lich von den Stö­run­gen ana­lo­ger Bil­der und sind in­so­fern als Teil ei­ner ge­nu­i­nen di­gi­ta­len Bild­lich­keit an­zu­spre­chen. So sind z.B. die JPEG-Ar­te­fak­te zu nen­nen, die auf die not­wen­di­ge Kom­pres­si­on von Bild­trä­gern für ih­re Zir­ku­la­ti­on (sie­he hier­zu den Ab­schnitt 5) über Da­ten­net­ze ver­wei­sen.[14] Es ist nicht über­ra­schend, dass Künst­ler wie Tho­mas Ruff ([Ruff 2009a]Ruff, Thomas (2009): jpegs. Dumont, Köln.
) die­se Ei­gen­heit di­gi­ta­ler Bil­der zum Aus­gangs­punkt ex­pe­ri­men­tel­ler und re­fle­xi­ver Ge­stal­tung wäh­len (Abb. 2).[15]

Morphing

Ein bestimmtes Verfahren, das insbe­sonde­re mit dem 1991 erschie­nenen und sehr popu­lären Film «Termi­nator II» (James Came­ron) bekannt und ange­legent­lich fast zum Inbe­griff digi­taler Bildlic­hkeit wurde, ist das Morphing, also die fließen­de Umwand­lung eines Bildes in ein anderes ([Sobchack 1997a]Sobchack, Vivian (1997): Meta-Morphing. Visual Transformation and the Culture of Quick-Change. Univ. of Minnesota Press, Minneapolis.
; [Schröter 2005a]Schröter, Jens (2005): MetaMorphing. Camerons Analysen der digitalen Bilder in Terminator 2 und The Abyss. In: Pabst, Eckhard (Hg.), Mythen, Mütter, Maschinen. Die Filme des James Cameron. ???, Kiel.
). Es wurde z.B. in der letzten Minute des bekann­ten Musik­videos «Black or White» von Michael Jackson (zuerst am 14.11.1991 von MTV ausge­strahlt) einge­setzt, um die Porträt­darstel­lungen von Menschen verschie­denen Geschlechts und verschie­dener Rasse fließend inein­ander über­gehen zu lassen. Diese Wieder­aufnah­me des alten, schon mit der ana­logen Foto­grafie verbun­denen Topos der „Fam­ily of Man“ ([Sekula 2002a]Sekula, Allan (2002): Der Handel mit Fotografien. In: Wolf, H. (Hg.), Paradigma Fotografie. Suhrkamp, Frankfurt/M.
: S. 260-283), durch welche reale Ungleich­heiten und Abhän­gigkei­ten auf der bildli­chen Ebe­ne ideo­logisch verdrängt werden, ist ein weite­res Beispiel für die „polit­ics of re­presen­tation“ digi­taler Bildlich­keit.

Benutzungs­ober­flächen

Schließlich sind die alltäg­lichen, grafi­schen Benut­zungs­ober­flächen zu nennen, die zumin­dest am Rande und partiell unter die Diskus­sion des digi­talen Bildes fallen und die sich durch eine für die digi­talen Bilder genu­ine, struktu­relle Verviel­fachung der Rahmen­funktion tradi­tionel­ler Bilder ([Zaloscer 1974a]Zaloscer, Hilde (1974): Versuch einer Phänomenologie des Rahmens. Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft, 19, 2.
) und die dadurch gege­benen Möglich­keiten multi­media­ler Verbin­dungen auszei­chnen. Marga­rete Pratschke ([Pratschke 2008a]Pratschke, Margarete (2008): Interaktion mit Bildern. Digitale Bildgeschichte am Beispiel grafischer Benutzeroberflächen. In: Bredekamp, H.; Schneider B. & Dünkel V. (Hg.), Das Technische Bild. Kompendium zu einer Stilgeschichte technischer Bilder. Akademie, Berlin.
) hat versucht, diese Ober­flächen in Form einer digi­talen Bildge­schichte zu beschrei­ben.


Das Archiv und die Zirku­lation

Eine der wichtigsten Verän­derun­gen gegen­über z.B. foto­grafi­schen Bildern besteht in den verän­derten Formen der Archi­vierung und der Zirku­lation bei digi­talen Bildern. Das foto­grafi­sche Archiv ist von Anfang an mit Belan­gen der Über­tragung verbun­den. Schon im 19. Jahrhun­dert schrieb Sir Oliver Wendell Holmes:

Materie in großen Mengen ist immer immo­bil und kostspie­lig; Form ist billig und transpor­tabel. [...] Schon reist ein Arbei­ter mit Stereo-Bildern von Möbeln durch die Lande, die die Kollek­tion seiner Firma zeigen und holt auf diese Weise Aufträ­ge ein. ([Holmes 1980a]Holmes, Sir Oliver Wendell (1980): Das Stereoskop und der Stereograph. In: Kemp, W. (Hg.), Theorie der Fotografie I. 1839-1912. Schirmer & Mosel, München.
Notiz: Originalausgabe 1859
: S. 119).

Doch noch muss der “Arbeiter” die stereo­skopi­schen Bilder herum­tragen, noch ist die Bild­infor­mation nicht vollstän­dig abge­löst und kann von selbst reisen, was erst mit der Ausbrei­tung der Bild­tele­grafie möglich sein wird. Diese löst nun wirklich die Form von der Mate­rie und erlaubt ihr, auch ohne den Arbei­ter, der die Bildträ­ger transpor­tiert, zu reisen. So gese­hen ist die Digi­tali­sierung des foto­grafi­schen Bildes keines­wegs ein Ereig­nis, das erst in den 1990er Jahren des 20. Jahrhun­derts auftritt ([Schneider & Berz 2002a]Schneider, Birgit & Berz, Peter (2002): Bildtexturen. Punkte, Zeilen, Spalten. I. Textile Processing / II. Bildtelegraphie. In: Flach, S. & Tholen, G. C. (Hg.), Mimetische Differenzen. Der Spielraum der Medien zwischen Abbildung und Nachbildung. Universitätverlag, Kassel.
). Das eigent­lich Neue an der Nutzung digi­tali­sierter Foto­grafien mit Rechen­maschi­nen, also Compu­tern, ist aber Folgen­des: Das Bild liegt bis zum Print als „array of values“ ([Foley et al. 1990a]Foley, James D.; van Dam, Andries; Feiner, Steven, K. & Hughes, John F. (1990): Computer Graphics. Principles and Practice. Addison Wesley, Reading, MA.
: S. 816), als Zahlen­menge vor, in der die einzel­nen Werte die Bildpunk­te beschrei­ben – was es ermög­licht, das Bild mathe­mati­schen Ope­ratio­nen zu unter­werfen (vgl. auch [Schirra 2012a]Schirra, Jörg R.J. (2012): Sind Bilder ein Gegenstand der Informatik? Überlegungen zur Computervisualistik. In: Liebsch, D. & Mößner, N. (Hg.), Visualisierung und Erkenntnis. Bildverstehen und Bildverwenden in Natur- und Geisteswissenschaften. Halem, Köln.
Webadresse: www.jrjs.de/Work/Papers/P12/P12-1/index.html
). Diese Bere­chenbar­keit des Bildes ist die zentra­le Voraus­setzung für das schon genann­te Image Pro­cessing, aber eben­so ist die mathe­matische Form konsti­tutiv für digi­tale Bild­archi­ve.

Im Folgenden seien drei Eigen­heiten digi­taler Bild­archi­ve darge­stellt.

Datenkompression – Ori­ginal und Kopie

Nur die Datenkompression erlaubt – wenn über­haupt – die Über­führung des Bild­archivs in Daten­netze, weil Bilder als zwei- oder drei­dimen­siona­le Matri­zen für ihre Archi­vierung und Über­tragung sehr viele Ressour­cen benö­tigen. Es gibt lossless und lossy compres­sion, gege­benen­falls muss also auf Infor­mation verzich­tet werden ([Salomon 2008a]Salomon, David (2008): A Concise Introduction to Data Compression. Springer, London.
). Aus lossy kompri­mierten Bildern – und dazu zählen zum Beispiel die meisten netz­übli­chen JPEGs – lässt sich ein gege­benes Ori­ginal nicht wieder vollstän­dig rekon­struieren. Der angeb­lich abso­lut verlust­freie Charak­ter der digi­talen Repro­duktion, inso­fern eine gege­bene Menge von Zahlen einfach nur 1:1 nachbuch­stabiert werden müsste, um exakt dassel­be Bild zu erge­ben, bricht sich also an der Pragma­tik digi­taler Bild­archi­ve. So fungie­ren kleine, niedrig aufge­löste Bilder bei kommer­ziellen Bild­ange­boten im Inter­net oft als eine Art Index (Thumb­nails), der auf die höher aufge­lösten, nur gegen Bezah­lung erhält­lichen und durch digi­tale Wasser­zeichen gegen uner­laubte Verviel­fälti­gung geschütz­ten “Ori­gina­le” verweist ([Johnson et al. 2001a]Johnson, Neil F; Duric, Z. & Jajodia, S. (2001): Information Hiding. Steganography and Watermarking – Attacks and Countermeasures. Kluwer AP, Boston, MA.
; [Gerstengrabe et al. 2010a]Gerstengrabe, Carina; Lang, Katharina & Schneider, Anna (2010): Wasserzeichen. Vom 13. Jahrhundert bis zum Digital Watermarking. Kulturen des Kopierschutzes II. Navigationen. Zeitschrift für Medien- und Kulturwissenschaften, 10, 2.
). Offen­kundig taucht so die gele­gentlich für obso­let erklär­te Unter­scheidung »Ori­ginal/Ko­pie« auch im Reich der digi­talen Repro­duktion wieder auf – und mit ihr alle Proble­me des Eigen­tums an Bildern bezie­hungswei­se des Urhe­berrechts ([Schröter 2010b]Schröter, Jens (2010): Das Zeitalter der technischen Nicht-Reproduzierbarkeit. Navigationen. Zeitschrift für Medien- und Kulturwissenschaften, 10, 1.
).

Intermediali­tät/(in­terakt­ive) Umord­nung des Archivs

Durch die Digitalisierung exis­tiert verschie­denes Zeichen­mate­rial (Foto­grafien, Gemäl­de, beweg­te Bilder, Schrift, Klänge, Mess­daten etc.) neben­einan­der im gleichen Archiv, das heißt die tradi­tionel­len Grenzen zwischen den Medien und damit den ihnen zuge­ordne­ten aka­demi­schen Diszi­plinen werden tenden­ziell aufge­löst. Während eine tradi­tionel­le Foto­grafie noch ein rela­tiv iso­lierter Gegen­stand ist, muss man ein digi­tali­siertes Foto als ein Ele­ment unter ande­ren in einem inter­media­len Verknüp­fungszu­sammen­hang (zum Beispiel auf einer Web­site) verste­hen ([Levinson 2002a]Levinson, Jerrold (2002): Digitale Fotografie. Das dubitative Bild. In: Wolf, H. (Hg.), Paradigma Fotografie. Suhrkamp, Frankfurt/M.
: S. 161). Eine zukünf­tige Archi­vierung digi­taler Infor­mation muss mithin mehr als nur die Anpas­sung an immer neue Daten­forma­te etc. leisten. Vielmehr müssten auch die Kontex­te einer spezi­fischen Infor­mation mit­archi­viert werden ([Weber 2000a]Weber, Hartmut (2000): Windmühlen oder Mauern? Die Archive und der neue Wind in der Informationstechnik. In: Metzing, A. (Hg.), Digitale Archive - Ein neues Paradigma?. Archivschule, Marburg
: S. 85/86).

Dieser Intermedialität des digi­tali­sierten Archivs entspre­chen neue Formen der Adres­sierung von Bildern, denn „digi­tale Medien [können] im Unter­schied zu den ana­logen eben nicht nur speichern, sondern auch sortie­ren und suchen“ ([Heidenreich 2001a]Heidenreich, Stefan (2001): Effekte der Digitalisierung: Berechenbarkeit und Suche. In: Hesse, W. & Jaworek, W. (Hg.), Verwandlungen durch Licht. Fotografieren in Museen & Archiven & Bibliotheken. Museumsverband Baden-Württemberg, Esslingen.
: S. 259). Das heißt: Die Anord­nung des Bilder­archivs nach Künstler­namen, Epo­chen oder ande­ren Formen der Verschlag­wortung könnte neuen Ordnun­gen – jenseits von Menschen­augen – Platz machen, die zum Beispiel auf einer durch auto­mati­sche Bild­ana­lysen bestimm­ten Ähnlich­keit von Bildern beru­hen ([Ernst & Heidenreich 1999a]Ernst, Wolfgang & Heidenreich, Stefan (1999): Digitale Bildarchivierung. Der Wölfflin-Kalkül. In: Schade, S. & Tholen, G. C. (Hg.), Konfigurationen. Zwischen Kunst und Medien. Fink, München.
), was heute bereits für Gesichts­erken­nung und damit Zugangs­kontrol­len von Gebäu­den von Rele­vanz ist.[16]

Überdies wären solche Verfah­ren in Hinsicht auf die Auffind­barkeit von Bild­infor­mati­onen im chaotisch wuchern­den Inter­net wichtig, doch bis jetzt exis­tieren kaum zufrie­denstel­lend ope­rieren­de auto­mati­sche Such­maschi­nen für Bilder. Es soll nicht uner­wähnt bleiben, dass Hartmut Winkler ([Winkler 2003a]Winkler, Hartmut (2003): Zugriff. Thesen zur Umorganisation der gesellschaftlichen Bildarchive unter den Bedingungen des Digitalen. In: Ernst, W.; Heidenreich, S. & Holl, U. (Hg.), Suchbilder. Visuelle Kultur zwischen Algorithmen und Archiven. Kadmos , Berlin.
) auf die Gefahr hinge­wiesen hat, dass Konzer­ne (wie Corbis) dereinst womög­lich nicht allein die Bilder, sondern die eben durch entspre­chende digi­tale Ana­lyse­verfah­ren eru­ierba­ren und ungleich wichti­geren Bildmus­ter unter ihre Kontrol­le bringen (vgl. auch [Batchen 1998a]Batchen, Geoffrey (1998): Photogenics / Fotogenik. Camera Austria, 62.
).

Schließlich werden viele digi­tale Bild­archi­ve durch Nutzer­akti­vitä­ten struktu­riert und geord­net, die sich den klassi­schen Krite­rien der Archi­vierung entzie­hen. Bei YouTube etwa schreibt sich die Aufmerk­samkeit, die ein digi­tali­sierter Film erfährt in die Struktur des Archivs selber ein. Die Erfor­schung der Logik dieser user-struktu­rierten Archi­ve steht noch rela­tiv am Anfang ([Appadurai 2003a]Appadurai, Arjun (2004): Archive and Aspiration. In: Brouwer, J. & Mulder, A. (Hg.), Information is Alive. V2_Publishing / NAI Publishers, Rotterdam.
; [Schröter 2009b]Schröter, Jens (2009): On the Logic of the Digital Archive. In: Vonderau, P. & Snickars, P. (Hg.), The You Tube Reader. ???, Stockholm.
). Mano­vich ([Manovich 2001a]Manovich, Lev (2001): The Language of New Media. MIT Press, Cambridge/MA.
: S. 218-243) hat in etwas ande­rem Zusam­menhang auch von einer „logic of the data­base“ gespro­chen, die viele Ästhe­tiken digi­taler Medien struktu­riert.

Permanenz des Archivs als perma­nente Trans­forma­tion

Schließlich ändert sich die Perma­nenz des Archivs. Nochmal sei zum Vergleich die ana­loge Foto­grafie heran­gezo­gen: Die Haltbar­keit digi­tali­sierter Foto­grafien oder genau­er: der Daten­träger, auf denen sie gespei­chert sind, ist im Vergleich zu hochwer­tigen Schwarz/Weiß-Ab­zügen gering, obwohl die Daten durch Umko­pieren auf neue Daten­träger erhal­ten werden können. Es besteht die Gefahr, dass digi­tal gespei­cherte Bild­daten rela­tiv plötzlich nicht mehr verwen­det werden können – anders als bei ana­logen Medien, deren Aufzeich­nungen langsam verfal­len und lange Zeit noch lesbar bleiben.

Überdies ist die Wieder­lesbar­keit von Daten­trägern ange­sichts häufig wechseln­der Daten- und Software-Forma­te selbst ein Problem ([Künzli 1996/1997a]Künzli, Hansjörg (1996): Über die Haltbarkeit digitaler Daten. Rundbrief Fotografie.
; [Pollmeier 2005a]Pollmeier, Klaus (2005): Vom Baryt zum Bit. Zur Konservierung analoger und digitaler fotografischer Bilder. In: Hasenpflug, K. (Hg.), Digitale Bildverarbeitung, eine Erweiterung oder radikale Veränderung der Fotografie?. Wüstenrot Stiftung, Ludwigsburg.
Nicht angezeigt: Dokumentation des Symposiums am 12./13. November 2004 im Museum Folkwang, Essen
). Inso­fern ist die Bewah­rung in digi­tal(i­siert)en Archi­ven – prinzi­piell anders als in ana­logen Archi­ven – auf eine perma­nente Transfor­mation ange­wiesen. Während Bilder in Foto­archi­ven nur in Ausnah­mefäl­len foto­grafisch repro­duziert werden müssen, um über­haupt weiter zu exis­tieren, ist der Prozess der perma­nenten Neu­forma­tierung auf neue Daten- und Speicher­forma­te bei digi­talen Medien der Normal­fall. Die Bild­infor­mation kann nur durch die ständi­ge Migra­tion der Form von einer Mate­rie zur ande­ren über­stehen. Eine der Weisen, wie die digi­tal(i­siert)e Bild­infor­mation weiter­exis­tiert, ist genau ihre ständi­ge (auch wenn mangel­hafte) Repro­duktion und Über­tragung durch Netze (⊳ Repli­ka, Faksi­mile und Kopie).[17]

Anmerkungen
  1. ↑ Da­her wer­den be­stimm­te For­schun­gen nicht oder nur am Ran­de be­rück­sich­tigt. Dies soll kei­ne Wer­tung aus­drü­cken, son­dern ist dem ver­folg­ten Glie­de­rungs­ver­such ge­schul­det. Ohne­hin ist die Li­te­ra­tur viel zu um­fang­reich, um hier voll­stän­dig dar­ge­stellt wer­den zu kön­nen.
  2. ↑ [Hagen 2002a]Hagen, Wolfgang (2002): Die Entropie der Fotografie. Skizzen zu einer Genealogie der digitalelektronischen Bildaufzeichnung. In: Wolf, H. (Hg.), Paradigma Fotografie. Suhrkamp, Frankfurt/M.
    weist di­rekt zu Be­ginn sei­nes Tex­tes selbst da­rauf hin. Vgl. auch [Mitchell 2007a]Mitchell, William J.T. (2007): Realismus im digitalen Bild. In: Belting, H. (Hg.), Bilderfragen. Die Bildwissenschaften im Aufbruch. Fink, München.
    .
  3. ↑ Zum Be­griff des Dis­plays sie­he [Schröter & Thielmann 2006a]Schröter, Jens & Thielmann, Tristan (Hg.) (2006): Display I: Analog. Universitätsverlag, Siegen.
    Notiz: (= <em>Navigationen. Zeitschrift für Medien- und Kulturwissenschaften</em> 6:2)
    ; [Thielmann & Schröter 2007a]Thielmann, Tristan & Schröter, Jens (Hg.) (2007): Display II: Digital. Universitätsverlag, Siegen.
    Notiz: (= <em>Navigationen. Zeitschrift für Medien- und Kulturwissenschaften</em> 7:2)
    .
  4. ↑ Am Ran­de kann al­so die Fra­ge ge­stellt wer­den, ob die Kla­ge über die er­leich­ter­te Ma­ni­pu­la­ti­on der Bil­der nicht vor al­lem ei­ne Kla­ge über die De­mo­kra­ti­sie­rung der Ma­ni­pu­la­ti­on ist (vgl. [Fiske 2001a]Fiske, John (2003): Videotech. In: Adelmann, R. et al. (Hg.), Grundlagentexte zur Fernsehwissenschaft. Theorie – Geschichte – Analyse. Utb, Konstanz.
    : S. 495).
  5. ↑ Zum The­ma pol­i­tics of re­pre­sen­ta­tion vgl. [Holschbach 2003a]Holschbach, Susanne (2003): Einleitung. In: Wolf, H. (Hg.), Diskurse der Fotografie. Fotokritik am Ende des fotografischen Zeitalters. Suhrkamp, Frankfurt/M.
    Notiz: BD. 2
    .
  6. ↑ Zum Un­ter­schied der Dif­fe­ren­zen ‘nicht-fik­ti­o­nal / fik­ti­o­nal’ und ‘ana­log / di­gi­tal’ sie­he [Schröter 2010a]Schröter, Jens (2010): Fotografie und Fiktionalität. In: Blunck, L. (Hg.), Die fotografische Wirklichkeit. Inszenierung – Fiktion – Narration. transcript, Bielefeld.
    .
  7. ↑ Zur Pro­ble­ma­tik des In­dex-Be­griffs von Peirce in Be­zug auf die Fo­to­gra­fie sie­he [Lefebvre 2007a]Lefebvre, Martin (2007): The Art of Pointing: On Peirce, Indexicality, and Photographic Images. In: Elkins, J. (Hg.), Photography Theory. Taylor & Francis, New York u. a.
    ; [Brunet 2008a]Brunet, François (2008): ‘A Better Example is a Photograph’: On the Exemplary Value of Photographs in C. S. Peirce's Reflection on Signs. In: Kelsey, R. & Stimson, B. (Hg.), The Meaning of Photography. Clark Art Institute, Williamstown.
    .
  8. ↑ Da­her be­merkt [Hagen 2002b]Hagen, Wolfgang (2002): Es gibt kein ‘digitales Bild’. Eine medienepistemologische Anmerkung. In: Engelt, L.; Siegert, B. & Vogel, J. (Hg.), Licht und Leitung. Bauhaus-Universität , Weimar.
    : S. 110: „So hal­ten denn auch di­gi­ta­le Bil­der bei­lei­be nicht Nichts fest, aber sie hal­ten, was sie hal­ten, nur schwach fest [...].“ Zur Lösch­bar­keit von Bil­dern vgl. auch [Schröter 2004d]Schröter, Jens (2004): Notizen zu einer Geschichte des Löschens. Am Beispiel von Video und Robert Rauschenbergs Erased de Kooning-Drawing. In: Schumacher-Chilla, Doris (Hg.), Im Banne der Ungewissheit. Bilder zwischen Medien, Kunst und Menschen. ???, Oberhausen.
    .
  9. ↑ vgl. am Bei­spiel der As­tro­no­mie [Smith & Tatarewicz 1985a]Smith, Robert W. & Tatarewicz, Joseph N. (1985): Replacing a Technology: The Large Space Telescope and CCDs. Proceedings of the IEEE, 73, 7.
    ; ⊳ Bild in der Wissen­schaft.
  10. ↑ Vgl. z.B. [Galison 1997a]Galison, Peter (1997): Image and Logic. A Material Culture of Microphysics. Univ. of Chicago Press, Chicago.
    : S. 370-384 zu „read­ing regimes“ an ana­lo­gen Bil­dern in der his­to­ri­schen Pra­xis der Teil­chen­phy­sik.
  11. ↑ Zu den Ver­fah­ren sie­he die tech­ni­schen Über­bli­cke z.B. in [Foley et al. 1990a]Foley, James D.; van Dam, Andries; Feiner, Steven, K. & Hughes, John F. (1990): Computer Graphics. Principles and Practice. Addison Wesley, Reading, MA.
    ; [Watt 2002a]Watt, Alan (2002): 3D-Computergrafik. Pearson Studium, München.
    sowie ⊳ Com­pu­ter­gra­phik. Zur Ge­schich­te ge­ne­rier­ter Bil­der vgl. u.a. [Roch 1998a]Roch, Axel (1998): Radartechnologie und Computergraphik. Zur Geschichte der Beleuchtungsmodelle in computergenerierten Bildern. In: Faßler, M. & Halbach, W. R. (Hg.), Geschichte der Medien. Fink, München.
    und [Berz 2009a]Berz, Peter (2009): Bitmapped Graphic. In: Volmar, A. (Hg.), Zeitkritische Medien. Kadmos, Berlin.
    .
  12. ↑ Laut Fis­ke ([Fiske 2001a]Fiske, John (2003): Videotech. In: Adelmann, R. et al. (Hg.), Grundlagentexte zur Fernsehwissenschaft. Theorie – Geschichte – Analyse. Utb, Konstanz.
    : S. 493/494) kön­nen „elek­tro­ni­sche“ Bil­der auch des­we­gen „ob­jek­ti­ver“ wir­ken, weil sie an­ders als che­mi­sche Fo­to­gra­fie nicht mehr durch den auf­wen­di­gen Dun­kel­kam­mer-Pro­zess müs­sen, al­so we­ni­ger Raum für Ma­ni­pu­la­ti­on bie­ten.
  13. ↑ Zu den Gren­zen ver­schie­de­ner Ver­fah­ren in der An­nä­he­rung an den Fo­to­re­a­lis­mus und ih­ren vi­su­el­len Ei­gen­hei­ten, vgl. [Kittler 2002a]Kittler, Friedrich (2002): Computergrafik. Eine halbtechnische Einführung. In: Wolf, H. (Hg.), Paradigma Fotografie. Suhrkamp, Frankfurt/M.
    .
  14. ↑ Zur Im­age Com­pres­sion vgl. ge­ne­rell [Salomon 2008a]Salomon, David (2008): A Concise Introduction to Data Compression. Springer, London.
    : S. 143-226.
  15. ↑ Zahl­rei­che, re­la­tiv frü­he Bei­spie­le für künst­le­ri­sche Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit der di­gi­ta­len Fo­to­gra­fie fin­den sich in [Amelunxen 1996a]Amelunxen, Hubertus (1996): Fotografie nach der Fotografie. Verlag Der Kunst, Dresden u.a.
    .
  16. ↑ Zu den Mög­lich­kei­ten und Prob­le­men au­to­ma­ti­scher Bild­er­ken­nung und Sor­tie­rung, vgl. die Bei­trä­ge von L. Bö­ször­men­yi & R. Tusch; R. Man­mat­ha & S. Mar­chand-Mail­let et al. und C. Pias in: [Ernst et al. 2003a]Ernst, Wolfgang et al. (Hg.) (2003): Suchbilder. Visuelle Kultur zwischen Algorithmen und Archiven. Kulturverlag Kadmos, Berlin.
    .
  17. ↑ Dank an Ben­ja­min Beil und Si­mon Rusch­mey­er für die Un­ter­stüt­zung bei der Ab­fas­sung.
Literatur
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Ausgabe 1: 2013

Verantwortlich:

Seitenbearbeitungen durch: Joerg R.J. Schirra, Klaus Sachs-Hombach und Marcel Lemmes — (Hinweis)

Zitierhinweis:

Schröter, Jens (2013). Digitales Bild. (Ausg. 1). In: Schirra, J.R.J.; Halawa, M. & Liebsch, D. (Hg.), Glossar der Bildphilosophie. (2012-2026). [bildglossar.org/index.php?title=Digitales_Bild].