Original

Aus Glossar der Bildphilosophie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Unterpunkt zu: Bildsyntax


Etymologie und allgemeine Bedeutung/en

Der Ausdruck „Original“ und seine Pendants im Englischen, Französischen, Italienischen usw. leiten sich etymologisch von „origo“, dem lateinischen Wort für ‚Ursprung’ ab. Dem Grimmschen Wörterbuch zufolge ist ein Original etwas Ursprüngliches, entweder im Sinne des Eigentümlichen und Angeborenen oder aber im Gegensatz zu Kopie oder Nachahmung (vgl. auch Mimesis). Dieser Gegensatz ist nicht nur für schriftliche Artefakte von Belang, etwa bei Übersetzungen oder Abschriften eines Originals, sondern auch und gerade für Bilder, nämlich dann, wenn sie ein Vor- oder Urbild# nachbilden; wie der Fall des Porträts zeigt, muss dabei das Original nicht zwangsläufig selbst ein Bild# sein (vgl. [Grimm 1889a]Grimm, Jacob & Grimm, Wilhelm (Hg.) (1889): Deutsches Wörterbuch. Bd. 13: N – Quuren. Hirzel, Leipzig.
: S. 1347ff. [1]). Zwei Komponenten, die sich aus diesem allgemeinen Befund ergeben, sind noch zu ergänzen. Erstens ist die Rede vom Original oft, wenn gleich nicht immer, mit einer normativen Komponente verbunden. So kann es sich beim Original um das Echte handeln, auf dessen Autorität sich die Kopie stützt oder dessen Autorität die Fälschung zu Unrecht für sich reklamiert. (Anders gesagt: neben „Kopie“ ist auch „Fälschung“ ein Gegenbegriff zu „Original“.) Zweitens sind für das Original häufig historische Komponenten oder genauer: besondere Verhältnisse zur Tradition konstitutiv. Der Logik von Original und Kopie folgend kann das Original in der Vergangenheit eine Tradition gestiftet haben, die durch Kopien in der Gegenwart aufrechterhalten wird. Im Sinne des Eigentümlichen aber kann das Original in der Gegenwart mit bestehenden Traditionen brechen (was natürlich nicht ausschließt, dass mit diesem Traditionsbruch eine neue Tradition inauguriert wird).

Diskurse und Praxisfelder

Für das Thema des Originals besitzen mindestens drei, teils sich überlagernde Diskurse oder Praxisfelder Relevanz, und ihnen gemäß sind technische, juristische und ästhetische Aspekte zu berücksichtigen.[1] Auch deswegen ist die Rede vom Original oft vieldeutig. In technischer Hinsicht ist das Original vor allem der Bezugspunkt für die Kopie: Das Original ist einerseits für die Kopie Indexlkausal (mit-)verantwortlich, andererseits ist sie ihm ähnlich. Originale sind schon immer kopiert worden, allerdings lassen sich bei der Entwicklung der Reproduktionstechniken, bei der aber der frühen Neuzeit zu den manuellen mehr und mehr auch maschinelle, elektronische und IT-gestützte Techniken getreten sind, zwei Tendenzen beobachten: Das Original profiliert sich in der Regel gegen eine a) immer schneller hergestellte und b) immer größere Anzahl von Kopien. Entscheidend zu diesen Tendenzen beigetragen haben seit dem 15. Jahrhundert der Buchdruck, der Holzschnitt, der Stich und die Radierung, seit dem Ende des 18. Jahrhunderts die Lithographie und die Zeitung, seit dem 19. Jahrhundert die Fotografie und das industrielle Druckraster und in jünger Zeit natürlich die EDV (vgl. [Rebel 2009a]Rebel, Ernst (2009): Druckgrafik. Geschichte und Fachbegriffe. Mit 56 Abbildungen und Risszeichnungen. Philipp Reclam jun., Stuttgart.
Nicht angezeigt: 2., durchgesehene und aktualisierte Auflage
: S. #).

Engere Begriffsbestimmung
optional Beispiele

([Rebel 2009a]Rebel, Ernst (2009): Druckgrafik. Geschichte und Fachbegriffe. Mit 56 Abbildungen und Risszeichnungen. Philipp Reclam jun., Stuttgart.
Nicht angezeigt: 2., durchgesehene und aktualisierte Auflage
: S. #) ([Häseler 2002a]Häseler, Jens (2002): Original/Originalität. In: Barck, K.; Fontius, M.; Schlenstedt, D.; Steinwachs, B. & Wolfzettel, F. (Hg.), Ästhetische Grundbegriffe. Historisches Wörterbuch in sieben Bänden. Bd. 4: Medien – Populär. J. B. Metzler, Stuttgart, Weimar.
: S. #) ([Young 1760a]Der Eintrag existiert noch nicht.: S. #) ([Grimm 1889a]Grimm, Jacob & Grimm, Wilhelm (Hg.) (1889): Deutsches Wörterbuch. Bd. 13: N – Quuren. Hirzel, Leipzig.
: S. #) ([a]Der Eintrag existiert noch nicht.: S. #) ([a]Der Eintrag existiert noch nicht.: S. #)


Anmerkungen
  1. ↑ In einer leicht abweichenden Perspektive führt Jens Häseler „künstlerisch-technische, ästhetische und wirtschaftliche Faktoren“ an (vgl. [Häseler 2002a]Häseler, Jens (2002): Original/Originalität. In: Barck, K.; Fontius, M.; Schlenstedt, D.; Steinwachs, B. & Wolfzettel, F. (Hg.), Ästhetische Grundbegriffe. Historisches Wörterbuch in sieben Bänden. Bd. 4: Medien – Populär. J. B. Metzler, Stuttgart, Weimar.
    : S. 642).
Literatur
[Baxandall 1999a]Baxandall, Michael (1999): Die Wirklichkeit der Bilder. Malerei und Erfahrung im Italien der Renaissance. Klaus Wagenbach, Berlin.[Benjamin 1974a]Tiedemann, R. & Schweppenhäuser, H. (Hg.) (1974): Walter Benjamin – Gesammelte Schriften. Bd. I.2. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Debray 1999a]Debray, Régis (1999): Für eine Mediologie. In: Pias, C. et al. (Hg.), Kursbuch Medienkultur. Die maßgeblichen Theorien von Brecht bis Baudrillard. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart.[Goodman 1995a]Goodman, Nelson (1995): Sprachen der Kunst. Entwurf einer Symboltheorie. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Grimm 1889a]Grimm, Jacob & Grimm, Wilhelm (Hg.) (1889): Deutsches Wörterbuch. Bd. 13: N – Quuren. Hirzel, Leipzig.[Häseler 2002a]Häseler, Jens (2002): Original/Originalität. In: Barck, K.; Fontius, M.; Schlenstedt, D.; Steinwachs, B. & Wolfzettel, F. (Hg.), Ästhetische Grundbegriffe. Historisches Wörterbuch in sieben Bänden. Bd. 4: Medien – Populär. J. B. Metzler, Stuttgart, Weimar.[Hüllen 1971a]Hüllen, Jürgen (1971): Archetypus. In: Ritter, J. (Hg.), Historisches Wörterbuch der Philosophie. Bd. 1 (A-C). Schwabe, Basel.[Luhmann 1995a]Luhmann, Niklas (1995): Die Kunst der Gesellschaft. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Plumpe 1988a]Plumpe, Gerhard (1988): Kunst und juristischer Diskurs. Mit einer Vorbemerkung zum Diskursbegriff. In: Fohrmann, J. & Müller, H. (Hg.), Diskurstheorien und Literaturwissenschaft. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Rebel 2009a]Rebel, Ernst (2009): Druckgrafik. Geschichte und Fachbegriffe. Mit 56 Abbildungen und Risszeichnungen. Philipp Reclam jun., Stuttgart.[Schmücker 2011a]Schmücker, Reinold (2011): Lob der Fälschung. In: Nida-Rümelin, J. & Steinbrenner, J. (Hg.), Original und Fälschung. Hatje Cantz, Ostfildern.[Young 1918a]Young, Edward (1759): Conjectures on Original Composition. Longman, Greens, London, New York, Bombay.

Seitenbearbeitungen durch: Dimitri Liebsch, Joerg R.J. Schirra und Marcel Lemmes — (Hinweis)