Original

Aus Glossar der Bildphilosophie
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Unterpunkt zu: Bildsyntax


Darstellung des gr. Zusammenhangs

Vom lateinischen Ausdruck „origo“ (‚Ursprung’) abgeleitet, bezeichnet der Ausdruck „Original“einen Gegenstand, der sich im Unterschied zur Kopie durch Einmaligkeit, Ursprünglichkeit und Echtheit auszeichnet. In seinem Aufsatz „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ hat Benjamin seine Theorie der Aura eng mit dem Original insbesondere in der Bildenden Kunst verbunden.

Der Ausdruck „Original“ ist mit dem kunsttheoretisch wichtigen Begriff der Originalität verbunden. Originalität wurde etwa in der Romantik als ästhetischer Wert verstanden und an den Begriff des Genies gebunden. Das Besondere des Kunstwerkes ergibt sich danach aus dem Neuen, das der Künstler schafft, ohne dabei auf eine Regel zurückzugreifen. Der Rückgriff auf Herstellungsregeln gilt dagegen als Nachahmung und damit als eine nicht originäre Leistung.

Besondere Bedeutung hat der Begriff des Originals in der Symboltheorie von Nelson Goodman zur Unterscheidung von autographischen und allographischen Künsten erhalten (vgl. Goodman 1968, 99ff.). Nach Goodman zeichnen sich autographische Künste, insbesondere die Malerei, dadurch aus, dass zwischen Original und Fälschung unterschieden werden kann. Etwa im Falle der Musik ist dies nicht möglich, da eine Kopie der Partitur keine Fälschung ist, sondern ein und dasselbe Musikstück realisisert. Die Identitätsbedingungen von Musikwerken sind folglich nicht an konkrete Schriftstücke gebunden. Dagegen sind Werke der Malerei nicht ohne Verlust kopierbar. Selbst wenn es zu einem Zeitpunkt nicht möglich sein sollte, ein Original von seiner Kopie bzw. Fälschung zu unterscheiden, behält die Unterscheidung selbst ihre Berechtigung, da eine Entscheidung vermutlich zu einem späteren Zeitpunkt möglich wird.

Goodman Aufwertung des Originals in der Bildenen Kunst ergibt sich aus seinem Bildbegriff, der syntaktische Dichte als notwendige Bedingung enthält. Syntaktische Dichte besagt, alltagssprachlich formuliert, dass noch die kleinsten Unterschiedefür die Betrachtung und Bewertung eines Bild wichtig sind. Ein Bild ist daher in seiner konkreten materiellen Beschaffenheit unersetzlich, denn wir könnenuns bei Kopien niemals sicher sein, ob relevante Eigenschaften im Kopierprozess vernachlässigt wurden. Bilder sind entsprechend mit ihrem jeweils individuellen Bildträger unauflöslich verbunden.




Engere Begriffsbestimmung
optional Beispiele

Siehe auch:


Anmerkungen
Literatur
[Baxandall 1999a]Baxandall, Michael (1999): Die Wirklichkeit der Bilder. Malerei und Erfahrung im Italien der Renaissance. Klaus Wagenbach, Berlin.[Benjamin 1974a]Tiedemann, R. & Schweppenhäuser, H. (Hg.) (1974): Walter Benjamin – Gesammelte Schriften. Bd. I.2. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Debray 1999a]Debray, Régis (1999): Für eine Mediologie. In: Pias, C. et al. (Hg.), Kursbuch Medienkultur. Die maßgeblichen Theorien von Brecht bis Baudrillard. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart.[Goodman 1995a]Goodman, Nelson (1995): Sprachen der Kunst. Entwurf einer Symboltheorie. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Grimm 1889a]Grimm, Jacob & Grimm, Wilhelm (Hg.) (1889): Deutsches Wörterbuch. Bd. 13: N – Quuren. Hirzel, Leipzig.[Häseler 2002a]Häseler, Jens (2002): Original/Originalität. In: Barck, K.; Fontius, M.; Schlenstedt, D.; Steinwachs, B. & Wolfzettel, F. (Hg.), Ästhetische Grundbegriffe. Historisches Wörterbuch in sieben Bänden. Bd. 4: Medien – Populär. J. B. Metzler, Stuttgart, Weimar.[Hüllen 1971a]Hüllen, Jürgen (1971): Archetypus. In: Ritter, J. (Hg.), Historisches Wörterbuch der Philosophie. Bd. 1 (A-C). Schwabe, Basel.[Luhmann 1995a]Luhmann, Niklas (1995): Die Kunst der Gesellschaft. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Plumpe 1988a]Plumpe, Gerhard (1988): Kunst und juristischer Diskurs. Mit einer Vorbemerkung zum Diskursbegriff. In: Fohrmann, J. & Müller, H. (Hg.), Diskurstheorien und Literaturwissenschaft. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Rebel 2009a]Rebel, Ernst (2009): Druckgrafik. Geschichte und Fachbegriffe. Mit 56 Abbildungen und Risszeichnungen. Philipp Reclam jun., Stuttgart.[Schmücker 2011a]Schmücker, Reinold (2011): Lob der Fälschung. In: Nida-Rümelin, J. & Steinbrenner, J. (Hg.), Original und Fälschung. Hatje Cantz, Ostfildern.[Young 1918a]Young, Edward (1759): Conjectures on Original Composition. Longman, Greens, London, New York, Bombay.

Verantwortlich:

Klaus Sachs-Hombach

Seitenbearbeitungen durch: Dimitri Liebsch, Joerg R.J. Schirra und Marcel Lemmes — (Hinweis)