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Eine ausführliche Thematisierung des Originals findet sich auch in Walter Benjamins Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit aus den 1930er Jahren. Prämisse dieser Studie ist, dass Fotografie> und Film> um 1900 eine Krise ausgelöst haben, und zwar sowohl in ihrer Eigenschaft als Reproduktions- wie auch als Produktionstechniken. Anstatt die seinerzeit übliche Frage zu stellen, ob und – wenn ja – inwiefern es sich bei diesen Techniken um Kunst handeln kann, kehrt Benjamin die Perspektive um und untersucht, in welchem Maße sie ihrerseits den „Gesamtcharakter der Kunst“ verändert haben (<bib id='Benjamin 1974a'></bib>: S. 486). Ihm zufolge gibt es bei Kunstwerken traditionell eine Qualität, die nicht reproduziert werden kann, nämlich die Echtheit.<ref>Es sind Werke der bildenden Kunst, also Bilder, Plastiken und Bauwerke, die eine derartige Qualität besitzen. Wie insbesondere die noch zu erörternde Symboltheorie Goodmans deutlich gemacht hat, ist die Suche nach dem ‚Hier und Jetzt des Originals’ in der Literatur und Musik nicht oder nur begrenzt sinnvoll; vgl. #.</ref> Zu ihr expliziert er: „Das Hier und Jetzt des Originals macht den Begriff seiner Echtheit aus, und auf deren Grund ihrerseits liegt die Vorstellung einer Tradition, welche dieses Objekt bis auf den heutigen Tag als ein Selbes und Identisches weitergeleitet hat.“ (<bib id='Benjamin 1974a'></bib>: S. 437). Während nach Benjamin der Status des Originals und die von ihm gestiftete Tradition – oder mit einem Wort: die „Aura“ – durch die manuelle Reproduktion nicht berührt werden, sieht er sie durch die massenweise Reproduktion per Fotografie oder Film grundsätzlich in Frage gestellt. „Erstens erweist sich die technische Reproduktion dem Original gegenüber selbständiger als die manuelle. Sie kann, beispielsweise, in der Photographie Ansichten des Originals hervorheben, die nur der verstellbaren und ihren Blickpunkt willkürlich wählenden Linse, nicht aber dem menschlichen Auge zugänglich sind, oder mit Hilfe gewisser Verfahren wie der Vergrößerung und der Zeitlupe Bilder festhalten, die sich der natürlichen Optik schlechtweg entziehen. [...] Sie kann zudem zweitens das Abbild des Originals in Situationen bringen, die dem Originals selbst nicht erreichbar sind. Vor allem macht sie es möglich, dem Aufnehmenden entgegen zu kommen“ <bib id='Benjamin 1974a'></bib>: S. 476). Charakteristikum dieser technischen Reproduktionsformen ist es, das Original zu aktualisieren und (in Gestalt von Kopien) überall verfügbar machen | Eine ausführliche Thematisierung des Originals findet sich auch in Walter Benjamins ''Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit'' aus den 1930er Jahren. Prämisse dieser Studie ist, dass Fotografie> und Film> um 1900 eine Krise ausgelöst haben, und zwar sowohl in ihrer Eigenschaft als Reproduktions- wie auch als Produktionstechniken. Anstatt die seinerzeit übliche Frage zu stellen, ob und – wenn ja – inwiefern es sich bei diesen Techniken um Kunst handeln kann, kehrt Benjamin die Perspektive um und untersucht, in welchem Maße sie ihrerseits den „Gesamtcharakter der Kunst“ verändert haben (<bib id='Benjamin 1974a'></bib>: S. 486). Ihm zufolge gibt es bei Kunstwerken traditionell eine Qualität, die nicht reproduziert werden kann, nämlich die Echtheit.<ref>Es sind Werke der bildenden Kunst, also Bilder, Plastiken und Bauwerke, die eine derartige Qualität besitzen. Wie insbesondere die noch zu erörternde Symboltheorie Goodmans deutlich gemacht hat, ist die Suche nach dem ‚Hier und Jetzt des Originals’ in der Literatur und Musik nicht oder nur begrenzt sinnvoll; vgl. #.</ref> Zu ihr expliziert er: „Das Hier und Jetzt des Originals macht den Begriff seiner Echtheit aus, und auf deren Grund ihrerseits liegt die Vorstellung einer Tradition, welche dieses Objekt bis auf den heutigen Tag als ein Selbes und Identisches weitergeleitet hat.“ (<bib id='Benjamin 1974a'></bib>: S. 437). Während nach Benjamin der Status des Originals und die von ihm gestiftete Tradition – oder mit einem Wort: die „Aura“ – durch die manuelle Reproduktion nicht berührt werden, sieht er sie durch die massenweise Reproduktion per [[Fotografie|Fotografie]] oder [[Film|Film]] grundsätzlich in Frage gestellt. „Erstens erweist sich die technische Reproduktion dem Original gegenüber selbständiger als die manuelle. Sie kann, beispielsweise, in der Photographie Ansichten des Originals hervorheben, die nur der verstellbaren und ihren Blickpunkt willkürlich wählenden Linse, nicht aber dem menschlichen Auge zugänglich sind, oder mit Hilfe gewisser Verfahren wie der Vergrößerung und der Zeitlupe Bilder festhalten, die sich der natürlichen Optik schlechtweg entziehen. [...] Sie kann zudem zweitens das Abbild des Originals in Situationen bringen, die dem Originals selbst nicht erreichbar sind. Vor allem macht sie es möglich, dem Aufnehmenden entgegen zu kommen“ <bib id='Benjamin 1974a'></bib>: S. 476). Charakteristikum dieser technischen Reproduktionsformen ist es, das Original zu aktualisieren und (in Gestalt von Kopien) überall verfügbar machen. Qua Reproduktionstechniken untergraben Fotografie und Film einerseits demnach die zeitliche/historische und räumliche Besonderheit bestehender Originale; qua Produktionstechniken erzeugen sie andererseits keine weiteren Originale. mehr, denn in Bezug auf die fotografische Platte - und mutatis mutatis den Film - gilt, "die Frage nach dem echten Abzug hat keinen Sinn" (<bib id='Benjamin 1974a'></bib>: S. 482). Im Rahmen von Benjamins kulturrevolutionärem ist | ||
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Version vom 9. Dezember 2012, 22:31 Uhr
Unterpunkt zu: Bildsyntax
Etymologie und allgemeine Bedeutung/enDer Ausdruck „Original“ und seine Pendants im Englischen, Französischen, Italienischen usw. leiten sich etymologisch von „origo“, dem lateinischen Wort für ‚Ursprung’ ab. Dem Grimmschen Wörterbuch zufolge ist ein Original etwas Ursprüngliches, entweder im Sinne des Eigentümlichen und Angeborenen oder aber im Gegensatz zu Kopie oder Nachahmung (⊳ Mimesis). Dieser Gegensatz ist nicht nur für schriftliche Artefakte von Belang, etwa bei Übersetzungen oder Abschriften eines Originals, sondern auch und gerade für Bilder, nämlich dann, wenn sie ein Vor- oder Urbild# nachbilden; wie etwa der Fall des Porträts zeigt, muss das Original jedoch nicht zwangsläufig selbst ein Bild# sein (vgl. [Grimm 1889a]Grimm, Jacob & Grimm, Wilhelm (Hg.) (1889): Deutsches Wörterbuch. Bd. 13: N – Quuren. Hirzel, Leipzig. Diskurse und PraxisfelderFür das Thema des Originals besitzen mindestens drei, teils sich überlagernde Diskurse oder Praxisfelder Relevanz, und ihnen gemäß sind technische, juristische und ästhetische Aspekte zu berücksichtigen.[1] Auch deswegen ist die Rede vom Original oft vieldeutig. In technischer Hinsicht ist das Original vor allem der Bezugspunkt für die Kopie: Das Original ist einerseits für die Kopie kausal (mit-)verantwortlich (⊳ Index), andererseits ist sie ihm ähnlich. Originale sind schon immer kopiert worden. Von Skulpturen wurden Güsse hergestellt, und Gemälde etwa lassen sich beispielsweise malerisch oder zeichnerisch reproduzieren. In der Entwicklung der Reproduktionstechniken, zu denen im Laufe der Zeit neben die manuellen mehr und mehr auch maschinelle, elektronische und IT-gestützte Techniken getreten sind, lässt sich eine Tendenz beobachten: Das Original profiliert sich in der Regel gegen eine immer schneller hergestellte und immer größere Anzahl von Kopien. Entscheidend zu dieser Tendenz beigetragen haben die Massenmedien - oder genauer und detaillierter: seit dem 15. Jahrhundert der Buchdruck, der Holzschnitt, der Stich und die Radierung, seit dem Ende des 18. Jahrhunderts die Lithographie und die Zeitung, seit dem 19. Jahrhundert die Fotografie und das industrielle Druckraster sowie in jünger Zeit natürlich die EDV (vgl. [Rebel 2009a]Rebel, Ernst (2009): Druckgrafik. Geschichte und Fachbegriffe. Mit 56 Abbildungen und Risszeichnungen. Philipp Reclam jun., Stuttgart.
TheorienVon den zahlreichen Theorien, die das Original erfolg- und einflussreich zum Gegenstand gemacht haben, seien im Folgenden drei der wichtigsten kurz vorgestellt. Dabei handelt es sich um die Genieästhetik Edward Youngs, das kulturrevolutionäre Programm Walter Benjamins und die Symboltheorie Nelson Goodmans. Young # Eine ausführliche Thematisierung des Originals findet sich auch in Walter Benjamins Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit aus den 1930er Jahren. Prämisse dieser Studie ist, dass Fotografie> und Film> um 1900 eine Krise ausgelöst haben, und zwar sowohl in ihrer Eigenschaft als Reproduktions- wie auch als Produktionstechniken. Anstatt die seinerzeit übliche Frage zu stellen, ob und – wenn ja – inwiefern es sich bei diesen Techniken um Kunst handeln kann, kehrt Benjamin die Perspektive um und untersucht, in welchem Maße sie ihrerseits den „Gesamtcharakter der Kunst“ verändert haben ([Benjamin 1974a]Tiedemann, R. & Schweppenhäuser, H. (Hg.) (1974): Walter Benjamin – Gesammelte Schriften. Bd. I.2. Suhrkamp, Frankfurt/M.
optional Beispiele([Rebel 2009a]Rebel, Ernst (2009): Druckgrafik. Geschichte und Fachbegriffe. Mit 56 Abbildungen und Risszeichnungen. Philipp Reclam jun., Stuttgart. Siehe auch:
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Anmerkungen
Literatur
[Baxandall 1999a]Baxandall, Michael (1999): Die Wirklichkeit der Bilder. Malerei und Erfahrung im Italien der Renaissance. Klaus Wagenbach, Berlin.[Benjamin 1974a]Tiedemann, R. & Schweppenhäuser, H. (Hg.) (1974): Walter Benjamin – Gesammelte Schriften. Bd. I.2. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Debray 1999a]Debray, Régis (1999): Für eine Mediologie. In: Pias, C. et al. (Hg.), Kursbuch Medienkultur. Die maßgeblichen Theorien von Brecht bis Baudrillard. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart.[Goodman 1995a]Goodman, Nelson (1995): Sprachen der Kunst. Entwurf einer Symboltheorie. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Grimm 1889a]Grimm, Jacob & Grimm, Wilhelm (Hg.) (1889): Deutsches Wörterbuch. Bd. 13: N – Quuren. Hirzel, Leipzig.[Häseler 2002a]Häseler, Jens (2002): Original/Originalität. In: Barck, K.; Fontius, M.; Schlenstedt, D.; Steinwachs, B. & Wolfzettel, F. (Hg.), Ästhetische Grundbegriffe. Historisches Wörterbuch in sieben Bänden. Bd. 4: Medien – Populär. J. B. Metzler, Stuttgart, Weimar.[Hüllen 1971a]Hüllen, Jürgen (1971): Archetypus. In: Ritter, J. (Hg.), Historisches Wörterbuch der Philosophie. Bd. 1 (A-C). Schwabe, Basel.[Luhmann 1995a]Luhmann, Niklas (1995): Die Kunst der Gesellschaft. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Plumpe 1988a]Plumpe, Gerhard (1988): Kunst und juristischer Diskurs. Mit einer Vorbemerkung zum Diskursbegriff. In: Fohrmann, J. & Müller, H. (Hg.), Diskurstheorien und Literaturwissenschaft. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Rebel 2009a]Rebel, Ernst (2009): Druckgrafik. Geschichte und Fachbegriffe. Mit 56 Abbildungen und Risszeichnungen. Philipp Reclam jun., Stuttgart.[Schmücker 2011a]Schmücker, Reinold (2011): Lob der Fälschung. In: Nida-Rümelin, J. & Steinbrenner, J. (Hg.), Original und Fälschung. Hatje Cantz, Ostfildern.[Young 1918a]Young, Edward (1759): Conjectures on Original Composition. Longman, Greens, London, New York, Bombay. Seitenbearbeitungen durch: Dimitri Liebsch, Joerg R.J. Schirra und Marcel Lemmes — (Hinweis) |