Fernsehen: Unterschied zwischen den Versionen
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Fernsehen ist als eigenständiges | Fernsehen ist als eigenständiges Dispo­sitiv anzu­sehen, es baut auf den appa­rativen Konstel­latio­nen des Kinos auf und hat sich – wenn auch später erfun­den – paral­lel zu diesem ent­wickelt und tut es noch. Fern­sehen konsti­tuiert aller­dings ein infor­matio­nelles elek­troni­sches Bild (vgl. <bib id='Paech 2006a'></bib>: S. 105) im Gegen­satz zum ana­logen kine­mato­graphi­schen Bewe­gungs­bild (siehe auch ⊳ [[Kino]]). Fern­sehen besitzt zwar eine mit dem Kino vergleich­bare Mensch-Ma­schine-Anord­nung und [[Blick]]-Konstel­lation. Im Gegen­satz zum Kino ist die Abdunk­lung des Raumes nicht not­wendig, zudem exis­tiert im allge­meinen keine Projek­tionsrich­tung (dies ändert sich jedoch zuneh­mend, da Projek­toren für den Heim­bedarf immer er­schwing­licher werden). Auch ist der Zu­schauer nicht notwen­diger­weise direkt vor dem Bild­schirm plat­ziert, sondern frei in seinen Bewe­gungen und Hand­lungen. Der letzte Punkt verweist auf den Ver­zicht einer Diszip­linie­rung der Wahr­nehmung des Zuschauers durch eine appa­rativ beding­te Fixie­rung, wie sie im Kino zu finden ist (vgl. <bib id='Hickethier 1995a'></bib>: S. 65). Dies hängt mit der techno­logischen Tradi­tion des Fern­sehens zusam­men, die es eng an die Entwick­lung des Radios bindet. | ||
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Eine weitere wesentliche Differenz zum Kino ist die | Eine weitere wesentliche Differenz zum Kino ist die Möglich­keit der Live-Über­tragung über das Fern­sehen, das eine aktu­elle Teil­habe an einem ent­fernten Ereig­nis ermög­licht (die muss zwar mit Ein­schränkun­gen betrachtet werden, da das Kino eben­falls begon­nen hat, Live-Über­tragun­gen zu zeigen, den­noch gehör­ten diese nicht zur Essenz des Kinos in seinen An­fängen, während der Live-Charak­ter beim Fern­sehen eben den funktio­nalen Kern bilde­te). Hier zeigt sich wiede­rum die direk­te und unaus­lösch­liche Verbin­dung des Mediums Fern­sehen als Emp­fänger mit der Sende­station eines Fernseh­senders – ohne diesen käme die [[Interaktion und Kommunikation|Fernseh­kommu­nika­tion]] nicht zustan­de. Dies wird auch durch die Mög­lich­keit der Programm­wahl verdeut­lich, die mit Hilfe bestimm­ter Sende­logos inner­halb des Fernseh­bildes doku­mentiert wird. Das Programm kann als Innen­seite des Dispo­sitivs Fernse­hen verstan­den werden, als dieje­nige Ebe­ne, auf der das Subjekt und das Fern­sehen als insti­tutio­neller Appa­rat zusam­mentref­fen (vgl. <bib id='Hickethier 1995a'></bib>: S. 76). Das Programm bildet somit die Schnitt­stelle der Mensch-Ma­schine-An­ordnung und unter­scheidet das Dispo­sitiv Fern­sehen von anderen Bild­medien, wie z.B. dem Com­puter. Durch die impli­zite Mög­lich­keit der Programm­wahl durch den Rezi­pienten wird der Zu­schauer als Subjekt — anders als im Kino — ein mitbe­stimmen­der Faktor inner­halb des Dispo­sitivs. | ||
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Wulff unterteilt das Fernsehen als | Wulff unterteilt das Fernsehen als Wahr­nehmungs­dispo­sitiv in sechs Ebenen: | ||
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Das Fernsehbild (5) hinter der | Das Fernsehbild (5) hinter der Glas­fläche (3) ist dabei die Kern­zone des Rezi­pienten­inte­resses, den­noch bleibt die Glas­fläche – auch wenn sie während der gewöhn­lichen Rezep­tion in den Hinter­grund der Wahr­nehmung tritt – die Bedin­gung dafür, dass eine Sendung wahr­genom­men werden kann. Und obwohl sich Fehler auf der Glas­fläche auf das Bild aus­wirken können, werden sie für gewöhnl­ich nicht dem Bild zuge­rechnet – folg­lich können Glas­fläche und Bild klar von einan­der getrennt werden. Im Kino gibt es die Glas­fläche (3) als Bild­träger oder Konsti­tutiv einer Fernseh­bildräum­lichkeit nicht, die Lein­wand wird nur in selten­sten Fällen in der Wahr­nehmung thema­tisch (z.B. wenn sie Löcher oder Risse enthält), während die Glas­fläche des Fernseh­gerä­tes die Wahr­nehmung immer wieder thema­tisiert (etwa bei Kratzern oder Refle­xionen in der Glas­fläche, ⊳ [[Syntaktisch unkorrekte Bilder|Syntak­tisch unkor­rekte Bilder]]). | ||
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Version vom 15. April 2013, 10:15 Uhr
Unterpunkt zu: Bildverwendungstypen
Etymologie und WortbedeutungDer Ausdruck ‘Fernsehen’ leitet sich vom Kompositum ‘Television’ ab. Das altgriechische Wort ‘tele’ (τηλε: weithin, weit weg, fern) und das lateinische Substantiv ‘visio’ (vīsiō: Anblick, Schau, Sehen) ergeben die etablierte Bedeutung der Fern-Sicht als Mittel zur Wahrnehmung eines nicht unmittelbar gegebenen Ereignisses (vgl. [Gemoll & Vretska 2006a]Gemoll, Wilhelm & Vretska, Karl (2006): Gemoll. Griechisch-deutsches Schulwörterbuch und Handwörterbuch. Oldenbourg Schulbuchverlag, München.
Wahrnehmungsdispositiv FernsehenFernsehen ist als eigenständiges Dispositiv anzusehen, es baut auf den apparativen Konstellationen des Kinos auf und hat sich – wenn auch später erfunden – parallel zu diesem entwickelt und tut es noch. Fernsehen konstituiert allerdings ein informationelles elektronisches Bild (vgl. [Paech 2006a]Paech, Joachim (2006): Was ist ein kinematographisches Bewegungsbild?. In: Koebner, Th. & Meder, Th. (Hg.), Bildtheorie und Film. Edition Text + Kritik, München. Eine weitere wesentliche Differenz zum Kino ist die Möglichkeit der Live-Übertragung über das Fernsehen, das eine aktuelle Teilhabe an einem entfernten Ereignis ermöglicht (die muss zwar mit Einschränkungen betrachtet werden, da das Kino ebenfalls begonnen hat, Live-Übertragungen zu zeigen, dennoch gehörten diese nicht zur Essenz des Kinos in seinen Anfängen, während der Live-Charakter beim Fernsehen eben den funktionalen Kern bildete). Hier zeigt sich wiederum die direkte und unauslöschliche Verbindung des Mediums Fernsehen als Empfänger mit der Sendestation eines Fernsehsenders – ohne diesen käme die Fernsehkommunikation nicht zustande. Dies wird auch durch die Möglichkeit der Programmwahl verdeutlich, die mit Hilfe bestimmter Sendelogos innerhalb des Fernsehbildes dokumentiert wird. Das Programm kann als Innenseite des Dispositivs Fernsehen verstanden werden, als diejenige Ebene, auf der das Subjekt und das Fernsehen als institutioneller Apparat zusammentreffen (vgl. [Hickethier 1995a]Hickethier, Knut (1995): Dispositiv Fernsehen – Skizze eines Modells. Montage/av, 4. Wulff unterteilt das Fernsehen als Wahrnehmungsdispositiv in sechs Ebenen:
Das Fernsehbild (5) hinter der Glasfläche (3) ist dabei die Kernzone des Rezipienteninteresses, dennoch bleibt die Glasfläche – auch wenn sie während der gewöhnlichen Rezeption in den Hintergrund der Wahrnehmung tritt – die Bedingung dafür, dass eine Sendung wahrgenommen werden kann. Und obwohl sich Fehler auf der Glasfläche auf das Bild auswirken können, werden sie für gewöhnlich nicht dem Bild zugerechnet – folglich können Glasfläche und Bild klar von einander getrennt werden. Im Kino gibt es die Glasfläche (3) als Bildträger oder Konstitutiv einer Fernsehbildräumlichkeit nicht, die Leinwand wird nur in seltensten Fällen in der Wahrnehmung thematisch (z.B. wenn sie Löcher oder Risse enthält), während die Glasfläche des Fernsehgerätes die Wahrnehmung immer wieder thematisiert (etwa bei Kratzern oder Reflexionen in der Glasfläche, ⊳ Syntaktisch unkorrekte Bilder). |
Anmerkungen
Literatur
[Gemoll & Vretska 2006a]Gemoll, Wilhelm & Vretska, Karl (2006): Gemoll. Griechisch-deutsches Schulwörterbuch und Handwörterbuch. Oldenbourg Schulbuchverlag, München.[Hickethier 1995a]Hickethier, Knut (1995): Dispositiv Fernsehen – Skizze eines Modells. Montage/av, 4.[Paech 2006a]Paech, Joachim (2006): Was ist ein kinematographisches Bewegungsbild?. In: Koebner, Th. & Meder, Th. (Hg.), Bildtheorie und Film. Edition Text + Kritik, München.[Stowasser et al. 1998a]Stowasser, J. M. & Petschenig, M. & Skutsch, Fr. (1998): Stowasser. Lateinisch-Deutsches Schulwörterbuch. In: Stowasser & Petschenig & Skutsch (Hg.), Stowasser. Lateinisch-Deutsches Schulwörterbuch. Oldenbourg Schulbuchverlag, München. Verantwortlich: Lektorat: Seitenbearbeitungen durch: Joerg R.J. Schirra, Lars Grabbe, Patrick Kruse, Dimitri Liebsch, Franziska Kurz und Marcel Lemmes — (Hinweis) |