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In ähnlicher Weise schränkt der Bild­[[kontext]] die Inter­preta­tions­mög­lich­keiten ein. ‘Kontext’ ist hier im enge­ren Sinne zu ver­stehen. Er ent­hält alle rele­vanten Aspekte der physi­schen Bild­umge­bung. Ins­beson­dere form­redu­zierte Dar­stellun­gen können in ver­schie­denen Umge­bungen unter­schiedlich wahr­genom­men werden. Das [[Bilderschrift und Piktogramm|Pikto­gramm]] eines Laut­sprechers ließe sich bei­spiels­weise in einem Hut­geschäft als Dar­stellung von Stroh­hüten inter­pretieren, wenn es um 90° gedreht würde. Auch der Bild­kontext liefert dem­nach einen Inter­preta­tions­hori­zont, der es ermög­lich, den In­halt eines Bildes in unter­schied­licher Weise zu bestim­men. Auf Grund domi­nanter Kontext­bedingun­gen geraten die meisten mög­lichen Inter­preta­tionen in der Regel aber gar nicht erst in den Blick. | In ähnlicher Weise schränkt der Bild­[[kontext]] die Inter­preta­tions­mög­lich­keiten ein. ‘Kontext’ ist hier im enge­ren Sinne zu ver­stehen. Er ent­hält alle rele­vanten Aspekte der physi­schen Bild­umge­bung. Ins­beson­dere form­redu­zierte Dar­stellun­gen können in ver­schie­denen Umge­bungen unter­schiedlich wahr­genom­men werden. Das [[Bilderschrift und Piktogramm|Pikto­gramm]] eines Laut­sprechers ließe sich bei­spiels­weise in einem Hut­geschäft als Dar­stellung von Stroh­hüten inter­pretieren, wenn es um 90° gedreht würde. Auch der Bild­kontext liefert dem­nach einen Inter­preta­tions­hori­zont, der es ermög­lich, den In­halt eines Bildes in unter­schied­licher Weise zu bestim­men. Auf Grund domi­nanter Kontext­bedingun­gen geraten die meisten mög­lichen Inter­preta­tionen in der Regel aber gar nicht erst in den Blick. | ||
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Wichtig bei der Kategorisierung dessen, was wir im Bild sehen, ist schließ­lich auch, wie typisch die darge­stellten Eigen­schaften für eine Gegen­stands­klasse sind (⊳ auch [[Exemplifikation|Exem­plifi­kation]]). Des­halb korre­liert nur sehr ein­geschränkt ein nied­riger Detail­lierungs­grad mit einem großen Inter­preta­tions­spiel­raum. Ob die Strich­zeich­nung eines | Wichtig bei der Kategorisierung dessen, was wir im Bild sehen, ist schließ­lich auch, wie typisch die darge­stellten Eigen­schaften für eine Gegen­stands­klasse sind (⊳ auch [[Exemplifikation|Exem­plifi­kation]]). Des­halb korre­liert nur sehr ein­geschränkt ein nied­riger Detail­lierungs­grad mit einem großen Inter­preta­tions­spiel­raum. Ob die Strich­zeich­nung eines Fi­sches als Dar­stellung eines Hai­fisches gilt hängt davon ab, ob Eigen­schaften darge­stellt sind, die Hai­fische aus­zeich­nen, etwa die beson­dere Form der Flosse oder der Zähne. Sind diese in der Dar­stellung erkenn­bar, wird die ent­sprechen­de Klassi­fika­tion auch dann vor­genom­men, wenn andere Eigen­schaften fehlen oder sogar falsch darge­stellt wurden. Das trifft selbst auf die Dar­stellung indi­vidu­eller Gesichts­züge zu (⊳ [[Gesichtsdarstellung|Gesichts­dar­stel­lung]]). Ob nur irgend­ein Gesicht oder ein bestimm­tes Gesicht veran­schau­licht werden soll, kann durch die Dar­stellung spezi­fischer Eigen­schaften nahe­gelegt werden. Die ange­messene Inter­preta­tion hängt dann frei­lich davon ab, ob die ent­sprechen­den Wahr­nehmungs­kompe­tenzen vor­liegen. Was wir im Bild sehen ist folg­lich durch mentale Proto­typen einge­schränkt, in denen be­stimmte Eigen­schaften als typisch ausge­wiesen sind und somit als rele­vant für die Ähn­lich­keits­be­zie­hung gelten. Diese Typi­kali­täts­erwä­gungen sind nicht nur indi­viduell vari­abel, son­dern zudem kultu­rellen Stan­dards unter­worfen. Je nach Lebens­welt können zudem unter­schied­liche Eigen­schaften für ty­pisch gehal­ten werden (vgl. <bib id="Blanke 2003a"></bib>: S. 96). Inso­fern wird der Bild­inhalt zwar ent­scheidend durch Wahr­nehmungs­mecha­nismen bestimmt, diese unter­liegen aber durch­aus kultu­rellen Prä­gungen. | ||
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Version vom 25. März 2013, 11:30 Uhr
Unterpunkt zu: Bildsemantik
Zeichen, Zeichenbedeutung und ZeichenreferenzDen meisten Zeichenmodellen ist eine Unterscheidung zwischen Zeichen, Zeichenbedeutung und Zeichenreferenz gemeinsam, obschon diese drei Größen in den verschiedenen Modellen sehr unterschiedliche Benennungen erfahren haben (⊳ Bedeutung und Referenz). Relativ grob charakterisiert geht es hierbei (1) um den als Zeichenträger verstandenen physischen Gegenstand, (2) um die dem Gegenstand zugeschriebene Bedeutung, durch die der Zeichenträger überhaupt erst zum Zeichen wird, und (3) um den Gegenstand bzw. die Gegenstandsklasse, auf den bzw. auf die mit dem Zeichen anhand der Zeichenbedeutung referiert wird. Diese Dreiteilung, die sich prominent mit den Benennung ‘Zeichen’, ‘Sinn’ und ‘Bedeutung’ bei Frege findet (vgl. [Frege 1892a]Frege, Gottlob (1892): Über Sinn und Bedeutung. Zeitschrift für Philosophie und philosophische Kritik, 100.
Was man im Bild siehtAls Bildinhalt sollte derjenige Bedeutungsaspekt bei Bildern angesehen werden, der sich unmittelbar mit der intrinsischen Struktur des Bildes verbindet. Auf die Sprachebene bezogen ist er der lexikalischen Bedeutung vergleichbar und von der symbolischen (⊳ Visuelle und multimodale Metaphern) wie auch von der kommunikativen Bedeutung (⊳ Illokution) zu unterscheiden. Der Bildinhalt ist nach Richard Wollheim dasjenige, was jemand im Bild sieht. Er verdankt sich spezifischer Wahrnehmungsmechanismen. Ob diese im Sinne von Ähnlichkeitsstandards erläutert werden können, ist eine der viel diskutierten, bisher nicht entschiedenen Fragen (vgl. [Scholz 2004a]Scholz, Oliver R. (2004): Bild, Darstellung, Zeichen. Philosophische Theorien bildhafter Darstellungen. Klostermann, Frankfurt/M. Da der Inhalt eines Bildes sich immer nur in der Relation zum Betrachter einstellt, liegt er nicht objektiv fest. Bilder sind aus diesem Grunde prinzipiell vieldeutig. Gleichwohl sollten bei Bilder zur Bestimmung des Bildinhalts Adäquatheitsbedingungen angenommen werden. Betrachten wir als Beispiel das in der Gestaltpsychologie oft beschriebene Phänomen des Kippbildes, bei dem Figur und Hintergrund vertauscht werden können. Jemand sieht in einem Bild einen Kelch. Ein zweiter sieht in dem Bild zwei Gesichter im Profil. Vermutlich werden sie sich sehr schnell einigen, dass beide Interpretationen korrekte Interpretationen sind, sofern sie auf die wesentlichen Entsprechungen hinweisen (d.h. Teile des Bildes herausgreifen) und darlegen können, dass ein bestimmter Linienabschnitt nasenförmig ist (den Begriff der Nase veranschaulicht) oder (in diesem Fall zugleich) einen Teil der Kontur eines Kelches darstellt. Sieht ein Dritter in dem Bild einen Elefanten, so ist dies nur dann als korrekte Interpretation zu werten, wenn er ebenfalls auf relevante Entsprechungen hinweisen kann. Die Tatsache, dass wir Unterschiedliches in einem Bild sehen können, ergibt sich der Ähnlichkeitstheorie zufolge daraus, dass verschiedene Dinge unter entsprechenden Perspektiven identische Wahrnehmungen erzeugen. Obschon dies der Regelfall ist, wird uns die Vieldeutigkeit des Bildinhaltes oft nicht bewusst, weil die Kontextbedingungen eine bestimmte Interpretation als besonders relevant auszeichnen. Sie spezifizieren den Inhalt eines Bildes innerhalb einer bestimmten Interpretationsumgebung. Es lassen sich hierzu wenigstens drei Fälle unterscheiden. Der Bildinhalt wird durch Kotext, Kontext und Typikalität beeinflusst. Unter ‘Kotext’ ist die Summe der Elemente gemeint, die sich innerhalb der Bildfläche (bei Filmen auch zwischen verschiedenen Bildern) ausmachen lassen und die etwa durch einen Rahmen begrenzt werden. Einen Linienabschnitt als nasenförmig einzustufen ergibt sich demnach aus dem Zusammenhang, in den er eingebettet ist. Entsprechend kann ein und dasselbe Bildelement in unterschiedlichen Zusammenhängen nach dem Prinzip der Nähe als Unterschiedliches gesehen werden. Bildwahrnehmung ist daher wesentlich Gestaltwahrnehmung. Der Kotext ließe sich in verschiedene Ebenen gliedern. Die Organisation der Formelemente nach Gestaltgesetzen ist hierbei sehr grundsätzlich, interpretationseinschränkend wirkt aber auch die Einordnung der Gestalten in das Bildganze, das etwa als Landschaftsdarstellung erkannt wird. Hier scheinen dem hermeneutischen Zirkel analoge Prozesse abzulaufen, in denen sich der Gesamtzusammenhang und die einzelnen Elemente gegenseitig bestimmen (⊳ Bildhermeneutik). In ähnlicher Weise schränkt der Bildkontext die Interpretationsmöglichkeiten ein. ‘Kontext’ ist hier im engeren Sinne zu verstehen. Er enthält alle relevanten Aspekte der physischen Bildumgebung. Insbesondere formreduzierte Darstellungen können in verschiedenen Umgebungen unterschiedlich wahrgenommen werden. Das Piktogramm eines Lautsprechers ließe sich beispielsweise in einem Hutgeschäft als Darstellung von Strohhüten interpretieren, wenn es um 90° gedreht würde. Auch der Bildkontext liefert demnach einen Interpretationshorizont, der es ermöglich, den Inhalt eines Bildes in unterschiedlicher Weise zu bestimmen. Auf Grund dominanter Kontextbedingungen geraten die meisten möglichen Interpretationen in der Regel aber gar nicht erst in den Blick. Wichtig bei der Kategorisierung dessen, was wir im Bild sehen, ist schließlich auch, wie typisch die dargestellten Eigenschaften für eine Gegenstandsklasse sind (⊳ auch Exemplifikation). Deshalb korreliert nur sehr eingeschränkt ein niedriger Detaillierungsgrad mit einem großen Interpretationsspielraum. Ob die Strichzeichnung eines Fisches als Darstellung eines Haifisches gilt hängt davon ab, ob Eigenschaften dargestellt sind, die Haifische auszeichnen, etwa die besondere Form der Flosse oder der Zähne. Sind diese in der Darstellung erkennbar, wird die entsprechende Klassifikation auch dann vorgenommen, wenn andere Eigenschaften fehlen oder sogar falsch dargestellt wurden. Das trifft selbst auf die Darstellung individueller Gesichtszüge zu (⊳ Gesichtsdarstellung). Ob nur irgendein Gesicht oder ein bestimmtes Gesicht veranschaulicht werden soll, kann durch die Darstellung spezifischer Eigenschaften nahegelegt werden. Die angemessene Interpretation hängt dann freilich davon ab, ob die entsprechenden Wahrnehmungskompetenzen vorliegen. Was wir im Bild sehen ist folglich durch mentale Prototypen eingeschränkt, in denen bestimmte Eigenschaften als typisch ausgewiesen sind und somit als relevant für die Ähnlichkeitsbeziehung gelten. Diese Typikalitätserwägungen sind nicht nur individuell variabel, sondern zudem kulturellen Standards unterworfen. Je nach Lebenswelt können zudem unterschiedliche Eigenschaften für typisch gehalten werden (vgl. [Blanke 2003a]Blanke, Börries (2003): Vom Bild zum Sinn. Das ikonische Zeichen zwischen strukturalistischer Semiotik und analytischer Philosophie. Deutscher Universitätsverlag, Wiesbaden. Siehe auch:
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Anmerkungen
Literatur
[Blanke 2003a]Blanke, Börries (2003): Vom Bild zum Sinn. Das ikonische Zeichen zwischen strukturalistischer Semiotik und analytischer Philosophie. Deutscher Universitätsverlag, Wiesbaden.[Frege 1892a]Frege, Gottlob (1892): Über Sinn und Bedeutung. Zeitschrift für Philosophie und philosophische Kritik, 100.[Lopes 1996a]Lopes, Dominic (1996): Understanding Pictures. Claredon Press, Oxford.[Scholz 2004a]Scholz, Oliver R. (2004): Bild, Darstellung, Zeichen. Philosophische Theorien bildhafter Darstellungen. Klostermann, Frankfurt/M. Verantwortlich: Lektorat: Seitenbearbeitungen durch: Joerg R.J. Schirra, Stefan Kahl und Marcel Lemmes — (Hinweis) |