Animation: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Glossar der Bildphilosophie
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Version vom 19. Februar 2013, 12:29 Uhr

Unterpunkt zu: Bildmedien


Etymologie

Der Begriff der Animation leitet sich von den latei­nischen Wörtern ‘animo’ (für: ›ich belebe‹, ›beseele‹) und ‘animus’ (für: ›Seele‹, ›Geist‹, ›Lebens­kraft‹, ›Leben‹, ›Bewusst­sein‹, ›Gemüt‹, ›Wille‹, ›Wunsch‹ etc.) ab (vgl. [Stowasser et al. 1998a]Stowasser, J. M. & Petschenig, M. & Skutsch, Fr. (1998): Stowasser. Lateinisch-Deutsches Schulwörterbuch. In: Stowasser & Petschenig & Skutsch (Hg.), Sto­wasser. La­tei­nisch-​Deutsches Schul­wörter­buch. Oldenbourg Schulbuchverlag, München.
: S. 36).


Dynamisierung

Der Begriff der Animation kennzeichnet die Dynami­sierung bzw. Ver­leben­digung einer Dar­stellung (oder eines Objekts, einer Figur) durch die Elemente Bewegung und Zeit. In dieser Orien­tierung lässt sich Ani­mation als ein techni­sches Prinzip auf­fassen, welches sich durch eine zeit­liche Dimen­sionie­rung eines Bewe­gungs­ablaufs kenn­zeichnet. Da der Ani­mations­begriff bereits bei einfachen und in Bewegung versetz­ten Bild­medien greift, z.B. beim Daumen­kino oder dem Thauma­trop, einer runden Scheibe, die auf jeder Seite ein sich unter­scheidendes Bild­motiv zeigt und mittels an den Seiten ange­brachter Bänder in Rotation versetzt wird, zeigt er sich geeignet, um bereits frühe Formen von stati­schen Bildern in Bewegung zu klassi­fizieren. Weitere frühe technische Appa­raturen, die durch das Ani­mations­prinzip struk­turiert werden, sind Phena­kisti­skop, Zoe­trop, Praxino­skop, Zoe­praxi­skop, Elektro­tachy­skop, Kine­tograph und Kine­toskop. Auch die Foto­serien von Eadweard Muy­bridge — wie etwa Somer­sault, man (um 1885) — können als Ani­mationen gedeutet werden (gelten sie doch als Vor­läufer des Films), da auch hier in einem räum­lichen Neben- und zeit­lichen Hinter­einander von Bildern eine Bewegung durch die Reihung von Einzel­aufnahmen dargestellt wird.


Bewegungsbildung

Die kinematographischen und informationell elektrischen Bewe­gungs­bilder (siehe auch ⊳ Kino, Film, Video und Fernsehen) basieren ebenfalls auf dem Prinzip der Ani­mation, erlauben aber auf­grund der technischen Ent­wicklung der jeweiligen Dispo­sitiv­strukturen die Wahr­nehmung eines konkreten filmischen Bewegungs­bildes, welches „ganz­heitlich als ein Bild wahrge­nommen wird“ ([Paech 2006a]Paech, Joachim (2006): Was ist ein kinematographisches Bewegungsbild?. In: Koebner, Th. & Meder, Th. (Hg.), Bildtheorie und Film. Edition Text + Kritik, München.
: S. 99). Etwas anders und detaillierter: „Along with improve­ments in the motion picture camera and the develop­ment of a roll film capable of sur­viving the harsh mechanisms for projec­ting its image, a new art form was born: ani­mation. By making sequen­tial drawings of a continuing action and projec­ting their photo­graphs onto a screen at a constant rate, an artist now could create all of the movement and inner life he was capable of" ([Johnston & Thomas 1981a]Johnston, Ollie & Thomas, Frank (1981): The Illusion of Life. Disney Animation. Abbeville Press, New York.
: S. 13-15).

Diese Ganzheitlichkeit, d.h. das Wahrnehmen der Bilder­folgen als ein Bild in einer konti­nuier­lichen Verän­derung der Form, ist zudem dem Phäno­men des Nach­bildes auf der mensch­lichen Netz­haut geschuldet (ein Effekt, der schon Ptolemäus bekannt gewesen sein soll), durch welches das Bewegungs­bild auf der Lein­wand als Bewegung und nicht als Nach­einander von Einzel­bildern wahrge­nommen wird. Technisch wird die Bild­folge diskon­tinuier­lich projiziert, stets im Wechsel von Bewe­gung und Still­stand. Während das Bild (in der Bild-Zwischen-Zeit) weiter­transpor­tiert wird sorgt eine Flügel­scheibe dafür, dass die Linse des Vorführ­gerätes abge­blendet wird. Dies inter­agiert mit dem Nach­bild­effekt der Wahr­nehmung. Da die neuronalen Rezeptoren im Auge des Zuschauers während der Phase, in denen die Projek­tion abge­dunkelt bleibt, keine neue Reizung erhalten, wirkt das vorher­gehende Bild, als Reiz­muster auf der Retina des Auges für einen Augen­blick nach. Doch reicht der Nach­bild­effekt allein nicht aus, um die fliessende Bewegung in der Ani­mation von Bildern zu gewähr­leisten, dazu muss eben jener Strobo­skop­effekt hinzu­kommen, durch welchen der Blick auf das Bild auf der Film­rolle nur zeit­weise (durch die Flügel­scheibe) freige­geben wird und durch welchen umge­dreht auch fliessende Bewe­gungen in Einzel­phasen unter­teilt werden können (vgl. [Kittler 2002b]Kittler, Friedrich (2002): Optische Medien. Berliner Vorlesung 1999. Merve, Berlin.
: S. 195-209).

Animation als Prinzip künstlerischer Gestaltung kennzeichnet sich im Film durch die Einzel­bild­schaltung, wobei ein unbe­weglicher Gegenstand „zu schein­barer Bewegung animiert wird“ ([Wulff 2006a]Wulf, Hans J. (2006): Animation. In: Bentele, G. & Brosius, H.-B. & Jarren, O. (Hg.), Lexikon Kommunikations- und Medienwissenschaft. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden.
: S. 14): Einzel­bild für Einzel­bild werden anei­nander gereiht und durch die technische Appa­ratur in Bewegung versetzt. Im Vergleich zum Film werden in der Compu­terani­mation die einzelnen „Bewegungs­phasen rechnerisch ermittelt“ ([Wulff 2006a]Wulf, Hans J. (2006): Animation. In: Bentele, G. & Brosius, H.-B. & Jarren, O. (Hg.), Lexikon Kommunikations- und Medienwissenschaft. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden.
: S. 14), so dass die Ani­mation eine komplexere Form der Darstellung ermöglicht. Grund­sätzlich hat die „Computer-Video­technik die Ani­mation noch flexibler gemacht, da man einen Computer darauf program­mieren kann, lauter Serien von Umriss­zeich­nungen zu produ­zieren, die ihre Form korrekt in den richtigen Zeit­phasen verändern“ ([Monaco 2007a]Monaco, James (2007): Film verstehen: Kunst, Technik, Sprache, Geschichte und Theorie des Films und der Medien. Mit einer Einführung in Multimedia. Rowohlt Taschenbuch, Reinbek.
: S. 135).

Anmerkungen
Literatur
[Johnston & Thomas 1981a]Johnston, Ollie & Thomas, Frank (1981): The Illusion of Life. Disney Animation. Abbeville Press, New York.[Kittler 2002b]Kittler, Friedrich (2002): Optische Medien. Berliner Vorlesung 1999. Merve, Berlin.[Monaco 2007a]Monaco, James (2007): Film verstehen: Kunst, Technik, Sprache, Geschichte und Theorie des Films und der Medien. Mit einer Einführung in Multimedia. Rowohlt Taschenbuch, Reinbek.[Paech 2006a]Paech, Joachim (2006): Was ist ein kinematographisches Bewegungsbild?. In: Koebner, Th. & Meder, Th. (Hg.), Bildtheorie und Film. Edition Text + Kritik, München.[Stowasser et al. 1998a]Stowasser, J. M. & Petschenig, M. & Skutsch, Fr. (1998): Stowasser. Lateinisch-Deutsches Schulwörterbuch. In: Stowasser & Petschenig & Skutsch (Hg.), Sto­wasser. La­tei­nisch-​Deutsches Schul­wörter­buch. Oldenbourg Schulbuchverlag, München.[Wulff 2006a]Wulf, Hans J. (2006): Animation. In: Bentele, G. & Brosius, H.-B. & Jarren, O. (Hg.), Lexikon Kommunikations- und Medienwissenschaft. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden.

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