Original: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Glossar der Bildphilosophie
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=====Darstellung des gr. Zusammenhangs=====
=====Etymologie und allgemeine Bedeutung/en=====
Vom lateinischen Ausdruck „origo“ (‚Ursprung’) abgeleitet, bezeichnet der Ausdruck „Original“einen Gegenstand, der sich im Unterschied zur Kopie durch Einmaligkeit, Ursprünglichkeit und Echtheit auszeichnet. In seinem Aufsatz „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ hat Benjamin seine Theorie der Aura eng mit dem Original insbesondere in der Bildenden Kunst verbunden.


Der Ausdruck „Original“ ist mit dem kunsttheoretisch wichtigen Begriff der Originalität verbunden. Originalität wurde etwa in der Romantik als ästhetischer Wert verstanden und an den Begriff des Genies gebunden. Das Besondere des Kunstwerkes ergibt sich danach aus dem Neuen, das der Künstler  schafft, ohne dabei auf eine Regel zurückzugreifen. Der Rückgriff auf Herstellungsregeln gilt dagegen als Nachahmung und damit als eine nicht originäre Leistung.  
Der Ausdruck „Original“ und seine Pendants im Englischen, Französischen, Italienischen usw. leiten sich etymologisch von „origo“, dem lateinischen Wort für ‚Ursprung’ ab. Dem Grimmschen Wörterbuch zufolge ist ein Original etwas Ursprüngliches, entweder im Sinne des Eigentümlichen und Angeborenen oder aber im Gegensatz zu Kopie# oder Nachahmung [# > Mimesis]. Dieser Gegensatz ist nicht nur für schriftliche Artefakte von Belang, etwa bei Übersetzungen oder Abschriften eines Originals, sondern auch und gerade für Bilder, nämlich dann, wenn sie ein Vor- oder Urbild# nachbilden; wie der Fall des Porträts zeigt, muss dabei das Original nicht zwangsläufig selbst ein Bild# sein (vgl. Grimm 13, 1347ff. [http://woerterbuchnetz.de/DWB/?sigle=DWB&mode=Vernetzung&lemid=GO02293]). Zwei Komponenten, die sich aus diesem allgemeinen Befund ergeben, sind noch zu ergänzen. Erstens ist die Rede vom Original oft, wenn gleich nicht immer, mit einer normativen Komponente verbunden. So kann es sich beim Original um das Echte handeln, auf dessen Autorität sich die Kopie stützt oder dessen Autorität die Fälschung zu Unrecht für sich reklamiert. (Anders gesagt: neben „Kopie“ ist auch „Fälschung“ ein Gegenbegriff zu „Original“.) Zweitens sind für das Original häufig historische Komponenten oder genauer: besondere Verhältnisse zur Tradition konstitutiv. Der Logik von Original und Kopie folgend kann das Original in der Vergangenheit eine Tradition gestiftet haben, die durch Kopien in der Gegenwart aufrechterhalten wird. Im Sinne des Eigentümlichen aber kann das Original in der Gegenwart mit bestehenden Traditionen brechen (was natürlich nicht ausschließt, dass mit diesem Traditionsbruch eine neue Tradition inauguriert wird).  


Besondere Bedeutung hat der Begriff des Originals in der Symboltheorie von Nelson Goodman zur Unterscheidung von autographischen und allographischen Künsten erhalten (vgl. Goodman 1968, 99ff.). Nach Goodman zeichnen sich autographische Künste,   insbesondere die Malerei, dadurch aus, dass zwischen Original und Fälschung unterschieden werden kann. Etwa im Falle der Musik ist dies nicht möglich, da eine Kopie der Partitur keine Fälschung ist, sondern ein und dasselbe Musikstück realisisert. Die Identitätsbedingungen von Musikwerken sind folglich nicht an konkrete Schriftstücke gebunden. Dagegen sind Werke der Malerei nicht ohne Verlust kopierbar. Selbst wenn es zu einem Zeitpunkt nicht möglich sein sollte, ein Original von seiner Kopie bzw. Fälschung zu unterscheiden, behält die Unterscheidung selbst ihre Berechtigung, da eine Entscheidung vermutlich zu einem späteren Zeitpunkt möglich wird.
Diskurse und Praxisfelder Im Zusammenhang mit Bilder sind für das Thema des Originals mindestens vier, teils sich überlagernde Diskurse oder Praxisfelder von Belang, demgemäß sind technische, wirtschaftliche, juristische und ästhetische Aspekte zu berücksichtigen. Auch deswegen ist die Rede vom Original oft vieldeutig.
 
Goodman Aufwertung des Originals in der Bildenen Kunst ergibt sich aus seinem Bildbegriff, der syntaktische Dichte als notwendige Bedingung enthält. Syntaktische Dichte besagt, alltagssprachlich formuliert, dass noch die kleinsten Unterschiedefür die Betrachtung und Bewertung eines Bild wichtig sind. Ein Bild ist daher in seiner konkreten materiellen Beschaffenheit unersetzlich, denn wir könnenuns bei Kopien niemals sicher sein, ob relevante Eigenschaften im Kopierprozess vernachlässigt wurden. Bilder sind entsprechend mit ihrem jeweils individuellen Bildträger unauflöslich verbunden.  





Version vom 22. November 2012, 15:03 Uhr

Unterpunkt zu: Bildsyntax


Etymologie und allgemeine Bedeutung/en

Der Ausdruck „Original“ und seine Pendants im Englischen, Französischen, Italienischen usw. leiten sich etymologisch von „origo“, dem lateinischen Wort für ‚Ursprung’ ab. Dem Grimmschen Wörterbuch zufolge ist ein Original etwas Ursprüngliches, entweder im Sinne des Eigentümlichen und Angeborenen oder aber im Gegensatz zu Kopie# oder Nachahmung [# > Mimesis]. Dieser Gegensatz ist nicht nur für schriftliche Artefakte von Belang, etwa bei Übersetzungen oder Abschriften eines Originals, sondern auch und gerade für Bilder, nämlich dann, wenn sie ein Vor- oder Urbild# nachbilden; wie der Fall des Porträts zeigt, muss dabei das Original nicht zwangsläufig selbst ein Bild# sein (vgl. Grimm 13, 1347ff. [1]). Zwei Komponenten, die sich aus diesem allgemeinen Befund ergeben, sind noch zu ergänzen. Erstens ist die Rede vom Original oft, wenn gleich nicht immer, mit einer normativen Komponente verbunden. So kann es sich beim Original um das Echte handeln, auf dessen Autorität sich die Kopie stützt oder dessen Autorität die Fälschung zu Unrecht für sich reklamiert. (Anders gesagt: neben „Kopie“ ist auch „Fälschung“ ein Gegenbegriff zu „Original“.) Zweitens sind für das Original häufig historische Komponenten oder genauer: besondere Verhältnisse zur Tradition konstitutiv. Der Logik von Original und Kopie folgend kann das Original in der Vergangenheit eine Tradition gestiftet haben, die durch Kopien in der Gegenwart aufrechterhalten wird. Im Sinne des Eigentümlichen aber kann das Original in der Gegenwart mit bestehenden Traditionen brechen (was natürlich nicht ausschließt, dass mit diesem Traditionsbruch eine neue Tradition inauguriert wird).

Diskurse und Praxisfelder Im Zusammenhang mit Bilder sind für das Thema des Originals mindestens vier, teils sich überlagernde Diskurse oder Praxisfelder von Belang, demgemäß sind technische, wirtschaftliche, juristische und ästhetische Aspekte zu berücksichtigen. Auch deswegen ist die Rede vom Original oft vieldeutig.




Engere Begriffsbestimmung
optional Beispiele

([Rebel 2009a]Rebel, Ernst (2009): Druckgrafik. Geschichte und Fachbegriffe. Mit 56 Abbildungen und Risszeichnungen. Philipp Reclam jun., Stuttgart.
Nicht angezeigt: 2., durchgesehene und aktualisierte Auflage
: S. #) ([Häseler 2002a]Häseler, Jens (2002): Original/Originalität. In: Barck, K.; Fontius, M.; Schlenstedt, D.; Steinwachs, B. & Wolfzettel, F. (Hg.), Ästhetische Grundbegriffe. Historisches Wörterbuch in sieben Bänden. Bd. 4: Medien – Populär. J. B. Metzler, Stuttgart, Weimar.
: S. #) ([Young 1760a]Der Eintrag existiert noch nicht.: S. #) ([a]Der Eintrag existiert noch nicht.: S. #) ([a]Der Eintrag existiert noch nicht.: S. #) ([a]Der Eintrag existiert noch nicht.: S. #)


Siehe auch:


Anmerkungen
Literatur
[Baxandall 1999a]Baxandall, Michael (1999): Die Wirklichkeit der Bilder. Malerei und Erfahrung im Italien der Renaissance. Klaus Wagenbach, Berlin.[Benjamin 1974a]Tiedemann, R. & Schweppenhäuser, H. (Hg.) (1974): Walter Benjamin – Gesammelte Schriften. Bd. I.2. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Debray 1999a]Debray, Régis (1999): Für eine Mediologie. In: Pias, C. et al. (Hg.), Kursbuch Medienkultur. Die maßgeblichen Theorien von Brecht bis Baudrillard. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart.[Goodman 1995a]Goodman, Nelson (1995): Sprachen der Kunst. Entwurf einer Symboltheorie. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Grimm 1889a]Grimm, Jacob & Grimm, Wilhelm (Hg.) (1889): Deutsches Wörterbuch. Bd. 13: N – Quuren. Hirzel, Leipzig.[Häseler 2002a]Häseler, Jens (2002): Original/Originalität. In: Barck, K.; Fontius, M.; Schlenstedt, D.; Steinwachs, B. & Wolfzettel, F. (Hg.), Ästhetische Grundbegriffe. Historisches Wörterbuch in sieben Bänden. Bd. 4: Medien – Populär. J. B. Metzler, Stuttgart, Weimar.[Hüllen 1971a]Hüllen, Jürgen (1971): Archetypus. In: Ritter, J. (Hg.), Historisches Wörterbuch der Philosophie. Bd. 1 (A-C). Schwabe, Basel.[Luhmann 1995a]Luhmann, Niklas (1995): Die Kunst der Gesellschaft. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Plumpe 1988a]Plumpe, Gerhard (1988): Kunst und juristischer Diskurs. Mit einer Vorbemerkung zum Diskursbegriff. In: Fohrmann, J. & Müller, H. (Hg.), Diskurstheorien und Literaturwissenschaft. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Rebel 2009a]Rebel, Ernst (2009): Druckgrafik. Geschichte und Fachbegriffe. Mit 56 Abbildungen und Risszeichnungen. Philipp Reclam jun., Stuttgart.[Schmücker 2011a]Schmücker, Reinold (2011): Lob der Fälschung. In: Nida-Rümelin, J. & Steinbrenner, J. (Hg.), Original und Fälschung. Hatje Cantz, Ostfildern.[Young 1918a]Young, Edward (1759): Conjectures on Original Composition. Longman, Greens, London, New York, Bombay.

Verantwortlich:

Klaus Sachs-Hombach

Seitenbearbeitungen durch: Dimitri Liebsch, Joerg R.J. Schirra und Marcel Lemmes — (Hinweis)