Symbol, Index, Ikon: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Glossar der Bildphilosophie
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Joerg R.J. Schirra (Diskussion | Beiträge)
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===Indexikalität und raumzeitliche Zu­sammen­hänge===
===Indexikalität und raumzeitliche Zu­sammen­hänge===


Von einem ‘Index’ (Plural ‘Indizes’) spricht Peirce bei einem Zeichen, dessen Träger aufgrund seines ''raumzeitlichen'' und insbesondere ''kausalen'' Zusammenhangs mit dem Bezeichneten als Zeichen für letzteres verwendet wird (vgl. <bib id='Peirce 1983a'></bib>: S. 65): wenn also beispielsweise Rauch das Zeichen für Feuer oder rote Hautflecken das Zeichen für (eine Infektion mit) Masern bilden. Alles was in den entsprechenden Naturwissenschaften von Physik bis Medizin als Auswirkung, Anzeichen oder Symptom für ein Phänomen ''X'' gilt, stellt mithin auch einen Peirceschen Index für ''X'' dar.<ref>Vgl. auch [[Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem#cite_note-7|Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem: Anmerkung 8]]. — Da Symptome nicht kriterial (also weder hinreichend noch notwendig) für das, was sie anzeigen (können), sind – Rauch kann auch ohne Feuer auftreten (und Feuer ohne Rauch), so wie rote Hautflecken ohne Maserninfektion (und Maserninfektionen ohne das Ausbilden von roten Hautflecken) möglich sind – kann der Index-Charakter eines Zeichens recht labil sein.</ref> Genau genommen verweist ein indexikalisches Zeichen daher weniger auf einen anderen Gegenstand als vielmehr auf die ''Anwesenheit'' eines anderen Gegenstands in direkter Nähe zum Zeichenträger. Das unterscheidet Indizes deutlich von den beiden anderen Zeichenarten, die eher dazu verwendet werden, Abwesendes zu bezeichnen.<ref>Wie oben erwähnt stellen nur genuine Ikone im Peirceschen Sinn eine Ausnahme davon dar.</ref> Was genau als »Nähe zum Zeichenträger« zu verstehen ist kann dabei allerdings von verschiedenen Faktoren abhängen. Bei einer Spur etwa kann die zeitliche Koinzidenz mehr oder weniger stark in die Vergangenheit ausgedehnt sein: Der die Spur erzeugende Hase beispielsweise mag längst über alle Berge sein, wenn der Jäger sie als indexikalisches Zeichen für den Hasen (oder genauer seine Anwesenheit) nutzt. Kausalketten können zu einer fast beliebig großen räumlichen Ausdehnung der Nähe-Region beitragen. Wesentlich ist für Indexikalität, dass der Bereich, den der Zeichennutzer als (erweitertes) “Hier und Jetzt” betrachtet, neben dem Zeichenträger stets auch das Bezeichnete enthält, so dass man gewissermaßen auch mit dem Finger darauf deuten könnte.<ref>Wegen dieser Besonderheit spielen Indizes in Taufsituationen, wie sie zur Einführung von [[#Symbolhaftigkeit und Bedeu&shy;tungs&shy;konven&shy;tionen|symbolischen Zeichen]] verwendet werden, eine wichtige Rolle. — Die Bezeichnung ‘Index’ leitet sich vom lateinischen Wort für Zeigefinger ab.</ref>
Von einem ‘Index’ (Plural ‘Indi&shy;zes’) spricht Peirce bei einem Zeichen, dessen Träger aufgrund seines ''raumzeit&shy;lichen'' und insbe&shy;sonde&shy;re ''kausa&shy;len'' Zusam&shy;menhangs mit dem Bezeich&shy;neten als Zeichen für letzte&shy;res verwen&shy;det wird (vgl. <bib id='Peirce 1983a'></bib>: S. 65): wenn also beispiels&shy;weise Rauch das Zeichen für Feuer oder rote Haut&shy;flecken das Zeichen für (eine Infek&shy;tion mit) Masern bilden. Alles was in den entspre&shy;chenden Natur&shy;wissen&shy;schaften von Physik bis Medi&shy;zin als Auswir&shy;kung, Anzei&shy;chen oder Symptom für ein Phäno&shy;men ''X'' gilt, stellt mithin auch einen Peirce&shy;schen Index für ''X'' dar.<ref>Vgl. auch [[Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem#cite_note-7|Zei&shy;chen, Zei&shy;chen&shy;trä&shy;ger, Zei&shy;chen&shy;sys&shy;tem: An&shy;mer&shy;kung 8]]. — Da Symp&shy;to&shy;me nicht kri&shy;te&shy;ri&shy;al (al&shy;so we&shy;der hin&shy;rei&shy;chend noch not&shy;wen&shy;dig) für das, was sie an&shy;zei&shy;gen (kön&shy;nen), sind – Rauch kann auch oh&shy;ne Feu&shy;er auf&shy;tre&shy;ten (und Feu&shy;er oh&shy;ne Rauch), so wie ro&shy;te Haut&shy;fle&shy;cken oh&shy;ne Ma&shy;sern&shy;in&shy;fek&shy;ti&shy;on (und Ma&shy;sern&shy;in&shy;fek&shy;ti&shy;o&shy;nen oh&shy;ne das Aus&shy;bil&shy;den von ro&shy;ten Haut&shy;fle&shy;cken) mög&shy;lich sind – kann der In&shy;dex-&#8203;Cha&shy;rak&shy;ter ei&shy;nes Zei&shy;chens recht la&shy;bil sein.</ref> Genau genom&shy;men verweist ein inde&shy;xika&shy;lisches Zeichen daher weni&shy;ger auf einen ande&shy;ren Gegen&shy;stand als vielmehr auf die ''Anwe&shy;senheit'' eines ande&shy;ren Gegen&shy;stands in direk&shy;ter Nähe zum Zeichen&shy;träger. Das unter&shy;scheidet Indi&shy;zes deutlich von den beiden ande&shy;ren Zeichen&shy;arten, die eher dazu verwen&shy;det werden, Abwe&shy;sendes zu bezeich&shy;nen.<ref>Wie oben er&shy;wähnt stel&shy;len nur ge&shy;nu&shy;i&shy;ne Iko&shy;ne im Peirce&shy;schen Sinn ei&shy;ne Aus&shy;nah&shy;me da&shy;von dar.</ref> Was genau als »Nähe zum Zeichen&shy;träger« zu verste&shy;hen ist kann dabei aller&shy;dings von verschie&shy;denen Fakto&shy;ren abhän&shy;gen. Bei einer ''Spur'' etwa kann die zeitli&shy;che Koin&shy;zidenz mehr oder weni&shy;ger stark in die Vergan&shy;genheit ausge&shy;dehnt sein: Der die Spur erzeu&shy;gende Hase beispiels&shy;weise mag längst über alle Berge sein, wenn der Jäger sie als inde&shy;xika&shy;lisches Zeichen für den Hasen (oder genau&shy;er seine Anwe&shy;senheit) nutzt. Kausal&shy;ketten können zu einer fast belie&shy;big großen räumli&shy;chen Ausdeh&shy;nung der zu betrach&shy;tenden Nähe-&#8203;Region beitra&shy;gen. Wesent&shy;lich ist für Inde&shy;xika&shy;lität, dass der Bereich, den der Zeichen&shy;nutzer als (erwei&shy;tertes) “Hier und Jetzt” betrach&shy;tet, neben dem Zeichen&shy;träger stets auch das Bezeich&shy;nete enthält, so dass man gewis&shy;serma&shy;ßen auch mit dem Finger darauf deuten könnte.<ref>We&shy;gen die&shy;ser Be&shy;son&shy;der&shy;heit spie&shy;len In&shy;di&shy;zes in Tauf&shy;si&shy;tu&shy;a&shy;ti&shy;o&shy;nen, wie sie zur Ein&shy;füh&shy;rung von [[#Symbolhaftigkeit und Bedeu&shy;tungs&shy;konven&shy;tionen|sym&shy;bo&shy;li&shy;schen Zei&shy;chen]] ver&shy;wen&shy;det wer&shy;den, ei&shy;ne wich&shy;ti&shy;ge Rol&shy;le. — Die Be&shy;zeich&shy;nung ‘In&shy;dex’ lei&shy;tet sich vom la&shy;tei&shy;ni&shy;schen Wort für Zei&shy;ge&shy;fin&shy;ger ab.</ref>
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Zu beachten ist allerdings, dass die Definition der Indexikalität nicht notwendig von einer natürlichen Beziehung zwischen Zeichenträger und Bezeichnetem ausgeht: Auch das Ortseingangsschild am Rand einer Stadt steht in direkter, wenn auch absichtlich erzeugter raumzeitlicher Beziehung zu dem Bezeichneten (eben dem Rand jener Stadt). Gleiches gilt für das auf dieser Glossarseite links oben gezeigte Logo (das markiert: ›dies ist eine Seite des Glossars der Bildphilosophie‹), die farblichen Markierungen, die in diesem Glossartext anzeigen, an welchen Stellen durch Mausklick eine andere Seite erreicht werden kann, oder auch generell Pfeile und Zeiger. Nicht alle Indizes sind mithin auch Symptome im engen (physikalisch-kausalen) Sinn, oder, wie es dann auch heißt: ‘''natürliche'' Indizes’. Im Gegensatz zu den natürlichen ist die raumzeitliche Beziehung, die zwischen Zeichenträger und Bezeichnetem vermittelt, bei den ''künstlichen'' Indizes mit Absicht erzeugt – Intentionalität ersetzt also in diesen Fällen Kausalität.<ref>Die intentionsbasierten Indizes stehen in enger Verbindung zum Begriff des [[Zeigen und Sich-Zeigen|Zeigens]], d.h. der Deixis (›jemand zeigt jemandem etwas‹), während die kausalen Indizes höchstens als einfache Fälle von&#8203; »[[Zeigen und Sich-Zeigen|Sich-Zeigen]]«&#8203; (›etwas zeigt sich‹) begriffen werden können.</ref> Gleichwohl besteht die semantische Pointe auch bei dieser Unterklasse darin, dass allein die raumzeitliche Nähe bereits die Bedeutung des Zeichens bei der Verwendung zu induzieren scheint.   
Zu beachten ist allerdings, dass die Defi&shy;nition der Inde&shy;xika&shy;lität nicht notwen&shy;dig von einer natür&shy;lichen Bezie&shy;hung zwischen Zeichen&shy;träger und Bezeich&shy;netem ausgeht: Auch das Ortsein&shy;gangsschild am Rand einer Stadt steht in direk&shy;ter, wenn auch absicht&shy;lich erzeug&shy;ter raumzeit&shy;licher Bezie&shy;hung zu dem Bezeich&shy;neten (eben dem Rand jener Stadt). Gleiches gilt für das auf dieser Glossar&shy;seite links oben gezeig&shy;te Logo (das markiert: ›dies ist eine Seite des Glossars der Bildphi&shy;loso&shy;phie‹), die farbli&shy;chen Markie&shy;rungen, die in diesem Glossar&shy;text anzei&shy;gen, an welchen Stellen durch Mausklick eine ande&shy;re Seite erreicht werden kann, oder auch gene&shy;rell Pfeile und Zeiger. Nicht alle Indi&shy;zes sind mithin auch Sympto&shy;me im engen (physi&shy;kalisch-&#8203;kausa&shy;len) Sinn, oder, wie es dann auch heißt: ‘''natür&shy;liche'' Indi&shy;zes’. Im Gegen&shy;satz zu den natür&shy;lichen ist die raumzeit&shy;liche Bezie&shy;hung, die zwischen Zeichen&shy;träger und Bezeich&shy;netem vermit&shy;telt, bei den ''künstli&shy;chen'' Indi&shy;zes mit Absicht erzeugt – Inten&shy;tiona&shy;lität ersetzt also in diesen Fällen Kausa&shy;lität.<ref>Die in&shy;ten&shy;ti&shy;ons&shy;ba&shy;sier&shy;ten In&shy;di&shy;zes ste&shy;hen in en&shy;ger Ver&shy;bin&shy;dung zum Be&shy;griff des [[Zeigen und Sich-Zeigen|Zei&shy;gens]], d.h. der Dei&shy;xis (›je&shy;mand zeigt je&shy;man&shy;dem et&shy;was‹), wäh&shy;rend die kau&shy;sa&shy;len In&shy;di&shy;zes höch&shy;stens als ein&shy;fa&shy;che Fäl&shy;le von&#8203; »[[Zeigen und Sich-Zeigen|Sich-&#8203;Zei&shy;gen]]«&#8203; (›et&shy;was zeigt sich‹) be&shy;grif&shy;fen wer&shy;den kön&shy;nen.</ref> Gleichwohl besteht die seman&shy;tische Pointe auch bei dieser Unter&shy;klasse darin, dass allein die raumzeit&shy;liche Nähe bereits die Bedeu&shy;tung des Zeichens bei der Verwen&shy;dung zu indu&shy;zieren scheint.   
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Sprachliche Ausdrücke, wie insbesondere ‘hier’ und ‘jetzt’, aber auch ‘ich’, ‘wir’, ‘du’, ‘ihr’ hängen in ihrer jeweiligen Bedeutung ebenfalls stark ab vom [[Kontext]] ihrer Verwendung: Die raumzeitliche Beziehung zu Ort und Zeit ihrer Äußerung bestimmt, welcher Ort mit ‘hier’, welche Person mit ‘du’ gemeint ist. Gleiches gilt natürlich auch für ‘içi’ oder ‘here’, für ‘tu’ oder ‘you’ – um nur zwei andere europäische Sprachen als Beispiele zu bemühen. Neben aller Konventionalität, die diese Art von Ausdrücken eigentlich zu [[#Symbolhaftigkeit und Bedeu&shy;tungs&shy;konven&shy;tionen|Symbolen]] im Sinne von Peirce werden lässt, bleibt ihnen ein Moment an Indexikalität wesentlich, weshalb man auch von ‘indexikalischen Ausdrücken’ spricht.
Sprachliche Ausdrücke, wie insbe&shy;sonde&shy;re ‘hier’ und ‘jetzt’, aber auch ‘ich’, ‘wir’, ‘du’, ‘ihr’ hängen in ihrer jewei&shy;ligen Bedeu&shy;tung eben&shy;falls stark ab vom [[Kontext]] ihrer Verwen&shy;dung: Die raumzeit&shy;liche Bezie&shy;hung zu Ort und Zeit ihrer Äuße&shy;rung bestimmt, welcher Ort mit ‘hier’, welche Person mit ‘du’ gemeint ist. Gleiches gilt natür&shy;lich auch für ‘içi’ oder ‘here’, für ‘tu’ oder ‘you’ – um nur zwei ande&shy;re euro&shy;päische Sprachen als Beispiele zu bemü&shy;hen. Neben aller Konven&shy;tiona&shy;lität, die diese Art von Aus&shy;drücken eigent&shy;lich zu [[#Symbolhaftigkeit und Bedeu&shy;tungs&shy;konven&shy;tionen|Symbo&shy;len]] im Sinne von Peirce werden lässt, bleibt ihnen ein Moment an Inde&shy;xika&shy;lität wesent&shy;lich, weshalb man auch von ‘inde&shy;xika&shy;lischen Aus&shy;drücken’ spricht.<ref>Sprach&shy;phi&shy;lo&shy;so&shy;phisch ist In&shy;de&shy;xi&shy;ka&shy;li&shy;tät zu&shy;dem im Fal&shy;le von [[Metonymie|Me&shy;to&shy;ny&shy;men]] wirk&shy;sam: Wenn ein Gan&shy;zes über (Be&shy;zeich&shy;nun&shy;gen für) ei&shy;nes sei&shy;ner Tei&shy;le an&shy;ge&shy;spro&shy;chen wird, liegt of&shy;fen&shy;sicht&shy;lich eben&shy;falls ei&shy;ne ent&shy;spre&shy;chen&shy;de Nä&shy;he-&#8203;Be&shy;zie&shy;hung zwischen Zei&shy;chen&shy;trä&shy;ger (Teil) und da&shy;mit Be&shy;zeich&shy;ne&shy;tem (Gan&shy;zes) vor.</ref>
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Einen weiteren Sonderfall indexikalischer Zeichen stellen [[Fotografie|Photographien]] (und die Produkte verwandter technischer Bildgebungsverfahren) dar: Offenkundig beruhen die hier betrachteten Produktionsverfahren für Zeichenträger darauf, dass eine mehr oder weniger lange, aber durchgehende Kette streng kausaler, physikalisch-chemischer Schritte den Zeichenträger automatisch aus dem Bezeichneten (‘Abgebildeten’) ableiten.<ref>Vgl. hierzu auch die Diskussion im Glossarbeitrag&#8203; «[[Digitales Bild#Zu a. (Nicht-)​Inde­xika­lität|Digitales Bild]]»&#8203; zu deren (Nicht-)&#8203;Indexikalität.</ref> Obwohl als Bilder eigentlich den [[#Ikonizität und Ähnlich&shy;keiten|ikonischen]] Zeichen zuzuordnen, schwingt zumindest bei dieser Untermenge auch Indexikalität in ihrem Begriff mit.<ref>Eine analoge Argumentation gilt für “Tonkonserven”: Auch diese beinhalten offensichtlich stets sowohl ikonische als auch indexikalische Momente. </ref>
Einen weiteren Sonderfall indexika&shy;lischer Zeichen stellen [[Fotografie|Photo&shy;graphien]] (und die Produk&shy;te verwand&shy;ter techni&shy;scher Bildge&shy;bungsver&shy;fahren) dar: Offen&shy;kundig beru&shy;hen die hier betrach&shy;teten Produk&shy;tionsver&shy;fahren für Zeichen&shy;träger darauf, dass eine mehr oder weni&shy;ger lange, aber durchge&shy;hende Kette streng kausa&shy;ler, physi&shy;kalisch-&#8203;chemi&shy;scher Schritte den Zeichen&shy;träger auto&shy;matisch aus dem Bezeich&shy;neten (‘Abge&shy;bilde&shy;ten’) ablei&shy;ten.<ref>Vgl. hier&shy;zu auch die Dis&shy;kus&shy;si&shy;on im Glos&shy;sar&shy;bei&shy;trag&#8203; «[[Digitales Bild#Zu a. (Nicht-)​Inde­xika­lität|Di&shy;gi&shy;ta&shy;les Bild]]»&#8203; zu de&shy;ren (Nicht-)&#8203;In&shy;de&shy;xi&shy;ka&shy;li&shy;tät.</ref> Obwohl als Bilder eigent&shy;lich den [[#Ikonizität und Ähnlich&shy;keiten|iko&shy;nischen]] Zeichen zuzu&shy;ordnen, schwingt zumin&shy;dest bei dieser Unter&shy;menge auch Inde&shy;xika&shy;lität in ihrem Begriff mit.<ref>Ei&shy;ne ana&shy;lo&shy;ge Ar&shy;gu&shy;men&shy;ta&shy;ti&shy;on gilt für tech&shy;nisch er&shy;zeug&shy;te  “Ton&shy;kon&shy;ser&shy;ven”: Auch die&shy;se be&shy;in&shy;hal&shy;ten of&shy;fen&shy;kun&shy;dig stets so&shy;wohl iko&shy;ni&shy;sche als auch in&shy;de&shy;xi&shy;ka&shy;li&shy;sche Mo&shy;men&shy;te. </ref>


===Symbolhaftigkeit und Bedeu&shy;tungs&shy;konven&shy;tionen===
===Symbolhaftigkeit und Bedeu&shy;tungs&shy;konven&shy;tionen===
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* [[Kontext]]
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* [[Linguistic turn, pictorial turn, medial turn]]
* [[Linguistic turn, pictorial turn, medial turn]]
* [[Metonymie]]
* [["natürliche" Bilder]]
* [["natürliche" Bilder]]
* [[Nomination]]
* [[Nomination]]

Version vom 27. Dezember 2013, 18:19 Uhr

Unterpunkt zu: Zeichentheorien: Übersicht


Einteilung der Zeichen bei Peirce

Ab­bil­dung 1: Klei­ne Über­sicht über die drei­fa­che Ba­sis-​Drei­tei­lung der Peir­ce­schen Zei­chen­be­grif­fe

Charles S. Peirce (1839-​1914) gilt als ei­ner der Grün­dungs­vä­ter der mo­der­nen Zei­chen­the­o­rie. Auf ihn geht auch ei­ne dif­fe­ren­zier­te Ein­tei­lung der Zei­chen­ar­ten zu­rück (Abb. 1), von der zu­min­dest ein Teil sehr wei­te Ver­brei­tung ge­fun­den hat. Grob skiz­ziert un­ter­schei­det Peirce drei zei­chen­re­le­van­te Ebe­nen, die un­ge­fähr mit der Ein­tei­lung in Prag­ma­tik, Se­man­tik und Syn­tax über­ein­stim­men. In je­der die­ser Ebe­nen setzt er ei­ne wei­te­re Drei­tei­lung an. Syn­tak­tisch dif­fe­ren­ziert Peirce Zei­chen in​​​ »Sin­zei­chen«,​​​ »Le­gi­zei­chen«​ und​ »Qua­li­zei­chen«,​ wäh­rend​​​ »The­ma«,​ »Rhe­ma«​ und​ »Di­cent«​ prag­ma­ti­sche​ (wir­kungs­be­zo­ge­ne) Zei­chen­­un­ter­ka­te­go­ri­en bil­den.[1]

Es ist vor allem die seman­tische Ebe­ne, deren Peirce­sche Dreitei­lung unter Semio­tikern und Theore­tikern benach­barter Diszi­plinen, wie Sprach­philo­sophie und Kunstge­schichte, machtvoll nachwirkt und nicht zuletzt in seinem Begriff der Iko­nizi­tät für die Bildthe­orie große Rele­vanz aufweist.[2]


Semantische Dreiteilung: Eigenheiten der Bedeu­tungsbe­ziehung

Da sie auf die semantische Ebene fokus­siert sind, diffe­renzie­ren die Peirce­schen Zeichen­kate­gorien​​​ »Index«,​ »Ikon«​ und​​​ »Symbol«​ die Klasse der Zeichen gemäß dem Charak­ter der Bezie­hung, die zwischen dem Zeichen­träger und dem damit Bezeich­neten besteht (in Abb. 1 als ‘Objekt­bezug’ charak­teri­siert). Diese “Objekt”­bezie­hung gilt als konsti­tutiv für die Bedeu­tung, die dem Zeichen­träger zuge­schrieben wird.[3] Genau genom­men handelt es sich bei den drei Kate­gorien um Ideal­typen; in konkre­ten Fällen wirken die zuge­höri­gen Bedeu­tungsre­latio­nen oft auf kompli­zierte Weise zusam­men (vgl. das ausführ­liche Beispiel unten).

Ikonizität und Ähnlich­keiten

Der Peircesche Ausdruck ‘Ikon’ (Plural: ‘Iko­ne’),[4] der seine altgrie­chische Wurzel (εἰκών, etwa ‘Abbild’) ganz offen­sichtlich sowohl mit der mittel­alter­lich-​reli­giösen Iko­ne als auch mit dem engli­schen Leihwort ‘Icon’ des Infor­mations­zeital­ters (dazu ⊳ Bilder­schrift und Pikto­gramm) teilt, mit beidem aber nicht verwech­selt werden sollte, bezeich­net solche Zeichen, deren Bedeu­tungs­bezie­hung sich einer Ähnlich­keitsre­lation zwischen Zeichen­träger und Bezeich­netem verdankt (vgl. [Peirce 1983a]Peirce, Charles S. (1983): Phänomen und Logik der Zeichen. Suhrkamp, Frankfurt/M.
Nicht angezeigt: hg. u. übers. v. Helmut Pape
: S. 64). Dies trifft unter ande­rem auf “natür­liche” Bilder (Spiegel­bild) wie auch “norma­le” abbil­dende Bilder (Phantom­skizze),[5] auf “Foleys” (von einem Geräu­schespe­zialis­ten für Hörspiel, Film oder Compu­terspiel erzeug­te “Geräusch­attrap­pen”) und synthe­tische Gerü­che (künstli­ches Erdbeer­aro­ma), sowie im sprachli­chen Bereich auf ono­mato­poeti­sche Wörter (‘Kuckuck’), form-​iko­nische Aus­drücke (‘T-Träger’) und – in gewis­ser Weise – auf Meta­phern (“Sprachbil­der”) zu.

Ab­bil­dung 2: Skiz­ze zu ver­schie­de­nen Ähn­lich­keits­kon­zep­ti­o­nen: (a) “Selbst­ähn­lich­keit” als Exem­pli­fi­ka­tion (ge­nui­nes Ikon bei Peirce: ‹Hirsch exem­pli­fi­ziert Ge­weih­för­mig­keit›); (b) on­to­lo­gi­scher Ähn­lich­keits­be­griff; (c) epis­te­mi­scher Ähn­lich­keits­be­griff; (d) hand­lungs­the­o­re­ti­scher Ähn­lich­keits­be­griff

Tat­säch­lich lie­gen bei Peirce ech­te (ge­nu­i­ne) Iko­ne nur dann vor, wenn man ei­ne Ei­gen­schaft ei­nes (als Zei­chen­trä­ger) wahr­ge­nom­me­nen Ge­gen­stands da­zu be­nutzt, sich (oder ei­nen an­de­ren) auf eben die­se Ei­gen­schaft auf­merk­sam zu ma­chen – wenn al­so, in Good­mans Be­griff­lich­keit, ei­ne Ex­em­pli­fi­ka­ti­on vor­liegt.[6] Zei­chen, bei de­nen we­gen ge­teil­ter Ei­gen­schaf­ten ein Ge­gen­stand auf ei­nen an­de­ren Ge­gen­stand ver­weist, be­zeich­net Peirce ge­nau­er als ‘Hy­po­iko­ne’ (auch ‘de­ge­ne­rier­te Iko­ne’ [Peirce 1998a]Peirce, Charles S. (1998): Collected Papers, Vol. 2: Elements of Logic. Thoemmes, Bristol.
Nicht angezeigt: ed. by Charles Hartshorne and Paul Weiss
, §276). Doch hat sich ge­nau die­se ab­ge­lei­te­te Cha­rak­te­ri­sie­rung für den in der Se­mi­o­tik zu­meist ver­wen­de­ten Be­griff​ »Ikon«​ durch­ge­setzt. Of­fen bleibt da­bei zu­nächst, wel­che Kon­zep­ti­on ei­gent­lich von​ »Ähn­lich­keit«​ zu ver­wen­den ist. Geht man von ei­nem “on­to­lo­gisch” ge­fass­ten Ähn­lich­keits­be­griff aus, so stellt die Ähn­lich­keits­be­zie­hung eine “an sich” be­ste­hen­de Re­la­tion zwischen zwei Ge­gen­stän­den dar, die nicht von spe­zi­fi­schen Wahr­neh­mungs- und Er­kennt­nis­fä­hig­kei­ten ei­nes über Ähn­lich­keit Ur­tei­len­den ab­hängt. Ein “epis­te­misch” ge­fass­ter Ähnlich­keitsbe­griff würde hinge­gen auf das zurück­greifen, was einem bestimm­ten Betrach­ter[7] als ähnlich erscheint. Nur inso­fern sich ein Teil der (als objek­tiv oder subjek­tiv gefass­ten) “Eigen­schafts­struktur” eines Dings in der Eigen­schafts­struktur eines ande­ren Dings spiegelt, kann dieses als iko­nisches Zeichen für jenes verwen­det werden – und umge­kehrt.[8] Bei einem “beha­vioris­tischen” (genauer: handlungs­theore­tischen) Ähnlich­keitsbe­griff verschiebt sich der Fokus darauf, dass ein Beobach­ter beur­teilt, ob ein beobach­tetes Wesen in seinem Verhal­ten Anlass zu der Behaup­tung gibt, etwas als etwas ande­rem ähnlich erkannt zu haben.[9] Diese Ansät­ze tragen dem Sachver­halt Rechnung, dass intro­spekti­ve Begrün­dungen für Ähnlich­keitszu­schreibun­gen allei­ne nicht ausrei­chen, um über Iko­nizi­tät inter­sujek­tiv Einig­keit zu errei­chen (vgl. [Schirra & Sachs-Hombach 2013a]Schirra, Jörg R.J. & Sachs-Hombach, Klaus (2013): The Anthropological Function of Pictures. In: Sachs-Hombach, K. & Schirra, J.R.J. (Hg.), Origins of Pictures. Anthropological Discourses in Image Science. Halem, Köln.
).[10]

Im Prinzip genügt jeweils bereits eine einzi­ge (objek­tive bzw. subjek­tive) Eigen­schaft, die – neben belie­big vielen diffe­rieren­den – von den betrach­teten Gegen­ständen geteilt wird, um die Iko­nizi­tät einer Zeichen­bezie­hung zwischen jenen zu gewähr­leisten. Je größer die Ähnlich­keit, desto stärker ist die Iko­nizi­tät, wenn der eine Gegen­stand als Zeichen für den ande­ren betrach­tet wird. Proble­me erge­ben sich hinge­gen, wenn alle Eigen­schaften über­einstim­men: Als im engen Sinne​ »ähnlich«​ werden übli­cherwei­se zwei Gegen­stände nur dann betrach­tet, wenn es mindes­tens auch eine Eigen­schaft gibt, in der sie sich nicht gleichen.[11]

Indexikalität und raumzeitliche Zu­sammen­hänge

Von einem ‘Index’ (Plural ‘Indi­zes’) spricht Peirce bei einem Zeichen, dessen Träger aufgrund seines raumzeit­lichen und insbe­sonde­re kausa­len Zusam­menhangs mit dem Bezeich­neten als Zeichen für letzte­res verwen­det wird (vgl. [Peirce 1983a]Peirce, Charles S. (1983): Phänomen und Logik der Zeichen. Suhrkamp, Frankfurt/M.
Nicht angezeigt: hg. u. übers. v. Helmut Pape
: S. 65): wenn also beispiels­weise Rauch das Zeichen für Feuer oder rote Haut­flecken das Zeichen für (eine Infek­tion mit) Masern bilden. Alles was in den entspre­chenden Natur­wissen­schaften von Physik bis Medi­zin als Auswir­kung, Anzei­chen oder Symptom für ein Phäno­men X gilt, stellt mithin auch einen Peirce­schen Index für X dar.[12] Genau genom­men verweist ein inde­xika­lisches Zeichen daher weni­ger auf einen ande­ren Gegen­stand als vielmehr auf die Anwe­senheit eines ande­ren Gegen­stands in direk­ter Nähe zum Zeichen­träger. Das unter­scheidet Indi­zes deutlich von den beiden ande­ren Zeichen­arten, die eher dazu verwen­det werden, Abwe­sendes zu bezeich­nen.[13] Was genau als »Nähe zum Zeichen­träger« zu verste­hen ist kann dabei aller­dings von verschie­denen Fakto­ren abhän­gen. Bei einer Spur etwa kann die zeitli­che Koin­zidenz mehr oder weni­ger stark in die Vergan­genheit ausge­dehnt sein: Der die Spur erzeu­gende Hase beispiels­weise mag längst über alle Berge sein, wenn der Jäger sie als inde­xika­lisches Zeichen für den Hasen (oder genau­er seine Anwe­senheit) nutzt. Kausal­ketten können zu einer fast belie­big großen räumli­chen Ausdeh­nung der zu betrach­tenden Nähe-​Region beitra­gen. Wesent­lich ist für Inde­xika­lität, dass der Bereich, den der Zeichen­nutzer als (erwei­tertes) “Hier und Jetzt” betrach­tet, neben dem Zeichen­träger stets auch das Bezeich­nete enthält, so dass man gewis­serma­ßen auch mit dem Finger darauf deuten könnte.[14]

Zu beachten ist allerdings, dass die Defi­nition der Inde­xika­lität nicht notwen­dig von einer natür­lichen Bezie­hung zwischen Zeichen­träger und Bezeich­netem ausgeht: Auch das Ortsein­gangsschild am Rand einer Stadt steht in direk­ter, wenn auch absicht­lich erzeug­ter raumzeit­licher Bezie­hung zu dem Bezeich­neten (eben dem Rand jener Stadt). Gleiches gilt für das auf dieser Glossar­seite links oben gezeig­te Logo (das markiert: ›dies ist eine Seite des Glossars der Bildphi­loso­phie‹), die farbli­chen Markie­rungen, die in diesem Glossar­text anzei­gen, an welchen Stellen durch Mausklick eine ande­re Seite erreicht werden kann, oder auch gene­rell Pfeile und Zeiger. Nicht alle Indi­zes sind mithin auch Sympto­me im engen (physi­kalisch-​kausa­len) Sinn, oder, wie es dann auch heißt: ‘natür­liche Indi­zes’. Im Gegen­satz zu den natür­lichen ist die raumzeit­liche Bezie­hung, die zwischen Zeichen­träger und Bezeich­netem vermit­telt, bei den künstli­chen Indi­zes mit Absicht erzeugt – Inten­tiona­lität ersetzt also in diesen Fällen Kausa­lität.[15] Gleichwohl besteht die seman­tische Pointe auch bei dieser Unter­klasse darin, dass allein die raumzeit­liche Nähe bereits die Bedeu­tung des Zeichens bei der Verwen­dung zu indu­zieren scheint.

Sprachliche Ausdrücke, wie insbe­sonde­re ‘hier’ und ‘jetzt’, aber auch ‘ich’, ‘wir’, ‘du’, ‘ihr’ hängen in ihrer jewei­ligen Bedeu­tung eben­falls stark ab vom Kontext ihrer Verwen­dung: Die raumzeit­liche Bezie­hung zu Ort und Zeit ihrer Äuße­rung bestimmt, welcher Ort mit ‘hier’, welche Person mit ‘du’ gemeint ist. Gleiches gilt natür­lich auch für ‘içi’ oder ‘here’, für ‘tu’ oder ‘you’ – um nur zwei ande­re euro­päische Sprachen als Beispiele zu bemü­hen. Neben aller Konven­tiona­lität, die diese Art von Aus­drücken eigent­lich zu Symbo­len im Sinne von Peirce werden lässt, bleibt ihnen ein Moment an Inde­xika­lität wesent­lich, weshalb man auch von ‘inde­xika­lischen Aus­drücken’ spricht.[16]

Einen weiteren Sonderfall indexika­lischer Zeichen stellen Photo­graphien (und die Produk­te verwand­ter techni­scher Bildge­bungsver­fahren) dar: Offen­kundig beru­hen die hier betrach­teten Produk­tionsver­fahren für Zeichen­träger darauf, dass eine mehr oder weni­ger lange, aber durchge­hende Kette streng kausa­ler, physi­kalisch-​chemi­scher Schritte den Zeichen­träger auto­matisch aus dem Bezeich­neten (‘Abge­bilde­ten’) ablei­ten.[17] Obwohl als Bilder eigent­lich den iko­nischen Zeichen zuzu­ordnen, schwingt zumin­dest bei dieser Unter­menge auch Inde­xika­lität in ihrem Begriff mit.[18]

Symbolhaftigkeit und Bedeu­tungs­konven­tionen

Ikone gleichen Indizes in einer wichtigen Hinsicht, in der die dritte semantische Zeichenkategorie von Peirce abweicht: Wegen des direkt erkennbaren Zusammenhangs zwischen Zeichenträger und Bezeichnetem scheint die Bedeutung des Zeichens nicht erst durch einen geeigneten Taufakt etabliert werden zu müssen. Indizes und Ikone funktionieren ohne vorangehende Festlegung einer entsprechenden Bedeutungskonvention. Das gilt für viele der von uns im Alltag verwendeten Zeichengebräuche keineswegs, wie jeder leicht selbst feststellen kann, wenn er eine fremde Sprache erlernen will. Zeichen, deren Bedeutungsbeziehung mithilfe einer Konvention festgelegt werden müssen, nennt Peirce ‘Symbole’ (vgl. [Peirce 1983a]Peirce, Charles S. (1983): Phänomen und Logik der Zeichen. Suhrkamp, Frankfurt/M.
Nicht angezeigt: hg. u. übers. v. Helmut Pape
: S. 65ff.).[19]

Abbildung 3: Skizze zum Problem um die Ausdrücke ‘Zeichen’ und ‘Symbol’

Dieser Wortgebrauch differiert deutlich von einer anderen, vor allem im deutschsprachigen Raum verbreiteten (auch von Saussure benutzten) Kon­ven­tion, die dem ‘Zeichen’ das ‘Symbol’ gegenüberstellt, wobei ‘Symbol’ in diesem Sinn häufig synonym zu ‘Sinnbild’ ge­braucht wird.[20] Markiert man die unterschiedlichen Wortgebräuche mit den Indizes ‘D’ (deutsch) und ‘P’ (Peirce), so ergibt sich (Abb. 3):​ »SymboleD«​ sind gerade keine​ »ZeichenD«,​ während​ »SymboleP«​ eine Unterart von​ »Zei­chenP«​ sind; des weiteren entsprechen​ »SymboleP«​ weitgehend​ »Zei­chenD«,​ während​ »SymboleD«​ in etwa den Peirceschen​ »Iko­nen«​ entsprechen, also zwar keine​ »ZeichenD«,​ wohl aber​ »Zei­chenP«​ sind.[21] Es empfiehlt sich daher, – besonders in der bildwissenschaftlichen Dikussion – sehr genau darauf zu achten, in welcher Bedeutung die Ausdrücke ‘Zeichen’ und ‘Symbol’ jeweils verwendet werden.[22]

Eine konventionelle Bedeutungszuschreibung liegt im Übrigen nicht nur dann vor, wenn eine Regel, auf die man sich im Zweifelsfall berufen kann, ausdrücklich festgelegt wird (Taufakt im weiten Sinn). Es kann sich auch um historisch gewachsene Gewohnheiten oder stillschweigende (implizite) Übereinkünfte handeln, wie sie bei den meisten Zeichen der “natürlichen” Sprachen, etwa den Wörtern und Sätzen des Deutschen, vorliegen. Hier existieren keine vorweisbaren Situationen mit entsprechenden bedeutungs­stiftenden Akten, auf die man beim Verdacht einer falschen Verwendungsweise des symbolischen Zeichens verweisen könnte. Zudem wirken in aller Regel die sozialen Mecha­nismen, die zur Bildung der Tradition beitragen haben, immer weiter, weswegen sich die Tradi­tionen konti­nuierlich “unter der Hand” ändern​ (»Sprachwandel«).​ Im Gegensatz zu den tradierten Bedeutungskonventionen können ausdrück­lich verein­barte Zeichen­bedeu­tungen hingegen nur wieder durch weitere ausdrück­liche Verein­barungen der betroffenen Zeichen­nutzer verändert werden.[23]

Obwohl verwandt sollten die Begriffe​ »Konven­tion«​ und​ »Will­kür­lich­keit«​ (auch​ »Arbi­trari­tät«)​ in diesem Zusam­menhang nicht mitein­ander verwech­selt werden: Auch tradierte Konven­tionen sind in der Regel auf die eine oder andere Weise motiviert und nicht rein willkürlich.[24] Und selbst die an sich frei verfügbaren Assoziationsmöglichkeiten werden bei explizit vereinbarten Konventionen aus guten (etwa mnemotechnischen) Gründen kaum je wirklich ausgeschöpft. Historisch bildete zwar die Frage nach der Willkürlichkeit der Bedeutungsbeziehung in Gestalt der phýsei/thései-Debatte in der griechischen Antike den wesentlichen Ausgangspunkt für die sukzessive Differenzierung möglicher Objektrelationen bis hin zu Peirce (und darüber hinaus). Doch ergab sich im Verlauf dieser begrifflichen Entfaltung, dass es weniger um die Frage nach einer natürlich (sprich: unabhängig von Zeichenverwendern) bestehenden Beziehung zwischen Zeichen(träger) und Bezeichnetem geht, als vielmehr um verschiedene Möglichkeiten, Aspekte eines als Zeichenträger verwendeten Objekts in das komplexe Geschehen von Zeichenhandlungen zu integrieren (vgl. [Trabant 1996a]Trabant, Jürgen (1996): Elemente der Semiotik. Franke, Tübingen.
, Abschn. II.4).[25]

Ein Beispiel für diesen Zusammenhang kann man in der Diskussion um die Perspektive als einer symbolischen Form[26] “sehen” (vgl. [Panofsky 1924a]Panofsky, Erwin (1998): Die Perspektive als symbolische Form (1924). In: Michels, K. & Warnke, M. (Hg.), Erwin Panofsky, Deutschsprachige Aufsätze, Bd. 2. Akademie, Berlin.
Nicht angezeigt: Erstpublikation in: <em>Vorträge der Bibliothek Warburg (1924/25)</em>. Leipzig, 1927, 258-330
). Zwar scheinen zentralperspektivische Konstruktionen in einer quasi kausalen Ableitung besonders natürlich wirkende Bildzeichen zu erzeugen. Doch um diese Zeichen geht es nun gar nicht. Vielmehr ist die Konstruktion selbst – als Zeichen für das jene Natürlichkeit allererst begründende Sehen genommen – nur eine (historisch gewachsene) Möglichkeit unter vielen anderen; eine Möglichkeit, die, da sie ein einäugiges, simultanes Sehen mit starrem Blick unterstellt, trotz aller ikonischer Anteile (d.h. bestehenden Ähnlichkeiten zur Bedeutung dieses Zeichens, dem zweiäugigen, sakkadischen Sehen mit beweglichen Augen) auch stark von tradiert-konventionellen Faktoren abhängt: der Konvention nämlich, dass eben auf genau diese Weise das Sehen darzustellen sei (vgl. [Cassirer 1930a]Cassirer, Ernst (2004): Mythischer, ästhetischer und theoretischer Raum (1930). In: Recki, B. (Hg.), Ernst Cassirer: Gesammelte Werke, Bd. 17. Meiner, Hamburg.
).


Zur Anwendung auf Bilder: Ein (kom­ple­xes) Beispiel

Nach diesen Prämissen sind Bilder häufig als der Prototyp des ikonischen Zeichens interpretiert und gelegentlich sogar mit dem Ikon überhaupt verwechselt worden [...] Es gibt aber Bilder, die in größerem Maße ikonisch, solche, die eher indexikalisch, und andere, die überwiegend symbolisch sind. Das Kriterium des Anteils an ikonischen, indexikalischen und symbolischen Elementen erlaubt es, in der Kulturgeschichte des Bildes drei Prototypen zu bestimmen. Prototyp des ikonischen Bildes ist danach nicht die gegenständliche, sondern vielmehr die nichtgegenständliche, die abstrakte Malerei. Prototyp des indexikalischen Bildes sind ebenso die Photographie wie die gegenständliche Malerei, und Prototyp des symbolischen Bildes ist die ikonologisch beziehungsweise ikonographisch kodifizierte Malerei. ([Nöth 2009]Der Eintrag existiert noch nicht., S. 243f.)

Aus bildwissenschaftlicher Perspektive spielen Ikonizität (insofern »Bild« und »Ähnlichkeit« zusammenhängen) und Indexikalität (vor allem bei den kausalen Bildgebungsverfahren) die grössere, aber keineswegs die alleinige Rolle. Auch bei Bilverwendungen treten zahlreiche symbolische Aspekte auf. Nöths Zuordnung der ikonischen Prototypikalität mit der nichtgegenständlichen Malerei in obigem Zitat mag zunächst verwundern, ist aber dem Umstand geschuldet, dass er die beiden Pole der Assoziation auf je spezielle Weise interpretiert: Mit solchen Bildträgern würde erstens nämlich nur auf eine Eigenschaft des jeweiligen Bildträgers verwiesen, was zweitens eben genau dem ursprünglichen Peirceschen genuinen Ikon entspricht. Allerdings sind einerseits andere Interpretationen des Phänomens ungegenständlicher Bilder möglich (⊳ Bild in reflexiver Verwendung, Abschnitt «Zusammenhänge mit anderen Begrif­fen»), und andererseits eine weiter gefasste Verwendungsweise von ‘Ikon’ bildphilosophisch durchaus üblicher. In der Praxis dürften prototypische Fälle von Ikonizität, Indexikalität oder Symbolhaftigkeit in der Tat weder bei Bildern noch auch bei anderen Zeichentypen häufig auftreten. Mischformen dominieren unseren Bild(Zeichen)gebrauch.

Abbildung 4: Ein Schatten in Hiroshima — 6. August 1945, 8:15

Die Anwendung der drei Aspek­te auf ein konkretes Beispiel mag besser verdeut­lichen, wie vielfäl­tig die seman­tischen Re­la­tio­nen letztendlich für einen einzigen Bildträger zusam­menwir­ken: Abbil­dung 4 gibt das Schwarz-​Weiß-​Photo eines unbe­kannten Photo­graphen wieder, das vermut­lich in den letzten Tagen des Jahres 1945 aufge­nommen wurde und im Hiro­shima Peace Memo­rial Muse­um aufbe­wahrt wird. Zu sehen sind zwei Stufen einer steiner­nen Treppe, die zum Eingang des Gebäu­des der Sumi­tomo-​Bank im Zentrum der japa­nischen Stadt Hiro­shima führt, sowie ein kleiner Ausschnitt der Wand des Gebäudes. Auf den Treppen­stufen zeichnen sich schwärzli­che Spuren im perspek­tivisch verzerr­ten Umriß eines menschli­chen Körpers ab. Es wird angenommen, dass sie entstanden sind, als am 6. August 1945 um 8 Uhr 15 eine Atombombe die Stadt zerstörte und Druck, Hitze und Strahlung die verglühenden Überreste einer Person, die zufällig zu diesem Zeitpunkt vor dem Gebäude auf den Stufen stand, in den Stein eingebrannt haben.

Ikonizität, Indexikalität und Symbol­haftigkeit der Beispiel­photographie

Wegen der längeren, aber durchweg kausalen Kette von optischen, photochemischen und digitaltechnischen Transformationen, die den hier betrachteten Zeichenträger mit der Aufnahmesituation in Hiroshima zu einem unbekannten Zeitpunkt kurz nach der Bombenexplosion verbinden, hat das damit verwendete Zeichen offensichtlich Index-Charakter. Da zudem eine visuelle Ähnlichkeit zu den tatsächlichen Treppenstufen in Japan besteht, ist auch ein deutlicher ikonischer Anteil gegeben. Symbolhaftigkeit tritt hinzu, weil die Signifikanz dieses Bildes erst klar werden kann, wenn man es in seinen historischen Kontext einordnen kann: Zwar ist – ikonisch – eine Art menschlicher Schatten zu sehen, der – indexikalisch – als Teil einer real in Raum und Zeit existierenden (d.h. mit dem Hier und Jetzt der Rezeptionssituation kausal verbundenen) Szene verstanden wird, doch dass diese Photographie etwa auch als Zeichen für die schreckliche Gewalt einer Atombombenexplosion über bewohntem Gebiet dienen mag, erschließt sich nur in einem durch Konventionen etablierten Verständnisrahmen.

Ikonizität, Indexikalität und Symbol­haftigkeit des abgebildeten “Schattens”

Tatsächlich lassen sich Ikonizität, Indexikalität und Symbolhaftigkeiten in diesem Beispiel (wie übrigens bei fast allen Bildern) auch noch auf einer zweiten Ebene anwenden: Denn auch der “Schatten” selbst wird in der Regel ja zeichenhaft gelesen. Als Symptom der ihn verursachenden Explosion kann er als Index für alle der in der zu ihm führenden Kausalkette enthaltenen Faktoren verwendet werden: Dominant in dieser Hinsicht sind sicherlich die Person, die in jenem verhängnisvollen Augenblick an jener Stelle stand, die Strahlungen, die in jenem Moment den Schatten in den Stein brannten, sowie das Ereignis, das die Strahlung ausgelöst hat: die Explosion von «Little Boy».[27] Voraussetzung für eine solche indexikalische Zeichenverwendung mit einer dieser Bedeutungen ist die Einbettung des “Schattens” in eine kommunikative Interaktion (inklusive Selbstdarstellung des Senders) mit bewusster Kontrolle des kommunikativen Zwecks der Handlung (Reflexivierung inklusive Antizipation des Kommunikationspartners; ⊳ Bildrezeption als Kommunikationsprozess). Diese Bedingung ist auch erfüllt, wenn sich jemand selbst vor Ort mithilfe des “Schattens” auf die entsprechende Ursache aufmerksam macht.

Insofern der “Schatten” eine gewisse Ähnlichkeit mit jenem Menschen hat, kann er zudem als ein ikonisches Zeichen für jenen stehen. Auch hier ist die Einbettung in den komplexen Handlungszusammenhang einer Zeichenverwendung Voraussetzung. Analog zur Verlängerung der indexikalischen Aspekte des Dargestellten durch die Indexikalität der Darstellung “verlängert” die Ikonizität des Bildes die ikonischen Aspekte des im Bild Dargestellten.[28]

Als einem symbolischen Zeichen kann man sich dem “Schatten” schließlich zuwenden, wenn man damit etwa die eigene Aufmerksamkeit oder die eines anderen absichtlich auf den Sachverhalt lenken möchte, dass die Menschheit mit der in Hiroshima erstmals grauenvoll demonstrierten Fähigkeit, Atombomben über bewohnten Städten explodieren zu lassen, eine gefährliche Grenze überschritten hat.

Ikonizität, Indexikalität und Symbol­haftigkeit des reflexiv genutzten Photos

Eine dritte Bedeutungsebene ergibt sich, wenn wir in Betracht ziehen, dass jedes Bild auch dazu benutzt werden kann, als Zeichen für einen Aspekt des Zeichengebrauchs selbst zu dienen (⊳ Bild in reflexiver Verwendung). Eben dies ist ja unter anderem in diesem Glossarartikel mit dem Zeichenträger aus Abbildung 4 geschehen. Auch auf dieser Ebene können die drei Arten von Objektbezügen auftreten:

  • Ikonizität als Exemplifikation einer konkreten Eigenschaft des aktuellen Zeichenhandlungsschemas: Z.B. kann mithilfe des Bildträgers darauf aufmerksam gemacht werden, dass die Bedeutungen jeder seiner Zeichenverwendungen ikonische, indexikalische und symolische Aspekte umfasst, indem eben diese Eigenschaft am Exempel demonstriert wird.
  • Indexikalität als Verweis auf die gerade im Kontext ablaufende Zeichenhandlungsinstanzen und ihre Eigenheiten: So kann sich ein Leser dieses Text-Bild-Ensembles etwa mithilfe des Zeichenträgers aus Abbildung 4 darauf aufmerksam machen, dass die Bedeutungen, die er ihm in verschiedenen Instanziierungen der Zeichenhandlung im Verlauf der Lektüre des umgebenden Textes gibt, sich wandeln und etwa mal mehr, mal weniger ikonisch oder indexikalisch bestimmt sind.
  • Symbolhaftigkeit, insofern alle abstrakten Eigenschaften des Zeichenhandlungsschemas, auf die mit der reflexiven Verwendung des Bildträgers verwiesen werden kann, wegen ihrer Abstraktheit konventionell (oder traditionell) etabliert worden sind: Dass eine Bildverwendung Begriffe wie​ »syntaktische Dichte«,​ »genuine Ikonizität«​ oder​ »Ästhetisierung eines Sujets«​ exemplifizieren kann hat stets auch eine regelbezogene Komponente. Das gilt insbesondere für Fälle negativer Exemplifikation, bei denen definitionsgemäß keine ikonischen oder indexikalischen Momente auftreten können.

— In jedem konkreten Gebrauch des in Abbildung 4 wiedergegebenen Zeichenträgers können auf den erwähnten drei Zeichenebenen die drei von Peirce inspirierten Objektbezüge in jeweils verschiedenen Ausprägungen und variierenden Kombinationen die effektive Kommunikation semantisch prägen. Vor diesem Hintergrund ist die Vorstellung von einer einzigen »Bedeutung eines Bildträgers« bestenfalls stark verkürzt und stets abhängig von einer – meist nur implizit – als Standard festgelegten Referenzverwendungsweise, zu der ein Begriff von standardisierten Kommunizierenden mit bestimmtem Hintergrundwissen ebenso wie standardisierte Kommunikationsziele gehören (z.B. ikonische, nicht-reflexive Verwendung). Semiose – bei Peirce als fortlaufende Erzeugung weiterer Interpretanten gedacht, genauer: als Folge (mentaler) Zeichen, die die Bedeutung des ersten Zeichens elaborieren – kann offensichtlich auch noch in einem anderen Sinn verstanden werden: als ein sukzessives Ausarbeiten der verschiedenen Möglichkeiten, einen Zeichenträger als Zeichen zu verwenden.

Für die Frage nach der Identität bildhafter Zeichen verschiebt sich der Fokus von einem am physischen Bildträger orientierten Kriterium zu einem an der jeweiligen Verwendungssituation orientierten Kriterium.

Anmerkungen
  1. ↑ Vgl. [Peirce 1983a]Peirce, Charles S. (1983): Phänomen und Logik der Zeichen. Suhrkamp, Frankfurt/M.
    Nicht angezeigt: hg. u. übers. v. Helmut Pape
    ; sie­he auch: [Birk et al. 2014a]Birk, Elisabeth & Halawa, Mark A. & Mosbach, Doris (2014): Semiotik. In: Netzwerk Bildphilosophie (Hg.), Bild und Methode. Theoretische Hintergründe und methodische Verfahren der Bildwissenschaft. Halem, Köln.
    .
  2. ↑ Ob sich die Be­stim­mung der ent­spre­chen­den Be­grif­fe tat­säch­lich im rein se­man­ti­schen Sinn durch­füh­ren lässt, oder nicht viel­mehr tat­säch­lich not­wen­di­ger Wei­se prag­ma­ti­sche As­pek­te be­rück­sich­tigt wer­den müs­sen, hängt letzt­lich an dem Sta­tus, den man der Se­man­tik re­la­tiv zur Prag­ma­tik zu­schreibt (⊳ Prag­ma­tik, Se­man­tik, Syn­tax, Ab­schnitt «Se­man­tik»).
  3. ↑ Of­fen bleibt an die­ser Stel­le, ob der “Ob­jekt­be­zug” ei­nen Re­fe­ren­ten im en­ge­ren (ex­ten­si­o­na­len) Sinn meint (⊳ Be­deu­tung und Re­fe­renz und No­mi­na­ti­on) bzw. wel­ches Ver­hält­nis zu ei­nem Sach­be­zug im en­gen (pro­po­si­ti­o­na­len) Sinn be­steht. Vgl. auch [Schelske 2000a]Schelske, Andreas (2000): Bedeutung oder Bezeichnung. In: Sachs-Hombach, K. & Rehkämper, K. (Hg.), Vom Realismus der Bilder. Scriptum, Magdeburg.
    .
  4. ↑ Sel­te­ner, und laut Du­den auch nicht ganz kor­rekt, fin­det sich auch die ang­li­sier­te Form ‘Ikons’ als Plu­ral.
  5. ↑ Da die ge­zeich­ne­te Per­son durch­aus fik­tiv sein kann, deu­tet das Bei­spiel​ »Phan­tom­bild«​ zu­gleich an, dass es sich auch um ei­ne nur in­ten­ti­o­na­le Ab­bild­lich­keit han­deln kann.
  6. ↑ Ge­nau aus die­sem Grund gel­ten ge­nu­i­ne Iko­ne Peirce auch als die ein­fach­ste der in Zei­chen vor­kom­men­den Ge­gen­stands­be­zie­hun­gen: Im Ge­gen­satz zu den bei­den an­de­ren Klas­sen rich­tet sich der Blick bei ge­nu­i­nen Iko­nen näm­lich nur auf ei­nen Ge­gen­stand (der “Ei­gen­schafts­trä­ger”), da Zei­chen­trä­ger und Be­zeich­ne­tes in ge­wis­ser Wei­se zu­sam­men­fal­len. Die­se Iden­ti­tät lässt ihn an­de­rer­seits aber auch von ei­nem de­ge­ne­rier­ten Zei­chen spre­chen.
  7. ↑ Der Aus­druck ‘Be­trach­ter’ ist hier na­tür­lich recht weit ge­fasst, da er nicht auf die vi­su­el­le Sin­nes­mo­da­li­tät ein­ge­schränkt ver­wen­det wird.
  8. ↑ Tech­nisch wird oft von ei­ner par­ti­el­len Iso­mor­phie – ei­ner teil­wei­sen Struk­tur­gleich­heit – ge­spro­chen. Da die­ser Typ von Ähn­lich­keits­be­zie­hung of­fen­sicht­lich re­fle­xiv ist, folgt das­sel­be für die Iko­ni­zi­tät: Wenn X ähn­lich zu bzw. iko­ni­sches Zei­chen für Y ist, dann ist auch Y ähn­lich zu bzw. iko­ni­sches Zei­chen für X.
  9. ↑ Die­se um ei­ne Ebe­ne zu­rück­ver­leg­te Be­trach­tung er­laubt ei­ne “Sym­me­trie-​Bre­chung”, denn aus dem Vor­lie­gen sol­cher Grün­de, die B da­für vor­bringt, dass W X für Y ähn­lich hält, folgt eben kei­nes­wegs, dass B auch Grün­de in W’s Ver­hal­ten da­für fin­det, dass W Y für X ähn­lich hält.
  10. ↑ Der Un­ter­schied zwi­schen tie­ri­scher Ge­gen­stands­wahr­neh­mung und mensch­li­cher Ge­gen­stands­wahr­neh­mung lässt sich (u.a. bei hand­lungs­the­o­re­ti­scher Be­trach­tung) auch da­rauf zu­rück­füh­ren, dass bei letz­te­rer prin­zi­pi­ell und da­her un­ab­trenn­bar ei­ne re­flek­tie­ren­de Dis­tanz zum Wahr­neh­men tritt: Das mensch­li­che Ge­gen­stands­se­hen ist im­mer ein »sich selbst zu se­hen ge­ben« (wo­bei der da­bei in der Er­läu­te­rung ver­wen­de­te Aus­druck ‘se­hen’ auf die tie­ri­sche, d.h. nicht re­flek­tier­te Ver­si­on be­zo­gen bleibt; ⊳ Se­hen; vgl. auch Sor­ta­le Ge­gen­stän­de und In­di­vi­du­a­ti­on und De­zep­ti­ver und im­mer­si­ver Mo­dus). In der Fol­ge ist dann die Re­de da­von, dass Men­schen se­hen, in­dem sie sich – sich selbst ge­gen­über – als Se­hen­de dar­stel­len.
  11. ↑ Ob je­der Ge­gen­stand als sich selbst ähn­lich ver­stan­den wer­den soll­te, ob der Be­griff​ »Ähn­lich­keit«​ al­so als Be­griff ei­ner re­fle­xi­ven zwei­stel­li­gen Re­la­ti­on an­ge­setzt wer­den soll­te, ist um­strit­ten (vgl. etwa [Goodman 1970a]Goodman, Nelson (1970): Seven Strictures on Similarity. In: Foster, L. & Swanson, J. W. (Hg.), Experience and Theory. University of Massachusetts, Amherst.
    ). Weit­ge­hen­de Ei­nig­keit herrscht hin­ge­gen da­rü­ber, dass ein Zei­chen­trä­ger nur dann Zei­chen­funk­ti­on er­fül­len kann, wenn er nicht mit dem Ge­gen­stand, auf den er ver­weist, iden­tisch ist (vgl. be­reits [Platon 1922a]Platon (1922): Kratylos. Meiner, Leipzig.
    Nicht angezeigt: übersetzt und erläutert von Otto Apelt
    : 432a-c). Peirce etwa bezeich­net ge­nu­i­ne Iko­ne we­gen der Ver­let­zung die­ser Be­din­gung auch als ‘de­ge­ne­rier­te Zei­chen’.
  12. ↑ Vgl. auch Zei­chen, Zei­chen­trä­ger, Zei­chen­sys­tem: An­mer­kung 8. — Da Symp­to­me nicht kri­te­ri­al (al­so we­der hin­rei­chend noch not­wen­dig) für das, was sie an­zei­gen (kön­nen), sind – Rauch kann auch oh­ne Feu­er auf­tre­ten (und Feu­er oh­ne Rauch), so wie ro­te Haut­fle­cken oh­ne Ma­sern­in­fek­ti­on (und Ma­sern­in­fek­ti­o­nen oh­ne das Aus­bil­den von ro­ten Haut­fle­cken) mög­lich sind – kann der In­dex-​Cha­rak­ter ei­nes Zei­chens recht la­bil sein.
  13. ↑ Wie oben er­wähnt stel­len nur ge­nu­i­ne Iko­ne im Peirce­schen Sinn ei­ne Aus­nah­me da­von dar.
  14. ↑ We­gen die­ser Be­son­der­heit spie­len In­di­zes in Tauf­si­tu­a­ti­o­nen, wie sie zur Ein­füh­rung von sym­bo­li­schen Zei­chen ver­wen­det wer­den, ei­ne wich­ti­ge Rol­le. — Die Be­zeich­nung ‘In­dex’ lei­tet sich vom la­tei­ni­schen Wort für Zei­ge­fin­ger ab.
  15. ↑ Die in­ten­ti­ons­ba­sier­ten In­di­zes ste­hen in en­ger Ver­bin­dung zum Be­griff des Zei­gens, d.h. der Dei­xis (›je­mand zeigt je­man­dem et­was‹), wäh­rend die kau­sa­len In­di­zes höch­stens als ein­fa­che Fäl­le von​ »Sich-​Zei­gen«​ (›et­was zeigt sich‹) be­grif­fen wer­den kön­nen.
  16. ↑ Sprach­phi­lo­so­phisch ist In­de­xi­ka­li­tät zu­dem im Fal­le von Me­to­ny­men wirk­sam: Wenn ein Gan­zes über (Be­zeich­nun­gen für) ei­nes sei­ner Tei­le an­ge­spro­chen wird, liegt of­fen­sicht­lich eben­falls ei­ne ent­spre­chen­de Nä­he-​Be­zie­hung zwischen Zei­chen­trä­ger (Teil) und da­mit Be­zeich­ne­tem (Gan­zes) vor.
  17. ↑ Vgl. hier­zu auch die Dis­kus­si­on im Glos­sar­bei­trag​ «Di­gi­ta­les Bild»​ zu de­ren (Nicht-)​In­de­xi­ka­li­tät.
  18. ↑ Ei­ne ana­lo­ge Ar­gu­men­ta­ti­on gilt für tech­nisch er­zeug­te “Ton­kon­ser­ven”: Auch die­se be­in­hal­ten of­fen­kun­dig stets so­wohl iko­ni­sche als auch in­de­xi­ka­li­sche Mo­men­te.
  19. ↑ Das Wort geht auf das griechiche ‘συμβάλλω’ zurück (symbállō – zusammenfügen).
  20. ↑ Vgl. hierzu auch die Anmerkungen zu ‘Sinnbild’ im Artikel​ «Emblem». Eine grobe Übersicht findet sich unter Wikipedia: Symbol.
  21. ↑ Da zudem der wesentliche Unterschied zwischen »ZeichenD«​ und »SymbolenD«​ darin besteht, dass die Bedeutungsrelation bei ersteren als rein willkürlich, bei letzteren hingegen als aus dem Symbolisierten natürlich erwachsende Relation verstanden wird, schließen sich beide wechselseitig aus. Die Peirceschen Begriffsumfänge überlappen sich hingegen.
  22. ↑ Vor diesem Hintergrund mag jemand, der Bilder als (ikonische)​ »ZeichenP«​ betrachtet, schnell in ein Wortgefecht über die Zeichenhaftigkeit von Bildern geraten mit jemandem, der Bilder als​ »SymboleD«​ versteht.
  23. ↑ Als Alternative bleibt allerdings eine Entwicklung von der explizit vereinbarten Konvention zu einer die ursprüngliche “Taufsituation” vergessenden und im Weiteren als rein tradierte Konvention verstandenen Bedeutungs­relation möglich.
  24. ↑ Ein Beispiel für derartige Motivationen ist im Exkurs:Beispiel für motivierte Zeichenkonventionen dargestellt.
  25. ↑ In engem Zusammenhang zur “Willkürlichkeit” von Zeichenträgern für die zugehörigen Bedeutungen steht zudem die Diskussion um die Möglichkeit einer Rückwirkung des Zeichenträgers auf das Verständnis dessen, was dieser Ausdruck bedeutet: Unter der Bezeichnung ‘Prinzip der sprachlichen Relativität’ (auch: ‘Sapir-Whorf-Hypothese’; vgl. Wikipedia: Sapir-Whorf-Hypothese wird die Vorstellung diskutiert, dass die “Weltsicht”, das “Weltbild” einer Sprach- (oder allgemeiner: Zeichen-)gemeinschaft entscheidend durch die von ihren Mitgliedern verwendeten Sprachzeichen bestimmt wird; ⊳ Weltbild, Lebensform & Linguistic turn, pictorial turn, medial turn.
  26. ↑ Cassirer bezeichnet mit dem Ausdruck ‘symbolische Form’ „jede Energie des Geistes [...], durch welche ein geistiger Bedeutungsgehalt an ein konkretes sinnliches Zeichen geknüpft und diesem Zeichen innerlich zugeeignet wird“ ([Cassirer 2009a]Cassirer, Ernst (2009): Der Begriff der symbolischen Form im Aufbau der Geisteswissenschaften. In: Schriften zur Philosophie der symbolischen Formen. Meiner, Hamburg.
    Nicht angezeigt: hrsg. von M. Lauschke
    , S. 67). Der Ausdruck ‘Zeichen’ wird dabei offensichtlich im Sinn von ‘Zeichenträger’ verwendet und ‘Symbol’ (als dritte hier erwähnte Bedeutungsvariante dieses Ausdrucks) analog zu ‘ZeichenP’ (s.o.).
  27. ↑ Wegen der Transitivität der Kausalbeziehung “verlängert” die Photographie als Index die bereits signifikanten Kausalketten der abgebildeten Szene sozusagen bis zum Betrachter.
  28. ↑ Diese Transitivität ist allerdings weniger deutlich ausgeprägt als bei der Kausalität: Wenn A ähnlich zu B ist, B ähnlich zu C und schließlich C ähnlich zu D, folgt bekanntlich keineswegs zwingend, dass A auch ähnlich zu D ist – mit entsprechenden Konsequenzen für die Ikonizität entsprechender Darstellungsbeziehungen (etwa: die Kopie einer Kopie einer Kopie eines Bildes).
Literatur
[Berndt & Drügh 2009a] Berndt, Frauke & Drügh, Heinz J. (Hg.) (2009): Symbol – Grundlagentexte aus Ästhetik, Poetik und Kulturwissenschaft . Suhrkamp, Frankfurt/M.[Birk et al. 2014a]Birk, Elisabeth & Halawa, Mark A. & Mosbach, Doris (2014): Semiotik. In: Netzwerk Bildphilosophie (Hg.), Bild und Methode. Theoretische Hintergründe und methodische Verfahren der Bildwissenschaft. Halem, Köln.[Cassirer 1930a]Cassirer, Ernst (2004): Mythischer, ästhetischer und theoretischer Raum (1930). In: Recki, B. (Hg.), Ernst Cassirer: Gesammelte Werke, Bd. 17. Meiner, Hamburg.[Cassirer 2009a]Cassirer, Ernst (2009): Der Begriff der symbolischen Form im Aufbau der Geisteswissenschaften. In: Schriften zur Philosophie der symbolischen Formen. Meiner, Hamburg.[Goodman 1970a]Goodman, Nelson (1970): Seven Strictures on Similarity. In: Foster, L. & Swanson, J. W. (Hg.), Experience and Theory. University of Massachusetts, Amherst.[Nöth 2009a]Nöth, Winfried (2009): Bildsemiotik. In: Sachs-Hombach, K. (Hg.), Bildtheorien. Anthropologische und kulturelle Grundlagen des Visualistic Turn. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Panofsky 1924a]Panofsky, Erwin (1998): Die Perspektive als symbolische Form (1924). In: Michels, K. & Warnke, M. (Hg.), Erwin Panofsky, Deutschsprachige Aufsätze, Bd. 2. Akademie, Berlin.[Peirce 1983a]Peirce, Charles S. (1983): Phänomen und Logik der Zeichen. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Peirce 1998a]Peirce, Charles S. (1998): Collected Papers, Vol. 2: Elements of Logic. Thoemmes, Bristol.[Platon 1922a]Platon (1922): Kratylos. Meiner, Leipzig.[Schelske 2000a]Schelske, Andreas (2000): Bedeutung oder Bezeichnung. In: Sachs-Hombach, K. & Rehkämper, K. (Hg.), Vom Realismus der Bilder. Scriptum, Magdeburg.[Schirra & Sachs-Hombach 2013a]Schirra, Jörg R.J. & Sachs-Hombach, Klaus (2013): The Anthropological Function of Pictures. In: Sachs-Hombach, K. & Schirra, J.R.J. (Hg.), Origins of Pictures. Anthropological Discourses in Image Science. Halem, Köln.[Trabant 1996a]Trabant, Jürgen (1996): Elemente der Semiotik. Franke, Tübingen.

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Seitenbearbeitungen durch: Joerg R.J. Schirra, Klaus Sachs-Hombach und Marcel Lemmes — (Hinweis)