Symbol, Index, Ikon: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Glossar der Bildphilosophie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Joerg R.J. Schirra (Diskussion | Beiträge)
Keine Bearbeitungszusammenfassung
Joerg R.J. Schirra (Diskussion | Beiträge)
Keine Bearbeitungszusammenfassung
Zeile 12: Zeile 12:
==Einteilung der Zeichen bei Peirce ==
==Einteilung der Zeichen bei Peirce ==
[[Datei:Peirce.jpg|thumb|Abbildung 1: Übersicht über die dreifache Basis-Dreiteilung der Peirce’sche Zeichenbegriffe]]
[[Datei:Peirce.jpg|thumb|Abbildung 1: Übersicht über die dreifache Basis-Dreiteilung der Peirce’sche Zeichenbegriffe]]
Charles Sanders Peirce (1839-1914) gilt als einer der Gründungsväter der modernen Zeichentheorie. Auf ihn geht auch eine differenzierte Einteilung der Zeichenarten zurück (Abb. 1), von der zumindest ein Teil sehr weite Verbreitung gefunden hat. Grob skizziert unterscheidet Peirce drei zeichenrelevante Ebenen, die zumindest ungefähr mit der Einteilung in [[Pragmatik, Semantik, Syntax|Pragmatik, Semantik und Syntax]] übereinstimmt. In jeder dieser Ebenen setzt er eine weitere Dreiteilung an. Syntaktisch differenziert er [[Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem|Zeichen]] in​​&#8203; »Sinzeichen«,​​&#8203; »Legizeichen«&#8203; und&#8203; »Quali&shy;zei&shy;chen«,&#8203; während​​&#8203; »Thema«,&#8203; »Rhema«&#8203; und&#8203; »Dicent«&#8203; pragmatische&#8203; (wirkungsbezogene) Zeichen­&shy;unter&shy;kate&shy;gorien bilden.<ref>... Quellen ... Die recht komplexen Wechselwirkungen dieser drei Ebenen von Dreiteilungen im Verständnis Peirces sollen hier nicht weiter verfolgt werden; vgl. etwa.  ... </ref>  
Charles S. Peirce (1839-&#8203;1914) gilt als einer der Grün&shy;dungs&shy;väter der moder&shy;nen Zei&shy;chen&shy;theorie. Auf ihn geht auch eine diffe&shy;renzier&shy;te Eintei&shy;lung der Zeichen&shy;arten zu&shy;rück (Abb. 1), von der zu&shy;min&shy;dest ein Teil sehr weite Ver&shy;breitung gefun&shy;den hat. Grob skizziert unter&shy;scheidet Peirce drei zeichen&shy;rele&shy;vante Ebe&shy;nen, die unge&shy;fähr mit der Eintei&shy;lung in [[Pragmatik, Semantik, Syntax|Pragma&shy;tik, Seman&shy;tik und Syntax]] über&shy;einstim&shy;men. In jeder dieser Ebenen setzt er eine weite&shy;re Dreitei&shy;lung an. Syntak&shy;tisch diffe&shy;renziert er Zeichen in​​&#8203; »Sinzei&shy;chen«,​​&#8203; »Le&shy;gi&shy;zeichen«&#8203; und&#8203; »Quali&shy;zei&shy;chen«,&#8203; während​​&#8203; »The&shy;ma«,&#8203; »Rhema«&#8203; und&#8203; »Dicent«&#8203; pragma&shy;tische&#8203; (wirkungs&shy;bezo&shy;gene) Zei&shy;chen­&shy;unter&shy;kate&shy;gori&shy;en bilden.<ref>Vgl. <bib id='Peirce 1983a'></bib>; siehe auch: <bib id='Birk et al. 2013a'></bib>.</ref>  
:
:
Es ist allerdings die semantische Ebene, deren Peirce’sche Dreiteilung unter Semiotikern und Theoretikern benachbarter Disziplinen, wie Sprachphilosophie und Kunstgeschichte, machtvoll nachwirkt und nicht zuletzt in seinem Begriff der Ikonizität für die Bildtheorie große Relevanz aufweist.  
Es ist allerdings die semantische Ebene, deren Peirce’sche Dreiteilung unter Semiotikern und Theoretikern benachbarter Disziplinen, wie Sprach&shy;philo&shy;sophie und Kunstgeschichte, machtvoll nachwirkt und nicht zuletzt in seinem Begriff der Ikonizität für die Bildtheorie große Relevanz aufweist.<ref>Ob sich die Bestimmung der entsprechende Begriffe tatsächlich im rein semantischen Sinn durchführen lässt, oder nicht vielmehr tatsächlich notwendiger Weise pragmatische Aspekte berücksichtigt werden müssen, hängt letztlich an dem Status, den man der Semantik relativ zur Pragmatik zuschreibt. </ref>




==Semantische Dreiteilung: Eigenheiten der Bedeutungsbeziehung==
==Semantische Dreiteilung: Eigenheiten der Bedeu&shy;tungsbe&shy;ziehung==
Da sie auf die semantische Ebene fokussiert sind, differenzieren die Peirceschen Zeichenkategorien​​&#8203; »Index«,&#8203; »Ikon«&#8203; und​​&#8203; »Symbol«&#8203; die Klasse der Zeichen gemäß dem Charakter der Beziehung, die zwischen dem Zeichenträger und dem damit Bezeichneten besteht (in Abb. 1 als ‘Objektbezug’ charackterisiert). Diese “Objekt”beziehung gilt als konstitutiv für die Bedeutung, die dem Zeichen zugeschrieben wird.<ref>Offen bleibt an dieser Stelle, ob der “Objektbezug” einen Referenten im engeren (extensionalen) Sinn meint (⊳ [[Bedeutung und Referenz]] und [[Nomination]]), oder welches Verhältnis zu einem [[Interaktions-, Selbst- und Sachbezug|Sachbezug]] im engen ([[Proposition|propositionalen]]) Sinn besteht. </ref>  
Da sie auf die semantische Ebene fokussiert sind, differenzieren die Peirceschen Zeichenkategorien​​&#8203; »Index«,&#8203; »Ikon«&#8203; und​​&#8203; »Symbol«&#8203; die Klasse der [[Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem|Zeichen]] gemäß dem Charakter der Beziehung, die zwischen dem [[Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem|Zeichenträger]] und dem damit Bezeichneten besteht (in Abb. 1 als ‘Objektbezug’ charakterisiert). Diese “Objekt”&shy;beziehung gilt als konstitutiv für die Bedeutung, die dem Zeichen zugeschrieben wird.<ref>Offen bleibt an dieser Stelle, ob der “Objektbezug” einen Referenten im engeren (extensionalen) Sinn meint (⊳ [[Bedeutung und Referenz]] und [[Nomination]]), oder welches Verhältnis zu einem [[Interaktions-, Selbst- und Sachbezug|Sachbezug]] im engen ([[Proposition|propositionalen]]) Sinn besteht. Vgl. auch <bib id='Schelske 2000a'></bib>.</ref> Genau genommen handelt es sich bei den drei Kategorien um Idealtypen; in konkreten Fällen wirken die zugehörigen Bedeu&shy;tungsre&shy;latio&shy;nen oft auf komplizierte Weise zusammen (vgl. das [[#Zur Anwendung auf Bilder: Ein (komplexes) Beispiel|ausführliche Beispiel unten]]).


===Ikonizität und Ähnlich&shy;keiten===
===Ikonizität und Ähnlich&shy;keiten===


Der Peircesche Ausdruck ‘Ikon’ (Plural: ‘Ikone’), der seine altgriechische Wurzel ([[Griechisch: 'agalma', 'phantasma', 'eidolon', 'typos', 'eikon'#‘Eikon’|εἰκών]], etwa ‘Abbild’) ganz offensichtlich sowohl mit der mittelalterlich-religiösen [[Ikone]] als auch mit dem englischen Leihwort ‘Icon’ des Informationszeitalters (dazu ⊳ [[Bilderschrift und Piktogramm]]) teilt, mit beidem aber nicht verwechselt werden sollte, bezeichnet solche Zeichen, deren Bedeutungsbeziehung sich einer ''[[Ähnlichkeit|Ähnlichkeitsrelation]]'' zwischen Zeichenträger und Bezeichnetem verdankt. Dies trifft unter anderem auf [["natürliche" Bilder|“natürliche” Bilder]] (Spiegelbild) wie “normale” abbildende Bilder (Phantomskizze), auf “Foleys” (von einem Geräuschespezialisten für Hörspiel,  [[Film]] oder Computerspiel erzeugte “Geräuschattrappen”) und synthetische Gerüche (künstliches Erbeeraroma), sowie im sprachlichen Bereich auf onomatopoetische Wörter (‘Kuckuck’) und form-ikonische Ausdrücke (‘T-Träger’) zu.
Der Peircesche Ausdruck ‘Ikon’ (Plural: ‘Ikone’),<ref>Seltener, und laut Duden auch nicht ganz korrekt, findet sich auch die anglisierte Form ‘Ikons’ als Plural.</ref> der seine altgriechische Wurzel ([[Griechisch: 'typos', 'eidolon', 'eikon', 'mimema', 'phantasma'#‘Eikon’|εἰκών]], etwa ‘Abbild’) ganz offensichtlich sowohl mit der mittelalterlich-religiösen [[Ikone]] als auch mit dem englischen Leihwort ‘Icon’ des Informationszeitalters (dazu ⊳ [[Bilderschrift und Piktogramm]]) teilt, mit beidem aber nicht verwechselt werden sollte, bezeichnet solche Zeichen, deren Bedeutungs&shy;beziehung sich einer ''[[Ähnlichkeit|Ähnlichkeitsrelation]]'' zwischen Zeichenträger und Bezeichnetem verdankt (vgl. <bib id='Peirce 1983a'></bib>: S. 64). Dies trifft unter anderem auf [["natürliche" Bilder|“natürliche” Bilder]] (Spiegelbild) wie “normale” abbildende Bilder (Phantomskizze),<ref>Da die gezeichnete Person durchaus fiktiv sein kann, deutet das Beispiel&#8203; »Phantombild«&#8203; zugleich an, dass es sich auch um eine nur intentionale Abbildlichkeit handeln kann.</ref> auf “Foleys” (von einem Geräuschespezialisten für Hörspiel,  [[Film]] oder Computerspiel erzeugte “Geräuschattrappen”) und synthetische Gerüche (künstliches Erbeeraroma), sowie im sprachlichen Bereich auf onomatopoetische Wörter (‘Kuckuck’), form-ikonische Ausdrücke (‘T-Träger’) und – in gewisser Weise – auf [[Sprachliche Metaphern und allgemeine Metaphorologie|Metaphern]] (“Sprachbilder”) zu.
:
:
Das Verständnis von »Ähnlichkeit« hat in der weiteren Diskussion zu verschiedenen Interpretation von »Ikonizität« geführt: Geht man von einem “ontologisch” gefassten Ähnlichkeitsbegriff aus, so stellt die Ähnlichkeitsbeziehung eine “an sich” bestehende Relation zwischen zwei Gegenständen dar, die nicht von spezifischen Wahrnehmungs- und Erkenntnisfähigkeiten eines über Ähnlichkeit Urteilenden abhängt. Ein “epistemisch” gefasster Ähnlichkeitsbegriff würde hingegen auf das zurückgreifen, was einem bestimmten Betrachter<ref>Der Ausdruck ‘Betrachter’ ist hier natürlich recht weit gefasst, da er nicht auf die visuelle Sinnesmodalität eingeschränkt verwendet wird.</ref> als ähnlich ''erscheint''. Insofern sich ein Teil der (als objektiv oder subjektiv gefassten) “Eigenschaftsstruktur” eines Dings in der Eigenschaftsstruktur eines anderen Dings spiegelt, kann dieses als ikonisches Zeichen für jenes verwendet werden – und umgekehrt.<ref>Technisch wird oft von einer partiellen [[Isomorphie]] – einer teilweisen Strukturgleicheit – gesprochen. Da dieser Typ von Ähnlichkeitsbeziehung offensichtlich reflexiv ist, folgt dasselbe für die Ikonizität: Wenn ''X'' ähnlich zu bzw. ikonisches Zeichen für ''Y'' ist, dann ist auch ''Y'' ähnlich zu bzw. ikonisches Zeichen für ''X''.</ref> Bei einem (im weiten Sinn) “behavioristischen” Ähnlichkeitsbegriff verschiebt sich der Fokus darauf, dass ein Beobachter beurteilen kann, ob ein beobachtetes Wesen in seinem Verhalten Anlass zu der Behauptung gibt, etwas als etwas anderem ähnlich erkannt zu haben.<ref>Diese um eine Ebene zurückverlegte Betrachtung erlaubt denn auch eine “Symmetrie-Brechung” im Begriff der Ähnlichkeit (und entsprechend dem der Ikonizität), denn aus dem Vorliegen solcher Gründe für ''B'' dafür, dass ''W'' ''X'' für ''Y'' ähnlich hält, folgt eben keineswegs, dass ''B'' auch Gründe in ''W''’s Verhalten dafür findet, dass ''W'' ''Y'' für ''X'' ähnlich hält.</ref>  
[[Datei:Aehnlichkeitstheorien1.png|thumb|Abbildung 2: Skizze zu verschiedenen Ähnlich&shy;keitskonzep&shy;tionen: (a) “Selbst&shy;ähnlich&shy;keit” als Exempli&shy;fikation (''genuines Ikon'' bei Peirce: ‹Hirsch exempli&shy;fiziert Geweih&shy;förmig&shy;keit›); (b) onto&shy;logischer Ähnlich&shy;keitsbe&shy;griff; (c) episte&shy;mischer Ähnlich&shy;keitsbe&shy;griff; (d) handlungs&shy;theore&shy;tischer Ähnlich&shy;keitsbe&shy;griff]]
Tatsäch&shy;lich liegen bei Peirce ''echte'' (''genu&shy;ine'') Iko&shy;ne nur dann vor, wenn man eine Eigen&shy;schaft eines (als Zeichen&shy;trä&shy;ger) wahrge&shy;nomme&shy;nen Gegen&shy;stands dazu benutzt, sich (oder einen ande&shy;ren) auf eben diese Eigen&shy;schaft aufmerk&shy;sam zu machen – wenn also, in Good&shy;mans Begriff&shy;lichkeit, eine [[Referenz, Denotation, Exemplifikation|Ex&shy;em&shy;pli&shy;fi&shy;ka&shy;ti&shy;on]] vor&shy;liegt.<ref>Genau aus diesem Grund gelten genuine Ikone Peirce auch als die einfachste der in Zeichen vorkommenden Gegenstandsbeziehungen: Im Gegensatz zu den  beiden anderen Klassen richtet sich der Blick bei genuinen Ikonen nämlich nur auf ''einen'' Gegenstand (der “Eigenschaftsträger”), da Zeichenträger und Bezeichnetes in gewisser Weise zusammenfallen. </ref> Zei&shy;chen, bei denen wegen geteil&shy;ter Eigen&shy;schaften ein Gegen&shy;stand auf einen ''ande&shy;ren Gegen&shy;stand'' verweist, bezeich&shy;net Peirce genau&shy;er als ‘Hypo&shy;iko&shy;ne’ (auch ‘dege&shy;nerier&shy;te Iko&shy;ne’ <bib id='Peirce ???'></bib>, §276). Doch hat sich genau diese abge&shy;leite&shy;te Charak&shy;teri&shy;sierung für den in der Semiotik zumeist verwen&shy;deten Begiff&#8203; »Ikon«&#8203; durchge&shy;setzt. Offen bleibt dabei zunächst, welche Konzep&shy;tion eigent&shy;lich von&#8203; »Ähnlich&shy;keit«&#8203; zu verwen&shy;den ist. Geht man von einem “onto&shy;logisch” gefass&shy;ten Ähnlich&shy;keits&shy;begriff aus, so stellt die Ähnlich&shy;keits&shy;bezie&shy;hung eine “an sich” bestehende Rela&shy;tion zwischen zwei Gegen&shy;ständen dar, die nicht von spezi&shy;fischen Wahrneh&shy;mungs- und Er&shy;kenntnis&shy;fähig&shy;keiten eines über Ähnlich&shy;keit Urtei&shy;lenden abhän&shy;gen. Ein “epis&shy;temisch” gefass&shy;ter Ähnlich&shy;keitsbe&shy;griff würde hinge&shy;gen auf das zurück&shy;greifen, was einem bestimm&shy;ten Betrach&shy;ter<ref>Der Ausdruck ‘Betrachter’ ist hier natürlich recht weit gefasst, da er nicht auf die visuelle Sinnesmodalität eingeschränkt verwendet wird.</ref> als ähnlich ''erscheint''. Nur insofern sich ein Teil der (als objektiv oder subjektiv gefassten) “Eigenschaftsstruktur” eines Dings in der Eigenschaftsstruktur eines anderen Dings spiegelt, kann dieses als ikonisches Zeichen für jenes verwendet werden – und umgekehrt.<ref>Technisch wird oft von einer partiellen [[Isomorphie]] – einer teilweisen Strukturgleichheit – gesprochen. Da dieser Typ von Ähnlichkeitsbeziehung offensichtlich reflexiv ist, folgt dasselbe für die Ikonizität: Wenn ''X'' ähnlich zu bzw. ikonisches Zeichen für ''Y'' ist, dann ist auch ''Y'' ähnlich zu bzw. ikonisches Zeichen für ''X''.</ref> Bei einem “behavioristischen” (genauer: [[Exkurs:Handlungen|handlungstheoretischen]]) Ähnlichkeitsbegriff verschiebt sich der Fokus darauf, dass ein Beobachter beurteilt, ob ein beobachtetes Wesen in seinem Verhalten Anlass zu der Behauptung gibt, etwas als etwas anderem ähnlich erkannt zu haben.<ref>Diese um eine Ebene zurückverlegte Betrachtung erlaubt eine “Symmetrie-Brechung”, denn aus dem Vorliegen solcher Gründe für ''B'' dafür, dass ''W'' ''X'' für ''Y'' ähnlich hält, folgt eben keineswegs, dass ''B'' auch Gründe in ''W''’s Verhalten dafür findet, dass ''W'' ''Y'' für ''X'' ähnlich hält.</ref> Diese Ansätze tragen dem Sachverhalt Rechnung, dass introspektive Begründungen für Ähnlichkeitszuschreibungen alleine nicht ausreichen, um über Ikonizität intersujektiv Einigkeit zu erreichen (vgl. <bib id='Schirra & Sachs-Hombach 2013a'></bib>).
:
:
Beim ontologischen wie epistemischen Ähnlichkeitsbegriff genügt im Prinzip bereits ''eine einzige'' (objektive bzw. subjektive) geteilte Eigenschaft – neben beliebig vielen differierenden –, um Ikonizität der Zeichenbeziehung zu gewährleisten.  
Im Prinzip genügt jeweils bereits ''eine einzige'' (objektive bzw. subjektive) Eigenschaft, die – neben beliebig vielen differierenden – von den betrachteten Gegenständen geteilt wird, um die Ikonizität einer Zeichenbeziehung zwischen jenen zu gewährleisten. Je größer die Ähnlichkeit, desto stärker ist die Ikonizität, wenn der eine Gegenstand als Zeichen für den anderen betrachtet wird. Probleme ergeben sich hingegen, wenn ''alle'' Eigenschaften übereinstimmen: Als im engen Sinne&#8203; »ähnlich«&#8203; werden üblicherweise zwei Gegenstände nur dann betrachtet, wenn es mindestens auch eine Eigenschaft gibt, in der sie sich nicht gleichen.<ref>Ob jeder Gegenstand als sich selbst ähnlich verstanden werden sollte, ob der Begriff&#8203; »Ähnlichkeit«&#8203; also als Begriff einer reflexiven zweistelligen Relation angesetzt werden sollte, ist umstritten (vgl. etwa <bib id='Goodman 1970a'></bib>). Weitgehende Einigkeit herrscht hingegen darüber, dass ein Zeichenträger nur dann Zeichenfunktion erfüllen kann, wenn er nicht mit dem Gegenstand, auf den er verweist, identisch ist (vgl. bereits <bib id='Platon 1922a'></bib>: 432a-c). Allerdings lässt sich der Unterschied zwischen tierischer Gegenstandswahrnehmung und menschlicher Gegenstandswahrnehmung (u.a. bei bei handlungstheoretischer Betrachtung) auch darauf zurückführen, dass bei letzterer prinzipiell und daher unabtrennbar eine reflektierende Distanz zum Wahrnehmen tritt: Das menschliche Gegenstandssehen ist immer ein »sich selbst zu sehen geben« (wobei der dabei in der Erläuterung verwendete Ausdruck ‘Sehen’ auf die tierische, d.h. nicht reflektierte Version bezogen bleibt; ⊳ [[Sehen]]; vgl. auch [[Sortale Gegenstände und Individuation]] und [[Dezeptiver und immersiver Modus]]). In der Folge ist dann die Rede davon, dass Menschen sehen, indem sie sich – sich selbst gegenüber – als Sehende darstellen.</ref>  
:
Probleme ergeben sich hingegen, wenn ''alle'' Eigenschaften übereinstimmen: Im engen Sinne ähnlich sind sich zwei Gegenstände nur, wenn es mindestens auch eine Eigenschaft gibt, in der sie sich nicht gleichen.<ref>Ob jeder Gegenstand als sich selbst ähnlich verstanden werden sollte, ob der Begriff&#8203; »Ähnlichkeit«&#8203; also als Begriff einer reflexiven zweistelligen Relation angesetzt werden sollte, ist umstritten (vgl. etwa <bib id='Goodman 1968a'></bib>).</ref>  


===Indexikalität und raumzeitlicher Zusammen&shy;hänge===
===Indexikalität und raumzeitlicher Zusammen&shy;hänge===


Von einem ‘Index’ (Plural ‘Indizes’) spricht Peirce bei einem Zeichen, dessen Träger aufgrund seines ''raumzeitlichen'' und insbesonderen ''kausalen'' Zusammenhangs mit dem Bezeichneten als Zeichen für letzteres verwendet wird:<ref>Die Bezeichnung ‘Index’ leitet sich vom lateinischen Wort für Zeigefinger ab.</ref> wenn also beispielsweise Rauch das Zeichen für Feuer oder rote Hautflecken das Zeichen für (eine Infektion mit) Masern bilden. Alles was als Auswirkung, Anzeichen oder Symptom für ein Phänomen ''X'' in den entsprechenden Naturwissenschaften von Physik bis Medizin gilt, stellt mithin auch einen Peirceschen Index für ''X'' dar.<ref>Da Symptome nicht kriterial (also weder hinreichend noch notwendig) für das, was sie anzeigen (können), sind – Rauch kann auch ohne Feuer auftreten (und Feuer ohne Rauch), so wie rote Hautflecken ohne Maserninfektion (und Maserninfektionen ohne das Ausbilden von roten Hautflecken) möglich sind – kann der Index-Charakter eines Zeichens recht labil sein.</ref>
Von einem ‘Index’ (Plural ‘Indizes’) spricht Peirce bei einem Zeichen, dessen Träger aufgrund seines ''raumzeitlichen'' und insbesondere ''kausalen'' Zusammenhangs mit dem Bezeichneten als Zeichen für letzteres verwendet wird (vgl. <bib id='Peirce 1983a'></bib>: S. 65):<ref>Die Bezeichnung ‘Index’ leitet sich vom lateinischen Wort für Zeigefinger ab.</ref> wenn also beispielsweise Rauch das Zeichen für Feuer oder rote Hautflecken das Zeichen für (eine Infektion mit) Masern bilden. Alles was in den entsprechenden Naturwissenschaften von Physik bis Medizin als Auswirkung, Anzeichen oder Symptom für ein Phänomen ''X'' gilt, stellt mithin auch einen Peirceschen Index für ''X'' dar.<ref>Vgl. auch [[Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem#cite_note-7|Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem: Anmerkung 8]]. — Da Symptome nicht kriterial (also weder hinreichend noch notwendig) für das, was sie anzeigen (können), sind – Rauch kann auch ohne Feuer auftreten (und Feuer ohne Rauch), so wie rote Hautflecken ohne Maserninfektion (und Maserninfektionen ohne das Ausbilden von roten Hautflecken) möglich sind – kann der Index-Charakter eines Zeichens recht labil sein.</ref>
:
:
Zu beachten ist allerdings, dass die Definition der Indizes nicht notwendig von einer natürlichen Beziehung zwischen Zeichenträger und Bezeichnetem ausgeht: Auch das Ortseingangsschild am Rand einer Stadt steht in direkter, wenn auch absichtlich erzeugter raumzeitlicher Beziehung zu dem Bezeichneten (eben dem Rand jener Stadt). Gleiches gilt für das auf dieser Glossarseite links oben gezeigte Logo oder die farblichen Markierungen, die in diesem Glossartext anzeigen, an welchen Stellen durch Mausklick eine andere Seite erreicht werden kann. Nicht alle Indizes sind mithin auch Symptome im engen (physikalisch-kausalen) Sinn, oder, wie es dann auch heißt: ‘''natürliche'' Indizes’. Im Gegensatz zu den natürlichen ist die raumzeitliche Beziehung, die zwischen Zeichenträger und Bezeichnetem vermittelt, bei den ''künstlichen'' Indizes mit Absicht erzeugt – Intentionalität ersetzt also in diesen Fällen Kausalität.<ref>Die intentionsbasierten Indizes stehen in enger Verbindung zum Begriff des [[Zeigen und Sich-Zeigen|Zeigens]], d.h. der Deixis, während die kausalen Indizes höchstens als einfache Fälle von&#8203; »[[Zeigen und Sich-Zeigen|Sich-Zeigen]]«&#8203; begriffen werden können.</ref> Gleichwohl besteht die semantische Pointe auch bei dieser Unterklasse darin, dass allein die raumzeitliche Nähe die Bedeutung des Zeichens bei der Verwendung zu induzieren scheint.   
Zu beachten ist allerdings, dass die Definition der Indexikalität nicht notwendig von einer natürlichen Beziehung zwischen Zeichenträger und Bezeichnetem ausgeht: Auch das Ortseingangsschild am Rand einer Stadt steht in direkter, wenn auch absichtlich erzeugter raumzeitlicher Beziehung zu dem Bezeichneten (eben dem Rand jener Stadt). Gleiches gilt für das auf dieser Glossarseite links oben gezeigte Logo (das markiert: ›dies ist eine Seite des Glossars der Bildphilosophie‹) oder die farblichen Markierungen, die in diesem Glossartext anzeigen, an welchen Stellen durch Mausklick eine andere Seite erreicht werden kann. Nicht alle Indizes sind mithin auch Symptome im engen (physikalisch-kausalen) Sinn, oder, wie es dann auch heißt: ‘''natürliche'' Indizes’. Im Gegensatz zu den natürlichen ist die raumzeitliche Beziehung, die zwischen Zeichenträger und Bezeichnetem vermittelt, bei den ''künstlichen'' Indizes mit Absicht erzeugt – Intentionalität ersetzt also in diesen Fällen Kausalität.<ref>Die intentionsbasierten Indizes stehen in enger Verbindung zum Begriff des [[Zeigen und Sich-Zeigen|Zeigens]], d.h. der Deixis, während die kausalen Indizes höchstens als einfache Fälle von&#8203; »[[Zeigen und Sich-Zeigen|Sich-Zeigen]]«&#8203; begriffen werden können.</ref> Gleichwohl besteht die semantische Pointe auch bei dieser Unterklasse darin, dass allein die raumzeitliche Nähe bereits die Bedeutung des Zeichens bei der Verwendung zu induzieren scheint.   
:
:
Sprachliche Ausdrücke, wie insbesondere ‘hier’ und ‘jetzt’, aber auch ‘ich’, ‘wir’, ‘du’, ‘ihr’ hängen in ihrer jerweiligen Bedeutung ebenfalls stark ab vom [[Kontext]] ihrer Verwendung: die raumzeitliche Beziehung zu Ort und Zeit ihrer Äußerung bestimmt, welcher Ort mit ‘hier’, welche Person mit ‘du’ gemeint ist. Gleiches gilt natürlich auch für ‘içi’ oder ‘here’, für ‘tu’ oder ‘you’ – um nur zwei andere europäische Sprachen als Beispiele zu bemühen. Neben aller Konventionalität, die diese Art von Ausdrücken eigentlich zu [[#Symbolhaftigkeit und Bedeu&tungs&shy;konventionen|Symbolen]] im Sinne von Peirce werden lässt, bleibt ihnen ein Moment an Indexikalität wesentlich, weshalb man auch von ‘indexikalischen Ausdrücken’ spricht.
Sprachliche Ausdrücke, wie insbesondere ‘hier’ und ‘jetzt’, aber auch ‘ich’, ‘wir’, ‘du’, ‘ihr’ hängen in ihrer jeweiligen Bedeutung ebenfalls stark ab vom [[Kontext]] ihrer Verwendung: Die raumzeitliche Beziehung zu Ort und Zeit ihrer Äußerung bestimmt, welcher Ort mit ‘hier’, welche Person mit ‘du’ gemeint ist. Gleiches gilt natürlich auch für ‘içi’ oder ‘here’, für ‘tu’ oder ‘you’ – um nur zwei andere europäische Sprachen als Beispiele zu bemühen. Neben aller Konventionalität, die diese Art von Ausdrücken eigentlich zu [[#Symbolhaftigkeit und Bedeu&shy;tungs&shy;konven&shy;tionen|Symbolen]] im Sinne von Peirce werden lässt, bleibt ihnen ein Moment an Indexikalität wesentlich, weshalb man auch von ‘indexikalischen Ausdrücken’ spricht.
:
:
Einen weiteren Sonderfall indexikalischer Zeichen stellen [[Fotografie|Photographien]] (und verwandte technische Bildgebungsverfahren) dar: Offenkundig beruhen die hier betrachteten Produktionsverfahren für Zeichenträger darauf, dass eine mehr oder weniger lange aber geschlossene Kette streng kausaler, physikalisch-chemischer Schritte den Zeichenträger automatisch aus dem Bezeichneten (‘Abgebildeten’) ableiten.<ref>Vgl. hierzu auch die Diskussion im Glossarbeitrag «[[Digitales Bild#Zu a. (Nicht-)​Inde­xika­lität|Digitales Bild]]» zu deren (Nicht-)&#8203;Indexikalität.</ref> Obwohl als Bilder eigentlich den [[#Ikonizität und Ähnlich&shy;keiten|ikonischen]] Zeichen zuzuordnen, schwingt zumindest bei dieser Untermenge auch Indexikalität in ihrem Begriff mit.
Einen weiteren Sonderfall indexikalischer Zeichen stellen [[Fotografie|Photographien]] (und die Produkte verwandter technischer Bildgebungsverfahren) dar: Offenkundig beruhen die hier betrachteten Produktionsverfahren für Zeichenträger darauf, dass eine mehr oder weniger lange aber durchgehende Kette streng kausaler, physikalisch-chemischer Schritte den Zeichenträger automatisch aus dem Bezeichneten (‘Abgebildeten’) ableiten.<ref>Vgl. hierzu auch die Diskussion im Glossarbeitrag&#8203; «[[Digitales Bild#Zu a. (Nicht-)​Inde­xika­lität|Digitales Bild]]»&#8203; zu deren (Nicht-)&#8203;Indexikalität.</ref> Obwohl als Bilder eigentlich den [[#Ikonizität und Ähnlich&shy;keiten|ikonischen]] Zeichen zuzuordnen, schwingt zumindest bei dieser Untermenge auch Indexikalität in ihrem Begriff mit.<ref>Eine analoge Argumentation gilt für “Tonkonserven”: Auch diese beinhalten offensichtlich stets sowohl ikonische als auch indexikalische Momente. </ref>


===Symbolhaftigkeit und Bedeutungs&shy;konventionen===
===Symbolhaftigkeit und Bedeu&shy;tungs&shy;konven&shy;tionen===
Ikone gleichen Indizes in einer wichtigen Hinsicht, in der die dritte semantische Zeichenkategorie von Pierce abweicht: Wegen des direkt erkennbaren Zusammenhangs zwischen Zeichenträger und Bezeichnetem scheint die Bedeutung des Zeichens nicht erst durch einen geeigneten Taufakt etabliert werden zu müssen. Indizes und Ikone funktionieren ohne vorangehende Festlegung einer entsprechenden Bedeutungskonvention. Das gilt für die meisten der von uns im Alltag verwendeten Zeichengebräuche keineswegs, wie jeder leicht selbst feststellen kann, wenn er eine fremde Sprache erlernen will. Zeichen, deren Bedeutungsbeziehung mithilfe einer Konvention festgelegt werden müssen, nennt Peirce ‘Symbole’.
Ikone gleichen Indizes in einer wichtigen Hinsicht, in der die dritte semantische Zeichenkategorie von Peirce abweicht: Wegen des direkt erkennbaren Zusammenhangs zwischen Zeichenträger und Bezeichnetem scheint die Bedeutung des Zeichens nicht erst durch einen geeigneten Taufakt etabliert werden zu müssen. Indizes und Ikone funktionieren ohne vorangehende Festlegung einer entsprechenden Bedeutungskonvention. Das gilt für die meisten der von uns im Alltag verwendeten Zeichengebräuche keineswegs, wie jeder leicht selbst feststellen kann, wenn er eine fremde Sprache erlernen will. Zeichen, deren Bedeutungsbeziehung mithilfe einer Konvention festgelegt werden müssen, nennt Peirce ‘Symbole’ (vgl. <bib id='Peirce 1983a'></bib>: S. 65ff.).
:
[[Datei:Symbol und Zeichen2.png|thumb|Abbildung 3: Skizze zum Problem um die Ausdrücke ‘Zeichen’ und ‘Symbol’]]
Dieser Wortgebrauch differiert deutlich von einer anderen, vor allem im deutschsprachigen Raum verbreiteten (auch von Saussure benutzten) Kon&shy;ven&shy;tion, die dem ‘Zeichen’ das ‘Symbol’ gegenüberstellt, wobei ‘Symbol’ in diesem Sinn häufig synonym zu ‘Sinnbild’ ge&shy;braucht wird.<ref>Vgl. hierzu auch die Anmerkungen zu ‘Sinnbild’ im Artikel&#8203; «[[Emblem]]». Eine grobe Übersicht findet sich unter [http://de.wikipedia.org/wiki/Symbol Wikipedia: Symbol]. </ref> Markiert man die unterschiedlichen Wortgebräuche mit den Indizes ‘''D''’ (deutsch) und ‘''P''’ (Peirce), so ergibt sich (Abb. 3):&#8203; »Symbole<sub>''D''</sub>«&#8203; sind gerade keine&#8203; »Zeichen<sub>''D''</sub>«,&#8203; während&#8203; »Symbole<sub>''P''</sub>«&#8203; eine Unterart von&#8203; »Zei&shy;chen<sub>''P''</sub>«&#8203; sind; des weiteren entsprechen&#8203; »Symbole<sub>''P''</sub>«&#8203; weitgehend&#8203; »Zei&shy;chen<sub>''D''</sub>«,&#8203; während&#8203; »Symbole<sub>''D''</sub>«&#8203; in etwa den Peirceschen&#8203; »Iko&shy;nen«&#8203; entsprechen, also zwar keine&#8203; »Zeichen<sub>''D''</sub>«,&#8203; wohl aber&#8203; »Zei&shy;chen<sub>''P''</sub>«&#8203; sind.<ref>Da zudem der wesentliche Unterschied zwischen »Zeichen<sub>''D''</sub>«&#8203; und »Symbole<sub>''D''</sub>«&#8203; darin besteht, dass die Bedeutungsrelation bei erstern als rein willkürlich, bei letzteren hingegen als aus dem Symbolisierten natürlich erwachsende Relation verstanden wird, schließen sich beiden wechselseitig aus. Die Peirce’schen Begriffsumfänge überlappen sich hingegen.</ref> Es empfiehlt sich daher, – besonders in der bildwissenschaftlichen Dikussion – sehr genau darauf zu achten, in welcher Bedeutung die Ausdrücke ‘Zeichen’ und ‘Symbol’ jeweils verwendet werden.<ref>Vor diesem Hintergrund mag jemand, der Bilder als (ikonische)&#8203; »Zeichen<sub>''P''</sub>«&#8203; betrachtet, schnell in ein Wortgefecht über die Zeichenhaftigkeit von Bildern geraten mit jemandem, der Bilder als &#8203; »Symbole<sub>''D''</sub>«&#8203; versteht.</ref>
:
Eine konventionelle Bedeutungszuschreibung liegt im Übrigen nicht nur dann vor, wenn eine Regel, auf die man sich im Zweifelsfall berufen kann, ausdrücklich festgelegt wird (Taufakt im weiten Sinn). Es kann sich auch um historisch gewachsene Gewohnheiten oder stillschweigende (implizite) Übereinkünfte handeln, wie sie bei den meisten Zeichen der “natürlichen” Sprachen, etwa den Wörtern und Sätzen des Deutschen, vorliegen. Hier existieren keine vorweisbaren Situationen mit entsprechenden bedeutungsstifenden Akten, auf die man beim Verdacht einer falschen Verwendungsweise des symbolischen Zeichens verweisen könnte. Zudem wirken in aller Regel die sozialen Mechanismen, die zur Bildung der Tradition beitragen haben, immer weiter, weswegen sich die Traditionen kontinuierlich “unter der Hand” ändern&#8203; (»Sprachwandel«).&#8203; Im Gegensatz zu den tradierten Bedeutungskonventionen können ausdrücklich vereinbarte Zeichenbedeutungen hingegen nur wieder durch weitere ausdrückliche Vereinbarungen der betroffenen Zeichennutzer verändert werden.<ref>Als Alternative bleibt allerdings eine Entwicklung von der explizit vereinbarten Konvention zu einer die ursprüngliche “Taufsituation” vergessenden und im Weiteren als rein tradierte Konvention verstandenen Bedeutungsrelation möglich. </ref>
:
Obwohl verwandt sollte die Begriffe&#8203; »Konven&shy;tion«&#8203; und&#8203; »Will&shy;kür&shy;lich&shy;keit«&#8203; (auch&#8203; »Arbi&shy;trari&shy;tät«)&#8203; in diesem Zusam&shy;menhang nicht mitein&shy;ander verwech&shy;selt werden: Auch tradierte Konven&shy;tionen sind in der Regel auf die eine oder andere Weise motiviert und nicht rein willkürlich.<ref>Ein Beispiel für derartige Motivationen ist im [[Exkurs: Beispiel für motivierte Zeichenkonventionen|Exkurs:Beispiel für motivierte Zeichenkonventionen]] dargestellt.</ref> Und selbst die an sich frei verfügbaren Assoziationsmöglichkeiten werden bei explizit vereinbarten Konventionen aus guten (etwa mnemotechnischen) Gründen kaum je wirklich ausgeschöpft. Historisch bildete zwar die Frage nach der Willkürlichkeit der Bedeutungsbeziehung in Gestalt der ''phýsei/thései''-Debatte in der griechischen Antike den wesentlichen Ausgangspunkt für die sukkzessive Differenzierung möglicher Objektrelationen bis hin zu Peirce (und darüber hinaus). Doch ergab sich im Verlauf dieser begrifflichen Entfaltung, dass es weniger um die Frage nach einer natürlich (sprich: unabhängig von Zeichenverwendern) bestehenden Beziehung zwischen Zeichen(träger) und Bezeichnetem geht, als vielmehr um verschiedene Möglichkeiten, Aspekte eines als Zeichenträger verwendeten Objekts in das komplexe Geschehen von Zeichenhandlungen zu integrieren (vgl. <bib id='Trabant 1996a'></bib>, Abschn. II.4).<ref>In engem Zusammenhang zur “Willkürlichkeit” von Zeichenträgern für die zugehörigen Bedeutungen steht zudem die Diskussion um die Möglichkeit einer Rückwirkung des Zeichenträgers auf das Verständnis dessen, was dieser Ausdruck bedeutet: Unter der Bezeichnung ‘Sprachrelativismusthese’ (??) (auch: ‘Sapir-Whorf-Hypothese’; vgl. [Wikipedia] ..., dass die “Weltsicht”, das “Weltbild” einer Sprach- (oder Zeichen-)gemeinschaft entscheidend durch die von ihren Mitgliedern verwendete ; ⊳ [[Weltbild, Lebensform]] & [[Linguistic turn, pictorial turn, medial turn]].</ref>
:
:
Dieser Wortgebrauch differiert deutlich von einer anderen, vor allem im deutschsprachigen Raum verbreiteten Konvention, die ‘Zeichen’ ‘Symbolen’ gegenüberstellt, wobei ‘Symbol’ in diesem Sinn häufig synonym zu ‘Sinnbild’ gebraucht wird.<ref>Vgl. hierzu auch die Anmerkungen zu ‘Sinnbild’ im Artikel «[[Emblem]]».</ref> Markiert man die unterschiedlichen Wortgebräuche mit den Indizes ‘''D''’ (deutsch) und ‘''P''’ (Peirce), so ergibt sich:&#8203; »Symbole<sub>''D''</sub>«&#8203; sind gerade keine&#8203; »Zeichen<sub>''D''</sub>«,&#8203; während&#8203; »Symbole<sub>''P''</sub>«&#8203; eine Unterart von&#8203; »Zeichen<sub>''P''</sub>«&#8203; sind; des weiteren entsprechen&#8203; »Symbole<sub>''P''</sub>«&#8203; weitgehend&#8203; »Zeichen<sub>''D''</sub>«,&#8203; während&#8203; »Symbole<sub>''D''</sub>«&#8203; in etwa den Peirceschen&#8203; »Ikonen«&#8203; entsprechen, also zwar keine&#8203; »Zeichen<sub>''D''</sub>«,&#8203; wohl aber&#8203; »Zeichen<sub>''P''</sub>«&#8203; sind. Es empfiehlt sich entsprechend, – besonders in der bildwissenschaftlichen Dikussion – sehr genau darauf zu achten, in welcher Bedeutung die Ausdrücke ‘Zeichen’ und ‘Symbol’ jeweils verwendet werden.<ref>Vor diesem Hintergrund mag jemand, der Bilder als (ikonische)&#8203; »Zeichen<sub>''P''</sub>«&#8203; betrachtet, schnell in ein Wortgefecht über die Zeichenhaftigkeit von Bildern geraten mit jemandem, der Bilder als &#8203; »Symbole<sub>''D''</sub>«&#8203; versteht.</ref>
Ein Beispiel für diesen Zusammenhang kann man in der Diskussion um die [[Perspektive und Projektion|Perspektive]] als einer symbolischen Form<ref>Symbolbegriff Cassirers ...</ref> sehen. ...




==Ein (komplexes) Beispiel==
==Zur Anwendung auf Bilder: Ein (komplexes) Beispiel==


[[Datei:Hiroshima-hell.gif|thumb|Abbildung 2: Ein Schatten in Hiroshima — 6. August 1945, 8:15]]
:''Nach diesen Prämissen sind Bilder häufig als der Prototyp des ikonischen Zeichens interpretiert und gelegentlich sogar mit dem Ikon überhaupt verwechselt worden [...] Es gibt aber Bilder, die in größerem Maße ikonisch, solche, die eher indexikalisch, und andere, die überwiegend symbolisch sind. Das Kriterium des Anteils an ikonischen, indexikalischen und symbolischen Elementen erlaubt es, in der Kulturgeschichte des Bildes drei Prototypen zu bestimmen. Prototypen des ikonischen Bildes ist danach nicht die gegenständliche, sondern vielmehr die nichtgegenständliche, die abstrakte Malerei. Prototyp des indexikalischen Bildes sind ebenso die Photographie wie die gegenständliche Malerei, und Prototyp des symbolischen Bildes ist die ikonologisch beziehungsweise ikonographisch kodifizierte Malerei.'' (<bib id='Nöth 2009'></bib>, S. 243f.)
Die Anwendung der drei Aspekte auf ein konkretes Beispiel mag verdeutlichen, wie vielfältig die semantischen Relationen letztendlich für einen einzigen Bildträger zusammenwirken: Abbildung 2 gibt das Schwarz-Weiß-Photo eines unbekannten Photographen wieder, das vermutlich in den letzten Monaten des Jahres 1945 aufgenommen wurde (evt. auch erst im Jahre 1946) und im Hiroshima Peace Memorial Muse­um aufbewahrt wird. Zu sehen sind zwei Stufen einer steinernen Treppe, die zum Zeitpunkt der Aufnahme zum Eingang des Gebäudes der Sumitomo Bank im Zentrum der japanischen Stadt Hiroshima führten, sowie ein kleiner Ausschnitt der Wand des Gebäudes. Auf den Treppenstufen zeichnen sich schwärzliche Spuren im perspektivisch verzerrten Umriß eines menschlichen Körpers ab. Es wird angenommen, dass sie entstanden sind, als am 6. August 1945 um 8 Uhr 15 eine Atombombe die Stadt zerstörte und Druck, Hitze und Strahlung die verglühenden Überreste einer Person, die zufällig zu diesem Zeitpunkt vor dem Gebäude auf den Stufen stand, in den Stein eingebrannt haben.<ref> Vgl. hierzu auch den Kommentar in  [http://worldwar2database.com/gallery3/index.php/wwii1439 worldwar2&#8203;database.com/&#8203;gallery3/&#8203;index.php/&#8203;wwii1439].</ref>
:
...
:
...
:
[[Datei:Hiroshima.jpg|thumb|Abbildung 4: Ein Schatten in Hiroshima — 6. August 1945, 8:15]]
Die Anwendung der drei Aspek&shy;te auf ein konkretes Beispiel mag verdeut&shy;lichen, wie vielfäl&shy;tig die seman&shy;tischen Re&shy;la&shy;tio&shy;nen letztendlich für einen einzigen Bildträger zusam&shy;menwir&shy;ken: Abbil&shy;dung 4 gibt das Schwarz-&#8203;Weiß-&#8203;Photo eines unbe&shy;kannten Photo&shy;graphen wieder, das vermut&shy;lich in den letzten Mona&shy;ten des Jahres 1945 aufge&shy;nommen wurde (evt. auch erst im Jahre 1946) und im ''Hiro&shy;shima Peace Memo&shy;rial Muse­um'' aufbe&shy;wahrt wird. Zu sehen sind zwei Stufen einer steiner&shy;nen Treppe, die zum Eingang des Gebäu&shy;des der Sumi&shy;tomo-&#8203;Bank im Zentrum der japa&shy;nischen Stadt Hiro&shy;shima führt, sowie ein kleiner Ausschnitt der Wand des Gebäudes. Auf den Treppen&shy;stufen zeichnen sich schwärzli&shy;che Spuren im perspek&shy;tivisch verzerr&shy;ten Umriß eines menschli&shy;chen Körpers ab. Es wird angenommen, dass sie entstanden sind, als am 6. August 1945 um 8 Uhr 15 eine Atombombe die Stadt zerstörte und Druck, Hitze und Strahlung die verglühenden Überreste einer Person, die zufällig zu diesem Zeitpunkt vor dem Gebäude auf den Stufen stand, in den Stein eingebrannt haben.  


===Ikonizität, Indexikalität und Symbolhaftigkeit der Photographie===
===Ikonizität, Indexikalität und Symbolhaftigkeit der Photographie===
Wegen der längeren, aber durchweg kausalen Kette von optischen, photochemischen und digitaltechnischen Transformationen, die den hier betrachteten Zeichenträger mit der Aufnahmesituation in Hiroshima zu einem unbekannten Zeitpunkt kurz nach der Bombenexplosion verbinden, hat das damit verwendete Zeichen offensichtlich Index-Charakter. Da zudem eine visuelle Ähnlichkeit zu den tatsächlichen Treppenstufen in Japan besteht, ist auch ein deutlicher ikonische Anteil gegeben. Symbolhaftigkeit tritt hinzu, weil die Signifikanz dieses Bildes erst klar werden kann, wenn ...: Zwar ist – ikonisch – eine Art menschlicher Schatten zu sehen, der – indexikalisch – als Teil einer real in Raum und Zeit existierenden Szene verstanden wird, doch dass diese Photographie etwa auch als Zeichen für die schreckliche Gewalt einer Atombombenexplosion über bewohntem Gebiet dienen mag, erschließt sich nur in einem durch Konventionen etablierten Verständnisrahmen.<ref>Ganz unerwähnt bleibt dabei noch die weitere Möglichkeit, den Bildträger, wie in diesem Glossarartikel geschehen, [[Bild in reflexiver Verwendung|reflexiv]] einzusetzen, um auf den einen oder anderen Aspekt der Bildverwendung als solche exemplarisch aufmerksam zu machen. </ref>  
Wegen der längeren, aber durchweg kausalen Kette von optischen, photochemischen und digitaltechnischen Transformationen, die den hier betrachteten Zeichenträger mit der Aufnahmesituation in Hiroshima zu einem unbekannten Zeitpunkt kurz nach der Bombenexplosion verbinden, hat das damit verwendete Zeichen offensichtlich Index-Charakter. Da zudem eine visuelle Ähnlichkeit zu den tatsächlichen Treppenstufen in Japan besteht, ist auch ein deutlicher ikonische Anteil gegeben. Symbolhaftigkeit tritt hinzu, weil die Signifikanz dieses Bildes erst klar werden kann, wenn ...: Zwar ist – ikonisch – eine Art menschlicher Schatten zu sehen, der – indexikalisch – als Teil einer real in Raum und Zeit existierenden Szene verstanden wird, doch dass diese Photographie etwa auch als Zeichen für die schreckliche Gewalt einer Atombombenexplosion über bewohntem Gebiet dienen mag, erschließt sich nur in einem durch Konventionen etablierten Verständnisrahmen.<ref>Ganz unerwähnt bleibt dabei noch die weitere Möglichkeit, den Bildträger, wie in diesem Glossarartikel geschehen, [[Bild in reflexiver Verwendung|reflexiv]] einzusetzen, um auf den einen oder anderen Aspekt der Bildverwendung als solche exemplarisch aufmerksam zu machen. </ref>  


===Ikonizität, Indexikalität und Symbolhaftigkeit des abgebildeten Schattens===
===Ikonizität, Indexikalität und Symbolhaftigkeit des abgebildeten “Schattens”===
Tatsächlich lassen sich Ikonizität, Indexikalität und Symbolhaftigkeiten in diesem Beispiel (wie übrigens bei fast allen Bildern) auch noch auf einer zweiten Ebene anwenden: Denn auch der Schatten selbst wird in der Regel ja zeichenhaft gelesen. Als Symptom der ihn verursachenden Explosion kann er als Index für alle der in der zu ihm führenden Kausalkette enthaltenen Faktoren verwendet werden: Dominant in dieser Hinsicht sind sicherlich die Person, die in jenem verhängnisvollen Augenblick an jener Stelle stand, die Strahlungen, die in jenem Moment den Schatten in den Stein brannten, sowie das Ereignis, das die Strahlung ausgelöst hat.<ref>Wegen der Transitivität der Kausalbeziehung “verlängert” die Photographie als Index die bereits signifikanten Kausalketten der abgebildeten Szene sozusagen bis zum Betrachter.</ref> Voraussetzung für eine solche indexikalische Zeichenverwendung mit einer dieser Bedeutungen ist die Einbettung des Schattens in eine [[Interaktion und Kommunikation|kommunikative Interaktion]] (inklusive Selbstdarstellung des Senders) mit bewusster Kontrolle des kommunikativen Zwecks der Handlung (Reflexivierung inklusive [[Bildrezeption als Kommunikationsprozess|Antizipation des Kommunikationspartners]]). Diese Bedingung ist auch erfüllt, wenn sich jemand selbst vor Ort mithilfe des Schattens auf die entsprechende Ursache aufmerksam macht.<ref>Abgesehen wird hierbei ebenfalls von allen weiteren semiotischen Einbettungen des so bezeichneten: Dass etwa die indexikalisch gemeinte ''individuelle'' Person, die dort starb, den Menschen ''allgemein'' und die ''conditio humnana'' unter der Bedingung eines Atomkrieges [[Referenz, Denotation, Exemplifikation|exemplifizieren]] kann.</ref>
Tatsächlich lassen sich Ikonizität, Indexikalität und Symbolhaftigkeiten in diesem Beispiel (wie übrigens bei fast allen Bildern) auch noch auf einer zweiten Ebene anwenden: Denn auch der “Schatten” selbst wird in der Regel ja zeichenhaft gelesen. Als Symptom der ihn verursachenden Explosion kann er als Index für alle der in der zu ihm führenden Kausalkette enthaltenen Faktoren verwendet werden: Dominant in dieser Hinsicht sind sicherlich die Person, die in jenem verhängnisvollen Augenblick an jener Stelle stand, die Strahlungen, die in jenem Moment den Schatten in den Stein brannten, sowie das Ereignis, das die Strahlung ausgelöst hat: die Explosion von «Little Boy».<ref>Wegen der Transitivität der Kausalbeziehung “verlängert” die Photographie als Index die bereits signifikanten Kausalketten der abgebildeten Szene sozusagen bis zum Betrachter.</ref> Voraussetzung für eine solche indexikalische Zeichenverwendung mit einer dieser Bedeutungen ist die Einbettung des “Schattens” in eine [[Interaktion und Kommunikation|kommunikative Interaktion]] (inklusive Selbstdarstellung des Senders) mit bewusster Kontrolle des kommunikativen Zwecks der Handlung (Reflexivierung inklusive Antizipation des Kommunikationspartners; ⊳ [[Bildrezeption als Kommunikationsprozess]]). Diese Bedingung ist auch erfüllt, wenn sich jemand selbst vor Ort mithilfe des “Schattens” auf die entsprechende Ursache aufmerksam macht.  
:
:
Insofern der Schatten eine gewisse Ähnlichkeit mit jenem Menschen hat, kann er zudem als ein ikonisches Zeichen für jenen stehen. Auch hier ist die Einbettung in den komplexen Handlungszusammenhang einer Zeichenverwendung Voraussetzung.  
Insofern der “Schatten” eine gewisse Ähnlichkeit mit jenem Menschen hat, kann er zudem als ein ikonisches Zeichen für jenen stehen. Auch hier ist die Einbettung in den komplexen Handlungszusammenhang einer Zeichenverwendung Voraussetzung. Analog zur Verlängerung der indexikalischen Aspekte des Dargestellten durch die Indexikalität der Darstellung “verlängert” die Ikonizität des Bildes die ikonischen Aspekte des im Bild Dargestellten.<ref>Diese Transitivität ist allerdings weniger deutlich ausgeprägt als bei der Kausalität: Wenn X ähnlich zu Y ist, Y ähnlich zu Z und schließlich Z ähnlich zu A, folgt bekanntlich keineswegs zwingend, dass X auch ähnlich zu A ist – mit entsprechenden Konsequenzen für die Ikonizität entsprechender Darstellungsbeziehungen (etwa: die Kopie einer Kopie einer Kopie eines Bildes). </ref>
:
Als einem symbolischen Zeichen kann man sich dem “Schatten” schließlich zuwenden, wenn man damit etwa die eigene Aufmerksamkeit oder die eines anderen absichtlich auf den Sachverhalt lenken möchte, dass die Menschheit mit der Fähigkeit, Atombomben explodieren zu lassen, eine gefährliche Grenze überschritten hat. 
:
:
Als einem symbolischen Zeichen kann man sich dem Schatten schließlich zuwenden, wenn man damit etwa die eigene Aufmerksamkeit oder die eines anderen absichtlich auf den Sachverhalt lenken möchte, dass die Menschheit mit der Fähigkeit, Atombomben explodieren zu lassen, eine gefährliche Grenze überschritten hat. 


...  
 
 
— ... Semiose ...  Wiederaufnahme des Gedankens, was wird eigentlich mit einem Zeichen gezeigt
 
...


{{GlossarSiehe}}
{{GlossarSiehe}}
* [[Ähnlichkeit]]
* [[Ähnlichkeit]]
* [[Bedeutung und Referenz]]
* [[Bedeutung und Referenz]]
* [[Bild in reflexiver Verwendung]]
* [[Bilderschrift und Piktogramm]]
* [[Bilderschrift und Piktogramm]]
* [[Bildrezeption als Kommunikationsprozess]]
* [[Bildrezeption als Kommunikationsprozess]]
* [[Digitales Bild]]
* [[Digitales Bild]]
* [[Emblem]]
* [[Griechisch: 'typos', 'eidolon', 'eikon', 'mimema', 'phantasma']]
* [[Referenz, Denotation, Exemplifikation]]
* [[Film]]
* [[Griechisch: 'agalma', 'phantasma', 'eidolon', 'typos', 'eikon']]
* [[Ikone]]
* [[Ikone]]
* [[Interaktion und Kommunikation]]
* [[Interaktion und Kommunikation]]
* [[Interaktions-, Selbst- und Sachbezug]]
* [[Interaktions-, Selbst- und Sachbezug]]
* [[Kontext]]
* [[Kontext]]
* [[Linguistic turn, pictorial turn, medial turn]]
* [["natürliche" Bilder]]
* [["natürliche" Bilder]]
* [[Nomination]]
* [[Nomination]]
* [[Fotografie|Photographie]]
* [[Perspektive und Projektion]]
* [[Pragmatik, Semantik, Syntax]]
* [[Proposition]]
* [[Proposition]]
* [[Pragmatik, Semantik, Syntax]]
* [[Referenz, Denotation, Exemplifikation]]
* [[Sprachliche Metaphern und allgemeine Metaphorologie]]
* [[Weltbild, Lebensform]]
* [[Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem]]
* [[Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem]]
* [[Zeigen und Sich-Zeigen]]
* [[Zeigen und Sich-Zeigen]]
Zeile 92: Zeile 109:
{{GlosTab2}}
{{GlosTab2}}
{{GlosTab3}}
{{GlosTab3}}
''Verantwortlich:''
''Verantwortlich:''  


* Schirra
* [[Benutzer:Joerg R.J. Schirra|Jörg R.J. Schirra]]
<!--den Schluß nicht verändern-->
<!--den Schluß nicht verändern-->
{{GlosEnd}}
{{GlosEnd}}
<!--Das war's-->
<!--Das war's-->

Version vom 19. Dezember 2013, 11:32 Uhr

Unterpunkt zu: Zeichentheorien: Übersicht


Einteilung der Zeichen bei Peirce

Abbildung 1: Übersicht über die dreifache Basis-Dreiteilung der Peirce’sche Zeichenbegriffe

Charles S. Peirce (1839-​1914) gilt als einer der Grün­dungs­väter der moder­nen Zei­chen­theorie. Auf ihn geht auch eine diffe­renzier­te Eintei­lung der Zeichen­arten zu­rück (Abb. 1), von der zu­min­dest ein Teil sehr weite Ver­breitung gefun­den hat. Grob skizziert unter­scheidet Peirce drei zeichen­rele­vante Ebe­nen, die unge­fähr mit der Eintei­lung in Pragma­tik, Seman­tik und Syntax über­einstim­men. In jeder dieser Ebenen setzt er eine weite­re Dreitei­lung an. Syntak­tisch diffe­renziert er Zeichen in​​​ »Sinzei­chen«,​​​ »Le­gi­zeichen«​ und​ »Quali­zei­chen«,​ während​​​ »The­ma«,​ »Rhema«​ und​ »Dicent«​ pragma­tische​ (wirkungs­bezo­gene) Zei­chen­­unter­kate­gori­en bilden.[1]

Es ist allerdings die semantische Ebene, deren Peirce’sche Dreiteilung unter Semiotikern und Theoretikern benachbarter Disziplinen, wie Sprach­philo­sophie und Kunstgeschichte, machtvoll nachwirkt und nicht zuletzt in seinem Begriff der Ikonizität für die Bildtheorie große Relevanz aufweist.[2]


Semantische Dreiteilung: Eigenheiten der Bedeu­tungsbe­ziehung

Da sie auf die semantische Ebene fokussiert sind, differenzieren die Peirceschen Zeichenkategorien​​​ »Index«,​ »Ikon«​ und​​​ »Symbol«​ die Klasse der Zeichen gemäß dem Charakter der Beziehung, die zwischen dem Zeichenträger und dem damit Bezeichneten besteht (in Abb. 1 als ‘Objektbezug’ charakterisiert). Diese “Objekt”­beziehung gilt als konstitutiv für die Bedeutung, die dem Zeichen zugeschrieben wird.[3] Genau genommen handelt es sich bei den drei Kategorien um Idealtypen; in konkreten Fällen wirken die zugehörigen Bedeu­tungsre­latio­nen oft auf komplizierte Weise zusammen (vgl. das ausführliche Beispiel unten).

Ikonizität und Ähnlich­keiten

Der Peircesche Ausdruck ‘Ikon’ (Plural: ‘Ikone’),[4] der seine altgriechische Wurzel (εἰκών, etwa ‘Abbild’) ganz offensichtlich sowohl mit der mittelalterlich-religiösen Ikone als auch mit dem englischen Leihwort ‘Icon’ des Informationszeitalters (dazu ⊳ Bilderschrift und Piktogramm) teilt, mit beidem aber nicht verwechselt werden sollte, bezeichnet solche Zeichen, deren Bedeutungs­beziehung sich einer Ähnlichkeitsrelation zwischen Zeichenträger und Bezeichnetem verdankt (vgl. [Peirce 1983a]Peirce, Charles S. (1983): Phänomen und Logik der Zeichen. Suhrkamp, Frankfurt/M.
Nicht angezeigt: hg. u. übers. v. Helmut Pape
: S. 64). Dies trifft unter anderem auf “natürliche” Bilder (Spiegelbild) wie “normale” abbildende Bilder (Phantomskizze),[5] auf “Foleys” (von einem Geräuschespezialisten für Hörspiel, Film oder Computerspiel erzeugte “Geräuschattrappen”) und synthetische Gerüche (künstliches Erbeeraroma), sowie im sprachlichen Bereich auf onomatopoetische Wörter (‘Kuckuck’), form-ikonische Ausdrücke (‘T-Träger’) und – in gewisser Weise – auf Metaphern (“Sprachbilder”) zu.

Abbildung 2: Skizze zu verschiedenen Ähnlich­keitskonzep­tionen: (a) “Selbst­ähnlich­keit” als Exempli­fikation (genuines Ikon bei Peirce: ‹Hirsch exempli­fiziert Geweih­förmig­keit›); (b) onto­logischer Ähnlich­keitsbe­griff; (c) episte­mischer Ähnlich­keitsbe­griff; (d) handlungs­theore­tischer Ähnlich­keitsbe­griff

Tatsäch­lich liegen bei Peirce echte (genu­ine) Iko­ne nur dann vor, wenn man eine Eigen­schaft eines (als Zeichen­trä­ger) wahrge­nomme­nen Gegen­stands dazu benutzt, sich (oder einen ande­ren) auf eben diese Eigen­schaft aufmerk­sam zu machen – wenn also, in Good­mans Begriff­lichkeit, eine Ex­em­pli­fi­ka­ti­on vor­liegt.[6] Zei­chen, bei denen wegen geteil­ter Eigen­schaften ein Gegen­stand auf einen ande­ren Gegen­stand verweist, bezeich­net Peirce genau­er als ‘Hypo­iko­ne’ (auch ‘dege­nerier­te Iko­ne’ [Peirce ???]Der Eintrag existiert noch nicht., §276). Doch hat sich genau diese abge­leite­te Charak­teri­sierung für den in der Semiotik zumeist verwen­deten Begiff​ »Ikon«​ durchge­setzt. Offen bleibt dabei zunächst, welche Konzep­tion eigent­lich von​ »Ähnlich­keit«​ zu verwen­den ist. Geht man von einem “onto­logisch” gefass­ten Ähnlich­keits­begriff aus, so stellt die Ähnlich­keits­bezie­hung eine “an sich” bestehende Rela­tion zwischen zwei Gegen­ständen dar, die nicht von spezi­fischen Wahrneh­mungs- und Er­kenntnis­fähig­keiten eines über Ähnlich­keit Urtei­lenden abhän­gen. Ein “epis­temisch” gefass­ter Ähnlich­keitsbe­griff würde hinge­gen auf das zurück­greifen, was einem bestimm­ten Betrach­ter[7] als ähnlich erscheint. Nur insofern sich ein Teil der (als objektiv oder subjektiv gefassten) “Eigenschaftsstruktur” eines Dings in der Eigenschaftsstruktur eines anderen Dings spiegelt, kann dieses als ikonisches Zeichen für jenes verwendet werden – und umgekehrt.[8] Bei einem “behavioristischen” (genauer: handlungstheoretischen) Ähnlichkeitsbegriff verschiebt sich der Fokus darauf, dass ein Beobachter beurteilt, ob ein beobachtetes Wesen in seinem Verhalten Anlass zu der Behauptung gibt, etwas als etwas anderem ähnlich erkannt zu haben.[9] Diese Ansätze tragen dem Sachverhalt Rechnung, dass introspektive Begründungen für Ähnlichkeitszuschreibungen alleine nicht ausreichen, um über Ikonizität intersujektiv Einigkeit zu erreichen (vgl. [Schirra & Sachs-Hombach 2013a]Schirra, Jörg R.J. & Sachs-Hombach, Klaus (2013): The Anthropological Function of Pictures. In: Sachs-Hombach, K. & Schirra, J.R.J. (Hg.), Origins of Pictures. Anthropological Discourses in Image Science. Halem, Köln.
).

Im Prinzip genügt jeweils bereits eine einzige (objektive bzw. subjektive) Eigenschaft, die – neben beliebig vielen differierenden – von den betrachteten Gegenständen geteilt wird, um die Ikonizität einer Zeichenbeziehung zwischen jenen zu gewährleisten. Je größer die Ähnlichkeit, desto stärker ist die Ikonizität, wenn der eine Gegenstand als Zeichen für den anderen betrachtet wird. Probleme ergeben sich hingegen, wenn alle Eigenschaften übereinstimmen: Als im engen Sinne​ »ähnlich«​ werden üblicherweise zwei Gegenstände nur dann betrachtet, wenn es mindestens auch eine Eigenschaft gibt, in der sie sich nicht gleichen.[10]

Indexikalität und raumzeitlicher Zusammen­hänge

Von einem ‘Index’ (Plural ‘Indizes’) spricht Peirce bei einem Zeichen, dessen Träger aufgrund seines raumzeitlichen und insbesondere kausalen Zusammenhangs mit dem Bezeichneten als Zeichen für letzteres verwendet wird (vgl. [Peirce 1983a]Peirce, Charles S. (1983): Phänomen und Logik der Zeichen. Suhrkamp, Frankfurt/M.
Nicht angezeigt: hg. u. übers. v. Helmut Pape
: S. 65):[11] wenn also beispielsweise Rauch das Zeichen für Feuer oder rote Hautflecken das Zeichen für (eine Infektion mit) Masern bilden. Alles was in den entsprechenden Naturwissenschaften von Physik bis Medizin als Auswirkung, Anzeichen oder Symptom für ein Phänomen X gilt, stellt mithin auch einen Peirceschen Index für X dar.[12]

Zu beachten ist allerdings, dass die Definition der Indexikalität nicht notwendig von einer natürlichen Beziehung zwischen Zeichenträger und Bezeichnetem ausgeht: Auch das Ortseingangsschild am Rand einer Stadt steht in direkter, wenn auch absichtlich erzeugter raumzeitlicher Beziehung zu dem Bezeichneten (eben dem Rand jener Stadt). Gleiches gilt für das auf dieser Glossarseite links oben gezeigte Logo (das markiert: ›dies ist eine Seite des Glossars der Bildphilosophie‹) oder die farblichen Markierungen, die in diesem Glossartext anzeigen, an welchen Stellen durch Mausklick eine andere Seite erreicht werden kann. Nicht alle Indizes sind mithin auch Symptome im engen (physikalisch-kausalen) Sinn, oder, wie es dann auch heißt: ‘natürliche Indizes’. Im Gegensatz zu den natürlichen ist die raumzeitliche Beziehung, die zwischen Zeichenträger und Bezeichnetem vermittelt, bei den künstlichen Indizes mit Absicht erzeugt – Intentionalität ersetzt also in diesen Fällen Kausalität.[13] Gleichwohl besteht die semantische Pointe auch bei dieser Unterklasse darin, dass allein die raumzeitliche Nähe bereits die Bedeutung des Zeichens bei der Verwendung zu induzieren scheint.

Sprachliche Ausdrücke, wie insbesondere ‘hier’ und ‘jetzt’, aber auch ‘ich’, ‘wir’, ‘du’, ‘ihr’ hängen in ihrer jeweiligen Bedeutung ebenfalls stark ab vom Kontext ihrer Verwendung: Die raumzeitliche Beziehung zu Ort und Zeit ihrer Äußerung bestimmt, welcher Ort mit ‘hier’, welche Person mit ‘du’ gemeint ist. Gleiches gilt natürlich auch für ‘içi’ oder ‘here’, für ‘tu’ oder ‘you’ – um nur zwei andere europäische Sprachen als Beispiele zu bemühen. Neben aller Konventionalität, die diese Art von Ausdrücken eigentlich zu Symbolen im Sinne von Peirce werden lässt, bleibt ihnen ein Moment an Indexikalität wesentlich, weshalb man auch von ‘indexikalischen Ausdrücken’ spricht.

Einen weiteren Sonderfall indexikalischer Zeichen stellen Photographien (und die Produkte verwandter technischer Bildgebungsverfahren) dar: Offenkundig beruhen die hier betrachteten Produktionsverfahren für Zeichenträger darauf, dass eine mehr oder weniger lange aber durchgehende Kette streng kausaler, physikalisch-chemischer Schritte den Zeichenträger automatisch aus dem Bezeichneten (‘Abgebildeten’) ableiten.[14] Obwohl als Bilder eigentlich den ikonischen Zeichen zuzuordnen, schwingt zumindest bei dieser Untermenge auch Indexikalität in ihrem Begriff mit.[15]

Symbolhaftigkeit und Bedeu­tungs­konven­tionen

Ikone gleichen Indizes in einer wichtigen Hinsicht, in der die dritte semantische Zeichenkategorie von Peirce abweicht: Wegen des direkt erkennbaren Zusammenhangs zwischen Zeichenträger und Bezeichnetem scheint die Bedeutung des Zeichens nicht erst durch einen geeigneten Taufakt etabliert werden zu müssen. Indizes und Ikone funktionieren ohne vorangehende Festlegung einer entsprechenden Bedeutungskonvention. Das gilt für die meisten der von uns im Alltag verwendeten Zeichengebräuche keineswegs, wie jeder leicht selbst feststellen kann, wenn er eine fremde Sprache erlernen will. Zeichen, deren Bedeutungsbeziehung mithilfe einer Konvention festgelegt werden müssen, nennt Peirce ‘Symbole’ (vgl. [Peirce 1983a]Peirce, Charles S. (1983): Phänomen und Logik der Zeichen. Suhrkamp, Frankfurt/M.
Nicht angezeigt: hg. u. übers. v. Helmut Pape
: S. 65ff.).

Abbildung 3: Skizze zum Problem um die Ausdrücke ‘Zeichen’ und ‘Symbol’

Dieser Wortgebrauch differiert deutlich von einer anderen, vor allem im deutschsprachigen Raum verbreiteten (auch von Saussure benutzten) Kon­ven­tion, die dem ‘Zeichen’ das ‘Symbol’ gegenüberstellt, wobei ‘Symbol’ in diesem Sinn häufig synonym zu ‘Sinnbild’ ge­braucht wird.[16] Markiert man die unterschiedlichen Wortgebräuche mit den Indizes ‘D’ (deutsch) und ‘P’ (Peirce), so ergibt sich (Abb. 3):​ »SymboleD«​ sind gerade keine​ »ZeichenD«,​ während​ »SymboleP«​ eine Unterart von​ »Zei­chenP«​ sind; des weiteren entsprechen​ »SymboleP«​ weitgehend​ »Zei­chenD«,​ während​ »SymboleD«​ in etwa den Peirceschen​ »Iko­nen«​ entsprechen, also zwar keine​ »ZeichenD«,​ wohl aber​ »Zei­chenP«​ sind.[17] Es empfiehlt sich daher, – besonders in der bildwissenschaftlichen Dikussion – sehr genau darauf zu achten, in welcher Bedeutung die Ausdrücke ‘Zeichen’ und ‘Symbol’ jeweils verwendet werden.[18]

Eine konventionelle Bedeutungszuschreibung liegt im Übrigen nicht nur dann vor, wenn eine Regel, auf die man sich im Zweifelsfall berufen kann, ausdrücklich festgelegt wird (Taufakt im weiten Sinn). Es kann sich auch um historisch gewachsene Gewohnheiten oder stillschweigende (implizite) Übereinkünfte handeln, wie sie bei den meisten Zeichen der “natürlichen” Sprachen, etwa den Wörtern und Sätzen des Deutschen, vorliegen. Hier existieren keine vorweisbaren Situationen mit entsprechenden bedeutungsstifenden Akten, auf die man beim Verdacht einer falschen Verwendungsweise des symbolischen Zeichens verweisen könnte. Zudem wirken in aller Regel die sozialen Mechanismen, die zur Bildung der Tradition beitragen haben, immer weiter, weswegen sich die Traditionen kontinuierlich “unter der Hand” ändern​ (»Sprachwandel«).​ Im Gegensatz zu den tradierten Bedeutungskonventionen können ausdrücklich vereinbarte Zeichenbedeutungen hingegen nur wieder durch weitere ausdrückliche Vereinbarungen der betroffenen Zeichennutzer verändert werden.[19]

Obwohl verwandt sollte die Begriffe​ »Konven­tion«​ und​ »Will­kür­lich­keit«​ (auch​ »Arbi­trari­tät«)​ in diesem Zusam­menhang nicht mitein­ander verwech­selt werden: Auch tradierte Konven­tionen sind in der Regel auf die eine oder andere Weise motiviert und nicht rein willkürlich.[20] Und selbst die an sich frei verfügbaren Assoziationsmöglichkeiten werden bei explizit vereinbarten Konventionen aus guten (etwa mnemotechnischen) Gründen kaum je wirklich ausgeschöpft. Historisch bildete zwar die Frage nach der Willkürlichkeit der Bedeutungsbeziehung in Gestalt der phýsei/thései-Debatte in der griechischen Antike den wesentlichen Ausgangspunkt für die sukkzessive Differenzierung möglicher Objektrelationen bis hin zu Peirce (und darüber hinaus). Doch ergab sich im Verlauf dieser begrifflichen Entfaltung, dass es weniger um die Frage nach einer natürlich (sprich: unabhängig von Zeichenverwendern) bestehenden Beziehung zwischen Zeichen(träger) und Bezeichnetem geht, als vielmehr um verschiedene Möglichkeiten, Aspekte eines als Zeichenträger verwendeten Objekts in das komplexe Geschehen von Zeichenhandlungen zu integrieren (vgl. [Trabant 1996a]Trabant, Jürgen (1996): Elemente der Semiotik. Franke, Tübingen.
, Abschn. II.4).[21]

Ein Beispiel für diesen Zusammenhang kann man in der Diskussion um die Perspektive als einer symbolischen Form[22] sehen. ...


Zur Anwendung auf Bilder: Ein (komplexes) Beispiel

Nach diesen Prämissen sind Bilder häufig als der Prototyp des ikonischen Zeichens interpretiert und gelegentlich sogar mit dem Ikon überhaupt verwechselt worden [...] Es gibt aber Bilder, die in größerem Maße ikonisch, solche, die eher indexikalisch, und andere, die überwiegend symbolisch sind. Das Kriterium des Anteils an ikonischen, indexikalischen und symbolischen Elementen erlaubt es, in der Kulturgeschichte des Bildes drei Prototypen zu bestimmen. Prototypen des ikonischen Bildes ist danach nicht die gegenständliche, sondern vielmehr die nichtgegenständliche, die abstrakte Malerei. Prototyp des indexikalischen Bildes sind ebenso die Photographie wie die gegenständliche Malerei, und Prototyp des symbolischen Bildes ist die ikonologisch beziehungsweise ikonographisch kodifizierte Malerei. ([Nöth 2009]Der Eintrag existiert noch nicht., S. 243f.)

...

...

Abbildung 4: Ein Schatten in Hiroshima — 6. August 1945, 8:15

Die Anwendung der drei Aspek­te auf ein konkretes Beispiel mag verdeut­lichen, wie vielfäl­tig die seman­tischen Re­la­tio­nen letztendlich für einen einzigen Bildträger zusam­menwir­ken: Abbil­dung 4 gibt das Schwarz-​Weiß-​Photo eines unbe­kannten Photo­graphen wieder, das vermut­lich in den letzten Mona­ten des Jahres 1945 aufge­nommen wurde (evt. auch erst im Jahre 1946) und im Hiro­shima Peace Memo­rial Muse­um aufbe­wahrt wird. Zu sehen sind zwei Stufen einer steiner­nen Treppe, die zum Eingang des Gebäu­des der Sumi­tomo-​Bank im Zentrum der japa­nischen Stadt Hiro­shima führt, sowie ein kleiner Ausschnitt der Wand des Gebäudes. Auf den Treppen­stufen zeichnen sich schwärzli­che Spuren im perspek­tivisch verzerr­ten Umriß eines menschli­chen Körpers ab. Es wird angenommen, dass sie entstanden sind, als am 6. August 1945 um 8 Uhr 15 eine Atombombe die Stadt zerstörte und Druck, Hitze und Strahlung die verglühenden Überreste einer Person, die zufällig zu diesem Zeitpunkt vor dem Gebäude auf den Stufen stand, in den Stein eingebrannt haben.

Ikonizität, Indexikalität und Symbolhaftigkeit der Photographie

Wegen der längeren, aber durchweg kausalen Kette von optischen, photochemischen und digitaltechnischen Transformationen, die den hier betrachteten Zeichenträger mit der Aufnahmesituation in Hiroshima zu einem unbekannten Zeitpunkt kurz nach der Bombenexplosion verbinden, hat das damit verwendete Zeichen offensichtlich Index-Charakter. Da zudem eine visuelle Ähnlichkeit zu den tatsächlichen Treppenstufen in Japan besteht, ist auch ein deutlicher ikonische Anteil gegeben. Symbolhaftigkeit tritt hinzu, weil die Signifikanz dieses Bildes erst klar werden kann, wenn ...: Zwar ist – ikonisch – eine Art menschlicher Schatten zu sehen, der – indexikalisch – als Teil einer real in Raum und Zeit existierenden Szene verstanden wird, doch dass diese Photographie etwa auch als Zeichen für die schreckliche Gewalt einer Atombombenexplosion über bewohntem Gebiet dienen mag, erschließt sich nur in einem durch Konventionen etablierten Verständnisrahmen.[23]

Ikonizität, Indexikalität und Symbolhaftigkeit des abgebildeten “Schattens”

Tatsächlich lassen sich Ikonizität, Indexikalität und Symbolhaftigkeiten in diesem Beispiel (wie übrigens bei fast allen Bildern) auch noch auf einer zweiten Ebene anwenden: Denn auch der “Schatten” selbst wird in der Regel ja zeichenhaft gelesen. Als Symptom der ihn verursachenden Explosion kann er als Index für alle der in der zu ihm führenden Kausalkette enthaltenen Faktoren verwendet werden: Dominant in dieser Hinsicht sind sicherlich die Person, die in jenem verhängnisvollen Augenblick an jener Stelle stand, die Strahlungen, die in jenem Moment den Schatten in den Stein brannten, sowie das Ereignis, das die Strahlung ausgelöst hat: die Explosion von «Little Boy».[24] Voraussetzung für eine solche indexikalische Zeichenverwendung mit einer dieser Bedeutungen ist die Einbettung des “Schattens” in eine kommunikative Interaktion (inklusive Selbstdarstellung des Senders) mit bewusster Kontrolle des kommunikativen Zwecks der Handlung (Reflexivierung inklusive Antizipation des Kommunikationspartners; ⊳ Bildrezeption als Kommunikationsprozess). Diese Bedingung ist auch erfüllt, wenn sich jemand selbst vor Ort mithilfe des “Schattens” auf die entsprechende Ursache aufmerksam macht.

Insofern der “Schatten” eine gewisse Ähnlichkeit mit jenem Menschen hat, kann er zudem als ein ikonisches Zeichen für jenen stehen. Auch hier ist die Einbettung in den komplexen Handlungszusammenhang einer Zeichenverwendung Voraussetzung. Analog zur Verlängerung der indexikalischen Aspekte des Dargestellten durch die Indexikalität der Darstellung “verlängert” die Ikonizität des Bildes die ikonischen Aspekte des im Bild Dargestellten.[25]

Als einem symbolischen Zeichen kann man sich dem “Schatten” schließlich zuwenden, wenn man damit etwa die eigene Aufmerksamkeit oder die eines anderen absichtlich auf den Sachverhalt lenken möchte, dass die Menschheit mit der Fähigkeit, Atombomben explodieren zu lassen, eine gefährliche Grenze überschritten hat.


— ... Semiose ... Wiederaufnahme des Gedankens, was wird eigentlich mit einem Zeichen gezeigt

...

Anmerkungen
  1. ↑ Vgl. [Peirce 1983a]Peirce, Charles S. (1983): Phänomen und Logik der Zeichen. Suhrkamp, Frankfurt/M.
    Nicht angezeigt: hg. u. übers. v. Helmut Pape
    ; siehe auch: [Birk et al. 2013a]Der Eintrag existiert noch nicht..
  2. ↑ Ob sich die Bestimmung der entsprechende Begriffe tatsächlich im rein semantischen Sinn durchführen lässt, oder nicht vielmehr tatsächlich notwendiger Weise pragmatische Aspekte berücksichtigt werden müssen, hängt letztlich an dem Status, den man der Semantik relativ zur Pragmatik zuschreibt.
  3. ↑ Offen bleibt an dieser Stelle, ob der “Objektbezug” einen Referenten im engeren (extensionalen) Sinn meint (⊳ Bedeutung und Referenz und Nomination), oder welches Verhältnis zu einem Sachbezug im engen (propositionalen) Sinn besteht. Vgl. auch [Schelske 2000a]Schelske, Andreas (2000): Bedeutung oder Bezeichnung. In: Sachs-Hombach, K. & Rehkämper, K. (Hg.), Vom Realismus der Bilder. Scriptum, Magdeburg.
    .
  4. ↑ Seltener, und laut Duden auch nicht ganz korrekt, findet sich auch die anglisierte Form ‘Ikons’ als Plural.
  5. ↑ Da die gezeichnete Person durchaus fiktiv sein kann, deutet das Beispiel​ »Phantombild«​ zugleich an, dass es sich auch um eine nur intentionale Abbildlichkeit handeln kann.
  6. ↑ Genau aus diesem Grund gelten genuine Ikone Peirce auch als die einfachste der in Zeichen vorkommenden Gegenstandsbeziehungen: Im Gegensatz zu den beiden anderen Klassen richtet sich der Blick bei genuinen Ikonen nämlich nur auf einen Gegenstand (der “Eigenschaftsträger”), da Zeichenträger und Bezeichnetes in gewisser Weise zusammenfallen.
  7. ↑ Der Ausdruck ‘Betrachter’ ist hier natürlich recht weit gefasst, da er nicht auf die visuelle Sinnesmodalität eingeschränkt verwendet wird.
  8. ↑ Technisch wird oft von einer partiellen Isomorphie – einer teilweisen Strukturgleichheit – gesprochen. Da dieser Typ von Ähnlichkeitsbeziehung offensichtlich reflexiv ist, folgt dasselbe für die Ikonizität: Wenn X ähnlich zu bzw. ikonisches Zeichen für Y ist, dann ist auch Y ähnlich zu bzw. ikonisches Zeichen für X.
  9. ↑ Diese um eine Ebene zurückverlegte Betrachtung erlaubt eine “Symmetrie-Brechung”, denn aus dem Vorliegen solcher Gründe für B dafür, dass W X für Y ähnlich hält, folgt eben keineswegs, dass B auch Gründe in W’s Verhalten dafür findet, dass W Y für X ähnlich hält.
  10. ↑ Ob jeder Gegenstand als sich selbst ähnlich verstanden werden sollte, ob der Begriff​ »Ähnlichkeit«​ also als Begriff einer reflexiven zweistelligen Relation angesetzt werden sollte, ist umstritten (vgl. etwa [Goodman 1970a]Goodman, Nelson (1970): Seven Strictures on Similarity. In: Foster, L. & Swanson, J. W. (Hg.), Experience and Theory. University of Massachusetts, Amherst.
    ). Weitgehende Einigkeit herrscht hingegen darüber, dass ein Zeichenträger nur dann Zeichenfunktion erfüllen kann, wenn er nicht mit dem Gegenstand, auf den er verweist, identisch ist (vgl. bereits [Platon 1922a]Platon (1922): Kratylos. Meiner, Leipzig.
    Nicht angezeigt: übersetzt und erläutert von Otto Apelt
    : 432a-c). Allerdings lässt sich der Unterschied zwischen tierischer Gegenstandswahrnehmung und menschlicher Gegenstandswahrnehmung (u.a. bei bei handlungstheoretischer Betrachtung) auch darauf zurückführen, dass bei letzterer prinzipiell und daher unabtrennbar eine reflektierende Distanz zum Wahrnehmen tritt: Das menschliche Gegenstandssehen ist immer ein »sich selbst zu sehen geben« (wobei der dabei in der Erläuterung verwendete Ausdruck ‘Sehen’ auf die tierische, d.h. nicht reflektierte Version bezogen bleibt; ⊳ Sehen; vgl. auch Sortale Gegenstände und Individuation und Dezeptiver und immersiver Modus). In der Folge ist dann die Rede davon, dass Menschen sehen, indem sie sich – sich selbst gegenüber – als Sehende darstellen.
  11. ↑ Die Bezeichnung ‘Index’ leitet sich vom lateinischen Wort für Zeigefinger ab.
  12. ↑ Vgl. auch Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem: Anmerkung 8. — Da Symptome nicht kriterial (also weder hinreichend noch notwendig) für das, was sie anzeigen (können), sind – Rauch kann auch ohne Feuer auftreten (und Feuer ohne Rauch), so wie rote Hautflecken ohne Maserninfektion (und Maserninfektionen ohne das Ausbilden von roten Hautflecken) möglich sind – kann der Index-Charakter eines Zeichens recht labil sein.
  13. ↑ Die intentionsbasierten Indizes stehen in enger Verbindung zum Begriff des Zeigens, d.h. der Deixis, während die kausalen Indizes höchstens als einfache Fälle von​ »Sich-Zeigen«​ begriffen werden können.
  14. ↑ Vgl. hierzu auch die Diskussion im Glossarbeitrag​ «Digitales Bild»​ zu deren (Nicht-)​Indexikalität.
  15. ↑ Eine analoge Argumentation gilt für “Tonkonserven”: Auch diese beinhalten offensichtlich stets sowohl ikonische als auch indexikalische Momente.
  16. ↑ Vgl. hierzu auch die Anmerkungen zu ‘Sinnbild’ im Artikel​ «Emblem». Eine grobe Übersicht findet sich unter Wikipedia: Symbol.
  17. ↑ Da zudem der wesentliche Unterschied zwischen »ZeichenD«​ und »SymboleD«​ darin besteht, dass die Bedeutungsrelation bei erstern als rein willkürlich, bei letzteren hingegen als aus dem Symbolisierten natürlich erwachsende Relation verstanden wird, schließen sich beiden wechselseitig aus. Die Peirce’schen Begriffsumfänge überlappen sich hingegen.
  18. ↑ Vor diesem Hintergrund mag jemand, der Bilder als (ikonische)​ »ZeichenP«​ betrachtet, schnell in ein Wortgefecht über die Zeichenhaftigkeit von Bildern geraten mit jemandem, der Bilder als ​ »SymboleD«​ versteht.
  19. ↑ Als Alternative bleibt allerdings eine Entwicklung von der explizit vereinbarten Konvention zu einer die ursprüngliche “Taufsituation” vergessenden und im Weiteren als rein tradierte Konvention verstandenen Bedeutungsrelation möglich.
  20. ↑ Ein Beispiel für derartige Motivationen ist im Exkurs:Beispiel für motivierte Zeichenkonventionen dargestellt.
  21. ↑ In engem Zusammenhang zur “Willkürlichkeit” von Zeichenträgern für die zugehörigen Bedeutungen steht zudem die Diskussion um die Möglichkeit einer Rückwirkung des Zeichenträgers auf das Verständnis dessen, was dieser Ausdruck bedeutet: Unter der Bezeichnung ‘Sprachrelativismusthese’ (??) (auch: ‘Sapir-Whorf-Hypothese’; vgl. [Wikipedia] ..., dass die “Weltsicht”, das “Weltbild” einer Sprach- (oder Zeichen-)gemeinschaft entscheidend durch die von ihren Mitgliedern verwendete ; ⊳ Weltbild, Lebensform & Linguistic turn, pictorial turn, medial turn.
  22. ↑ Symbolbegriff Cassirers ...
  23. ↑ Ganz unerwähnt bleibt dabei noch die weitere Möglichkeit, den Bildträger, wie in diesem Glossarartikel geschehen, reflexiv einzusetzen, um auf den einen oder anderen Aspekt der Bildverwendung als solche exemplarisch aufmerksam zu machen.
  24. ↑ Wegen der Transitivität der Kausalbeziehung “verlängert” die Photographie als Index die bereits signifikanten Kausalketten der abgebildeten Szene sozusagen bis zum Betrachter.
  25. ↑ Diese Transitivität ist allerdings weniger deutlich ausgeprägt als bei der Kausalität: Wenn X ähnlich zu Y ist, Y ähnlich zu Z und schließlich Z ähnlich zu A, folgt bekanntlich keineswegs zwingend, dass X auch ähnlich zu A ist – mit entsprechenden Konsequenzen für die Ikonizität entsprechender Darstellungsbeziehungen (etwa: die Kopie einer Kopie einer Kopie eines Bildes).
Literatur
[Berndt & Drügh 2009a] Berndt, Frauke & Drügh, Heinz J. (Hg.) (2009): Symbol – Grundlagentexte aus Ästhetik, Poetik und Kulturwissenschaft . Suhrkamp, Frankfurt/M.[Birk et al. 2014a]Birk, Elisabeth & Halawa, Mark A. & Mosbach, Doris (2014): Semiotik. In: Netzwerk Bildphilosophie (Hg.), Bild und Methode. Theoretische Hintergründe und methodische Verfahren der Bildwissenschaft. Halem, Köln.[Cassirer 1930a]Cassirer, Ernst (2004): Mythischer, ästhetischer und theoretischer Raum (1930). In: Recki, B. (Hg.), Ernst Cassirer: Gesammelte Werke, Bd. 17. Meiner, Hamburg.[Cassirer 2009a]Cassirer, Ernst (2009): Der Begriff der symbolischen Form im Aufbau der Geisteswissenschaften. In: Schriften zur Philosophie der symbolischen Formen. Meiner, Hamburg.[Goodman 1970a]Goodman, Nelson (1970): Seven Strictures on Similarity. In: Foster, L. & Swanson, J. W. (Hg.), Experience and Theory. University of Massachusetts, Amherst.[Nöth 2009a]Nöth, Winfried (2009): Bildsemiotik. In: Sachs-Hombach, K. (Hg.), Bildtheorien. Anthropologische und kulturelle Grundlagen des Visualistic Turn. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Panofsky 1924a]Panofsky, Erwin (1998): Die Perspektive als symbolische Form (1924). In: Michels, K. & Warnke, M. (Hg.), Erwin Panofsky, Deutschsprachige Aufsätze, Bd. 2. Akademie, Berlin.[Peirce 1983a]Peirce, Charles S. (1983): Phänomen und Logik der Zeichen. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Peirce 1998a]Peirce, Charles S. (1998): Collected Papers, Vol. 2: Elements of Logic. Thoemmes, Bristol.[Platon 1922a]Platon (1922): Kratylos. Meiner, Leipzig.[Schelske 2000a]Schelske, Andreas (2000): Bedeutung oder Bezeichnung. In: Sachs-Hombach, K. & Rehkämper, K. (Hg.), Vom Realismus der Bilder. Scriptum, Magdeburg.[Schirra & Sachs-Hombach 2013a]Schirra, Jörg R.J. & Sachs-Hombach, Klaus (2013): The Anthropological Function of Pictures. In: Sachs-Hombach, K. & Schirra, J.R.J. (Hg.), Origins of Pictures. Anthropological Discourses in Image Science. Halem, Köln.[Trabant 1996a]Trabant, Jürgen (1996): Elemente der Semiotik. Franke, Tübingen.

Verantwortlich:

Seitenbearbeitungen durch: Joerg R.J. Schirra, Klaus Sachs-Hombach und Marcel Lemmes — (Hinweis)