Bild und Sprache: Unterschied zwischen den Versionen
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* Der Kern des vierten Modus liegt in einem Problem der ''Syntak­tik''. Die an der Pragma­tik orien­tierten Modi thema­tisieren, wie man sich über ein – aus piktu­ralen [[Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem|Zeichen]] – beste­hendes Arte­fakt mit Hilfe von anders­arti­gen Zeichen, nämlich sprachli­chen bzw. schriftli­chen, äußert. Der vierte Modus, [[Sprach-Bild-Bezüge|Sprach-​Bild-​Bezü­ge]], hat es hinge­gen primär mit Arte­fakten oder zusam­menge­setzten Gebil­den zu tun, die an sich schon über eine hybri­de Syntak­tik verfü­gen – eine Syntak­tik, in der zwei distink­te Arten von Zeichen zu finden sind. Dazu zählen beispiels­weise [[Emblem|Emble­me]] oder jene uns aus jedem Museum, jedem Kunstka­talog so vertrau­ten Gebil­de aus Bild und [[Bildtitel|Bildti­tel]]. | * Der Kern des vierten Modus liegt in einem Problem der ''Syntak­tik''. Die an der Pragma­tik orien­tierten Modi thema­tisieren, wie man sich über ein – aus piktu­ralen [[Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem|Zeichen]] – beste­hendes Arte­fakt mit Hilfe von anders­arti­gen Zeichen, nämlich sprachli­chen bzw. schriftli­chen, äußert. Der vierte Modus, [[Sprach-Bild-Bezüge|Sprach-​Bild-​Bezü­ge]], hat es hinge­gen primär mit Arte­fakten oder zusam­menge­setzten Gebil­den zu tun, die an sich schon über eine hybri­de Syntak­tik verfü­gen – eine Syntak­tik, in der zwei distink­te Arten von Zeichen zu finden sind. Dazu zählen beispiels­weise [[Emblem|Emble­me]] oder jene uns aus jedem Museum, jedem Kunstka­talog so vertrau­ten Gebil­de aus Bild und [[Bildtitel|Bildti­tel]]. | ||
* Beim fünften Modus begegnen wir abermals einem Problem der ''Syntak­tik''. Ihm ist es jedoch nicht um die Kombi­nation zwei distink­ter Arten von Zeichen zu tun. Für den Hauptpunkt [[Schriftbildlichkeit|Schriftbild­lichkeit]] ist vielmehr die Über­legung entschei­dend, dass schriftli­che Zeichen inso­fern schon an sich hybri­de sind, als sie gene­rell piktu­rale Quali­täten besit­zen. Geklärt wird dabei, in welchem Maße das jeweils der Fall ist. | * Beim fünften Modus begegnen wir abermals einem Problem der ''Syntak­tik''. Ihm ist es jedoch nicht um die Kombi­nation zwei distink­ter Arten von Zeichen zu tun. Für den Hauptpunkt​ «[[Schriftbildlichkeit|Schriftbild­lichkeit]]»​ ist vielmehr die Über­legung entschei­dend, dass schriftli­che Zeichen inso­fern schon an sich hybri­de sind, als sie gene­rell piktu­rale Quali­täten besit­zen. Geklärt wird dabei, in welchem Maße das jeweils der Fall ist. | ||
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Version vom 29. November 2013, 11:27 Uhr
Theorieperspektive im Glossar der Bildphilosophie
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Die Antwort auf die Frage, welches Verhältnis zwischen Bild und Sprache besteht, ist facettenreich. Ad hoc lässt sich dieser Reichtum dadurch erklären, dass einerseits die Verhältnisbestimmungen eher spekulativ oder eher empirisch begründet und dass andererseits die Relata unterschiedlich abstrakt oder konkret gefasst werden können. In der Anthropologie beispielsweise findet sich eine Spekulation, die dieses Verhältnis als Konkurrenz bestimmt und Bild und Sprache en bloc in Beziehung zu setzen versucht. Hierbei stehen sich zwei Traditionen gegenüber. Die ältere Tradition versteht den Menschen seit Aristoteles als „zoon logon echon“ (ζωον λόγον έχον),[1] als das Sprache (und Vernunft) habende Tier; in ihr spielt das Bild nur eine nachgeordnete Rolle. Die jüngere Tradition sieht mit Hans Jonas im Menschen vor allem den „homo pictor“, den malenden Menschen; hier gilt die Sprache als ein Abgeleitetes, das seinerseits schon die Fähigkeit zu Imagination und Darstellung voraussetzt.[2] Aus einer damit verwandten Perspektive, die die Konkurrenz funktionalistisch fasst, stammen die – weniger spekulativen und konkreteren – Versuche, die Leistungsfähigkeit von Bild und Sprache daran zu messen, inwieweit diese jenes (völlig oder teilweise) ersetzen kann und umgekehrt. In diesem Zusammenhang ist beispielsweise die Einsicht in die notorischen Probleme von Bildern bei der Darstellung von Negationen entstanden[3] oder das Sprichwort geprägt worden, dass ein Bild mehr sage als tausend Worte. Nebenbei, die Entscheidung darüber, ob das Bild oder die Sprache in der Konkurrenz obsiegt, folgt oft auch handfesten forschungspolitischen Motiven. So wurden in den 1990er Jahren die Schlagworte des „iconic“ oder „pictorial turn“ in Analogie zum älteren „linguistic turn“ nicht zuletzt deshalb ausgerufen, um anstelle der Sprache das Bild als neues (human-)wissenschaftliches Paradigma zu empfehlen.[4] Ersetzt man die spekulative(re) Verhältnisbestimmung durch eine der Empirie nahe oder nähere, findet sich eine Reihe von konkreten Verknüpfungen von Bild und Sprache – vgl. dazu ausführlich und grundsätzlich ⊳ «Sprach-Bild-Bezüge» –, deren Modi sich locker mit Hilfe der semiotischen Grundbegriffe »Semantik«, »Pragmatik« und »Syntaktik« ordnen lassen.
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Hauptpunkte
Anmerkungen
Literatur
[Jonas 1973a]Jonas, Hans (1973): Homo pictor. Von der Freiheit des Bildens. In: Jonas, H. (Hg.), Organismus und Freiheit. Ansätze zu einer philosophischen Biologie. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen.[Liebsch 2012a]Liebsch, Dimitri (2012): “Uneigentliche” Bilder. Zur (historischen) Bildsemantik und -metaphorik. In: Liebsch, D. & Mößner, N. (Hg.), Visualisierung und Erkenntnis. Bildverstehen und Bildverwenden in Natur- und Geisteswissenschaften. von Halem, Köln.[Mitchell 2008b]Mitchell, William J.T. (2008): Das Leben der Bilder. Eine Theorie der visuellen Kultur. C.H. Beck, München.[Scholz 2004a]Scholz, Oliver R. (2004): Bild, Darstellung, Zeichen. Philosophische Theorien bildhafter Darstellungen. Klostermann, Frankfurt/M.[Strube 2000a]Strube, Werner (2000): Baumgartens Ästhetik als Transformation seiner Theorie des Gedichts. In: Rohmer, E. & Schnabel, W. W. & Witting, G. (Hg.), Texte Bilder Kontexte. Interdisziplinäre Beiträge zu Literatur, Kunst und Ästhetik der Neuzeit. Winter, Heidelberg. Verantwortlich: Seitenbearbeitungen durch: Dimitri Liebsch und Joerg R.J. Schirra — (Hinweis) |