Symbol, Index, Ikon: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Glossar der Bildphilosophie
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Joerg R.J. Schirra (Diskussion | Beiträge)
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==Einteilung der Zeichen bei Peirce ==
[[Datei:Peirce.jpg|thumb|Abbildung 1: Übersicht über die dreifache Basis-Dreiteilung der Peirce’sche Zeichenbegriffe]]
Charles Sanders Peirce (1839-1914) gilt als einer der Gründungsväter der modernen Zeichentheorie. Auf ihn geht auch eine differenzierte Einteilung der Zeichenarten zurück (Abb. 1), von der zumindest ein Teil sehr weite Verbreitung gefunden hat. Grob skizziert unterscheidet Peirce drei zeichenrelevante Ebenen, die zumindest ungefähr mit der Einteilung in [[Pragmatik, Semantik, Syntax|Pragmatik, Semantik und Syntax]] übereinstimmt. In jeder dieser Ebenen setzt er eine weitere Dreiteilung an. Syntaktisch differenziert er [[Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem|Zeichen]] in​​&#8203; »Sinzeichen«,​​&#8203; »Legizeichen«&#8203; und&#8203; »Quali&shy;zei&shy;chen«,&#8203; während​​&#8203; »Thema«,&#8203; »Rhema«&#8203; und&#8203; »Dicent«&#8203; pragmatische&#8203; (wirkungsbezogene) Zeichen­&shy;unter&shy;kate&shy;gorien bilden.<ref>... Quelle ...</ref>
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Es ist allerdings die semantische Ebene, deren Peirce’sche Dreiteilung unter Semiotikern und Theoretikern benachbarter Disziplinen, wie Sprachphilosophie und Kunstgeschichte, machtvoll nachwirkt und nicht zuletzt in seinem Begriff der Ikonizität für die Bildtheorie große Relevanz aufweist.


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=====Darstellung des gr. Zusammenhangs=====
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<!--Anmerkung zwischen <ref> und </ref> im laufenden Text-->
<!--Literaturverweise im laufenden Text <bib id='Jonas61a'>[Jonas 1961]</bib> -->
<!--  ... id im Literaturverzeichnis nachsehen, gegebenenfalls neu einfügen -->
<!--  ... (siehe Bearbeitungslink in Bibliographie-Box -->
<!-- Bilder als thumbs einsetzen, Muster: [[Datei:Beispiel.png|thumb|Bildtitel]] -->
How do we have to interprete “natural signs”, as mirror images are sometimes called together with object shadows (cf. Fig. 17), the red spots of measles, and the foot prints on a sandy beach? In fact, in a society of blind nobody would have the idea of associating the discourse about, e.g., the surface of a quite lake with the discussion on signs: considered as a mere object without anybody (even potentially) perceiving it in the right modality of sense (i.e., visually), there is no reason to link a mirror with pictures, at all.


C. S. Peirce has introduced the semiotic distinction between “index”, “icon”, and “symbol” that comes in handy for this discussion [Peirce 1931ff, 2.274]. An index is an entity that may be used as a sign for something – the referent – due to its direct physical relation to that referent. Thus, we may use smoke as an indexical sign for fire – we keep our focus of attention on that (assumed) fire by means of “showing to ourselves” the smoke we perceive alone. Analogously, a photograph may be conceived of as an index. Due to the causal relations – mediated by the light energy and the chemical reactions of the photosensitive emulsion – between a spatial scene and a photo thereof, a person can use the photo in a sign act to move the attention of somebody else to that spatial scene (or rather his/her attitude toward that scene).  
==Semantische Dreiteilung: Eigenheiten der Bedeutungsbeziehung==
Da sie auf die semantische Ebene fokussiert sind, differenzieren die Peirceschen Zeichenkategorien​​&#8203; »Index«,&#8203; »Ikon«&#8203; und​​&#8203; »Symbol«&#8203; die Klasse der Zeichen gemäß dem Charakter der Beziehung, die zwischen dem Zeichenträger und dem damit Bezeichneten besteht (in Abb. 1 als ‘Objektbezug’ charackterisiert). Diese “Objekt”beziehung gilt als konstitutiv für die Bedeutung, die dem Zeichen zugeschrieben wird.<ref>Offen bleibt an dieser Stelle, ob der “Objektbezug” einen Referenten im engeren (extensionalen) Sinn meint (⊳ [[Bedeutung und Referenz]] und [[Nomination]]), oder welches Verhältnis zu einem [[Interaktions-, Selbst- und Sachbezug|Sachbezug]] im engen ([[Proposition|propositionalen]]) Sinn besteht. </ref>


===Ikonizität und Ähnlich&shy;keiten===


=====Engere Begriffsbestimmung=====
Der Peircesche Ausdruck ‘Ikon’ (Plural: ‘Ikone’), der seine altgriechische Wurzel ([[Griechisch: 'typos', 'eidolon', 'eikon', 'mimema', 'phantasma'#‘Eikon’|εἰκών]], etwa ‘Abbild’) ganz offensichtlich sowohl mit der mittelalterlich-religiösen [[Ikone]] als auch mit dem englischen Leihwort ‘Icon’ des Informationszeitalters (dazu ⊳ [[Bilderschrift und Piktogramm]]) teilt, mit beidem aber nicht verwechselt werden sollte, bezeichnet solche Zeichen, deren Bedeutungsbeziehung sich einer ''[[Ähnlichkeit|Ähnlichkeitsrelation]]'' zwischen Zeichenträger und Bezeichnetem verdankt. Dies trifft unter anderem auf [["natürliche" Bilder|“natürliche” Bilder]] (Spiegelbild) wie “normale” abbildende Bilder (Phantomskizze), auf “Foleys” (von einem Geräuschespezialisten für Hörspiel,  [[Film]] oder Computerspiel erzeugte “Geräuschattrappen”) und synthetische Gerüche (künstliches Erbeeraroma), sowie im sprachlichen Bereich auf onomatopoetische Wörter (‘Kuckuck’) und form-ikonische Ausdrücke (‘T-Träger’) zu.
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Geht man von einem “ontologisch” gefassten Ähnlichkeitsbegriff aus, so stellt die Ähnlichkeitsbeziehung eine “an sich” bestehende Relation zwischen zwei Gegenständen dar, die nicht von spezifischen Wahrnehmungs- und Erkenntnisfähigkeiten eines über Ähnlichkeit Urteilenden abhängen. Ein “epistemisch” gefasster Ähnlichkeitsbegriff würde hingegen auf das zurückgreifen, was einem bestimmten Betrachter<ref>Der Ausdruck ‘Betrachter’ ist hier natürlich recht weit gefasst, da er nicht auf die visuelle Sinnesmodalität eingeschränkt verwendet wird.</ref> als ähnlich ''erscheint''. Insofern sich ein Teil der (als objektiv oder subjektiv gefassten) “Eigenschaftsstruktur” eines Dings in der Eigenschaftsstruktur eines anderen Dings spiegelt, kann dieses als ikonisches Zeichen für jenes verwendet werden – und umgekehrt.<ref>Technisch wird oft von einer partiellen [[Isomorphie]] – einer teilweisen Strukturgleicheit – gesprochen. Da dieser Typ von Ähnlichkeitsbeziehung offensichtlich reflexiv ist, folgt dasselbe für die Ikonizität: Wenn ''X'' ähnlich zu bzw. ikonisches Zeichen für ''Y'' ist, dann ist auch ''Y'' ähnlich zu bzw. ikonisches Zeichen für ''X''.</ref> Bei einem (im weiten Sinn) behavioristischen Ähnlichkeitsbegriff verschiebt sich der Fokus darauf, dass ein Beobachter beurteilt, ob ein beobachtetes Wesen in seinem Verhalten Anlass zu der Behauptung gibt, etwas als etwas anderem ähnlich erkannt zu haben.<ref>Diese um eine Ebene zurückverlegte Betrachtung erlaubt eine “Symmetrie-Brechung”, denn aus dem Vorliegen solcher Gründe für ''B'' dafür, dass ''W'' ''X'' für ''Y'' ähnlich hält, folgt eben keineswegs, dass ''B'' auch Gründe in ''W''’s Verhalten dafür findet, dass ''W'' ''Y'' für ''X'' ähnlich hält.</ref>   
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Beim ontologischen wie epistemischen Ähnlichkeitsbegriff genügt im Prinzip bereits ''eine einzige'' (objektive bzw. subjektive) geteilte Eigenschaft – neben beliebig vielen differierenden –, um Ikonizität der Zeichenbeziehung zu gewährleisten.
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Probleme ergeben sich hingegen, wenn ''alle'' Eigenschaften übereinstimmen: Im engen Sinne ähnlich sind sich zwei Gegenstände nur, wenn es mindestens auch eine Eigenschaft gibt, in der sie sich nicht gleichen.<ref>Ob jeder Gegenstand als sich selbst ähnlich verstanden werden sollte, ob der Begriff&#8203; »Ähnlichkeit«&#8203; also als Begriff einer reflexiven zweistelligen Relation angesetzt werden sollte, ist umstritten (vgl. kritisch hierzu <bib id='Goodmann'></bib>).</ref>


Indeed, the original determination of Peirce understands the three types as subcategories of signs, while the classification as given above, i.e., of objects as potential signs, might be more convenient for our purposes. Thus, we distinguish between an index – the object considered with a potential to be used as a sign for something together with a certain motivation for that potential – and an indexical sign – that object actually used as a sign according to potential and motivation; icon and iconic sign are distinguished accordingly (approx.: icon = genuine icon; iconic sign = hypoicon, cf. [Peirce 1903 (1998, 273)]). No corresponding differentiation needs to be drawn for symbols – they are “arbitrarily” linked to their referents, i.e., only by means of the sign act itself.
===Indexikalität und raumzeitlicher Zusammen&shy;hänge===


Indexical signs cannot be used to refer to fictitious scenes – taking something as an indexical sign implies the reality of the referent. Nevertheless it is possible to lie with a photo [HGBRD 2000]: if the sender is aware of the photo not to be an index (e.g., being a photomontage) but leaves the recipient in believing it to be used as an indexical sign this sign act fulfills all criteria of a lie. That a photo can be used as an indexical sign and as a non-indexical sign for referring to the very same scene leads us to Peirce’s second class: icons are objects that may be used as a sign for something motivated by the fact that they bear resemblance with the intended referent. In the case of a photo, such a visual resemblance is usually assumed even in the case of massive alterations of the original index: then, a fictitious scene is assumed to look like that, and the photo may be used in a sign act to denote that fictitious scene. Films with naturalistically rendered computer graphics that place believably behaving dinosaurs together with real actors in the background of an exotic forest, which may or may not be a real landscape, give a perfect example of such an iconic sign of a visual fiction.  
Von einem ‘Index’ (Plural ‘Indizes’) spricht Peirce bei einem Zeichen, dessen Träger aufgrund seines ''raumzeitlichen'' und insbesonderen ''kausalen'' Zusammenhangs mit dem Bezeichneten als Zeichen für letzteres verwendet wird:<ref>Die Bezeichnung ‘Index’ leitet sich vom lateinischen Wort für Zeigefinger ab.</ref> wenn also beispielsweise Rauch das Zeichen für Feuer oder rote Hautflecken das Zeichen für (eine Infektion mit) Masern bilden. Alles was als Auswirkung, Anzeichen oder Symptom für ein Phänomen ''X'' in den entsprechenden Naturwissenschaften von Physik bis Medizin gilt, stellt mithin auch einen Peirceschen Index für ''X'' dar.<ref>Da Symptome nicht kriterial (also weder hinreichend noch notwendig) für das, was sie anzeigen (können), sind – Rauch kann auch ohne Feuer auftreten (und Feuer ohne Rauch), so wie rote Hautflecken ohne Maserninfektion (und Maserninfektionen ohne das Ausbilden von roten Hautflecken) möglich sind – kann der Index-Charakter eines Zeichens recht labil sein.</ref>
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Zu beachten ist allerdings, dass die Definition der Indizes nicht notwendig von einer natürlichen Beziehung zwischen Zeichenträger und Bezeichnetem ausgeht: Auch das Ortseingangsschild am Rand einer Stadt steht in direkter, wenn auch absichtlich erzeugter raumzeitlicher Beziehung zu dem Bezeichneten (eben dem Rand jener Stadt). Gleiches gilt für das auf dieser Glossarseite links oben gezeigte Logo oder die farblichen Markierungen, die in diesem Glossartext anzeigen, an welchen Stellen durch Mausklick eine andere Seite erreicht werden kann. Nicht alle Indizes sind mithin auch Symptome im engen (physikalisch-kausalen) Sinn, oder, wie es dann auch heißt: ‘''natürliche'' Indizes’. Im Gegensatz zu den natürlichen ist die raumzeitliche Beziehung, die zwischen Zeichenträger und Bezeichnetem vermittelt, bei den ''künstlichen'' Indizes mit Absicht erzeugt – Intentionalität ersetzt also in diesen Fällen Kausalität.<ref>Die intentionsbasierten Indizes stehen in enger Verbindung zum Begriff des [[Zeigen und Sich-Zeigen|Zeigens]], d.h. der Deixis, während die kausalen Indizes höchstens als einfache Fälle von&#8203; »[[Zeigen und Sich-Zeigen|Sich-Zeigen]]«&#8203; begriffen werden können.</ref> Gleichwohl besteht die semantische Pointe auch bei dieser Unterklasse darin, dass allein die raumzeitliche Nähe die Bedeutung des Zeichens bei der Verwendung zu induzieren scheint. 
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Sprachliche Ausdrücke, wie insbesondere ‘hier’ und ‘jetzt’, aber auch ‘ich’, ‘wir’, ‘du’, ‘ihr’ hängen in ihrer jerweiligen Bedeutung ebenfalls stark ab vom [[Kontext]] ihrer Verwendung: die raumzeitliche Beziehung zu Ort und Zeit ihrer Äußerung bestimmt, welcher Ort mit ‘hier’, welche Person mit ‘du’ gemeint ist. Gleiches gilt natürlich auch für ‘içi’ oder ‘here’, für ‘tu’ oder ‘you’ – um nur zwei andere europäische Sprachen als Beispiele zu bemühen. Neben aller Konventionalität, die diese Art von Ausdrücken eigentlich zu [[#Symbolhaftigkeit und Bedeu&tungs&shy;konventionen|Symbolen]] im Sinne von Peirce werden lässt, bleibt ihnen ein Moment an Indexikalität wesentlich, weshalb man auch von ‘indexikalischen Ausdrücken’ spricht.
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Einen weiteren Sonderfall indexikalischer Zeichen stellen [[Fotografie|Photographien]] (und verwandte technische Bildgebungsverfahren) dar: Offenkundig beruhen die hier betrachteten Produktionsverfahren für Zeichenträger darauf, dass eine mehr oder weniger lange aber geschlossene Kette streng kausaler, physikalisch-chemischer Schritte den Zeichenträger automatisch aus dem Bezeichneten (‘Abgebildeten’) ableiten.<ref>Vgl. hierzu auch die Diskussion im Glossarbeitrag «[[Digitales Bild#Zu a. (Nicht-)​Inde­xika­lität|Digitales Bild]]» zu deren (Nicht-)&#8203;Indexikalität.</ref> Obwohl als Bilder eigentlich den [[#Ikonizität und Ähnlich&shy;keiten|ikonischen]] Zeichen zuzuordnen, schwingt zumindest bei dieser Untermenge auch Indexikalität in ihrem Begriff mit.


Peirce’s third class, symbols, are characterized by no such immediate relation between sign vehicle and sign object or sign content: it is the semiotic activity of the sign users in general that is responsible for that connection. Hence, symbols are called arbitrary. For indexical signs and iconic signs it is possible to understand them without learning – by spontaneously activating knowledge about causal relations or resemblance within the contextual semiotic activity: “this guy tries to tell me something (anything!) with that thing, which looks similar to / is causally linked to …”. No such spontaneous semiosis may take place for symbols without a prior introduction. The meaning of words, “human life” for example, must be taught; the significance of a date, e.g., “August 6, 1945”, must be explicitly communicated (as part of an already established complex cultural frame) before they can be used as symbols.
===Symbolhaftigkeit und Bedeutungs&shy;konventionen===
Ikone gleichen Indizes in einer wichtigen Hinsicht, in der die dritte semantische Zeichenkategorie von Pierce abweicht: Wegen des direkt erkennbaren Zusammenhangs zwischen Zeichenträger und Bezeichnetem scheint die Bedeutung des Zeichens nicht erst durch einen geeigneten Taufakt etabliert werden zu müssen. Indizes und Ikone funktionieren ohne vorangehende Festlegung einer entsprechenden Bedeutungskonvention. Das gilt für die meisten der von uns im Alltag verwendeten Zeichengebräuche keineswegs, wie jeder leicht selbst feststellen kann, wenn er eine fremde Sprache erlernen will. Zeichen, deren Bedeutungsbeziehung mithilfe einer Konvention festgelegt werden müssen, nennt Peirce ‘Symbole’.
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Dieser Wortgebrauch differiert deutlich von einer anderen, vor allem im deutschsprachigen Raum verbreiteten Konvention, die ‘Zeichen’ ‘Symbolen’ gegenüberstellt, wobei ‘Symbol’ in diesem Sinn häufig synonym zu ‘Sinnbild’ gebraucht wird.<ref>Vgl. hierzu auch die Anmerkungen zu ‘Sinnbild’ im Artikel «[[Emblem]]».</ref> Markiert man die unterschiedlichen Wortgebräuche mit den Indizes ‘''D''’ (deutsch) und ‘''P''’ (Peirce), so ergibt sich:&#8203; »Symbole<sub>''D''</sub>«&#8203; sind gerade keine&#8203; »Zeichen<sub>''D''</sub>«,&#8203; während&#8203; »Symbole<sub>''P''</sub>«&#8203; eine Unterart von&#8203; »Zeichen<sub>''P''</sub>«&#8203; sind; des weiteren entsprechen&#8203; »Symbole<sub>''P''</sub>«&#8203; weitgehend&#8203; »Zeichen<sub>''D''</sub>«,&#8203; während&#8203; »Symbole<sub>''D''</sub>«&#8203; in etwa den Peirceschen&#8203; »Ikonen«&#8203; entsprechen, also zwar keine&#8203; »Zeichen<sub>''D''</sub>«,&#8203; wohl aber&#8203; »Zeichen<sub>''P''</sub>«&#8203; sind. Es empfiehlt sich entsprechend, – besonders in der bildwissenschaftlichen Dikussion – sehr genau darauf zu achten, in welcher Bedeutung die Ausdrücke ‘Zeichen’ und ‘Symbol’ jeweils verwendet werden.<ref>Vor diesem Hintergrund mag jemand, der Bilder als (ikonische)&#8203; »Zeichen<sub>''P''</sub>«&#8203; betrachtet, schnell in ein Wortgefecht über die Zeichenhaftigkeit von Bildern geraten mit jemandem, der Bilder als &#8203; »Symbole<sub>''D''</sub>«&#8203; versteht.</ref>




=====optional Beispiele=====
==Ein (komplexes) Beispiel==
[[Datei:Hiroshima-hell.gif|thumb|Abb. 1: Ein Schatten in Hiershima — 6. August 6, 1945, 8:15 a.m.]]
In any case, the use of iconic and indexical signs depends on the sign users’ awareness of similarity or causal relation, which can be stabilized inter-indi­vidually only by means of symbolic communication. Without anchoring the language-mediated context of Figure 17, its iconic use remains ambiguous (“Is this meant as a human form or not?”), its indexical reference unclear (“where is this?” “who/what made that shadow-like spot?”). In order to provide a better understanding of how iconic (and indexical) sign uses depend on symbolically mediated frames of interpretations, the next section gives a coarse sketch of the complex inner structures of resemblance relations.


In the example given, the manner of interpretation is even more complicated, as we deal in Figure 17 with a pictorial quotation that doubles both functions: the photograph is a (secondary) index of the reflection properties of the stone, as well as an icon for the same referent due to the causality of the photomechanical reproduction and the optical invariants it provides; this reflection properties themselves are – as the heat shadow of a dying person – a (primary) index of that person (as well as of the heat radiation causing the discoloring, the source of that radiation, and everything else directly causally linked), and also an icon of that human being in the moment of his or her death. Each of these indexical or iconic relations may be employed in sign acts.
[[Datei:Hiroshima-hell.gif|thumb|Abbildung 2: Ein Schatten in Hiroshima — 6. August 1945, 8:15]]
Die Anwendung der drei Aspekte auf ein konkretes Beispiel mag verdeutlichen, wie vielfältig die semantischen Relationen letztendlich für einen einzigen Bildträger zusammenwirken: Abbildung 2 gibt das Schwarz-Weiß-Photo eines unbekannten Photographen wieder, das vermutlich in den letzten Monaten des Jahres 1945 aufgenommen wurde (evt. auch erst im Jahre 1946) und im Hiroshima Peace Memorial Muse­um aufbewahrt wird. Zu sehen sind zwei Stufen einer steinernen Treppe, die zum Eingang des Gebäudes der Sumitomo Bank im Zentrum der japanischen Stadt Hiroshima  führen, sowie ein kleiner Ausschnitt der Wand des Gebäudes. Auf den Treppenstufen zeichnen sich schwärzliche Spuren im perspektivisch verzerrten Umriß eines menschlichen Körpers ab. Es wird angenommen, dass sie entstanden sind, als am 6. August 1945 um 8 Uhr 15 eine Atombombe die Stadt zerstörte und Druck, Hitze und Strahlung die verglühenden Überreste einer Person, die zufällig zu diesem Zeitpunkt vor dem Gebäude auf den Stufen stand, in den Stein eingebrannt haben.  


===Ikonizität, Indexikalität und Symbolhaftigkeit der Photographie===
Wegen der längeren, aber durchweg kausalen Kette von optischen, photochemischen und digitaltechnischen Transformationen, die den hier betrachteten Zeichenträger mit der Aufnahmesituation in Hiroshima zu einem unbekannten Zeitpunkt kurz nach der Bombenexplosion verbinden, hat das damit verwendete Zeichen offensichtlich Index-Charakter. Da zudem eine visuelle Ähnlichkeit zu den tatsächlichen Treppenstufen in Japan besteht, ist auch ein deutlicher ikonische Anteil gegeben. Symbolhaftigkeit tritt hinzu, weil die Signifikanz dieses Bildes erst klar werden kann, wenn ...: Zwar ist – ikonisch – eine Art menschlicher Schatten zu sehen, der – indexikalisch – als Teil einer real in Raum und Zeit existierenden Szene verstanden wird, doch dass diese Photographie etwa auch als Zeichen für die schreckliche Gewalt einer Atombombenexplosion über bewohntem Gebiet dienen mag, erschließt sich nur in einem durch Konventionen etablierten Verständnisrahmen.<ref>Ganz unerwähnt bleibt dabei noch die weitere Möglichkeit, den Bildträger, wie in diesem Glossarartikel geschehen, [[Bild in reflexiver Verwendung|reflexiv]] einzusetzen, um auf den einen oder anderen Aspekt der Bildverwendung als solche exemplarisch aufmerksam zu machen. </ref>


=====Auswirkungen auf andere Begriffe=====
===Ikonizität, Indexikalität und Symbolhaftigkeit des abgebildeten Schattens===
Tatsächlich lassen sich Ikonizität, Indexikalität und Symbolhaftigkeiten in diesem Beispiel (wie übrigens bei fast allen Bildern) auch noch auf einer zweiten Ebene anwenden: Denn auch der Schatten selbst wird in der Regel ja zeichenhaft gelesen. Als Symptom der ihn verursachenden Explosion kann er als Index für alle der in der zu ihm führenden Kausalkette enthaltenen Faktoren verwendet werden: Dominant in dieser Hinsicht sind sicherlich die Person, die in jenem verhängnisvollen Augenblick an jener Stelle stand, die Strahlungen, die in jenem Moment den Schatten in den Stein brannten, sowie das Ereignis, das die Strahlung ausgelöst hat.<ref>Wegen der Transitivität der Kausalbeziehung “verlängert” die Photographie als Index die bereits signifikanten Kausalketten der abgebildeten Szene sozusagen bis zum Betrachter.</ref> Voraussetzung für eine solche indexikalische Zeichenverwendung mit einer dieser Bedeutungen ist die Einbettung des Schattens in eine kommunikative Interaktion (inklusive Selbstdarstellung des Senders) mit bewusster Kontrolle des kommunikativen Zwecks der Handlung (Reflexivierung inklusive Antizipation des Kommunikationspartners). Diese Bedingung ist auch erfüllt, wenn sich jemand selbst vor Ort mithilfe des Schattens auf die entsprechende Ursache aufmerksam macht.
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Insofern der Schatten eine gewisse Ähnlichkeit mit jenem Menschen hat, kann er zudem als ein ikonisches Zeichen für jenen stehen. Auch hier ist die Einbettung in den komplexen Handlungszusammenhang einer Zeichenverwendung Voraussetzung.
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Als einem symbolischen Zeichen kann man sich dem Schatten schließlich zuwenden, wenn man damit etwa die eigene Aufmerksamkeit oder die eines anderen absichtlich auf den Sachverhalt lenken möchte, dass die Menschheit mit der Fähigkeit, Atombomben explodieren zu lassen, eine gefährliche Grenze überschritten hat. 


Quite obviously, iconic signs and perceptoid signs are closely related, to say the least. Note, however, that the explanations of “perceptoid” make an explicit reference to the psychological background of resemblance as something derived in perception according to the principles of object constitution. Speaking of icons does not necessary imply such a complication: if it is possible or favorable to define similarity between objects per se, iconic signs become possible that need not “feel” (“look” etc.) similar to the referent scene, as long as the perception-independent relation of similarity holds as well (and is used as a motivation for preferring that particular vehicle in that sign act). It is however quite dubious that such a concept of resemblance apart from psychology should not be considered as merely derived and usable only within very limited conditions.  
...  


{{GlossarSiehe}}
* [[Ähnlichkeit]]
* [[Bilderschrift und Piktogramm]]
* [[Digitales Bild]]
* [[Griechisch: 'typos', 'eidolon', 'eikon', 'mimema', 'phantasma']]
* [[Ikone]]
* [[Kontext]]
* [["natürliche" Bilder]]
* [[Pragmatik, Semantik, Syntax]]
* [[Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem]]
* [[Zeigen und Sich-Zeigen]]


<ref>vgl. Wikipedia Zeichen: Symbol, Ikon, Index: [http://de.wikipedia.org/wiki/Zeichen#Symbol.2C_Ikon.2C_Index] 
sowie Wikipedia: Charles S. Peirce: Semiotik [http://de.wikipedia.org/wiki/Charles_S._Peirce#Semiotik]</ref>
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Version vom 25. November 2013, 14:11 Uhr

Unterpunkt zu: Zeichentheorien: Übersicht


Einteilung der Zeichen bei Peirce

Abbildung 1: Übersicht über die dreifache Basis-Dreiteilung der Peirce’sche Zeichenbegriffe

Charles Sanders Peirce (1839-1914) gilt als einer der Gründungsväter der modernen Zeichentheorie. Auf ihn geht auch eine differenzierte Einteilung der Zeichenarten zurück (Abb. 1), von der zumindest ein Teil sehr weite Verbreitung gefunden hat. Grob skizziert unterscheidet Peirce drei zeichenrelevante Ebenen, die zumindest ungefähr mit der Einteilung in Pragmatik, Semantik und Syntax übereinstimmt. In jeder dieser Ebenen setzt er eine weitere Dreiteilung an. Syntaktisch differenziert er Zeichen in​​​ »Sinzeichen«,​​​ »Legizeichen«​ und​ »Quali­zei­chen«,​ während​​​ »Thema«,​ »Rhema«​ und​ »Dicent«​ pragmatische​ (wirkungsbezogene) Zeichen­­unter­kate­gorien bilden.[1]

Es ist allerdings die semantische Ebene, deren Peirce’sche Dreiteilung unter Semiotikern und Theoretikern benachbarter Disziplinen, wie Sprachphilosophie und Kunstgeschichte, machtvoll nachwirkt und nicht zuletzt in seinem Begriff der Ikonizität für die Bildtheorie große Relevanz aufweist.


Semantische Dreiteilung: Eigenheiten der Bedeutungsbeziehung

Da sie auf die semantische Ebene fokussiert sind, differenzieren die Peirceschen Zeichenkategorien​​​ »Index«,​ »Ikon«​ und​​​ »Symbol«​ die Klasse der Zeichen gemäß dem Charakter der Beziehung, die zwischen dem Zeichenträger und dem damit Bezeichneten besteht (in Abb. 1 als ‘Objektbezug’ charackterisiert). Diese “Objekt”beziehung gilt als konstitutiv für die Bedeutung, die dem Zeichen zugeschrieben wird.[2]

Ikonizität und Ähnlich­keiten

Der Peircesche Ausdruck ‘Ikon’ (Plural: ‘Ikone’), der seine altgriechische Wurzel (εἰκών, etwa ‘Abbild’) ganz offensichtlich sowohl mit der mittelalterlich-religiösen Ikone als auch mit dem englischen Leihwort ‘Icon’ des Informationszeitalters (dazu ⊳ Bilderschrift und Piktogramm) teilt, mit beidem aber nicht verwechselt werden sollte, bezeichnet solche Zeichen, deren Bedeutungsbeziehung sich einer Ähnlichkeitsrelation zwischen Zeichenträger und Bezeichnetem verdankt. Dies trifft unter anderem auf “natürliche” Bilder (Spiegelbild) wie “normale” abbildende Bilder (Phantomskizze), auf “Foleys” (von einem Geräuschespezialisten für Hörspiel, Film oder Computerspiel erzeugte “Geräuschattrappen”) und synthetische Gerüche (künstliches Erbeeraroma), sowie im sprachlichen Bereich auf onomatopoetische Wörter (‘Kuckuck’) und form-ikonische Ausdrücke (‘T-Träger’) zu.

Geht man von einem “ontologisch” gefassten Ähnlichkeitsbegriff aus, so stellt die Ähnlichkeitsbeziehung eine “an sich” bestehende Relation zwischen zwei Gegenständen dar, die nicht von spezifischen Wahrnehmungs- und Erkenntnisfähigkeiten eines über Ähnlichkeit Urteilenden abhängen. Ein “epistemisch” gefasster Ähnlichkeitsbegriff würde hingegen auf das zurückgreifen, was einem bestimmten Betrachter[3] als ähnlich erscheint. Insofern sich ein Teil der (als objektiv oder subjektiv gefassten) “Eigenschaftsstruktur” eines Dings in der Eigenschaftsstruktur eines anderen Dings spiegelt, kann dieses als ikonisches Zeichen für jenes verwendet werden – und umgekehrt.[4] Bei einem (im weiten Sinn) behavioristischen Ähnlichkeitsbegriff verschiebt sich der Fokus darauf, dass ein Beobachter beurteilt, ob ein beobachtetes Wesen in seinem Verhalten Anlass zu der Behauptung gibt, etwas als etwas anderem ähnlich erkannt zu haben.[5]

Beim ontologischen wie epistemischen Ähnlichkeitsbegriff genügt im Prinzip bereits eine einzige (objektive bzw. subjektive) geteilte Eigenschaft – neben beliebig vielen differierenden –, um Ikonizität der Zeichenbeziehung zu gewährleisten.

Probleme ergeben sich hingegen, wenn alle Eigenschaften übereinstimmen: Im engen Sinne ähnlich sind sich zwei Gegenstände nur, wenn es mindestens auch eine Eigenschaft gibt, in der sie sich nicht gleichen.[6]

Indexikalität und raumzeitlicher Zusammen­hänge

Von einem ‘Index’ (Plural ‘Indizes’) spricht Peirce bei einem Zeichen, dessen Träger aufgrund seines raumzeitlichen und insbesonderen kausalen Zusammenhangs mit dem Bezeichneten als Zeichen für letzteres verwendet wird:[7] wenn also beispielsweise Rauch das Zeichen für Feuer oder rote Hautflecken das Zeichen für (eine Infektion mit) Masern bilden. Alles was als Auswirkung, Anzeichen oder Symptom für ein Phänomen X in den entsprechenden Naturwissenschaften von Physik bis Medizin gilt, stellt mithin auch einen Peirceschen Index für X dar.[8]

Zu beachten ist allerdings, dass die Definition der Indizes nicht notwendig von einer natürlichen Beziehung zwischen Zeichenträger und Bezeichnetem ausgeht: Auch das Ortseingangsschild am Rand einer Stadt steht in direkter, wenn auch absichtlich erzeugter raumzeitlicher Beziehung zu dem Bezeichneten (eben dem Rand jener Stadt). Gleiches gilt für das auf dieser Glossarseite links oben gezeigte Logo oder die farblichen Markierungen, die in diesem Glossartext anzeigen, an welchen Stellen durch Mausklick eine andere Seite erreicht werden kann. Nicht alle Indizes sind mithin auch Symptome im engen (physikalisch-kausalen) Sinn, oder, wie es dann auch heißt: ‘natürliche Indizes’. Im Gegensatz zu den natürlichen ist die raumzeitliche Beziehung, die zwischen Zeichenträger und Bezeichnetem vermittelt, bei den künstlichen Indizes mit Absicht erzeugt – Intentionalität ersetzt also in diesen Fällen Kausalität.[9] Gleichwohl besteht die semantische Pointe auch bei dieser Unterklasse darin, dass allein die raumzeitliche Nähe die Bedeutung des Zeichens bei der Verwendung zu induzieren scheint.

Sprachliche Ausdrücke, wie insbesondere ‘hier’ und ‘jetzt’, aber auch ‘ich’, ‘wir’, ‘du’, ‘ihr’ hängen in ihrer jerweiligen Bedeutung ebenfalls stark ab vom Kontext ihrer Verwendung: die raumzeitliche Beziehung zu Ort und Zeit ihrer Äußerung bestimmt, welcher Ort mit ‘hier’, welche Person mit ‘du’ gemeint ist. Gleiches gilt natürlich auch für ‘içi’ oder ‘here’, für ‘tu’ oder ‘you’ – um nur zwei andere europäische Sprachen als Beispiele zu bemühen. Neben aller Konventionalität, die diese Art von Ausdrücken eigentlich zu Symbolen im Sinne von Peirce werden lässt, bleibt ihnen ein Moment an Indexikalität wesentlich, weshalb man auch von ‘indexikalischen Ausdrücken’ spricht.

Einen weiteren Sonderfall indexikalischer Zeichen stellen Photographien (und verwandte technische Bildgebungsverfahren) dar: Offenkundig beruhen die hier betrachteten Produktionsverfahren für Zeichenträger darauf, dass eine mehr oder weniger lange aber geschlossene Kette streng kausaler, physikalisch-chemischer Schritte den Zeichenträger automatisch aus dem Bezeichneten (‘Abgebildeten’) ableiten.[10] Obwohl als Bilder eigentlich den ikonischen Zeichen zuzuordnen, schwingt zumindest bei dieser Untermenge auch Indexikalität in ihrem Begriff mit.

Symbolhaftigkeit und Bedeutungs­konventionen

Ikone gleichen Indizes in einer wichtigen Hinsicht, in der die dritte semantische Zeichenkategorie von Pierce abweicht: Wegen des direkt erkennbaren Zusammenhangs zwischen Zeichenträger und Bezeichnetem scheint die Bedeutung des Zeichens nicht erst durch einen geeigneten Taufakt etabliert werden zu müssen. Indizes und Ikone funktionieren ohne vorangehende Festlegung einer entsprechenden Bedeutungskonvention. Das gilt für die meisten der von uns im Alltag verwendeten Zeichengebräuche keineswegs, wie jeder leicht selbst feststellen kann, wenn er eine fremde Sprache erlernen will. Zeichen, deren Bedeutungsbeziehung mithilfe einer Konvention festgelegt werden müssen, nennt Peirce ‘Symbole’.

Dieser Wortgebrauch differiert deutlich von einer anderen, vor allem im deutschsprachigen Raum verbreiteten Konvention, die ‘Zeichen’ ‘Symbolen’ gegenüberstellt, wobei ‘Symbol’ in diesem Sinn häufig synonym zu ‘Sinnbild’ gebraucht wird.[11] Markiert man die unterschiedlichen Wortgebräuche mit den Indizes ‘D’ (deutsch) und ‘P’ (Peirce), so ergibt sich:​ »SymboleD«​ sind gerade keine​ »ZeichenD«,​ während​ »SymboleP«​ eine Unterart von​ »ZeichenP«​ sind; des weiteren entsprechen​ »SymboleP«​ weitgehend​ »ZeichenD«,​ während​ »SymboleD«​ in etwa den Peirceschen​ »Ikonen«​ entsprechen, also zwar keine​ »ZeichenD«,​ wohl aber​ »ZeichenP«​ sind. Es empfiehlt sich entsprechend, – besonders in der bildwissenschaftlichen Dikussion – sehr genau darauf zu achten, in welcher Bedeutung die Ausdrücke ‘Zeichen’ und ‘Symbol’ jeweils verwendet werden.[12]


Ein (komplexes) Beispiel

Abbildung 2: Ein Schatten in Hiroshima — 6. August 1945, 8:15

Die Anwendung der drei Aspekte auf ein konkretes Beispiel mag verdeutlichen, wie vielfältig die semantischen Relationen letztendlich für einen einzigen Bildträger zusammenwirken: Abbildung 2 gibt das Schwarz-Weiß-Photo eines unbekannten Photographen wieder, das vermutlich in den letzten Monaten des Jahres 1945 aufgenommen wurde (evt. auch erst im Jahre 1946) und im Hiroshima Peace Memorial Muse­um aufbewahrt wird. Zu sehen sind zwei Stufen einer steinernen Treppe, die zum Eingang des Gebäudes der Sumitomo Bank im Zentrum der japanischen Stadt Hiroshima führen, sowie ein kleiner Ausschnitt der Wand des Gebäudes. Auf den Treppenstufen zeichnen sich schwärzliche Spuren im perspektivisch verzerrten Umriß eines menschlichen Körpers ab. Es wird angenommen, dass sie entstanden sind, als am 6. August 1945 um 8 Uhr 15 eine Atombombe die Stadt zerstörte und Druck, Hitze und Strahlung die verglühenden Überreste einer Person, die zufällig zu diesem Zeitpunkt vor dem Gebäude auf den Stufen stand, in den Stein eingebrannt haben.

Ikonizität, Indexikalität und Symbolhaftigkeit der Photographie

Wegen der längeren, aber durchweg kausalen Kette von optischen, photochemischen und digitaltechnischen Transformationen, die den hier betrachteten Zeichenträger mit der Aufnahmesituation in Hiroshima zu einem unbekannten Zeitpunkt kurz nach der Bombenexplosion verbinden, hat das damit verwendete Zeichen offensichtlich Index-Charakter. Da zudem eine visuelle Ähnlichkeit zu den tatsächlichen Treppenstufen in Japan besteht, ist auch ein deutlicher ikonische Anteil gegeben. Symbolhaftigkeit tritt hinzu, weil die Signifikanz dieses Bildes erst klar werden kann, wenn ...: Zwar ist – ikonisch – eine Art menschlicher Schatten zu sehen, der – indexikalisch – als Teil einer real in Raum und Zeit existierenden Szene verstanden wird, doch dass diese Photographie etwa auch als Zeichen für die schreckliche Gewalt einer Atombombenexplosion über bewohntem Gebiet dienen mag, erschließt sich nur in einem durch Konventionen etablierten Verständnisrahmen.[13]

Ikonizität, Indexikalität und Symbolhaftigkeit des abgebildeten Schattens

Tatsächlich lassen sich Ikonizität, Indexikalität und Symbolhaftigkeiten in diesem Beispiel (wie übrigens bei fast allen Bildern) auch noch auf einer zweiten Ebene anwenden: Denn auch der Schatten selbst wird in der Regel ja zeichenhaft gelesen. Als Symptom der ihn verursachenden Explosion kann er als Index für alle der in der zu ihm führenden Kausalkette enthaltenen Faktoren verwendet werden: Dominant in dieser Hinsicht sind sicherlich die Person, die in jenem verhängnisvollen Augenblick an jener Stelle stand, die Strahlungen, die in jenem Moment den Schatten in den Stein brannten, sowie das Ereignis, das die Strahlung ausgelöst hat.[14] Voraussetzung für eine solche indexikalische Zeichenverwendung mit einer dieser Bedeutungen ist die Einbettung des Schattens in eine kommunikative Interaktion (inklusive Selbstdarstellung des Senders) mit bewusster Kontrolle des kommunikativen Zwecks der Handlung (Reflexivierung inklusive Antizipation des Kommunikationspartners). Diese Bedingung ist auch erfüllt, wenn sich jemand selbst vor Ort mithilfe des Schattens auf die entsprechende Ursache aufmerksam macht.

Insofern der Schatten eine gewisse Ähnlichkeit mit jenem Menschen hat, kann er zudem als ein ikonisches Zeichen für jenen stehen. Auch hier ist die Einbettung in den komplexen Handlungszusammenhang einer Zeichenverwendung Voraussetzung.

Als einem symbolischen Zeichen kann man sich dem Schatten schließlich zuwenden, wenn man damit etwa die eigene Aufmerksamkeit oder die eines anderen absichtlich auf den Sachverhalt lenken möchte, dass die Menschheit mit der Fähigkeit, Atombomben explodieren zu lassen, eine gefährliche Grenze überschritten hat.

...

Anmerkungen
  1. ↑ ... Quelle ...
  2. ↑ Offen bleibt an dieser Stelle, ob der “Objektbezug” einen Referenten im engeren (extensionalen) Sinn meint (⊳ Bedeutung und Referenz und Nomination), oder welches Verhältnis zu einem Sachbezug im engen (propositionalen) Sinn besteht.
  3. ↑ Der Ausdruck ‘Betrachter’ ist hier natürlich recht weit gefasst, da er nicht auf die visuelle Sinnesmodalität eingeschränkt verwendet wird.
  4. ↑ Technisch wird oft von einer partiellen Isomorphie – einer teilweisen Strukturgleicheit – gesprochen. Da dieser Typ von Ähnlichkeitsbeziehung offensichtlich reflexiv ist, folgt dasselbe für die Ikonizität: Wenn X ähnlich zu bzw. ikonisches Zeichen für Y ist, dann ist auch Y ähnlich zu bzw. ikonisches Zeichen für X.
  5. ↑ Diese um eine Ebene zurückverlegte Betrachtung erlaubt eine “Symmetrie-Brechung”, denn aus dem Vorliegen solcher Gründe für B dafür, dass W X für Y ähnlich hält, folgt eben keineswegs, dass B auch Gründe in W’s Verhalten dafür findet, dass W Y für X ähnlich hält.
  6. ↑ Ob jeder Gegenstand als sich selbst ähnlich verstanden werden sollte, ob der Begriff​ »Ähnlichkeit«​ also als Begriff einer reflexiven zweistelligen Relation angesetzt werden sollte, ist umstritten (vgl. kritisch hierzu [Goodmann]Der Eintrag existiert noch nicht.).
  7. ↑ Die Bezeichnung ‘Index’ leitet sich vom lateinischen Wort für Zeigefinger ab.
  8. ↑ Da Symptome nicht kriterial (also weder hinreichend noch notwendig) für das, was sie anzeigen (können), sind – Rauch kann auch ohne Feuer auftreten (und Feuer ohne Rauch), so wie rote Hautflecken ohne Maserninfektion (und Maserninfektionen ohne das Ausbilden von roten Hautflecken) möglich sind – kann der Index-Charakter eines Zeichens recht labil sein.
  9. ↑ Die intentionsbasierten Indizes stehen in enger Verbindung zum Begriff des Zeigens, d.h. der Deixis, während die kausalen Indizes höchstens als einfache Fälle von​ »Sich-Zeigen«​ begriffen werden können.
  10. ↑ Vgl. hierzu auch die Diskussion im Glossarbeitrag «Digitales Bild» zu deren (Nicht-)​Indexikalität.
  11. ↑ Vgl. hierzu auch die Anmerkungen zu ‘Sinnbild’ im Artikel «Emblem».
  12. ↑ Vor diesem Hintergrund mag jemand, der Bilder als (ikonische)​ »ZeichenP«​ betrachtet, schnell in ein Wortgefecht über die Zeichenhaftigkeit von Bildern geraten mit jemandem, der Bilder als ​ »SymboleD«​ versteht.
  13. ↑ Ganz unerwähnt bleibt dabei noch die weitere Möglichkeit, den Bildträger, wie in diesem Glossarartikel geschehen, reflexiv einzusetzen, um auf den einen oder anderen Aspekt der Bildverwendung als solche exemplarisch aufmerksam zu machen.
  14. ↑ Wegen der Transitivität der Kausalbeziehung “verlängert” die Photographie als Index die bereits signifikanten Kausalketten der abgebildeten Szene sozusagen bis zum Betrachter.
Literatur
[Berndt & Drügh 2009a] Berndt, Frauke & Drügh, Heinz J. (Hg.) (2009): Symbol – Grundlagentexte aus Ästhetik, Poetik und Kulturwissenschaft . Suhrkamp, Frankfurt/M.[Birk et al. 2014a]Birk, Elisabeth & Halawa, Mark A. & Mosbach, Doris (2014): Semiotik. In: Netzwerk Bildphilosophie (Hg.), Bild und Methode. Theoretische Hintergründe und methodische Verfahren der Bildwissenschaft. Halem, Köln.[Cassirer 1930a]Cassirer, Ernst (2004): Mythischer, ästhetischer und theoretischer Raum (1930). In: Recki, B. (Hg.), Ernst Cassirer: Gesammelte Werke, Bd. 17. Meiner, Hamburg.[Cassirer 2009a]Cassirer, Ernst (2009): Der Begriff der symbolischen Form im Aufbau der Geisteswissenschaften. In: Schriften zur Philosophie der symbolischen Formen. Meiner, Hamburg.[Goodman 1970a]Goodman, Nelson (1970): Seven Strictures on Similarity. In: Foster, L. & Swanson, J. W. (Hg.), Experience and Theory. University of Massachusetts, Amherst.[Nöth 2009a]Nöth, Winfried (2009): Bildsemiotik. In: Sachs-Hombach, K. (Hg.), Bildtheorien. Anthropologische und kulturelle Grundlagen des Visualistic Turn. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Panofsky 1924a]Panofsky, Erwin (1998): Die Perspektive als symbolische Form (1924). In: Michels, K. & Warnke, M. (Hg.), Erwin Panofsky, Deutschsprachige Aufsätze, Bd. 2. Akademie, Berlin.[Peirce 1983a]Peirce, Charles S. (1983): Phänomen und Logik der Zeichen. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Peirce 1998a]Peirce, Charles S. (1998): Collected Papers, Vol. 2: Elements of Logic. Thoemmes, Bristol.[Platon 1922a]Platon (1922): Kratylos. Meiner, Leipzig.[Schelske 2000a]Schelske, Andreas (2000): Bedeutung oder Bezeichnung. In: Sachs-Hombach, K. & Rehkämper, K. (Hg.), Vom Realismus der Bilder. Scriptum, Magdeburg.[Schirra & Sachs-Hombach 2013a]Schirra, Jörg R.J. & Sachs-Hombach, Klaus (2013): The Anthropological Function of Pictures. In: Sachs-Hombach, K. & Schirra, J.R.J. (Hg.), Origins of Pictures. Anthropological Discourses in Image Science. Halem, Köln.[Trabant 1996a]Trabant, Jürgen (1996): Elemente der Semiotik. Franke, Tübingen.

Verantwortlich:

  • Schirra

Seitenbearbeitungen durch: Joerg R.J. Schirra, Klaus Sachs-Hombach und Marcel Lemmes — (Hinweis)