Bildtermini anderer Sprachen: Unterschied zwischen den Versionen
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Allerdings sollte uns schon Mitchells Text selbst skeptisch machen: Wieso spricht er von ‘''images''’ und nicht von ‘''pic­tures''’? Immer­hin lässt sich doch beides mit ‘Bild’ über­setzen! Und welche Bedeu­tungsdif­ferenz im Engli­schen entgeht uns, wenn wir genau das tun und beides mit ein und demsel­ben deutschen Wort wieder­geben? Außer­dem ist Sprache, sind Sprachen wandelbar. Dafür ist zufäl­liger­weise das deutsche Wort ‘Image’ ein gutes Beispiel, das, aus dem Engli­schen kommend, sich in den 1950er Jahren zuerst in der Wirtschafts­psycho­logie und dann in der Alltags­sprache verbrei­tete (vgl. <bib id='Brachfeld 1976a'></bib>). Wir müssen also vermu­ten, dass sich unser gegen­wärti­ges Sprachver­ständnis nicht ohne Verzer­rungen einfach in die Vergan­genheit proji­zieren lässt. | Allerdings sollte uns schon Mitchells Text selbst skeptisch machen: Wieso spricht er von ‘''images''’ und nicht von ‘''pic­tures''’? Immer­hin lässt sich doch beides mit ‘Bild’ über­setzen! Und welche Bedeu­tungsdif­ferenz im Engli­schen entgeht uns, wenn wir genau das tun und beides mit ein und demsel­ben deutschen Wort wieder­geben? Außer­dem ist Sprache, sind Sprachen wandelbar. Dafür ist zufäl­liger­weise das deutsche Wort ‘Image’ ein gutes Beispiel, das, aus dem Engli­schen kommend, sich in den 1950er Jahren zuerst in der Wirtschafts­psycho­logie und dann in der Alltags­sprache verbrei­tete (vgl. <bib id='Brachfeld 1976a'></bib>). Wir müssen also vermu­ten, dass sich unser gegen­wärti­ges Sprachver­ständnis nicht ohne Verzer­rungen einfach in die Vergan­genheit proji­zieren lässt. | ||
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In den hier zusammengestellten Beiträ­gen wird es darum gehen, genau diese Skrupel zu berück­sichti­gen und vor allem danach zu fragen, was sich in älte­ren und fremdspra­chigen Texten tatsäch­lich findet, wenn in der deutschen Über­setzung zumeist nur ‘Bild’ zu lesen ist. Es wird sich also um Beiträ­ge zur Begriffs­geschich­te oder zur histo­rischen Seman­tik von ‘Bild’ und seinen Über­setzun­gen handeln. | In den hier zusammengestellten Beiträ­gen wird es darum gehen, genau diese Skrupel zu berück­sichti­gen und vor allem danach zu fragen, was sich in älte­ren und fremdspra­chigen Texten tatsäch­lich findet, wenn in der deutschen Über­setzung zumeist nur ‘Bild’ zu lesen ist. Es wird sich also um Beiträ­ge zur Begriffs­geschich­te oder zur histo­rischen Seman­tik von ‘Bild’ und seinen Über­setzun­gen handeln.<ref>Der the­ma­tisch eben­falls in die­sen Zu­sam­men­hang ge­hö­ren­de Ar­ti­kel​ «[[Bildtermini im modernen Deutsch|Bild­ter­mi­ni im mo­der­nen Deutsch]]»​ wur­de aus na­he­lie­gen­den Grün­den dem Haupt­punkt​ «[[Sprechen über Bilder|Spre­chen über Bil­der]]»​ zu­ge­ord­net.</ref> | ||
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Version vom 29. November 2013, 11:17 Uhr
Hauptpunkt zu: Bild und Sprache
FragestellungIm ersten Kapitel seines einflussreichen Buches «Iconology» unterscheidet W.J.T. Mitchell mehrere Zweige in der Familie der „images“, darunter den graphischen, optischen, mentalen und verbalen (vgl. [Mitchell 1986a]Mitchell, William J.T. (1986): Iconology. Image, Text, Ideology. University of Chicago Press, Chicago, London. Allerdings sollte uns schon Mitchells Text selbst skeptisch machen: Wieso spricht er von ‘images’ und nicht von ‘pictures’? Immerhin lässt sich doch beides mit ‘Bild’ übersetzen! Und welche Bedeutungsdifferenz im Englischen entgeht uns, wenn wir genau das tun und beides mit ein und demselben deutschen Wort wiedergeben? Außerdem ist Sprache, sind Sprachen wandelbar. Dafür ist zufälligerweise das deutsche Wort ‘Image’ ein gutes Beispiel, das, aus dem Englischen kommend, sich in den 1950er Jahren zuerst in der Wirtschaftspsychologie und dann in der Alltagssprache verbreitete (vgl. [Brachfeld 1976a]Brachfeld, Otto (1976): Image. In: Ritter, J. et al. (Hg.), Historisches Wörterbuch der Philosophie. Bd. 4. Schwabe, Basel. In den hier zusammengestellten Beiträgen wird es darum gehen, genau diese Skrupel zu berücksichtigen und vor allem danach zu fragen, was sich in älteren und fremdsprachigen Texten tatsächlich findet, wenn in der deutschen Übersetzung zumeist nur ‘Bild’ zu lesen ist. Es wird sich also um Beiträge zur Begriffsgeschichte oder zur historischen Semantik von ‘Bild’ und seinen Übersetzungen handeln.[1] |
Unterpunkte
Anmerkungen
Literatur
[Berger 1972a]Berger, John (1972): Ways of Seeing. Penguin Books, London.[Boehm 1994a]Boehm, Gottfried (1994): Die Wiederkehr der Bilder. In: Boehm, G. (Hg.), Was ist ein Bild?. Fink, München.[Buck-Morss 1989a]Buck-Morss, Susan (1989): The Dialectics of Seeing. Walter Benjamin and the Arcades-Project. MIT Press, Cambridge, MA.[Buck-Morss 2000a]Buck-Morss, Susan (2000): Dreamworld and Catastrophe. The Passing of Mass Utopia in East and West. MIT Press, Cambridge, MA.[Fellmann 1991a]Fellmann, Ferdinand (1991): Symbolischer Pragmatismus. Hermeneutik nach Dilthey. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg.[Husserl 1980a]Husserl, Edmund (1980): Phantasie, Bildbewusstsein, Erinnerung. Zur Phänomenologie der anschaulichen Vergegenwärtigungen. Texte aus dem Nachlass (1898-1925) (Husserliana XXIII). Nijhoff, Den Haag, Boston, Dordrecht.[Johannes von Damaskos 1975a]Johannes von Damaskos (1975): Contra imaginum calumniatores orationes tres (Die Schriften des Johannes von Damaskus. Bd. 3). Walter de Gruyter, Berlin, New York.[Konersmann 2011a]Konersmann, Ralf (2011): Vorwort: Figuratives Wissen. In: Konersmann, R. (Hg.), Wörterbuch der philosophischen Metaphern. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt.[Koselleck 1979a]Koselleck, Reinhart (Hg.) (1979): Historische Semantik und Begriffsgeschichte. Klett-Cotta, Stuttgart.[Liebsch 2012a]Liebsch, Dimitri (2012): “Uneigentliche” Bilder. Zur (historischen) Bildsemantik und -metaphorik. In: Liebsch, D. & Mößner, N. (Hg.), Visualisierung und Erkenntnis. Bildverstehen und Bildverwenden in Natur- und Geisteswissenschaften. von Halem, Köln.[Locke 1975a]Locke, John (1975): An Essay Concerning Human Understanding. Oxford University Press, Oxford.[Luhmann 1980a]Luhmann, Niklas (1980): Gesellschaftsstruktur und Semantik. Studien zur Wissenssoziologie der modernen Gesellschaft. Bd. 1. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Meyer-Drawe & Witte 2011a]Meyer-Drawe, Käte & Witte, Egbert (2011): Bilden. In: Konersmann, R. (Hg.), Wörterbuch der philosophischen Metaphern. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt.[Mitchell 1986a]Mitchell, William J.T. (1986): Iconology. Image, Text, Ideology. University of Chicago Press, Chicago, London.[Mitchell 2008a]Mitchell, William J. Thomas (2008): Bildtheorie. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Ritter 1967a]Ritter, Joachim (1967): Leitgedanken und Grundsätze des Historischen Wörterbuchs der Philosophie. Archiv für Begriffsgeschichte, 11.[Warburg 2008a]Warnke, M.; unter Mitarbeit von Brink, C. (Hg.) (2008): Der Bilderatlas Mnemosyne (2000). Akademie, Berlin. Verantwortlich: Seitenbearbeitungen durch: Dimitri Liebsch, Joerg R.J. Schirra und Zsuzsanna Kondor — (Hinweis) |