Bild und Sprache: Unterschied zwischen den Versionen
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* Für den zweiten Modus ist vor allem der Aspekt der ''Pragmatik'' wichtig. Bei Bildern lässt sich wie bei der Sprache eine regelhafte Einbettung in Handlungszusammenhänge nachweisen; bei einigen dieser Handlungszusammenhänge – mit Ludwig Wittgenstein kann man sie „Zeichenspiele“ nennen – spielen Bilder und Sprache gemeinsam eine Rolle (vgl. <bib id='Scholz 2004a'></bib>: S.: 158f). Der Hauptpunkt [[Sprechen über Bilder]] befasst sich vor allem mit methodischen Weisen des Sprechens oder (um die Metapher aufzulösen) auch des Schreibens über Bilder: Wie werden Bilder beschrieben, verstanden oder interpretiert?<ref>Wie beispielsweise Lawrence Sternes selbstreferentieller Roman «Tristram Shandy» (1759-1766) zeigt, ist es möglich, das Prozedere umzukehren und sich mit Bildern über Sprache zu äußern: Er stellt die hanebüchenen Abschweifungen in der vorhergehenden Narration durch Linien dar, die Arabesken gleichen; vgl. dazu [http://www1.gifu-u.ac.jp/~masaru/TS/vi.140-155.html#narrative_middles «Tristram Shandy», Buch 6, Kap. 40].</ref> | * Für den zweiten Modus ist vor allem der Aspekt der ''Pragmatik'' wichtig. Bei Bildern lässt sich wie bei der Sprache eine regelhafte Einbettung in Handlungszusammenhänge nachweisen; bei einigen dieser Handlungszusammenhänge – mit Ludwig Wittgenstein kann man sie „Zeichenspiele“ nennen – spielen Bilder und Sprache gemeinsam eine Rolle (vgl. <bib id='Scholz 2004a'></bib>: S.: 158f). Der Hauptpunkt [[Sprechen über Bilder]] befasst sich vor allem mit methodischen Weisen des Sprechens oder (um die Metapher aufzulösen) auch des Schreibens über Bilder: Wie werden Bilder beschrieben, verstanden oder interpretiert?<ref>Wie beispielsweise Lawrence Sternes selbstreferentieller Roman «Tristram Shandy» (1759-1766) zeigt, ist es möglich, das Prozedere umzukehren und sich mit Bildern über Sprache zu äußern: Er stellt die hanebüchenen Abschweifungen in der vorhergehenden Narration durch Linien dar, die Arabesken gleichen; vgl. dazu [http://www1.gifu-u.ac.jp/~masaru/TS/vi.140-155.html#narrative_middles «Tristram Shandy», Buch 6, Kap. 40].</ref> | ||
* Der dritte Modus lässt sich als ein Sonderfall des zweiten begreifen. Auch hier steht wieder die Pragmatik im Fokus. Ähnlich wie beim horazischen Credo des [[Ut pictura poesis]] oder wie bei der Entstehung der modernen Ästhetik<ref>Alexander Gottlieb Baumgartens «Aesthetica» (1750) verdankt sich einer Übertragung. Baumgarten übertrug Einsichten, die er zuvor anhand der Literatur (genauer: des Gedichts) gewonnen hatte, auf die anderen Künste; vgl. dazu <bib id='Strube 2000a'></bib | * Der dritte Modus lässt sich als ein Sonderfall des zweiten begreifen. Auch hier steht wieder die Pragmatik im Fokus. Ähnlich wie beim horazischen Credo des [[Ut pictura poesis]] oder wie bei der Entstehung der modernen Ästhetik<ref>Alexander Gottlieb Baumgartens «Aesthetica» (1750) verdankt sich einer Übertragung. Baumgarten übertrug Einsichten, die er zuvor anhand der Literatur (genauer: des Gedichts) gewonnen hatte, auf die anderen Künste; vgl. dazu | ||
<bib id='Strube 2000a'></bib>.</ref> geht es hier darum, Bilder in einer besonderen Weise analog zur Sprache zu beschreiben, zu interpretieren usw.: | |||
[[Bild und rhetorische Figur]] | [[Bild und rhetorische Figur]] | ||
Version vom 17. November 2013, 12:44 Uhr
Theorieperspektive im Glossar der Bildphilosophie
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Die Antwort auf die Frage, welches Verhältnis zwischen Bild und Sprache besteht, ist facettenreich. Ad hoc lässt sich dieser Reichtum dadurch erklären, dass einerseits die Verhältnisbestimmungen eher spekulativ oder eher empirisch begründet und dass andererseits die Relata unterschiedlich abstrakt oder konkret gefasst werden können. In der Anthropologie beispielsweise findet sich eine Spekulation, die dieses Verhältnis als Konkurrenz bestimmt und Bild und Sprache en bloc in Beziehung zu setzen versucht. Hierbei stehen sich zwei Traditionen gegenüber. Die ältere Tradition versteht den Menschen seit Aristoteles als „zoon logon echon“ (ζωον λόγον έχον),[1] als das Sprache (und Vernunft) habende Tier; in ihr spielt das Bild nur eine nachgeordnete Rolle. Die jüngere Tradition sieht mit Hans Jonas im Menschen vor allem den „homo pictor“, den malenden Menschen; hier gilt die Sprache als ein Abgeleitetes, das seinerseits schon die Fähigkeit zu Imagination und Darstellung voraussetzt.[2] Aus einer damit verwandten Perspektive, die die Konkurrenz funktionalistisch fasst, stammen die – weniger spekulativen und konkreteren – Versuche, die Leistungsfähigkeit von Bild und Sprache daran zu messen, inwieweit diese jenes (völlig oder teilweise) ersetzen kann und umgekehrt. In diesem Zusammenhang ist beispielsweise die Einsicht in die notorischen Probleme von Bildern bei der Darstellung von Negationen entstanden[3] oder das Sprichwort geprägt worden, dass ein Bild mehr sage als tausend Worte. Nebenbei, die Entscheidung darüber, ob das Bild oder die Sprache in der Konkurrenz obsiegt, folgt oft auch handfesten forschungspolitischen Motiven. So wurden in den 1990er Jahren die Schlagworte des „iconic“ oder „pictorial turn“ in Analogie zum älteren „linguistic turn“ nicht zuletzt deshalb ausgerufen, um anstelle der Sprache das Bild als neues (human-)wissenschaftliches Paradigma zu empfehlen.[4] Ersetzt man die spekulative(re) Verhältnisbestimmung durch eine der Empirie nahe oder nähere, findet sich eine Reihe von konkreten Verknüpfungen von Bild und Sprache (vgl. dazu ausführlich und grundsätzlich ⊳ Sprach-Bild-Bezüge), deren Modi sich locker mit Hilfe der semiotischen Grundbegriffe Semantik, Pragmatik und Syntaktik ordnen lassen.
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Hauptpunkte
Anmerkungen
Literatur
[Jonas 1973a]Jonas, Hans (1973): Homo pictor. Von der Freiheit des Bildens. In: Jonas, H. (Hg.), Organismus und Freiheit. Ansätze zu einer philosophischen Biologie. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen.[Liebsch 2012a]Liebsch, Dimitri (2012): “Uneigentliche” Bilder. Zur (historischen) Bildsemantik und -metaphorik. In: Liebsch, D. & Mößner, N. (Hg.), Visualisierung und Erkenntnis. Bildverstehen und Bildverwenden in Natur- und Geisteswissenschaften. von Halem, Köln.[Mitchell 2008b]Mitchell, William J.T. (2008): Das Leben der Bilder. Eine Theorie der visuellen Kultur. C.H. Beck, München.[Scholz 2004a]Scholz, Oliver R. (2004): Bild, Darstellung, Zeichen. Philosophische Theorien bildhafter Darstellungen. Klostermann, Frankfurt/M.[Strube 2000a]Strube, Werner (2000): Baumgartens Ästhetik als Transformation seiner Theorie des Gedichts. In: Rohmer, E. & Schnabel, W. W. & Witting, G. (Hg.), Texte Bilder Kontexte. Interdisziplinäre Beiträge zu Literatur, Kunst und Ästhetik der Neuzeit. Winter, Heidelberg. Verantwortlich: Seitenbearbeitungen durch: Dimitri Liebsch und Joerg R.J. Schirra — (Hinweis) |