Kino: Unterschied zwischen den Versionen
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Zwei Elemente sind in der Technik­geschich­te des Films als zentra­le und ana­loge Bezugs­größen zu bestim­men: Projek­tion und Bewe­gung. Die Projek­tionskunst, die auf die Came­ra obscu­ra und später die Later­na magi­ca zurück­geht<ref>Wäh­rend die La­ter­na ma­gi­ca le­dig­lich für Pro­jek­ti­ons­zwecke ge­nutzt wur­de, fand und fin­det das Prin­zip der Ca­me­ra ob­scu­ra so­wohl für die Pro­jek­ti­on als auch für die Auf­zeich­nung – et­wa in al­ten Loch­ka­me­ras, aber auch ak­tu­el­len Spie­gel­re­flex­ka­me­ras – Ver­wen­dung.</ref>, basiert im Kontext des Kinos auf der Belich­tung eines Photo­gramms (z.B. Dias, bemal­te Glasplat­ten oder Filmstrei­fen) und der Projek­tion auf eine dafür vorge­sehe­ne Fläche. Gene­rell ist das proji­zierte Motiv bzw. der aufge­zeichne­te Gegen­stand statisch orga­nisiert,<ref>Es soll­te an die­ser Stel­le her­vor­ge­ho­ben wer­den, dass sich die Pro­jek­ti­o­nen der La­ter­na ma­gi­ca nicht al­lein in der ad­di­ti­ven Rei­hung der be­mal­ten Tab­leaus er­schöpf­ten, son­dern dass sie zu­dem ver­schie­de­ne For­men der Ani­ma­ti­on und der Se­quen­zi­a­li­tät be­in­hal­te­ten, um so den Ein­druck von Be­we­gung zu in­du­zie­ren: „Über­blend- und Ein­blend­ver­fah­ren al­ter­nier­ten da­zu mit Ef­fek­ten, die auf Zieh-, Schie­be-, He­bel- oder Dreh­me­cha­nis­men ba­sie­ren“ (<bib id='Hick 1999a'></bib>: S. 162ff.). </ref> so dass durch die Projek­tion eben­falls ein stati­sches Bild wieder­gege­ben wird. Die spezi­fische Bewe­gung struktu­riert sich nicht durch eine allei­nige Bewe­gungsdar­stellung inner­halb des stati­schen Motivs, dies ließe sich sehr gut als Darstel­lung von Bewe­gung klassi­fizie­ren, sondern vielmehr durch die appa­rati­ve Möglich­keit, eine Serie stati­scher Bilder in Bewe­gung zu verset­zen. Um eine Serie stati­sche Bilder sinnvoll in Bewe­gung zu verset­zen müssen zwei notwen­dige Bedin­gungen erfüllt sein: Einer­seits muss das Motiv der Bildse­rie eine figu­rale Diffe­renz (vgl. <bib id='Paech 2006a'></bib>: S. 99) zu den voran­gehen­den Bildern aufwei­sen (z.B. eine Foto­serie eines gehen­den Menschen muss einzel­ne Bewe­gungsfol­gen darstel­len bzw. zeigen), und ande­rerseits muss die Appa­ratur in der Lage sein, die seri­elle Bildfol­ge hinter­einan­der und zeitlich struktu­riert (bei gleichblei­bender und wahrneh­mungsauf­fälli­ger Geschwin­digkeit) über ein Sichtfeld oder eine Blende freizu­geben, damit die Verbin­dung von Strobo­skop- und Nachbild­effekt (⊳ [[Film]]) zum Rezep­tionsef­fekt der Bewe­gung führen kann. | Zwei Elemente sind in der Technik­geschich­te des Films als zentra­le und ana­loge Bezugs­größen zu bestim­men: Projek­tion und Bewe­gung. Die Projek­tionskunst, die auf die Came­ra obscu­ra und später die Later­na magi­ca zurück­geht<ref>Wäh­rend die La­ter­na ma­gi­ca le­dig­lich für Pro­jek­ti­ons­zwecke ge­nutzt wur­de, fand und fin­det das Prin­zip der Ca­me­ra ob­scu­ra so­wohl für die Pro­jek­ti­on als auch für die Auf­zeich­nung – et­wa in al­ten Loch­ka­me­ras, aber auch ak­tu­el­len Spie­gel­re­flex­ka­me­ras – Ver­wen­dung.</ref>, basiert im Kontext des Kinos auf der Belich­tung eines Photo­gramms (z.B. Dias, bemal­te Glasplat­ten oder Filmstrei­fen) und der Projek­tion auf eine dafür vorge­sehe­ne Fläche. Gene­rell ist das proji­zierte Motiv bzw. der aufge­zeichne­te Gegen­stand statisch orga­nisiert,<ref>Es soll­te an die­ser Stel­le her­vor­ge­ho­ben wer­den, dass sich die Pro­jek­ti­o­nen der La­ter­na ma­gi­ca nicht al­lein in der ad­di­ti­ven Rei­hung der be­mal­ten Tab­leaus er­schöpf­ten, son­dern dass sie zu­dem ver­schie­de­ne For­men der Ani­ma­ti­on und der Se­quen­zi­a­li­tät be­in­hal­te­ten, um so den Ein­druck von Be­we­gung zu in­du­zie­ren: „Über­blend- und Ein­blend­ver­fah­ren al­ter­nier­ten da­zu mit Ef­fek­ten, die auf Zieh-, Schie­be-, He­bel- oder Dreh­me­cha­nis­men ba­sie­ren“ (<bib id='Hick 1999a'></bib>: S. 162ff.). </ref> so dass durch die Projek­tion eben­falls ein stati­sches Bild wieder­gege­ben wird. Die spezi­fische Bewe­gung struktu­riert sich nicht durch eine allei­nige Bewe­gungsdar­stellung inner­halb des stati­schen Motivs, dies ließe sich sehr gut als Darstel­lung von Bewe­gung klassi­fizie­ren, sondern vielmehr durch die appa­rati­ve Möglich­keit, eine Serie stati­scher Bilder in Bewe­gung zu verset­zen. Um eine Serie stati­sche Bilder sinnvoll in Bewe­gung zu verset­zen müssen zwei notwen­dige Bedin­gungen erfüllt sein: Einer­seits muss das Motiv der Bildse­rie eine figu­rale Diffe­renz (vgl. <bib id='Paech 2006a'></bib>: S. 99) zu den voran­gehen­den Bildern aufwei­sen (z.B. eine Foto­serie eines gehen­den Menschen muss einzel­ne Bewe­gungsfol­gen darstel­len bzw. zeigen), und ande­rerseits muss die Appa­ratur in der Lage sein, die seri­elle Bildfol­ge hinter­einan­der und zeitlich struktu­riert (bei gleichblei­bender und wahrneh­mungsauf­fälli­ger Geschwin­digkeit) über ein Sichtfeld oder eine Blende freizu­geben, damit die Verbin­dung von Strobo­skop- und Nachbild­effekt (⊳ [[Film]]) zum Rezep­tionsef­fekt der Bewe­gung führen kann. | ||
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Bevor die moderne Kine­mato­graphie in der Lage war, das ide­ale Verhält­nis von Projek­tion und Bewe­gung für die techni­schen Appa­ratu­ren nutzbar zu machen, gab es eine Vielzahl an Appa­ratu­ren, die allge­mein als techni­sche Vorgän­ger der moder­nen Kine­mato­graphie gelten, z.B. Phena­kisti­skop, Zoetrop, Praxi­noskop, Zoepra­xiskop, Elek­trotachy­skop, Kine­tograph und Kine­toskop. Aufgrund der anfäng­lich noch unaus­gereif­ten Appa­ratur war die Kine­mato­graphie noch in ihren Anfän­gen im wahrsten Sinne ein „Kurbel­betrieb; Kurbeln an der Kame­ra und am Projek­tor diri­gieren die Aufnah­me und die Wieder­gabe des aufge­nomme­nen Mate­rials“ (<bib id='Kreimeier 2012a'>Kreimei­er 2012a</bib>: S. 155). Vor allem die Elek­trifi­zierung ermög­lichte dann die Perfek­tionie­rung der techni­schen Wieder­gabe, und Elek­tromo­toren revo­lutio­nierten die Kine­mato­graphie: | Bevor die moderne Kine­mato­graphie in der Lage war, das ide­ale Verhält­nis von Projek­tion und Bewe­gung für die techni­schen Appa­ratu­ren nutzbar zu machen, gab es eine Vielzahl an Appa­ratu­ren, die allge­mein als techni­sche Vorgän­ger der moder­nen Kine­mato­graphie gelten, z.B. Phena­kisti­skop, Zoetrop, Praxi­noskop, Zoepra­xiskop, Elek­trotachy­skop, Kine­tograph und Kine­toskop. Aufgrund der anfäng­lich noch unaus­gereif­ten Appa­ratur war die Kine­mato­graphie noch in ihren Anfän­gen im wahrsten Sinne ein „Kurbel­betrieb; Kurbeln an der Kame­ra und am Projek­tor diri­gieren die Aufnah­me und die Wieder­gabe des aufge­nomme­nen Mate­rials“ (<bib id='Kreimeier 2012a'>Kreimei­er 2012a</bib>: S. 155). Vor allem die Elek­trifi­zierung ermög­lichte dann die Perfek­tionie­rung der techni­schen Wieder­gabe, und Elek­tromo­toren revo­lutio­nierten die Kine­mato­graphie: | ||
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:''Bald werden Elek­tromo­toren in den neuen Maschi­nen der puppen­haften Unge­lenkig­keit dessen, was auf der Leinwand zu sehen ist, ein Ende berei­ten. Die Geschich­te der Kine­mato­graphie wird von nun an einen ande­ren Verlauf nehmen und zur Filmge­schichte werden.'' (<bib id='Kreimeier 2012a'>Kreimei­er 2012a</bib>: S. 155) | |||
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Version vom 14. August 2013, 22:20 Uhr
Unterpunkt zu: Bildverwendungstypen
Etymologie und WortbedeutungDer Ausdruck ‘Kino’ ist eine verkürzte Form von ‘Kinematograph’ bzw. ‘Kinematographie’. Der altgriechische Ursprung der Bezeichnung bezieht sich auf die Verbindung der Wörter ‘κίνημα’, einer Kurzform von ‘κίνηθμός’ (kinema, kinetmos: Bewegung, Kriegestanz, Erschütterung, Unruhe, Aufstand, Veränderung) und ‘γράφειν’ (graphein: zeichnen) (vgl. [Gemoll & Vretska 2006a]Gemoll, Wilhelm & Vretska, Karl (2006): Gemoll. Griechisch-deutsches Schulwörterbuch und Handwörterbuch. Oldenbourg Schulbuchverlag, München. Der Kinematograph (cinématographe) wurde 1895 von den Brüdern Louis und Auguste Lumière erfunden und diente als Aufnahmegerät zur Belichtung von Filmmaterial, als Projektor und als Kopiergerät. Die Projektion des kinematographischen Filmmaterials ermöglichte die Darstellung von Bewegung und konstituierte das spezifische Bewegungsbild des Films. Der Terminus ‘Kino’ dient heutzutage weitestgehend der apparativen Charakterisierung speziell ausgestatteter Orte (Leinwand, Sitzreihen etc.), an denen Filmvorführungen einem zahlenden Publikum – etwa im Gegensatz zum Fernsehen – öffentlich zugänglich gemacht werden.
Technisch-apparative SystematikSpricht man über das Kino, so ist damit stets zweierlei gemeint, einerseits die komplexe technische Apparatur, andererseits der spezifische Ort, an dem sich diese Apparatur befindet. Die kinematographische Bildlichkeit ist in erster Linie abhängig von der technischen Apparatur, welche eine triadische Einheit aus Film (35mm, CinemaScope, Cinerama, IMAX etc.), Projektionsvorgang und Projektionsfläche bildet (vgl. [Paech 2006a]Paech, Joachim (2006): Was ist ein kinematographisches Bewegungsbild?. In: Koebner, Th. & Meder, Th. (Hg.), Bildtheorie und Film. Edition Text + Kritik, München.
Kinematographisches DispositivDer komplexe Systemzusammenhang aus technischer Apparatur und Strukturierung des Kino-Raums (der Ort, an dem Vorführungen stattfinden) konstituiert die Gesamtheit des kinematographischen Dispositivs: Hier zeigt sich das Kino grundsätzlich in einer apparativen sowie rezeptiven Dimension. Das kinematographische Bewegungsbild zeigt sich explizit verschieden von den digitalen und informationell elektronischen Bewegungsbildern wie sie beispielsweise durch den Fernseher oder den Computermonitor konstituiert werden (vgl. [Paech 2006a]Paech, Joachim (2006): Was ist ein kinematographisches Bewegungsbild?. In: Koebner, Th. & Meder, Th. (Hg.), Bildtheorie und Film. Edition Text + Kritik, München.
Projektion und BewegungZwei Elemente sind in der Technikgeschichte des Films als zentrale und analoge Bezugsgrößen zu bestimmen: Projektion und Bewegung. Die Projektionskunst, die auf die Camera obscura und später die Laterna magica zurückgeht[1], basiert im Kontext des Kinos auf der Belichtung eines Photogramms (z.B. Dias, bemalte Glasplatten oder Filmstreifen) und der Projektion auf eine dafür vorgesehene Fläche. Generell ist das projizierte Motiv bzw. der aufgezeichnete Gegenstand statisch organisiert,[2] so dass durch die Projektion ebenfalls ein statisches Bild wiedergegeben wird. Die spezifische Bewegung strukturiert sich nicht durch eine alleinige Bewegungsdarstellung innerhalb des statischen Motivs, dies ließe sich sehr gut als Darstellung von Bewegung klassifizieren, sondern vielmehr durch die apparative Möglichkeit, eine Serie statischer Bilder in Bewegung zu versetzen. Um eine Serie statische Bilder sinnvoll in Bewegung zu versetzen müssen zwei notwendige Bedingungen erfüllt sein: Einerseits muss das Motiv der Bildserie eine figurale Differenz (vgl. [Paech 2006a]Paech, Joachim (2006): Was ist ein kinematographisches Bewegungsbild?. In: Koebner, Th. & Meder, Th. (Hg.), Bildtheorie und Film. Edition Text + Kritik, München. Bevor die moderne Kinematographie in der Lage war, das ideale Verhältnis von Projektion und Bewegung für die technischen Apparaturen nutzbar zu machen, gab es eine Vielzahl an Apparaturen, die allgemein als technische Vorgänger der modernen Kinematographie gelten, z.B. Phenakistiskop, Zoetrop, Praxinoskop, Zoepraxiskop, Elektrotachyskop, Kinetograph und Kinetoskop. Aufgrund der anfänglich noch unausgereiften Apparatur war die Kinematographie noch in ihren Anfängen im wahrsten Sinne ein „Kurbelbetrieb; Kurbeln an der Kamera und am Projektor dirigieren die Aufnahme und die Wiedergabe des aufgenommenen Materials“ ([Kreimeier 2012a]Kreimeier, Klaus (2010): Die Poesie der Maschine. Gedankensplitter zu einer Theorie des frühen Kinos. In: Kirchner, A. & Pohl, A. & Riedel, P. (Hg.), Kritik des Ästhetischen - Ästhetik der Kritik. Schüren, Marburg.
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Anmerkungen
Literatur
[Gemoll & Vretska 2006a]Gemoll, Wilhelm & Vretska, Karl (2006): Gemoll. Griechisch-deutsches Schulwörterbuch und Handwörterbuch. Oldenbourg Schulbuchverlag, München.[Hick 1999a]Hick, Ulrike (1999): Geschichte der optischen Medien. Fink, München.[Kreimeier 2012a]Kreimeier, Klaus (2010): Die Poesie der Maschine. Gedankensplitter zu einer Theorie des frühen Kinos. In: Kirchner, A. & Pohl, A. & Riedel, P. (Hg.), Kritik des Ästhetischen - Ästhetik der Kritik. Schüren, Marburg.[Paech 2006a]Paech, Joachim (2006): Was ist ein kinematographisches Bewegungsbild?. In: Koebner, Th. & Meder, Th. (Hg.), Bildtheorie und Film. Edition Text + Kritik, München. Verantwortlich: Lektorat: Seitenbearbeitungen durch: Lars Grabbe, Dimitri Liebsch, Joerg R.J. Schirra, Patrick Kruse und Marcel Lemmes — (Hinweis) |