Digitales Bild: Unterschied zwischen den Versionen
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Eine erste Gruppe von Texten stellt den Begriff des | Eine erste Gruppe von Texten stellt den Begriff des ‘digitalen Bildes' selbst in Frage (vgl. <bib id='Schneider 2009a'></bib>: S. 192-194). Wolfgang Hagen <bib id='Hagen 2002a'></bib> untersucht z.B. das Charge Coupled Device. Dabei handelt es sich um jenen Sensor, der, unter Ausnutzung des photoelektrischen Effekts, Licht- in Stromwerte umwandelt und heute in jeder digitalen Fotokamera operiert. Das CCD ist eine zentrale Technologie zur Erzeugung digitalisierter Bilder. Hagen argumentiert, dass zu seiner Entwicklung ein quantenmechanisches Wissen erforderlich war, das selber bildlos (unanschaulich) sei. Diese Bildlosigkeit des bedingenden Wissens mache es daher schwierig von ,digitalen Bildern' (oder näherhin von ,digitaler Fotografie') zu sprechen. Diese Schlussfolgerung kann verwundern - angesichts der selbstverständlichen Alltagspraxis mit digital aufgenommenen Fotografien etwa im Journalismus oder in der Familienfotografie, bei denen der Bildcharakter keineswegs bezweifelt wird.<ref><bib id='Hagen 2002a'></bib> weist direkt zu Beginn seines Textes selbst darauf hin. Vgl. auch <bib id='Mitchell 2007a'></bib>.</ref> | ||
Ein etwas anderes Argument gegen den Begriff der | Ein etwas anderes Argument gegen den Begriff der ‘digitalen Bilder' schlägt Claus Pias vor. Digitale Bilder sind, wie alle anderen digitalen Daten auch, in Form binären Codes gespeichert. Auf den Bildschirmen erscheinen [[Bild, analoges/digitales|analoge Bilder]], nur ihr Code ist digital - wegen dieser Trennung zwischen Erscheinung und Speicherung mache der Ausdruck ,digitale Bilder' keinen Sinn. Auf der Ebene des Codes schon deshalb nicht, weil alle noch so verschiedenen Daten (Musik, Text, Video, ausführbarer Code etc.) auf dieselbe Weise gespeichert seien. Der Code, der ein Bild beschreibt, könnte z.B. auch als Text oder Sound dargestellt werden. Allerdings ist auch dieses Argument problematisch, denn die Daten, die ein Bild beschreiben, geben bei ihrer Darstellung als Sound bestenfalls "Musik im Cage'schen Sinn" (<bib id='Hagen 2002a'></bib>: S. 231). Nur unter Rekurs auf John Cages radikal erweitertem Musikbegriff ist die Ausgabe von Bilddaten als Sound ,Musik' und nicht einfach eine sinnlose Störung. Daher haben - zumindest unter Windows bei entsprechender Konfiguration - Dateien ja auch Endungen (wie .tif oder .wav), die die Daten eindeutig einem Programm mit dem Zweck der richtigen Darstellung zuordnen.<br/> | ||
Generell kann gegen beide Kritiken eingewendet werden, dass Formulierungen wie ,Es gibt kein digitales Bild' (so der Titel von <bib id='Hagen 2002b'></bib> und <bib id='Pias 2003a'></bib>) die Begrifflichkeit des ,digitalen Bildes' bereits voraussetzen. Diskursanalytisch betrachtet wäre sie also etabliert und mithin anschlussfähig - es bleibt zudem zu fragen, welche Alternative statt des Bildbegriffs zur Bezeichnung der Phänomene, die etwa auf den Displays <ref>Zum Begriff des Displays siehe <bib id='Schröter & Thielmann 2006a'></bib>; <bib id='Thielmann & Schröter 2007a'></bib>.</ref> digitaler Fotoapparate erscheinen, angezeigt wäre. Selbst wenn die so erscheinenden Bilder auch im Sinne der Symboltheorie Goodmans (<bib id='Goodman 1968a'></bib>; vgl. <bib id='Scholz 2004a'></bib>) analog zu nennen sind, hilft der Ausdruck ,digitales Bild' doch dabei zu spezifizieren, auf welcher Grundlage das erscheinende Bild basiert. Allerdings müssen weitere Differenzierungen folgen: Heuristisch kann man digitalisierte von generierten Bildern unterscheiden (vgl. <bib id='Schröter 2004a'></bib>). Bei digitalisierten Bildern werden (in einer Kamera oder einem Scanner z.B.) abgetastete Lichtwerte in digitalen Code umgesetzt (und dann ggf. verändert). Bei generierten Bildern wird das Bild algorithmisch erzeugt (unter diesen Typ fallen auch Bilder, die mit Paint-Programmen wie z.B. Adobe Illustrator manuell erstellt werden). Beide Typen können verbunden werden. In Anschluss an solche Differenzierungen sollte man - mit Birgit Schneider (<bib id='Schneider 2009a'></bib>: S. 194) - weniger fragen, ob und wenn ja was ein ,digitales Bild' überhaupt ist, sondern welche Funktionen seine verschiedenen Formen in verschiedenen konkreten Praktiken einnehmen. Von Ontologie wäre mithin auf Pragmatik umzustellen (vgl. <bib id='Heßler 2006a'></bib>; <bib id='Schröter 2009a'></bib>; <bib id='Günzel 2010a'></bib>). | Generell kann gegen beide Kritiken eingewendet werden, dass Formulierungen wie ,Es gibt kein digitales Bild' (so der Titel von <bib id='Hagen 2002b'></bib> und <bib id='Pias 2003a'></bib>) die Begrifflichkeit des ,digitalen Bildes' bereits voraussetzen. Diskursanalytisch betrachtet wäre sie also etabliert und mithin anschlussfähig - es bleibt zudem zu fragen, welche Alternative statt des Bildbegriffs zur Bezeichnung der Phänomene, die etwa auf den Displays <ref>Zum Begriff des Displays siehe <bib id='Schröter & Thielmann 2006a'></bib>; <bib id='Thielmann & Schröter 2007a'></bib>.</ref> digitaler Fotoapparate erscheinen, angezeigt wäre. Selbst wenn die so erscheinenden Bilder auch im Sinne der Symboltheorie Goodmans (<bib id='Goodman 1968a'></bib>; vgl. <bib id='Scholz 2004a'></bib>) analog zu nennen sind, hilft der Ausdruck ,digitales Bild' doch dabei zu spezifizieren, auf welcher Grundlage das erscheinende Bild basiert. Allerdings müssen weitere Differenzierungen folgen: Heuristisch kann man digitalisierte von generierten Bildern unterscheiden (vgl. <bib id='Schröter 2004a'></bib>). Bei digitalisierten Bildern werden (in einer Kamera oder einem Scanner z.B.) abgetastete Lichtwerte in digitalen Code umgesetzt (und dann ggf. verändert). Bei generierten Bildern wird das Bild algorithmisch erzeugt (unter diesen Typ fallen auch Bilder, die mit Paint-Programmen wie z.B. Adobe Illustrator manuell erstellt werden). Beide Typen können verbunden werden. In Anschluss an solche Differenzierungen sollte man - mit Birgit Schneider (<bib id='Schneider 2009a'></bib>: S. 194) - weniger fragen, ob und wenn ja was ein ,digitales Bild' überhaupt ist, sondern welche Funktionen seine verschiedenen Formen in verschiedenen konkreten Praktiken einnehmen. Von Ontologie wäre mithin auf Pragmatik umzustellen (vgl. <bib id='Heßler 2006a'></bib>; <bib id='Schröter 2009a'></bib>; <bib id='Günzel 2010a'></bib>). | ||
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Version vom 7. Juli 2013, 14:59 Uhr
Unterpunkt zu: Bildmedien
Definition und GliederungDer Ausdruck ‘digitales Bild’ steht für einen Sammelbegriff für verschiedene Bildtypen, die mit digitalen Technologien hergestellt oder bearbeitet werden. Seit ca. Anfang der 1990er Jahre kommt es zu einer gesteigerten Ausbreitung von digitalen Kameras, Personal Computern mit Bildbearbeitungssoftware, aber auch von populären Kinofilmen mit spektakulären digitalen Trickeffekten, so z. B. Terminator II (James Cameron, 1991) oder Jurassic Park (Steven Spielberg, 1993). Auch ist zu dieser Zeit viel von ‘Cyberspace’ und ‘Virtual Reality’ die Rede. Infolgedessen entfaltet sich eine sich immer weiter verzweigende Diskussion um die Geschichte, die Theorie, die Potentiale und Probleme solcher Bilder. Hier wird eine Gliederung der umfänglichen Literatur vorgeschlagen, die nicht im engeren Sinne systematisch (also z.B. ‘Geschichte - Theorie - Ästhetik’), sondern an besonderen Problemfeldern orientiert ist, die im Lauf der Diskussion entstanden sind.[1] In Abschnitt 2 geht es um die Frage, ob der Ausdruck ‘digitale Bilder’ überhaupt sinnvoll ist. In Abschnitt 3 diskutiert das Problem der Referenz (oder auch des Welt- oder Wirklichkeitsbezuges) der verschiedenen digitalen Bilder - eine insbesondere in der ersten Hälfte der 1990er Jahre zentrale Fragestellung. Abschnitt 4 skizziert die Diskussion um die Frage, ob und inwiefern die verschiedenen Typen digitaler Bilder spezifische formale bildliche Eigenschaften, einen spezifischen Look haben. In 5 werden schließlich die digitalen Bilder hinsichtlich der Perspektive des Archivs und der Zirkulation betrachtet. Es gibt kein digitales Bild?Eine erste Gruppe von Texten stellt den Begriff des ‘digitalen Bildes' selbst in Frage (vgl. [Schneider 2009a]Schneider, Birgit (2009): Wissenschaftsbilder zwischen digitaler Transformation und Manipulation. Einige Anmerkungen zur Diskussion des “digitalen Bildes”. In: Heßler, M. & Mersch, D. (Hg.), Logik des Bildlichen. Zur Kritik der ikonischen Vernunft. transcript, Bielefeld. Ein etwas anderes Argument gegen den Begriff der ‘digitalen Bilder' schlägt Claus Pias vor. Digitale Bilder sind, wie alle anderen digitalen Daten auch, in Form binären Codes gespeichert. Auf den Bildschirmen erscheinen analoge Bilder, nur ihr Code ist digital - wegen dieser Trennung zwischen Erscheinung und Speicherung mache der Ausdruck ,digitale Bilder' keinen Sinn. Auf der Ebene des Codes schon deshalb nicht, weil alle noch so verschiedenen Daten (Musik, Text, Video, ausführbarer Code etc.) auf dieselbe Weise gespeichert seien. Der Code, der ein Bild beschreibt, könnte z.B. auch als Text oder Sound dargestellt werden. Allerdings ist auch dieses Argument problematisch, denn die Daten, die ein Bild beschreiben, geben bei ihrer Darstellung als Sound bestenfalls "Musik im Cage'schen Sinn" ([Hagen 2002a]Hagen, Wolfgang (2002): Die Entropie der Fotografie. Skizzen zu einer Genealogie der digitalelektronischen Bildaufzeichnung. In: Wolf, H. (Hg.), Paradigma Fotografie. Suhrkamp, Frankfurt/M. Generell kann gegen beide Kritiken eingewendet werden, dass Formulierungen wie ,Es gibt kein digitales Bild' (so der Titel von [Hagen 2002b]Hagen, Wolfgang (2002): Es gibt kein ‘digitales Bild’. Eine medienepistemologische Anmerkung. In: Engelt, L.; Siegert, B. & Vogel, J. (Hg.), Licht und Leitung. Bauhaus-Universität , Weimar. ReferenzenEine der wichtigsten und zugleich umstrittensten Funktionen ist der Verweis auf ,reale' Sachverhalte, die Referenz der Bilder. In den 1990er Jahren - und zum Teil noch bis in die jüngste Gegenwart - dominierte in der umfangreichen Diskussion ([Ritchin 1990a]Ritchin, Fred (1990): In Our Image: The Coming Revolution in Photography. How Computer Technology is Changing our View of the World. Aperture, New York. a. Die digitalen Bilder seien - anders als die Fotografie - nicht mehr indexikalisch, d.h. im Sinne der Semiotik von Peirce nicht mehr über das Licht kausal mit dem Gegenstand verbunden.[7] b. Sie seien, da mathematisch verfasst, leichter manipulierbar und veränderbar als ,analoge Bilder'. Daher seien sie die "Fälschbarkeit schlechthin" ([Kittler 2002a]Kittler, Friedrich (2002): Computergrafik. Eine halbtechnische Einführung. In: Wolf, H. (Hg.), Paradigma Fotografie. Suhrkamp, Frankfurt/M.
Digitalisierte Bilder sind immer noch indexikalisch in dem Sinne, dass Licht vom Gegenstand (oder einer Vorlage) reflektiert wird und auf einen Sensor fällt - nur dass dieser nicht mehr fotochemisch, sondern quantenelektronisch ist. Daran ändert auch Hagens ([Hagen 2002a]Hagen, Wolfgang (2002): Die Entropie der Fotografie. Skizzen zu einer Genealogie der digitalelektronischen Bildaufzeichnung. In: Wolf, H. (Hg.), Paradigma Fotografie. Suhrkamp, Frankfurt/M.
Die glaubwürdige und fehlerfreie Manipulation größerer Teile komplexer bildlicher Szenen ist ein außerordentlich diffiziles Unterfangen (vgl. [Mitchell 1992a]Mitchell, William J.T. (1992): The Reconfigured Eye. Visual Truth in the Post-Photographic Era. MIT Press, Cambridge, MA. Wie dieses letzte Beispiel schon zeigt, sollte die Bearbeitung digitalisierter Bilder nicht automatisch als Verlust von Referenz konzeptualisiert werden. Historisch lässt sich im Gegenteil zeigen, dass die Bearbeitung von Bildern (Image Processing) oft gerade Bedingung ihres Weltbezuges ist - z.B. im militärischen, medizinischen oder naturwissenschaftlichen Praktiken (vgl. [Schröter 2001a]Schröter, Jens (2001): Eine kurze Geschichte der digitalen Fotografie. In: Hesse, W. & Jaworek, W. (Hg.), Verwandlungen durch Licht. Fotografieren in Museen & Archiven & Bibliotheken. Museumsverband Baden-Württemberg, Esslingen. Diese scheinen zunächst, insofern es sich um algorithmisch generierte Bilder handelt[9] eher dem Verdacht der Referenzlosigkeit zu entsprechen. Insbesondere wenn sie fotorealistisch gerendert sind (vgl. [Schröter 2003a]Schröter, Jens (2003): Virtuelle Kamera. Zum Fortbestand fotografischer Medien in computergenerierten Bildern. Fotogeschichte, 23, 88. In vielen konkreten Fällen dienen generierte Bilder als visueller Output von Modellierungen bzw. Simulationen (vgl. [Schröter 2004c]Schröter, Jens (2004): Computer/Simulation. Kopie ohne Original oder das Original kontrollierende Kopie. In: Fehrmann, G.; Linz, E.; Schumacher, E. & Weingart, B. (Hg.), OriginalKopie. Praktiken des Sekundären. DuMont, Köln. Auch in den Wissenschaften werden vielfach und auf verschiedene Weise Bilder aus Daten und Modellen generiert, die auf diese Weise - wenn auch indirekt - auf ein Reales referieren. Derlei ,Datenbilder' ([Adelmann 2009a]Adelmann, Ralf (Hg.) (2009): Datenbilder. Zur digitalen Bildpraxis in den Naturwissenschaften. Transcript, Bielefeld.
Digitale Bildlichkeit?Damit ist die Frage nach den visuellen Eigenheiten der digitalen Bilder, nach der ,digitalen Form' ([Pratschke 2005a]Pratschke, Margarete (Hg.) (2005): Digitale Form. Bildwelten des Wissens. Kunsthistorisches Jahrbuch für Bildkritik. Akademie, Berlin. Die prinzipielle Offenheit digitaler Computer ([Schröter 2004b]Schröter, Jens (2004): Das Netz und die Virtuelle Realität. Zur Selbstprogrammierung der Gesellschaft durch die universelle Maschine. Transcript, Bielefeld. Wenn man Elemente genuiner Bildlichkeit digitaler Bilder sucht, so können neben der genannten Hybridisierung mindestens noch drei weitere Aspekte erwähnt werden.
Der Hinweis auf die Simulation von fotografischen Fehlern lenkt den Blick auf die Fehler und Störungen digitaler Bilder selbst. Diese unterscheiden sich deutlich von den Störungen analoger Bilder und sind insofern als Teil einer genuinen digitalen Bildlichkeit anzusprechen. So sind z.B. die JPEG-Artefakte zu nennen, die auf die notwendige Kompression von Bildern für ihre Zirkulation (siehe 5) über Datennetze verweisen (zur Image Compression vgl. generell [Salomon 2008a]Salomon, David (2008): A Concise Introduction to Data Compression. Springer, London.
Ein bestimmtes Verfahren, das insbesondere mit dem 1991 erschienenen und sehr populären Film Terminator II (James Cameron) bekannt und angelegentlich fast zum Inbegriff digitaler Bildlichkeit wurde, ist das Morphing, also die fließende Umwandlung eines Bildes in ein anderes ([Sobchack 1997a]Sobchack, Vivian (1997): Meta-Morphing. Visual Transformation and the Culture of Quick-Change. Univ. of Minnesota Press, Minneapolis.
Schließlich sind die alltäglichen, grafischen Benutzeroberflächen zu nennen, die zumindest am Rande und partiell unter die Diskussion des digitalen Bildes fallen und die sich durch eine für die digitalen Bilder genuine, strukturelle Vervielfachung der Rahmenfunktion traditioneller Bilder ([Zaloscer 1974a]Zaloscer, Hilde (1974): Versuch einer Phänomenologie des Rahmens. Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft, 19, 2.
Das Archiv und die ZirkulationEine der wichtigsten Veränderungen gegenüber z.B. fotografischen Bildern besteht in den veränderten Formen der Archivierung und der Zirkulation bei digitalen Bildern. Das fotografische Archiv ist von Anfang an mit Belangen der Übertragung verbunden. Schon im 19. Jahrhundert schrieb Sir Oliver Wendell Holmes ([Holmes 1980a]Holmes, Sir Oliver Wendell (1980): Das Stereoskop und der Stereograph. In: Kemp, W. (Hg.), Theorie der Fotografie I. 1839-1912. Schirmer & Mosel, München.
Nur die Datenkompression erlaubt - wenn überhaupt - die Überführung des Bildarchivs in Datennetze, weil Bilder als zwei- oder dreidimensionale Matrizen für ihre Archivierung und Übertragung sehr viele Ressourcen benötigen. Es gibt lossless und lossy compression, gegebenenfalls muss also auf Information verzichtet werden ([Salomon 2008a]Salomon, David (2008): A Concise Introduction to Data Compression. Springer, London.
Durch die Digitalisierung existiert verschiedenes Zeichenmaterial (Fotografien, Gemälde, bewegte Bilder, Schrift, Klänge, Messdaten etc.) nebeneinander im gleichen Archiv, das heißt die traditionellen Grenzen zwischen den Medien und damit den ihnen zugeordneten akademischen Disziplinen werden tendenziell aufgelöst. Während eine traditionelle Fotografie noch ein relativ isolierter Gegenstand ist, muss man ein digitalisiertes Foto als ein Element unter anderen in einem intermedialen Verknüpfungszusammenhang (zum Beispiel auf einer Website) verstehen ([Lunenfeld 2002a]Der Eintrag existiert noch nicht.: S. 161). Eine zukünftige Archivierung digitaler Information muss mithin mehr als nur die Anpassung an immer neue Datenformate etc. leisten. Vielmehr müssten auch die Kontexte einer spezifischen Information mitarchiviert werden ([Weber 2000a]Weber, Hartmut (2000): Windmühlen oder Mauern? Die Archive und der neue Wind in der Informationstechnik. In: Metzing, A. (Hg.), Digitale Archive - Ein neues Paradigma?. Archivschule, Marburg Dieser Intermedialität des digitalisierten Archivs entsprechen neue Formen der Adressierung von Bildern, denn "digitale Medien [können] im Unterschied zu den analogen eben nicht nur speichern, sondern auch sortieren und suchen" ([Heidenreich 2001a]Heidenreich, Stefan (2001): Effekte der Digitalisierung: Berechenbarkeit und Suche. In: Hesse, W. & Jaworek, W. (Hg.), Verwandlungen durch Licht. Fotografieren in Museen & Archiven & Bibliotheken. Museumsverband Baden-Württemberg, Esslingen. Schließlich werden viele digitale Bildarchive durch Nutzeraktivitäten strukturiert und geordnet, die sich den klassischen Kriterien der Archivierung entziehen. Bei You Tube etwa schreibt sich die Aufmerksamkeit, die ein digitalisierter Film erfährt in die Struktur des Archivs selber ein. Die Erforschung der Logik dieser user-strukturierten Archive steht noch relativ am Anfang ([Appadurai 2003a]Appadurai, Arjun (2004): Archive and Aspiration. In: Brouwer, J. & Mulder, A. (Hg.), Information is Alive. V2_Publishing / NAI Publishers, Rotterdam.
Schließlich ändert sich die Permanenz des Archivs. Nochmal sei zum Vergleich die analoge Fotografie herangezogen: Die Haltbarkeit digitalisierter Fotografien oder genauer: der Datenträger, auf denen sie gespeichert sind, ist im Vergleich zu hochwertigen Schwarz/Weiß-Abzügen gering, obwohl die Daten durch Umkopieren auf neue Datenträger erhalten werden können. Es besteht die Gefahr, dass digital gespeicherte Bilddaten relativ plötzlich nicht mehr verwendet werden können - anders als bei analogen Medien, deren Aufzeichnungen langsam verfallen und lange Zeit noch lesbar bleiben. Überdies ist die Wiederlesbarkeit von Datenträgern angesichts häufig wechselnder Daten- und Software-Formate selbst ein Problem ([Künzli 1996/1997a]Künzli, Hansjörg (1996): Über die Haltbarkeit digitaler Daten. Rundbrief Fotografie.
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Anmerkungen
Literatur
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