Film: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Glossar der Bildphilosophie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Joerg R.J. Schirra (Diskussion | Beiträge)
Keine Bearbeitungszusammenfassung
Joerg R.J. Schirra (Diskussion | Beiträge)
Keine Bearbeitungszusammenfassung
Zeile 10: Zeile 10:
<!--Ende header-->
<!--Ende header-->
<!--Ab hier: eigentlicher Inhalt; Überschriften gegebenenfalls anpassen-->
<!--Ab hier: eigentlicher Inhalt; Überschriften gegebenenfalls anpassen-->
==Etymologie und Wortbedeutung==
==Etymologie und Wort&shy;bedeu&shy;tung==


Der Ausdruck ‘Film’ leitet sich vom englischen Ausdruck ‘film’ (zur Bezeichnung von Membran oder dünnem Häutchen) ab und verweist in einer apparativen Perspektive auf das dünne und elastische Material (Foto-Film, Filmrolle etc.), welches durch einen Belichtungsvorgang verändert und für die Projektion genutzt wird. Diente der Ausdruck in diesem Sinne zunächst zur Bezeichnung des materiellen Trägers der Bilder, so wurde bald auch das illusionistische Ergebnis der Projektion oder eine Gesamtheit von aufgenommenen und projizierten Bildern “Film” genannt (vgl. <bib id='Bulgakowa 2001a'></bib>: S. 429ff.)
Der Ausdruck ‘Film’ leitet sich vom engli&shy;schen Ausdruck ‘film’ (zur Bezeich&shy;nung von Membran oder dünnem Häut&shy;chen) ab und verweist in einer appa&shy;rati&shy;ven Perspek&shy;tive auf das dünne und elas&shy;tische Mate&shy;rial (Foto-Film, Film&shy;rolle etc.), welches durch einen Belich&shy;tungsvor&shy;gang verän&shy;dert und für die Projek&shy;tion genutzt wird. Diente der Ausdruck in diesem Sinne zunächst zur Bezeich&shy;nung des mate&shy;riellen Trägers der Bilder, so wurde bald auch das illu&shy;sionis&shy;tische Ergeb&shy;nis der Projek&shy;tion oder eine Gesamt&shy;heit von aufge&shy;nomme&shy;nen und proji&shy;zierten Bildern “Film” genannt (vgl. <bib id='Bulgakowa 2001a'></bib>: S. 429ff.)
:
:
Darüberhinaus bezeichnet ‘Film’ nicht allein eine einzelne derartige Gesamtheit (also ein einzelnes Werk), sondern dient auch als Oberbegriff für die Klassifizierung in Kino- und Fernsehfilme.
Darüberhinaus bezeichnet ‘Film’ nicht allein eine einzel&shy;ne derar&shy;tige Gesamt&shy;heit (also ein einzel&shy;nes Werk), sondern dient auch als Ober&shy;begriff für die Klassi&shy;fizie&shy;rung in Kino- und Fernseh&shy;filme.




==Dynamische Bildlichkeit==
==Dynamische Bildlich&shy;keit==


Der Film strukturiert generell eine spezifische Bildlichkeit und Visualität, die nach dynamischen Prinzipien organisiert ist. In dieser Perspektive unterscheidet sich die filmische Bildlichkeit von statisch strukturierten Bildkonzepten, wie z.B. [[Fotografie]], Dia-Projektion oder [[Malerei|Gemälden]].  
Der Film strukturiert generell eine spezi&shy;fische Bildlich&shy;keit und Visua&shy;lität, die nach dynami&shy;schen Prinzi&shy;pien orga&shy;nisiert ist. In dieser Perspek&shy;tive unter&shy;scheidet sich die filmi&shy;sche Bildlich&shy;keit von statisch struktu&shy;rierten Bildkon&shy;zepten, wie z.B. [[Fotografie|Foto&shy;grafie]], Dia-Projek&shy;tion oder [[Malerei|Gemäl&shy;den]].  
:
:
Die im Film manifestierte Dynamik zeigt sich - aufgrund des technisch-apparativen Systems - innerhalb eines Bewegungsbildes: „Es ist die elektrische Geschwindigkeit, die die mechanischen Filmsequenzen aus ihrer mechanischen Aufeinanderfolge zur Gleichzeitigkeit des elektrischen Bewegungsbildes (siehe auch ⊳ [[Animation|Animation]]) beschleunigt. Im Lichte des elektrischen Stroms ist der Film nicht mehr eine Folge von Bildern in Bewegung, sondern in der Gleichzeitigkeit von Figur und Bewegung ein Bewegungsbild, das nicht mehr wie Bilder in Bewegung, sondern ganzheitlich als ein Bild wahrgenommen wird, ein kinematographisches Bewegungsbild“ (<bib id='Paech 2006a'></bib>: S. 99). Die technisch-apparative Dimension des kinematographischen Bewegungsbildes ist prinzipiell offen angelegt und findet ihre Erweiterung in vielfältigen technischen Innovationen. So zeigt sich das Bewegungsbild im Kontext von Fernseh- und Videogeräten (siehe auch ⊳ [[Fernsehen]] und [[Video]]) und Computermonitoren als informationelles elektronisches Bild (vgl. <bib id='Paech 2006a'></bib>: S. 105), welches gänzlich unabhängig von der kinematographischen Dispositivstruktur (siehe auch ⊳ [[Kino]]) konstituiert wird: Es strukturiert sich dann „als rein energetisches (elektrisches) Bild, das seinen für die Bewegungsdarstellung konstitutiven Ähnlichkeits-/Differenzfaktor in die punktuelle Konstruktion des Bildes tausendfach hereingenommen hat. Bewegung ist nicht mehr die Figur der Übersetzung oder Transformation einer analogen mechanischen Kette zur energetischen Darstellung ihrer sukzessiven figuralen Ähnlichkeiten/Differenzen im Lichte des Bewegungsbildes“ (<bib id='Paech 2006a'></bib>: S. 105-106).
Die im Film manifestierte Dynamik zeigt sich - aufgrund des technisch-appa&shy;rati&shy;ven Systems - inner&shy;halb eines Be&shy;wegungs&shy;bildes: „Es ist die elek&shy;trische Geschwin&shy;digkeit, die die mecha&shy;nischen Filmse&shy;quenzen aus ihrer mecha&shy;nischen Auf&shy;einander&shy;folge zur Gleich&shy;zeitig&shy;keit des elek&shy;trischen Bewe&shy;gungsbil&shy;des (siehe auch ⊳ [[Animation|Ani&shy;mation]]) beschleu&shy;nigt. Im Lichte des elektri&shy;schen Stroms ist der Film nicht mehr eine Folge von Bildern in Bewe&shy;gung, sondern in der Gleich&shy;zeitig&shy;keit von Figur und Bewe&shy;gung ein Bewe&shy;gungsbild, das nicht mehr wie Bilder in Bewe&shy;gung, sondern ganzheit&shy;lich als ''ein'' Bild wahrge&shy;nommen wird, ein kine&shy;matogra&shy;phisches Bewegungs&shy;bild“ (<bib id='Paech 2006a'></bib>: S. 99). Die technisch-appa&shy;rative Dimen&shy;sion des kine&shy;mato&shy;graphi&shy;schen Bewegungs&shy;bildes ist prinzi&shy;piell offen ange&shy;legt und findet ihre Erwei&shy;terung in vielfäl&shy;tigen tech&shy;nischen Inno&shy;vatio&shy;nen. So zeigt sich das Bewegungs&shy;bild im Kontext von Fernseh- und Video&shy;geräten (siehe auch ⊳ [[Fernsehen|Fern&shy;sehen]] und [[Video]]) und Compu&shy;termo&shy;nito&shy;ren als infor&shy;matio&shy;nelles elek&shy;troni&shy;sches Bild (vgl. <bib id='Paech 2006a'></bib>: S. 105), welches gänzlich unab&shy;hängig von der kine&shy;mato&shy;graphi&shy;schen Dispo&shy;sitiv&shy;struktur (siehe auch ⊳ [[Kino]]) konsti&shy;tuiert wird: Es struktu&shy;riert sich dann „als rein ener&shy;geti&shy;sches (elek&shy;trisches) Bild, das seinen für die Bewe&shy;gungsdar&shy;stellung konsti&shy;tutiven Ähnlich&shy;keits-/Diffe&shy;renzfak&shy;tor in die punktu&shy;elle Konstruk&shy;tion des Bildes tausend&shy;fach herein&shy;genommen hat. Bewe&shy;gung ist nicht mehr die Figur der Über&shy;setzung oder Transfor&shy;mation einer ana&shy;logen mecha&shy;nischen Kette zur ener&shy;geti&shy;schen Darstel&shy;lung ihrer sukzes&shy;siven figu&shy;ralen Ähnlich&shy;keiten/Diffe&shy;renzen im Lichte des Bewe&shy;gungsbil&shy;des“ (<bib id='Paech 2006a'></bib>: S. 105-106).
:
:



Version vom 6. Mai 2013, 11:49 Uhr

Unterpunkt zu: Bildmedien


Etymologie und Wort­bedeu­tung

Der Ausdruck ‘Film’ leitet sich vom engli­schen Ausdruck ‘film’ (zur Bezeich­nung von Membran oder dünnem Häut­chen) ab und verweist in einer appa­rati­ven Perspek­tive auf das dünne und elas­tische Mate­rial (Foto-Film, Film­rolle etc.), welches durch einen Belich­tungsvor­gang verän­dert und für die Projek­tion genutzt wird. Diente der Ausdruck in diesem Sinne zunächst zur Bezeich­nung des mate­riellen Trägers der Bilder, so wurde bald auch das illu­sionis­tische Ergeb­nis der Projek­tion oder eine Gesamt­heit von aufge­nomme­nen und proji­zierten Bildern “Film” genannt (vgl. [Bulgakowa 2001a]Bulgakowa, Oksana (2001): Film/filmisch. In: Barck, K. & Fontius, M. & Schlenstedt, D. & Steinwachs, B. & Wolfzettel, F. (Hg.), Ästhetisches Wörterbuch in sieben Bänden. Bd. 2: Dekadent — Grotesk. J. B. Metzler, Stuttgart, Weimar.
: S. 429ff.)

Darüberhinaus bezeichnet ‘Film’ nicht allein eine einzel­ne derar­tige Gesamt­heit (also ein einzel­nes Werk), sondern dient auch als Ober­begriff für die Klassi­fizie­rung in Kino- und Fernseh­filme.


Dynamische Bildlich­keit

Der Film strukturiert generell eine spezi­fische Bildlich­keit und Visua­lität, die nach dynami­schen Prinzi­pien orga­nisiert ist. In dieser Perspek­tive unter­scheidet sich die filmi­sche Bildlich­keit von statisch struktu­rierten Bildkon­zepten, wie z.B. Foto­grafie, Dia-Projek­tion oder Gemäl­den.

Die im Film manifestierte Dynamik zeigt sich - aufgrund des technisch-appa­rati­ven Systems - inner­halb eines Be­wegungs­bildes: „Es ist die elek­trische Geschwin­digkeit, die die mecha­nischen Filmse­quenzen aus ihrer mecha­nischen Auf­einander­folge zur Gleich­zeitig­keit des elek­trischen Bewe­gungsbil­des (siehe auch ⊳ Ani­mation) beschleu­nigt. Im Lichte des elektri­schen Stroms ist der Film nicht mehr eine Folge von Bildern in Bewe­gung, sondern in der Gleich­zeitig­keit von Figur und Bewe­gung ein Bewe­gungsbild, das nicht mehr wie Bilder in Bewe­gung, sondern ganzheit­lich als ein Bild wahrge­nommen wird, ein kine­matogra­phisches Bewegungs­bild“ ([Paech 2006a]Paech, Joachim (2006): Was ist ein kinematographisches Bewegungsbild?. In: Koebner, Th. & Meder, Th. (Hg.), Bildtheorie und Film. Edition Text + Kritik, München.
: S. 99). Die technisch-appa­rative Dimen­sion des kine­mato­graphi­schen Bewegungs­bildes ist prinzi­piell offen ange­legt und findet ihre Erwei­terung in vielfäl­tigen tech­nischen Inno­vatio­nen. So zeigt sich das Bewegungs­bild im Kontext von Fernseh- und Video­geräten (siehe auch ⊳ Fern­sehen und Video) und Compu­termo­nito­ren als infor­matio­nelles elek­troni­sches Bild (vgl. [Paech 2006a]Paech, Joachim (2006): Was ist ein kinematographisches Bewegungsbild?. In: Koebner, Th. & Meder, Th. (Hg.), Bildtheorie und Film. Edition Text + Kritik, München.
: S. 105), welches gänzlich unab­hängig von der kine­mato­graphi­schen Dispo­sitiv­struktur (siehe auch ⊳ Kino) konsti­tuiert wird: Es struktu­riert sich dann „als rein ener­geti­sches (elek­trisches) Bild, das seinen für die Bewe­gungsdar­stellung konsti­tutiven Ähnlich­keits-/Diffe­renzfak­tor in die punktu­elle Konstruk­tion des Bildes tausend­fach herein­genommen hat. Bewe­gung ist nicht mehr die Figur der Über­setzung oder Transfor­mation einer ana­logen mecha­nischen Kette zur ener­geti­schen Darstel­lung ihrer sukzes­siven figu­ralen Ähnlich­keiten/Diffe­renzen im Lichte des Bewe­gungsbil­des“ ([Paech 2006a]Paech, Joachim (2006): Was ist ein kinematographisches Bewegungsbild?. In: Koebner, Th. & Meder, Th. (Hg.), Bildtheorie und Film. Edition Text + Kritik, München.
: S. 105-106).


Kinematographische Bildlichkeit

Zeigt sich das informationelle elektronische Bewegungsbild im Kontext digitaler Prozesse, so ist das kinematographische Bewegungsbild analog konfiguriert: Es „resultiert aus der Übersetzung oder Transformation einer mechanischen Form der Bewegung apparativer Darstellung in eine ästhetische, dargestellte Bewegung über die gemeinsame Figur der Ähnlichkeit/Differenz“ ([Paech 2006a]Paech, Joachim (2006): Was ist ein kinematographisches Bewegungsbild?. In: Koebner, Th. & Meder, Th. (Hg.), Bildtheorie und Film. Edition Text + Kritik, München.
: 102). Grundvoraussetzung für die Realisierung des kinematographischen Bewegungsbildes ist das triadische Arrangement von Film, Projektion und Projektionsfläche, „wo sich das Bewegungsbild als Ergebnis seiner technisch-apparativen Disposition manifestiert“ ([Paech 2006a]Paech, Joachim (2006): Was ist ein kinematographisches Bewegungsbild?. In: Koebner, Th. & Meder, Th. (Hg.), Bildtheorie und Film. Edition Text + Kritik, München.
: 92).

Bild-Wiedergabe/ Bildfrequenz

In der Kinematographie etablierte sich über Jahrzehnte technischer Entwicklungen ein Bild-Wiedergabe-Standard von 24 Bildern pro Sekunde. Diese innovative Entwicklung führte zu einer idealen Interaktion von technischer Apparatur und sinnesphysiologischer Wahrnehmungskapazität des Rezipienten. Bei einer Wiedergabe von ca. 24 Einzelbildern innerhalb einer Sekunde, ist das Gehirn in der Lage aus der figurativen Differenz (vgl. [Paech 2005a]Paech, Joachim (2005): Medienwissenschaft. In: Sachs-Hombach, K. (Hg.), Bildwissenschaft. Disziplinen, Themen, Methoden. Suhrkamp, Frankfurt/M.
: 88) der Einzelbilder eine kontinuierliche Bewegung zu errechnen und automatisch entsteht der Illusionseindruck einer realen Bewegung – ein realisiertes Bewegungsbild. Während einer Filmvorführung wird der Filmstreifen allerdings nicht konstant und kontinuierlich an der Projektionslinse vorbeigeführt, dies würde keine konsistente Bildwahrnehmung erlauben. So wird in kinematographischen Apparaturen ein Vorschubmechanismus verwendet, z.B. ein Malteserkreuzgetriebe, durch welches die Rolle mit dem aufgespulten Filmstreifen diskontinuierlich immer nur ein Stück weiter transportiert wird und zwischenzeitlich zum Stillstand kommt. Der Wechsel zwischen Transport und Stillstand ereignet sich in Abhängigkeit von der Anzahl der Bilder die pro Sekunde projiziert werden. Während das Bild weitertransportiert wird (in der Bild-Zwischen-Zeit) sorgt eine Flügelscheibe dafür, dass die Linse des Vorführgerätes abgeblendet wird. Dieser optische Effekt wird auch als Stroboskopeffekt bezeichnet und interagiert mit dem Nachbildeffekt der Wahrnehmung. Da die neuronalen Rezeptoren im Auge des Zuschauers während der Phase in denen die Projektion abgedunkelt bleibt keine neue Reizung erhalten, wirkt das vorhergehende Bild, als Reizmuster auf der Retina des Auges für einen Augenblick nach. In dieser Form realisiert sich das Bewegungsbild.

Beim Fernsehen hat sich hingegen der Standard von 25 Einzelbildern pro Sekunde etabliert, wobei diese in der Form von 50 Halbbildern pro Sekunde übertragen werden. Diese Entwicklung bezeichnet man auch als Zeilensprungverfahren oder Zwischenzeilenverfahren, dessen Hauptintention die Verringerung des Bildflimemrns darstellt. Computermonitore arbeiten hingegen mit einer Wiedergabe von z.B. 60 Vollbildern pro Sekunde (im Kontext einer Auflösung von 1024 x 788).

Filmische Bild-Schichten

Die für die filmästhetische Bild-Dimension relevanten Bezugsgrößen lassen sich als technische Schicht und funktionale Schicht klassifizieren, wobei diese Begriffe in erzähltheoretischer Perspektive mit ‘Discours’ und ‘Histoire’ (vgl. [Decker & Krah 2008a]Decker, Jan-Oliver & Krah, Hans (2008): Einführung: Zeichen(-Systeme) im Film. Zeitschrift für Semiotik, 30, 3.
: S. 227) und in filmsemiotischer Perspektive mit ‘kinematographische Schicht’ und ‘repräsentische Schicht’ (vgl. [Möller 1984a]Möller, Karl-Dietmar (1984): Schichten des Filmbildes und Ebenen des Films. In: Münsteraner Arbeitskreis für Semiotik MakS (Hg.), Die Einstellung als Größe einer Filmsemiotik. MakS Publikationen, Münster.
: S. 77ff.) übersetzt werden können.

Die technische Schicht beschreibt das Wie? des Gezeigten, d.h. die Art und Weise, wie der Film als darstellende Instanz konstituiert ist. Hierbei strukturieren die Elemente Einstellung (Kamerafahrten, Perspektiven, Zoom etc.), Schnitt und Montage die Elemente Bewegung, Zeitlichkeit und Raumeindruck: Die Einstellung inszeniert, der Schnitt arrangiert und die Montage rhythmisiert das Filmbild (vgl. [Decker & Krah 2008a]Decker, Jan-Oliver & Krah, Hans (2008): Einführung: Zeichen(-Systeme) im Film. Zeitschrift für Semiotik, 30, 3.
: S. 227). Die technische Schicht des filmischen Bildes ist eine vollständige und autonome Sinneinheit, deren Analyse die spezifische Materialität des filmischen Bildes offenlegt.

Hingegen beschreibt die funktionale Schicht das Was? des Gezeigten, d.h. den Inhalt und die Entwicklung einer Erzählhandlung. Die Elemente Thema, Motiv, Figurenkonstellation und Handlungsverlauf (Komponenten, Ereignisse, Klimax, retardierendes Moment etc.) strukturieren dabei Inhalt und Entwicklung der Erzählhandlung. Das Filmbild ist grundsätzlich „Bild einer Menge von Objekten und Ereignissen, die in einem abgebildeten oder aus der Abbildung zu erschließenden Bezugsrahmen […] als Dinge […] oder als Zeichen fungieren. Das Filmbild ist also ein ikonisches Zeichen von etwas, das selbst Zeichen sein kann und daher selbst interpretiert werden muß“ ([Möller 1984a]Möller, Karl-Dietmar (1984): Schichten des Filmbildes und Ebenen des Films. In: Münsteraner Arbeitskreis für Semiotik MakS (Hg.), Die Einstellung als Größe einer Filmsemiotik. MakS Publikationen, Münster.
: S. 78f.). Die funktionale Schicht verdichtet ihren autonomen Sinngehalt durch die Strukturierung szenischer Inhalte, so dass Situationen und Szenen zu ihrer primären syntagmatischen Größe werden (vgl. [Möller 1984a]Möller, Karl-Dietmar (1984): Schichten des Filmbildes und Ebenen des Films. In: Münsteraner Arbeitskreis für Semiotik MakS (Hg.), Die Einstellung als Größe einer Filmsemiotik. MakS Publikationen, Münster.
: S. 79). Situationen und Szenen fungieren demgemäß als „kontextueller Bezugsrahmen, der die Zeichenfunktion von abgebildeten Ereignissen und Objekten determiniert“ ([Möller 1984a]Möller, Karl-Dietmar (1984): Schichten des Filmbildes und Ebenen des Films. In: Münsteraner Arbeitskreis für Semiotik MakS (Hg.), Die Einstellung als Größe einer Filmsemiotik. MakS Publikationen, Münster.
: S. 79).

Der Film zeigt sich generell als multimodales Konstrukt, welches die technische Schicht und die funktionale Schicht in ein komplexes System von Zeichen und Bedeutungen überführt: „Die Filmgeschichte im traditionellen Verständnis, die um 1910, mit den komplexen Erzählformen des langen Spielfilms, ihren Anfang nahm, hat uns die nachgerade unerschöpflichen Möglichkeiten der Montage, den Ton, den Dialog, die Farbe, den ›Realismus‹, die psychologische Kameraführung, den ›unsichtbaren Schnitt‹, die Multiperspektivität von Zeit und Raum, die vielfachen Nuancen des Lichts, kurzum: die verfeinerten Mittel einer den Sinnen sich einschmeichelnden Filmsprache und sogar die Illusion der Dreidimensionalität beschert“ ([Kreimeier 2012a]Kreimeier, Klaus (2010): Die Poesie der Maschine. Gedankensplitter zu einer Theorie des frühen Kinos. In: Kirchner, A. & Pohl, A. & Riedel, P. (Hg.), Kritik des Ästhetischen - Ästhetik der Kritik. Schüren, Marburg.
: S. 159).

Anmerkungen
Literatur
[Bulgakowa 2001a]Bulgakowa, Oksana (2001): Film/filmisch. In: Barck, K. & Fontius, M. & Schlenstedt, D. & Steinwachs, B. & Wolfzettel, F. (Hg.), Ästhetisches Wörterbuch in sieben Bänden. Bd. 2: Dekadent — Grotesk. J. B. Metzler, Stuttgart, Weimar.[Decker & Krah 2008a]Decker, Jan-Oliver & Krah, Hans (2008): Einführung: Zeichen(-Systeme) im Film. Zeitschrift für Semiotik, 30, 3.[Kreimeier 2012a]Kreimeier, Klaus (2010): Die Poesie der Maschine. Gedankensplitter zu einer Theorie des frühen Kinos. In: Kirchner, A. & Pohl, A. & Riedel, P. (Hg.), Kritik des Ästhetischen - Ästhetik der Kritik. Schüren, Marburg.[Möller 1984a]Möller, Karl-Dietmar (1984): Schichten des Filmbildes und Ebenen des Films. In: Münsteraner Arbeitskreis für Semiotik MakS (Hg.), Die Einstellung als Größe einer Filmsemiotik. MakS Publikationen, Münster.[Paech 2005a]Paech, Joachim (2005): Medienwissenschaft. In: Sachs-Hombach, K. (Hg.), Bildwissenschaft. Disziplinen, Themen, Methoden. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Paech 2006a]Paech, Joachim (2006): Was ist ein kinematographisches Bewegungsbild?. In: Koebner, Th. & Meder, Th. (Hg.), Bildtheorie und Film. Edition Text + Kritik, München.

Lektorat: