Bildtermini anderer Sprachen: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Glossar der Bildphilosophie
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Joerg R.J. Schirra (Diskussion | Beiträge)
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Im ersten Kapitel seines einflussreichen Buches ''Iconology'' unterscheidet W.J.T. Mitchell mehrere
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Zweige in der Familie der »images«, darunter den graphischen, optischen, mentalen und
Zweige in der Familie der »images«, darunter den graphischen, optischen, mentalen und
verbalen.<ref>Vgl. <bib id='Mitchell 1986a'></bib>: S. 10.</ref> Das ist auf den ersten Blick einleuchtend. Es entspricht weitgehend unserem
verbalen (vgl. <bib id='Mitchell 1986a'></bib>: S. 10). Das ist auf den ersten Blick einleuchtend. Es entspricht weitgehend unserem
Sprachverständnis, dass wir Gemälde, Spiegelungen, Vorstellungen und auch bestimmte
Sprachverständnis, dass wir Gemälde, Spiegelungen, Vorstellungen und auch bestimmte
rhetorische Figuren – wie etwa die eben verwendete Metapher des Zweigs – »Bilder« nennen (⊳ [[Bild und rhetorische Figur]]).
rhetorische Figuren – wie etwa die eben verwendete Metapher des Zweigs – »Bilder« nennen (⊳ [[Bild und rhetorische Figur]]).
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wandelbar. Dafür ist zufälligerweise das deutsche Wort »Image« ein gutes Beispiel, das, aus dem
wandelbar. Dafür ist zufälligerweise das deutsche Wort »Image« ein gutes Beispiel, das, aus dem
Englischen kommend, sich in den 1950er Jahren zuerst in der Wirtschaftspsychologie und dann
Englischen kommend, sich in den 1950er Jahren zuerst in der Wirtschaftspsychologie und dann
in der Alltagssprache verbreitete.<ref>Vgl. <bib id='Brachfeld_1976a'>Brachfeld 1976a</bib>.</ref> Wir müssen also vermuten, dass sich unser gegenwärtiges
in der Alltagssprache verbreitete (vgl. <bib id='Brachfeld_1976a'></bib>). Wir müssen also vermuten, dass sich unser gegenwärtiges
Sprachverständnis nicht ohne Verzerrungen einfach in die Vergangenheit projizieren lässt.  
Sprachverständnis nicht ohne Verzerrungen einfach in die Vergangenheit projizieren lässt.  



Version vom 25. Januar 2013, 15:39 Uhr

Hauptpunkt zu: Bild und Sprache


Fragestellung

Im ersten Kapitel seines einflussreichen Buches Iconology unterscheidet W.J.T. Mitchell mehrere Zweige in der Familie der »images«, darunter den graphischen, optischen, mentalen und verbalen (vgl. [Mitchell 1986a]Mitchell, William J.T. (1986): Iconology. Image, Text, Ideology. University of Chicago Press, Chicago, London.
: S. 10). Das ist auf den ersten Blick einleuchtend. Es entspricht weitgehend unserem Sprachverständnis, dass wir Gemälde, Spiegelungen, Vorstellungen und auch bestimmte rhetorische Figuren – wie etwa die eben verwendete Metapher des Zweigs – »Bilder« nennen (⊳ Bild und rhetorische Figur).

Allerdings sollte uns schon Mitchells Text selbst skeptisch machen: Wieso spricht er von »images« und nicht von »pictures«? Immerhin lässt sich doch beides mit »Bild« übersetzen! Und welche Bedeutungsdifferenz im Englischen entgeht uns, wenn wir genau das tun und beides mit ein und demselben deutschen Wort wiedergeben? Außerdem ist Sprache, sind Sprachen wandelbar. Dafür ist zufälligerweise das deutsche Wort »Image« ein gutes Beispiel, das, aus dem Englischen kommend, sich in den 1950er Jahren zuerst in der Wirtschaftspsychologie und dann in der Alltagssprache verbreitete (vgl. [Brachfeld_1976a]Der Eintrag existiert noch nicht.). Wir müssen also vermuten, dass sich unser gegenwärtiges Sprachverständnis nicht ohne Verzerrungen einfach in die Vergangenheit projizieren lässt.

Im Folgenden wird es darum gehen, genau diese Skrupel zu berücksichtigen und vor allem danach zu fragen, was sich in älteren und fremdsprachigen Texten tatsächlich findet, wenn in der deutschen Übersetzung zumeist nur »Bild« zu lesen ist. Es wird sich also um Beiträge zur Begriffsgeschichte oder zur historischen Semantik von »Bild« und seinen Übersetzungen handeln.


Anmerkungen
Literatur
[Berger 1972a]Berger, John (1972): Ways of Seeing. Penguin Books, London.[Boehm 1994a]Boehm, Gottfried (1994): Die Wiederkehr der Bilder. In: Boehm, G. (Hg.), Was ist ein Bild?. Fink, München.[Buck-Morss 1989a]Buck-Morss, Susan (1989): The Dialectics of Seeing. Walter Benjamin and the Arcades-Project. MIT Press, Cambridge, MA.[Buck-Morss 2000a]Buck-Morss, Susan (2000): Dreamworld and Catastrophe. The Passing of Mass Utopia in East and West. MIT Press, Cambridge, MA.[Fellmann 1991a]Fellmann, Ferdinand (1991): Symbolischer Pragmatismus. Hermeneutik nach Dilthey. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg.[Husserl 1980a]Husserl, Edmund (1980): Phantasie, Bildbewusstsein, Erinnerung. Zur Phänomenologie der anschaulichen Vergegenwärtigungen. Texte aus dem Nachlass (1898-1925) (Husserliana XXIII). Nijhoff, Den Haag, Boston, Dordrecht.[Johannes von Damaskos 1975a]Johannes von Damaskos (1975): Contra imaginum calumniatores orationes tres (Die Schriften des Johannes von Damaskus. Bd. 3). Walter de Gruyter, Berlin, New York.[Konersmann 2011a]Konersmann, Ralf (2011): Vorwort: Figuratives Wissen. In: Konersmann, R. (Hg.), Wörterbuch der philosophischen Metaphern. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt.[Koselleck 1979a]Koselleck, Reinhart (Hg.) (1979): Historische Semantik und Begriffsgeschichte. Klett-Cotta, Stuttgart.[Liebsch 2012a]Liebsch, Dimitri (2012): “Uneigentliche” Bilder. Zur (historischen) Bildsemantik und -metaphorik. In: Liebsch, D. & Mößner, N. (Hg.), Visualisierung und Erkenntnis. Bildverstehen und Bildverwenden in Natur- und Geisteswissenschaften. von Halem, Köln.[Locke 1975a]Locke, John (1975): An Essay Concerning Human Understanding. Oxford University Press, Oxford.[Luhmann 1980a]Luhmann, Niklas (1980): Gesellschaftsstruktur und Semantik. Studien zur Wissenssoziologie der modernen Gesellschaft. Bd. 1. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Meyer-Drawe & Witte 2011a]Meyer-Drawe, Käte & Witte, Egbert (2011): Bilden. In: Konersmann, R. (Hg.), Wörterbuch der philosophischen Metaphern. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt.[Mitchell 1986a]Mitchell, William J.T. (1986): Iconology. Image, Text, Ideology. University of Chicago Press, Chicago, London.[Mitchell 2008a]Mitchell, William J. Thomas (2008): Bildtheorie. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Ritter 1967a]Ritter, Joachim (1967): Leitgedanken und Grundsätze des Historischen Wörterbuchs der Philosophie. Archiv für Begriffsgeschichte, 11.[Warburg 2008a]Warnke, M.; unter Mitarbeit von Brink, C. (Hg.) (2008): Der Bilderatlas Mnemosyne (2000). Akademie, Berlin.

Verantwortlich:

Seitenbearbeitungen durch: Dimitri Liebsch, Joerg R.J. Schirra und Zsuzsanna Kondor — (Hinweis)