Kippbild: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Glossar der Bildphilosophie
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Joerg R.J. Schirra (Diskussion | Beiträge)
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:::''If meanings are hypotheses, ambi&shy;guities are alter&shy;native hypothe&shy;ses.'' (<bib id='Gregory 2000a'>Grego&shy;ry 2000a</bib>: S. 1140)
Die Ausdrücke ‘Kippbild’ oder ‘Kipp&shy;figur’ stehen für Vorla&shy;gen, die einen (rever&shy;siblen) abrup&shy;ten Wechsel des Wahrge&shy;nomme&shy;nen ermög&shy;lichen, während das Bild/Objekt unver&shy;ändert bleibt. Man spricht auch von mehrfach&shy;stabi&shy;len Wahrneh&shy;mungspro&shy;zessen (also etwa von bi-, tri- oder multi&shy;stabi&shy;ler Wahrneh&shy;mung). Aus verschie&shy;denen Kultu&shy;ren über&shy;liefer&shy;te Arte&shy;fakte (Wandge&shy;mälde, Reliefs, Mosa&shy;ike, Deko&shy;re auf Kera&shy;miken und Texti&shy;lien) deuten darauf hin, dass der Reiz solcher Bilder weithin und auch schon lange bekannt ist (<bib id='Gregory 2000a'>Grego&shy;ry 2000a</bib>; <bib id='Metzger 2008a'></bib>; <bib id='Mitchell 1994a'></bib>; <bib id='Zimmer 1995a'></bib>; <bib id='Piccolino & Wade 2006a'>Picco&shy;lino & Wade 2006a</bib>; <bib id='Piccolino & Wade 2006b'>Picco&shy;lino & Wade 2006b</bib>).
:
In Situationen des praktischen Lebens ist derar&shy;tige Insta&shy;bili&shy;tät des Wahrneh&shy;mens selten. Das schließt nicht aus, dass Momen&shy;te der umwelt&shy;bezo&shy;genen Wahrneh&shy;mung zumin&shy;dest teils Ausgangs&shy;punkt für entspre&shy;chende bildne&shy;rische Spiele waren und sind.<ref>Rai&shy;ner Schön&shy;ham&shy;mer hat die von ihm 2011 ver&shy;fass&shy;ten Ab&shy;schnit&shy;te die&shy;ses Stich&shy;worts (Ein&shy;lei&shy;tung, «Phä&shy;no&shy;me&shy;no&shy;lo&shy;gie (Ein&shy;gren&shy;zung und Va&shy;ri&shy;an&shy;ten)» und «Psy&shy;cho&shy;lo&shy;gi&shy;sche und neu&shy;ro&shy;wis&shy;sen&shy;schaft&shy;li&shy;che Dis&shy;kus&shy;si&shy;on») pa&shy;ral&shy;lel im Mai 2011 auf der Web&shy;site von [http://psydok.sulb.uni-saarland.de/frontdoor.php?source_opus=2756&la=de «Psy&shy;Dok»] (Voll&shy;text&shy;ser&shy;ver der Vir&shy;tu&shy;el&shy;len Fach&shy;bib&shy;li&shy;o&shy;thek Psy&shy;cho&shy;lo&shy;gie) pub&shy;li&shy;ziert, um sie als Stel&shy;lung&shy;nah&shy;me zu fi&shy;xie&shy;ren: Ei&shy;ni&shy;ge Pas&shy;sa&shy;gen in die&shy;sem Glos&shy;sar&shy;ein&shy;trag hat er aus&shy;drück&shy;lich als Zi&shy;ta&shy;te der ge&shy;nann&shy;ten Pu&shy;bli&shy;ka&shy;ti&shy;on ge&shy;kenn&shy;zeich&shy;net (<bib id='Schönhammer 2011a'>Schön&shy;ham&shy;mer 2011a</bib>).</ref>
==Phänomenologie (Eingren&shy;zung und Vari&shy;anten)==
Oft werden Kippbilder in drei Typen unter&shy;teilt:<ref>So bei <bib id='Rock 1985a'></bib>, an dem sich vie&shy;le Au&shy;to&shy;ren ori&shy;en&shy;tie&shy;ren (<bib id='Nänni 2008a'>Nän&shy;ni 2008a</bib>).</ref> 1) Umsprin&shy;gen von [[Figur/Grund-Differenzierung|''Figur'' und ''Grund'']], 2) Ambi&shy;valenz von [[Semantik|''Bedeu&shy;tung'']] und 3) Mehrdeu&shy;tigkeit [[Perspektive und Projektion|perspek&shy;tivi&shy;scher]] Darstel&shy;lungen. Diese Typo&shy;logie ist zwar nicht umfas&shy;send und in gewis&shy;ser Weise sogar irre&shy;führend, aber gleichwohl ein brauchba&shy;rer erster Zugang.


<!--Ab hier: eigentlicher Inhalt; Überschriften gegebenenfalls anpassen-->
===Umspringen von »Figur« und »Grund«===
=====Darstellung des gr. Zusammenhangs=====
[[Datei:Rubin-1.png|thumb|Ab&shy;bil&shy;dung 1]]
Be&shy;rühm&shy;tes&shy;tes Bei&shy;spiel für die&shy;sen Ty&shy;pus ist der Kelch, des&shy;sen Um&shy;ris&shy;se als zwei ein&shy;an&shy;der zu&shy;ge&shy;wand&shy;te mensch&shy;li&shy;che Pro&shy;fi&shy;le ge&shy;se&shy;hen wer&shy;den kön&shy;nen. Un&shy;ter Psy&shy;cho&shy;lo&shy;gen ist die&shy;ses Kipp&shy;bild als ‘Ru&shy;bin&shy;scher Be&shy;cher’ oder ‘Ru&shy;bin&shy;sche Va&shy;se’ ge&shy;läu&shy;fig; der dä&shy;ni&shy;sche Psy&shy;cho&shy;lo&shy;ge Ed&shy;gar Ru&shy;bin hat&shy;te die&shy;ses Mo&shy;tiv, das zu&shy;vor schon in der gra&shy;phi&shy;schen Kunst be&shy;nutzt wor&shy;den war,<ref><bib id='Hofmann 2000a'>Hof&shy;mann 2000a</bib>, <bib id='Piccolino & Wade 2006a'>Pic&shy;co&shy;li&shy;no & Wa&shy;de 2006a</bib> so&shy;wie <bib id='Sander 1962a'>San&shy;der 1962a</bib> nen&shy;nen Bei&shy;spie&shy;le aus dem spä&shy;ten 18. und dem frü&shy;hen 19. Jh.</ref> zu Beginn des 20. Jh. aufge&shy;griffen<ref>in Stu&shy;dien, die er zwi&shy;schen 1912 und 1914 bei G. E. Mül&shy;ler in Göt&shy;tin&shy;gen durch&shy;führ&shy;te und 1915 in Buch&shy;form pu&shy;bli&shy;zier&shy;te (2. Aufl. 1921)</ref> (vgl. Abb. 1). Von ‘Kippen’ kann man hier sprechen, weil die Kontur&shy;linie entwe&shy;der den Profi&shy;len zuge&shy;hört oder dem Kelch: Sieht man die Profi&shy;le, hat sich die weiße Fläche in Hinter&shy;grund verwan&shy;delt; nimmt man den Kelch wahr, sieht man keine Schatten&shy;risse von menschli&shy;chen Gesich&shy;tern, sondern nur dunklen Hinter&shy;grund, der sich hinter dem verschnör&shy;kelten Gefäß fortsetzt.
:
[[Datei:Rubin-2.png|thumb|Ab&shy;bil&shy;dung 2]]
Fi&shy;gur/Ob&shy;jekt und (Hin&shy;ter-)&#8203;Grund kön&shy;nen auch bei eher sinn&shy;frei&shy;en Li&shy;ni&shy;en/Flä&shy;chen&shy;gren&shy;zen in&shy;ein&shy;an&shy;der um&shy;schla&shy;gen. Der&shy;ar&shy;ti&shy;ge Bei&shy;spie&shy;le stan&shy;den im Mit&shy;tel&shy;punkt von Ru&shy;bins Un&shy;ter&shy;su&shy;chun&shy;gen (Abb. 2).
:
[[Datei:3.png|thumb|Ab&shy;bil&shy;dung 3]]
Die Un&shy;ter&shy;schei&shy;dung von »Fi&shy;gur« und »Grund«, die man als Be&shy;trach&shy;ter von nicht&shy;per&shy;spek&shy;ti&shy;vi&shy;schen zwei&shy;di&shy;men&shy;si&shy;o&shy;na&shy;len Dar&shy;stel&shy;lun&shy;gen vor&shy;nimmt, de&shy;mons&shy;triert, wie stark man da&shy;zu neigt, drei&shy;di&shy;men&shy;si&shy;o&shy;na&shy;le Ver&shy;hält&shy;nis&shy;se (»vor«
vs.
»hin&shy;ter«) in Bil&shy;der hi&shy;nein&shy;zu&shy;se&shy;hen. Bereits da, wo nur eine schlichte Linie eine Fläche teilt (Abb. 3), sehen wir leicht eine der beiden Teilflä&shy;chen vor der ande&shy;ren.<ref>Oder – als drit&shy;te Mög&shy;lich&shy;keit – die Li&shy;nie als Kör&shy;per (oder kör&shy;per&shy;li&shy;che Leer&shy;stel&shy;le); al&shy;so et&shy;wa ei&shy;nen Fa&shy;den/&#8203;ei&shy;ne Schlan&shy;ge auf/&#8203;vor dem Grund bzw. ei&shy;ne Rit&shy;ze in ei&shy;ner Flä&shy;che.</ref>
:
[[Datei:4.png|thumb|Ab&shy;bil&shy;dung 4: Ru&shy;bins Ab&shy;bil&shy;dung von (1921) be&shy;schnit&shy;ten]]
[[Datei:5.png|thumb|Ab&shy;bil&shy;dung 5: Ru&shy;bins Ab&shy;bil&shy;dung von (1921) mo&shy;di&shy;fi&shy;ziert]]
[[Gestalt|Ge&shy;stalt]]psy&shy;cho&shy;lo&shy;gen ha&shy;ben sich ein&shy;ge&shy;hend mit der Fra&shy;ge be&shy;schäf&shy;tigt, wel&shy;che ab&shy;strak&shy;ten Qua&shy;li&shy;tä&shy;ten von Li&shy;ni&shy;en/&#8203;Flä&shy;chen das Sehen als Fi&shy;gur na&shy;he le&shy;gen (<bib id='Metzger 2008a'>Metz&shy;ger 2008a</bib>). Man&shy;che der zahl&shy;rei&shy;chen Va&shy;ri&shy;a&shy;ti&shy;o&shy;nen der Dar&shy;stel&shy;lung von Ru&shy;bins Be&shy;cher ma&shy;chen Fak&shy;to&shy;ren der Fi&shy;gur&shy;bil&shy;dung deut&shy;lich; schnei&shy;det man bei&shy;spiels&shy;wei&shy;se Ru&shy;bins Ori&shy;gi&shy;nal an der obe&shy;ren und un&shy;te&shy;ren Kan&shy;te des Kelchs ho&shy;ri&shy;zon&shy;tal ab, so sprin&shy;gen die Pro&shy;fi&shy;le leich&shy;ter ins Au&shy;ge als in der ur&shy;sprüng&shy;li&shy;chen Kon&shy;stel&shy;la&shy;ti&shy;on (um&shy;schlie&shy;ßen&shy;de Flä&shy;chen wer&shy;den eher als Grund ge&shy;se&shy;hen, Abb. 4), ein Tausch von hell und dun&shy;kel wirkt die&shy;ser Ten&shy;denz wie&shy;de&shy;rum ent&shy;ge&shy;gen (dunk&shy;le&shy;re Flä&shy;chen sieht man be&shy;vor&shy;zugt als Fi&shy;gur, Abb. 5).
:
[[Datei:6.png|thumb|Ab&shy;bil&shy;dung 6]]


<!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen-->
:
<!--Anmerkung zwischen <ref> und </ref> im laufenden Text-->
:''Das eben&shy;falls re&shy;la&shy;tiv be&shy;kann&shy;te Bild ei&shy;ner Land&shy;schaft, in der sich die Um&shy;ris&shy;se ''Na&shy;po&shy;le&shy;ons''/&#8203;''ei&shy;nes  Ka&shy;pi&shy;täns'' – vom cha&shy;rak&shy;te&shy;ris&shy;ti&shy;schen Hut bis zu den Fü&shy;ßen – ver&shy;ste&shy;cken (z.B. in <bib id='Gregory 2000a'>Gre&shy;go&shy;ry 2000a</bib>, Abb. 6), funk&shy;ti&shy;o&shy;niert nur be&shy;dingt als Kipp&shy;fi&shy;gur. Hat man die Um&shy;ris&shy;se, die für den Mann ste&shy;hen, erst ein&shy;mal ent&shy;deckt, ist ein Um&shy;schla&shy;gen von Fi&shy;gur und Grund zwar in&shy;so&shy;fern nicht aus&shy;ge&shy;schlos&shy;sen, als man ab&shy;wech&shy;selnd die Sil&shy;hou&shy;et&shy;te des Man&shy;nes vor ei&shy;nem di&shy;cken Baum oder aber Bäu&shy;me/&#8203;Baum&shy;strün&shy;ke und ei&shy;nen lee&shy;ren Zwi&shy;schen&shy;raum se&shy;hen kann. Aber nicht nur bei breit (auf die ''To&shy;ta&shy;le'') ein&shy;ge&shy;stell&shy;ter [[Aufmerksamkeit|Auf&shy;merk&shy;sam&shy;keit]] kann man Land&shy;schaft und Per&shy;son zu&shy;gleich se&shy;hen; es ist auch mög&shy;lich, si&shy;mul&shy;tan ge&shy;wun&shy;de&shy;ne dün&shy;ne Baum&shy;stäm&shy;me und die von ih&shy;ren Kon&shy;tu&shy;ren ge&shy;form&shy;te Sil&shy;hou&shy;et&shy;te zu se&shy;hen, al&shy;so zwei so&shy;zu&shy;sa&shy;gen sym&shy;bi&shy;o&shy;ti&shy;sche Fi&shy;gu&shy;ren. Die&shy;ses ''[[Vexierbild|Ve&shy;xier&shy;bild]]'' funk&shy;ti&shy;o&shy;niert – wie viele ande&shy;re auch – deshalb gut als ''Bilder&shy;rätsel'', weil es in die rela&shy;tiv detail&shy;reiche Darstel&shy;lung einer realis&shy;tischen Szene&shy;rie in unwahr&shy;scheinli&shy;cher Weise Anzei&shy;chen eines bedeut&shy;samen Objek&shy;tes (meist eines Menschen oder ande&shy;ren Lebe&shy;wesens) konstru&shy;iert. Ist der Betrach&shy;ter erst einmal über diese Andeu&shy;tungen gestol&shy;pert, springt aus dem Hinter&shy;grund der ursprüng&shy;lichen Figur (hier: Baumgrup&shy;pe in Land&shy;schaft) ein Objekt in die Szene, ohne diese dabei auszu&shy;löschen. Das Konstruk&shy;tionsprin&shy;zip solcher Vexier- oder Rätsel&shy;bilder sorgt eher für einma&shy;lige Über&shy;raschung als fortge&shy;setztes Kippen.'' (<bib id='Schönhammer 2011a'>Schön&shy;hammer 2011a</bib>: S. 4)
<!--Literaturverweise im laufenden Text <bib id='Jonas 61a'>Jonas 1961</bib> -->
<!--  ... id im Literaturverzeichnis nachsehen, gegebenenfalls neu einfügen -->
<!--  ... (siehe Link "Sammlung" in Bibliographie-Box -->
<!-- Bilder als thumbs einsetzen, Muster: [[Datei:Beispiel.png|thumb|Bildtitel]] -->


===Ambivalenz von Bedeu&shy;tungen (seman&shy;tisch ambi&shy;valen&shy;te Bilder)===
Diese nicht sehr glückliche Kate&shy;gori&shy;sierung – um unter&shy;schiedli&shy;che Bedeu&shy;tungen handelt es sich bei zwei- oder mehrdeu&shy;tigen Bildern immer – bezieht sich auf Vorla&shy;gen, bei denen man abwech&shy;selnd die Darstel&shy;lung verschie&shy;dener Objek&shy;te sehen kann, ohne dass dabei unbe&shy;dingt ein Figur-Grund-Wechsel betei&shy;ligt wäre. Man könnte also vielleicht besser von ‘Gesich&shy;terwech&shy;sel der Figur’ sprechen. Die Rede vom Gesich&shy;terwech&shy;sel charak&shy;teri&shy;siert diesen Unter&shy;typus von Kippbil&shy;dern nicht nur im über&shy;trage&shy;nen Sinn – die nämli&shy;che Figur (im Sinne der gestalt&shy;psycho&shy;logi&shy;schen Unter&shy;scheidung von »Figur« und
»Grund«) evo&shy;ziert unter&shy;schiedli&shy;che Objek&shy;te – sondern auch inso&shy;fern, als es hier in der Regel um Bilder geht, bei denen tatsäch&shy;lich oft abwech&shy;selnd unter&shy;schiedli&shy;che Gesich&shy;ter (und/&#8203;oder Körper) von Menschen oder ande&shy;ren Tieren aus einer Figur hervor&shy;treten (manchmal sind das Gesich&shy;ter/&#8203;Körper der nämli&shy;chen Gattung, manchmal wechselt die Gattung; auch Darstel&shy;lungen menschli&shy;cher Toten&shy;köpfe sind verbrei&shy;tet)<ref>Nur aus&shy;nahms&shy;wei&shy;se wird das in der For&shy;schungs&shy;li&shy;te&shy;ra&shy;tur re&shy;flek&shy;tiert (wie bei <bib id='Stoesz 2008a'></bib>, die Kipp&shy;fi&shy;gu&shy;ren im Hin&shy;blick auf die Be&shy;son&shy;der&shy;hei&shy;ten der Ge&shy;sichts&shy;wahr&shy;neh&shy;mung bei au&shy;tis&shy;ti&shy;schen Kin&shy;dern un&shy;ter&shy;suchte).</ref>. (<bib id='Schönhammer 2011a'>Schön&shy;hammer 2011a</bib>: S. 4f)
:
[[Datei:7.png|thumb|Ab&shy;bil&shy;dung 7]]
Be&shy;rühm&shy;te Bei&shy;spie&shy;le für Ge&shy;sich&shy;ter-Kipp&shy;bil&shy;der tauch&shy;ten zu&shy;nächst im 19. und frü&shy;hen 20. Jh. in hu&shy;mo&shy;ris&shy;ti&shy;schen Pu&shy;b&shy;li&shy;ka&shy;ti&shy;o&shy;nen auf und ha&shy;ben heu&shy;te ei&shy;nen fes&shy;ten Platz in psy&shy;cho&shy;lo&shy;gi&shy;schen Lehr&shy;bü&shy;chern und po&shy;pu&shy;lär&shy;wis&shy;sen&shy;schaft&shy;li&shy;chen Dar&shy;stel&shy;lun&shy;gen spek&shy;ta&shy;ku&shy;lä&shy;rer Wahr&shy;neh&shy;mungs&shy;phä&shy;no&shy;me&shy;ne. Be&shy;son&shy;ders pro&shy;mi&shy;nent ist je&shy;ner Kopf, der auf den ers&shy;ten Blick meist als der einer En&shy;te ge&shy;se&shy;hen wird, aber auch in den ei&shy;nes Ha&shy;sen um&shy;schla&shy;gen kann (Abb. 7).<ref>Zah&shy;len zur Iden&shy;ti&shy;fi&shy;ka&shy;ti&shy;on auf den ers&shy;ten Blick bei <bib id='Brugger & Brugger 1993a'>Brug&shy;ger & Brug&shy;ger 1993a</bib>; <bib id='Brugger 1999a'>Brug&shy;ger 1999a</bib> hat wei&shy;ter Pro&shy;ban&shy;den bei 12 im Um&shy;lauf be&shy;find&shy;li&shy;chen Va&shy;ri&shy;an&shy;ten des Bil&shy;des auf ei&shy;ner Ska&shy;la ein&shy;schät&shy;zen las&shy;sen, wie leicht sie En&shy;te (bzw. ei&shy;nen Vo&shy;gel) oder Ha&shy;sen se&shy;hen kön&shy;nen.</ref> Der in Harvard lehren&shy;de Psycho&shy;loge Jastrow hatte den Enten-Hasen-Kopf am Über&shy;gang zum 20. Jh. in die wissen&shy;schaftli&shy;che Diskus&shy;sion einge&shy;bracht (<bib id='Brugger 1999a'></bib>). Eini&shy;ge Bemer&shy;kungen im Spätwerk Ludwig Wittgen&shy;steins (siehe [[#Philosophische Diskussion|unten]]) haben diese Gesich&shy;terkipp&shy;figur gewis&shy;serma&shy;ßen philo&shy;sophisch geadelt.
:
[[Datei:8.png|thumb|Ab&shy;bil&shy;dung 8]]
Ein wei&shy;te&shy;res so&shy;zu&shy;sa&shy;gen klas&shy;si&shy;sches Kipp&shy;bild ver&shy;eint die An&shy;sicht ei&shy;ner al&shy;ten Frau (im ganz leicht dem Be&shy;trach&shy;ter zu&shy;ge&shy;wand&shy;ten Pro&shy;fil) mit der [[Gesichtsdarstellung|Dar&shy;stel&shy;lung des Ge&shy;sichts]] ei&shy;ner jun&shy;gen Frau, das vom Be&shy;trach&shy;ter drei&shy;vier&shy;tel ab&shy;ge&shy;wandt ist (Abb. 8);<ref>Ur&shy;sprüng&shy;lich ein&shy;ge&shy;führt als «my wife and my mother in law»; die&shy;se Kon&shy;struk&shy;ti&shy;on wur&shy;de auch mit männ&shy;li&shy;chen Zü&shy;gen/&#8203;At&shy;tri&shy;bu&shy;ten re&shy;a&shy;li&shy;siert.</ref> wie beim En&shy;ten- vs. Ha&shy;sen&shy;kopf schlie&shy;ßen sich bei&shy;de Sicht&shy;wei&shy;sen aus.
:
[[Datei:9.png|thumb|Ab&shy;bil&shy;dung 9]]
Manch&shy;mal ist ein par&shy;ti&shy;el&shy;ler Fi&shy;gur-Grund-Wech&shy;sel in die Me&shy;ta&shy;mor&shy;pho&shy;se der Fi&shy;gur ein&shy;be&shy;zo&shy;gen. So er&shy;scheint im Kipp&shy;bild «Rat&shy;te vs. Mann mit Bril&shy;le» (Abb. 9) ein Be&shy;reich ein&shy;mal als Grund zwi&shy;schen Kör&shy;per und Schwanz der Rat&shy;te und wird mit dem Um&shy;schla&shy;gen zur Wan&shy;ge des Man&shy;nes.
:
[[Datei:10.png|thumb|Ab&shy;bil&shy;dung 10]]
:
:''Ähn&shy;lich ver&shy;hält es sich bei der Gra&shy;fik «Sa&shy;ra Na&shy;der» (Abb. 10) aus der Fe&shy;der des ame&shy;ri&shy;ka&shy;ni&shy;schen Psy&shy;cho&shy;lo&shy;gen Ro&shy;ger N. She&shy;pard (<bib id='Shepard 1990a'>She&shy;pard 1990a</bib>: S. 76).<ref>Va&shy;ri&shy;an&shy;ten u.a. mit Um&shy;kehr von hell und dun&shy;kel fin&shy;den sich dort auf den Sei&shy;ten 140f.</ref> Al&shy;ler&shy;dings kann man bei die&shy;sem Bild bei&shy;de Seh&shy;wei&shy;sen – Sa&shy;xo&shy;phon&shy;spie&shy;ler und en face Por&shy;trät einer Frau – gleich&shy;zei&shy;tig wahr&shy;neh&shy;men, was wohl da&shy;her rührt, dass je&shy;ne Flä&shy;chen, die ei&shy;nes der bei&shy;den Au&shy;gen, den Mund und den Na&shy;sen&shy;flü&shy;gel des weib&shy;li&shy;chen Ge&shy;sichts an&shy;zei&shy;gen, ent&shy;we&shy;der iso&shy;liert vom Schat&shy;ten&shy;riss des Sa&shy;xo&shy;phon&shy;spie&shy;lers sind (Au&shy;ge) oder sich nicht zwin&shy;gend in die Ein&shy;heit von Mann und In&shy;stru&shy;ment fü&shy;gen (Mund, Na&shy;sen&shy;flü&shy;gel). Man kann so&shy;gar auch noch gleich&shy;zei&shy;tig ge&shy;wah&shy;ren, dass das so&shy;zu&shy;sa&shy;gen frei&shy;schwe&shy;ben&shy;de Au&shy;ge ei&shy;nen Vo&shy;gel dar&shy;stellt. So&shy;fern die Auf&shy;merk&shy;sam&shy;keit nicht zu sehr auf ei&shy;nes der drei “Ge&shy;sich&shy;ter” (Mann, Frau, Vo&shy;gel) fo&shy;kus&shy;siert, ma&shy;chen die&shy;se sich den Platz im Wahr&shy;neh&shy;mungs&shy;akt nicht strei&shy;tig.'' (<bib id='Schönhammer 2011a'>Schön&shy;hammer 2011a</bib>: S. 6)
:
:''&shy;''Gesichter-Kippbilder'' sind also von Bildern zu unter&shy;scheiden, die Darste&shy;llungen mehre&shy;rer Gesich&shy;ter bzw. Körper bergen, welche zwar womög&shy;lich – im Sinne eines Bilder&shy;rätsels – nicht alle sofort gese&shy;hen werden und auch dann, wenn sie einmal entdeckt wurden, abwech&shy;selnd ins Zentrum der Aufmerk&shy;samkeit treten können, deren gleichzei&shy;tige Wahrneh&shy;mung aber nicht ausge&shy;schlossen ist. Nur dann, wenn die wesent&shy;lichen Anzei&shy;chen für die konkur&shy;rieren&shy;den Gesich&shy;ter in der jewei&shy;ligen Alter&shy;native einen sinnvol&shy;len Platz finden, schlägt die Wahrneh&shy;mung um. Ansons&shy;ten kann man eben zwei oder mehre&shy;re Gesich&shy;ter/Kör&shy;per zugleich sehen, ob sie nun mehr oder weni&shy;ger gleichbe&shy;rechtigt neben&shy;einan&shy;der stehen oder in eine hierar&shy;chische Bezie&shy;hung zuein&shy;ander gesetzt sind (wie beispiels&shy;weise da, wo kleine Darstel&shy;lungen von Menschen nach Art der Jahres&shy;zeiten-Gemäl&shy;de von Arcim&shy;boldo Partien eines Porträts bilden).<ref>Bei&shy;spie&shy;le et&shy;wa bei <bib id='Haken 1995a'>Ha&shy;ken 1995a</bib>: S. 40; <bib id='Ditzinger 2006a'>Dit&shy;zin&shy;ger 2006a</bib>: S. 92; und – oft oh&shy;ne Quel&shy;len&shy;an&shy;ga&shy;ben – bei Hob&shy;by&shy;samm&shy;lern im In&shy;ter&shy;net.</ref>'' (<bib id='Schönhammer 2011a'>Schön&shy;hammer 2011a</bib>: S. 6)
:
Bilder, die in Arcimboldos Manier Gesichter und Körper zu einem über&shy;geord&shy;neten Gesicht (oder eben Toten&shy;kopf) zusam&shy;menstel&shy;len, legen einen Wechsel der Fokus&shy;sierung nahe, ohne im strengen Sinn Kippbil&shy;der zu sein.<ref>Zum si&shy;mul&shy;ta&shy;nen Se&shy;hen von Ele&shy;men&shy;ten und Por&shy;trait bei Ar&shy;cim&shy;bol&shy;do vgl. <bib id='Niederée & Heyer 2003a'>Nie&shy;de&shy;rée & Hey&shy;er 2003a</bib>: S. 98)</ref> Diese Verschie&shy;bung von Akzen&shy;ten der Betrach&shy;tung ist einem Wechsel der Aufmerk&shy;samkeit vergleich&shy;bar, wie man ihn vornimmt, wenn man sich auf Details eines Bildes konzen&shy;triert oder gar die Pinsel&shy;striche (allge&shy;mein: Merkma&shy;le der Darstel&shy;lungswei&shy;se) fokus&shy;siert. Selbst wenn man bei der Unter&shy;suchung der Ober&shy;fläche eines Bildes für Momen&shy;te das Darge&shy;stellte völlig ausklam&shy;mert, fehlt hier – wie auch beim Fokus&shy;wechsel bei Bilder&shy;rätseln – das typi&shy;sche Erleb&shy;nis verblüf&shy;fenden Hin-und-her-Kippens (⊳ [[Bild in reflexiver Verwendung|Bild in refle&shy;xiver Verwen&shy;dung]]).
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:''Wenn Ernst Gombrich den Übergang von Sehen des [[Bildinhalt|Bildin&shy;halts]] zu einem radi&shy;kal auf die Malwei&shy;se gerich&shy;teten kunstwis&shy;senschaft&shy;lichen Blick mit dem Kippbild&shy;erleb&shy;nis gleichsetzt (<bib id='Gombrich 2002a'></bib>), was der Kunsttheo&shy;retiker Richard Wollheim aus verschie&shy;denen Gründen in Frage stellte (siehe [[#Psychologische und neurowissenschaftliche Diskussion|unten]]), wird er u. a. der Tatsa&shy;che nicht gerecht, dass das Kippen zwar auch durch Konzen&shy;tration aktiv beein&shy;flusst werden kann, aber – anders als eine ausblen&shy;dende Vertie&shy;fung in die Darstel&shy;lungswei&shy;se – immer als Wider&shy;fahrnis erlebt wird (dieser jeder&shy;zeit indi&shy;vidu&shy;elle über&shy;prüfba&shy;re Befund wird auch durch Ergeb&shy;nisse der expe&shy;rimen&shy;tellen Forschung bestä&shy;tigt; siehe [[#Ergebnisse|unten]]). Frei nach Lichten&shy;berg: Kippbil&shy;der vermit&shy;teln das Erleb&shy;nis ‘Es sieht!’.'' (<bib id='Schönhammer 2011a'>Schönham&shy;mer 2011a</bib>: S. 7)


===Perspektivische Mehrdeutig&shy;keit===
Zweidimensionale [[Perspektive und Projektion|Projektionen]] drei&shy;dimen&shy;siona&shy;ler Körper, also beispiels&shy;weise perspek&shy;tivi&shy;sche Darstel&shy;lung von Kristal&shy;len, sind objek&shy;tiv vieldeu&shy;tig. Grundsätz&shy;lich kann ja schon jede auf ein Blatt gezeich&shy;nete Linie für zahllo&shy;se Neigun&shy;gen eines Stabes (oder eben einer Kante) in die Tiefe des Raumes stehen. Die verschie&shy;densten Körper führen also zur nämli&shy;chen Projek&shy;tion. Unge&shy;achtet der unend&shy;lich vielen mögli&shy;chen drei&shy;dimen&shy;siona&shy;len Konstel&shy;latio&shy;nen, die hinter einem solchen Bild stehen können, drängen sich dem Wahrneh&shy;men nur weni&shy;ge auf. Das ist per se bemer&shy;kenswert. Zu den „Lebens&shy;gewohn&shy;heiten des Gesichts&shy;sinnes“ (<bib id='Mach 1987a'>Mach 1987a</bib>: S. 147) gehört es offen&shy;bar, dass uns die Mehrzahl der mögli&shy;chen 3D-Sicht&shy;weisen von Zeichnun&shy;gen nicht in den Sinn kommen.
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[[Datei:11.png|thumb|Ab&shy;bil&shy;dung 11]]
Ei&shy;ne Zeich&shy;nung (Abb. 11), in der wir spon&shy;tan die Pro&shy;jek&shy;ti&shy;on ei&shy;nes Git&shy;ter-Wür&shy;fels aus&shy;ma&shy;chen (mö&shy;gen auch an&shy;de&shy;re Kör&shy;per zum näm&shy;li&shy;chen Bild füh&shy;ren), bleibt al&shy;ler&shy;dings auch im Wahr&shy;neh&shy;mungs&shy;akt mehr&shy;deu&shy;tig: In der Re&shy;gel kippt die An&shy;sicht der un&shy;ver&shy;än&shy;der&shy;ten Vor&shy;la&shy;ge zwi&shy;schen zwei un&shy;ter&shy;schied&shy;lich im Raum ge&shy;la&shy;ger&shy;ten Wür&shy;feln hin und her, sieht man, an&shy;ders ge&shy;sagt, Ecken vor- bzw. zu&shy;rück&shy;sprin&shy;gen. Die&shy;se Kipp&shy;fi&shy;gur ist un&shy;ter der Be&shy;zeich&shy;nung ‘Ne&shy;cker-Wür&shy;fel’ ge&shy;läu&shy;fig; be&shy;nannt nach je&shy;nem Schwei&shy;zer Geo&shy;lo&shy;gen und Kris&shy;tal&shy;lo&shy;gra&shy;phen, der das Kip&shy;pen beim Be&shy;trach&shy;ten von durch&shy;sich&shy;ti&shy;gen Kan&shy;ten&shy;dar&shy;stel&shy;lun&shy;gen von Kris&shy;tall&shy;for&shy;men im Jahr 1832 schrift&shy;lich fest&shy;ge&shy;hal&shy;ten hat&shy;te (vgl. <bib id='Wade et al. 2010a'></bib>).
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[[Datei:12.png|thumb|Ab&shy;bil&shy;dung 12]]
[[Datei:13.png|thumb|Ab&shy;bil&shy;dung 13]]
[[Datei:14.png|thumb|Ab&shy;bil&shy;dung 14]]
Als ‘Machs Buch’ (Abb. 12) wird die Ver&shy;bin&shy;dung zwei&shy;er Pa&shy;ral&shy;le&shy;lo&shy;gram&shy;me be&shy;zeich&shy;net, die in der Re&shy;gel zu&shy;nächst als ge&shy;öff&shy;ne&shy;tes “Buch” (bzw. “ge&shy;knick&shy;te Kar&shy;te”) ge&shy;se&shy;hen wird,<ref>Un&shy;ge&shy;ach&shy;tet der Tat&shy;sa&shy;che, dass die Pa&shy;ral&shy;le&shy;li&shy;tät der per&shy;spek&shy;ti&shy;vi&shy;schen Ver&shy;zer&shy;rung, die bei ei&shy;nem in die Tie&shy;fe ge&shy;neig&shy;ten Recht&shy;eck auf&shy;trä&shy;te, wi&shy;der&shy;spricht.</ref> das (die) dem Be&shy;trach&shy;ter den Rü&shy;cken zu&shy;wen&shy;det. Al&shy;ter&shy;na&shy;tiv blickt man in das auf&shy;ge&shy;schla&shy;ge&shy;ne Buch hin&shy;ein (<bib id='Mach 1987a'>Mach 1987a</bib>).
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Ei&shy;ne Rei&shy;he von schräg an&shy;ge&shy;ord&shy;ne&shy;ten Knick&shy;fi&shy;gu&shy;ren er&shy;gibt die ''Schrö&shy;der&shy;sche Trep&shy;pe'' (Abb. 13), bei der Un&shy;ter&shy;sicht und Auf&shy;sicht in&shy;ein&shy;an&shy;der um&shy;schla&shy;gen kön&shy;nen. Netz&shy;wer&shy;ke von Pa&shy;ral&shy;le&shy;lo&shy;gram&shy;men (Abb. 14) er&shy;schei&shy;nen als Tex&shy;tu&shy;ren von Qua&shy;dern/&#8203;Wür&shy;feln, deren Ecken man mal nach in&shy;nen, mal au&shy;ßen sprin&shy;gen sieht – ein Mo&shy;tiv, das sich in grie&shy;chi&shy;schen und rö&shy;mi&shy;schen Mo&shy;sa&shy;i&shy;ken fin&shy;det und auch bei Mö&shy;bel&shy;fur&shy;nie&shy;ren vor&shy;kommt (<bib id='Gregory 2000a'>Gre&shy;go&shy;ry 2000a</bib>).
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Per&shy;spek&shy;ti&shy;vi&shy;sche Mehr&shy;deu&shy;tig&shy;keit hat Kon&shy;se&shy;quen&shy;zen für die Wahr&shy;neh&shy;mung von Be&shy;we&shy;gung: Bei ein&shy;äu&shy;gi&shy;ger Be&shy;trach&shy;tung tritt die plötz&shy;li&shy;che Um&shy;stül&shy;pung auch bei ei&shy;nem Draht&shy;wür&shy;fel auf;<ref>Wenn man den Blick ins Un&shy;end&shy;li&shy;che rich&shy;tet, al&shy;so durch die Draht&shy;plas&shy;tik hin&shy;durch&shy;starrt, führt auch das Se&shy;hen mit bei&shy;den Au&shy;gen re&shy;la&shy;tiv si&shy;cher zum Er&shy;folg.</ref> dreht sich das Ge&shy;bil&shy;de, so kehrt sich mit dem Um&shy;sprin&shy;gen die wahr&shy;ge&shy;nom&shy;me&shy;ne Dreh&shy;rich&shy;tung um.<ref>Be&shy;wegt sich um&shy;ge&shy;kehrt der Be&shy;trach&shy;ter ge&shy;gen&shy;über dem un&shy;be&shy;weg&shy;ten Wür&shy;fel, so scheint die Plas&shy;tik wäh&shy;rend der il&shy;lu&shy;so&shy;ri&shy;schen Sicht&shy;wei&shy;se – ma&shy;gisch – der Be&shy;we&shy;gung des Be&shy;trach&shy;ters zu fol&shy;gen.</ref> Das ge&shy;schieht auch, wenn man die Pro&shy;jek&shy;ti&shy;on ei&shy;nes ro&shy;tie&shy;ren&shy;den Draht&shy;wür&shy;fels be&shy;trach&shy;tet. Ein Bei&shy;spiel für ei&shy;ne na&shy;tür&shy;li&shy;che Si&shy;tu&shy;a&shy;ti&shy;on, bei der die Bewe&shy;gungsrich&shy;tung in den Augen des Betrach&shy;ters umschla&shy;gen kann, nennt Otto Klemm: „Die Windmüh&shy;le, die man als dunklen Schatten&shy;riß am Hori&shy;zont schräg von der Seite sieht, dreht sich je nach perspek&shy;tivi&shy;scher Vorstel&shy;lung in verschie&shy;dener Richtung.“ (<bib id='Klemm 1919a'>Klemm 1919a</bib>: S. 54) Die Compu&shy;terani&shy;mation [http://en.wikipedia.org/wiki/The_Spinning_Dancer «spinning dancer»] spielt ebenfalls mit einer (weitge&shy;henden) perspek&shy;tivi&shy;schen Äqui&shy;valenz entge&shy;genge&shy;setzter Tiefen&shy;ausrich&shy;tungen von Körpern, von denen man ledig&shy;lich die Silhou&shy;ette sieht.<ref>Wi&shy;der&shy;sprüch&shy;li&shy;che Tie&shy;fen-/&#8203;Rich&shy;tungs&shy;hin&shy;wei&shy;se in der [[Animation|Ani&shy;ma&shy;ti&shy;on]] be&shy;nen&shy;nen <bib id='Troje & McAdam 2010a'>Tro&shy;je & McAdam 2010a</bib>.</ref>
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===Zwischenresümee===
''Räumliche Mehrdeutigkeit'' von Bildern spielt nicht nur da eine Rolle, wo man zwischen Sichtwei&shy;sen perspek&shy;tivi&shy;scher Darstel&shy;lungen springt. Beim Kippen von Figur und Grund wechselt eben&shy;falls die wahrge&shy;nomme&shy;ne räumli&shy;che Posi&shy;tion (vorne/&#8203;hinten). Ohne ein Spiel mit räumli&shy;cher Mehrdeu&shy;tigkeit kommt schließlich auch das ''seman&shy;tische Kippen'' zwischen dem Sehen der jungen vs. alten Frau nicht aus.''<ref>In na&shy;tür&shy;li&shy;chen Si&shy;tu&shy;a&shy;ti&shy;o&shy;nen tre&shy;ten ver&shy;gleich&shy;ba&shy;re Mehr&shy;deu&shy;tig&shy;kei&shy;ten nur un&shy;ter ein&shy;ge&shy;schränk&shy;ten Sicht&shy;be&shy;din&shy;gun&shy;gen auf: et&shy;wa bei der Be&shy;trach&shy;tung weit ent&shy;fern&shy;ter Ob&shy;jek&shy;te/&#8203;Sze&shy;nen. Aus der Nä&shy;he sor&shy;gen in al&shy;ler Re&shy;gel Tie&shy;fen&shy;in&shy;for&shy;ma&shy;ti&shy;o&shy;nen – ob sie sich nun dem beid&shy;äu&shy;gi&shy;gen Se&shy;hen oder klei&shy;nen Po&shy;si&shy;ti&shy;ons&shy;wech&shy;seln des Be&shy;trach&shy;ters ver&shy;dan&shy;ken – für Ein&shy;deu&shy;tig&shy;keit.</ref>
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:''Neben räumlicher Mehrdeutigkeit ist offenbar die menschli&shy;che Neigung, bereits in weni&shy;gen Andeu&shy;tungen ein ''Gesicht'' (allge&shy;meiner: die Gestalt eines vertrau&shy;ten ''Lebe&shy;wesens'') auszu&shy;machen (<bib id='Schönhammer 2009a'>Schönham&shy;mer 2009a</bib>), ein Unsi&shy;cherheits- und damit Kippfak&shy;tor. Dieser kann in Verbin&shy;dung mit einer Ambi&shy;valenz von Figur-Grund (Rubins Becher) oder einer der Perspek&shy;tive (junge/&#8203;alte Frau) zum Tragen kommen. Manchmal, wie im Fall des Enten-Hasen-Kopfes, ist er aber offen&shy;bar eigen&shy;ständig wirksam (also auch ange&shy;sichts einer mit beiden Augen aus der Nähe betrach&shy;teten Plastik).<ref>Das gilt für den iso&shy;lier&shy;ten Kopf. Um&shy;fasst die Plas&shy;tik auch ei&shy;nen Kör&shy;per, kann die&shy;ser die Dop&shy;pel&shy;deu&shy;tig&shy;keit un&shy;ter&shy;stüt&shy;zen oder ihr ent&shy;ge&shy;gen ge&shy;rich&shy;tet sein; bei der Klein&shy;plas&shy;tik, die in <bib id='Gregory 1997a'>Gre&shy;go&shy;ry 1997a</bib> ab&shy;ge&shy;bil&shy;det ist, kann un&shy;ter&shy;schied&shy;li&shy;che Auf&shy;stel&shy;lung das Se&shy;hen als ''Ha&shy;se'' oder ''En&shy;te'' for&shy;cie&shy;ren, weil der Kör&shy;per je nach Auf&shy;stel&shy;lung ein&shy;deu&shy;tig zur je&shy;wei&shy;li&shy;gen Aus&shy;rich&shy;tung des Kop&shy;fes passt.</ref>'' (<bib id='Schönhammer 2011a'>Schön&shy;hammer 2011a</bib>: S. 9)
:


=====Engere Begriffsbestimmung=====
===Weitere Typen von Kippfi&shy;guren===
[[Datei:15.png|thumb|Ab&shy;bil&shy;dung 15]]
Ein wei&shy;te&shy;rer Ty&shy;pus von Kipp&shy;bil&shy;dern, bei dem es um räum&shy;li&shy;che Tie&shy;fe geht, sind Bil&shy;der mit Schat&shy;ten&shy;in&shy;di&shy;ka&shy;to&shy;ren, die so&shy;wohl auf kon&shy;ve&shy;xe als auch auf kon&shy;ka&shy;ve Wöl&shy;bun&shy;gen hin&shy;wei&shy;sen kön&shy;nen (Abb. 15); in Lehr&shy;bü&shy;chern wird die&shy;ser As&shy;pekt von Schat&shy;tie&shy;rungs&shy;wahr&shy;neh&shy;mung meist zu&shy;guns&shy;ten ver&shy;meint&shy;lich ein&shy;deu&shy;ti&shy;ger Wöl&shy;bungs&shy;wahr&shy;neh&shy;mung in Ab&shy;hän&shy;gig&shy;keit von der im&shy;pli&shy;zi&shy;ten La&shy;ge der Licht&shy;quel&shy;le (‘Licht von oben’ vs. ‘von un&shy;ten’) ver&shy;nach&shy;läs&shy;sigt (de&shy;mon&shy;striert durch Dre&shy;hung des Bil&shy;des um 180°); bereits die oben bzw. un&shy;ten an&shy;ge&shy;deu&shy;te&shy;ten Schat&shy;ten schlie&shy;ßen in&shy;des&shy;sen ein Kip&shy;pen zwi&shy;schen konve&shy;xem und konka&shy;vem Eindruck nicht aus, dreht man die Demon&shy;strations&shy;beispie&shy;le um 90°, verla&shy;gert also das Hellig&shy;keitsge&shy;fälle auf eines zwischen rechter und linker Seite, so erleich&shy;tert dies die Fluktu&shy;ation der Sichtwei&shy;sen. Unter natür&shy;lichen Umstän&shy;den tritt Wölbungs&shy;ambi&shy;valenz beispiels&shy;weise im Hinblick auf die Segel entfern&shy;ter Schiffe auf.<ref><bib id='Wade et al. 2010a'></bib> wei&shy;sen auf ei&shy;ne ent&shy;spre&shy;chen&shy;de Be&shy;ob&shy;ach&shy;tung von Pto&shy;le&shy;mäus hin.</ref>
:
Die Scheinbewegung, die man durch benach&shy;barte, in schneller Abfol&shy;ge aufleuch&shy;tende bzw. verlö&shy;schende Lämpchen erzeu&shy;gen kann, ist bei geeig&shy;neter Anord&shy;nung – etwa bei acht in gleichem Abstand auf einer Kreisli&shy;nie ange&shy;ordne&shy;ten Lämpchen, von denen jeweils 4 im schnellen Wechsel aufleuch&shy;ten – ambi&shy;valent hinsicht&shy;lich der Richtung.
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Bei statischen Bildern mit zweidi&shy;mensio&shy;nalen geomet&shy;rischen Figu&shy;ren kann ein Umsprin&shy;gen der wahrge&shy;nomme&shy;nen Ausrich&shy;tung eintre&shy;ten. Die drei Richtun&shy;gen etwa, auf welche die Spitzen eines gleichsei&shy;tigen Dreiecks zeigen, kann man nicht zugleich sehen (bei hori&shy;zonta&shy;ler oder verti&shy;kaler Ausrich&shy;tung einer der Seiten tendiert man spontan dazu, die dieser jeweils gegen&shy;über&shy;liegen&shy;de Spitze als richtungs&shy;weisend wahrzu&shy;nehmen; vgl. <bib id='Attneave 1971a'>Att&shy;neave 1971a</bib> und <bib id='Wittgenstein 1990a'>Wittgen&shy;stein 1990a</bib>).
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[[Datei:16.png|thumb|Ab&shy;bil&shy;dung 16]]
Schließ&shy;lich ord&shy;nen sich Mus&shy;ter beim Be&shy;trach&shy;ten in un&shy;ste&shy;ter Wei&shy;se (Abb. 16, <bib id='Metzger 2008a'>Metz&shy;ger 2008a</bib> & <bib id='Stadler & Kruse 1995a'>Stad&shy;ler & Kru&shy;se 1995a</bib>); auch hier ge&shy;hen meist Wech&shy;sel der wahr&shy;ge&shy;nom&shy;me&shy;nen Grup&shy;pie&shy;rung mit sol&shy;chen der wahr&shy;ge&shy;nom&shy;me&shy;nen Aus&shy;rich&shy;tung von Ele&shy;men&shy;ten des Mus&shy;ters Hand in Hand.
<br>
:


<!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen-->
==Psychologische und  neurowissen&shy;schaftli&shy;che Diskus&shy;sion==
:::''It is especially phenomena of ambi&shy;guity that make us think of percep&shy;tion as ac&shy;tively cre&shy;ative.'' (<bib id='Gregory 2000a'>Gre&shy;gory 2000a</bib>: S. 1141)


Für Psychologen sind Kippfiguren – ebenso wie [[Wahrnehmungsillusion|Wahrneh&shy;mungstäu&shy;schungen]] – ein belieb&shy;tes Mittel, um zu demon&shy;strieren, dass Wahrneh&shy;men nicht (vollends) von den äuße&shy;ren Gege&shy;benhei&shy;ten, die auf die Sinnes&shy;orga&shy;ne einwir&shy;ken, bestimmt ist. Wie die Subjek&shy;tivi&shy;tät im Fall der Kippfi&shy;guren bei unver&shy;änder&shy;ten Gege&shy;benhei&shy;ten zu verschie&shy;denen Ein&shy;drücken kommt ist indes&shy;sen bis heute unge&shy;klärt.
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Nicht einmal die Frage, ob es überhaupt sinn&shy;voll ist, sich mit dem Phäno&shy;men zu beschäf&shy;tigen, ist unstrit&shy;tig: Neben dem Hauptstrom der Forschung, in dem das Thema stets gegen&shy;wärtig blieb, hielten Anhän&shy;ger einer “öko&shy;logisch” – sprich: an den natür&shy;lichen Umstän&shy;den des Wahrneh&shy;mens – orien&shy;tierten Forschung Distanz: Man habe es hier nicht mit poten&shy;tiell beson&shy;ders erhel&shy;lenden Grenzfäl&shy;len des Wahrneh&shy;mens zu tun – wie bis heute von jenen, die Kippfi&shy;guren unter&shy;suchen, meist mehr oder minder aus&shy;drücklich argu&shy;mentiert wird –, sondern mit dena&shy;turier&shy;ten Vorga&shy;ben einer lebens&shy;fernen Labor&shy;forschung.<ref>Sie&shy;he die Kri&shy;tik von <bib id='Kanizsa & Luccio 1995a'>Ka&shy;niz&shy;sa & Luc&shy;cio 1995a</bib> so&shy;wie <bib id='Kruse et al. 1995a'>Kru&shy;se et al. 1995a</bib> an der Po&shy;si&shy;ti&shy;on von <bib id='Gibson 1982a'>Gib&shy;son 1982a</bib>.</ref> Zu beto&shy;nen, dass die meisten natür&shy;lichen [[Kontext|Wahrneh&shy;mungssi&shy;tuati&shy;onen]] sich vom Betrach&shy;ten von Kippbil&shy;dern unter&shy;scheiden, schließt indes&shy;sen nicht aus, dass solche Bilder – ex nega&shy;tivo – Prinzi&shy;pien der Öko&shy;logie des Wahrneh&shy;mens verdeut&shy;lichen können. Entspre&shy;chend kann eine Forschungs&shy;perspek&shy;tive, die auf den Umwelt- und Handlungs&shy;bezug des Wahrneh&shy;mens orien&shy;tiert ist, ihrer&shy;seits das Verständ&shy;nis von Kippbil&shy;dern beför&shy;dern (<bib id='Leopold & Logothetis 1999a'>Leopold & Logo&shy;thetis 1999a</bib>).
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Seit langem wird diskutiert, ob das Umschla&shy;gen der Wahrneh&shy;mung von einer Art Ermü&shy;dung (“Sätti&shy;gung”) in Nerven&shy;netzen rühren könnte; da diesbe&shy;züglich meist rela&shy;tiv frühe Stufen der Reizver&shy;arbei&shy;tung unter Verdacht stehen, gilt die Sätti&shy;gungsthe&shy;orie auch als ''Bottom-up-Hypo&shy;these''. Dem steht die Vermu&shy;tung gegen&shy;über, dass nicht zuletzt Wissen und Aufmerk&shy;samkeit, also (eher bewuss&shy;te) menta&shy;le Prozes&shy;se, die den “Auto&shy;matis&shy;men” grundle&shy;gender Modu&shy;le des visu&shy;ellen Systems nachge&shy;lagert bzw. über&shy;geord&shy;net sind, eine wesent&shy;liche Rolle spielen (''Top-down-Hypo&shy;thesen''). Die im Laufe der Zeit ange&shy;häuften empi&shy;rischen Befun&shy;de deuten, das sei einem Ausblick auf Metho&shy;den und Ergeb&shy;nisse der expe&shy;rimen&shy;tellen Erfor&shy;schung von Kipp&shy;phäno&shy;menen voraus&shy;geschickt, darauf hin, dass die Wahrheit jenseits dieser plaka&shy;tiven (und zugleich unschar&shy;fen) Entge&shy;genset&shy;zung liegt.
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Für den Gestaltpsychologen Wolfgang Köhler war die Ermü&shy;dungser&shy;klärung Bestand&shy;teil der These, Wahrneh&shy;men über&shy;haupt basie&shy;re – ana&shy;log zu in der Physik unter&shy;suchten Erschei&shy;nungen – auf anta&shy;gonis&shy;tischen Prozes&shy;sen neuro&shy;naler Selbst&shy;orga&shy;nisa&shy;tion. Das Kippen gilt hier ganz ausdrück&shy;lich als gene&shy;relles Funktions&shy;prinzip des Gehirns, welches bei stabi&shy;len Wahrneh&shy;mungen nur nicht zu Bewusst&shy;sein komme. Diese Behaup&shy;tung mag den Reiz eines Para&shy;doxes haben, ist aber hinsicht&shy;lich des namhaft gemach&shy;ten allge&shy;meinen Funktions&shy;prinzips nicht mehr als eine meta&shy;phorisch formu&shy;lierte Vermu&shy;tung; und ande&shy;rerseits erscheint diese These nicht gera&shy;de darauf ange&shy;legt, die Besond&shy;erheit von Wahrneh&shy;mungspro&shy;zessen, bei denen es zum Kippen kommt, zu erklä&shy;ren. In diese Tradi&shy;tion stellen sich neue&shy;re Bemü&shy;hungen multi&shy;stabi&shy;les Wahrneh&shy;men im Rahmen des system&shy;theore&shy;tischen Zugangs der ''Syner&shy;getik'' <bib id='Kruse & Stadler 1995a'></bib> als Schlüssel zum Verständ&shy;nis des Wahrneh&shy;mens zu nutzen. Wenn in diesem Sinn das Kippen als „heraus&shy;ragen&shy;des metho&shy;dolo&shy;gisches Fenster für das Messen der Dyna&shy;mik des visu&shy;ellen Systems“ (<bib id='Kruse et al. 1995a'></bib>: S. 71, Übersetzung: R. Schönhammer) ange&shy;sprochen wird, bleibt es nicht aus, dass u.a. Ana&shy;logien von Kippfi&shy;guren und mathe&shy;matischen Model&shy;lierun&shy;gen der Quanten&shy;mecha&shy;nik ins Feld geführt werden (<bib id='Caglioti 1995a'>Cagli&shy;oti 1995a</bib>). 


=====optional Beispiele=====
===Untersuchungsmethoden===
Bei experimentellen Untersuchungen zur Wahrneh&shy;mung von Kippbil&shy;dern wird in der Regel von den Versuchs&shy;perso&shy;nen verlangt, durch Drücken verschie&shy;dener Knöpfe anzu&shy;zeigen, welche Lesart der Vorla&shy;ge ihnen momen&shy;tan ins Auge springt. Auf diese Weise lassen sich der primä&shy;re Eindruck sowie der Wechsel im weite&shy;ren Verlauf (Fluktu&shy;ation, jewei&shy;lige Verweil&shy;dauer) feststel&shy;len. Dieses Verfah&shy;ren setzt voraus, dass die Proban&shy;den über das poten&shy;tielle Kippen bzw. die mögli&shy;chen Sichtwei&shy;sen vorweg aufge&shy;klärt wurden; sie sind also nicht völlig unbe&shy;fangen. Entspre&shy;chend vorin&shy;formiert sind auch Versuchs&shy;perso&shy;nen, die auf einer Skala einschät&shy;zen sollen, wie leicht ihnen diese oder jene Sichtwei&shy;se fällt. Will man eine derar&shy;tige Vorein&shy;stellung vermei&shy;den, ist man auf mündli&shy;che Berich&shy;te („Sagen Sie, was Sie sehen.“) ange&shy;wiesen, die nicht so leicht statis&shy;tisch ausge&shy;wertet werden können. 
:
Je nach spezifischer Frage&shy;stellung sind die Versuchs&shy;perso&shy;nen frei, die jewei&shy;ligen Vorla&shy;gen ohne weite&shy;ren Vorsatz auf sich wirken zu lassen, oder werden aufge&shy;fordert, Sichtwei&shy;sen möglichst zu halten oder im Gegen&shy;teil möglichst oft wechseln zu lassen.
:
Das Betrachten erfolgt manchmal nur mit einem Auge, manchmal mit fixier&shy;tem Kopf (z.B. Kinnauf&shy;lage). Der Blick darf schweifen oder soll auf eine Markie&shy;rung im Bild fixiert werden (wie eine Fixie&shy;rung wirkt es auch, wenn die Bilder dem Tanz der freien Augen&shy;bewe&shy;gung nachge&shy;führt werden oder wenn man das Kippen anhand von Nachbil&shy;dern einer blitzlicht&shy;arti&shy;gen Präsen&shy;tation auf der Netzhaut – Nachbil&shy;der bewe&shy;gen mit dem Auge mit – unter&shy;sucht.)
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Die Vorlagen werden ununter&shy;brochen oder in verschie&shy;denen Inter&shy;vallen präsen&shy;tiert.
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Manchmal stehen die Bilder auf dem Kopf (etwa um zu prüfen, welche Rolle das Erken&shy;nen von ''Bedeu&shy;tung''/&#8203;Lebe&shy;wesen für die Zuord&shy;nung einer Kontur spielt).
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Manchmal spielen eindeutig gemachte (disam&shy;biguier&shy;te) Vari&shy;anten von Kippbil&shy;dern eine Rolle.
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Das, was Versuchspersonen im Zusammen&shy;hang des jewei&shy;ligen Versuchs&shy;aufbaus bewusst mittei&shy;len (meist per Knopfdruck), wird in aufwen&shy;dige&shy;ren Studien mit Messun&shy;gen von Augen&shy;bewe&shy;gungen (teils auch des even&shy;tuell abge&shy;deckten Auges) und Akkom&shy;moda&shy;tion, der Hirnströ&shy;me (sogenannter ERPs: ereig&shy;niskor&shy;relier&shy;ter Poten&shy;tiale) oder loka&shy;ler Durchblu&shy;tungsdif&shy;feren&shy;zen abge&shy;glichen.
:
Anhaltspunkte für die Erklärung (bzw. die neuro&shy;nale Basis) multi&shy;stabi&shy;ler Wahrneh&shy;mung erge&shy;ben sich auch aus gewis&shy;sen Paral&shy;lelen zur bin&shy;oku&shy;lären Riva&shy;lität (bietet man beiden Augen Ansich&shy;ten, die nicht zur Deckung zu bringen sind, springt das Wahrneh&shy;men zwischen beiden Sichten), deren neuro&shy;nale Korre&shy;late mit Elek&shy;troden im Gehirn von Affen unter&shy;sucht werden können.


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===Ergebnisse===
[[Datei:17.png|thumb|Ab&shy;bil&shy;dung 17]]
Ein be&shy;reits äl&shy;te&shy;rer For&shy;schungs&shy;be&shy;fund mach&shy;te die Sät&shy;ti&shy;gungs&shy;the&shy;o&shy;rie zwei&shy;fel&shy;haft: Zeigt man Ver&shy;suchs&shy;per&shy;so&shy;nen, be&shy;vor man ih&shy;nen das Kipp&shy;bild mit der jun&shy;gen und der al&shy;ten Frau prä&shy;sen&shy;tiert, ei&shy;ne ein&shy;deu&shy;tig ge&shy;mach&shy;te Va&shy;ri&shy;an&shy;te, die ent&shy;we&shy;der die “Ehe&shy;frau” oder die “Schwie&shy;ger&shy;mut&shy;ter” er&shy;ken&shy;nen lässt (Abb. 17), se&shy;hen sie dann das Kipp&shy;bild eher ent&shy;spre&shy;chend der je&shy;wei&shy;li&shy;gen Prä&shy;gung (nach <bib id='Attneave 1971a'>Att&shy;neave 1971a</bib> und <bib id='Hochberg 1977a'>Hoch&shy;berg 1977a</bib>). Nach der Sätti&shy;gungstheo&shy;rie wäre das Gegen&shy;teil zu erwar&shy;ten. Dem steht u. a. der neue&shy;re Befund gegen&shy;über, dass im Falle eines rotie&shy;renden Necker&shy;würfels die Vorer&shy;fahrung mit eindeu&shy;tig gemach&shy;ter Drehrich&shy;tung nur dann auf die Auffas&shy;sung der mehrdeu&shy;tigen Vorla&shy;ge durchschlägt, wenn das ''Priming'', wie dieses Versuchs&shy;design genannt wird, kurz gehal&shy;ten war, während eine länge&shy;re Vorweg&shy;konfron&shy;tation die gegen&shy;teili&shy;ge Wahrneh&shy;mung beför&shy;dert (<bib id='Pitts et al. 2008a'></bib>).
:
Was empirische Bestätigungen von ''Top-down-Prozes&shy;sen'' angeht, ist vielfach belegt, dass sich das Kippen zwar willkür&shy;lich beein&shy;flussen, indes&shy;sen nicht völlig inten&shy;tional kontrol&shy;lieren lässt.
:
Die Wahrnehmung von Kippbildern, die Gesich&shy;ter enthal&shy;ten (beispiels&shy;weise der Hasen-Enten-Kopf), ist leichter beein&shy;flussbar – im Sinne von verzö&shy;gertem oder beschleu&shy;nigtem Wechsel – als die von Bildern mit doppel&shy;deuti&shy;ger Perspek&shy;tive (z.B. der Necker-Würfel; <bib id='Stüber & Stadler 1999a'></bib>).
:
Hirnstrommessungen lieferten in jünge&shy;rer Zeit Indi&shy;zien dafür, dass frühe Prozes&shy;se im Hinter&shy;hauptslap&shy;pen des Gehirns durch Akti&shy;vierun&shy;gen in fronta&shy;len und tempo&shy;ralen Berei&shy;chen des Gehirns, die mit Aufmerk&shy;samkeit resp. Objekt&shy;wissen in Verbin&shy;dung gebracht werden, mitbe&shy;stimmt werden (beispiels&shy;weise <bib id='Pitts et al. 2008a'></bib>).
:
Messungen im Affenhirn (<bib id='Logothetis 1998a'>Logo&shy;thetis 1998a</bib>) und EEG-Befun&shy;de beim Menschen zeigen (<bib id='Britz et al. 2010a'></bib>), dass bei bin&shy;oku&shy;lärer Riva&shy;lität “späte” Modu&shy;le (im Scheitel&shy;lappen), die mit der räumli&shy;chen Auswer&shy;tung visu&shy;eller Reize in Verbin&shy;dung gebracht werden, eine heraus&shy;geho&shy;bene Rolle spielen; entspre&shy;chende Akti&shy;vierun&shy;gen finden sich auch bei Kippfi&shy;guren (<bib id='Britz et al. 2009a'></bib>: S. 55–65).
:
Vergleicht man das EEG, das sich zeigt, wenn man vor den Augen der Versuchs&shy;perso&shy;nen den Wechsel zwischen eindeu&shy;tig gemach&shy;ten Vari&shy;anten eines Bildes vollzieht, mit jenem, das mit echtem Kippen bei unver&shy;änder&shy;ter mehrdeu&shy;tiger Vorla&shy;ge einher&shy;geht, so fehlt beim echten Kippen eine Kompo&shy;nente, die als „Erlan&shy;gen von Gewiss&shy;heit“ inter&shy;pretier&shy;bar ist; gleichwohl scheint man das Kippen immer wieder als neue Gewiss&shy;heit zu erle&shy;ben, sich also nicht dessen bewusst zu sein, was das EEG bezeugt: dass man auf dem Sprung bleibt (<bib id='Kornmeier & Bach 2009a'>Korn&shy;meier & Bach 2009a</bib>).
:
Zusammenhänge von Kippen und Augen&shy;bewe&shy;gungen sind eben&shy;so nachge&shy;wiesen, wie der Umstand, dass es zum Kippen auch dann kommt, wenn das Auge nicht über das Bild wandert.
:
Von Augenbewegung unabhängige Verla&shy;gerun&shy;gen der Aufmerk&shy;samkeit (sog. ‘ver&shy;deckte Aufmerk&shy;samkeit’) modi&shy;fizie&shy;ren das Kippen. Der Zusam&shy;menhang von Kippen mit inten&shy;tiona&shy;lem Suchver&shy;halten mit und ohne Augen&shy;bewe&shy;gungen ist ein Indiz dafür, dass das Kippen auch jenseits bewuss&shy;ter Absicht, als Art von Suchver&shy;halten unter erschwer&shy;ten Wahrneh&shy;mungsbe&shy;dingun&shy;gen verstan&shy;den werden kann (zusam&shy;menfas&shy;send <bib id='Leopold & Logothetis 1999a'>Leopold & Logo&shy;thetis 1999a</bib>).
:
Springt beim einäugigen Betrachten eines Necker&shy;würfels die Sichtwei&shy;se um, ändert sich die Stellung des ver&shy;deckten Auges, so wie das bei beid&shy;äugi&shy;gem Sehen gesche&shy;hen würde, um bei einem tatsäch&shy;lichen räumli&shy;chen Gebil&shy;de das Sehen von Doppel&shy;bildern zu vermei&shy;den (Vergenz&shy;bewe&shy;gung; <bib id='Enright 1987a'></bib>).
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Kurze Unterbrechungen der Reizpräsen&shy;tation (bis zu 400 ms) fördern ein Kippen, länge&shy;re Pausen redu&shy;zieren es drastisch; welche der beiden konkur&shy;rieren&shy;den Deutun&shy;gen dadurch gestützt wird ist strittig (<bib id='Kornmeier et al. 2009a'>Korn&shy;meier et al. 2009a</bib>).
:
Ungeachtet der offenen Fragen ange&shy;sichts der hier schlaglicht&shy;artig ange&shy;deute&shy;ten komple&shy;xen Befund&shy;lage kann man festhal&shy;ten, dass Kippbil&shy;der wohl eher durch Deutun&shy;gen zu erhel&shy;len sind, welche beden&shy;ken, wie sich diese Situ&shy;atio&shy;nen zum prinzi&shy;piellen Handlungs- bzw. Umwelt&shy;bezug des Wahrneh&shy;mens verhal&shy;ten, als durch losge&shy;löste Model&shy;le der Selbst&shy;orga&shy;nisa&shy;tion bzw. Ana&shy;logien zu physi&shy;kali&shy;schen Phäno&shy;menen.




=====Auswirkungen auf andere Begriffe=====
==Philosophische Diskussion==
Spätestens mit Wittgensteins Beispiel des Hasen-Enten-Kopfs (H-E-Kopf) hat das Kippbild Eingang in den philo&shy;sophi&shy;schen Diskurs gefun&shy;den (vgl. nochmals Abb. 7 oben). Wittgenstein Interesse für das Kippbild rührt aus seiner Frage&shy;stellung zur unter&shy;schiedli&shy;chen Verwen&shy;dungswei&shy;sen des Ausdrucks ‘[[Sehen|sehen]]’ her (vgl. <bib id='Glock 2000a'></bib> und <bib id='Rager 1997a'></bib>). So unter&shy;scheiden wir das gewöhn&shy;liche »Sehen-von« vom »Sehen-als«. Beispiels&shy;weise lässt sich das gewöhn&shy;liche Sehen einer Wolke vom Sehen einer Wolke als Schaf unter&shy;scheiden. Eine andere Art von Unter&shy;scheidung liegt im Falle des H-E-Kopfes vor, wenn man ihn entwe&shy;der als Hasen&shy;bild oder als Enten&shy;bild sieht. Wittgen&shy;stein spricht in diesem Fall von ‘Aspekt&shy;sehen’ oder ‘Aspekt&shy;wechsel’. Die Frage, die ihn dabei u.a. inte&shy;ressiert, lautet, ob der Aspekt&shy;wechsel jeweils mit einem Wechsel eines Wahrneh&shy;mungser&shy;lebnis&shy;ses einher&shy;geht und dieser Wahrneh&shy;mungser&shy;lebnis&shy;wechsel erklä&shy;ren kann, warum wir eben das eine mal einen Hasen und das ander&shy;mal eine Ente sehen. Klar scheint ja erst einmal zu sein, dass wir beim Betrach&shy;ten des H-E-Kopfs in gewis&shy;ser Hinsicht jedes Mal ''das Gleiche'' wahrneh&shy;men oder sehen, egal ob uns entwe&shy;der gera&shy;de der Aspekt des Hasen- oder des Enten&shy;vkopfs “aufleuch&shy;tet”.
:
Nach Wittgen&shy;stein kann uns hier die Gestalt&shy;theorie nicht weiter helfen, der zufol&shy;ge wir beim Sehen des Hasen- bzw. des Enten&shy;kopfes jeweils unter&shy;schiedli&shy;che [[Gestalt|Gestal&shy;ten]] wahrneh&shy;men würden (vgl. <bib id='Glock 2000a'></bib>: S. 43 und <bib id='Krkac 2010a'></bib>). Denn die Gestalt ist jedes Mal diesel&shy;be, der Unter&shy;schied liegt allein in unse&shy;rem Seher&shy;lebnis, das das eine Mal im Sehen eines Hasen&shy;bildes und das andere Mal im Sehen eines Enten&shy;bildes besteht. Vor ähnli&shy;chen Proble&shy;men wie der Gestalt&shy;theore&shy;tiker steht der Reprä&shy;senta&shy;tiona&shy;list, der behaup&shy;tet, dass unse&shy;re Wahrneh&shy;mung in einem [[Bildvorstellungen|inne&shy;ren Bild]] des wahrge&shy;nomme&shy;nen Gegen&shy;standes besteht. Auch für ihn gilt, dass er nur schwerlich leugnen kann, dass das Hasen- oder Enten&shy;bild - also der jewei&shy;lige Aspekt, den der Betrach&shy;ter wahrnimmt - erst einmal auf der gleichen Reprä&shy;senta&shy;tion beru&shy;hen muss (nämlich in beiden Fällen auf einer, die auf der Umriss&shy;form des H-E-Kopfes beruht). Wie aber kann der Reprä&shy;senta&shy;tiona&shy;list die unter&shy;schiedli&shy;chen Wahrneh&shy;mungser&shy;lebnis&shy;se erklä&shy;ren?
:
Der Repräsentationalist wird auf diese Frage ohne Zusatz&shy;annah&shy;men keine befrie&shy;digen&shy;de Antwort geben können (vgl. <bib id='Macpherson 1996a'>Mac&shy;pherson 1996a</bib>).<ref>Sie&shy;he auch [[#Psychologische und  neurowissen&shy;schaftli&shy;che Diskus&shy;sion|oben]] ''Bot&shy;tom-up''- und ''Top-down''-Hy&shy;po&shy;the&shy;sen.</ref> Nach Wittgen&shy;stein kann weder die Gestalt&shy;theorie noch der Reprä&shy;senta&shy;tiona&shy;lismus eine Erklä&shy;rung für das Aspekt&shy;sehen anbie&shy;ten. Wittgen&shy;steins eige&shy;ne Lösung besteht darin, das »Sehen-als« nicht als eine reine Form der Wahrneh&shy;mung zu betrach&shy;ten (<bib id='Wittgenstein 1971a'>Wittgen&shy;stein 1971a</bib>: S. 524):
:
:''Das ‘Sehen-als …’ gehört nicht zur Wahrneh&shy;mung. Und darum ist es wie ein Sehen und wieder nicht ein Sehen.''
:
Das Aufleuchten des Aspekts ist nach Wittgen&shy;stein „halb Seher&shy;lebnis, halb ein Denken“ (ebd. S. 524). Zum Aspekt&shy;sehen muss also eine kogni&shy;tive Leistung treten, die über eine bloße Wahrneh&shy;mungsleis&shy;tung hinaus&shy;geht (vgl. <bib id='Glock 2000a'></bib>: S. 44f.). Aspekt&shy;sehen ist für Wittgen&shy;stein demnach eine kogni&shy;tive Fähig&shy;keit und das Fehlen dieser Fähig&shy;keit, die Aspekt&shy;blindheit, ist für ihn vergleich&shy;bar mit der Farben&shy;blindheit oder „dem Mangel des musi&shy;kali&shy;schen Gehörs“ (<bib id='Wittgenstein 1971a'>Wittgen&shy;stein 1971a</bib>: S. 552). Die Aspekt&shy;blindheit zeigt sich nicht in dem Fehlen bestimm&shy;ter Wahrneh&shy;mungen, sondern in der Unfä&shy;higkeit, kogni&shy;tiv auf bestimm&shy;te Fragen zu reagie&shy;ren. Anders gesagt: die Fähig&shy;keit, Aspek&shy;te zu sehen, zeigt sich in bestimm&shy;ten sprachli&shy;chen Reakti&shy;onen, etwa ‘jetzt sehe ich’s’. Dieser Ausdruck, mit dem ich mein Erleb&shy;nis des Aspekt&shy;wechsles mittei&shy;le, ist zumin&shy;dest in einer Hinsicht vergleich&shy;bar mit dem Schrei, der meinen Schmerz anzeigt. Beide bezie&shy;hen sich nicht auf menta&shy;le Gegen&shy;stände (“inne&shy;re Bilder”), sondern sind Ausdruck eines Erleb&shy;nisses.
:
Innerhalb der Bildwissenschaften hat sich an prominen&shy;ter Stelle Ernst Gombrich auf Wittgen&shy;steins Über&shy;legun&shy;gen bezo&shy;gen (<bib id='Gombrich 1977a'></bib>: S. 21). Für Gombrich ist Wittgen&shy;steins Ausein&shy;ander&shy;setzung mit Kippbil&shy;dern deshalb von Bedeu&shy;tung, weil nach Gombrich auch beim Betrach&shy;ten von Bildern eine Art von Aspekt&shy;wechsel stattfin&shy;det, wenn wir nämlich zwischen der Illu&shy;sion des Sehens des [[Theorien des Bildraums|Bildraums]] oder des Bild&shy;sujets und dem bloßen Sehens des [[Bildträger|Bildträ&shy;gers]] hin- und herwech&shy;seln. So wüssten wir zwar, dass wir in Wirklich&shy;keit einen zweidi&shy;mensio&shy;nalen Gegen&shy;stand sehen, auch wenn wir die Illu&shy;sion haben, einen dreidi&shy;mensio&shy;nalen zu sehen. Gombrich vergleicht dieses Phäno&shy;men mit dem Aspekt&shy;wechsel beim Hasen-Enten-Kopf.
:
Richard Wollheim weist in diesem Zusammen&shy;hang zu Recht darauf hin, dass dieser Vergleich fehlge&shy;leitet ist: Beim H-E-Kopf wechseln wir nicht zwischen dem Sehen des H-E-Kopfs und dem Bildträ&shy;ger, sondern zwischen zwei [[Bildinhalt|Bildin&shy;halten]] (<bib id='Wollheim 1982a'></bib>: S. 199). Wollheims Kritik weist darauf hin, dass wir zwei Fälle bei Bildern unter&shy;scheiden sollten. Auf der einen Seite können wir zwischen dem Bildin&shy;halt und dem Bildträ&shy;ger unter&shy;scheiden und auf der anderen Seite zwischen zwei Bildin&shy;halten eines Bildträ&shy;gers. Nur im letzten Fall liegt nach Wollheim ein echter Aspekt&shy;wechsel vor. Dies wird auch darin deutlich, dass wir bei echten Aspekt&shy;wechsel nicht gleichzei&shy;tig beide Aspek&shy;te wahrneh&shy;men können, während dies bei Bildern kein Problem und nach Wollheim sogar die Voraus&shy;setzung für das Sehen von Bildern ist. Bei Bildern müssen wir nach Wollheim gleichzei&shy;tig Bildträ&shy;ger und Bildin&shy;halt wahrneh&shy;men („twofold&shy;ness“). Wollheim unter&shy;scheidet in dieser Hinsicht das »Sehen-in« (hier liegt ein zweiheit&shy;liches Sehen vor) vom »Sehen-als« (einer Art des Aspekt&shy;sehens). Wichtig in diesem Zusammen&shy;hang ist für Wollheim die Loka&shy;litäts&shy;bedin&shy;gung: beim »Sehen-als« können wir immer auf die Stelle hinwei&shy;sen, die Ursa&shy;che für die beiden Aspekte ist (z.B. beim H-E-Kopf die Löffel bzw. der Schnabel). Gleiches ist beim »Sehen-in« nicht notwen&shy;diger&shy;weise möglich.
:
Wollheims Auffassung wird u.a. von Dominic Lopes kriti&shy;siert. Seine Gegen&shy;beispie&shy;le sind ''Trompe l'œil''-Bilder, bei denen es uns zuwei&shy;len nicht möglich ist, den Bildträ&shy;ger zu sehen, und [[Semantik ungegenständlicher Bilder|gegen&shy;standslo&shy;se Bilder]], die keinen Bildin&shy;halt besit&shy;zen (<bib id='Lopes 1996a'></bib>: § 2.3). Gegen Lopes lässt sich einwen&shy;den, dass eine Person, der es im Fall eines ''Trompe l'œils''-Gemäl&shy;des nicht gelingt, den Bildträ&shy;ger zu sehen, eben nicht das Gemäl&shy;de als Bild sieht, sondern nur vermeint&shy;lich den darge&shy;stellten Gegen&shy;stand (⊳ [[Dezeptiver und immersiver Modus|Dezep&shy;tiver und immer&shy;siver Modus]]). Dies trifft auch für den Fall zu, dass die Person selbst weiß, dass sie nicht den Gegen&shy;stand selbst sieht. Es handelt sich in diesem Fall also um eine opti&shy;sche Täuschung vergleich&shy;bar mit der Müller-Lyer-Täuschung, bei der die Linien auch dann dem Betrachter unter&shy;schiedlich lang erschei&shy;nen können, wenn er weiß, dass sie gleich lang sind. Eine Illu&shy;sion dieser Art liegt aber beim Sehen von Bildern nicht vor. Vielmehr gehört es zum Sehen von Bildern dazu (twofold&shy;ness!), dass wir gleichzei&shy;tig den Bildträ&shy;ger und das Bildsujet sehen. Im Fall von gegen&shy;standslo&shy;sen Bildern kann auf Lopes entgeg&shy;net werden, dass auch bei diesen ein zweiheit&shy;liches Sehen vorliegt, nämlich zum einen das Sehen des zweidi&shy;mensio&shy;nalen Bildträ&shy;gers und des vermeint&shy;lichen dreidi&shy;mensio&shy;nalen Bildraums.


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* [[Animation]]
* [[Aufmerksamkeit]]
* [[Bild in reflexiver Verwendung]]
* [[Bildinhalt]]
* [[Bildträger]]
* [[Bildvorstellungen]]
* [[Dezeptiver und immersiver Modus]]
* [[Figur/Grund-Differenzierung]]
* [[Gesichtsdarstellung]]
* [[Gestalt]]
* [[Kontext]]
* [[Perspektive und Projektion]]
* [[Sehen]]
* [[Semantik]]
* [[Semantik ungegenständlicher Bilder]]
* [[Theorien des Bildraums]]
* [[Vexierbild]]
* [[Wahrnehmungsillusion]]


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''Ausgabe 1: 2013''
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* [[Benutzer:Rainer Schönhammer|Schönhammer, Rainer]]
[[Benutzer:XXX]]
* [[Benutzer:Jakob_Steinbrenner|Steinbrenner, Jakob]]
 
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''Lektorat:''
* [[Benutzer:Klaus Sachs-Hombach|Sachs-Hombach, Klaus]]
* [[Benutzer:Joerg R.J. Schirra|Schirra, Jörg R.J.]]
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<!--Das war's-->
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Aktuelle Version vom 22. Januar 2024, 13:53 Uhr

Unterpunkt zu: Bildwahrnehmung


If meanings are hypotheses, ambi­guities are alter­native hypothe­ses. ([Gregory 2000a]Gregory, Richard L. (2000): Ambiguity of ‘Ambiguity’. Perception, 29.
Webadresse: www.richardgregory.org/papers/editorials/ambiguity-of-ambiguity.pdf
: S. 1140)


Die Ausdrücke ‘Kippbild’ oder ‘Kipp­figur’ stehen für Vorla­gen, die einen (rever­siblen) abrup­ten Wechsel des Wahrge­nomme­nen ermög­lichen, während das Bild/Objekt unver­ändert bleibt. Man spricht auch von mehrfach­stabi­len Wahrneh­mungspro­zessen (also etwa von bi-, tri- oder multi­stabi­ler Wahrneh­mung). Aus verschie­denen Kultu­ren über­liefer­te Arte­fakte (Wandge­mälde, Reliefs, Mosa­ike, Deko­re auf Kera­miken und Texti­lien) deuten darauf hin, dass der Reiz solcher Bilder weithin und auch schon lange bekannt ist ([Gregory 2000a]Gregory, Richard L. (2000): Ambiguity of ‘Ambiguity’. Perception, 29.
Webadresse: www.richardgregory.org/papers/editorials/ambiguity-of-ambiguity.pdf
; [Metzger 2008a]Metzger, Wolfgang (2008): Gesetze des Sehens. Klotz, Taunus.
Nicht angezeigt: 4. unveränd. Aufl., Repr. nach d. 3., völlig neu bearb. Aufl. 1975
; [Mitchell 1994a]Mitchell, William J.T. (1994): Picture Theory. Essays on Verbal and Visual Representation. University of Chicago Press, Chicago.
; [Zimmer 1995a]Zimmer, A. C. (1995): Multistability – More Than Just a Freak Phenomenon. In: Kruse, P. & Stadler, M. (Hg.), Ambiguity in Mind and Nature. Multistable Cognitive Phenomena. Springer, Berlin.
; [Piccolino & Wade 2006a]Piccolino, Marco & Wade, Nicholas J. (2006): Flagging Early Examples of Ambiguity (1). Perception, 35, 7.
; [Piccolino & Wade 2006b]Piccolino, Marco &. Wade, Nicholas J. (2006): Flagging Early Examples of Ambiguity (2). Perception, 35, 8.
).

In Situationen des praktischen Lebens ist derar­tige Insta­bili­tät des Wahrneh­mens selten. Das schließt nicht aus, dass Momen­te der umwelt­bezo­genen Wahrneh­mung zumin­dest teils Ausgangs­punkt für entspre­chende bildne­rische Spiele waren und sind.[1]


Phänomenologie (Eingren­zung und Vari­anten)

Oft werden Kippbilder in drei Typen unter­teilt:[2] 1) Umsprin­gen von Figur und Grund, 2) Ambi­valenz von Bedeu­tung und 3) Mehrdeu­tigkeit perspek­tivi­scher Darstel­lungen. Diese Typo­logie ist zwar nicht umfas­send und in gewis­ser Weise sogar irre­führend, aber gleichwohl ein brauchba­rer erster Zugang.

Umspringen von »Figur« und »Grund«

Ab­bil­dung 1

Be­rühm­tes­tes Bei­spiel für die­sen Ty­pus ist der Kelch, des­sen Um­ris­se als zwei ein­an­der zu­ge­wand­te mensch­li­che Pro­fi­le ge­se­hen wer­den kön­nen. Un­ter Psy­cho­lo­gen ist die­ses Kipp­bild als ‘Ru­bin­scher Be­cher’ oder ‘Ru­bin­sche Va­se’ ge­läu­fig; der dä­ni­sche Psy­cho­lo­ge Ed­gar Ru­bin hat­te die­ses Mo­tiv, das zu­vor schon in der gra­phi­schen Kunst be­nutzt wor­den war,[3] zu Beginn des 20. Jh. aufge­griffen[4] (vgl. Abb. 1). Von ‘Kippen’ kann man hier sprechen, weil die Kontur­linie entwe­der den Profi­len zuge­hört oder dem Kelch: Sieht man die Profi­le, hat sich die weiße Fläche in Hinter­grund verwan­delt; nimmt man den Kelch wahr, sieht man keine Schatten­risse von menschli­chen Gesich­tern, sondern nur dunklen Hinter­grund, der sich hinter dem verschnör­kelten Gefäß fortsetzt.

Ab­bil­dung 2

Fi­gur/Ob­jekt und (Hin­ter-)​Grund kön­nen auch bei eher sinn­frei­en Li­ni­en/Flä­chen­gren­zen in­ein­an­der um­schla­gen. Der­ar­ti­ge Bei­spie­le stan­den im Mit­tel­punkt von Ru­bins Un­ter­su­chun­gen (Abb. 2).

Ab­bil­dung 3

Die Un­ter­schei­dung von »Fi­gur« und »Grund«, die man als Be­trach­ter von nicht­per­spek­ti­vi­schen zwei­di­men­si­o­na­len Dar­stel­lun­gen vor­nimmt, de­mons­triert, wie stark man da­zu neigt, drei­di­men­si­o­na­le Ver­hält­nis­se (»vor«  vs. »hin­ter«) in Bil­der hi­nein­zu­se­hen. Bereits da, wo nur eine schlichte Linie eine Fläche teilt (Abb. 3), sehen wir leicht eine der beiden Teilflä­chen vor der ande­ren.[5]

Ab­bil­dung 4: Ru­bins Ab­bil­dung von (1921) be­schnit­ten
Ab­bil­dung 5: Ru­bins Ab­bil­dung von (1921) mo­di­fi­ziert

Ge­staltpsy­cho­lo­gen ha­ben sich ein­ge­hend mit der Fra­ge be­schäf­tigt, wel­che ab­strak­ten Qua­li­tä­ten von Li­ni­en/​Flä­chen das Sehen als Fi­gur na­he le­gen ([Metzger 2008a]Metzger, Wolfgang (2008): Gesetze des Sehens. Klotz, Taunus.
Nicht angezeigt: 4. unveränd. Aufl., Repr. nach d. 3., völlig neu bearb. Aufl. 1975
). Man­che der zahl­rei­chen Va­ri­a­ti­o­nen der Dar­stel­lung von Ru­bins Be­cher ma­chen Fak­to­ren der Fi­gur­bil­dung deut­lich; schnei­det man bei­spiels­wei­se Ru­bins Ori­gi­nal an der obe­ren und un­te­ren Kan­te des Kelchs ho­ri­zon­tal ab, so sprin­gen die Pro­fi­le leich­ter ins Au­ge als in der ur­sprüng­li­chen Kon­stel­la­ti­on (um­schlie­ßen­de Flä­chen wer­den eher als Grund ge­se­hen, Abb. 4), ein Tausch von hell und dun­kel wirkt die­ser Ten­denz wie­de­rum ent­ge­gen (dunk­le­re Flä­chen sieht man be­vor­zugt als Fi­gur, Abb. 5).

Ab­bil­dung 6
Das eben­falls re­la­tiv be­kann­te Bild ei­ner Land­schaft, in der sich die Um­ris­se Na­po­le­ons/​ei­nes Ka­pi­täns – vom cha­rak­te­ris­ti­schen Hut bis zu den Fü­ßen – ver­ste­cken (z.B. in [Gregory 2000a]Gregory, Richard L. (2000): Ambiguity of ‘Ambiguity’. Perception, 29.
Webadresse: www.richardgregory.org/papers/editorials/ambiguity-of-ambiguity.pdf
, Abb. 6), funk­ti­o­niert nur be­dingt als Kipp­fi­gur. Hat man die Um­ris­se, die für den Mann ste­hen, erst ein­mal ent­deckt, ist ein Um­schla­gen von Fi­gur und Grund zwar in­so­fern nicht aus­ge­schlos­sen, als man ab­wech­selnd die Sil­hou­et­te des Man­nes vor ei­nem di­cken Baum oder aber Bäu­me/​Baum­strün­ke und ei­nen lee­ren Zwi­schen­raum se­hen kann. Aber nicht nur bei breit (auf die
To­ta­le) ein­ge­stell­ter Auf­merk­sam­keit kann man Land­schaft und Per­son zu­gleich se­hen; es ist auch mög­lich, si­mul­tan ge­wun­de­ne dün­ne Baum­stäm­me und die von ih­ren Kon­tu­ren ge­form­te Sil­hou­et­te zu se­hen, al­so zwei so­zu­sa­gen sym­bi­o­ti­sche Fi­gu­ren. Die­ses Ve­xier­bild funk­ti­o­niert – wie viele ande­re auch – deshalb gut als Bilder­rätsel, weil es in die rela­tiv detail­reiche Darstel­lung einer realis­tischen Szene­rie in unwahr­scheinli­cher Weise Anzei­chen eines bedeut­samen Objek­tes (meist eines Menschen oder ande­ren Lebe­wesens) konstru­iert. Ist der Betrach­ter erst einmal über diese Andeu­tungen gestol­pert, springt aus dem Hinter­grund der ursprüng­lichen Figur (hier: Baumgrup­pe in Land­schaft) ein Objekt in die Szene, ohne diese dabei auszu­löschen. Das Konstruk­tionsprin­zip solcher Vexier- oder Rätsel­bilder sorgt eher für einma­lige Über­raschung als fortge­setztes Kippen. ([Schönhammer 2011a]Schönhammer, Rainer (2011): Stichwort: Kippbilder.
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: S. 4)

Ambivalenz von Bedeu­tungen (seman­tisch ambi­valen­te Bilder)

Diese nicht sehr glückliche Kate­gori­sierung – um unter­schiedli­che Bedeu­tungen handelt es sich bei zwei- oder mehrdeu­tigen Bildern immer – bezieht sich auf Vorla­gen, bei denen man abwech­selnd die Darstel­lung verschie­dener Objek­te sehen kann, ohne dass dabei unbe­dingt ein Figur-Grund-Wechsel betei­ligt wäre. Man könnte also vielleicht besser von ‘Gesich­terwech­sel der Figur’ sprechen. Die Rede vom Gesich­terwech­sel charak­teri­siert diesen Unter­typus von Kippbil­dern nicht nur im über­trage­nen Sinn – die nämli­che Figur (im Sinne der gestalt­psycho­logi­schen Unter­scheidung von »Figur« und »Grund«) evo­ziert unter­schiedli­che Objek­te – sondern auch inso­fern, als es hier in der Regel um Bilder geht, bei denen tatsäch­lich oft abwech­selnd unter­schiedli­che Gesich­ter (und/​oder Körper) von Menschen oder ande­ren Tieren aus einer Figur hervor­treten (manchmal sind das Gesich­ter/​Körper der nämli­chen Gattung, manchmal wechselt die Gattung; auch Darstel­lungen menschli­cher Toten­köpfe sind verbrei­tet)[6]. ([Schönhammer 2011a]Schönhammer, Rainer (2011): Stichwort: Kippbilder.
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: S. 4f)

Ab­bil­dung 7

Be­rühm­te Bei­spie­le für Ge­sich­ter-Kipp­bil­der tauch­ten zu­nächst im 19. und frü­hen 20. Jh. in hu­mo­ris­ti­schen Pu­b­li­ka­ti­o­nen auf und ha­ben heu­te ei­nen fes­ten Platz in psy­cho­lo­gi­schen Lehr­bü­chern und po­pu­lär­wis­sen­schaft­li­chen Dar­stel­lun­gen spek­ta­ku­lä­rer Wahr­neh­mungs­phä­no­me­ne. Be­son­ders pro­mi­nent ist je­ner Kopf, der auf den ers­ten Blick meist als der einer En­te ge­se­hen wird, aber auch in den ei­nes Ha­sen um­schla­gen kann (Abb. 7).[7] Der in Harvard lehren­de Psycho­loge Jastrow hatte den Enten-Hasen-Kopf am Über­gang zum 20. Jh. in die wissen­schaftli­che Diskus­sion einge­bracht ([Brugger 1999a]Brugger, Peter (1999): One Hundred Years of an Ambiguous Figure: Happy Birthday, Duck/​Rabbit. Perceptual and Motor Skills, 3 Pt 1, 89.
). Eini­ge Bemer­kungen im Spätwerk Ludwig Wittgen­steins (siehe unten) haben diese Gesich­terkipp­figur gewis­serma­ßen philo­sophisch geadelt.

Ab­bil­dung 8

Ein wei­te­res so­zu­sa­gen klas­si­sches Kipp­bild ver­eint die An­sicht ei­ner al­ten Frau (im ganz leicht dem Be­trach­ter zu­ge­wand­ten Pro­fil) mit der Dar­stel­lung des Ge­sichts ei­ner jun­gen Frau, das vom Be­trach­ter drei­vier­tel ab­ge­wandt ist (Abb. 8);[8] wie beim En­ten- vs. Ha­sen­kopf schlie­ßen sich bei­de Sicht­wei­sen aus.

Ab­bil­dung 9

Manch­mal ist ein par­ti­el­ler Fi­gur-Grund-Wech­sel in die Me­ta­mor­pho­se der Fi­gur ein­be­zo­gen. So er­scheint im Kipp­bild «Rat­te vs. Mann mit Bril­le» (Abb. 9) ein Be­reich ein­mal als Grund zwi­schen Kör­per und Schwanz der Rat­te und wird mit dem Um­schla­gen zur Wan­ge des Man­nes.

Ab­bil­dung 10
Ähn­lich ver­hält es sich bei der Gra­fik «Sa­ra Na­der» (Abb. 10) aus der Fe­der des ame­ri­ka­ni­schen Psy­cho­lo­gen Ro­ger N. She­pard ([Shepard 1990a]Shepard, Roger N. (1990): Mind Sights. Original Illusions, Ambiguities, and Other Anomalies, with a Commentary on the Play of Mind in Perception and Art. W. H. Freeman, New York.
: S. 76).[9] Al­ler­dings kann man bei die­sem Bild bei­de Seh­wei­sen – Sa­xo­phon­spie­ler und en face Por­trät einer Frau – gleich­zei­tig wahr­neh­men, was wohl da­her rührt, dass je­ne Flä­chen, die ei­nes der bei­den Au­gen, den Mund und den Na­sen­flü­gel des weib­li­chen Ge­sichts an­zei­gen, ent­we­der iso­liert vom Schat­ten­riss des Sa­xo­phon­spie­lers sind (Au­ge) oder sich nicht zwin­gend in die Ein­heit von Mann und In­stru­ment fü­gen (Mund, Na­sen­flü­gel). Man kann so­gar auch noch gleich­zei­tig ge­wah­ren, dass das so­zu­sa­gen frei­schwe­ben­de Au­ge ei­nen Vo­gel dar­stellt. So­fern die Auf­merk­sam­keit nicht zu sehr auf ei­nes der drei “Ge­sich­ter” (Mann, Frau, Vo­gel) fo­kus­siert, ma­chen die­se sich den Platz im Wahr­neh­mungs­akt nicht strei­tig.
([Schönhammer 2011a]Schönhammer, Rainer (2011): Stichwort: Kippbilder.
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: S. 6)
­Gesichter-Kippbilder sind also von Bildern zu unter­scheiden, die Darste­llungen mehre­rer Gesich­ter bzw. Körper bergen, welche zwar womög­lich – im Sinne eines Bilder­rätsels – nicht alle sofort gese­hen werden und auch dann, wenn sie einmal entdeckt wurden, abwech­selnd ins Zentrum der Aufmerk­samkeit treten können, deren gleichzei­tige Wahrneh­mung aber nicht ausge­schlossen ist. Nur dann, wenn die wesent­lichen Anzei­chen für die konkur­rieren­den Gesich­ter in der jewei­ligen Alter­native einen sinnvol­len Platz finden, schlägt die Wahrneh­mung um. Ansons­ten kann man eben zwei oder mehre­re Gesich­ter/Kör­per zugleich sehen, ob sie nun mehr oder weni­ger gleichbe­rechtigt neben­einan­der stehen oder in eine hierar­chische Bezie­hung zuein­ander gesetzt sind (wie beispiels­weise da, wo kleine Darstel­lungen von Menschen nach Art der Jahres­zeiten-Gemäl­de von Arcim­boldo Partien eines Porträts bilden).[10] ([Schönhammer 2011a]Schönhammer, Rainer (2011): Stichwort: Kippbilder.
Webadresse: psydok.sulb.uni-saarland.de/frontdoor.php? source_opus=2756&la=de
: S. 6)

Bilder, die in Arcimboldos Manier Gesichter und Körper zu einem über­geord­neten Gesicht (oder eben Toten­kopf) zusam­menstel­len, legen einen Wechsel der Fokus­sierung nahe, ohne im strengen Sinn Kippbil­der zu sein.[11] Diese Verschie­bung von Akzen­ten der Betrach­tung ist einem Wechsel der Aufmerk­samkeit vergleich­bar, wie man ihn vornimmt, wenn man sich auf Details eines Bildes konzen­triert oder gar die Pinsel­striche (allge­mein: Merkma­le der Darstel­lungswei­se) fokus­siert. Selbst wenn man bei der Unter­suchung der Ober­fläche eines Bildes für Momen­te das Darge­stellte völlig ausklam­mert, fehlt hier – wie auch beim Fokus­wechsel bei Bilder­rätseln – das typi­sche Erleb­nis verblüf­fenden Hin-und-her-Kippens (⊳ Bild in refle­xiver Verwen­dung).

Wenn Ernst Gombrich den Übergang von Sehen des Bildin­halts zu einem radi­kal auf die Malwei­se gerich­teten kunstwis­senschaft­lichen Blick mit dem Kippbild­erleb­nis gleichsetzt ([Gombrich 2002a]Gombrich, Ernst H. (2002): Kunst und Illusion. Zur Psychologie der bildlichen Darstellung. Phaidon, Berlin.
Notiz: 6. Auflage
), was der Kunsttheo­retiker Richard Wollheim aus verschie­denen Gründen in Frage stellte (siehe unten), wird er u. a. der Tatsa­che nicht gerecht, dass das Kippen zwar auch durch Konzen­tration aktiv beein­flusst werden kann, aber – anders als eine ausblen­dende Vertie­fung in die Darstel­lungswei­se – immer als Wider­fahrnis erlebt wird (dieser jeder­zeit indi­vidu­elle über­prüfba­re Befund wird auch durch Ergeb­nisse der expe­rimen­tellen Forschung bestä­tigt; siehe unten). Frei nach Lichten­berg: Kippbil­der vermit­teln das Erleb­nis ‘Es sieht!’.
([Schönhammer 2011a]Schönhammer, Rainer (2011): Stichwort: Kippbilder.
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: S. 7)

Perspektivische Mehrdeutig­keit

Zweidimensionale Projektionen drei­dimen­siona­ler Körper, also beispiels­weise perspek­tivi­sche Darstel­lung von Kristal­len, sind objek­tiv vieldeu­tig. Grundsätz­lich kann ja schon jede auf ein Blatt gezeich­nete Linie für zahllo­se Neigun­gen eines Stabes (oder eben einer Kante) in die Tiefe des Raumes stehen. Die verschie­densten Körper führen also zur nämli­chen Projek­tion. Unge­achtet der unend­lich vielen mögli­chen drei­dimen­siona­len Konstel­latio­nen, die hinter einem solchen Bild stehen können, drängen sich dem Wahrneh­men nur weni­ge auf. Das ist per se bemer­kenswert. Zu den „Lebens­gewohn­heiten des Gesichts­sinnes“ ([Mach 1987a]Mach, Ernst (1987): Die Analyse der Empfindungen und das Verhältnis des Physischen zum Psychischen. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt.
: S. 147) gehört es offen­bar, dass uns die Mehrzahl der mögli­chen 3D-Sicht­weisen von Zeichnun­gen nicht in den Sinn kommen.

Ab­bil­dung 11

Ei­ne Zeich­nung (Abb. 11), in der wir spon­tan die Pro­jek­ti­on ei­nes Git­ter-Wür­fels aus­ma­chen (mö­gen auch an­de­re Kör­per zum näm­li­chen Bild füh­ren), bleibt al­ler­dings auch im Wahr­neh­mungs­akt mehr­deu­tig: In der Re­gel kippt die An­sicht der un­ver­än­der­ten Vor­la­ge zwi­schen zwei un­ter­schied­lich im Raum ge­la­ger­ten Wür­feln hin und her, sieht man, an­ders ge­sagt, Ecken vor- bzw. zu­rück­sprin­gen. Die­se Kipp­fi­gur ist un­ter der Be­zeich­nung ‘Ne­cker-Wür­fel’ ge­läu­fig; be­nannt nach je­nem Schwei­zer Geo­lo­gen und Kris­tal­lo­gra­phen, der das Kip­pen beim Be­trach­ten von durch­sich­ti­gen Kan­ten­dar­stel­lun­gen von Kris­tall­for­men im Jahr 1832 schrift­lich fest­ge­hal­ten hat­te (vgl. [Wade et al. 2010a]Wade, Nicholas J.; Campbel, Robin N.; Ross, Helen E. & Lingelbach, Bernd (2010): Necker in Scotch Perspective. Perception, 39.
).

Ab­bil­dung 12
Ab­bil­dung 13
Ab­bil­dung 14

Als ‘Machs Buch’ (Abb. 12) wird die Ver­bin­dung zwei­er Pa­ral­le­lo­gram­me be­zeich­net, die in der Re­gel zu­nächst als ge­öff­ne­tes “Buch” (bzw. “ge­knick­te Kar­te”) ge­se­hen wird,[12] das (die) dem Be­trach­ter den Rü­cken zu­wen­det. Al­ter­na­tiv blickt man in das auf­ge­schla­ge­ne Buch hin­ein ([Mach 1987a]Mach, Ernst (1987): Die Analyse der Empfindungen und das Verhältnis des Physischen zum Psychischen. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt.
).

Ei­ne Rei­he von schräg an­ge­ord­ne­ten Knick­fi­gu­ren er­gibt die Schrö­der­sche Trep­pe (Abb. 13), bei der Un­ter­sicht und Auf­sicht in­ein­an­der um­schla­gen kön­nen. Netz­wer­ke von Pa­ral­le­lo­gram­men (Abb. 14) er­schei­nen als Tex­tu­ren von Qua­dern/​Wür­feln, deren Ecken man mal nach in­nen, mal au­ßen sprin­gen sieht – ein Mo­tiv, das sich in grie­chi­schen und rö­mi­schen Mo­sa­i­ken fin­det und auch bei Mö­bel­fur­nie­ren vor­kommt ([Gregory 2000a]Gregory, Richard L. (2000): Ambiguity of ‘Ambiguity’. Perception, 29.
Webadresse: www.richardgregory.org/papers/editorials/ambiguity-of-ambiguity.pdf
).

Per­spek­ti­vi­sche Mehr­deu­tig­keit hat Kon­se­quen­zen für die Wahr­neh­mung von Be­we­gung: Bei ein­äu­gi­ger Be­trach­tung tritt die plötz­li­che Um­stül­pung auch bei ei­nem Draht­wür­fel auf;[13] dreht sich das Ge­bil­de, so kehrt sich mit dem Um­sprin­gen die wahr­ge­nom­me­ne Dreh­rich­tung um.[14] Das ge­schieht auch, wenn man die Pro­jek­ti­on ei­nes ro­tie­ren­den Draht­wür­fels be­trach­tet. Ein Bei­spiel für ei­ne na­tür­li­che Si­tu­a­ti­on, bei der die Bewe­gungsrich­tung in den Augen des Betrach­ters umschla­gen kann, nennt Otto Klemm: „Die Windmüh­le, die man als dunklen Schatten­riß am Hori­zont schräg von der Seite sieht, dreht sich je nach perspek­tivi­scher Vorstel­lung in verschie­dener Richtung.“ ([Klemm 1919a]Klemm, Otto (1919): Sinnestäuschungen. Dürr’sche Buchhandlung, Leipzig.
: S. 54) Die Compu­terani­mation «spinning dancer» spielt ebenfalls mit einer (weitge­henden) perspek­tivi­schen Äqui­valenz entge­genge­setzter Tiefen­ausrich­tungen von Körpern, von denen man ledig­lich die Silhou­ette sieht.[15]

Zwischenresümee

Räumliche Mehrdeutigkeit von Bildern spielt nicht nur da eine Rolle, wo man zwischen Sichtwei­sen perspek­tivi­scher Darstel­lungen springt. Beim Kippen von Figur und Grund wechselt eben­falls die wahrge­nomme­ne räumli­che Posi­tion (vorne/​hinten). Ohne ein Spiel mit räumli­cher Mehrdeu­tigkeit kommt schließlich auch das seman­tische Kippen zwischen dem Sehen der jungen vs. alten Frau nicht aus.[16]

Neben räumlicher Mehrdeutigkeit ist offenbar die menschli­che Neigung, bereits in weni­gen Andeu­tungen ein Gesicht (allge­meiner: die Gestalt eines vertrau­ten Lebe­wesens) auszu­machen ([Schönhammer 2009a]Schönhammer, Rainer (2009): Einführung in die Wahrnehmungspsychologie. Sinne, Körper, Bewegung. Facultas, Wien.
Nicht angezeigt: 1. Aufl.
), ein Unsi­cherheits- und damit Kippfak­tor. Dieser kann in Verbin­dung mit einer Ambi­valenz von Figur-Grund (Rubins Becher) oder einer der Perspek­tive (junge/​alte Frau) zum Tragen kommen. Manchmal, wie im Fall des Enten-Hasen-Kopfes, ist er aber offen­bar eigen­ständig wirksam (also auch ange­sichts einer mit beiden Augen aus der Nähe betrach­teten Plastik).[17]
([Schönhammer 2011a]Schönhammer, Rainer (2011): Stichwort: Kippbilder.
Webadresse: psydok.sulb.uni-saarland.de/frontdoor.php? source_opus=2756&la=de
: S. 9)

Weitere Typen von Kippfi­guren

Ab­bil­dung 15

Ein wei­te­rer Ty­pus von Kipp­bil­dern, bei dem es um räum­li­che Tie­fe geht, sind Bil­der mit Schat­ten­in­di­ka­to­ren, die so­wohl auf kon­ve­xe als auch auf kon­ka­ve Wöl­bun­gen hin­wei­sen kön­nen (Abb. 15); in Lehr­bü­chern wird die­ser As­pekt von Schat­tie­rungs­wahr­neh­mung meist zu­guns­ten ver­meint­lich ein­deu­ti­ger Wöl­bungs­wahr­neh­mung in Ab­hän­gig­keit von der im­pli­zi­ten La­ge der Licht­quel­le (‘Licht von oben’ vs. ‘von un­ten’) ver­nach­läs­sigt (de­mon­striert durch Dre­hung des Bil­des um 180°); bereits die oben bzw. un­ten an­ge­deu­te­ten Schat­ten schlie­ßen in­des­sen ein Kip­pen zwi­schen konve­xem und konka­vem Eindruck nicht aus, dreht man die Demon­strations­beispie­le um 90°, verla­gert also das Hellig­keitsge­fälle auf eines zwischen rechter und linker Seite, so erleich­tert dies die Fluktu­ation der Sichtwei­sen. Unter natür­lichen Umstän­den tritt Wölbungs­ambi­valenz beispiels­weise im Hinblick auf die Segel entfern­ter Schiffe auf.[18]

Die Scheinbewegung, die man durch benach­barte, in schneller Abfol­ge aufleuch­tende bzw. verlö­schende Lämpchen erzeu­gen kann, ist bei geeig­neter Anord­nung – etwa bei acht in gleichem Abstand auf einer Kreisli­nie ange­ordne­ten Lämpchen, von denen jeweils 4 im schnellen Wechsel aufleuch­ten – ambi­valent hinsicht­lich der Richtung.

Bei statischen Bildern mit zweidi­mensio­nalen geomet­rischen Figu­ren kann ein Umsprin­gen der wahrge­nomme­nen Ausrich­tung eintre­ten. Die drei Richtun­gen etwa, auf welche die Spitzen eines gleichsei­tigen Dreiecks zeigen, kann man nicht zugleich sehen (bei hori­zonta­ler oder verti­kaler Ausrich­tung einer der Seiten tendiert man spontan dazu, die dieser jeweils gegen­über­liegen­de Spitze als richtungs­weisend wahrzu­nehmen; vgl. [Attneave 1971a]Attneave, Fred (1971): Multistability in Perception. Scientific American, 225, 6.
und [Wittgenstein 1990a]Wittgenstein, Ludwig (1990): Tractatus logico-philosophicus. Suhrkamp, Frankfurt/M.
Nicht angezeigt: Tagebücher 1914-1916; Philosophische Untersuchungen. [7. Aufl.]
).

Ab­bil­dung 16

Schließ­lich ord­nen sich Mus­ter beim Be­trach­ten in un­ste­ter Wei­se (Abb. 16, [Metzger 2008a]Metzger, Wolfgang (2008): Gesetze des Sehens. Klotz, Taunus.
Nicht angezeigt: 4. unveränd. Aufl., Repr. nach d. 3., völlig neu bearb. Aufl. 1975
& [Stadler & Kruse 1995a]Stadler, Michael & Kruse, Peter (1995): The Function of Meaning in Cognitive Order Formation. In: Kruse, P. & Stadler, M. (Hg.), Ambiguity in Mind and Nature. Multistable Cognitive Phenomena. Springer, Berlin.
); auch hier ge­hen meist Wech­sel der wahr­ge­nom­me­nen Grup­pie­rung mit sol­chen der wahr­ge­nom­me­nen Aus­rich­tung von Ele­men­ten des Mus­ters Hand in Hand.

Psychologische und neurowissen­schaftli­che Diskus­sion

It is especially phenomena of ambi­guity that make us think of percep­tion as ac­tively cre­ative. ([Gregory 2000a]Gregory, Richard L. (2000): Ambiguity of ‘Ambiguity’. Perception, 29.
Webadresse: www.richardgregory.org/papers/editorials/ambiguity-of-ambiguity.pdf
: S. 1141)

Für Psychologen sind Kippfiguren – ebenso wie Wahrneh­mungstäu­schungen – ein belieb­tes Mittel, um zu demon­strieren, dass Wahrneh­men nicht (vollends) von den äuße­ren Gege­benhei­ten, die auf die Sinnes­orga­ne einwir­ken, bestimmt ist. Wie die Subjek­tivi­tät im Fall der Kippfi­guren bei unver­änder­ten Gege­benhei­ten zu verschie­denen Ein­drücken kommt ist indes­sen bis heute unge­klärt.

Nicht einmal die Frage, ob es überhaupt sinn­voll ist, sich mit dem Phäno­men zu beschäf­tigen, ist unstrit­tig: Neben dem Hauptstrom der Forschung, in dem das Thema stets gegen­wärtig blieb, hielten Anhän­ger einer “öko­logisch” – sprich: an den natür­lichen Umstän­den des Wahrneh­mens – orien­tierten Forschung Distanz: Man habe es hier nicht mit poten­tiell beson­ders erhel­lenden Grenzfäl­len des Wahrneh­mens zu tun – wie bis heute von jenen, die Kippfi­guren unter­suchen, meist mehr oder minder aus­drücklich argu­mentiert wird –, sondern mit dena­turier­ten Vorga­ben einer lebens­fernen Labor­forschung.[19] Zu beto­nen, dass die meisten natür­lichen Wahrneh­mungssi­tuati­onen sich vom Betrach­ten von Kippbil­dern unter­scheiden, schließt indes­sen nicht aus, dass solche Bilder – ex nega­tivo – Prinzi­pien der Öko­logie des Wahrneh­mens verdeut­lichen können. Entspre­chend kann eine Forschungs­perspek­tive, die auf den Umwelt- und Handlungs­bezug des Wahrneh­mens orien­tiert ist, ihrer­seits das Verständ­nis von Kippbil­dern beför­dern ([Leopold & Logothetis 1999a]Leopold, David A. & Logothetis, Nikos K. (1999): Multistable Phenomena: Changing Views in Perception. Trends Cogn. Sci. (Regul. Ed.), 3.
).

Seit langem wird diskutiert, ob das Umschla­gen der Wahrneh­mung von einer Art Ermü­dung (“Sätti­gung”) in Nerven­netzen rühren könnte; da diesbe­züglich meist rela­tiv frühe Stufen der Reizver­arbei­tung unter Verdacht stehen, gilt die Sätti­gungsthe­orie auch als Bottom-up-Hypo­these. Dem steht die Vermu­tung gegen­über, dass nicht zuletzt Wissen und Aufmerk­samkeit, also (eher bewuss­te) menta­le Prozes­se, die den “Auto­matis­men” grundle­gender Modu­le des visu­ellen Systems nachge­lagert bzw. über­geord­net sind, eine wesent­liche Rolle spielen (Top-down-Hypo­thesen). Die im Laufe der Zeit ange­häuften empi­rischen Befun­de deuten, das sei einem Ausblick auf Metho­den und Ergeb­nisse der expe­rimen­tellen Erfor­schung von Kipp­phäno­menen voraus­geschickt, darauf hin, dass die Wahrheit jenseits dieser plaka­tiven (und zugleich unschar­fen) Entge­genset­zung liegt.

Für den Gestaltpsychologen Wolfgang Köhler war die Ermü­dungser­klärung Bestand­teil der These, Wahrneh­men über­haupt basie­re – ana­log zu in der Physik unter­suchten Erschei­nungen – auf anta­gonis­tischen Prozes­sen neuro­naler Selbst­orga­nisa­tion. Das Kippen gilt hier ganz ausdrück­lich als gene­relles Funktions­prinzip des Gehirns, welches bei stabi­len Wahrneh­mungen nur nicht zu Bewusst­sein komme. Diese Behaup­tung mag den Reiz eines Para­doxes haben, ist aber hinsicht­lich des namhaft gemach­ten allge­meinen Funktions­prinzips nicht mehr als eine meta­phorisch formu­lierte Vermu­tung; und ande­rerseits erscheint diese These nicht gera­de darauf ange­legt, die Besond­erheit von Wahrneh­mungspro­zessen, bei denen es zum Kippen kommt, zu erklä­ren. In diese Tradi­tion stellen sich neue­re Bemü­hungen multi­stabi­les Wahrneh­men im Rahmen des system­theore­tischen Zugangs der Syner­getik [Kruse & Stadler 1995a]Kruse, Peter & Stadler, Michael (Hg.) (1995): Ambiguity in Mind and Nature. Multistable Cognitive Phenomena. Springer, Berlin.
Nicht angezeigt: Papers originally presented at the International Symposium on Perceptual Multistability and Semantic Ambiguity held at the University of Bremen, Germany, March 22-25, 1993
als Schlüssel zum Verständ­nis des Wahrneh­mens zu nutzen. Wenn in diesem Sinn das Kippen als „heraus­ragen­des metho­dolo­gisches Fenster für das Messen der Dyna­mik des visu­ellen Systems“ ([Kruse et al. 1995a]Kruse, Peter; Strüber, Daniel & Stadler, Michael (1995): Significance of Perceptual Multistability for Research on Cognitive Self-organization. In: Kruse, P. & Stadler, M. (Hg.), Ambiguity in Mind and Nature. Multistable Cognitive Phenomena. Springer, Berlin.
: S. 71, Übersetzung: R. Schönhammer) ange­sprochen wird, bleibt es nicht aus, dass u.a. Ana­logien von Kippfi­guren und mathe­matischen Model­lierun­gen der Quanten­mecha­nik ins Feld geführt werden ([Caglioti 1995a]Caglioti, Giuseppe (1995): Perception of Ambiguous Figures: A Qualitative Model Based on Synergetics and Quantum Mechanics. In: Kruse, P. & Stadler, M. (Hg.), Ambiguity in Mind and Nature. Multistable Cognitive Phenomena. Springer, Berlin.
).

Untersuchungsmethoden

Bei experimentellen Untersuchungen zur Wahrneh­mung von Kippbil­dern wird in der Regel von den Versuchs­perso­nen verlangt, durch Drücken verschie­dener Knöpfe anzu­zeigen, welche Lesart der Vorla­ge ihnen momen­tan ins Auge springt. Auf diese Weise lassen sich der primä­re Eindruck sowie der Wechsel im weite­ren Verlauf (Fluktu­ation, jewei­lige Verweil­dauer) feststel­len. Dieses Verfah­ren setzt voraus, dass die Proban­den über das poten­tielle Kippen bzw. die mögli­chen Sichtwei­sen vorweg aufge­klärt wurden; sie sind also nicht völlig unbe­fangen. Entspre­chend vorin­formiert sind auch Versuchs­perso­nen, die auf einer Skala einschät­zen sollen, wie leicht ihnen diese oder jene Sichtwei­se fällt. Will man eine derar­tige Vorein­stellung vermei­den, ist man auf mündli­che Berich­te („Sagen Sie, was Sie sehen.“) ange­wiesen, die nicht so leicht statis­tisch ausge­wertet werden können.

Je nach spezifischer Frage­stellung sind die Versuchs­perso­nen frei, die jewei­ligen Vorla­gen ohne weite­ren Vorsatz auf sich wirken zu lassen, oder werden aufge­fordert, Sichtwei­sen möglichst zu halten oder im Gegen­teil möglichst oft wechseln zu lassen.

Das Betrachten erfolgt manchmal nur mit einem Auge, manchmal mit fixier­tem Kopf (z.B. Kinnauf­lage). Der Blick darf schweifen oder soll auf eine Markie­rung im Bild fixiert werden (wie eine Fixie­rung wirkt es auch, wenn die Bilder dem Tanz der freien Augen­bewe­gung nachge­führt werden oder wenn man das Kippen anhand von Nachbil­dern einer blitzlicht­arti­gen Präsen­tation auf der Netzhaut – Nachbil­der bewe­gen mit dem Auge mit – unter­sucht.)

Die Vorlagen werden ununter­brochen oder in verschie­denen Inter­vallen präsen­tiert.

Manchmal stehen die Bilder auf dem Kopf (etwa um zu prüfen, welche Rolle das Erken­nen von Bedeu­tung/​Lebe­wesen für die Zuord­nung einer Kontur spielt).

Manchmal spielen eindeutig gemachte (disam­biguier­te) Vari­anten von Kippbil­dern eine Rolle.

Das, was Versuchspersonen im Zusammen­hang des jewei­ligen Versuchs­aufbaus bewusst mittei­len (meist per Knopfdruck), wird in aufwen­dige­ren Studien mit Messun­gen von Augen­bewe­gungen (teils auch des even­tuell abge­deckten Auges) und Akkom­moda­tion, der Hirnströ­me (sogenannter ERPs: ereig­niskor­relier­ter Poten­tiale) oder loka­ler Durchblu­tungsdif­feren­zen abge­glichen.

Anhaltspunkte für die Erklärung (bzw. die neuro­nale Basis) multi­stabi­ler Wahrneh­mung erge­ben sich auch aus gewis­sen Paral­lelen zur bin­oku­lären Riva­lität (bietet man beiden Augen Ansich­ten, die nicht zur Deckung zu bringen sind, springt das Wahrneh­men zwischen beiden Sichten), deren neuro­nale Korre­late mit Elek­troden im Gehirn von Affen unter­sucht werden können.

Ergebnisse

Ab­bil­dung 17

Ein be­reits äl­te­rer For­schungs­be­fund mach­te die Sät­ti­gungs­the­o­rie zwei­fel­haft: Zeigt man Ver­suchs­per­so­nen, be­vor man ih­nen das Kipp­bild mit der jun­gen und der al­ten Frau prä­sen­tiert, ei­ne ein­deu­tig ge­mach­te Va­ri­an­te, die ent­we­der die “Ehe­frau” oder die “Schwie­ger­mut­ter” er­ken­nen lässt (Abb. 17), se­hen sie dann das Kipp­bild eher ent­spre­chend der je­wei­li­gen Prä­gung (nach [Attneave 1971a]Attneave, Fred (1971): Multistability in Perception. Scientific American, 225, 6.
und [Hochberg 1977a]Hochberg, Julian E. (1977): Wahrnehmung. Akademische Verlagsgesellschaft, Wiesbaden.
). Nach der Sätti­gungstheo­rie wäre das Gegen­teil zu erwar­ten. Dem steht u. a. der neue­re Befund gegen­über, dass im Falle eines rotie­renden Necker­würfels die Vorer­fahrung mit eindeu­tig gemach­ter Drehrich­tung nur dann auf die Auffas­sung der mehrdeu­tigen Vorla­ge durchschlägt, wenn das Priming, wie dieses Versuchs­design genannt wird, kurz gehal­ten war, während eine länge­re Vorweg­konfron­tation die gegen­teili­ge Wahrneh­mung beför­dert ([Pitts et al. 2008a]Pitts, Michael A.; Gavin, William J. & Nerger, Janice L. (2008): Early Top-down Influences on Bistable Perception Revealed by Event-related Potentials. Brain and Cognition, 67, 1.
).

Was empirische Bestätigungen von Top-down-Prozes­sen angeht, ist vielfach belegt, dass sich das Kippen zwar willkür­lich beein­flussen, indes­sen nicht völlig inten­tional kontrol­lieren lässt.

Die Wahrnehmung von Kippbildern, die Gesich­ter enthal­ten (beispiels­weise der Hasen-Enten-Kopf), ist leichter beein­flussbar – im Sinne von verzö­gertem oder beschleu­nigtem Wechsel – als die von Bildern mit doppel­deuti­ger Perspek­tive (z.B. der Necker-Würfel; [Stüber & Stadler 1999a]Strüber, Daniel & Stadler, Michael (1999): Differences in Top-down Influences on the Reversal Rate of Different Categories of Reversible Figures. Perception, 28.
).

Hirnstrommessungen lieferten in jünge­rer Zeit Indi­zien dafür, dass frühe Prozes­se im Hinter­hauptslap­pen des Gehirns durch Akti­vierun­gen in fronta­len und tempo­ralen Berei­chen des Gehirns, die mit Aufmerk­samkeit resp. Objekt­wissen in Verbin­dung gebracht werden, mitbe­stimmt werden (beispiels­weise [Pitts et al. 2008a]Pitts, Michael A.; Gavin, William J. & Nerger, Janice L. (2008): Early Top-down Influences on Bistable Perception Revealed by Event-related Potentials. Brain and Cognition, 67, 1.
).

Messungen im Affenhirn ([Logothetis 1998a]Logothetis, Nikos K. (1998): Single Units and Conscious Vision. Philos. Trans. R. Soc. Lond., B, Biol. Sci., 353, 1377.
) und EEG-Befun­de beim Menschen zeigen ([Britz et al. 2010a]Britz, Juliane; Pitts, Michael A. & Michel, Christoph M. (2010): Right Parietal Brain Activity Precedes Perceptual Alternation During Binocular Rivalry. Hum. Brain Mapping, 9, 32.
Webadresse: www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20690124
), dass bei bin­oku­lärer Riva­lität “späte” Modu­le (im Scheitel­lappen), die mit der räumli­chen Auswer­tung visu­eller Reize in Verbin­dung gebracht werden, eine heraus­geho­bene Rolle spielen; entspre­chende Akti­vierun­gen finden sich auch bei Kippfi­guren ([Britz et al. 2009a]Britz, Juliane; Landis, Theodor & Michel, Christoph M. (2009): Right Parietal Brain Activity Precedes Perceptual Alternation of Bistable Stimuli. Cereb. Cortex 19, 19, 1.
: S. 55–65).

Vergleicht man das EEG, das sich zeigt, wenn man vor den Augen der Versuchs­perso­nen den Wechsel zwischen eindeu­tig gemach­ten Vari­anten eines Bildes vollzieht, mit jenem, das mit echtem Kippen bei unver­änder­ter mehrdeu­tiger Vorla­ge einher­geht, so fehlt beim echten Kippen eine Kompo­nente, die als „Erlan­gen von Gewiss­heit“ inter­pretier­bar ist; gleichwohl scheint man das Kippen immer wieder als neue Gewiss­heit zu erle­ben, sich also nicht dessen bewusst zu sein, was das EEG bezeugt: dass man auf dem Sprung bleibt ([Kornmeier & Bach 2009a]Kornmeier, Jürgen & Bach, Michael (2009): Object Perception: When Our Brain Is Impressed but We Do Not Notice It. Journal of Vision, 9.
).

Zusammenhänge von Kippen und Augen­bewe­gungen sind eben­so nachge­wiesen, wie der Umstand, dass es zum Kippen auch dann kommt, wenn das Auge nicht über das Bild wandert.

Von Augenbewegung unabhängige Verla­gerun­gen der Aufmerk­samkeit (sog. ‘ver­deckte Aufmerk­samkeit’) modi­fizie­ren das Kippen. Der Zusam­menhang von Kippen mit inten­tiona­lem Suchver­halten mit und ohne Augen­bewe­gungen ist ein Indiz dafür, dass das Kippen auch jenseits bewuss­ter Absicht, als Art von Suchver­halten unter erschwer­ten Wahrneh­mungsbe­dingun­gen verstan­den werden kann (zusam­menfas­send [Leopold & Logothetis 1999a]Leopold, David A. & Logothetis, Nikos K. (1999): Multistable Phenomena: Changing Views in Perception. Trends Cogn. Sci. (Regul. Ed.), 3.
).

Springt beim einäugigen Betrachten eines Necker­würfels die Sichtwei­se um, ändert sich die Stellung des ver­deckten Auges, so wie das bei beid­äugi­gem Sehen gesche­hen würde, um bei einem tatsäch­lichen räumli­chen Gebil­de das Sehen von Doppel­bildern zu vermei­den (Vergenz­bewe­gung; [Enright 1987a]Enright, Jim T. (1987): Perspective Vergence: Oculomotor Responses to Line Drawings. Vision Research, 27.
).

Kurze Unterbrechungen der Reizpräsen­tation (bis zu 400 ms) fördern ein Kippen, länge­re Pausen redu­zieren es drastisch; welche der beiden konkur­rieren­den Deutun­gen dadurch gestützt wird ist strittig ([Kornmeier et al. 2009a]Kornmeier, Jürgen; Hein, Christine Maira & Bach, Michael (2009): Multistable Perception: When Bottom-up and Top-down Coincide. Brain and Cognition, 69.
).

Ungeachtet der offenen Fragen ange­sichts der hier schlaglicht­artig ange­deute­ten komple­xen Befund­lage kann man festhal­ten, dass Kippbil­der wohl eher durch Deutun­gen zu erhel­len sind, welche beden­ken, wie sich diese Situ­atio­nen zum prinzi­piellen Handlungs- bzw. Umwelt­bezug des Wahrneh­mens verhal­ten, als durch losge­löste Model­le der Selbst­orga­nisa­tion bzw. Ana­logien zu physi­kali­schen Phäno­menen.


Philosophische Diskussion

Spätestens mit Wittgensteins Beispiel des Hasen-Enten-Kopfs (H-E-Kopf) hat das Kippbild Eingang in den philo­sophi­schen Diskurs gefun­den (vgl. nochmals Abb. 7 oben). Wittgenstein Interesse für das Kippbild rührt aus seiner Frage­stellung zur unter­schiedli­chen Verwen­dungswei­sen des Ausdrucks ‘sehen’ her (vgl. [Glock 2000a]Glock, Hanjo (2000): Aspektwahrnehmung. In: Glock, H. (Hg.), Wittgenstein-Lexikon. WBG, Darmstadt.
und [Rager 1997a]Rager, Dietmar (1997): Aspekte Sehen. In: Steinbrenner, J. & Winko, U. (Hg.), Bilder in der Philosophie & in anderen Künsten & Wissenschaf­ten. Schöningh, Paderborn.
). So unter­scheiden wir das gewöhn­liche »Sehen-von« vom »Sehen-als«. Beispiels­weise lässt sich das gewöhn­liche Sehen einer Wolke vom Sehen einer Wolke als Schaf unter­scheiden. Eine andere Art von Unter­scheidung liegt im Falle des H-E-Kopfes vor, wenn man ihn entwe­der als Hasen­bild oder als Enten­bild sieht. Wittgen­stein spricht in diesem Fall von ‘Aspekt­sehen’ oder ‘Aspekt­wechsel’. Die Frage, die ihn dabei u.a. inte­ressiert, lautet, ob der Aspekt­wechsel jeweils mit einem Wechsel eines Wahrneh­mungser­lebnis­ses einher­geht und dieser Wahrneh­mungser­lebnis­wechsel erklä­ren kann, warum wir eben das eine mal einen Hasen und das ander­mal eine Ente sehen. Klar scheint ja erst einmal zu sein, dass wir beim Betrach­ten des H-E-Kopfs in gewis­ser Hinsicht jedes Mal das Gleiche wahrneh­men oder sehen, egal ob uns entwe­der gera­de der Aspekt des Hasen- oder des Enten­vkopfs “aufleuch­tet”.

Nach Wittgen­stein kann uns hier die Gestalt­theorie nicht weiter helfen, der zufol­ge wir beim Sehen des Hasen- bzw. des Enten­kopfes jeweils unter­schiedli­che Gestal­ten wahrneh­men würden (vgl. [Glock 2000a]Glock, Hanjo (2000): Aspektwahrnehmung. In: Glock, H. (Hg.), Wittgenstein-Lexikon. WBG, Darmstadt.
: S. 43 und [Krkac 2010a]Krkac, Kristijan (2010): Wittgensteins’s Dubbit III. Wittgenstein-Studien, 1.
). Denn die Gestalt ist jedes Mal diesel­be, der Unter­schied liegt allein in unse­rem Seher­lebnis, das das eine Mal im Sehen eines Hasen­bildes und das andere Mal im Sehen eines Enten­bildes besteht. Vor ähnli­chen Proble­men wie der Gestalt­theore­tiker steht der Reprä­senta­tiona­list, der behaup­tet, dass unse­re Wahrneh­mung in einem inne­ren Bild des wahrge­nomme­nen Gegen­standes besteht. Auch für ihn gilt, dass er nur schwerlich leugnen kann, dass das Hasen- oder Enten­bild - also der jewei­lige Aspekt, den der Betrach­ter wahrnimmt - erst einmal auf der gleichen Reprä­senta­tion beru­hen muss (nämlich in beiden Fällen auf einer, die auf der Umriss­form des H-E-Kopfes beruht). Wie aber kann der Reprä­senta­tiona­list die unter­schiedli­chen Wahrneh­mungser­lebnis­se erklä­ren?

Der Repräsentationalist wird auf diese Frage ohne Zusatz­annah­men keine befrie­digen­de Antwort geben können (vgl. [Macpherson 1996a]Macpherson, Fiona (1996): Ambiguous Figures and the Content of Experience. Nous, 40, 1.
Notiz: 2006
).[20] Nach Wittgen­stein kann weder die Gestalt­theorie noch der Reprä­senta­tiona­lismus eine Erklä­rung für das Aspekt­sehen anbie­ten. Wittgen­steins eige­ne Lösung besteht darin, das »Sehen-als« nicht als eine reine Form der Wahrneh­mung zu betrach­ten ([Wittgenstein 1971a]Wittgenstein, Ludwig (1971): Philosophische Untersuchungen. Suhrkamp, Frankfurt/M.
: S. 524):

Das ‘Sehen-als …’ gehört nicht zur Wahrneh­mung. Und darum ist es wie ein Sehen und wieder nicht ein Sehen.

Das Aufleuchten des Aspekts ist nach Wittgen­stein „halb Seher­lebnis, halb ein Denken“ (ebd. S. 524). Zum Aspekt­sehen muss also eine kogni­tive Leistung treten, die über eine bloße Wahrneh­mungsleis­tung hinaus­geht (vgl. [Glock 2000a]Glock, Hanjo (2000): Aspektwahrnehmung. In: Glock, H. (Hg.), Wittgenstein-Lexikon. WBG, Darmstadt.
: S. 44f.). Aspekt­sehen ist für Wittgen­stein demnach eine kogni­tive Fähig­keit und das Fehlen dieser Fähig­keit, die Aspekt­blindheit, ist für ihn vergleich­bar mit der Farben­blindheit oder „dem Mangel des musi­kali­schen Gehörs“ ([Wittgenstein 1971a]Wittgenstein, Ludwig (1971): Philosophische Untersuchungen. Suhrkamp, Frankfurt/M.
: S. 552). Die Aspekt­blindheit zeigt sich nicht in dem Fehlen bestimm­ter Wahrneh­mungen, sondern in der Unfä­higkeit, kogni­tiv auf bestimm­te Fragen zu reagie­ren. Anders gesagt: die Fähig­keit, Aspek­te zu sehen, zeigt sich in bestimm­ten sprachli­chen Reakti­onen, etwa ‘jetzt sehe ich’s’. Dieser Ausdruck, mit dem ich mein Erleb­nis des Aspekt­wechsles mittei­le, ist zumin­dest in einer Hinsicht vergleich­bar mit dem Schrei, der meinen Schmerz anzeigt. Beide bezie­hen sich nicht auf menta­le Gegen­stände (“inne­re Bilder”), sondern sind Ausdruck eines Erleb­nisses.

Innerhalb der Bildwissenschaften hat sich an prominen­ter Stelle Ernst Gombrich auf Wittgen­steins Über­legun­gen bezo­gen ([Gombrich 1977a]Gombrich, Ernst H. (1977): Kunst und Illusion. Zur Psychologie der bildlichen Darstellung. Belser, Stuttgart.
: S. 21). Für Gombrich ist Wittgen­steins Ausein­ander­setzung mit Kippbil­dern deshalb von Bedeu­tung, weil nach Gombrich auch beim Betrach­ten von Bildern eine Art von Aspekt­wechsel stattfin­det, wenn wir nämlich zwischen der Illu­sion des Sehens des Bildraums oder des Bild­sujets und dem bloßen Sehens des Bildträ­gers hin- und herwech­seln. So wüssten wir zwar, dass wir in Wirklich­keit einen zweidi­mensio­nalen Gegen­stand sehen, auch wenn wir die Illu­sion haben, einen dreidi­mensio­nalen zu sehen. Gombrich vergleicht dieses Phäno­men mit dem Aspekt­wechsel beim Hasen-Enten-Kopf.

Richard Wollheim weist in diesem Zusammen­hang zu Recht darauf hin, dass dieser Vergleich fehlge­leitet ist: Beim H-E-Kopf wechseln wir nicht zwischen dem Sehen des H-E-Kopfs und dem Bildträ­ger, sondern zwischen zwei Bildin­halten ([Wollheim 1982a]Wollheim, Richard (1982): Sehen-als, sehen-in und bildliche Darstellung. In: Wollheim, R. (Hg.), Objekte der Kunst. Suhrkamp, Frankfurt/M.
Nicht angezeigt: übersetzt von Looser, Max
: S. 199). Wollheims Kritik weist darauf hin, dass wir zwei Fälle bei Bildern unter­scheiden sollten. Auf der einen Seite können wir zwischen dem Bildin­halt und dem Bildträ­ger unter­scheiden und auf der anderen Seite zwischen zwei Bildin­halten eines Bildträ­gers. Nur im letzten Fall liegt nach Wollheim ein echter Aspekt­wechsel vor. Dies wird auch darin deutlich, dass wir bei echten Aspekt­wechsel nicht gleichzei­tig beide Aspek­te wahrneh­men können, während dies bei Bildern kein Problem und nach Wollheim sogar die Voraus­setzung für das Sehen von Bildern ist. Bei Bildern müssen wir nach Wollheim gleichzei­tig Bildträ­ger und Bildin­halt wahrneh­men („twofold­ness“). Wollheim unter­scheidet in dieser Hinsicht das »Sehen-in« (hier liegt ein zweiheit­liches Sehen vor) vom »Sehen-als« (einer Art des Aspekt­sehens). Wichtig in diesem Zusammen­hang ist für Wollheim die Loka­litäts­bedin­gung: beim »Sehen-als« können wir immer auf die Stelle hinwei­sen, die Ursa­che für die beiden Aspekte ist (z.B. beim H-E-Kopf die Löffel bzw. der Schnabel). Gleiches ist beim »Sehen-in« nicht notwen­diger­weise möglich.

Wollheims Auffassung wird u.a. von Dominic Lopes kriti­siert. Seine Gegen­beispie­le sind Trompe l'œil-Bilder, bei denen es uns zuwei­len nicht möglich ist, den Bildträ­ger zu sehen, und gegen­standslo­se Bilder, die keinen Bildin­halt besit­zen ([Lopes 1996a]Lopes, Dominic (1996): Understanding Pictures. Claredon Press, Oxford.
: § 2.3). Gegen Lopes lässt sich einwen­den, dass eine Person, der es im Fall eines Trompe l'œils-Gemäl­des nicht gelingt, den Bildträ­ger zu sehen, eben nicht das Gemäl­de als Bild sieht, sondern nur vermeint­lich den darge­stellten Gegen­stand (⊳ Dezep­tiver und immer­siver Modus). Dies trifft auch für den Fall zu, dass die Person selbst weiß, dass sie nicht den Gegen­stand selbst sieht. Es handelt sich in diesem Fall also um eine opti­sche Täuschung vergleich­bar mit der Müller-Lyer-Täuschung, bei der die Linien auch dann dem Betrachter unter­schiedlich lang erschei­nen können, wenn er weiß, dass sie gleich lang sind. Eine Illu­sion dieser Art liegt aber beim Sehen von Bildern nicht vor. Vielmehr gehört es zum Sehen von Bildern dazu (twofold­ness!), dass wir gleichzei­tig den Bildträ­ger und das Bildsujet sehen. Im Fall von gegen­standslo­sen Bildern kann auf Lopes entgeg­net werden, dass auch bei diesen ein zweiheit­liches Sehen vorliegt, nämlich zum einen das Sehen des zweidi­mensio­nalen Bildträ­gers und des vermeint­lichen dreidi­mensio­nalen Bildraums.

Anmerkungen
  1. ↑ Rai­ner Schön­ham­mer hat die von ihm 2011 ver­fass­ten Ab­schnit­te die­ses Stich­worts (Ein­lei­tung, «Phä­no­me­no­lo­gie (Ein­gren­zung und Va­ri­an­ten)» und «Psy­cho­lo­gi­sche und neu­ro­wis­sen­schaft­li­che Dis­kus­si­on») pa­ral­lel im Mai 2011 auf der Web­site von «Psy­Dok» (Voll­text­ser­ver der Vir­tu­el­len Fach­bib­li­o­thek Psy­cho­lo­gie) pub­li­ziert, um sie als Stel­lung­nah­me zu fi­xie­ren: Ei­ni­ge Pas­sa­gen in die­sem Glos­sar­ein­trag hat er aus­drück­lich als Zi­ta­te der ge­nann­ten Pu­bli­ka­ti­on ge­kenn­zeich­net ([Schönhammer 2011a]Schönhammer, Rainer (2011): Stichwort: Kippbilder.
    Webadresse: psydok.sulb.uni-saarland.de/frontdoor.php? source_opus=2756&la=de
    ).
  2. ↑ So bei [Rock 1985a]Rock, Irvin (1985): Wahrnehmung. Vom visuellen Reiz zum Sehen u. Erkennen. Spektrum-der-Wissenschaft-Verlag, Heidelberg.
    , an dem sich vie­le Au­to­ren ori­en­tie­ren ([Nänni 2008a]Nänni, Jürg (2008): Visuelle Wahrnehmung. Niggli, Sulgen.
    Webadresse: www.worldcat.org/oclc/254718373
    Nicht angezeigt: 1. Aufl.
    ).
  3. ↑ [Hofmann 2000a]Hoffman, Donald D. (2000): Visuelle Intelligenz. Wie die Welt im Kopf entsteht. Klett-Cotta, Stuttgart.
    , [Piccolino & Wade 2006a]Piccolino, Marco & Wade, Nicholas J. (2006): Flagging Early Examples of Ambiguity (1). Perception, 35, 7.
    so­wie [Sander 1962a]Sander, Friedrich (1962): Experimentelle Ergebnisse der Gestaltpsychologie. In: Sander, F. & Volkelt, H. (Hg.), Ganzheitspsychologie. Grundlagen, Ergebnisse, Anwendungen: Gesammelte Abhandlungen. C.H. Beck, München.
    nen­nen Bei­spie­le aus dem spä­ten 18. und dem frü­hen 19. Jh.
  4. ↑ in Stu­dien, die er zwi­schen 1912 und 1914 bei G. E. Mül­ler in Göt­tin­gen durch­führ­te und 1915 in Buch­form pu­bli­zier­te (2. Aufl. 1921)
  5. ↑ Oder – als drit­te Mög­lich­keit – die Li­nie als Kör­per (oder kör­per­li­che Leer­stel­le); al­so et­wa ei­nen Fa­den/​ei­ne Schlan­ge auf/​vor dem Grund bzw. ei­ne Rit­ze in ei­ner Flä­che.
  6. ↑ Nur aus­nahms­wei­se wird das in der For­schungs­li­te­ra­tur re­flek­tiert (wie bei [Stoesz 2008a]Stoesz, Brenda Marie (2008): The Role of Selective Attention in Perceptual Switching.
    Webadresse: mspace.lib.umanitoba.ca/bitstream/1993/3083/1/BStoesz - MA thesis 2008 revisions.pdf
    Nicht angezeigt: Master of Arts Thesis, zuletzt geprüft am 17.03.2011
    , die Kipp­fi­gu­ren im Hin­blick auf die Be­son­der­hei­ten der Ge­sichts­wahr­neh­mung bei au­tis­ti­schen Kin­dern un­ter­suchte).
  7. ↑ Zah­len zur Iden­ti­fi­ka­ti­on auf den ers­ten Blick bei [Brugger & Brugger 1993a]Brugger, Peter & Brugger, Susanne (1993): The Easterbunny in October: Is It Disguised as a Duck. Perceptual and Motor Skills, 2, 76.
    ; [Brugger 1999a]Brugger, Peter (1999): One Hundred Years of an Ambiguous Figure: Happy Birthday, Duck/​Rabbit. Perceptual and Motor Skills, 3 Pt 1, 89.
    hat wei­ter Pro­ban­den bei 12 im Um­lauf be­find­li­chen Va­ri­an­ten des Bil­des auf ei­ner Ska­la ein­schät­zen las­sen, wie leicht sie En­te (bzw. ei­nen Vo­gel) oder Ha­sen se­hen kön­nen.
  8. ↑ Ur­sprüng­lich ein­ge­führt als «my wife and my mother in law»; die­se Kon­struk­ti­on wur­de auch mit männ­li­chen Zü­gen/​At­tri­bu­ten re­a­li­siert.
  9. ↑ Va­ri­an­ten u.a. mit Um­kehr von hell und dun­kel fin­den sich dort auf den Sei­ten 140f.
  10. ↑ Bei­spie­le et­wa bei [Haken 1995a]Haken, Hermann (1995): Some Basic Concepts of Synergetics with Respect of Multistability in Perception, Phase Transmissions and Formation of Meaning. In: Kruse, P. & Stadler, M. (Hg.), Ambiguity in Mind and Nature. Multistable Cognitive Phenomena. Springer, Berlin.
    : S. 40; [Ditzinger 2006a]Ditzinger, Thomas (2006): Illusionen des Sehens. Eine Reise in die Welt der visuellen Wahrnehmung. Elsevier, Spektrum, Akad. Verl., München, Heidelberg.
    Nicht angezeigt: 1. Aufl.
    : S. 92; und – oft oh­ne Quel­len­an­ga­ben – bei Hob­by­samm­lern im In­ter­net.
  11. ↑ Zum si­mul­ta­nen Se­hen von Ele­men­ten und Por­trait bei Ar­cim­bol­do vgl. [Niederée & Heyer 2003a]Niederée, Reinhard & Heyer, Dieter (2003): The Dual Nature of Picture Perception: A Challenge to Current General Accounts of Visual Perception. In: Hecht, H.; Schwartz, R. & Atherton, M. (Hg.), Looking into Pictures. An Interdisciplinary Approach to Pictorial Space. MIT Press, Cambridge, Mass.
    : S. 98)
  12. ↑ Un­ge­ach­tet der Tat­sa­che, dass die Pa­ral­le­li­tät der per­spek­ti­vi­schen Ver­zer­rung, die bei ei­nem in die Tie­fe ge­neig­ten Recht­eck auf­trä­te, wi­der­spricht.
  13. ↑ Wenn man den Blick ins Un­end­li­che rich­tet, al­so durch die Draht­plas­tik hin­durch­starrt, führt auch das Se­hen mit bei­den Au­gen re­la­tiv si­cher zum Er­folg.
  14. ↑ Be­wegt sich um­ge­kehrt der Be­trach­ter ge­gen­über dem un­be­weg­ten Wür­fel, so scheint die Plas­tik wäh­rend der il­lu­so­ri­schen Sicht­wei­se – ma­gisch – der Be­we­gung des Be­trach­ters zu fol­gen.
  15. ↑ Wi­der­sprüch­li­che Tie­fen-/​Rich­tungs­hin­wei­se in der Ani­ma­ti­on be­nen­nen [Troje & McAdam 2010a]Troje, N. F. & McAdam, M. (2010): The Viewing-from-above Bias and the Silhouette Illusion. i-Perception, 1, 3.
    Webadresse: i-perception.perceptionweb.com/fulltext/i01/i0408.pdf
    .
  16. ↑ In na­tür­li­chen Si­tu­a­ti­o­nen tre­ten ver­gleich­ba­re Mehr­deu­tig­kei­ten nur un­ter ein­ge­schränk­ten Sicht­be­din­gun­gen auf: et­wa bei der Be­trach­tung weit ent­fern­ter Ob­jek­te/​Sze­nen. Aus der Nä­he sor­gen in al­ler Re­gel Tie­fen­in­for­ma­ti­o­nen – ob sie sich nun dem beid­äu­gi­gen Se­hen oder klei­nen Po­si­ti­ons­wech­seln des Be­trach­ters ver­dan­ken – für Ein­deu­tig­keit.
  17. ↑ Das gilt für den iso­lier­ten Kopf. Um­fasst die Plas­tik auch ei­nen Kör­per, kann die­ser die Dop­pel­deu­tig­keit un­ter­stüt­zen oder ihr ent­ge­gen ge­rich­tet sein; bei der Klein­plas­tik, die in [Gregory 1997a]Gregory, Richard L. (1997): Eye and Brain. The Psychology of Seeing. Princeton University Press, Princeton, N.J.
    Nicht angezeigt: 5. Aufl.
    ab­ge­bil­det ist, kann un­ter­schied­li­che Auf­stel­lung das Se­hen als Ha­se oder En­te for­cie­ren, weil der Kör­per je nach Auf­stel­lung ein­deu­tig zur je­wei­li­gen Aus­rich­tung des Kop­fes passt.
  18. ↑ [Wade et al. 2010a]Wade, Nicholas J.; Campbel, Robin N.; Ross, Helen E. & Lingelbach, Bernd (2010): Necker in Scotch Perspective. Perception, 39.
    wei­sen auf ei­ne ent­spre­chen­de Be­ob­ach­tung von Pto­le­mäus hin.
  19. ↑ Sie­he die Kri­tik von [Kanizsa & Luccio 1995a]Kanizsa, Gaetano & Luccio, Riccardo (1995): Multistability as a Research Tool in Experimental Phenomenology. In: Kruse, P. & Stadler, M. (Hg.), Ambiguity in Mind and Nature. Multistable Cognitive Phenomena. Springer, Berlin.
    so­wie [Kruse et al. 1995a]Kruse, Peter; Strüber, Daniel & Stadler, Michael (1995): Significance of Perceptual Multistability for Research on Cognitive Self-organization. In: Kruse, P. & Stadler, M. (Hg.), Ambiguity in Mind and Nature. Multistable Cognitive Phenomena. Springer, Berlin.
    an der Po­si­ti­on von [Gibson 1982a]Gibson, James Jerome (1982): Wahrnehmung und Umwelt. Der ökologische Ansatz in der visuellen Wahrnehmung. Urban & Schwarzenberg, München, Wien u.a.
    .
  20. ↑ Sie­he auch oben Bot­tom-up- und Top-down-Hy­po­the­sen.
Literatur
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Ausgabe 1: 2013

Zitierhinweis:

Schönhammer, Rainer & Steinbrenner, Jakob (2013). Kippbild. (Ausg. 1). In: Schirra, J.R.J.; Halawa, M. & Liebsch, D. (Hg.), Glossar der Bildphilosophie. (2012-2026). [bildglossar.org/index.php?title=Kippbild].