Syntaktisch unkorrekte Bilder: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Glossar der Bildphilosophie
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Joerg R.J. Schirra (Diskussion | Beiträge)
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==Kann es bei Bildern syntaktische Fehler geben?==
Der Begriff der syntaktischen Korrekt&shy;heit ist zunächst in seinem sprachli&shy;chen Anwen&shy;dungsfall vertraut:
* Beispiel 1: ‘colorless green ideas sleep furiously’;
* Beispiel 2: ‘sleep ideas green furiously color&shy;less’.
Der Unterschied zwischen einem syntak&shy;tisch wohlge&shy;formten ''Satz'' einer&shy;seits (s. Beispiel 1), mag er Bedeu&shy;tung haben und praktisch verwend&shy;bar sein oder nicht, und einer syntak&shy;tisch nicht korrek&shy;ten Folge von ''Wörtern''<ref>Tat&shy;säch&shy;lich ist bei Bei&shy;spiel 2 kei&shy;nes&shy;wegs klar, dass die ver&shy;wen&shy;de&shy;ten En&shy;ti&shy;tä&shy;ten tat&shy;säch&shy;lich als Wör&shy;ter ge&shy;se&shy;hen wer&shy;den soll&shy;ten oder nicht viel&shy;mehr als blo&shy;ße Buch&shy;sta&shy;ben&shy;fol&shy;gen; vgl. et&shy;wa <bib id='Ros 1979a'></bib>: S. 174f.</ref> ande&shy;rerseits (s. Beispiel 2) ist für jeden, der Grundkennt&shy;nisse der engli&shy;schen Sprache hat, evi&shy;dent (<bib id='Chomsky 1957a'></bib>: S. 15). Das histo&shy;rische Beispiel bezieht sich zwar nur auf die engli&shy;sche Sprache, doch gilt durchaus, dass Sprache gene&shy;rell – im Sinne von ‘la langue’ – aus der Mannig&shy;faltig&shy;keit der mögli&shy;chen Folgen syntak&shy;tischer Ele&shy;mente nur einen kleinen Teil als wohlge&shy;formte [[Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem|Zeichen&shy;träger]] klassi&shy;fiziert und von syntak&shy;tisch unkor&shy;rekten Kombi&shy;natio&shy;nen abgrenzt. Syntak&shy;tische Wohlge&shy;formtheit unter&shy;scheiden zu können soll, so Chomsky, in der Sprachkom&shy;petenz selbst begrün&shy;det liegen.
:
Kann man mit Erfolg für eine ana&shy;loge Unter&shy;scheidung bei Bildern argu&shy;mentie&shy;ren? Hierbei ist zunächst einmal zu beach&shy;ten, dass es bei dieser Frage letztlich stets weni&shy;ger um Bilder (im eigent&shy;lichen, d.h. vollen Wort&shy;sinn) als um poten&shy;tielle Bildträ&shy;ger geht: Der Ausdruck ‘Bild’ ist besten&shy;falls unge&shy;nau (und schlimmsten&shy;falls schlicht verkehrt), wenn pragma&shy;tische und seman&shy;tische Gesichts&shy;punkte expli&shy;zit außer Acht gelas&shy;sen werden sollen.
:
Auf den ersten Blick scheint es tatsäch&shy;lich keine vergleich&shy;bare, also nur auf die Struktur des (poten&shy;tiellen) Bildträ&shy;gers bezo&shy;gene Klassi&shy;fika&shy;tion zu geben (cf. <bib id='Langer 1984a'></bib>). Eine räumli&shy;che Umord&shy;nung syntak&shy;tischer (oder morpho&shy;logi&shy;scher) Ele&shy;mente allein, dem Sprachbei&shy;spiel nachemp&shy;funden, genügt offen&shy;sichtlich nicht:<ref>Man stel&shy;le sich et&shy;wa vor, zwei be&shy;lie&shy;bi&shy;ge gleich gro&shy;ße und gleich ge&shy;form&shy;te Be&shy;rei&shy;che ei&shy;nes Bil&shy;des wer&shy;den aus&shy;ge&shy;tauscht.</ref> Das Ergeb&shy;nis wird nach wie vor ein akzep&shy;tabler Bildträ&shy;ger sein – wovon sich im Übri&shy;gen jeder an einem compu&shy;terge&shy;stützten Bildbe&shy;arbei&shy;tungssys&shy;tem selbst leicht über&shy;zeugen kann.<ref>Da bei Be&shy;trach&shy;tung der syn&shy;tak&shy;ti&shy;schen Wohl&shy;ge&shy;formt&shy;heit se&shy;man&shy;ti&shy;sche und prag&shy;ma&shy;ti&shy;sche As&shy;pek&shy;te aus&shy;drück&shy;lich nicht be&shy;rück&shy;sich&shy;tigt wer&shy;den, spielt es kei&shy;ne Rol&shy;le, wenn sich für den ent&shy;ste&shy;hen&shy;den Bild&shy;trä&shy;ger kei&shy;ne sinn&shy;voll er&shy;schei&shy;nen&shy;den se&shy;man&shy;ti&shy;schen oder prag&shy;ma&shy;ti&shy;schen Zu&shy;sam&shy;men&shy;hän&shy;ge auf&shy;drän&shy;gen. For&shy;mal er&shy;füllt die Neu&shy;kom&shy;bi&shy;na&shy;ti&shy;on al&shy;les, was von ei&shy;nem Bild&shy;trä&shy;ger er&shy;war&shy;tet wird, ganz im Ge&shy;gen&shy;satz zu der Um&shy;ord&shy;nung der Wör&shy;ter im sprach&shy;li&shy;chen Bei&shy;spiel.</ref> Zwar gilt für bestimm&shy;te Teilklas&shy;sen von Bildern, d.h. gewis&shy;se bildhaf&shy;te [[Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem|Zeichen&shy;syste&shy;me]], die nur einen kleinen Teil aller mögli&shy;chen Bildträ&shy;ger umfas&shy;sen, durchaus, dass sich die zuge&shy;höri&shy;gen Zeichen&shy;träger nach sprachar&shy;tigen syntak&shy;tischen Regeln in wohlge&shy;formte und nicht-&#8203;wohlge&shy;formte unter&shy;teilen lassen – das System der techni&shy;schen Zeichnun&shy;gen mag als Beispiel dienen. Doch lässt sich hier nicht ohne Weite&shy;res sehen, wie dieser Regel&shy;bezug auf Bilder ganz allge&shy;mein über&shy;tragen und damit in der Bildkom&shy;petenz selbst begrün&shy;det werden könnte (<bib id='Plümacher 1999a'>Plüma&shy;cher 1999a</bib>).
:
Das vermutete Fehlen eines echten Krite&shy;riums syntak&shy;tischer Wohlge&shy;formtheit steht dabei in engem Zusam&shy;menhang mit dem oft behaup&shy;teten Fehlen eines bildhaf&shy;ten Alpha&shy;bets (⊳ [[Bildgrammatik|Bildgram&shy;matik]]): Während für sprachli&shy;che Zeichen&shy;syste&shy;me stets gilt, dass eine echte Teilmen&shy;ge der prinzi&shy;piell mögli&shy;chen Phone&shy;me oder Graphe&shy;me als Baustei&shy;ne komple&shy;xer Zeichen verwen&shy;det werden, scheint sich kein entspre&shy;chendes beschränk&shy;tes graphi&shy;sches Alpha&shy;bet ange&shy;ben zu lassen, das Bildern ganz allge&shy;mein zugrun&shy;de läge (<bib id='Sachs-Hombach 1999a'>Sachs-&#8203;Hombach 1999a</bib>). Da das Fehlen eines Alpha&shy;bets auch die kombi&shy;nato&shy;rischen Regeln des korrek&shy;ten Zusam&shy;menset&shy;zens obso&shy;let macht, die syntak&shy;tische Wohlge&shy;formtheit bei Sprache aber auf den jewei&shy;ligen Kombi&shy;nations&shy;regeln für komple&shy;xe Zeichen aus den Basis&shy;ele&shy;menten des betrach&shy;teten Alpha&shy;bets beruht, folgt nun, dass sich für Bilder kein entspre&shy;chendes Krite&shy;rium bilden ließe.
:
Zur genaueren Behandlung der Frage, ob es syntak&shy;tisch unkor&shy;rekte Bilder geben kann, hat sich die Unter&shy;scheidung zwischen der [[Bildmorphologie|geomet&shy;rischen Basis&shy;struktur und den visu&shy;ellen Marker&shy;dimen&shy;sionen]] als hilfreich heraus&shy;gestellt.


<!--Ab hier: eigentlicher Inhalt; Überschriften gegebenenfalls anpassen-->
=====Darstellung des gr. Zusammenhangs=====


<!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen-->
==Echte syntaktische Fehler: Störun&shy;gen im geo&shy;metri&shy;schen Grund&shy;gefü&shy;ge==
<!--Anmerkung zwischen <ref> und </ref> im laufenden Text-->
In der Tat führen ja alle Änderun&shy;gen sowohl an der Menge und Auswahl der vorhan&shy;denen geome&shy;trischen Ele&shy;mente und ihrer Anord&shy;nung, wie auch an der Zuord&shy;nung visuell unter&shy;scheidba&shy;rer Markie&shy;rungen der geome&shy;trischen Teile immer nur zu ande&shy;ren Bildträ&shy;gern, von denen sich ledig&shy;lich sagen lässt, dass sie hinsicht&shy;lich bestimm&shy;ter [[Bildpragmatik|bildprag&shy;mati&shy;scher]] Funkti&shy;onen besser oder schlechter zu gebrau&shy;chen sind, nicht aber, dass sie syntak&shy;tisch unkor&shy;rekt, also allein wegen gewis&shy;ser Eigen&shy;heiten des ''[[Material|Mate&shy;rials]]'' keine richti&shy;gen Bilder wären. Wie im Begriff der [[syntaktische Dichte|syntak&shy;tischen Dichte]] gefasst, führen bei Bildern im Prinzip belie&shy;big kleine Verän&shy;derun&shy;gen am Zeichen&shy;träger zu ande&shy;ren Bildern: Daraus folgt, dass auch jede Folge solcher mini&shy;malen Verän&shy;derun&shy;gen eben&shy;falls wieder zu einem Bild führt. Es kann mithin keine durch Verschie&shy;ben oder Austau&shy;schen von Gebie&shy;ten erzeug&shy;bare Verän&shy;derung einer Bildflä&shy;che geben, die nicht wiede&shy;rum zu einer syntak&shy;tisch akzep&shy;tablen Bildflä&shy;che führt.
<!--Literaturverweise im laufenden Text <bib id='Jonas 61a'>Jonas 1961</bib> -->
:
<!--  ... id im Literaturverzeichnis nachsehen, gegebenenfalls neu einfügen -->
[[Datei:russian1.jpg|thumb|Ab&shy;bil&shy;dung 1: Ein syn&shy;tak&shy;tisch un&shy;kor&shy;rek&shy;tes Bild?
<!--  ... (siehe Link "Sammlung" in Bibliographie-Box -->
(A. E. Ark&shy;hi&shy;pov: «Bau&shy;ern&shy;mäd&shy;chen» (1920er), mit ei&shy;nem Riss des Bild&shy;trä&shy;gers)]]
<!-- Bilder als thumbs einsetzen, Muster: [[Datei:Beispiel.png|thumb|Bildtitel]] -->
Al&shy;ler&shy;dings gibt es durch&shy;aus ganz all&shy;täg&shy;li&shy;che Hand&shy;lun&shy;gen an ei&shy;nem Bild&shy;trä&shy;ger, die ganz un&shy;mit&shy;tel&shy;bar sei&shy;ne Bild&shy;trä&shy;ger&shy;funk&shy;ti&shy;on von Grund auf be&shy;ein&shy;träch&shy;ti&shy;gen: näm&shy;lich das Durch&shy;lö&shy;chern oder teil&shy;wei&shy;se Zer&shy;schnei&shy;den oder Zer&shy;rei&shy;ßen des Pa&shy;piers, der Lein&shy;wand etc. und ähn&shy;li&shy;che Be&shy;schä&shy;di&shy;gun&shy;gen. Ein Ge&shy;mäl&shy;de (etwa von Rem&shy;brandt), ei&shy;ne Skiz&shy;ze (bei&shy;spiels&shy;wei&shy;se von Pi&shy;cas&shy;so), der Pa&shy;pier&shy;aus&shy;zug der Auf&shy;nah&shy;me ei&shy;ner Wär&shy;me&shy;bild&shy;ka&shy;me&shy;ra eben&shy;so wie ein Fa&shy;mi&shy;li&shy;en&shy;schnapp&shy;schuss wer&shy;den je&shy;weils mit ei&shy;nem Schnitt oder Loch nicht ein&shy;fach zu ei&shy;nem an&shy;de&shy;ren Bild, son&shy;dern zu dem&shy;sel&shy;ben Bild mit ei&shy;ner Be&shy;schä&shy;di&shy;gung (⊳ [[Identitätskriterien für Bildträger|Iden&shy;ti&shy;täts&shy;kri&shy;te&shy;ri&shy;en für Bild&shy;trä&shy;ger]] und [[Identität bildhafter Zeichen|Iden&shy;ti&shy;tät bild&shy;haf&shy;ter Zei&shy;chen]]). Was ge&shy;schieht hier&shy;bei, syn&shy;tak&shy;tisch-mor&shy;pho&shy;lo&shy;gisch ge&shy;se&shy;hen?
:
Wenn ein Bildträger auf die erwähnte Art verletzt wird, so wird letztlich die [[Raum und Geometrie|Topo&shy;logie der zwei&shy;dimen&shy;siona&shy;len geomet&shy;rischen Basis&shy;struktur]] partiell stark gestört: An Stelle der homo&shy;genen (d.h. gleich&shy;mäßig verteil&shy;ten) und iso&shy;tropen (d.h. in allen Rich&shy;tungen der Bildflä&shy;che gleicher&shy;maßen gülti&shy;gen) Nachbar&shy;schaftsbe&shy;ziehun&shy;gen zwischen den Raumstel&shy;len treten nun Lücken zwischen ursprüng&shy;lich benach&shy;barten Orten auf, die nicht zum Bildträ&shy;ger gehö&shy;ren, so dass diesen Raumstel&shy;len nun echte Nachbar&shy;pixe&shy;me einfach fehlen.<ref>Auf der se&shy;man&shy;ti&shy;schen Ebe&shy;ne tre&shy;ten al&shy;so mit&shy;ten im Bild&shy;raum un&shy;de&shy;fi&shy;nier&shy;te Nicht-Or&shy;te auf.<br/> In ge&shy;wis&shy;sen Gren&shy;zen sind die&shy;se syn&shy;tak&shy;ti&shy;schen Stö&shy;run&shy;gen mit den Aus&shy;wir&shy;kun&shy;gen von Be&shy;schä&shy;di&shy;gun&shy;gen der Netz&shy;haut oder be&shy;stimm&shy;ter neu&shy;ro&shy;lo&shy;gi&shy;scher Stö&shy;run&shy;gen in den vi&shy;su&shy;el&shy;len Zent&shy;ren ver&shy;gleich&shy;bar, die zu stel&shy;len&shy;wei&shy;ser Blind&shy;heit (Sko&shy;tom) füh&shy;ren, wel&shy;che aber oft von den Be&shy;trof&shy;fe&shy;nen gar nicht be&shy;merkt wird (vgl. <bib id='Sacks 1996a'></bib>): Die “un&shy;ge&shy;se&shy;he&shy;nen Or&shy;te” wer&shy;den zu ei&shy;nem nicht-wahr&shy;nehm&shy;ba&shy;ren “Un-Raum”.</ref> Die gesam&shy;te geomet&shy;rische Orga&shy;nisa&shy;tion des Bildträ&shy;gers ist damit gestört, denn auch alle Pixe&shy;me höhe&shy;rer Ordnung (⊳ [[Bildmorphologie|Bildmor&shy;pholo&shy;gie]]), die auf diesen Nachbar&shy;schaften beru&shy;hen, sind davon tangiert. Solche Ruptu&shy;ren betref&shy;fen also insbe&shy;sonde&shy;re die geome&shy;trische Basis&shy;struktur, die nun unvoll&shy;ständig und inkon&shy;sistent gewor&shy;den ist.<ref>Für ei&shy;ne äqui&shy;va&shy;len&shy;te syn&shy;tak&shy;ti&shy;sche Stö&shy;rung im Me&shy;di&shy;um der zeit&shy;ba&shy;sier&shy;ten Zei&shy;chen&shy;sys&shy;te&shy;me, et&shy;wa der Mu&shy;sik, muss ent&shy;spre&shy;chend die Kon&shy;ti&shy;nu&shy;i&shy;tät der zeit&shy;li&shy;chen Ba&shy;sis&shy;struk&shy;tur ver&shy;letzt sein: Ei&shy;ne “sprin&shy;gen&shy;de” Vi&shy;nyl&shy;plat&shy;te mag da&shy;für ein an&shy;“schau”&shy;li&shy;ches Bei&shy;spiel ge&shy;ben. Feh&shy;ler&shy;haf&shy;te Wie&shy;der&shy;ga&shy;be oh&shy;ne Stö&shy;run&shy;gen der tem&shy;po&shy;ra&shy;len Nach&shy;bar&shy;schafts&shy;be&shy;zie&shy;hun&shy;gen, et&shy;wa zu&shy;ge&shy;füg&shy;tes Rau&shy;schen, sind kei&shy;ne syn&shy;tak&shy;ti&shy;schen Feh&shy;ler, da die Ge&shy;räu&shy;sche des Rau&shy;schens auch als re&shy;gu&shy;lä&shy;re Mar&shy;ker&shy;wer&shy;te ver&shy;wen&shy;det wer&shy;den kön&shy;nen. </ref>  
:
Auch die Annahme, dass Beschnei&shy;dungen am Rand gegen&shy;über Schnitten inner&shy;halb der Bildflä&shy;che als quali&shy;tativ weni&shy;ger gravie&shy;rend gelten, da dabei zwar seman&shy;tische und pragma&shy;tische Aspek&shy;te verän&shy;dert, nicht aber der Zusam&shy;menhang der Orte inner&shy;halb der Bildflä&shy;che gestört wird, spricht dafür, das Fehlen von Störun&shy;gen im geome&shy;trischen Grundge&shy;füge als die Basis für syntak&shy;tische Wohlge&shy;formtheit von Bildern anzu&shy;setzen. Die vollstän&shy;digen Abtren&shy;nungen eines Teils des Bildträ&shy;gers führen letztlich zu zwei ande&shy;ren (beschnit&shy;tenen) Bildern, wobei die Art der Abtren&shy;nung eher neben&shy;sächlich ist: Auch ein geris&shy;sener Rand bildet einen akzep&shy;tablen [[Rahmung, Rahmen|Rahmen]]. Im Gegen&shy;satz dazu bleiben bei parti&shy;ellen Ruptu&shy;ren die beide nun aufge&shy;trennten Seiten Teil dersel&shy;ben Bildflä&shy;che, deren gestör&shy;te geome&shy;trische Basis&shy;struktur die Wahrne&shy;hmung des Bildes beein&shy;trächtigt.
:
Eine Störung der geometrischen Basis&shy;struktur muss im Übri&shy;gen unter&shy;schieden werden von [[Reflexion und Transparenz|transpa&shy;renten Bildstel&shy;len]], wie sie etwa bei Glasma&shy;lerei oder Bildfen&shy;stern auftre&shy;ten: Solche transpa&shy;renten Berei&shy;che entspre&shy;chen ganz regu&shy;lären Pixe&shy;men mit einer spezi&shy;ellen, wenn auch im Vergleich aller Bilder weni&shy;ger häufig verwen&shy;deten Markie&shy;rung. In der Tat haben syntak&shy;tische Sonder&shy;fälle wie Refle&shy;xion und Transpa&shy;renz in Bildern eine impli&shy;zit ''deikti&shy;sche'' Quali&shy;tät: Hier spielen Aspek&shy;te der ''Umge&shy;bung'' des Bildträ&shy;gers hinein. Bei Betrach&shy;tung des Bild&shy;(träger)s aus nur einer Perspek&shy;tive fallen sie daher nicht unbe&shy;dingt auf – es könnte sich um eine entspre&shy;chende regu&shy;läre Farbge&shy;bung der Stelle handeln. Erst eine Bewe&shy;gung des Betrach&shy;ters und die damit erreich&shy;te perspek&shy;tivi&shy;sche Verschie&shy;bung lässt deutlich werden, dass diese Stellen vari&shy;abel sind und von der Umge&shy;bung abhän&shy;gen.<ref>Ganz ähn&shy;lich kön&shy;nen “blin&shy;de Stel&shy;len” ei&shy;nes Fern&shy;seh&shy;bild&shy;schirms – al&shy;so Or&shy;te, an de&shy;nen in&shy;fol&shy;ge ei&shy;nes tech&shy;ni&shy;schen De&shy;fekts kein Licht emit&shy;tiert wird – nur er&shy;kannt wer&shy;den, wenn das ge&shy;zeig&shy;te Bild be&shy;wegt ist, so dass ein Wech&shy;sel der Mar&shy;ker&shy;werte zu er&shy;war&shy;ten wä&shy;re. Da das nicht ge&shy;schieht, kann die Schirm&shy;stel&shy;le als nicht tat&shy;säch&shy;lich zur geo&shy;met&shy;ri&shy;schen Ba&shy;sis&shy;struk&shy;tur des Bil&shy;des ge&shy;hö&shy;rig be&shy;ur&shy;teilt wer&shy;den.</ref>
:
Dieser Zusammenhang macht das [[Bildzitat|''Anfüh&shy;ren'']] syntak&shy;tisch unkor&shy;rekter Bilder oft proble&shy;matisch: Wenn nämlich statt des zerstör&shy;ten Bildträ&shy;gers selbst ein Bild von ihm präsen&shy;tiert wird. Wie in Abbil&shy;dung 1 demon&shy;striert, ist die Abbil&shy;dung eines syntak&shy;tisch unkor&shy;rekten Bildes tatsäch&shy;lich selbst wiede&shy;rum (in aller Regel) ein syntak&shy;tisch wohlge&shy;formtes Bild: Der Schnitt wird dabei durch ein regel&shy;rechtes Pixem mit ganz norma&shy;len Farbmar&shy;kierun&shy;gen darge&shy;stellt, die Topo&shy;logie der Basis&shy;struktur ist nicht beein&shy;trächtigt.




==Pragmato-syntaktische Fehler: Störun&shy;gen in der Marker&shy;zuord&shy;nung==


Während Beschädigungen des räumli&shy;chen Zusam&shy;menhalts der geome&shy;trischen Basis&shy;struktur zu echten syntak&shy;tischen Fehlern führen, die also allein schon aufgrund syntak&shy;tischer Eigen&shy;schaften unter&shy;scheidbar sind, können Proble&shy;me in den Dimen&shy;sionen der Marker&shy;werte nur solche Störun&shy;gen der Syntax auslö&shy;sen, die ledig&shy;lich durch pragma&shy;tische Fakto&shy;ren als solche bestimm&shy;bar sind. Das Absplit&shy;tern von Pigmen&shy;ten, das den Grund sichtbar werden lässt, kann nur rela&shy;tiv zu einem für das jeweils betrach&shy;tete Bild ange&shy;setzten ''Normal&shy;zustand'' als Fehler in der Zuord&shy;nung der Marker&shy;werte und damit als Nicht-Pixem ermit&shy;telt werden. Es könnte sich eben&shy;so gut um Absicht, also um ein in dieser Form inten&shy;diertes Pixem handeln (vgl. etwa Sgraffi&shy;to-Techni&shy;ken). Das zeigt sich auch darin, dass das bildhaf&shy;te Anfüh&shy;ren eines so gestör&shy;ten Bildes deutlich weni&shy;ger proble&shy;matisch ist: Die [[Farbe als bildsyntaktische Kategorie|Farb- und Textur&shy;werte]], die das Zitat an der geschä&shy;digten Stelle aufzeigt, befin&shy;det sich ja in der Tat im beschä&shy;digten [[Original|Ori&shy;ginal]] an dieser Stelle.


=====Engere Begriffsbestimmung=====


<!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen-->
==Reflexive Nutzung syntaktisch unkor&shy;rekter Bilder==
Als indirektes bildhaftes Zitat stellt Abbil&shy;dung 1 einen typi&shy;schen Fall [[Bild in reflexiver Verwendung|refle&shy;xiver Bildnut&shy;zung]] dar: Mit der Präsen&shy;tation des Bildes soll hier nicht auf ein Bauern&shy;mädchen hinge&shy;wiesen werden, sondern exem&shy;plarisch auf eini&shy;ge Aspek&shy;te der Bildver&shy;wendung selbst. So, wie das Beispiel einer syntak&shy;tisch unkor&shy;rekten Wortfol&shy;ge in einem Buch zur Sprachsyn&shy;tax zitiert wird, wird das Beispiel eines geome&shy;trisch gestör&shy;ten Bildträ&shy;gers als nega&shy;tives Exem&shy;pel für die syntak&shy;tische Wohlge&shy;formtheit von Bildträ&shy;gern gezeigt.
:
[[Datei:Fontana1.jpg|thumb|Ab&shy;bil&shy;dung 2: Lu&shy;cio Fon&shy;ta&shy;na: «Con&shy;cet&shy;to Spa&shy;zia&shy;le» (1965)]]
Re&shy;fle&shy;xiv ge&shy;nutz&shy;te syn&shy;tak&shy;tisch un&shy;kor&shy;rek&shy;te Bil&shy;der di&shy;rekt tre&shy;ten an&shy;son&shy;sten auch im [[künstlerisches Bild und Alltagsbild|künst&shy;le&shy;ri&shy;schen Kon&shy;text]] auf: Ins&shy;be&shy;son&shy;de&shy;re L. Fon&shy;ta&shy;na (1899–&#8203;1968) spielt mit der Ab&shy;wei&shy;chung von syn&shy;tak&shy;tisch wohl&shy;ge&shy;form&shy;ten Bild&shy;trä&shy;gern. Sei&shy;ne ''Schnitt&shy;bil&shy;der'' sind re&shy;fle&shy;xiv ver&shy;wen&shy;de&shy;te Bild&shy;trä&shy;ger, mit de&shy;ren Hil&shy;fe die [[Aufmerksamkeit|Auf&shy;merk&shy;sam&shy;keit]] durch ei&shy;ne ne&shy;ga&shy;ti&shy;ve [[Exemplifikation|Exem&shy;pli&shy;fi&shy;ka&shy;ti&shy;on]] auf die ''[[Materialität|Ma&shy;te&shy;ri&shy;a&shy;li&shy;tät]]'' als Grund&shy;be&shy;din&shy;gung des Bild&shy;ge&shy;brauchs ge&shy;lenkt wer&shy;den kann (cf. <bib id='Whitfield 1999a'>Whit&shy;field 1999a</bib>, <bib id='Hynes 2005a'></bib> und <bib id='Sachs-Hombach 2003a'>Sachs-&#8203;Hom&shy;bach 2003a</bib>: S. 212ff). Ge&shy;ra&shy;de durch ih&shy;re Ver&shy;let&shy;zung sticht die Vo&shy;raus&shy;set&shy;zung ei&shy;ner un&shy;ge&shy;stör&shy;ten zwei&shy;di&shy;men&shy;si&shy;o&shy;na&shy;len Räum&shy;lich&shy;keit als geo&shy;met&shy;ri&shy;sche Ba&shy;sis&shy;struk&shy;tur des phy&shy;si&shy;schen Bild&shy;trä&shy;gers für die re&shy;gu&shy;lä&shy;re Bild&shy;ver&shy;wen&shy;dung ins Au&shy;ge.<ref>Da es sich um Ar&shy;gu&shy;men&shy;te han&shy;delt, die ganz klar auf der prag&shy;ma&shy;ti&shy;schen Ebe&shy;ne spie&shy;len, wird die iro&shy;ni&shy;sche Dopp&shy;lung von Pin&shy;sel&shy;strich und Schnitt, die eben&shy;falls im Hin&shy;ter&shy;grund von Fon&shy;ta&shy;nas Wer&shy;ken steht, an die&shy;ser Stel&shy;le nicht wei&shy;ter be&shy;rück&shy;sich&shy;tigt.</ref>
:
Demnach wären “Bilder”, von der Art des in Abbil&shy;dung 2 wieder&shy;gege&shy;bene Beispiels, wenn man sie nicht ohne&shy;hin als Grenzfäl&shy;le zur [[Skulptur]] verste&shy;hen möchte, nur in demsel&shy;ben unei&shy;gentli&shy;chen Sinn Bilder, wie die Buchsta&shy;benfol&shy;ge in Beispiel 2 oben in einem nur unei&shy;gentli&shy;chen Sinn als Satz eines Lingu&shy;istik&shy;lehrbuchs auftritt. Begrif&shy;fe man sie hinge&shy;gen als ganz regu&shy;läre Bilder, über&shy;ginge man gera&shy;de die Pointe, die etwa auch den wesent&shy;lichen Unter&shy;schied zwischen dem Bild ‘Abbil&shy;dung 2’ selbst und dem dort wieder&shy;gege&shy;benen Werk von Fonta&shy;na ausmacht.




=====optional Beispiele=====
==Syntaktische (Un-)Korrekt&shy;heit bei spezi&shy;ellen Bild&shy;klassen==


<!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen-->
[[Diagramm]]e, technische Zeichnungen und andere Gruppen von [[Strukturbild|Struktur&shy;bilder]] sind in der Regel mit bestimm&shy;ten expli&shy;ziten Darstel&shy;lungskon&shy;venti&shy;onen verbun&shy;den. Diese Regeln lassen sich teilwei&shy;se auf syntak&shy;tischer Ebene prüfen, so dass sich für diese Bildgrup&shy;pen dann auch aus entspre&shy;chenden Ver&shy;stößen gegen die jewei&shy;lige Darstel&shy;lungskon&shy;vention eine Form der syntak&shy;tischen Unkor&shy;rektheit defi&shy;nieren lässt.
Ähnli&shy;ches gilt für ande&shy;re Konven&shy;tionen zur Abgren&shy;zung eines Teilbe&shy;reichs von Bildern oder eines [[Bildmedien|Bildme&shy;diums]], sofern diese Konven&shy;tionen sich anhand syntak&shy;tischer Merkma&shy;le bestim&shy;men lassen. Das kann insbe&shy;sonde&shy;re Aspek&shy;te des [[Stil]]s betref&shy;fen, so dass sich etwa hinsicht&shy;lich einer bestimm&shy;ten kunstge&shy;schichtli&shy;chen Epo&shy;che ein Bild als syntak&shy;tisch wohlge&shy;formt oder aber unkor&shy;rekt beur&shy;teilen läßt.   
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Ursache sind in der Regel syntak&shy;tisch diskre&shy;te Subsys&shy;teme, die in die an sich syntak&shy;tisch dichten Dimen&shy;sionen bildhaf&shy;ter Zeichen einge&shy;bettet sind. Das gilt mithin auch für die einfa&shy;cheren Versi&shy;onen von [[digitales Bild|Digi&shy;talbil&shy;dern]] mit ihren örtli&shy;chen (gege&shy;benen&shy;falls auch zeitli&shy;chen) und den Farbraum betref&shy;fenden Raste&shy;rungen. Rela&shy;tiv zu den einge&shy;schränkten Bildman&shy;nigfal&shy;tigkei&shy;ten, die durch einen solchen [[Notation|Nota&shy;tionsfor&shy;malis&shy;mus]] umfasst werden, müssen Bilder mit Pixe&shy;men jenseits der Raste&shy;rung als syntak&shy;tisch unkor&shy;rekt gelten. Praktisch ist dieser Fall für die Compu&shy;tervisu&shy;alis&shy;tik wenig rele&shy;vant, da übli&shy;cherwei&shy;se dann statt eines solchen syntak&shy;tisch hinsicht&shy;lich der Digi&shy;tali&shy;sierungs&shy;konven&shy;tion unkor&shy;rekten Bildes einfach das ähnlich&shy;ste syntak&shy;tisch korrek&shy;te Bild substi&shy;tuiert wird, was häufig ausreicht.     
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Allerdings können verschiede&shy;ne techni&shy;sche Proble&shy;me auch in der Compu&shy;tervi&shy;sualis&shy;tik zum Auftre&shy;ten syntak&shy;tisch unkor&shy;rekter Bilder im enge&shy;ren Sinn führen. Natür&shy;lich geht es hierbei nicht um digi&shy;tale Bilder von syntak&shy;tisch unkor&shy;rekten Bildern (wie etwa Abb. 1), die in der Regel ja selbst durchaus syntak&shy;tisch korrekt sind. So können etwa Störun&shy;gen der Marker&shy;werte entste&shy;hen durch Fehler beim Projek&shy;tionsver&shy;fahren: “Blinde” Stellen des Bildschirms führen etwa dazu, dass an bestimm&shy;ten Orten die Farbdar&shy;stellung nicht mehr richtig funkti&shy;oniert. Noch gravie&shy;render sind techni&shy;sche Proble&shy;me beim Über&shy;tragen oder Abspei&shy;chern, die zu Fehlern in der Nota&shy;tion führen: Die syntak&shy;tische Beschrei&shy;bung des Bildträ&shy;gers kann unvoll&shy;ständig oder inkon&shy;sistent werden. Im Grenzfall lassen sich dann immer noch Teile der Bildflä&shy;che proji&shy;zieren, doch gibt es, wie im Fall der zerris&shy;senen Leinwand, Flächen inner&shy;halb des Rahmens, die tatsäch&shy;lich gar nicht zum Bildträ&shy;ger gehö&shy;ren – also eine massi&shy;ve Störung der geomet&shy;rischen Basis&shy;struktur dieses Bildes.


 
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* [[Bild in reflexiver Verwendung]]
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Aktuelle Version vom 22. Januar 2024, 13:53 Uhr

Unterpunkt zu: Bildsyntax

English Version: Syntactically Incorrect Images


Kann es bei Bildern syntaktische Fehler geben?

Der Begriff der syntaktischen Korrekt­heit ist zunächst in seinem sprachli­chen Anwen­dungsfall vertraut:

  • Beispiel 1: ‘colorless green ideas sleep furiously’;
  • Beispiel 2: ‘sleep ideas green furiously color­less’.

Der Unterschied zwischen einem syntak­tisch wohlge­formten Satz einer­seits (s. Beispiel 1), mag er Bedeu­tung haben und praktisch verwend­bar sein oder nicht, und einer syntak­tisch nicht korrek­ten Folge von Wörtern[1] ande­rerseits (s. Beispiel 2) ist für jeden, der Grundkennt­nisse der engli­schen Sprache hat, evi­dent ([Chomsky 1957a]Chomsky, Noam (1957): Syntactic Structures. Mouton, Den Haag.
: S. 15). Das histo­rische Beispiel bezieht sich zwar nur auf die engli­sche Sprache, doch gilt durchaus, dass Sprache gene­rell – im Sinne von ‘la langue’ – aus der Mannig­faltig­keit der mögli­chen Folgen syntak­tischer Ele­mente nur einen kleinen Teil als wohlge­formte Zeichen­träger klassi­fiziert und von syntak­tisch unkor­rekten Kombi­natio­nen abgrenzt. Syntak­tische Wohlge­formtheit unter­scheiden zu können soll, so Chomsky, in der Sprachkom­petenz selbst begrün­det liegen.

Kann man mit Erfolg für eine ana­loge Unter­scheidung bei Bildern argu­mentie­ren? Hierbei ist zunächst einmal zu beach­ten, dass es bei dieser Frage letztlich stets weni­ger um Bilder (im eigent­lichen, d.h. vollen Wort­sinn) als um poten­tielle Bildträ­ger geht: Der Ausdruck ‘Bild’ ist besten­falls unge­nau (und schlimmsten­falls schlicht verkehrt), wenn pragma­tische und seman­tische Gesichts­punkte expli­zit außer Acht gelas­sen werden sollen.

Auf den ersten Blick scheint es tatsäch­lich keine vergleich­bare, also nur auf die Struktur des (poten­tiellen) Bildträ­gers bezo­gene Klassi­fika­tion zu geben (cf. [Langer 1984a]Langer, Susanne (1984): Philosophie auf neuem Wege. Das Symbol im Denken, im Ritus und in der Kunst. Fischer, Frankfurt/M.
). Eine räumli­che Umord­nung syntak­tischer (oder morpho­logi­scher) Ele­mente allein, dem Sprachbei­spiel nachemp­funden, genügt offen­sichtlich nicht:[2] Das Ergeb­nis wird nach wie vor ein akzep­tabler Bildträ­ger sein – wovon sich im Übri­gen jeder an einem compu­terge­stützten Bildbe­arbei­tungssys­tem selbst leicht über­zeugen kann.[3] Zwar gilt für bestimm­te Teilklas­sen von Bildern, d.h. gewis­se bildhaf­te Zeichen­syste­me, die nur einen kleinen Teil aller mögli­chen Bildträ­ger umfas­sen, durchaus, dass sich die zuge­höri­gen Zeichen­träger nach sprachar­tigen syntak­tischen Regeln in wohlge­formte und nicht-​wohlge­formte unter­teilen lassen – das System der techni­schen Zeichnun­gen mag als Beispiel dienen. Doch lässt sich hier nicht ohne Weite­res sehen, wie dieser Regel­bezug auf Bilder ganz allge­mein über­tragen und damit in der Bildkom­petenz selbst begrün­det werden könnte ([Plümacher 1999a]Plümacher, Martina (1999): Wohlgeformtheitsbedingungen für Bilder?. In: Sachs-Hombach, K. & Rehkämper, K. (Hg.), Bildgrammatik. Interdisziplinäre Forschungen zur Syntax bildlicher Darstellungsformen. Scriptum, Magdeburg.
).

Das vermutete Fehlen eines echten Krite­riums syntak­tischer Wohlge­formtheit steht dabei in engem Zusam­menhang mit dem oft behaup­teten Fehlen eines bildhaf­ten Alpha­bets (⊳ Bildgram­matik): Während für sprachli­che Zeichen­syste­me stets gilt, dass eine echte Teilmen­ge der prinzi­piell mögli­chen Phone­me oder Graphe­me als Baustei­ne komple­xer Zeichen verwen­det werden, scheint sich kein entspre­chendes beschränk­tes graphi­sches Alpha­bet ange­ben zu lassen, das Bildern ganz allge­mein zugrun­de läge ([Sachs-Hombach 1999a]Sachs-Hombach, Klaus (1999): Gibt es ein Bildalphabet?. In: Sachs-Hombach, K. & Rehkämper, K. (Hg.), Bildgrammatik. Interdisziplinäre Forschungen zur Syntax bildlicher Darstellungsformen. Scriptum, Magdeburg.
). Da das Fehlen eines Alpha­bets auch die kombi­nato­rischen Regeln des korrek­ten Zusam­menset­zens obso­let macht, die syntak­tische Wohlge­formtheit bei Sprache aber auf den jewei­ligen Kombi­nations­regeln für komple­xe Zeichen aus den Basis­ele­menten des betrach­teten Alpha­bets beruht, folgt nun, dass sich für Bilder kein entspre­chendes Krite­rium bilden ließe.

Zur genaueren Behandlung der Frage, ob es syntak­tisch unkor­rekte Bilder geben kann, hat sich die Unter­scheidung zwischen der geomet­rischen Basis­struktur und den visu­ellen Marker­dimen­sionen als hilfreich heraus­gestellt.


Echte syntaktische Fehler: Störun­gen im geo­metri­schen Grund­gefü­ge

In der Tat führen ja alle Änderun­gen sowohl an der Menge und Auswahl der vorhan­denen geome­trischen Ele­mente und ihrer Anord­nung, wie auch an der Zuord­nung visuell unter­scheidba­rer Markie­rungen der geome­trischen Teile immer nur zu ande­ren Bildträ­gern, von denen sich ledig­lich sagen lässt, dass sie hinsicht­lich bestimm­ter bildprag­mati­scher Funkti­onen besser oder schlechter zu gebrau­chen sind, nicht aber, dass sie syntak­tisch unkor­rekt, also allein wegen gewis­ser Eigen­heiten des Mate­rials keine richti­gen Bilder wären. Wie im Begriff der syntak­tischen Dichte gefasst, führen bei Bildern im Prinzip belie­big kleine Verän­derun­gen am Zeichen­träger zu ande­ren Bildern: Daraus folgt, dass auch jede Folge solcher mini­malen Verän­derun­gen eben­falls wieder zu einem Bild führt. Es kann mithin keine durch Verschie­ben oder Austau­schen von Gebie­ten erzeug­bare Verän­derung einer Bildflä­che geben, die nicht wiede­rum zu einer syntak­tisch akzep­tablen Bildflä­che führt.

Ab­bil­dung 1: Ein syn­tak­tisch un­kor­rek­tes Bild? (A. E. Ark­hi­pov: «Bau­ern­mäd­chen» (1920er), mit ei­nem Riss des Bild­trä­gers)

Al­ler­dings gibt es durch­aus ganz all­täg­li­che Hand­lun­gen an ei­nem Bild­trä­ger, die ganz un­mit­tel­bar sei­ne Bild­trä­ger­funk­ti­on von Grund auf be­ein­träch­ti­gen: näm­lich das Durch­lö­chern oder teil­wei­se Zer­schnei­den oder Zer­rei­ßen des Pa­piers, der Lein­wand etc. und ähn­li­che Be­schä­di­gun­gen. Ein Ge­mäl­de (etwa von Rem­brandt), ei­ne Skiz­ze (bei­spiels­wei­se von Pi­cas­so), der Pa­pier­aus­zug der Auf­nah­me ei­ner Wär­me­bild­ka­me­ra eben­so wie ein Fa­mi­li­en­schnapp­schuss wer­den je­weils mit ei­nem Schnitt oder Loch nicht ein­fach zu ei­nem an­de­ren Bild, son­dern zu dem­sel­ben Bild mit ei­ner Be­schä­di­gung (⊳ Iden­ti­täts­kri­te­ri­en für Bild­trä­ger und Iden­ti­tät bild­haf­ter Zei­chen). Was ge­schieht hier­bei, syn­tak­tisch-mor­pho­lo­gisch ge­se­hen?

Wenn ein Bildträger auf die erwähnte Art verletzt wird, so wird letztlich die Topo­logie der zwei­dimen­siona­len geomet­rischen Basis­struktur partiell stark gestört: An Stelle der homo­genen (d.h. gleich­mäßig verteil­ten) und iso­tropen (d.h. in allen Rich­tungen der Bildflä­che gleicher­maßen gülti­gen) Nachbar­schaftsbe­ziehun­gen zwischen den Raumstel­len treten nun Lücken zwischen ursprüng­lich benach­barten Orten auf, die nicht zum Bildträ­ger gehö­ren, so dass diesen Raumstel­len nun echte Nachbar­pixe­me einfach fehlen.[4] Die gesam­te geomet­rische Orga­nisa­tion des Bildträ­gers ist damit gestört, denn auch alle Pixe­me höhe­rer Ordnung (⊳ Bildmor­pholo­gie), die auf diesen Nachbar­schaften beru­hen, sind davon tangiert. Solche Ruptu­ren betref­fen also insbe­sonde­re die geome­trische Basis­struktur, die nun unvoll­ständig und inkon­sistent gewor­den ist.[5]

Auch die Annahme, dass Beschnei­dungen am Rand gegen­über Schnitten inner­halb der Bildflä­che als quali­tativ weni­ger gravie­rend gelten, da dabei zwar seman­tische und pragma­tische Aspek­te verän­dert, nicht aber der Zusam­menhang der Orte inner­halb der Bildflä­che gestört wird, spricht dafür, das Fehlen von Störun­gen im geome­trischen Grundge­füge als die Basis für syntak­tische Wohlge­formtheit von Bildern anzu­setzen. Die vollstän­digen Abtren­nungen eines Teils des Bildträ­gers führen letztlich zu zwei ande­ren (beschnit­tenen) Bildern, wobei die Art der Abtren­nung eher neben­sächlich ist: Auch ein geris­sener Rand bildet einen akzep­tablen Rahmen. Im Gegen­satz dazu bleiben bei parti­ellen Ruptu­ren die beide nun aufge­trennten Seiten Teil dersel­ben Bildflä­che, deren gestör­te geome­trische Basis­struktur die Wahrne­hmung des Bildes beein­trächtigt.

Eine Störung der geometrischen Basis­struktur muss im Übri­gen unter­schieden werden von transpa­renten Bildstel­len, wie sie etwa bei Glasma­lerei oder Bildfen­stern auftre­ten: Solche transpa­renten Berei­che entspre­chen ganz regu­lären Pixe­men mit einer spezi­ellen, wenn auch im Vergleich aller Bilder weni­ger häufig verwen­deten Markie­rung. In der Tat haben syntak­tische Sonder­fälle wie Refle­xion und Transpa­renz in Bildern eine impli­zit deikti­sche Quali­tät: Hier spielen Aspek­te der Umge­bung des Bildträ­gers hinein. Bei Betrach­tung des Bild­(träger)s aus nur einer Perspek­tive fallen sie daher nicht unbe­dingt auf – es könnte sich um eine entspre­chende regu­läre Farbge­bung der Stelle handeln. Erst eine Bewe­gung des Betrach­ters und die damit erreich­te perspek­tivi­sche Verschie­bung lässt deutlich werden, dass diese Stellen vari­abel sind und von der Umge­bung abhän­gen.[6]

Dieser Zusammenhang macht das Anfüh­ren syntak­tisch unkor­rekter Bilder oft proble­matisch: Wenn nämlich statt des zerstör­ten Bildträ­gers selbst ein Bild von ihm präsen­tiert wird. Wie in Abbil­dung 1 demon­striert, ist die Abbil­dung eines syntak­tisch unkor­rekten Bildes tatsäch­lich selbst wiede­rum (in aller Regel) ein syntak­tisch wohlge­formtes Bild: Der Schnitt wird dabei durch ein regel­rechtes Pixem mit ganz norma­len Farbmar­kierun­gen darge­stellt, die Topo­logie der Basis­struktur ist nicht beein­trächtigt.


Pragmato-syntaktische Fehler: Störun­gen in der Marker­zuord­nung

Während Beschädigungen des räumli­chen Zusam­menhalts der geome­trischen Basis­struktur zu echten syntak­tischen Fehlern führen, die also allein schon aufgrund syntak­tischer Eigen­schaften unter­scheidbar sind, können Proble­me in den Dimen­sionen der Marker­werte nur solche Störun­gen der Syntax auslö­sen, die ledig­lich durch pragma­tische Fakto­ren als solche bestimm­bar sind. Das Absplit­tern von Pigmen­ten, das den Grund sichtbar werden lässt, kann nur rela­tiv zu einem für das jeweils betrach­tete Bild ange­setzten Normal­zustand als Fehler in der Zuord­nung der Marker­werte und damit als Nicht-Pixem ermit­telt werden. Es könnte sich eben­so gut um Absicht, also um ein in dieser Form inten­diertes Pixem handeln (vgl. etwa Sgraffi­to-Techni­ken). Das zeigt sich auch darin, dass das bildhaf­te Anfüh­ren eines so gestör­ten Bildes deutlich weni­ger proble­matisch ist: Die Farb- und Textur­werte, die das Zitat an der geschä­digten Stelle aufzeigt, befin­det sich ja in der Tat im beschä­digten Ori­ginal an dieser Stelle.


Reflexive Nutzung syntaktisch unkor­rekter Bilder

Als indirektes bildhaftes Zitat stellt Abbil­dung 1 einen typi­schen Fall refle­xiver Bildnut­zung dar: Mit der Präsen­tation des Bildes soll hier nicht auf ein Bauern­mädchen hinge­wiesen werden, sondern exem­plarisch auf eini­ge Aspek­te der Bildver­wendung selbst. So, wie das Beispiel einer syntak­tisch unkor­rekten Wortfol­ge in einem Buch zur Sprachsyn­tax zitiert wird, wird das Beispiel eines geome­trisch gestör­ten Bildträ­gers als nega­tives Exem­pel für die syntak­tische Wohlge­formtheit von Bildträ­gern gezeigt.

Ab­bil­dung 2: Lu­cio Fon­ta­na: «Con­cet­to Spa­zia­le» (1965)

Re­fle­xiv ge­nutz­te syn­tak­tisch un­kor­rek­te Bil­der di­rekt tre­ten an­son­sten auch im künst­le­ri­schen Kon­text auf: Ins­be­son­de­re L. Fon­ta­na (1899–​1968) spielt mit der Ab­wei­chung von syn­tak­tisch wohl­ge­form­ten Bild­trä­gern. Sei­ne Schnitt­bil­der sind re­fle­xiv ver­wen­de­te Bild­trä­ger, mit de­ren Hil­fe die Auf­merk­sam­keit durch ei­ne ne­ga­ti­ve Exem­pli­fi­ka­ti­on auf die Ma­te­ri­a­li­tät als Grund­be­din­gung des Bild­ge­brauchs ge­lenkt wer­den kann (cf. [Whitfield 1999a]Whitfield, Sarah (1999): Lucio Fontana. Hayward Gallery Publ., London.
, [Hynes 2005a]Hynes, Maria (2005): Rethinking Reductionism. Culture Machine, 7.
Webadresse: www.culturemachine.net/index.php/cm/article/viewArticle/33/41
Notiz: online journal
und [Sachs-Hombach 2003a]Sachs-Hombach, Klaus (2003): Das Bild als kommu­nika­tives Medium. Ele­mente einer allge­meinen Bild­wissen­schaft. Halem, Köln.
: S. 212ff). Ge­ra­de durch ih­re Ver­let­zung sticht die Vo­raus­set­zung ei­ner un­ge­stör­ten zwei­di­men­si­o­na­len Räum­lich­keit als geo­met­ri­sche Ba­sis­struk­tur des phy­si­schen Bild­trä­gers für die re­gu­lä­re Bild­ver­wen­dung ins Au­ge.[7]

Demnach wären “Bilder”, von der Art des in Abbil­dung 2 wieder­gege­bene Beispiels, wenn man sie nicht ohne­hin als Grenzfäl­le zur Skulptur verste­hen möchte, nur in demsel­ben unei­gentli­chen Sinn Bilder, wie die Buchsta­benfol­ge in Beispiel 2 oben in einem nur unei­gentli­chen Sinn als Satz eines Lingu­istik­lehrbuchs auftritt. Begrif­fe man sie hinge­gen als ganz regu­läre Bilder, über­ginge man gera­de die Pointe, die etwa auch den wesent­lichen Unter­schied zwischen dem Bild ‘Abbil­dung 2’ selbst und dem dort wieder­gege­benen Werk von Fonta­na ausmacht.


Syntaktische (Un-)Korrekt­heit bei spezi­ellen Bild­klassen

Diagramme, technische Zeichnungen und andere Gruppen von Struktur­bilder sind in der Regel mit bestimm­ten expli­ziten Darstel­lungskon­venti­onen verbun­den. Diese Regeln lassen sich teilwei­se auf syntak­tischer Ebene prüfen, so dass sich für diese Bildgrup­pen dann auch aus entspre­chenden Ver­stößen gegen die jewei­lige Darstel­lungskon­vention eine Form der syntak­tischen Unkor­rektheit defi­nieren lässt. Ähnli­ches gilt für ande­re Konven­tionen zur Abgren­zung eines Teilbe­reichs von Bildern oder eines Bildme­diums, sofern diese Konven­tionen sich anhand syntak­tischer Merkma­le bestim­men lassen. Das kann insbe­sonde­re Aspek­te des Stils betref­fen, so dass sich etwa hinsicht­lich einer bestimm­ten kunstge­schichtli­chen Epo­che ein Bild als syntak­tisch wohlge­formt oder aber unkor­rekt beur­teilen läßt.

Ursache sind in der Regel syntak­tisch diskre­te Subsys­teme, die in die an sich syntak­tisch dichten Dimen­sionen bildhaf­ter Zeichen einge­bettet sind. Das gilt mithin auch für die einfa­cheren Versi­onen von Digi­talbil­dern mit ihren örtli­chen (gege­benen­falls auch zeitli­chen) und den Farbraum betref­fenden Raste­rungen. Rela­tiv zu den einge­schränkten Bildman­nigfal­tigkei­ten, die durch einen solchen Nota­tionsfor­malis­mus umfasst werden, müssen Bilder mit Pixe­men jenseits der Raste­rung als syntak­tisch unkor­rekt gelten. Praktisch ist dieser Fall für die Compu­tervisu­alis­tik wenig rele­vant, da übli­cherwei­se dann statt eines solchen syntak­tisch hinsicht­lich der Digi­tali­sierungs­konven­tion unkor­rekten Bildes einfach das ähnlich­ste syntak­tisch korrek­te Bild substi­tuiert wird, was häufig ausreicht.

Allerdings können verschiede­ne techni­sche Proble­me auch in der Compu­tervi­sualis­tik zum Auftre­ten syntak­tisch unkor­rekter Bilder im enge­ren Sinn führen. Natür­lich geht es hierbei nicht um digi­tale Bilder von syntak­tisch unkor­rekten Bildern (wie etwa Abb. 1), die in der Regel ja selbst durchaus syntak­tisch korrekt sind. So können etwa Störun­gen der Marker­werte entste­hen durch Fehler beim Projek­tionsver­fahren: “Blinde” Stellen des Bildschirms führen etwa dazu, dass an bestimm­ten Orten die Farbdar­stellung nicht mehr richtig funkti­oniert. Noch gravie­render sind techni­sche Proble­me beim Über­tragen oder Abspei­chern, die zu Fehlern in der Nota­tion führen: Die syntak­tische Beschrei­bung des Bildträ­gers kann unvoll­ständig oder inkon­sistent werden. Im Grenzfall lassen sich dann immer noch Teile der Bildflä­che proji­zieren, doch gibt es, wie im Fall der zerris­senen Leinwand, Flächen inner­halb des Rahmens, die tatsäch­lich gar nicht zum Bildträ­ger gehö­ren – also eine massi­ve Störung der geomet­rischen Basis­struktur dieses Bildes.

Anmerkungen
  1. ↑ Tat­säch­lich ist bei Bei­spiel 2 kei­nes­wegs klar, dass die ver­wen­de­ten En­ti­tä­ten tat­säch­lich als Wör­ter ge­se­hen wer­den soll­ten oder nicht viel­mehr als blo­ße Buch­sta­ben­fol­gen; vgl. et­wa [Ros 1979a]Ros, Arno (1979): Objektkonstitution und elementare Sprachhandlungsbegriffe. Hain, Königstein/Ts.
    : S. 174f.
  2. ↑ Man stel­le sich et­wa vor, zwei be­lie­bi­ge gleich gro­ße und gleich ge­form­te Be­rei­che ei­nes Bil­des wer­den aus­ge­tauscht.
  3. ↑ Da bei Be­trach­tung der syn­tak­ti­schen Wohl­ge­formt­heit se­man­ti­sche und prag­ma­ti­sche As­pek­te aus­drück­lich nicht be­rück­sich­tigt wer­den, spielt es kei­ne Rol­le, wenn sich für den ent­ste­hen­den Bild­trä­ger kei­ne sinn­voll er­schei­nen­den se­man­ti­schen oder prag­ma­ti­schen Zu­sam­men­hän­ge auf­drän­gen. For­mal er­füllt die Neu­kom­bi­na­ti­on al­les, was von ei­nem Bild­trä­ger er­war­tet wird, ganz im Ge­gen­satz zu der Um­ord­nung der Wör­ter im sprach­li­chen Bei­spiel.
  4. ↑ Auf der se­man­ti­schen Ebe­ne tre­ten al­so mit­ten im Bild­raum un­de­fi­nier­te Nicht-Or­te auf.
    In ge­wis­sen Gren­zen sind die­se syn­tak­ti­schen Stö­run­gen mit den Aus­wir­kun­gen von Be­schä­di­gun­gen der Netz­haut oder be­stimm­ter neu­ro­lo­gi­scher Stö­run­gen in den vi­su­el­len Zent­ren ver­gleich­bar, die zu stel­len­wei­ser Blind­heit (Sko­tom) füh­ren, wel­che aber oft von den Be­trof­fe­nen gar nicht be­merkt wird (vgl. [Sacks 1996a]Sacks, Oliver (1996): Migräne. Rowohlt , Hamburg.
    ): Die “un­ge­se­he­nen Or­te” wer­den zu ei­nem nicht-wahr­nehm­ba­ren “Un-Raum”.
  5. ↑ Für ei­ne äqui­va­len­te syn­tak­ti­sche Stö­rung im Me­di­um der zeit­ba­sier­ten Zei­chen­sys­te­me, et­wa der Mu­sik, muss ent­spre­chend die Kon­ti­nu­i­tät der zeit­li­chen Ba­sis­struk­tur ver­letzt sein: Ei­ne “sprin­gen­de” Vi­nyl­plat­te mag da­für ein an­“schau”­li­ches Bei­spiel ge­ben. Feh­ler­haf­te Wie­der­ga­be oh­ne Stö­run­gen der tem­po­ra­len Nach­bar­schafts­be­zie­hun­gen, et­wa zu­ge­füg­tes Rau­schen, sind kei­ne syn­tak­ti­schen Feh­ler, da die Ge­räu­sche des Rau­schens auch als re­gu­lä­re Mar­ker­wer­te ver­wen­det wer­den kön­nen.
  6. ↑ Ganz ähn­lich kön­nen “blin­de Stel­len” ei­nes Fern­seh­bild­schirms – al­so Or­te, an de­nen in­fol­ge ei­nes tech­ni­schen De­fekts kein Licht emit­tiert wird – nur er­kannt wer­den, wenn das ge­zeig­te Bild be­wegt ist, so dass ein Wech­sel der Mar­ker­werte zu er­war­ten wä­re. Da das nicht ge­schieht, kann die Schirm­stel­le als nicht tat­säch­lich zur geo­met­ri­schen Ba­sis­struk­tur des Bil­des ge­hö­rig be­ur­teilt wer­den.
  7. ↑ Da es sich um Ar­gu­men­te han­delt, die ganz klar auf der prag­ma­ti­schen Ebe­ne spie­len, wird die iro­ni­sche Dopp­lung von Pin­sel­strich und Schnitt, die eben­falls im Hin­ter­grund von Fon­ta­nas Wer­ken steht, an die­ser Stel­le nicht wei­ter be­rück­sich­tigt.
Literatur
[Chomsky 1957a]Chomsky, Noam (1957): Syntactic Structures. Mouton, Den Haag.[Hynes 2005a]Hynes, Maria (2005): Rethinking Reductionism. Culture Machine, 7.[Langer 1984a]Langer, Susanne (1984): Philosophie auf neuem Wege. Das Symbol im Denken, im Ritus und in der Kunst. Fischer, Frankfurt/M.[Plümacher 1999a]Plümacher, Martina (1999): Wohlgeformtheitsbedingungen für Bilder?. In: Sachs-Hombach, K. & Rehkämper, K. (Hg.), Bildgrammatik. Interdisziplinäre Forschungen zur Syntax bildlicher Darstellungsformen. Scriptum, Magdeburg.[Ros 1979a]Ros, Arno (1979): Objektkonstitution und elementare Sprachhandlungsbegriffe. Hain, Königstein/Ts.[Sachs-Hombach 1999a]Sachs-Hombach, Klaus (1999): Gibt es ein Bildalphabet?. In: Sachs-Hombach, K. & Rehkämper, K. (Hg.), Bildgrammatik. Interdisziplinäre Forschungen zur Syntax bildlicher Darstellungsformen. Scriptum, Magdeburg.[Sachs-Hombach 2003a]Sachs-Hombach, Klaus (2003): Das Bild als kommu­nika­tives Medium. Ele­mente einer allge­meinen Bild­wissen­schaft. Halem, Köln.[Sacks 1996a]Sacks, Oliver (1996): Migräne. Rowohlt , Hamburg.[Whitfield 1999a]Whitfield, Sarah (1999): Lucio Fontana. Hayward Gallery Publ., London.

Ausgabe 1: 2013

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Zitierhinweis:

Schirra, Jörg R.J. (2013). Syntaktisch unkorrekte Bilder. (Ausg. 1). In: Schirra, J.R.J.; Halawa, M. & Liebsch, D. (Hg.), Glossar der Bildphilosophie. (2012-2026). [bildglossar.org/index.php?title=Syntaktisch_unkorrekte_Bilder].