Bildinhalt: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Glossar der Bildphilosophie
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Joerg R.J. Schirra (Diskussion | Beiträge)
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==Zeichen, Zeichenbedeutung und Zei&shy;chen&shy;refe&shy;renz==


<!--Ab hier: eigentlicher Inhalt; Überschriften gegebenenfalls anpassen-->
Den meisten Zeichenmodellen ist eine Unter&shy;scheidung zwischen Zeichen, Zeichen&shy;bedeutung und Zeichen&shy;refe&shy;renz gemein&shy;sam, ob&shy;schon diese drei Größen in den ver&shy;schie&shy;denen Model&shy;len sehr unter&shy;schied&shy;liche Benen&shy;nungen er&shy;fahren haben (⊳ [[Bedeutung und Referenz|Bedeu&shy;tung und Refe&shy;renz]]). Rela&shy;tiv grob charak&shy;teri&shy;siert geht es hier&shy;bei (1) um den als [[Zeichenträger|Zeichen&shy;träger]] ver&shy;stande&shy;nen physi&shy;schen Gegen&shy;stand, (2) um die dem Gegen&shy;stand zuge&shy;schrie&shy;bene Bedeu&shy;tung, durch die der Zei&shy;chen&shy;träger über&shy;haupt erst zum Zeichen wird, und (3) um den Gegen&shy;stand bzw. die Gegen&shy;stands&shy;klasse, auf den bzw. auf die mit dem Zeichen an&shy;hand der Zeichen&shy;bedeutung referiert wird. Diese Drei&shy;teilung, die sich promi&shy;nent mit den Benen&shy;nung ‘Zeichen’, ‘Sinn’ und ‘Bedeu&shy;tung’ bei Frege findet (vgl. <bib id='Frege 1892a'></bib>), lässt sich auch für Bilder frucht&shy;bar machen, bei denen ent&shy;sprechend zwischen Bild&shy;träger, Bild&shy;bedeu&shy;tung bzw. Bild&shy;inhalt und Bild&shy;referenz unter&shy;schieden werden kann. In der eng&shy;lisch&shy;sprachi&shy;gen Lite&shy;ratur hat sich für die Bedeu&shy;tungs&shy;ebene des Bildes der Aus&shy;druck ‘content’ einge&shy;bürgert (vgl. etwa <bib id='Lopes 1996a'></bib>), an den sich der deut&shy;sche Aus&shy;druck ‘Inhalt’ an&shy;lehnt.
=====Darstellung des gr. Zusammenhangs=====
 
<!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen-->
<!--Anmerkung zwischen <ref> und </ref> im laufenden Text-->
<!--Literaturverweise im laufenden Text <bib id='Jonas 61a'>Jonas 1961</bib> -->
<!--  ... id im Literaturverzeichnis nachsehen, gegebenenfalls neu einfügen -->
<!--  ... (siehe Link "Sammlung" in Bibliographie-Box -->
<!-- Bilder als thumbs einsetzen, Muster: [[Datei:Beispiel.png|thumb|Bildtitel]] -->
 
 
 
 
=====Engere Begriffsbestimmung=====
 
<!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen-->
 
 
=====optional Beispiele=====
 
<!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen-->
 


=====Auswirkungen auf andere Begriffe=====


<!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen-->
==Was man im Bild sieht==
Als Bildinhalt sollte derjenige Bedeu&shy;tungs&shy;aspekt bei Bildern ange&shy;sehen werden, der sich un&shy;mittel&shy;bar mit der intrin&shy;sischen Struk&shy;tur des Bildes ver&shy;bindet. Auf die Sprach&shy;ebene bezo&shy;gen ist er der lexi&shy;kali&shy;schen Bedeu&shy;tung ver&shy;gleich&shy;bar und von der symbo&shy;lischen (⊳ [[Visuelle und multimodale Metaphern|Visu&shy;elle und multi&shy;modale Meta&shy;phern]]) wie auch von der kommu&shy;nika&shy;tiven Bedeu&shy;tung (⊳ [[Illokution|Illo&shy;kution]]) zu unter&shy;scheiden. Der Bild&shy;inhalt ist nach Richard Woll&shy;heim das&shy;jenige, was je&shy;mand ''im Bild sieht''. Er ver&shy;dankt sich spezi&shy;fischer Wahr&shy;nehmungs&shy;mecha&shy;nismen. Ob diese im Sinne von Ähn&shy;lich&shy;keits&shy;stan&shy;dards erläu&shy;tert werden können, ist eine der viel dis&shy;kutier&shy;ten, bis&shy;her nicht ent&shy;schiede&shy;nen Fragen (vgl. <bib id="Scholz 2004a"></bib>; ⊳ [[Ähnlichkeit und wahrnehmungsnahe Zeichen|Ähn&shy;lich&shy;keit und wahr&shy;neh&shy;mungs&shy;nahe Zeichen]]).
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Da der Inhalt eines Bildes sich immer nur in der Rela&shy;tion zum [[Betrachter|Betrac&shy;hter]] ein&shy;stellt, liegt er nicht objek&shy;tiv fest. Bilder sind aus diesem Grunde prinzi&shy;piell viel&shy;deutig. Gleich&shy;wohl soll&shy;ten bei Bilder zur Bestim&shy;mung des Bild&shy;inhalts Adä&shy;quat&shy;heits&shy;bedin&shy;gungen ange&shy;nommen werden. Be&shy;trachten wir als Bei&shy;spiel das in der Gestalt&shy;psycho&shy;logie oft beschrie&shy;bene Phäno&shy;men des [[Kippbild|Kipp&shy;bildes]], bei dem [[Figur/Grund-Differenzierung|Figur und Hinter&shy;grund]] ver&shy;tauscht werden können. Jemand sieht in einem Bild einen Kelch. Ein zweiter sieht in dem Bild zwei Gesich&shy;ter im Profil. Vermut&shy;lich werden sie sich sehr schnell eini&shy;gen, dass beide Inter&shy;preta&shy;tionen kor&shy;rekte Inter&shy;preta&shy;tionen sind, so&shy;fern sie auf die wesent&shy;lichen Ent&shy;sprechun&shy;gen hin&shy;weisen (d.h. Teile des Bildes heraus&shy;greifen) und dar&shy;legen können, dass ein bestim&shy;mter Linien&shy;abschnitt nasen&shy;förmig ist (den Begriff der Nase veran&shy;schaulicht) oder (in diesem Fall zu&shy;gleich) einen Teil der Kontur eines Kelches dar&shy;stellt. Sieht ein Dritter in dem Bild einen Ele&shy;fanten, so ist dies nur dann als kor&shy;rekte Inter&shy;preta&shy;tion zu werten, wenn er eben&shy;falls auf rele&shy;vante Ent&shy;sprechun&shy;gen hin&shy;weisen kann.
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Die Tatsache, dass wir Unter&shy;schied&shy;liches in einem Bild sehen können, er&shy;gibt sich der Ähn&shy;lich&shy;keits&shy;theo&shy;rie zufolge da&shy;raus, dass ver&shy;schie&shy;dene Dinge unter ent&shy;sprechen&shy;den [[Perspektive und Projektion|Perspek&shy;tiven]] iden&shy;tische Wahr&shy;nehmungen er&shy;zeugen. Ob&shy;schon dies der Regel&shy;fall ist, wird uns die Viel&shy;deutig&shy;keit des Bild&shy;inhal&shy;tes oft nicht be&shy;wusst, weil die Kontext&shy;bedin&shy;gungen eine bestim&shy;mte Inter&shy;preta&shy;tion als beson&shy;ders ''rele&shy;vant'' aus&shy;zeichnen. Sie spezi&shy;fizie&shy;ren den Inhalt eines Bildes inner&shy;halb einer bestim&shy;mten ''Inter&shy;preta&shy;tions&shy;umge&shy;bung''.
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Es lassen sich hierzu wenigstens drei Fälle unter&shy;scheiden. Der Bild&shy;inhalt wird durch Kotext, Kontext und Typi&shy;kalität beein&shy;flusst. Unter ‘Kotext’ ist die Summe der Ele&shy;mente gemeint, die sich inner&shy;halb der Bild&shy;fläche (bei Filmen auch zwischen ver&shy;schiedenen Bildern) aus&shy;machen lassen und die etwa durch einen [[Rahmung, Rahmen|Rah&shy;men]] be&shy;grenzt werden. Einen Linien&shy;abschnitt als nasen&shy;förmig einzu&shy;stufen ergibt sich dem&shy;nach aus dem Zusammen&shy;hang, in den er einge&shy;bettet ist. Ent&shy;sprechend kann ein und dasselbe Bild&shy;element in unter&shy;schied&shy;lichen Zusammen&shy;hängen nach dem Prinzip der Nähe als Unter&shy;schied&shy;liches gese&shy;hen werden. Bild&shy;wahrneh&shy;mung ist daher wesent&shy;lich [[Gestalt]]&shy;wahr&shy;nehmung. Der Kotext ließe sich in ver&shy;schiedene Ebenen gliedern. Die Orga&shy;nisa&shy;tion der Form&shy;elemente nach Gestalt&shy;gesetzen ist hier&shy;bei sehr grund&shy;sätz&shy;lich, inter&shy;preta&shy;tions&shy;ein&shy;schrän&shy;kend wirkt aber auch die Ein&shy;ord&shy;nung der Gestal&shy;ten in das Bild&shy;ganze, das etwa als Land&shy;schafts&shy;darstel&shy;lung er&shy;kannt wird. Hier scheinen dem herme&shy;neuti&shy;schen Zirkel ana&shy;loge Pro&shy;zesse abzu&shy;laufen, in denen sich der Gesamt&shy;zusammen&shy;hang und die einzel&shy;nen Ele&shy;mente gegen&shy;seitig bestim&shy;men (⊳ [[Bildhermeneutik|Bild&shy;herme&shy;neutik]]).
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In ähnlicher Weise schränkt der Bild&shy;[[kontext]] die Inter&shy;preta&shy;tions&shy;mög&shy;lich&shy;keiten ein. ‘Kontext’ ist hier im enge&shy;ren Sinne zu ver&shy;stehen. Er ent&shy;hält alle rele&shy;vanten Aspekte der physi&shy;schen Bild&shy;umge&shy;bung. Ins&shy;beson&shy;dere form&shy;redu&shy;zierte Dar&shy;stellun&shy;gen können in ver&shy;schie&shy;denen Umge&shy;bungen unter&shy;schiedlich wahr&shy;genom&shy;men werden. Das [[Bilderschrift und Piktogramm|Pikto&shy;gramm]] eines Laut&shy;sprechers ließe sich bei&shy;spiels&shy;weise in einem Hut&shy;geschäft als Dar&shy;stellung von Stroh&shy;hüten inter&shy;pretieren, wenn es um 90° gedreht würde. Auch der Bild&shy;kontext liefert dem&shy;nach einen Inter&shy;preta&shy;tions&shy;hori&shy;zont, der es ermög&shy;lich, den In&shy;halt eines Bildes in unter&shy;schied&shy;licher Weise zu bestim&shy;men. Auf Grund domi&shy;nanter Kontext&shy;bedingun&shy;gen geraten die meisten mög&shy;lichen Inter&shy;preta&shy;tionen in der Regel aber gar nicht erst in den Blick.
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Wichtig bei der Kategorisierung dessen, was wir im Bild sehen, ist schließ&shy;lich auch, wie typisch die darge&shy;stellten Eigen&shy;schaften für eine Gegen&shy;stands&shy;klasse sind (⊳ auch [[Exemplifikation|Exem&shy;plifi&shy;kation]]). Des&shy;halb korre&shy;liert nur sehr ein&shy;geschränkt ein nied&shy;riger Detail&shy;lierungs&shy;grad mit einem großen Inter&shy;preta&shy;tions&shy;spiel&shy;raum. Ob die Strich&shy;zeich&shy;nung eines Fi&shy;sches als Dar&shy;stellung eines Hai&shy;fisches gilt hängt davon ab, ob Eigen&shy;schaften darge&shy;stellt sind, die Hai&shy;fische aus&shy;zeich&shy;nen, etwa die beson&shy;dere Form der Flosse oder der Zähne. Sind diese in der Dar&shy;stellung erkenn&shy;bar, wird die ent&shy;sprechen&shy;de Klassi&shy;fika&shy;tion auch dann vor&shy;genom&shy;men, wenn andere Eigen&shy;schaften fehlen oder sogar falsch darge&shy;stellt wurden. Das trifft selbst auf die Dar&shy;stellung indi&shy;vidu&shy;eller Gesichts&shy;züge zu (⊳ [[Gesichtsdarstellung|Gesichts&shy;dar&shy;stel&shy;lung]]). Ob nur irgend&shy;ein Gesicht oder ein bestimm&shy;tes Gesicht veran&shy;schau&shy;licht werden soll, kann durch die Dar&shy;stellung spezi&shy;fischer Eigen&shy;schaften nahe&shy;gelegt wer&shy;den. Die ange&shy;messene Inter&shy;preta&shy;tion hängt dann frei&shy;lich davon ab, ob die ent&shy;sprechen&shy;den Wahr&shy;nehmungs&shy;kompe&shy;tenzen vor&shy;liegen. Was wir im Bild sehen ist folg&shy;lich durch mentale Proto&shy;typen einge&shy;schränkt, in denen be&shy;stimmte Eigen&shy;schaften als typisch ausge&shy;wiesen sind und somit als rele&shy;vant für die Ähn&shy;lich&shy;keits&shy;be&shy;zie&shy;hung gelten. Diese Typi&shy;kali&shy;täts&shy;erwä&shy;gungen sind nicht nur indi&shy;viduell vari&shy;abel, son&shy;dern zudem kultu&shy;rellen Stan&shy;dards unter&shy;worfen. Je nach Lebens&shy;welt können zudem unter&shy;schied&shy;liche Eigen&shy;schaften für ty&shy;pisch gehal&shy;ten werden (vgl. <bib id="Blanke 2003a"></bib>: S. 96). Inso&shy;fern wird der Bild&shy;inhalt zwar ent&shy;scheidend durch Wahr&shy;nehmungs&shy;mecha&shy;nismen bestimmt, diese unter&shy;liegen aber durch&shy;aus kultu&shy;rellen Prä&shy;gungen.


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* [[Ähnlichkeit und wahrnehmungsnahe Zeichen]]
* [[Bedeutung und Referenz]]
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* [[Bilderschrift und Piktogramm]]
* [[Bildhermeneutik]]
* [[Exemplifikation]]
* [[Figur/Grund-Differenzierung]]
* [[Gesichtsdarstellung]]
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* [[Perspektive und Projektion]]
* [[Rahmung, Rahmen]]
* [[Visuelle und multimodale Metaphern]]
* [[Zeichenträger]]
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Aktuelle Version vom 22. Januar 2024, 13:53 Uhr

Unterpunkt zu: Bildsemantik


Zeichen, Zeichenbedeutung und Zei­chen­refe­renz

Den meisten Zeichenmodellen ist eine Unter­scheidung zwischen Zeichen, Zeichen­bedeutung und Zeichen­refe­renz gemein­sam, ob­schon diese drei Größen in den ver­schie­denen Model­len sehr unter­schied­liche Benen­nungen er­fahren haben (⊳ Bedeu­tung und Refe­renz). Rela­tiv grob charak­teri­siert geht es hier­bei (1) um den als Zeichen­träger ver­stande­nen physi­schen Gegen­stand, (2) um die dem Gegen­stand zuge­schrie­bene Bedeu­tung, durch die der Zei­chen­träger über­haupt erst zum Zeichen wird, und (3) um den Gegen­stand bzw. die Gegen­stands­klasse, auf den bzw. auf die mit dem Zeichen an­hand der Zeichen­bedeutung referiert wird. Diese Drei­teilung, die sich promi­nent mit den Benen­nung ‘Zeichen’, ‘Sinn’ und ‘Bedeu­tung’ bei Frege findet (vgl. [Frege 1892a]Frege, Gottlob (1892): Über Sinn und Bedeutung. Zeitschrift für Philosophie und philosophische Kritik, 100.
Webadresse: www.gavagai.de/HHP31.htm
), lässt sich auch für Bilder frucht­bar machen, bei denen ent­sprechend zwischen Bild­träger, Bild­bedeu­tung bzw. Bild­inhalt und Bild­referenz unter­schieden werden kann. In der eng­lisch­sprachi­gen Lite­ratur hat sich für die Bedeu­tungs­ebene des Bildes der Aus­druck ‘content’ einge­bürgert (vgl. etwa [Lopes 1996a]Lopes, Dominic (1996): Understanding Pictures. Claredon Press, Oxford.
), an den sich der deut­sche Aus­druck ‘Inhalt’ an­lehnt.


Was man im Bild sieht

Als Bildinhalt sollte derjenige Bedeu­tungs­aspekt bei Bildern ange­sehen werden, der sich un­mittel­bar mit der intrin­sischen Struk­tur des Bildes ver­bindet. Auf die Sprach­ebene bezo­gen ist er der lexi­kali­schen Bedeu­tung ver­gleich­bar und von der symbo­lischen (⊳ Visu­elle und multi­modale Meta­phern) wie auch von der kommu­nika­tiven Bedeu­tung (⊳ Illo­kution) zu unter­scheiden. Der Bild­inhalt ist nach Richard Woll­heim das­jenige, was je­mand im Bild sieht. Er ver­dankt sich spezi­fischer Wahr­nehmungs­mecha­nismen. Ob diese im Sinne von Ähn­lich­keits­stan­dards erläu­tert werden können, ist eine der viel dis­kutier­ten, bis­her nicht ent­schiede­nen Fragen (vgl. [Scholz 2004a]Scholz, Oliver R. (2004): Bild, Darstellung, Zeichen. Philosophische Theorien bildhafter Darstellungen. Klostermann, Frankfurt/M.
Nicht angezeigt: 2., vollständig überarbeitete Aufl.
; ⊳ Ähn­lich­keit und wahr­neh­mungs­nahe Zeichen).

Da der Inhalt eines Bildes sich immer nur in der Rela­tion zum Betrac­hter ein­stellt, liegt er nicht objek­tiv fest. Bilder sind aus diesem Grunde prinzi­piell viel­deutig. Gleich­wohl soll­ten bei Bilder zur Bestim­mung des Bild­inhalts Adä­quat­heits­bedin­gungen ange­nommen werden. Be­trachten wir als Bei­spiel das in der Gestalt­psycho­logie oft beschrie­bene Phäno­men des Kipp­bildes, bei dem Figur und Hinter­grund ver­tauscht werden können. Jemand sieht in einem Bild einen Kelch. Ein zweiter sieht in dem Bild zwei Gesich­ter im Profil. Vermut­lich werden sie sich sehr schnell eini­gen, dass beide Inter­preta­tionen kor­rekte Inter­preta­tionen sind, so­fern sie auf die wesent­lichen Ent­sprechun­gen hin­weisen (d.h. Teile des Bildes heraus­greifen) und dar­legen können, dass ein bestim­mter Linien­abschnitt nasen­förmig ist (den Begriff der Nase veran­schaulicht) oder (in diesem Fall zu­gleich) einen Teil der Kontur eines Kelches dar­stellt. Sieht ein Dritter in dem Bild einen Ele­fanten, so ist dies nur dann als kor­rekte Inter­preta­tion zu werten, wenn er eben­falls auf rele­vante Ent­sprechun­gen hin­weisen kann.

Die Tatsache, dass wir Unter­schied­liches in einem Bild sehen können, er­gibt sich der Ähn­lich­keits­theo­rie zufolge da­raus, dass ver­schie­dene Dinge unter ent­sprechen­den Perspek­tiven iden­tische Wahr­nehmungen er­zeugen. Ob­schon dies der Regel­fall ist, wird uns die Viel­deutig­keit des Bild­inhal­tes oft nicht be­wusst, weil die Kontext­bedin­gungen eine bestim­mte Inter­preta­tion als beson­ders rele­vant aus­zeichnen. Sie spezi­fizie­ren den Inhalt eines Bildes inner­halb einer bestim­mten Inter­preta­tions­umge­bung.

Es lassen sich hierzu wenigstens drei Fälle unter­scheiden. Der Bild­inhalt wird durch Kotext, Kontext und Typi­kalität beein­flusst. Unter ‘Kotext’ ist die Summe der Ele­mente gemeint, die sich inner­halb der Bild­fläche (bei Filmen auch zwischen ver­schiedenen Bildern) aus­machen lassen und die etwa durch einen Rah­men be­grenzt werden. Einen Linien­abschnitt als nasen­förmig einzu­stufen ergibt sich dem­nach aus dem Zusammen­hang, in den er einge­bettet ist. Ent­sprechend kann ein und dasselbe Bild­element in unter­schied­lichen Zusammen­hängen nach dem Prinzip der Nähe als Unter­schied­liches gese­hen werden. Bild­wahrneh­mung ist daher wesent­lich Gestalt­wahr­nehmung. Der Kotext ließe sich in ver­schiedene Ebenen gliedern. Die Orga­nisa­tion der Form­elemente nach Gestalt­gesetzen ist hier­bei sehr grund­sätz­lich, inter­preta­tions­ein­schrän­kend wirkt aber auch die Ein­ord­nung der Gestal­ten in das Bild­ganze, das etwa als Land­schafts­darstel­lung er­kannt wird. Hier scheinen dem herme­neuti­schen Zirkel ana­loge Pro­zesse abzu­laufen, in denen sich der Gesamt­zusammen­hang und die einzel­nen Ele­mente gegen­seitig bestim­men (⊳ Bild­herme­neutik).

In ähnlicher Weise schränkt der Bild­kontext die Inter­preta­tions­mög­lich­keiten ein. ‘Kontext’ ist hier im enge­ren Sinne zu ver­stehen. Er ent­hält alle rele­vanten Aspekte der physi­schen Bild­umge­bung. Ins­beson­dere form­redu­zierte Dar­stellun­gen können in ver­schie­denen Umge­bungen unter­schiedlich wahr­genom­men werden. Das Pikto­gramm eines Laut­sprechers ließe sich bei­spiels­weise in einem Hut­geschäft als Dar­stellung von Stroh­hüten inter­pretieren, wenn es um 90° gedreht würde. Auch der Bild­kontext liefert dem­nach einen Inter­preta­tions­hori­zont, der es ermög­lich, den In­halt eines Bildes in unter­schied­licher Weise zu bestim­men. Auf Grund domi­nanter Kontext­bedingun­gen geraten die meisten mög­lichen Inter­preta­tionen in der Regel aber gar nicht erst in den Blick.

Wichtig bei der Kategorisierung dessen, was wir im Bild sehen, ist schließ­lich auch, wie typisch die darge­stellten Eigen­schaften für eine Gegen­stands­klasse sind (⊳ auch Exem­plifi­kation). Des­halb korre­liert nur sehr ein­geschränkt ein nied­riger Detail­lierungs­grad mit einem großen Inter­preta­tions­spiel­raum. Ob die Strich­zeich­nung eines Fi­sches als Dar­stellung eines Hai­fisches gilt hängt davon ab, ob Eigen­schaften darge­stellt sind, die Hai­fische aus­zeich­nen, etwa die beson­dere Form der Flosse oder der Zähne. Sind diese in der Dar­stellung erkenn­bar, wird die ent­sprechen­de Klassi­fika­tion auch dann vor­genom­men, wenn andere Eigen­schaften fehlen oder sogar falsch darge­stellt wurden. Das trifft selbst auf die Dar­stellung indi­vidu­eller Gesichts­züge zu (⊳ Gesichts­dar­stel­lung). Ob nur irgend­ein Gesicht oder ein bestimm­tes Gesicht veran­schau­licht werden soll, kann durch die Dar­stellung spezi­fischer Eigen­schaften nahe­gelegt wer­den. Die ange­messene Inter­preta­tion hängt dann frei­lich davon ab, ob die ent­sprechen­den Wahr­nehmungs­kompe­tenzen vor­liegen. Was wir im Bild sehen ist folg­lich durch mentale Proto­typen einge­schränkt, in denen be­stimmte Eigen­schaften als typisch ausge­wiesen sind und somit als rele­vant für die Ähn­lich­keits­be­zie­hung gelten. Diese Typi­kali­täts­erwä­gungen sind nicht nur indi­viduell vari­abel, son­dern zudem kultu­rellen Stan­dards unter­worfen. Je nach Lebens­welt können zudem unter­schied­liche Eigen­schaften für ty­pisch gehal­ten werden (vgl. [Blanke 2003a]Blanke, Börries (2003): Vom Bild zum Sinn. Das ikonische Zeichen zwischen strukturalistischer Semiotik und analytischer Philosophie. Deutscher Universitätsverlag, Wiesbaden.
Nicht angezeigt: Reihe Bildwissenschaft, Bd. 4
: S. 96). Inso­fern wird der Bild­inhalt zwar ent­scheidend durch Wahr­nehmungs­mecha­nismen bestimmt, diese unter­liegen aber durch­aus kultu­rellen Prä­gungen.

Anmerkungen
Literatur
[Blanke 2003a]Blanke, Börries (2003): Vom Bild zum Sinn. Das ikonische Zeichen zwischen strukturalistischer Semiotik und analytischer Philosophie. Deutscher Universitätsverlag, Wiesbaden.[Frege 1892a]Frege, Gottlob (1892): Über Sinn und Bedeutung. Zeitschrift für Philosophie und philosophische Kritik, 100.[Lopes 1996a]Lopes, Dominic (1996): Understanding Pictures. Claredon Press, Oxford.[Scholz 2004a]Scholz, Oliver R. (2004): Bild, Darstellung, Zeichen. Philosophische Theorien bildhafter Darstellungen. Klostermann, Frankfurt/M.

Ausgabe 1: 2013

Verantwortlich:

Lektorat:

Seitenbearbeitungen durch: Joerg R.J. Schirra, Stefan Kahl und Marcel Lemmes — (Hinweis)

Zitierhinweis:

Sachs-Hombach, Klaus (2013). Bildinhalt. (Ausg. 1). In: Schirra, J.R.J.; Halawa, M. & Liebsch, D. (Hg.), Glossar der Bildphilosophie. (2012-2026). [bildglossar.org/index.php?title=Bildinhalt].