Komposition: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Glossar der Bildphilosophie
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Joerg R.J. Schirra (Diskussion | Beiträge)
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=====Darstellung des größeren Zusammenhangs=====
==Komposition, Bildsyntax und Stil==
Etymologisch bezeichnet die Komposition etwas Zusammengesetztes und ist daher weitgehend identisch mit der Bildsyntax; der übliche Wortgebrauch mit seiner Herkunft aus der Musik impliziert jedoch ein wesentlich stärkeres Moment der hierarchischen Organisation von Teilen als im syntaktischen Kontext. Es ist gerade diese Bestimmung, die dem Begriff der K. einen metaphorischen Charakter verliehen und ihn für Jahrzehnte zur Grundlage aller Bildkritik hat werden lassen. Mehr als viele andere Begriffe ist die Entlehnung der K. aus dem Repertoire der Kunstwissenschaft für ihre eigene Bestimmung wichtig geworden; kein Kunstwerk ist ohne K. denkbar. Dass jedes Bild als K. aufzufassen ist, kann dagegen keine direkte Konnotation zur Kunst nach sich ziehen. Jedes Bild – von der mimetischen Darstellung eines präzise erkennbaren Ausschnitts der Realität bis zur monochromen, nur durch ihre Kante definierten Fläche – kann als K. gesehen, begriffen und beurteilt werden.
Etymologisch bezeichnet ‘Kompo&shy;sition’ etwas Zusam&shy;menge&shy;setztes und ist daher weitge&shy;hend iden&shy;tisch mit der Bildsyn&shy;tax; der übli&shy;che Wortge&shy;brauch mit seiner Herkunft aus der Musik impli&shy;ziert jedoch ein wesen&shy;lich stärke&shy;res Moment der hierar&shy;chischen Orga&shy;nisa&shy;tion von Teilen als im syntak&shy;tischen Kontext. Es ist gerade diese Bestim&shy;mung, die dem Begriff der Kompo&shy;sition einen [[Sprachliche Metaphern und allgemeine Metaphorologie|meta&shy;phori&shy;schen]] Charak&shy;ter verlie&shy;hen und ihn für Jahr&shy;zehnte zur Grund&shy;lage aller Bildkri&shy;tik hat werden lassen. Mehr als viele andere Begrif&shy;fe ist die Entleh&shy;nung der Kompo&shy;sition aus dem Reper&shy;toire der Kunstwis&shy;senschaft für ihre eige&shy;ne Bestim&shy;mung wichtig gewor&shy;den; kein Kunstwerk ist ohne sie denkbar. Dass jedes Bild als Kompo&shy;sition aufzu&shy;fassen ist kann dagegen keine direk&shy;te Konno&shy;tation zur Kunst nach sich ziehen. Jedes Bild – von der [[Mimesis|mime&shy;tischen]] Darstel&shy;lung eines präzi&shy;se erkenn&shy;baren Ausschnitts der Reali&shy;tät bis zur mono&shy;chromen, nur durch ihre Kante defi&shy;nierten Fläche – kann als Kompo&shy;sition gese&shy;hen, begrif&shy;fen und beur&shy;teilt werden.
In der Ästhetik ist die K. Grundlage eines Geschmacksurteils; diese Bestimmung gilt dann für alle Sinnesorgane: Ein Duft wird ebenso komponiert wie ein Menu, ein Musikstück oder ein Bild. Im Bereich des Tastsinns – für die bildende Kunst primär im Bereich der Skulptur – ist die K. Element einer sinnlichen Substitution; was nicht erfühlt werden kann oder darf, wird als K. in die Anschauung transformiert. Für die Malerei wird diese Substitution zu einer eigenen Unterkategorie der K., der Faktur als visuelle Evokation einer haptischen Sensation. In allen diesen Kontexten fungiert K. – ähnlich wie der Begriff des Stils (<bib id='Gumbrecht 1986a'></bib>) – als sprachliche Konvention mit hohem Konnotationspotential und ist eine der wesentlichen Beschreibungs-Kategorien der Ästhetik. Im Sinn des Geschmacksurteils wird eine K. dann als ausgewogen und positiv beurteilt, wenn die Anordnung ihrer Teile und des Ganzen in klaren, einfach beschreibbaren Verhältnissen zu bestimmen ist – hier gibt es eine ontologische Interdependenz der K. zur Mathematik.
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In der Ästhetik ist die Kompo&shy;sition Grundla&shy;ge eines Geschmacks&shy;urteils; diese Bestim&shy;mung gilt dann für alle Sinnes&shy;orga&shy;ne: Ein Duft wird eben&shy;so kompo&shy;niert wie ein Menu, ein Musik&shy;stück oder ein Bild. Im Bereich des Tastsinns – für die bilden&shy;de Kunst primär im Bereich der [[Skulptur]] – ist die Kompo&shy;sition Ele&shy;ment einer sinnli&shy;chen Substi&shy;tution; was nicht erfühlt werden kann oder darf, wird als Kompo&shy;sition in die [[Anschauung|Anschau&shy;ung]] transfor&shy;miert. Für die [[Malerei|Male&shy;rei]] wird diese Substi&shy;tution zu einer eige&shy;nen Unter&shy;kate&shy;gorie der Kompo&shy;sition, der ''Faktur'' als visu&shy;elle Evo&shy;kation einer hapti&shy;schen Sensa&shy;tion (⊳ [[Textur]]). In allen diesen Kontex&shy;ten fungiert Kompo&shy;sition – ähnlich wie der Begriff des [[Stil]]s (<bib id='Gumbrecht 1986a'></bib>) – als sprachli&shy;che Konven&shy;tion mit hohem Konno&shy;tations&shy;poten&shy;tial und ist eine der wesent&shy;lichen Beschrei&shy;bungs&shy;kate&shy;gorien der Ästhe&shy;tik. Im Sinn des Geschmacks&shy;urteils wird eine Kompo&shy;sition dann als ausge&shy;wogen und posi&shy;tiv beur&shy;teilt, wenn die Anord&shy;nung ihrer Teile und des Ganzen in klaren, einfach beschreib&shy;baren Verhält&shy;nissen zu bestim&shy;men ist – hier gibt es eine onto&shy;logi&shy;sche Inter&shy;depen&shy;denz der Kompo&shy;sition zur Mathe&shy;matik.
Die letztliche Unbestimmtheit des Begriffs K. – vor allem in seinem Alltagsgebrauch – macht ihn zu einer Generalmetapher, semiotisch gesprochen zu einem Leerzeichen der Bildsyntax, denn das Verhältnis von ikonischen Teilen eines Bildes zueinander oder zum Ganzen samt seinem Umraum ist begrifflich durch andere syntaktische Kategorien – sprachliche und/oder mathematische Formdifferenzen – leichter zu fassen als durch eine meist metaphysisch umwölkte K. (<bib id='Worringer 1908a'></bib>). Anders als in der Musik, in der die K. durch die Notation nach einem festen Regelwerk (und dessen gezielter Verletzung im Detail) fixiert ist, hat die K. für die Bildsyntax nicht mehr die Bedeutung, die sie ursprünglich für die Selbstdefinition eines Fachs wie der Kunstgeschichte hatte.
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Die letztliche Unbestimmt&shy;heit des Ausdrucks ‘Kompo&shy;sition’ – vor allem in seinem Alltags&shy;gebrauch – macht ihn zu einer Gene&shy;ral&shy;meta&shy;pher, semio&shy;tisch gespro&shy;chen: zu einem Leerzei&shy;chen der Bildsyn&shy;tax, denn das Verhält&shy;nis von iko&shy;nischen Teilen eines Bildes zu&shy;einan&shy;der oder zum Ganzen samt seinem Umraum ist begriff&shy;lich durch ande&shy;re syntak&shy;tische Kate&shy;gorien – sprachli&shy;che und/oder mathe&shy;mati&shy;sche Formdif&shy;feren&shy;zen – leichter zu fassen als durch eine meist meta&shy;physisch umwölk&shy;te Kompo&shy;sition (<bib id='Worringer 1908a'>Worrin&shy;ger 1908a</bib>). Anders als in der Musik, in der die Kompo&shy;sition durch die [[Notation|Nota&shy;tion]] nach einem festen Regel&shy;werk (und dessen geziel&shy;ter Verlet&shy;zung im Detail) fixiert ist, hat die Kompo&shy;sition für die Bildsyn&shy;tax nicht mehr die Bedeu&shy;tung, die sie ursprüng&shy;lich für die Selbstde&shy;finition eines Fachs wie der Kunstge&shy;schichte hatte.
 
=====Engere Begriffsbestimmung=====
K. ist die Anordnung von Zeichen auf der Fläche des Bildes. Dies geschieht unabhängig von einer formalen Definition dieser Zeichen. Komponiert werden können Linien, Flächen, Farben, Perspektiven, Körper(teile) sowie deren Kombinationen und Integrale. Zwei Ebenen der K. sind zu unterscheiden: die aktive, intendierte und auf Effekt ausgerichtete Tätigkeit des Zusammenfügens in einer K. sowie der Prozess im Erkennen einer K. bei der Betrachtung eines Bildes. Beide Ebenen können unabhängig voneinander konstruiert werden, weisen aber auch gemeinsame Elemente auf, die sich als umgangssprachliche Nebel über das Verständnis eines Bildaufbaus legen. Dies geschieht vor allem da, wo die Anordnung so getroffen wird, dass die verschiedenen Zeichen zueinander in hierarchischen Beziehungen stehen und dadurch gewichtet wie gewertet werden. Insbesondere ikonologische Untersuchungen von Kunstwerken und bildlichen Darstellungen bedienen sich der K. als Grundlage von Werturteilen im Kontext einer Interpretation.
 
Der aktive Begriff einer K. impliziert also die Anordnung von Zeichen im Bild; dies setzt nicht unbedingt voraus, dass diese Anordnung – wie etwa in den klassischen Medien der bildenden Kunst – willentlich und wissentlich getroffen wird. Es ist nachgerade ein Spezifikum der technischen Bildmedien seit dem Auftreten von Camera Obscura und Fotografie, dass die Ausrichtung eines Zeichengeräts und die Auswahl eines zu betrachtenden Ausschnitts sämtliche Elemente einer – auch und gerade – subordinierenden K. nach sich zieht. Selbstverständlich sind Bilder aus Automaten und generativen, auch computierenden Konstruktionen als K. anzusehen; allein die nachfolgende Interpretation wird durch das Wissen einer solchen Genese verändert. Dennoch impliziert die Verwendung des Begriffs der K. zwei intendierte Nutzungen: die der wissentlichen Anordnung von Elementen in einer noch zu schaffenden K. – prinzipiell als Arbeit des (musikalischen) Komponisten, (visuellen) Künstlers oder (alle Sinne umfassenden) Designers verstanden; andererseits als Grundlage der Erkenntnis des ästhetischen, künstlerischen oder Geschmacks bildenden Elemente eines gegebenen Werks, Objekts oder Prozesses.
 
Die aktive Definition der K. ist in der Geschichte der Ästhetik direkt mit der Entwicklung des Geniebegriffs gekoppelt (<bib id='Sulzer 1774a'></bib>). Das Zusammenstellen einer gelingenden K., gleich in welchem Medium, entzieht sich der sprachlichen Kritik durch Dritte – allein der Nachvollzug kann in Form einer Hermeneutik gefasst werden. Im aktiven Bereich der Fügung einer K. kann nicht einmal mehr von einer klaren Distinktion ihrer einzelnen Teile ausgegangen werden, zumal dies dem Autoren/Künstler/Komponisten im Prozess der Verfertigung nicht bewusst werden muss. Allerdings sind hier definitorische Grenzen gegeben, die sich durch die Geschichte der Kunst in allen ihren Ausprägungen gezogen haben: Vom Einsatz halluzinogener Mittel im kreativen Prozess bis zur Nutzung zufälliger, autopoëtischer und schließlich automatisch generierender Verfahren im Finden und Arrangieren einzelner Teile der K. ist die Genese eines Werks immer wieder im Begriff der Kunst kritisiert worden. Mit Joseph Beuys mag zwar davon gesprochen werden, dass jeder Mensch ein Künstler sei – aber eine K. aus dem Computer ist in dieser Sicht niemals als Kunstwerk zu beschreiben (<bib id='Klotz 1995a'></bib>: S. 64).
 
 
Einfacher ist die K. als Moment der Erkenntnis von Bildern zu fassen: Wo ein Rahmen, Rand oder Umraum gegeben sind, können diese proportional unterteilt werden, darin enthaltene Flächen nach ihren Teilen und Zusammenhängen überprüft, dreidimensionale Formen auf ihre Verhältnismäßigkeit nach innen und außen betrachtet werden; und diese Erkenntnisse lassen sich mit einiger Übung in Worte fassen. Erkenntnis und Beschreibung einer K. sind demnach erste Schritte einer Bildhermeneutik, insbesondere für alle die Fälle, wo nicht ein mediales Vorwissen, reproduktives Vorbild oder reproduzierbarer Sinneseindruck (Klang, in geringerem Maße Geruch oder Geschmack) aufgerufen werden kann. Diese Betrachtung ist für jedes Bild gegeben, das als solches erkannt wird, unabhängig von irgendeiner Definition seiner Genese oder Eigenschaft als Musikstück, Kunstwerk, Designobjekt, Medien-Image oder wissenschaftliche Illustration. Allerdings setzt die Bildung eines auf der K. beruhenden, positiven Geschmacksurteils einen Konventionalisierungsprozess in Gang, der in (zeitlich) spätere Definitionen von Kunst einfließt.
 
In diesen Prozess der Konventionalisierung mündet eine Betrachtung des Vorgangs der Erkenntnis einer K. in einem gegebenen Ganzen (Werk), die zu einer Binnendifferenzierung als Grundlage der Speicherung im Gedächtnis führt: Aus einer kompositorischen Betrachtung werden ikonische Superzeichen herausgebrochen, die als Fragmente im Gedächtnis verbleiben, wo sie bei Abruf als neuer, memorierter Sinneseindruck zusammengesetzt, also komponiert werden. Dieser Vorgang ist unter dem Begriff der Formkonstanz an zahlreichen Gegenständen des Alltags überprüft worden, wobei sich in der Re-K. enorme Abweichungen ergeben können, ohne dass das Wiederkennen eines Objekts oder Zeichenkomplexes darunter leidet (<bib id='Biederman 1995a'></bib>). Allerdings macht die Betrachtung derartiger Prozesse im Mikro- und Makrobereich der Zeichenerkennung und –validisierung unter dem Begriff der K. wenig Sinn, weil sie einerseits in ihrer Physiologie zu schnell ablaufen, um noch mit einem Begriff der Intentionalität verbunden zu werden, andererseits aber auch nicht wirklich zu einem tieferen Verständnis der formalen Zusammenhänge in einem Bild führen.




==Elemente der Kompo&shy;sition==
Komposition ist die Anord&shy;nung von [[Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem|Zeichen]] auf der Fläche des Bildes. Dies geschieht unab&shy;hängig von einer forma&shy;len Defi&shy;nition dieser Zeichen. Kompo&shy;niert werden können [[Raum und Geometrie|Linien, Flächen]], [[Farbe als bildsyntaktische Kategorie|Farben]], [[Perspektive und Projektion|Perspek&shy;tiven]], [[Körper]](teile) sowie deren Kombi&shy;natio&shy;nen und Inte&shy;grale. Zwei Ebe&shy;nen der Kompo&shy;sition sind zu unter&shy;scheiden: die akti&shy;ve, inten&shy;dierte und auf Effekt ausge&shy;richte&shy;te Tätig&shy;keit des Zusam&shy;menfü&shy;gens in einer Kompo&shy;sition sowie der Prozess im Erken&shy;nen einer Kompo&shy;sition bei der Betrach&shy;tung eines Bildes. Beide Ebe&shy;nen können unab&shy;hängig von&shy;einan&shy;der konstru&shy;iert werden, weisen aber auch gemein&shy;same Ele&shy;mente auf, die sich als umgangs&shy;sprachli&shy;che Nebel über das Verständ&shy;nis eines Bildauf&shy;baus legen. Dies geschieht vor allem da, wo die Anord&shy;nung so getrof&shy;fen wird, dass die verschie&shy;denen Zeichen zu&shy;einan&shy;der in hierar&shy;chischen Bezie&shy;hungen stehen und dadurch gewich&shy;tet wie gewer&shy;tet werden. Insbe&shy;sonde&shy;re [[Ikonografie, Ikonologie, Ikonik|iko&shy;nolo&shy;gische]] Unter&shy;suchun&shy;gen von Kunstwer&shy;ken und bildli&shy;chen Darstel&shy;lungen bedie&shy;nen sich der Kompo&shy;sition als Grundla&shy;ge von Wertur&shy;teilen im Kontext einer Inter&shy;preta&shy;tion.
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Der aktive Begriff einer Kompo&shy;sition impli&shy;ziert also die Anord&shy;nung von Zeichen im Bild; dies setzt nicht unbe&shy;dingt voraus, dass diese Anord&shy;nung – wie etwa in den klassi&shy;schen Medien der bilden&shy;den Kunst – willent&shy;lich und wissent&shy;lich getrof&shy;fen wird. Es ist nachge&shy;rade ein Spezi&shy;fikum der [[Technische Medien|techni&shy;schen Bildme&shy;dien]] seit dem Auftre&shy;ten von Came&shy;ra Obscu&shy;ra und [[Fotografie|Foto&shy;grafie]], dass die Ausrich&shy;tung eines Zeichen&shy;geräts und die Auswahl eines zu betrach&shy;tenden Ausschnitts sämtli&shy;che Ele&shy;mente einer – auch und gerade – subor&shy;dinie&shy;renden Kompo&shy;sition nach sich zieht.
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Selbstverständlich sind Bilder aus Auto&shy;maten und gene&shy;rati&shy;ven, auch compu&shy;tieren&shy;den Konstruk&shy;tionen als Kompo&shy;sitio&shy;nen anzu&shy;sehen; allein die nachfol&shy;gende Inter&shy;preta&shy;tion wird durch das Wissen einer solchen Gene&shy;se verän&shy;dert. Dennoch impli&shy;ziert die Verwen&shy;dung des Begriffs der Kompo&shy;sition zwei inten&shy;dierte Nutzun&shy;gen: die der wissent&shy;lichen Anord&shy;nung von Ele&shy;menten in einer noch zu schaffen&shy;den Kompo&shy;sition – prinzi&shy;piell als Arbeit des (musi&shy;kali&shy;schen) Kompo&shy;nisten, (visu&shy;ellen) Künstlers oder (alle Sinne umfas&shy;senden) Desig&shy;ners verstan&shy;den; ande&shy;rerseits als Grundla&shy;ge der Erkennt&shy;nis der ästhe&shy;tischen, künstle&shy;rischen oder geschmacks&shy;bilden&shy;den Ele&shy;mente eines gege&shy;benen Werks, Objekts oder Prozes&shy;ses.
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Die aktive Definition der Kompo&shy;sition ist in der Geschich&shy;te der Ästhe&shy;tik direkt mit der Entwick&shy;lung des Genie&shy;begriffs gekop&shy;pelt (<bib id='Sulzer 1774a'></bib>). Das Zusam&shy;menstel&shy;len einer gelin&shy;genden Kompo&shy;sition, gleich in welchem Medium, entzieht sich der sprachli&shy;chen Kritik durch Dritte – allein der Nachvoll&shy;zug kann in Form einer Herme&shy;neutik gefasst werden. Im akti&shy;ven Bereich der Fügung einer Kompo&shy;sition kann nicht einmal mehr von einer klaren Distink&shy;tion ihrer einzel&shy;nen Teile ausge&shy;gangen werden, zumal dies dem Auto&shy;ren/Künst&shy;ler/Kom&shy;ponis&shy;ten im Prozess der Verfer&shy;tigung nicht bewusst werden muss. Aller&shy;dings sind hier defi&shy;nito&shy;rische Grenzen gege&shy;ben, die sich durch die Geschich&shy;te der Kunst in allen ihren Ausprä&shy;gungen gezo&shy;gen haben: Vom Einsatz hallu&shy;zino&shy;gener Mittel im krea&shy;tiven Prozess bis zur Nutzung zufäl&shy;liger, auto&shy;poëti&shy;scher und schließlich auto&shy;matisch gene&shy;rieren&shy;der Verfah&shy;ren im Finden und Arran&shy;gieren einzel&shy;ner Teile der Kompo&shy;sition ist die Gene&shy;se eines Werks immer wieder im Begriff der Kunst kriti&shy;siert worden. Mit Joseph Beuys mag zwar davon gespro&shy;chen werden, dass jeder Mensch ein Künstler sei – aber eine Kompo&shy;sition aus dem Compu&shy;ter ist in dieser Sicht niemals als Kunstwerk zu beschrei&shy;ben (<bib id='Klotz 1995a'></bib>: S. 64).
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Einfacher ist die Kompo&shy;sition als Moment der Erkennt&shy;nis von Bildern zu fassen: Wo ein [[Rahmung, Rahmen|Rahmen]], Rand oder Umraum gege&shy;ben sind, können diese propor&shy;tional unter&shy;teilt werden, darin enthal&shy;tene Flächen nach ihren Teilen und Zusam&shy;menhän&shy;gen über&shy;prüft, dreidi&shy;mensio&shy;nale Formen auf ihre Verhält&shy;nismäßig&shy;keit nach innen und außen betrach&shy;tet werden; und diese Erkennt&shy;nisse lassen sich mit eini&shy;ger Übung in Worte fassen. Erkennt&shy;nis und Beschrei&shy;bung einer Kompo&shy;sition sind demnach erste Schritte einer [[Bildhermeneutik|Bildher&shy;meneu&shy;tik]], insbe&shy;sonde&shy;re für alle die Fälle, wo nicht ein media&shy;les Vorwis&shy;sen, repro&shy;dukti&shy;ves Vorbild oder repro&shy;duzier&shy;barer Sinnes&shy;eindruck (Klang, in gerin&shy;gerem Maße Geruch oder Geschmack) aufge&shy;rufen werden kann. Diese Betrach&shy;tung ist für jedes Bild gege&shy;ben, das als solches erkannt wird, unab&shy;hängig von irgend&shy;einer Defi&shy;nition seiner Gene&shy;se oder Eigen&shy;schaft als Musik&shy;stück, Kunstwerk, Design&shy;objekt, Medien-Image oder wissen&shy;schaftli&shy;che Illus&shy;tration. Aller&shy;dings setzt die Bildung eines auf der Kompo&shy;sition beru&shy;henden, posi&shy;tiven Geschmacks&shy;urteils einen Konven&shy;tiona&shy;lisie&shy;rungs&shy;prozess in Gang, der in (zeitlich) späte&shy;re Defi&shy;nitio&shy;nen von Kunst einfließt.
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In diesen Prozess der Konven&shy;tiona&shy;lisie&shy;rung mündet eine Betrach&shy;tung des Vorgangs der Erkennt&shy;nis einer Kompo&shy;sition in einem gege&shy;benen Ganzen (''Werk''), die zu einer Binnen&shy;diffe&shy;renzie&shy;rung als Grundla&shy;ge der Speiche&shy;rung im Gedächt&shy;nis führt: Aus einer kompo&shy;sito&shy;rischen Betrach&shy;tung werden [[Symbol, Index, Ikon|iko&shy;nische]] Super&shy;zeichen heraus&shy;gebro&shy;chen, die als Fragmen&shy;te im Gedächt&shy;nis verblei&shy;ben, wo sie bei Abruf als neuer, memo&shy;rierter Sinnes&shy;eindruck zusam&shy;menge&shy;setzt, also kompo&shy;niert werden. Dieser Vorgang ist unter dem Begriff der »Formkon&shy;stanz« an zahlrei&shy;chen [[Sortale Gegenstände und Individuation|Gegen&shy;ständen des Alltags]] über&shy;prüft worden, wobei sich in der Re-Kompo&shy;sition enor&shy;me Abwei&shy;chungen erge&shy;ben können, ohne dass das Wieder&shy;kennen eines Objekts oder Zeichen&shy;komple&shy;xes darun&shy;ter leidet (<bib id='Biederman 1995a'>Bieder&shy;man 1995a</bib>). Aller&shy;dings macht die Betrach&shy;tung derar&shy;tiger Prozes&shy;se im Mikro- und Makro&shy;bereich der Zeichen&shy;erken&shy;nung und –vali&shy;disie&shy;rung unter dem Begriff der Kompo&shy;sition wenig Sinn, weil sie einer&shy;seits in ihrer Physio&shy;logie zu schnell ablau&shy;fen, um noch mit einem Begriff der Inten&shy;tiona&shy;lität verbun&shy;den zu werden, ande&shy;rerseits aber auch nicht wirklich zu einem tiefe&shy;ren Verständ&shy;nis der forma&shy;len Zusam&shy;menhän&shy;ge in einem Bild führen.


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* [[Anschauung]]
* [[Bildhermeneutik]]
* [[Fotografie]]
* [[Ikonografie, Ikonologie, Ikonik]]
* [[Körper]]
* [[Malerei]]
* [[Mimesis]]
* [[Notation]]
* [[Perspektive und Projektion]]
* [[Rahmung, Rahmen]]
* [[Raum und Geometrie]]
* [[Skulptur]]
* [[Sortale Gegenstände und Individuation]]
* [[Sprachliche Metaphern und allgemeine Metaphorologie]]
* [[Stil]]
* [[Symbol, Index, Ikon]]
* [[Technische Medien]]
* [[Textur]]
* [[Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem]]
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Aktuelle Version vom 22. Januar 2024, 13:53 Uhr

Unterpunkt zu: Bildsyntax


Komposition, Bildsyntax und Stil

Etymologisch bezeichnet ‘Kompo­sition’ etwas Zusam­menge­setztes und ist daher weitge­hend iden­tisch mit der Bildsyn­tax; der übli­che Wortge­brauch mit seiner Herkunft aus der Musik impli­ziert jedoch ein wesen­lich stärke­res Moment der hierar­chischen Orga­nisa­tion von Teilen als im syntak­tischen Kontext. Es ist gerade diese Bestim­mung, die dem Begriff der Kompo­sition einen meta­phori­schen Charak­ter verlie­hen und ihn für Jahr­zehnte zur Grund­lage aller Bildkri­tik hat werden lassen. Mehr als viele andere Begrif­fe ist die Entleh­nung der Kompo­sition aus dem Reper­toire der Kunstwis­senschaft für ihre eige­ne Bestim­mung wichtig gewor­den; kein Kunstwerk ist ohne sie denkbar. Dass jedes Bild als Kompo­sition aufzu­fassen ist kann dagegen keine direk­te Konno­tation zur Kunst nach sich ziehen. Jedes Bild – von der mime­tischen Darstel­lung eines präzi­se erkenn­baren Ausschnitts der Reali­tät bis zur mono­chromen, nur durch ihre Kante defi­nierten Fläche – kann als Kompo­sition gese­hen, begrif­fen und beur­teilt werden.

In der Ästhetik ist die Kompo­sition Grundla­ge eines Geschmacks­urteils; diese Bestim­mung gilt dann für alle Sinnes­orga­ne: Ein Duft wird eben­so kompo­niert wie ein Menu, ein Musik­stück oder ein Bild. Im Bereich des Tastsinns – für die bilden­de Kunst primär im Bereich der Skulptur – ist die Kompo­sition Ele­ment einer sinnli­chen Substi­tution; was nicht erfühlt werden kann oder darf, wird als Kompo­sition in die Anschau­ung transfor­miert. Für die Male­rei wird diese Substi­tution zu einer eige­nen Unter­kate­gorie der Kompo­sition, der Faktur als visu­elle Evo­kation einer hapti­schen Sensa­tion (⊳ Textur). In allen diesen Kontex­ten fungiert Kompo­sition – ähnlich wie der Begriff des Stils ([Gumbrecht 1986a]Gumbrecht, Hans Ulrich (1986): Schwindende Stabilität der Wirklichkeit. Eine Geschichte des Stilbegriffs. In: Gumbrecht, H. U. & Pfeiffer, K. L. (Hg.), Stil. Geschichten und Funktionen eines kunstwissenschaftlichen Diskurses. Suhrkamp, Frankfurt/M.
) – als sprachli­che Konven­tion mit hohem Konno­tations­poten­tial und ist eine der wesent­lichen Beschrei­bungs­kate­gorien der Ästhe­tik. Im Sinn des Geschmacks­urteils wird eine Kompo­sition dann als ausge­wogen und posi­tiv beur­teilt, wenn die Anord­nung ihrer Teile und des Ganzen in klaren, einfach beschreib­baren Verhält­nissen zu bestim­men ist – hier gibt es eine onto­logi­sche Inter­depen­denz der Kompo­sition zur Mathe­matik.

Die letztliche Unbestimmt­heit des Ausdrucks ‘Kompo­sition’ – vor allem in seinem Alltags­gebrauch – macht ihn zu einer Gene­ral­meta­pher, semio­tisch gespro­chen: zu einem Leerzei­chen der Bildsyn­tax, denn das Verhält­nis von iko­nischen Teilen eines Bildes zu­einan­der oder zum Ganzen samt seinem Umraum ist begriff­lich durch ande­re syntak­tische Kate­gorien – sprachli­che und/oder mathe­mati­sche Formdif­feren­zen – leichter zu fassen als durch eine meist meta­physisch umwölk­te Kompo­sition ([Worringer 1908a]Worringer, Wilhelm (1908): Abstraktion und Einfühlung, Ein Beitrag zur Stilpsychologie. Piper, München.
Notiz: (Berlin, 1959)
). Anders als in der Musik, in der die Kompo­sition durch die Nota­tion nach einem festen Regel­werk (und dessen geziel­ter Verlet­zung im Detail) fixiert ist, hat die Kompo­sition für die Bildsyn­tax nicht mehr die Bedeu­tung, die sie ursprüng­lich für die Selbstde­finition eines Fachs wie der Kunstge­schichte hatte.


Elemente der Kompo­sition

Komposition ist die Anord­nung von Zeichen auf der Fläche des Bildes. Dies geschieht unab­hängig von einer forma­len Defi­nition dieser Zeichen. Kompo­niert werden können Linien, Flächen, Farben, Perspek­tiven, Körper(teile) sowie deren Kombi­natio­nen und Inte­grale. Zwei Ebe­nen der Kompo­sition sind zu unter­scheiden: die akti­ve, inten­dierte und auf Effekt ausge­richte­te Tätig­keit des Zusam­menfü­gens in einer Kompo­sition sowie der Prozess im Erken­nen einer Kompo­sition bei der Betrach­tung eines Bildes. Beide Ebe­nen können unab­hängig von­einan­der konstru­iert werden, weisen aber auch gemein­same Ele­mente auf, die sich als umgangs­sprachli­che Nebel über das Verständ­nis eines Bildauf­baus legen. Dies geschieht vor allem da, wo die Anord­nung so getrof­fen wird, dass die verschie­denen Zeichen zu­einan­der in hierar­chischen Bezie­hungen stehen und dadurch gewich­tet wie gewer­tet werden. Insbe­sonde­re iko­nolo­gische Unter­suchun­gen von Kunstwer­ken und bildli­chen Darstel­lungen bedie­nen sich der Kompo­sition als Grundla­ge von Wertur­teilen im Kontext einer Inter­preta­tion.

Der aktive Begriff einer Kompo­sition impli­ziert also die Anord­nung von Zeichen im Bild; dies setzt nicht unbe­dingt voraus, dass diese Anord­nung – wie etwa in den klassi­schen Medien der bilden­den Kunst – willent­lich und wissent­lich getrof­fen wird. Es ist nachge­rade ein Spezi­fikum der techni­schen Bildme­dien seit dem Auftre­ten von Came­ra Obscu­ra und Foto­grafie, dass die Ausrich­tung eines Zeichen­geräts und die Auswahl eines zu betrach­tenden Ausschnitts sämtli­che Ele­mente einer – auch und gerade – subor­dinie­renden Kompo­sition nach sich zieht.

Selbstverständlich sind Bilder aus Auto­maten und gene­rati­ven, auch compu­tieren­den Konstruk­tionen als Kompo­sitio­nen anzu­sehen; allein die nachfol­gende Inter­preta­tion wird durch das Wissen einer solchen Gene­se verän­dert. Dennoch impli­ziert die Verwen­dung des Begriffs der Kompo­sition zwei inten­dierte Nutzun­gen: die der wissent­lichen Anord­nung von Ele­menten in einer noch zu schaffen­den Kompo­sition – prinzi­piell als Arbeit des (musi­kali­schen) Kompo­nisten, (visu­ellen) Künstlers oder (alle Sinne umfas­senden) Desig­ners verstan­den; ande­rerseits als Grundla­ge der Erkennt­nis der ästhe­tischen, künstle­rischen oder geschmacks­bilden­den Ele­mente eines gege­benen Werks, Objekts oder Prozes­ses.

Die aktive Definition der Kompo­sition ist in der Geschich­te der Ästhe­tik direkt mit der Entwick­lung des Genie­begriffs gekop­pelt ([Sulzer 1774a]Sulzer, Johann Georg (1771): Allgemeine Theorie der Schönen Künste. In: Lexikon der Künster und der Ästhetik. Leipzig.
Notiz: Digitale Bibliothek Bd. 67, Berlin, 2004
). Das Zusam­menstel­len einer gelin­genden Kompo­sition, gleich in welchem Medium, entzieht sich der sprachli­chen Kritik durch Dritte – allein der Nachvoll­zug kann in Form einer Herme­neutik gefasst werden. Im akti­ven Bereich der Fügung einer Kompo­sition kann nicht einmal mehr von einer klaren Distink­tion ihrer einzel­nen Teile ausge­gangen werden, zumal dies dem Auto­ren/Künst­ler/Kom­ponis­ten im Prozess der Verfer­tigung nicht bewusst werden muss. Aller­dings sind hier defi­nito­rische Grenzen gege­ben, die sich durch die Geschich­te der Kunst in allen ihren Ausprä­gungen gezo­gen haben: Vom Einsatz hallu­zino­gener Mittel im krea­tiven Prozess bis zur Nutzung zufäl­liger, auto­poëti­scher und schließlich auto­matisch gene­rieren­der Verfah­ren im Finden und Arran­gieren einzel­ner Teile der Kompo­sition ist die Gene­se eines Werks immer wieder im Begriff der Kunst kriti­siert worden. Mit Joseph Beuys mag zwar davon gespro­chen werden, dass jeder Mensch ein Künstler sei – aber eine Kompo­sition aus dem Compu­ter ist in dieser Sicht niemals als Kunstwerk zu beschrei­ben ([Klotz 1995a]Klotz, Heinrich (1995): Zur Ästhetik der elektronischen Kunst. In: Klotz, H. (Hg.), Eine neue Hochschule (für neue Künste). Cantz, Stuttgart.
Nicht angezeigt: Schriftenreihe der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Bd.5
: S. 64).

Einfacher ist die Kompo­sition als Moment der Erkennt­nis von Bildern zu fassen: Wo ein Rahmen, Rand oder Umraum gege­ben sind, können diese propor­tional unter­teilt werden, darin enthal­tene Flächen nach ihren Teilen und Zusam­menhän­gen über­prüft, dreidi­mensio­nale Formen auf ihre Verhält­nismäßig­keit nach innen und außen betrach­tet werden; und diese Erkennt­nisse lassen sich mit eini­ger Übung in Worte fassen. Erkennt­nis und Beschrei­bung einer Kompo­sition sind demnach erste Schritte einer Bildher­meneu­tik, insbe­sonde­re für alle die Fälle, wo nicht ein media­les Vorwis­sen, repro­dukti­ves Vorbild oder repro­duzier­barer Sinnes­eindruck (Klang, in gerin­gerem Maße Geruch oder Geschmack) aufge­rufen werden kann. Diese Betrach­tung ist für jedes Bild gege­ben, das als solches erkannt wird, unab­hängig von irgend­einer Defi­nition seiner Gene­se oder Eigen­schaft als Musik­stück, Kunstwerk, Design­objekt, Medien-Image oder wissen­schaftli­che Illus­tration. Aller­dings setzt die Bildung eines auf der Kompo­sition beru­henden, posi­tiven Geschmacks­urteils einen Konven­tiona­lisie­rungs­prozess in Gang, der in (zeitlich) späte­re Defi­nitio­nen von Kunst einfließt.

In diesen Prozess der Konven­tiona­lisie­rung mündet eine Betrach­tung des Vorgangs der Erkennt­nis einer Kompo­sition in einem gege­benen Ganzen (Werk), die zu einer Binnen­diffe­renzie­rung als Grundla­ge der Speiche­rung im Gedächt­nis führt: Aus einer kompo­sito­rischen Betrach­tung werden iko­nische Super­zeichen heraus­gebro­chen, die als Fragmen­te im Gedächt­nis verblei­ben, wo sie bei Abruf als neuer, memo­rierter Sinnes­eindruck zusam­menge­setzt, also kompo­niert werden. Dieser Vorgang ist unter dem Begriff der »Formkon­stanz« an zahlrei­chen Gegen­ständen des Alltags über­prüft worden, wobei sich in der Re-Kompo­sition enor­me Abwei­chungen erge­ben können, ohne dass das Wieder­kennen eines Objekts oder Zeichen­komple­xes darun­ter leidet ([Biederman 1995a]Biederman, Irving (1995): Visual Object Recognition. In: Kosslyn, S. F. & Osherson, D. N. (Hg.), An Invitation to Cognitive Science, Vol. 2, Visual Cognition. MIT, Cambridge MA.
Notiz: 2<sup>nd</sup> edition
). Aller­dings macht die Betrach­tung derar­tiger Prozes­se im Mikro- und Makro­bereich der Zeichen­erken­nung und –vali­disie­rung unter dem Begriff der Kompo­sition wenig Sinn, weil sie einer­seits in ihrer Physio­logie zu schnell ablau­fen, um noch mit einem Begriff der Inten­tiona­lität verbun­den zu werden, ande­rerseits aber auch nicht wirklich zu einem tiefe­ren Verständ­nis der forma­len Zusam­menhän­ge in einem Bild führen.

Anmerkungen
Literatur
[Biederman 1995a]Biederman, Irving (1995): Visual Object Recognition. In: Kosslyn, S. F. & Osherson, D. N. (Hg.), An Invitation to Cognitive Science, Vol. 2, Visual Cognition. MIT, Cambridge MA.[Gumbrecht 1986a]Gumbrecht, Hans Ulrich (1986): Schwindende Stabilität der Wirklichkeit. Eine Geschichte des Stilbegriffs. In: Gumbrecht, H. U. & Pfeiffer, K. L. (Hg.), Stil. Geschichten und Funktionen eines kunstwissenschaftlichen Diskurses. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Klotz 1995a]Klotz, Heinrich (1995): Zur Ästhetik der elektronischen Kunst. In: Klotz, H. (Hg.), Eine neue Hochschule (für neue Künste). Cantz, Stuttgart.[Sulzer 1774a]Sulzer, Johann Georg (1771): Allgemeine Theorie der Schönen Künste. In: Lexikon der Künster und der Ästhetik. Leipzig.[Worringer 1908a]Worringer, Wilhelm (1908): Abstraktion und Einfühlung, Ein Beitrag zur Stilpsychologie. Piper, München.

Ausgabe 1: 2013

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Lektorat:

Seitenbearbeitungen durch: Joerg R.J. Schirra und Marcel Lemmes — (Hinweis)

Zitierhinweis:

Sachsse, Rolf (2013). Komposition. (Ausg. 1). In: Schirra, J.R.J.; Halawa, M. & Liebsch, D. (Hg.), Glossar der Bildphilosophie. (2012-2026). [bildglossar.org/index.php?title=Komposition].