Kino: Unterschied zwischen den Versionen

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=====Darstellung des gr. Zusammenhangs=====
==Etymologie und Wortbedeutung==


Der Begriff Kino ist eine verkürzte Form des Begriffs Kinematograph bzw. Kinematographie. Der altgriechische Ursprung des Begriffs bezieht sich auf die Verbindung der Wörter κίνημα (kinēma, Bewegung) und γράφειν (graphein, zeichnen).  
Der Ausdruck ‘Kino’ ist eine verkürz&shy;te Form von ‘Kine&shy;mato&shy;graph’ bzw. ‘Kine&shy;mato&shy;graphie’. Der altgrie&shy;chische Ursprung der Bezeich&shy;nung bezieht sich auf die Verbin&shy;dung der Wörter ‘κίνημα’, einer Kurzform von ‘κίνηθμός’ (kine&shy;ma, kinet&shy;mos: Bewe&shy;gung, Krieges&shy;tanz, Erschüt&shy;terung, Unru&shy;he, Aufstand, Verän&shy;derung) und ‘γράφειν’ (graphein: zeichnen) (vgl. <bib id='Gemoll & Vretska 2006a'></bib>: S. 187-464).
:
Der Kinematograph (''ciné&shy;mato&shy;graphe'') wurde 1895 von den Brüdern Louis und Auguste Lumière erfun&shy;den und diente als Aufnah&shy;mege&shy;rät zur Belich&shy;tung von Filmma&shy;terial, als Projek&shy;tor und als Kopier&shy;gerät. Die Projek&shy;tion des kine&shy;mato&shy;graphi&shy;schen Filmma&shy;terials ermög&shy;lichte die Darstel&shy;lung von Bewe&shy;gung und konsti&shy;tuierte das spezi&shy;fische Bewe&shy;gungsbild des Films.
:
Der Terminus ‘Kino’ dient heutzu&shy;tage weitest&shy;gehend der appa&shy;rati&shy;ven Charak&shy;teri&shy;sierung speziell ausge&shy;statte&shy;ter Orte (Leinwand, Sitzrei&shy;hen etc.), an denen Filmvor&shy;führun&shy;gen einem zahlen&shy;den Publi&shy;kum – etwa im Gegen&shy;satz zum [[Fernsehen|Fernse&shy;hen]] – öffent&shy;lich zugäng&shy;lich gemacht werden.


Der Kinematograph (cinématographe) wurde von den Brüdern  Louis und Auguste Lumière erfunden und diente als Aufnahmegerät zur Belichtung von Filmmaterial, Projektor und Kopiergerät. Die Projektion des kinematographischen Filmmaterials ermöglichte die Darstellung von Bewegung und konstituierte das spezifische Bewegungs-Bild des Films.


Der Begriff Kino dient heutzutage weitestgehend der apparativen Charakterisierung speziell ausgestatteter Orte (Leinwand, Sitzreihen etc.), an denen Filmvorführungen einem zahlenden Publikum öffentlich zugänglich gemacht werden.
==Technisch-apparative Syste&shy;matik==


Spricht man über das Kino, so ist damit stets zweier&shy;lei gemeint, einer&shy;seits die komple&shy;xe techni&shy;sche Appa&shy;ratur, ande&shy;rerseits der spezi&shy;fische Ort, an dem sich diese Appa&shy;ratur befin&shy;det. Die kine&shy;mato&shy;graphi&shy;sche Bildlich&shy;keit ist in erster Linie abhän&shy;gig von der techni&shy;schen Appa&shy;ratur, welche eine tria&shy;dische Einheit aus Film (35mm, Cine&shy;maScope, Cine&shy;rama, IMAX etc.), Projek&shy;tionsvor&shy;gang und Projek&shy;tionsflä&shy;che bildet (vgl. <bib id='Paech 2006a'></bib>: S. 92). Dieser tria&shy;disch-appa&shy;rati&shy;ve System&shy;zusam&shy;menhang ist die Grundbe&shy;dingung für das kine&shy;mato&shy;graphi&shy;sche Bewe&shy;gungsbild (siehe auch ⊳ [[Film]]) und dessen Dimen&shy;sionie&shy;rung von Bewe&shy;gung, Räumlich&shy;keit und Zeitlich&shy;keit. Der Ort der Kino&shy;vorstel&shy;lung hinge&shy;gen (mit spezi&shy;fischem Event&shy;charak&shy;ter) ist abhän&shy;gig von der Größe der Projek&shy;tionsflä&shy;che (Leinwand), von der Anzahl und Anord&shy;nung der Sitzflä&shy;chen, von der jeweils indi&shy;vidu&shy;ell verschie&shy;denen Entfer&shy;nung zur Leinwand, der Anord&shy;nung bzw. Posi&shy;tionie&shy;rung des Blickwin&shy;kels (Zuschau&shy;er-Perspek&shy;tive) und der damit abhän&shy;gigen Ideal&shy;entfal&shy;tung des kine&shy;mato&shy;graphi&shy;schen Tonsys&shy;tems (Ton-Normie&shy;rung nach DTS, SDDS, Dolby Digi&shy;tal, THX etc.).


<!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen-->
<!--Anmerkung zwischen <ref> und </ref> im laufenden Text-->
<!--Literaturverweise im laufenden Text <bib id='Jonas 61a'>Jonas 1961</bib> -->
<!--  ... id im Literaturverzeichnis nachsehen, gegebenenfalls neu einfügen -->
<!--  ... (siehe Link "Sammlung" in Bibliographie-Box -->
<!-- Bilder als thumbs einsetzen, Muster: [[Datei:Beispiel.png|thumb|Bildtitel]] -->


=====Engere Begriffsbestimmung=====
==Kinematographisches Dispo&shy;sitiv==


<!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen-->
Der komplexe System&shy;zusam&shy;menhang aus techni&shy;scher Appa&shy;ratur und Struktu&shy;rierung des Kino-Raums (der Ort, an dem Vorfüh&shy;rungen stattfin&shy;den) konsti&shy;tuiert die Gesamt&shy;heit des kine&shy;mato&shy;graphi&shy;schen Dispo&shy;sitivs: Hier zeigt sich das Kino grundsätz&shy;lich in einer appa&shy;rativen sowie rezep&shy;tiven Dimen&shy;sion.
:
Das kinematographische Bewe&shy;gungsbild zeigt sich expli&shy;zit verschie&shy;den von den digi&shy;talen und infor&shy;matio&shy;nell elek&shy;troni&shy;schen Bewe&shy;gungsbil&shy;dern wie sie beispiels&shy;weise durch den Fernse&shy;her oder den Compu&shy;termoni&shy;tor konsti&shy;tuiert werden (vgl. <bib id='Paech 2006a'></bib>: S. 105). Das kine&shy;mato&shy;graphi&shy;sche Bewe&shy;gungsbild konsti&shy;tuiert sich ana&shy;log und grundsätz&shy;lich in Abhän&shy;gigkeit von den techni&shy;schen Ele&shy;menten der präki&shy;nematographischen und kinema&shy;togra&shy;phischen Appa&shy;ratu&shy;ren. Die histo&shy;rische Entwick&shy;lung des kine&shy;mato&shy;graphi&shy;schen Bewe&shy;gungsbil&shy;des offe&shy;riert eine impli&shy;zite Technik&shy;geschich&shy;te des Films. Diese beginnt bei stati&shy;schen Bildern, die mittels spezi&shy;fischer Appa&shy;ratu&shy;ren wie z.B. Thauma&shy;trop oder Zoopra&shy;xiskop in Bewe&shy;gung versetzt wurden (siehe auch ⊳ [[Animation|Ani&shy;mation]]). Hier zeigt sich das Bewe&shy;gungsbild noch statisch und arti&shy;fiziell, da stets noch das stati&shy;sche Bildmo&shy;ment zur Anschau&shy;ung kommt, und endet dann schließlich bei der 24 bis 25 Bilder pro Sekunde proji&shy;zieren&shy;den Appa&shy;ratur, die in der Lage ist, einen dyna&shy;mischen Wirklich&shy;keitsein&shy;druck zu reali&shy;sieren. Die neue&shy;ren Entwick&shy;lungen im Bereich des stereo&shy;skopen Bewe&shy;gungsbil&shy;des (3D-Technik) oder der Full&shy;dome-Techno&shy;logie zeigen zudem deutlich eine Weiter&shy;entwick&shy;lung kine&shy;mato&shy;graphi&shy;scher Projek&shy;tionsver&shy;fahren, wobei die 3D-Technik als Streben des Bildes in den Raum der leibli&shy;chen Anwe&shy;senheit zu beschreiben ist.




=====optional Beispiele=====
==Projektion und Bewe&shy;gung==


<!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen-->
Zwei Elemente sind in der Technik&shy;geschich&shy;te des Films als zentra&shy;le und ana&shy;loge Bezugs&shy;größen zu bestim&shy;men: Projek&shy;tion und Bewe&shy;gung. Die Projek&shy;tionskunst, die auf die Came&shy;ra obscu&shy;ra und später die Later&shy;na magi&shy;ca zurück&shy;geht<ref>Wäh&shy;rend die La&shy;ter&shy;na ma&shy;gi&shy;ca le&shy;dig&shy;lich für Pro&shy;jek&shy;ti&shy;ons&shy;zwecke ge&shy;nutzt wur&shy;de, fand und fin&shy;det das Prin&shy;zip der Ca&shy;me&shy;ra ob&shy;scu&shy;ra so&shy;wohl für die Pro&shy;jek&shy;ti&shy;on als auch für die Auf&shy;zeich&shy;nung – et&shy;wa in al&shy;ten Loch&shy;ka&shy;me&shy;ras, aber auch ak&shy;tu&shy;el&shy;len Spie&shy;gel&shy;re&shy;flex&shy;ka&shy;me&shy;ras – Ver&shy;wen&shy;dung.</ref>, basiert im Kontext des Kinos auf der Belich&shy;tung eines Photo&shy;gramms (z.B. Dias, bemal&shy;te Glasplat&shy;ten oder Filmstrei&shy;fen) und der Projek&shy;tion auf eine dafür vorge&shy;sehe&shy;ne Fläche. Gene&shy;rell ist das proji&shy;zierte Motiv bzw. der aufge&shy;zeichne&shy;te Gegen&shy;stand statisch orga&shy;nisiert,<ref>Es soll&shy;te an die&shy;ser Stel&shy;le her&shy;vor&shy;ge&shy;ho&shy;ben wer&shy;den, dass sich die Pro&shy;jek&shy;ti&shy;o&shy;nen der La&shy;ter&shy;na ma&shy;gi&shy;ca nicht al&shy;lein in der ad&shy;di&shy;ti&shy;ven Rei&shy;hung der be&shy;mal&shy;ten Tab&shy;leaus er&shy;schöpf&shy;ten, son&shy;dern dass sie zu&shy;dem ver&shy;schie&shy;de&shy;ne For&shy;men der Ani&shy;ma&shy;ti&shy;on und der Se&shy;quen&shy;zi&shy;a&shy;li&shy;tät be&shy;in&shy;hal&shy;te&shy;ten, um so den Ein&shy;druck von Be&shy;we&shy;gung zu in&shy;du&shy;zie&shy;ren: „Über&shy;blend- und Ein&shy;blend&shy;ver&shy;fah&shy;ren al&shy;ter&shy;nier&shy;ten da&shy;zu mit Ef&shy;fek&shy;ten, die auf Zieh-, Schie&shy;be-, He&shy;bel- oder Dreh&shy;me&shy;cha&shy;nis&shy;men ba&shy;sie&shy;ren“ (<bib id='Hick 1999a'></bib>: S. 162ff.). </ref> so dass durch die Projek&shy;tion eben&shy;falls ein stati&shy;sches Bild wieder&shy;gege&shy;ben wird. Die spezi&shy;fische Bewe&shy;gung struktu&shy;riert sich nicht durch eine allei&shy;nige Bewe&shy;gungsdar&shy;stellung inner&shy;halb des stati&shy;schen Motivs, dies ließe sich sehr gut als Darstel&shy;lung von Bewe&shy;gung klassi&shy;fizie&shy;ren, sondern vielmehr durch die appa&shy;rati&shy;ve Möglich&shy;keit, eine Serie stati&shy;scher Bilder in Bewe&shy;gung zu verset&shy;zen. Um eine Serie stati&shy;sche Bilder sinnvoll in Bewe&shy;gung zu verset&shy;zen müssen zwei notwen&shy;dige Bedin&shy;gungen erfüllt sein: Einer&shy;seits muss das Motiv der Bildse&shy;rie eine figu&shy;rale Diffe&shy;renz (vgl. <bib id='Paech 2006a'></bib>: S. 99) zu den voran&shy;gehen&shy;den Bildern aufwei&shy;sen (z.B. eine Foto&shy;serie eines gehen&shy;den Menschen muss einzel&shy;ne Bewe&shy;gungsfol&shy;gen darstel&shy;len bzw. zeigen), und ande&shy;rerseits muss die Appa&shy;ratur in der Lage sein, die seri&shy;elle Bildfol&shy;ge hinter&shy;einan&shy;der und zeitlich struktu&shy;riert (bei gleichblei&shy;bender und wahrneh&shy;mungsauf&shy;fälli&shy;ger Geschwin&shy;digkeit) über ein Sichtfeld oder eine Blende freizu&shy;geben, damit die Verbin&shy;dung von Strobo&shy;skop- und Nachbild&shy;effekt (⊳ [[Film]]) zum Rezep&shy;tionsef&shy;fekt der Bewe&shy;gung führen kann.
:
Bevor die moderne Kine&shy;mato&shy;graphie in der Lage war, das ide&shy;ale Verhält&shy;nis von Projek&shy;tion und Bewe&shy;gung für die techni&shy;schen Appa&shy;ratu&shy;ren nutzbar zu machen, gab es eine Vielzahl an Appa&shy;ratu&shy;ren, die allge&shy;mein als techni&shy;sche Vorgän&shy;ger der moder&shy;nen Kine&shy;mato&shy;graphie gelten, z.B. Phena&shy;kisti&shy;skop, Zoetrop, Praxi&shy;noskop, Zoepra&shy;xiskop, Elek&shy;trotachy&shy;skop, Kine&shy;tograph und Kine&shy;toskop. Aufgrund der anfäng&shy;lich noch unaus&shy;gereif&shy;ten Appa&shy;ratur war die Kine&shy;mato&shy;graphie noch in ihren Anfän&shy;gen im wahrsten Sinne ein „Kurbel&shy;betrieb; Kurbeln an der Kame&shy;ra und am Projek&shy;tor diri&shy;gieren die Aufnah&shy;me und die Wieder&shy;gabe des aufge&shy;nomme&shy;nen Mate&shy;rials“ (<bib id='Kreimeier 2012a'>Kreimei&shy;er 2012a</bib>: S. 155). Vor allem die Elek&shy;trifi&shy;zierung ermög&shy;lichte dann die Perfek&shy;tionie&shy;rung der techni&shy;schen Wieder&shy;gabe, und Elek&shy;tromo&shy;toren revo&shy;lutio&shy;nierten die Kine&shy;mato&shy;graphie:
:
:''Bald werden Elek&shy;tromo&shy;toren in den neuen Maschi&shy;nen der puppen&shy;haften Unge&shy;lenkig&shy;keit dessen, was auf der Leinwand zu sehen ist, ein Ende berei&shy;ten. Die Geschich&shy;te der Kine&shy;mato&shy;graphie wird von nun an einen ande&shy;ren Verlauf nehmen und zur Filmge&shy;schichte werden.'' (<bib id='Kreimeier 2012a'>Kreimei&shy;er 2012a</bib>: S. 155)


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Aktuelle Version vom 22. Januar 2024, 13:53 Uhr

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Etymologie und Wortbedeutung

Der Ausdruck ‘Kino’ ist eine verkürz­te Form von ‘Kine­mato­graph’ bzw. ‘Kine­mato­graphie’. Der altgrie­chische Ursprung der Bezeich­nung bezieht sich auf die Verbin­dung der Wörter ‘κίνημα’, einer Kurzform von ‘κίνηθμός’ (kine­ma, kinet­mos: Bewe­gung, Krieges­tanz, Erschüt­terung, Unru­he, Aufstand, Verän­derung) und ‘γράφειν’ (graphein: zeichnen) (vgl. [Gemoll & Vretska 2006a]Gemoll, Wilhelm & Vretska, Karl (2006): Gemoll. Griechisch-deutsches Schulwörterbuch und Handwörterbuch. Oldenbourg Schulbuchverlag, München.
: S. 187-464).

Der Kinematograph (ciné­mato­graphe) wurde 1895 von den Brüdern Louis und Auguste Lumière erfun­den und diente als Aufnah­mege­rät zur Belich­tung von Filmma­terial, als Projek­tor und als Kopier­gerät. Die Projek­tion des kine­mato­graphi­schen Filmma­terials ermög­lichte die Darstel­lung von Bewe­gung und konsti­tuierte das spezi­fische Bewe­gungsbild des Films.

Der Terminus ‘Kino’ dient heutzu­tage weitest­gehend der appa­rati­ven Charak­teri­sierung speziell ausge­statte­ter Orte (Leinwand, Sitzrei­hen etc.), an denen Filmvor­führun­gen einem zahlen­den Publi­kum – etwa im Gegen­satz zum Fernse­hen – öffent­lich zugäng­lich gemacht werden.


Technisch-apparative Syste­matik

Spricht man über das Kino, so ist damit stets zweier­lei gemeint, einer­seits die komple­xe techni­sche Appa­ratur, ande­rerseits der spezi­fische Ort, an dem sich diese Appa­ratur befin­det. Die kine­mato­graphi­sche Bildlich­keit ist in erster Linie abhän­gig von der techni­schen Appa­ratur, welche eine tria­dische Einheit aus Film (35mm, Cine­maScope, Cine­rama, IMAX etc.), Projek­tionsvor­gang und Projek­tionsflä­che bildet (vgl. [Paech 2006a]Paech, Joachim (2006): Was ist ein kinematographisches Bewegungsbild?. In: Koebner, Th. & Meder, Th. (Hg.), Bildtheorie und Film. Edition Text + Kritik, München.
: S. 92). Dieser tria­disch-appa­rati­ve System­zusam­menhang ist die Grundbe­dingung für das kine­mato­graphi­sche Bewe­gungsbild (siehe auch ⊳ Film) und dessen Dimen­sionie­rung von Bewe­gung, Räumlich­keit und Zeitlich­keit. Der Ort der Kino­vorstel­lung hinge­gen (mit spezi­fischem Event­charak­ter) ist abhän­gig von der Größe der Projek­tionsflä­che (Leinwand), von der Anzahl und Anord­nung der Sitzflä­chen, von der jeweils indi­vidu­ell verschie­denen Entfer­nung zur Leinwand, der Anord­nung bzw. Posi­tionie­rung des Blickwin­kels (Zuschau­er-Perspek­tive) und der damit abhän­gigen Ideal­entfal­tung des kine­mato­graphi­schen Tonsys­tems (Ton-Normie­rung nach DTS, SDDS, Dolby Digi­tal, THX etc.).


Kinematographisches Dispo­sitiv

Der komplexe System­zusam­menhang aus techni­scher Appa­ratur und Struktu­rierung des Kino-Raums (der Ort, an dem Vorfüh­rungen stattfin­den) konsti­tuiert die Gesamt­heit des kine­mato­graphi­schen Dispo­sitivs: Hier zeigt sich das Kino grundsätz­lich in einer appa­rativen sowie rezep­tiven Dimen­sion.

Das kinematographische Bewe­gungsbild zeigt sich expli­zit verschie­den von den digi­talen und infor­matio­nell elek­troni­schen Bewe­gungsbil­dern wie sie beispiels­weise durch den Fernse­her oder den Compu­termoni­tor konsti­tuiert werden (vgl. [Paech 2006a]Paech, Joachim (2006): Was ist ein kinematographisches Bewegungsbild?. In: Koebner, Th. & Meder, Th. (Hg.), Bildtheorie und Film. Edition Text + Kritik, München.
: S. 105). Das kine­mato­graphi­sche Bewe­gungsbild konsti­tuiert sich ana­log und grundsätz­lich in Abhän­gigkeit von den techni­schen Ele­menten der präki­nematographischen und kinema­togra­phischen Appa­ratu­ren. Die histo­rische Entwick­lung des kine­mato­graphi­schen Bewe­gungsbil­des offe­riert eine impli­zite Technik­geschich­te des Films. Diese beginnt bei stati­schen Bildern, die mittels spezi­fischer Appa­ratu­ren wie z.B. Thauma­trop oder Zoopra­xiskop in Bewe­gung versetzt wurden (siehe auch ⊳ Ani­mation). Hier zeigt sich das Bewe­gungsbild noch statisch und arti­fiziell, da stets noch das stati­sche Bildmo­ment zur Anschau­ung kommt, und endet dann schließlich bei der 24 bis 25 Bilder pro Sekunde proji­zieren­den Appa­ratur, die in der Lage ist, einen dyna­mischen Wirklich­keitsein­druck zu reali­sieren. Die neue­ren Entwick­lungen im Bereich des stereo­skopen Bewe­gungsbil­des (3D-Technik) oder der Full­dome-Techno­logie zeigen zudem deutlich eine Weiter­entwick­lung kine­mato­graphi­scher Projek­tionsver­fahren, wobei die 3D-Technik als Streben des Bildes in den Raum der leibli­chen Anwe­senheit zu beschreiben ist.


Projektion und Bewe­gung

Zwei Elemente sind in der Technik­geschich­te des Films als zentra­le und ana­loge Bezugs­größen zu bestim­men: Projek­tion und Bewe­gung. Die Projek­tionskunst, die auf die Came­ra obscu­ra und später die Later­na magi­ca zurück­geht[1], basiert im Kontext des Kinos auf der Belich­tung eines Photo­gramms (z.B. Dias, bemal­te Glasplat­ten oder Filmstrei­fen) und der Projek­tion auf eine dafür vorge­sehe­ne Fläche. Gene­rell ist das proji­zierte Motiv bzw. der aufge­zeichne­te Gegen­stand statisch orga­nisiert,[2] so dass durch die Projek­tion eben­falls ein stati­sches Bild wieder­gege­ben wird. Die spezi­fische Bewe­gung struktu­riert sich nicht durch eine allei­nige Bewe­gungsdar­stellung inner­halb des stati­schen Motivs, dies ließe sich sehr gut als Darstel­lung von Bewe­gung klassi­fizie­ren, sondern vielmehr durch die appa­rati­ve Möglich­keit, eine Serie stati­scher Bilder in Bewe­gung zu verset­zen. Um eine Serie stati­sche Bilder sinnvoll in Bewe­gung zu verset­zen müssen zwei notwen­dige Bedin­gungen erfüllt sein: Einer­seits muss das Motiv der Bildse­rie eine figu­rale Diffe­renz (vgl. [Paech 2006a]Paech, Joachim (2006): Was ist ein kinematographisches Bewegungsbild?. In: Koebner, Th. & Meder, Th. (Hg.), Bildtheorie und Film. Edition Text + Kritik, München.
: S. 99) zu den voran­gehen­den Bildern aufwei­sen (z.B. eine Foto­serie eines gehen­den Menschen muss einzel­ne Bewe­gungsfol­gen darstel­len bzw. zeigen), und ande­rerseits muss die Appa­ratur in der Lage sein, die seri­elle Bildfol­ge hinter­einan­der und zeitlich struktu­riert (bei gleichblei­bender und wahrneh­mungsauf­fälli­ger Geschwin­digkeit) über ein Sichtfeld oder eine Blende freizu­geben, damit die Verbin­dung von Strobo­skop- und Nachbild­effekt (⊳ Film) zum Rezep­tionsef­fekt der Bewe­gung führen kann.

Bevor die moderne Kine­mato­graphie in der Lage war, das ide­ale Verhält­nis von Projek­tion und Bewe­gung für die techni­schen Appa­ratu­ren nutzbar zu machen, gab es eine Vielzahl an Appa­ratu­ren, die allge­mein als techni­sche Vorgän­ger der moder­nen Kine­mato­graphie gelten, z.B. Phena­kisti­skop, Zoetrop, Praxi­noskop, Zoepra­xiskop, Elek­trotachy­skop, Kine­tograph und Kine­toskop. Aufgrund der anfäng­lich noch unaus­gereif­ten Appa­ratur war die Kine­mato­graphie noch in ihren Anfän­gen im wahrsten Sinne ein „Kurbel­betrieb; Kurbeln an der Kame­ra und am Projek­tor diri­gieren die Aufnah­me und die Wieder­gabe des aufge­nomme­nen Mate­rials“ ([Kreimeier 2012a]Kreimeier, Klaus (2010): Die Poesie der Maschine. Gedankensplitter zu einer Theorie des frühen Kinos. In: Kirchner, A. & Pohl, A. & Riedel, P. (Hg.), Kritik des Ästhetischen - Ästhetik der Kritik. Schüren, Marburg.
: S. 155). Vor allem die Elek­trifi­zierung ermög­lichte dann die Perfek­tionie­rung der techni­schen Wieder­gabe, und Elek­tromo­toren revo­lutio­nierten die Kine­mato­graphie:

Bald werden Elek­tromo­toren in den neuen Maschi­nen der puppen­haften Unge­lenkig­keit dessen, was auf der Leinwand zu sehen ist, ein Ende berei­ten. Die Geschich­te der Kine­mato­graphie wird von nun an einen ande­ren Verlauf nehmen und zur Filmge­schichte werden. ([Kreimeier 2012a]Kreimeier, Klaus (2010): Die Poesie der Maschine. Gedankensplitter zu einer Theorie des frühen Kinos. In: Kirchner, A. & Pohl, A. & Riedel, P. (Hg.), Kritik des Ästhetischen - Ästhetik der Kritik. Schüren, Marburg.
: S. 155)

Siehe auch:

Anmerkungen
  1. ↑ Wäh­rend die La­ter­na ma­gi­ca le­dig­lich für Pro­jek­ti­ons­zwecke ge­nutzt wur­de, fand und fin­det das Prin­zip der Ca­me­ra ob­scu­ra so­wohl für die Pro­jek­ti­on als auch für die Auf­zeich­nung – et­wa in al­ten Loch­ka­me­ras, aber auch ak­tu­el­len Spie­gel­re­flex­ka­me­ras – Ver­wen­dung.
  2. ↑ Es soll­te an die­ser Stel­le her­vor­ge­ho­ben wer­den, dass sich die Pro­jek­ti­o­nen der La­ter­na ma­gi­ca nicht al­lein in der ad­di­ti­ven Rei­hung der be­mal­ten Tab­leaus er­schöpf­ten, son­dern dass sie zu­dem ver­schie­de­ne For­men der Ani­ma­ti­on und der Se­quen­zi­a­li­tät be­in­hal­te­ten, um so den Ein­druck von Be­we­gung zu in­du­zie­ren: „Über­blend- und Ein­blend­ver­fah­ren al­ter­nier­ten da­zu mit Ef­fek­ten, die auf Zieh-, Schie­be-, He­bel- oder Dreh­me­cha­nis­men ba­sie­ren“ ([Hick 1999a]Hick, Ulrike (1999): Geschichte der optischen Medien. Fink, München.
    : S. 162ff.).
Literatur
[Gemoll & Vretska 2006a]Gemoll, Wilhelm & Vretska, Karl (2006): Gemoll. Griechisch-deutsches Schulwörterbuch und Handwörterbuch. Oldenbourg Schulbuchverlag, München.[Hick 1999a]Hick, Ulrike (1999): Geschichte der optischen Medien. Fink, München.[Kreimeier 2012a]Kreimeier, Klaus (2010): Die Poesie der Maschine. Gedankensplitter zu einer Theorie des frühen Kinos. In: Kirchner, A. & Pohl, A. & Riedel, P. (Hg.), Kritik des Ästhetischen - Ästhetik der Kritik. Schüren, Marburg.[Paech 2006a]Paech, Joachim (2006): Was ist ein kinematographisches Bewegungsbild?. In: Koebner, Th. & Meder, Th. (Hg.), Bildtheorie und Film. Edition Text + Kritik, München.

Ausgabe 1: 2013

Lektorat:

Zitierhinweis:

Grabbe, Lars & Kruse, Patrick (2013). Kino. (Ausg. 1). In: Schirra, J.R.J.; Halawa, M. & Liebsch, D. (Hg.), Glossar der Bildphilosophie. (2012-2026). [bildglossar.org/index.php?title=Kino].