Film: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Glossar der Bildphilosophie
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==Etymologie und Wort&shy;bedeu&shy;tung==


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Der Ausdruck ‘Film’ leitet sich vom engli&shy;schen Ausdruck ‘film’ (zur Bezeich&shy;nung von Membran oder dünnem Häut&shy;chen) ab und verweist in einer appa&shy;rati&shy;ven Perspek&shy;tive auf das dünne und elas&shy;tische Mate&shy;rial (Foto-Film, Film&shy;rolle etc.), welches durch einen Belich&shy;tungsvor&shy;gang verän&shy;dert und für die Projek&shy;tion genutzt wird. Diente der Ausdruck in diesem Sinne zunächst zur Bezeich&shy;nung des mate&shy;riellen Trägers der Bilder, so wurde bald auch das illu&shy;sionis&shy;tische Ergeb&shy;nis der Projek&shy;tion oder eine Gesamt&shy;heit von aufge&shy;nomme&shy;nen und proji&shy;zierten Bildern “Film” genannt (vgl. <bib id='Bulgakowa 2001a'></bib>: S. 429ff.)
=====Darstellung des gr. Zusammenhangs=====
:
Darüberhinaus bezeichnet ‘Film’ nicht allein eine einzel&shy;ne derar&shy;tige Gesamt&shy;heit (also ein einzel&shy;nes Werk), sondern dient auch als Ober&shy;begriff für die Klassi&shy;fizie&shy;rung in Kino- und Fernseh&shy;filme.
 
 
==Dynamische Bildlich&shy;keit==
 
Der Film strukturiert generell eine spezi&shy;fische Bildlich&shy;keit und Visua&shy;lität, die nach dynami&shy;schen Prinzi&shy;pien orga&shy;nisiert ist. In dieser Perspek&shy;tive unter&shy;scheidet sich die filmi&shy;sche Bildlich&shy;keit von statisch struktu&shy;rierten Bildkon&shy;zepten, wie z.B. [[Fotografie|Foto&shy;grafie]], Dia-Projek&shy;tion oder [[Malerei|Gemäl&shy;den]].
:
Die im Film manifestierte Dynamik zeigt sich - aufgrund des technisch-appa&shy;rati&shy;ven Systems - inner&shy;halb eines Be&shy;wegungs&shy;bildes: „Es ist die elek&shy;trische Geschwin&shy;digkeit, die die mecha&shy;nischen Filmse&shy;quenzen aus ihrer mecha&shy;nischen Auf&shy;einander&shy;folge zur Gleich&shy;zeitig&shy;keit des elek&shy;trischen Bewe&shy;gungsbil&shy;des (siehe auch ⊳ [[Animation|Ani&shy;mation]]) beschleu&shy;nigt. Im Lichte des elektri&shy;schen Stroms ist der Film nicht mehr eine Folge von Bildern in Bewe&shy;gung, sondern in der Gleich&shy;zeitig&shy;keit von Figur und Bewe&shy;gung ein Be&shy;wegungs&shy;bild, das nicht mehr wie Bilder in Bewe&shy;gung, sondern ganzheit&shy;lich als ''ein'' Bild wahrge&shy;nommen wird, ein kine&shy;matogra&shy;phisches Be&shy;wegungs&shy;bild“ (<bib id='Paech 2006a'></bib>: S. 99). Die technisch-appa&shy;rative Dimen&shy;sion des kine&shy;mato&shy;graphi&shy;schen Bewegungs&shy;bildes ist prinzi&shy;piell offen ange&shy;legt und findet ihre Erwei&shy;terung in vielfäl&shy;tigen tech&shy;nischen Inno&shy;vatio&shy;nen. So zeigt sich das Bewegungs&shy;bild im Kontext von Fernseh- und Video&shy;geräten (siehe auch ⊳ [[Fernsehen|Fern&shy;sehen]] und [[Video]]) und Compu&shy;termo&shy;nito&shy;ren als infor&shy;matio&shy;nelles elek&shy;troni&shy;sches Bild (vgl. <bib id='Paech 2006a'></bib>: S. 105), welches gänzlich unab&shy;hängig von der kine&shy;mato&shy;graphi&shy;schen Dispo&shy;sitiv&shy;struktur (siehe auch ⊳ [[Kino]]) konsti&shy;tuiert wird: Es struktu&shy;riert sich dann „als rein ener&shy;geti&shy;sches (elek&shy;trisches) Bild, das seinen für die Bewe&shy;gungsdar&shy;stellung konsti&shy;tutiven Ähnlich&shy;keits-/Diffe&shy;renzfak&shy;tor in die punktu&shy;elle Konstruk&shy;tion des Bildes tausend&shy;fach herein&shy;genommen hat. Bewe&shy;gung ist nicht mehr die Figur der Über&shy;setzung oder Transfor&shy;mation einer ana&shy;logen mecha&shy;nischen Kette zur ener&shy;geti&shy;schen Darstel&shy;lung ihrer sukzes&shy;siven figu&shy;ralen Ähnlich&shy;keiten/Diffe&shy;renzen im Lichte des Bewe&shy;gungsbil&shy;des“ (<bib id='Paech 2006a'></bib>: S. 105-106).
:


Der Begriff Film leitet sich aus dem englischen Begriff film (Membrane, dünnes Häutchen) ab und verweist in einer apparativen Perspektive auf das dünne und elastische Material (Foto-Film, Filmrolle etc.), welches durch einen Belichtungsvorgang verändert und für die Projektion genutzt wird.
Weiterhin bezeichnet der Begriff den jeweils einzelnen Film und dient als Oberbegriff  zur Klassifizierung von Kino- und Fernsehfilmen.


==Kinematographische Bildlichkeit==


<!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen-->
Zeigt sich das informatio&shy;nelle elek&shy;troni&shy;sche Be&shy;wegungs&shy;bild im Kontext digi&shy;taler Prozes&shy;se, so ist das kine&shy;mato&shy;graphi&shy;sche Be&shy;wegungs&shy;bild analog konfi&shy;guriert: Es „resul&shy;tiert aus der Über&shy;setzung oder Trans&shy;forma&shy;tion einer mecha&shy;nischen Form der Bewe&shy;gung appa&shy;rati&shy;ver Darstel&shy;lung in eine ästhe&shy;tische, darge&shy;stellte Bewe&shy;gung über die gemein&shy;same Figur der Ähnlich&shy;keit/Dif&shy;ferenz“ (<bib id='Paech 2006a'></bib>: 102). Grund&shy;voraus&shy;setzung für die Reali&shy;sierung des kine&shy;mato&shy;graphi&shy;schen Be&shy;wegungs&shy;bildes ist das tria&shy;dische Arran&shy;gement von Film, Projek&shy;tion und Projek&shy;tions&shy;fläche, „wo sich das Be&shy;wegungs&shy;bild als Ergeb&shy;nis seiner technisch-appa&shy;rati&shy;ven Dispo&shy;sition mani&shy;festiert“ (<bib id='Paech 2006a'></bib>: 92).  
<!--Anmerkung zwischen <ref> und </ref> im laufenden Text-->
<!--Literaturverweise im laufenden Text <bib id='Jonas 61a'>Jonas 1961</bib> -->
<!--  ... id im Literaturverzeichnis nachsehen, gegebenenfalls neu einfügen -->
<!--  ... (siehe Link "Sammlung" in Bibliographie-Box -->
<!-- Bilder als thumbs einsetzen, Muster: [[Datei:Beispiel.png|thumb|Bildtitel]] -->


=====Engere Begriffsbestimmung=====


<!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen-->
==Bild-Wiedergabe / Bildfrequenz==


In der Kinematographie etablier&shy;te sich über Jahr&shy;zehnte techni&shy;scher Entwick&shy;lungen ein Bild-Wieder&shy;gabe-Standard von 24 Bildern pro Sekun&shy;de. Diese inno&shy;vati&shy;ve Entwick&shy;lung führte zu einer idea&shy;len Wechsel&shy;wirkung von techni&shy;scher Appa&shy;ratur und sinnes&shy;physio&shy;logi&shy;scher Wahr&shy;nehmungs&shy;kapa&shy;zität des Rezi&shy;pienten. Bei einer Wieder&shy;gabe von ca. 24 Einzel&shy;bildern inner&shy;halb einer Sekun&shy;de, ist das Gehirn in der Lage, aus der figu&shy;rati&shy;ven Diffe&shy;renz (vgl. <bib id='Paech 2005a'></bib>: 88) der Einzel&shy;bilder eine konti&shy;nuier&shy;liche Be&shy;wegung zu errech&shy;nen und auto&shy;matisch ent&shy;steht der Illu&shy;sionsein&shy;druck einer realen Bewe&shy;gung – ein reali&shy;siertes Be&shy;wegungs&shy;bild. Während einer Filmvor&shy;führung wird der Film&shy;streifen aller&shy;dings nicht konstant und konti&shy;nuier&shy;lich an der Projek&shy;tionslin&shy;se vorbei&shy;geführt, dies würde keine konsis&shy;tente Bildwahr&shy;nehmung erlau&shy;ben. So wird in kine&shy;mato&shy;graphi&shy;schen Appa&shy;ratu&shy;ren ein Vorschub&shy;mecha&shy;nismus verwen&shy;det, z.B. ein Malte&shy;serkreuz&shy;getrie&shy;be, durch welches die Rolle mit dem aufge&shy;spulten Film&shy;streifen diskon&shy;tinuier&shy;lich immer nur ein Stück weiter transpor&shy;tiert wird und zwischen&shy;zeitlich zum Still&shy;stand kommt. Der Wechsel zwischen Trans&shy;port und Still&shy;stand ereig&shy;net sich in Abhän&shy;gigkeit von der Anzahl der Bilder die pro Sekun&shy;de proji&shy;ziert werden. Während das Bild weiter&shy;transpor&shy;tiert wird (in der Bild-Zwischen-Zeit) sorgt eine Flügel&shy;scheibe dafür, dass die Linse des Vorführ&shy;gerätes abge&shy;blendet wird. Dieser optische Effekt wird auch als Strobo&shy;skopef&shy;fekt bezeich&shy;net und inter&shy;agiert mit dem Nachbild&shy;effekt der Wahr&shy;nehmung. Da die neuro&shy;nalen Rezep&shy;toren im Auge des Zuschau&shy;ers während der Phase, in denen die Projek&shy;tion abge&shy;dunkelt bleibt, keine neue Reizung erhal&shy;ten, wirkt das vorher&shy;gehende Bild, als Reiz&shy;muster auf der Reti&shy;na des Auges für einen “Augen&shy;blick” nach. In dieser Form reali&shy;siert sich das Be&shy;wegungs&shy;bild.


=====optional Beispiele=====
Beim [[Fernsehen]] hat sich hin&shy;gegen der Standard von 25 Einzel&shy;bildern pro Sekun&shy;de etab&shy;liert, wobei diese in der Form von 50 Halb&shy;bildern pro Sekunde über&shy;tragen werden. Diese Entwick&shy;lung bezeich&shy;net man auch als Zeilen&shy;sprungver&shy;fahren oder Zwischen&shy;zeilen&shy;verfah&shy;ren, dessen Haupt&shy;inten&shy;tion die Verrin&shy;gerung des Bild&shy;flimmerns darstellt. Compu&shy;termo&shy;nito&shy;re arbei&shy;ten hinge&shy;gen mit einer Wieder&shy;gabe von z.B. 60 Voll&shy;bildern pro Sekun&shy;de (im Kontext einer Auf&shy;lösung von 1024 x 788).


<!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen-->


==Filmische Bild-Schichten==


=====Auswirkungen auf andere Begriffe=====
Die für die filmästhetische Bild-Dimen&shy;sion rele&shy;vanten Bezugs&shy;größen lassen sich als ''techni&shy;sche Schicht'' und ''funkti&shy;onale Schicht'' klassi&shy;fizieren, wobei diese Begrif&shy;fe in erzähl&shy;theore&shy;tischer Perspek&shy;tive mit ‘Discours’ und ‘Histoire’ (vgl. <bib id='Decker & Krah 2008a'></bib>: S. 227) und in film&shy;semio&shy;tischer Perspek&shy;tive mit ‘kine&shy;mato&shy;graphi&shy;sche Schicht’ und ‘reprä&shy;senti&shy;sche Schicht’ (vgl. <bib id='Möller 1984a'></bib>: S. 77ff.) über&shy;setzt werden können.
:
Die ''technische Schicht'' beschreibt das ''Wie?'' des Gezeig&shy;ten, d.h. die Art und Weise, wie der Film als darstel&shy;lende Instanz konsti&shy;tuiert ist. Hierbei struktu&shy;rieren die Ele&shy;mente Einstel&shy;lung (Kame&shy;rafahr&shy;ten, Perspek&shy;tiven, Zoom etc.), Schnitt und [[Montage]] die Ele&shy;mente Bewe&shy;gung, Zeitlich&shy;keit und Raumein&shy;druck: Die Einstel&shy;lung insze&shy;niert, der Schnitt arran&shy;giert und die Monta&shy;ge rhythmi&shy;siert das Film&shy;bild (vgl. <bib id='Decker & Krah 2008a'></bib>: S. 227). Die techni&shy;sche Schicht des filmi&shy;schen Bildes ist eine vollstän&shy;dige und auto&shy;nome Sinnein&shy;heit, deren Ana&shy;lyse die spezi&shy;fische [[Materialität|Mate&shy;riali&shy;tät]] des filmischen Bildes offenlegt.
:
Hingegen beschreibt die ''funkti&shy;onale Schicht'' das ''Was?'' des Gezeig&shy;ten, d.h. den Inhalt und die Entwick&shy;lung einer Erzähl&shy;handlung. Die Ele&shy;mente Thema, Motiv, Figu&shy;renkon&shy;stella&shy;tion und Handlungs&shy;verlauf (Kompo&shy;nenten, Ereig&shy;nisse, Klimax, retar&shy;dieren&shy;des Moment etc.) struktu&shy;rieren dabei Inhalt und Entwick&shy;lung der Erzähl&shy;handlung. Das Film&shy;bild ist grund&shy;sätzlich „Bild einer Menge von Objek&shy;ten und Ereig&shy;nissen, die in einem abge&shy;bilde&shy;ten oder aus der Abbil&shy;dung zu er&shy;schließen&shy;den Bezugs&shy;rahmen […] als Dinge […] oder als Zeichen fungie&shy;ren. Das Film&shy;bild ist also ein [[Symbol, Index, Ikon|iko&shy;nisches Zeichen]] von etwas, das selbst Zeichen sein kann und daher selbst inter&shy;pretiert werden muß“ (<bib id='Möller 1984a'></bib>: S. 78f.). Die funkti&shy;onale Schicht verdich&shy;tet ihren auto&shy;nomen Sinnge&shy;halt durch die Struktu&shy;rierung szeni&shy;scher Inhal&shy;te, so dass Situ&shy;ati&shy;onen und Szenen zu ihrer primä&shy;ren syntag&shy;matischen Größe werden (vgl. <bib id='Möller 1984a'></bib>: S. 79). Situ&shy;atio&shy;nen und Szenen fungie&shy;ren dem&shy;gemäß als „kontex&shy;tueller Bezugs&shy;rahmen, der die Zeichen&shy;funktion von abge&shy;bilde&shy;ten Ereig&shy;nissen und Objek&shy;ten deter&shy;miniert“ (<bib id='Möller 1984a'></bib>: S. 79).
:
Der Film zeigt sich generell als multi&shy;moda&shy;les Konstrukt, welches die tech&shy;nische Schicht und die funkti&shy;onale Schicht in ein komple&shy;xes System von Zeichen und Bedeu&shy;tungen über&shy;führt: „Die Filmge&shy;schichte im tradi&shy;tionel&shy;len Verständ&shy;nis, die um 1910, mit den komple&shy;xen Erzähl&shy;formen des langen Spiel&shy;films, ihren Anfang nahm, hat uns die nachge&shy;rade uner&shy;schöpfli&shy;chen Möglich&shy;keiten der Monta&shy;ge, den Ton, den Dialog, die Farbe, den ›Realis&shy;mus‹, die psycho&shy;logische Kame&shy;rafüh&shy;rung, den ›unsicht&shy;baren Schnitt‹, die Multi&shy;perspek&shy;tivi&shy;tät von Zeit und Raum, die vielfa&shy;chen Nuan&shy;cen des Lichts, kurzum: die verfei&shy;nerten Mittel einer den Sinnen sich einschmei&shy;chelnden Film&shy;sprache und sogar die Illu&shy;sion der Drei&shy;dimen&shy;siona&shy;lität beschert“ (<bib id='Kreimeier 2012a'></bib>: S. 159).


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* [[Animation]]
* [[Fernsehen]]
* [[Fotografie]]
* [[Kino]]
* [[Malerei]]
* [[Materialität]]
* [[Symbol, Index, Ikon]]
* [[Video]]


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Aktuelle Version vom 6. Januar 2026, 11:52 Uhr

Unterpunkt zu: Bildmedien


Etymologie und Wort­bedeu­tung

Der Ausdruck ‘Film’ leitet sich vom engli­schen Ausdruck ‘film’ (zur Bezeich­nung von Membran oder dünnem Häut­chen) ab und verweist in einer appa­rati­ven Perspek­tive auf das dünne und elas­tische Mate­rial (Foto-Film, Film­rolle etc.), welches durch einen Belich­tungsvor­gang verän­dert und für die Projek­tion genutzt wird. Diente der Ausdruck in diesem Sinne zunächst zur Bezeich­nung des mate­riellen Trägers der Bilder, so wurde bald auch das illu­sionis­tische Ergeb­nis der Projek­tion oder eine Gesamt­heit von aufge­nomme­nen und proji­zierten Bildern “Film” genannt (vgl. [Bulgakowa 2001a]Bulgakowa, Oksana (2001): Film/filmisch. In: Barck, K. & Fontius, M. & Schlenstedt, D. & Steinwachs, B. & Wolfzettel, F. (Hg.), Ästhetisches Wörterbuch in sieben Bänden. Bd. 2: Dekadent — Grotesk. J. B. Metzler, Stuttgart, Weimar.
: S. 429ff.)

Darüberhinaus bezeichnet ‘Film’ nicht allein eine einzel­ne derar­tige Gesamt­heit (also ein einzel­nes Werk), sondern dient auch als Ober­begriff für die Klassi­fizie­rung in Kino- und Fernseh­filme.


Dynamische Bildlich­keit

Der Film strukturiert generell eine spezi­fische Bildlich­keit und Visua­lität, die nach dynami­schen Prinzi­pien orga­nisiert ist. In dieser Perspek­tive unter­scheidet sich die filmi­sche Bildlich­keit von statisch struktu­rierten Bildkon­zepten, wie z.B. Foto­grafie, Dia-Projek­tion oder Gemäl­den.

Die im Film manifestierte Dynamik zeigt sich - aufgrund des technisch-appa­rati­ven Systems - inner­halb eines Be­wegungs­bildes: „Es ist die elek­trische Geschwin­digkeit, die die mecha­nischen Filmse­quenzen aus ihrer mecha­nischen Auf­einander­folge zur Gleich­zeitig­keit des elek­trischen Bewe­gungsbil­des (siehe auch ⊳ Ani­mation) beschleu­nigt. Im Lichte des elektri­schen Stroms ist der Film nicht mehr eine Folge von Bildern in Bewe­gung, sondern in der Gleich­zeitig­keit von Figur und Bewe­gung ein Be­wegungs­bild, das nicht mehr wie Bilder in Bewe­gung, sondern ganzheit­lich als ein Bild wahrge­nommen wird, ein kine­matogra­phisches Be­wegungs­bild“ ([Paech 2006a]Paech, Joachim (2006): Was ist ein kinematographisches Bewegungsbild?. In: Koebner, Th. & Meder, Th. (Hg.), Bildtheorie und Film. Edition Text + Kritik, München.
: S. 99). Die technisch-appa­rative Dimen­sion des kine­mato­graphi­schen Bewegungs­bildes ist prinzi­piell offen ange­legt und findet ihre Erwei­terung in vielfäl­tigen tech­nischen Inno­vatio­nen. So zeigt sich das Bewegungs­bild im Kontext von Fernseh- und Video­geräten (siehe auch ⊳ Fern­sehen und Video) und Compu­termo­nito­ren als infor­matio­nelles elek­troni­sches Bild (vgl. [Paech 2006a]Paech, Joachim (2006): Was ist ein kinematographisches Bewegungsbild?. In: Koebner, Th. & Meder, Th. (Hg.), Bildtheorie und Film. Edition Text + Kritik, München.
: S. 105), welches gänzlich unab­hängig von der kine­mato­graphi­schen Dispo­sitiv­struktur (siehe auch ⊳ Kino) konsti­tuiert wird: Es struktu­riert sich dann „als rein ener­geti­sches (elek­trisches) Bild, das seinen für die Bewe­gungsdar­stellung konsti­tutiven Ähnlich­keits-/Diffe­renzfak­tor in die punktu­elle Konstruk­tion des Bildes tausend­fach herein­genommen hat. Bewe­gung ist nicht mehr die Figur der Über­setzung oder Transfor­mation einer ana­logen mecha­nischen Kette zur ener­geti­schen Darstel­lung ihrer sukzes­siven figu­ralen Ähnlich­keiten/Diffe­renzen im Lichte des Bewe­gungsbil­des“ ([Paech 2006a]Paech, Joachim (2006): Was ist ein kinematographisches Bewegungsbild?. In: Koebner, Th. & Meder, Th. (Hg.), Bildtheorie und Film. Edition Text + Kritik, München.
: S. 105-106).


Kinematographische Bildlichkeit

Zeigt sich das informatio­nelle elek­troni­sche Be­wegungs­bild im Kontext digi­taler Prozes­se, so ist das kine­mato­graphi­sche Be­wegungs­bild analog konfi­guriert: Es „resul­tiert aus der Über­setzung oder Trans­forma­tion einer mecha­nischen Form der Bewe­gung appa­rati­ver Darstel­lung in eine ästhe­tische, darge­stellte Bewe­gung über die gemein­same Figur der Ähnlich­keit/Dif­ferenz“ ([Paech 2006a]Paech, Joachim (2006): Was ist ein kinematographisches Bewegungsbild?. In: Koebner, Th. & Meder, Th. (Hg.), Bildtheorie und Film. Edition Text + Kritik, München.
: 102). Grund­voraus­setzung für die Reali­sierung des kine­mato­graphi­schen Be­wegungs­bildes ist das tria­dische Arran­gement von Film, Projek­tion und Projek­tions­fläche, „wo sich das Be­wegungs­bild als Ergeb­nis seiner technisch-appa­rati­ven Dispo­sition mani­festiert“ ([Paech 2006a]Paech, Joachim (2006): Was ist ein kinematographisches Bewegungsbild?. In: Koebner, Th. & Meder, Th. (Hg.), Bildtheorie und Film. Edition Text + Kritik, München.
: 92).


Bild-Wiedergabe / Bildfrequenz

In der Kinematographie etablier­te sich über Jahr­zehnte techni­scher Entwick­lungen ein Bild-Wieder­gabe-Standard von 24 Bildern pro Sekun­de. Diese inno­vati­ve Entwick­lung führte zu einer idea­len Wechsel­wirkung von techni­scher Appa­ratur und sinnes­physio­logi­scher Wahr­nehmungs­kapa­zität des Rezi­pienten. Bei einer Wieder­gabe von ca. 24 Einzel­bildern inner­halb einer Sekun­de, ist das Gehirn in der Lage, aus der figu­rati­ven Diffe­renz (vgl. [Paech 2005a]Paech, Joachim (2005): Medienwissenschaft. In: Sachs-Hombach, K. (Hg.), Bildwissenschaft. Disziplinen, Themen, Methoden. Suhrkamp, Frankfurt/M.
: 88) der Einzel­bilder eine konti­nuier­liche Be­wegung zu errech­nen und auto­matisch ent­steht der Illu­sionsein­druck einer realen Bewe­gung – ein reali­siertes Be­wegungs­bild. Während einer Filmvor­führung wird der Film­streifen aller­dings nicht konstant und konti­nuier­lich an der Projek­tionslin­se vorbei­geführt, dies würde keine konsis­tente Bildwahr­nehmung erlau­ben. So wird in kine­mato­graphi­schen Appa­ratu­ren ein Vorschub­mecha­nismus verwen­det, z.B. ein Malte­serkreuz­getrie­be, durch welches die Rolle mit dem aufge­spulten Film­streifen diskon­tinuier­lich immer nur ein Stück weiter transpor­tiert wird und zwischen­zeitlich zum Still­stand kommt. Der Wechsel zwischen Trans­port und Still­stand ereig­net sich in Abhän­gigkeit von der Anzahl der Bilder die pro Sekun­de proji­ziert werden. Während das Bild weiter­transpor­tiert wird (in der Bild-Zwischen-Zeit) sorgt eine Flügel­scheibe dafür, dass die Linse des Vorführ­gerätes abge­blendet wird. Dieser optische Effekt wird auch als Strobo­skopef­fekt bezeich­net und inter­agiert mit dem Nachbild­effekt der Wahr­nehmung. Da die neuro­nalen Rezep­toren im Auge des Zuschau­ers während der Phase, in denen die Projek­tion abge­dunkelt bleibt, keine neue Reizung erhal­ten, wirkt das vorher­gehende Bild, als Reiz­muster auf der Reti­na des Auges für einen “Augen­blick” nach. In dieser Form reali­siert sich das Be­wegungs­bild.

Beim Fernsehen hat sich hin­gegen der Standard von 25 Einzel­bildern pro Sekun­de etab­liert, wobei diese in der Form von 50 Halb­bildern pro Sekunde über­tragen werden. Diese Entwick­lung bezeich­net man auch als Zeilen­sprungver­fahren oder Zwischen­zeilen­verfah­ren, dessen Haupt­inten­tion die Verrin­gerung des Bild­flimmerns darstellt. Compu­termo­nito­re arbei­ten hinge­gen mit einer Wieder­gabe von z.B. 60 Voll­bildern pro Sekun­de (im Kontext einer Auf­lösung von 1024 x 788).


Filmische Bild-Schichten

Die für die filmästhetische Bild-Dimen­sion rele­vanten Bezugs­größen lassen sich als techni­sche Schicht und funkti­onale Schicht klassi­fizieren, wobei diese Begrif­fe in erzähl­theore­tischer Perspek­tive mit ‘Discours’ und ‘Histoire’ (vgl. [Decker & Krah 2008a]Decker, Jan-Oliver & Krah, Hans (2008): Einführung: Zeichen(-Systeme) im Film. Zeitschrift für Semiotik, 30, 3.
: S. 227) und in film­semio­tischer Perspek­tive mit ‘kine­mato­graphi­sche Schicht’ und ‘reprä­senti­sche Schicht’ (vgl. [Möller 1984a]Möller, Karl-Dietmar (1984): Schichten des Filmbildes und Ebenen des Films. In: Münsteraner Arbeitskreis für Semiotik MakS (Hg.), Die Einstellung als Größe einer Filmsemiotik. MakS Publikationen, Münster.
: S. 77ff.) über­setzt werden können.

Die technische Schicht beschreibt das Wie? des Gezeig­ten, d.h. die Art und Weise, wie der Film als darstel­lende Instanz konsti­tuiert ist. Hierbei struktu­rieren die Ele­mente Einstel­lung (Kame­rafahr­ten, Perspek­tiven, Zoom etc.), Schnitt und Montage die Ele­mente Bewe­gung, Zeitlich­keit und Raumein­druck: Die Einstel­lung insze­niert, der Schnitt arran­giert und die Monta­ge rhythmi­siert das Film­bild (vgl. [Decker & Krah 2008a]Decker, Jan-Oliver & Krah, Hans (2008): Einführung: Zeichen(-Systeme) im Film. Zeitschrift für Semiotik, 30, 3.
: S. 227). Die techni­sche Schicht des filmi­schen Bildes ist eine vollstän­dige und auto­nome Sinnein­heit, deren Ana­lyse die spezi­fische Mate­riali­tät des filmischen Bildes offenlegt.

Hingegen beschreibt die funkti­onale Schicht das Was? des Gezeig­ten, d.h. den Inhalt und die Entwick­lung einer Erzähl­handlung. Die Ele­mente Thema, Motiv, Figu­renkon­stella­tion und Handlungs­verlauf (Kompo­nenten, Ereig­nisse, Klimax, retar­dieren­des Moment etc.) struktu­rieren dabei Inhalt und Entwick­lung der Erzähl­handlung. Das Film­bild ist grund­sätzlich „Bild einer Menge von Objek­ten und Ereig­nissen, die in einem abge­bilde­ten oder aus der Abbil­dung zu er­schließen­den Bezugs­rahmen […] als Dinge […] oder als Zeichen fungie­ren. Das Film­bild ist also ein iko­nisches Zeichen von etwas, das selbst Zeichen sein kann und daher selbst inter­pretiert werden muß“ ([Möller 1984a]Möller, Karl-Dietmar (1984): Schichten des Filmbildes und Ebenen des Films. In: Münsteraner Arbeitskreis für Semiotik MakS (Hg.), Die Einstellung als Größe einer Filmsemiotik. MakS Publikationen, Münster.
: S. 78f.). Die funkti­onale Schicht verdich­tet ihren auto­nomen Sinnge­halt durch die Struktu­rierung szeni­scher Inhal­te, so dass Situ­ati­onen und Szenen zu ihrer primä­ren syntag­matischen Größe werden (vgl. [Möller 1984a]Möller, Karl-Dietmar (1984): Schichten des Filmbildes und Ebenen des Films. In: Münsteraner Arbeitskreis für Semiotik MakS (Hg.), Die Einstellung als Größe einer Filmsemiotik. MakS Publikationen, Münster.
: S. 79). Situ­atio­nen und Szenen fungie­ren dem­gemäß als „kontex­tueller Bezugs­rahmen, der die Zeichen­funktion von abge­bilde­ten Ereig­nissen und Objek­ten deter­miniert“ ([Möller 1984a]Möller, Karl-Dietmar (1984): Schichten des Filmbildes und Ebenen des Films. In: Münsteraner Arbeitskreis für Semiotik MakS (Hg.), Die Einstellung als Größe einer Filmsemiotik. MakS Publikationen, Münster.
: S. 79).

Der Film zeigt sich generell als multi­moda­les Konstrukt, welches die tech­nische Schicht und die funkti­onale Schicht in ein komple­xes System von Zeichen und Bedeu­tungen über­führt: „Die Filmge­schichte im tradi­tionel­len Verständ­nis, die um 1910, mit den komple­xen Erzähl­formen des langen Spiel­films, ihren Anfang nahm, hat uns die nachge­rade uner­schöpfli­chen Möglich­keiten der Monta­ge, den Ton, den Dialog, die Farbe, den ›Realis­mus‹, die psycho­logische Kame­rafüh­rung, den ›unsicht­baren Schnitt‹, die Multi­perspek­tivi­tät von Zeit und Raum, die vielfa­chen Nuan­cen des Lichts, kurzum: die verfei­nerten Mittel einer den Sinnen sich einschmei­chelnden Film­sprache und sogar die Illu­sion der Drei­dimen­siona­lität beschert“ ([Kreimeier 2012a]Kreimeier, Klaus (2010): Die Poesie der Maschine. Gedankensplitter zu einer Theorie des frühen Kinos. In: Kirchner, A. & Pohl, A. & Riedel, P. (Hg.), Kritik des Ästhetischen - Ästhetik der Kritik. Schüren, Marburg.
: S. 159).

Anmerkungen
Literatur
[Bulgakowa 2001a]Bulgakowa, Oksana (2001): Film/filmisch. In: Barck, K. & Fontius, M. & Schlenstedt, D. & Steinwachs, B. & Wolfzettel, F. (Hg.), Ästhetisches Wörterbuch in sieben Bänden. Bd. 2: Dekadent — Grotesk. J. B. Metzler, Stuttgart, Weimar.[Decker & Krah 2008a]Decker, Jan-Oliver & Krah, Hans (2008): Einführung: Zeichen(-Systeme) im Film. Zeitschrift für Semiotik, 30, 3.[Kreimeier 2012a]Kreimeier, Klaus (2010): Die Poesie der Maschine. Gedankensplitter zu einer Theorie des frühen Kinos. In: Kirchner, A. & Pohl, A. & Riedel, P. (Hg.), Kritik des Ästhetischen - Ästhetik der Kritik. Schüren, Marburg.[Möller 1984a]Möller, Karl-Dietmar (1984): Schichten des Filmbildes und Ebenen des Films. In: Münsteraner Arbeitskreis für Semiotik MakS (Hg.), Die Einstellung als Größe einer Filmsemiotik. MakS Publikationen, Münster.[Paech 2005a]Paech, Joachim (2005): Medienwissenschaft. In: Sachs-Hombach, K. (Hg.), Bildwissenschaft. Disziplinen, Themen, Methoden. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Paech 2006a]Paech, Joachim (2006): Was ist ein kinematographisches Bewegungsbild?. In: Koebner, Th. & Meder, Th. (Hg.), Bildtheorie und Film. Edition Text + Kritik, München.

Ausgabe 1: 2013

Lektorat:

Zitierhinweis:

Grabbe, Lars; Wulff, Hans J. & Kruse, Patrick (2013). Film. (Ausg. 1). In: Schirra, J.R.J.; Halawa, M. & Liebsch, D. (Hg.), Glossar der Bildphilosophie. (2012-2026). [bildglossar.org/index.php?title=Film].