Theorien des Bildraums: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Glossar der Bildphilosophie
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==Historischer Diskurs zum Bild&shy;raum==
Kants „transzendentale Ästhetik“ (<bib id='Kant 1968a'></bib>), die die sinnli&shy;che [[Anschauung|Anschau&shy;ung]] als von der apri&shy;orisch gege&shy;benen [[Vorstellung|Vorstel&shy;lung]] des Raums (und der Zeit) vorstruk&shy;turiert versteht, gilt allge&shy;mein als Einsatz&shy;punkt vielfäl&shy;tiger Theorien zur Raumwahr&shy;nehmung. Von ihr ange&shy;regt suchen die Gründer&shy;väter der Physio&shy;logie und Psycho&shy;logie des 19. Jahrhun&shy;derts nach den psycho&shy;physi&shy;schen Ursprün&shy;gen der Raumwahr&shy;nehmung; Hermann von Helmholtz etwa glaubt, die menschli&shy;che Raumwahr&shy;nehmung aus der Form der Ohrmu&shy;schel ablei&shy;ten zu können.
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Bis heute überbieten sich Kognitions- und Wahrneh&shy;mungs&shy;psycho&shy;logen mit Erklä&shy;rungsmo&shy;dellen für die Fähig&shy;keit des Gehirns, aus zwei&shy;dimen&shy;siona&shy;len Netzhaut&shy;projek&shy;tionen räumli&shy;che Infor&shy;mati&shy;onen zu entneh&shy;men. Sie konzen&shy;trieren sich dabei weitge&shy;hend auf [[Perspektive und Projektion|zentral&shy;perspek&shy;tivisch]] orga&shy;nisier&shy;te Bildfor&shy;mate, die bekannt&shy;lich seit der Renais&shy;sance als der anthro&shy;pomor&shy;phen Raumer&shy;fassung entspre&shy;chende Raumwie&shy;derga&shy;ben verstan&shy;den worden sind. Erwin Panof&shy;skys daran vorge&shy;trage&shy;ne Kritik (<bib id='Panofsky 1924a'>Panof&shy;sky 1924a</bib>), der die Zentral&shy;perspek&shy;tivie&shy;rung als kühne Abstrak&shy;tion von der Wirklich&shy;keit, als Privi&shy;legie&shy;rung eines indif&shy;feren&shy;ten Denkraums und als Verken&shy;nung des psycho&shy;physi&shy;schen Raums mit zwei&shy;äugi&shy;ger „sphäro&shy;ider Gestalt“ (S. 668) in seiner Geltung rela&shy;tiviert, findet in den Bild&shy;wissen&shy;schaften nach wie vor wenig Beach&shy;tung. Wie Stephan Günzel in seinem Beitrag zu den Raum&shy;wissen&shy;schaften ausführt, erör&shy;tert die zeitge&shy;nössi&shy;sche Bild&shy;wissen&shy;schaft den Raum vorzugs&shy;weise im Hinblick auf zentral&shy;perspek&shy;tivi&shy;sche Bild&shy;orga&shy;nisa&shy;tion und auf die Diver&shy;genz von zwei&shy;dimen&shy;siona&shy;lem [[Bildobjekt / Bildträger|Bild&shy;träger]] und drei&shy;dimen&shy;siona&shy;ler Erschei&shy;nung. Dieser einge&shy;schränkte Blickwin&shy;kel sei hier histo&shy;risie&shy;rend rela&shy;tiviert und um philo&shy;sophi&shy;sche, kunst&shy;histo&shy;rische und künstle&shy;rische Bildre&shy;flexi&shy;onen erwei&shy;tert, die heutzu&shy;tage gera&shy;de in der Verfla&shy;chung des Bildes, in seiner quasi-&#8203;takti&shy;len Selbst&shy;ausstel&shy;lung und in der Entfal&shy;tung unbe&shy;kannter Raumzeit&shy;konfi&shy;gura&shy;tionen den Wert von Bild&shy;schöpfun&shy;gen erken&shy;nen.
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===Lessing und Hegel===
Erste gattungstheoretische Ausführungen zur Abgren&shy;zung der bilden&shy;den von den lite&shy;rari&shy;schen Künsten entlang ihrer Raum- und Zeitbe&shy;zugnah&shy;men begeg&shy;nen eben&shy;falls in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhun&shy;derts. 1766 unter&shy;scheidet Gotthold Ephraim Lessing (<bib id='Lessing 1974a'></bib>) die [[Mimesis|Nach&shy;ahmun&shy;gen]] der [[Malerei|Male&shy;rei]] von jener der Poesie: Erste&shy;re verwen&shy;de „Figu&shy;ren und Farben in dem Raume“, letzte&shy;re „arti&shy;kulie&shy;re Töne in der Zeit“ (S. 102). Während die Male&shy;rei Zeitschnit&shy;te im Konti&shy;nuum der Handlung vorneh&shy;me und Augen&shy;blicke für ihre „ko&shy;exis&shy;tieren&shy;den Kompo&shy;sitio&shy;nen“ wähle, könne die Poesie in ihren „fort&shy;schreiten&shy;den Nachah&shy;mungen nur eine einzi&shy;ge Eigen&shy;schaft der Körper nutzen“ (S. 103). In Homers poeti&shy;scher Beschrei&shy;bung des Schilds des Achil&shy;les sieht Lessing gleichwohl ein Beispiel dafür gege&shy;ben, wie „weitläu&shy;fig und doch poetisch“ (S. 109) Dichtung räumlich Neben&shy;einan&shy;derge&shy;ordne&shy;tes beschrei&shy;ben kann. Er hält Dichtung gleichwohl nicht für das geeig&shy;nete Medium zur Wieder&shy;gabe komple&shy;xer Raumver&shy;hältnis&shy;se, da das Ohr dabei keinen Gesamt&shy;eindruck erhält.
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Artikuliert sich bei Lessing noch eine Gleich&shy;rangig&shy;keit der Künste, so privi&shy;legiert die auf ihn folgen&shy;de idea&shy;listi&shy;sche Philo&shy;sophie die Zeit- gegen&shy;über den Raum&shy;künsten, weshalb die Ästhe&shy;tiken des 19. Jahrhun&shy;derts die Künste in eine entwick&shy;lungsge&shy;schichtlich-&#8203;logi&shy;sche Abfol&shy;ge bringen. G. W. F. Hegel geht in den «Vorle&shy;sungen über die Ästhe&shy;tik» zwischen 1818 und 1826 von der Vorstel&shy;lung eines künstle&shy;rischen Einheits&shy;raums aus, da „an sich, dem Begrif&shy;fe nach, die Gesamt&shy;heit dieser neuen Wirklich&shy;keit der Kunst zu einer Tota&shy;lität“ (<bib id='Hegel 1970a'></bib>: S. 246) gehö&shy;re: In der sinnli&shy;chen Gegen&shy;wart löse sich freilich das Ideal in seine Momen&shy;te auf, so dass die reale Kunst&shy;welt „das System der einzel&shy;nen Künste“ (ebd.) sei. Hegel histo&shy;risiert und hierar&shy;chisiert die Künste entspre&shy;chend ihrem Geist-, Mate&shy;rial- und Raumge&shy;halt: Der Archi&shy;tektur weist er dabei die unter&shy;ste Stufe zu. Über ihr stehen die [[bildende Kunst|bilden&shy;den Künste]], die „die Inner&shy;lichkeit des Subjek&shy;tiven zu gestal&shy;ten beru&shy;fen sind“, wie die Male&shy;rei, die „zum Mate&shy;rial [...] nicht die schwere [[Materialität|Mate&shy;riali&shy;tät]] und deren räumlich vollstän&shy;dige Exis&shy;tenz gebrau&shy;chen“ kann, sondern dieses Mate&shy;rial „verin&shy;nerli&shy;chen“ (S. 259f.) muss. Die Male&shy;rei ziehe deshalb die drei Raumdi&shy;mensi&shy;onen „in die Fläche als die nächste Inner&shy;lichkeit des Äuße&shy;ren zusam&shy;men und stellt die räumli&shy;chen Entfer&shy;nungen und Gestal&shy;ten durch das Scheinen der Farbe dar“ (S. 260). Die roman&shy;tischen Künste Musik und Poesie als „wahrhaf&shy;te Kunst des Geistes“ zeichnen sich durch Verzicht auf „Figu&shy;rati&shy;onen des Räumli&shy;chen“ (S. 261) aus.
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===Burckhardt und Riegl===
Diesen philosophischen Raumab&shy;wertun&shy;gen setzt Jakob Burckhardt 1855 seine kunsthis&shy;tori&shy;sche Schrift «Der Cice&shy;rone. Eine Anlei&shy;tung zum Genuss der Kunstwer&shy;ke Ita&shy;liens» entge&shy;gen, in welcher er dem Raumbe&shy;griff erstmals metho&shy;dische Geltung verleiht: Er grenzt darin die ita&shy;lieni&shy;sche Gotik mit ihrer hori&shy;zonta&shy;len „Weiträu&shy;migkeit“ vom „nordi&shy;schen Raum der Höhe“ (<bib id='Burckhardt 2001a'></bib>: S. 111) posi&shy;tiv ab, denn in ihr entwick&shy;le sich „das eigen&shy;thümlich ita&shy;lieni&shy;sche Gefühl für Räume, Linien und Verhält&shy;nisse, und dieses war die Erb&shy;schaft, welche die Renais&shy;sance über&shy;nahm“ (S. 144). Erst im 16. Jahrhun&shy;dert werde „der Aufwand an Raum und Bauma&shy;terial ein ganz allge&shy;meiner; es beginnt jene allge&shy;meine Großräu&shy;migkeit, auch der bürger&shy;lichen Wohnun&shy;gen“ (S. 247).
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Burckhardts Ansatz macht Schule: Ende des 19. Jahrhun&shy;derts, als die an die Nachah&shy;mungsthe&shy;orie gebun&shy;denen Erör&shy;terun&shy;gen von Ort, Szene, Vertie&shy;fung und Bildtie&shy;fe von einer histo&shy;risch-&#8203;kriti&shy;schen, stil&shy;ana&shy;lyti&shy;schen Kunstbe&shy;trachtung abge&shy;löst werden, wird die Raumbe&shy;handlung „das allge&shy;meinste Thema der moder&shy;nen Kunstge&shy;schichte“ (<bib id='Badt 1963a'></bib>, 19) und »Raum« ihr am häufig&shy;sten gebrauch&shy;ter Begriff. Seine Verwen&shy;dung steht aller&shy;dings häufig im Dienste einer Fort&shy;schritts&shy;erzäh&shy;lung von der flächen&shy;haften Bildge&shy;staltung zur Darstel&shy;lung unend&shy;licher [[Perspektivik|Tiefe]].
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Alois Riegls historische Periodi&shy;sierung des „Kunst&shy;wollens“ (<bib id='Riegl 1901a'></bib>) vom „Taktisch-&#8203;Nahsich&shy;tigen“ (für die alt&shy;ägyp&shy;tische Kunst) über das „Taktisch-&#8203;Opti&shy;sche“ (für die klassi&shy;sche Kunst Griechen&shy;lands) zur dritten Stufe des „Optisch-&#8203;Fernsich&shy;tigen“ der spätrö&shy;mischen Kunst wird später von Walter Benja&shy;min und De&shy;leuze/&#8203;Guatta&shy;ri umge&shy;wertet: Im Sinne von Panof&shy;skys Kritik an der Zentral&shy;perspek&shy;tive fordern sie, das „Taktisch-&#8203;Nahsich&shy;tige“ in Kunst und Philo&shy;sophie erneut in seine Rechte zu verset&shy;zen. Riegls Schrift «Das hollän&shy;dische Gruppen&shy;porträt» (1902), das zwischen den „zwei Erschei&shy;nungsfor&shy;men des drei&shy;dimen&shy;sionalen (Bild)&#8203;Raums“, dem „kubi&shy;schen, der an den Körpern haftet, und dem Freiraum, der zwischen den Figu&shy;ren ist“ (<bib id='Riegl 1931a'></bib>: S. 22), diffe&shy;renziert, liefert die metho&shy;dische Vorga&shy;be für Erwin Panof&shy;skys späte&shy;re Raum&shy;perio&shy;disie&shy;rungen. Auch bei Riegl findet sich ein unter&shy;schwelli&shy;ger Fort&shy;schritts&shy;gedan&shy;ke: Während die anti&shy;ke Kunst nie zur Darstel&shy;lung des Freiraums gelan&shy;ge, habe die christli&shy;che Kunst der römi&shy;schen Kaiser&shy;zeit „den Freiraum eman&shy;zipiert“ (ebd.). Mit der endgül&shy;tigen Eman&shy;zipa&shy;tion des Freiraums im 15. Jahrhun&shy;dert werde der Raum „beson&shy;derer Gegen&shy;stand“ der bilden&shy;den Kunst, wobei noch einmal zwischen der ita&shy;lieni&shy;schen „Linien&shy;perspek&shy;tive“ und der „nordi&shy;schen“ Kunst der „Luft&shy;perspek&shy;tive“ (S. 23) zu unter&shy;scheiden sei. Dem hollän&shy;dischen „Kunst&shy;wollen“ gelin&shy;ge die beson&shy;dere Leistung, den Dualis&shy;mus von Körper- und Freiraum in der Farbge&shy;staltung des Helldunkel aufzu&shy;heben.
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===Cassirer und Raphael===
Im 20. Jahrhundert vervielfa&shy;chen sich trotz der natur&shy;wissen&shy;schaftli&shy;chen Formu&shy;lierung der ‘Vier&shy;dimen&shy;siona&shy;lität’ des [[Raum und Geometrie|Raums]] und der in Mathe&shy;matik und Physik begrün&shy;deten Verschwis&shy;terung von Raum und Zeit die kunstge&shy;schichtli&shy;chen Über&shy;legun&shy;gen zu den Raumbe&shy;zügen der Kunst. Auch ande&shy;re Diszi&shy;plinen tragen zur Verviel&shy;fälti&shy;gung von Bildraum&shy;theorien bei: die phäno&shy;meno&shy;logi&shy;sche und psycho&shy;logi&shy;sche Wahrneh&shy;mungsleh&shy;re, medien&shy;theore&shy;tische Diskus&shy;sionen zur Gattungs&shy;spezi&shy;fik von Male&shy;rei und [[Film]], erkennt&shy;niskri&shy;tische Unter&shy;scheidun&shy;gen von symbo&shy;lischen, lebens&shy;weltli&shy;chen, ästhe&shy;tischen Räumen und ande&shy;rer mehr. Der Kunst&shy;histo&shy;riker Adolf von Hilde&shy;brand erklärt 1903 (<bib id='Hildebrand 1969a'>Hilde&shy;brand 1969a</bib>) die künstle&shy;rische Raum&shy;schöpfung aus unse&shy;rem räumli&shy;chen Verhält&shy;nis zur Natur. Die male&shy;rische Darstel&shy;lung müsse demnach Raum&shy;vorstel&shy;lungen wecken, „um im Beschau&shy;er dies Raumge&shy;fühl, diese ele&shy;mentar&shy;ste Wirkung der Natur (zu) erzeu&shy;gen“ (S. 220). Der Psycho&shy;loge Theodor Lipps leitet eben&shy;falls „das abge&shy;schlosse&shy;ne Ganze des räumli&shy;chen Gebil&shy;des“ aus der „auffas&shy;senden, heraus&shy;heben&shy;den und begren&shy;zenden Tätig&shy;keit“ (<bib id='Lipps 1920a'></bib>: S. 402) des Betrach&shy;ters ab. Inner&shy;halb der „Kunst der räumli&shy;chen Form“ unter&shy;scheidet er die Male&shy;rei als „Natur&shy;formen wieder&shy;geben&shy;de“ von den „frei schaffen&shy;den Künsten“ (S. 398), die den „mit Leben erfüll&shy;ten Raum“ (S. 399) gene&shy;rieren. Er berück&shy;sichtigt dabei nicht nur „abstrak&shy;te“ Raum&shy;künste, sondern auch solche, die Masse gestal&shy;ten: Zur „Massen&shy;raumkunst“ zählt er „techni&shy;sche Kunst&shy;formen“ (S. 400) wie etwa das Design.
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Philosophie und Kunstgeschich&shy;te zusam&shy;menfüh&shy;rend, erkennt der Philo&shy;soph Ernst Cassi&shy;rer in seinem Vortrag «Mysti&shy;scher, ästhe&shy;tischer und theore&shy;tischer Raum» (<bib id='Cassirer 1930a'>Cassi&shy;rer 1930a</bib>) zusam&shy;men mit Panof&shy;sky in der male&shy;rischen, linear&shy;perspek&shy;tivisch konstru&shy;ierten Illu&shy;sion der Fenster&shy;schau die entschei&shy;dende „symbo&shy;lische Form“ der euro&shy;päischen Raumkon&shy;zeption. Panof&shy;sky hatte die Synthe&shy;se des „nordisch-&#8203;goti&shy;schen Raumge&shy;fühls“ und seiner „Raum&shy;kästen“ (<bib id='Panofsky 1924a'>Panof&shy;sky 1924a</bib>: S. 713f.) mit der in der byzan&shy;tini&shy;schen Male&shy;rei weiter&shy;leben&shy;den Raumtie&shy;fe, wie sie sich erstma&shy;lig bei den toska&shy;nischen Malern Giotto und Duccio in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhun&shy;derts vollzieht, als „Revo&shy;lution in der forma&shy;len Bewer&shy;tung der Darstel&shy;lungsflä&shy;che“ bestimmt, dank welcher die Wand zu jener „durchsich&shy;tigen Ebe&shy;ne“ wird, „durch die hindurch wir in einen Raum hinein&shy;zublicken glauben sollen“ (S. 716f.).
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In der Nachkriegszeit bekundet sich in Max Raphaels «Raumge&shy;staltun&shy;gen» von 1949 schließlich eine ausdif&shy;feren&shy;zierte Wahrneh&shy;mung der unter&shy;schiedli&shy;chen Raumbe&shy;zugnah&shy;men der Male&shy;rei: „Hals, Velas&shy;quez und ande&shy;re – der Raum der Traum&shy;welt; Vermeer – der Raum des Unbe&shy;wußten; Hugo van der Goes und Tinto&shy;retto – der Raum des Über&shy;gangs vom Dies&shy;seits zum Jenseits; […] Bosch – der Raum der Auflö&shy;sung des Daseins“ (<bib id='Raphael 1986a'></bib>: S. 63). Rück&shy;blickend setzt er den „Beginn eines neuen Raum&shy;›ideals‹“ mit dem Kubis&shy;mus an, denn Picas&shy;so und Braque hätten „die mögli&shy;chen Raumer&shy;lebnis&shy;se und Raumge&shy;staltun&shy;gen“ (S. 56f.) zum Thema ihrer Kunst gemacht. Er unter&shy;scheidet von daher zwischen einer über&shy;zeitli&shy;chen „Kate&shy;gorie des Raums“ und den geschich&shy;tlich beding&shy;ten „Reali&shy;sierun&shy;gen dieser Kate&shy;gorie“ (S. 59). Die moder&shy;nen Avant&shy;garden erschei&shy;nen als aufein&shy;ander folgen&shy;de Strate&shy;gien der Raumver&shy;vielfäl&shy;tigung, die sich in der Nachkriegs&shy;zeit noch multi&shy;pliziert.
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===Balázs, Kracau&shy;er und Bazin===
Auch in der Filmtheorie des 20. Jahrhun&shy;derts wird der Raumbe&shy;zug des Filmbil&shy;des thema&shy;tisiert, zunächst aller&shy;dings unter dem Blick&shy;winkel der verän&shy;derten Raumwahr&shy;nehmung des Zuschau&shy;ers im [[Kino]], ausge&shy;löst durch die neuen techni&shy;schen Möglich&shy;keiten des [[Film|Films]]. Als einer der ersten erör&shy;tert der unga&shy;rische Film&shy;theore&shy;tiker Béla Balázs (<bib id='Balázs 2001a'></bib>) die insbe&shy;sonde&shy;re von der Großauf&shy;nahme herbei&shy;geführ&shy;ten filmi&shy;schen Raum&shy;modi&shy;fika&shy;tionen. Die Großauf&shy;nahmen würden sogar erlau&shy;ben, „aus dem Raum über&shy;haupt heraus und in eine ganz ande&shy;re Dimen&shy;sion“ (S. 16) hinein zu führen. Die Eröff&shy;nung neuer Raum&shy;dimen&shy;sionen und verän&shy;derter „Raumge&shy;fühle“ schreibt Balázs auch der filmspe&shy;zifi&shy;schen Kame&shy;rabe&shy;wegung und Monta&shy;ge zu: Durch Über&shy;blendun&shy;gen etwa werden Raum&shy;wechsel ohne Perspek&shy;tiven&shy;wechsel gebo&shy;ten, was der Hervor&shy;bringung reiner Phanta&shy;siebil&shy;der zuar&shy;beite. Ande&shy;rerseits führe die Kame&shy;rabe&shy;wegung durch Räume hindurch und lasse Raum „wirklich erle&shy;ben. Den Raum, der nicht zur Perspek&shy;tive gewor&shy;den ist, nicht zum Bild, das wir von außen betrach&shy;ten“ (S. 59f.), als psychi&shy;sche Reali&shy;tät: „Wir durch&shy;schreiten mit ihr (der Kame&shy;ra) den Raum und fühlen ihn“ (S. 60). Für Balázs wie später für Christian Metz entste&shy;hen dank ihrer Erschlie&shy;ßung in Zeit quali&shy;tativ ande&shy;re Räume – Räume, die nicht visuell erfass&shy;bar, sondern fühlend und [[Chock / taktile Wahrnehmung|taktil]] [[Erfahrung / Unmittelbarkeit|erfahr&shy;bar]] sind.
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Zeitgleich mit Balázs gelangt Siegfried Kracau&shy;er im Feuille&shy;ton «Über Arbeits&shy;nachwei&shy;se» (1930) zu einem eher sozio&shy;logisch ausge&shy;richte&shy;ten Raumbe&shy;fund:
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:''Jeder typi&shy;sche Raum wird durch typi&shy;sche gesell&shy;schaftli&shy;che Verhält&shy;nisse zustan&shy;de gebracht, die sich ohne die stören&shy;de Dazwi&shy;schenkunft des Bewusst&shy;seins in ihm aus&shy;drücken. Alles vom Bewusst&shy;sein Verleug&shy;nete, alles, was sonst geflis&shy;sentlich über&shy;sehen wird, ist an seinem Aufbau betei&shy;ligt. Die Raumbil&shy;der sind die Träume der Gesell&shy;schaft. Wo immer die Hiero&shy;glyphe irgend&shy;eines Raumbil&shy;des entzif&shy;fert ist, dort bietet sich der Grund der sozi&shy;alen Wirklich&shy;keit dar“ (<bib id='Kracauer 1992a'>Kracau&shy;er 1992a</bib>: S.32).
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Kracauers Suche nach unbewusst-&#8203;affek&shy;tiven Raumbil&shy;dern moti&shy;viert nicht zuletzt seine Zuwen&shy;dung zum filmi&shy;schen Medium, wie seine Studie «From Cali&shy;gari to Hitler. A Psycho&shy;logical History of the German Film» von 1947 zeigt, in der er die psychi&shy;schen Dispo&shy;siti&shy;onen der Gesell&shy;schaft der Weima&shy;rer Repu&shy;blik retro&shy;spektiv aus ihren filmi&shy;schen Raumbil&shy;dern erschließt. Raumbil&shy;der sind zwangsläu&shy;fig unbe&shy;stimmte, numi&shy;nose Größen, die von affek&shy;tiven und unbe&shy;wussten Beset&shy;zungen erzäh&shy;len und “in” dem von ihnen Darge&shy;stellten Unge&shy;sehenes und Unge&shy;dachtes mitar&shy;tiku&shy;lieren.
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Der französische Filmtheoriker André Bazin fordert in seinem gegen&shy;über Kracau&shy;er zuge&shy;spitzten Realis&shy;musver&shy;ständnis der 50er Jahre, dass Filmbil&shy;der die raumzeit&shy;lichen Konti&shy;nua von Vorgän&shy;gen, die vielfäl&shy;tigen und gegen&shy;läufi&shy;gen Bewe&shy;gungen des Lebens und dessen wesent&shy;liche „Ambi&shy;guität“ einzu&shy;fangen hätten. Der Film habe durch filmi&shy;sche Raumge&shy;bungen wie in den Filmen Erich von Stoheims, Jean Renoirs und Orson Welles’, durch lange Planse&shy;quenzen mit beweg&shy;ter Kame&shy;ra, durch Schärfen&shy;tiefe, tiefen&shy;räumli&shy;che Insze&shy;nierung und eine Wieder&shy;gabe des Darge&shy;stellten als Ausschnitt aus einem über den Bildrah&shy;men hinaus&shy;reichen&shy;den, realen Konti&shy;nuum der realen Dauer der Vorkomm&shy;nisse zu entspre&shy;chen.
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===Deleuze===
In den 80er Jahren verbindet sich für Gilles De&shy;leuze mit dem Filmi&shy;schen, noch immer in Nähe zu Kracau&shy;er und Benja&shy;min, die Forde&shy;rung nach mikro&shy;skopi&shy;scher Durchdrin&shy;gung der Reali&shy;tätswie&shy;derga&shy;ben auf etwas “in” den Bildern hin – auch auf neue Raumzeit&shy;dimen&shy;sionie&shy;rungen. In seiner zeichen&shy;orien&shy;tierten Perspek&shy;tive bindet er die Erör&shy;terung des Räumli&shy;chen nicht an die Zuschau&shy;erwahr&shy;nehmung, sondern an die filmi&shy;sche [[Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem|Zeichen&shy;gebung]], der er die Potenz zu Entkon&shy;venti&shy;ona&shy;lisie&shy;rung übli&shy;cher Raumper&shy;spekti&shy;ven und zur Binnen&shy;diffe&shy;renzie&shy;rung des Bildes zuer&shy;kennt. Dank ihrer vom menschli&shy;chen Blick&shy;winkel abwei&shy;chenden Einstel&shy;lungsgrö&shy;ßen und dank ihrer Bilder&shy;abfol&shy;ge seien Filmbil&shy;der befä&shy;higt, unbe&shy;stimmte Raumzei&shy;ten zu gene&shy;rieren. Diese von ihm geschätz&shy;ten „belie&shy;bigen Räume“ sieht er immer dort entste&shy;hen, wo die Wieder&shy;gabe äuße&shy;rer Raumkon&shy;tinua und auswen&shy;diger Bewe&shy;gungsab&shy;läufe durch filmspe&shy;zifi&shy;sche Einstel&shy;lungen und anders montier&shy;te Raumzeit&shy;forma&shy;tionen durchbro&shy;chen wird:
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:''Ein beliebiger Raum ist keine abstrak&shy;te Uni&shy;versa&shy;lie jenseits von Zeit und Raum. Er ist ein einzel&shy;ner, einzig&shy;arti&shy;ger Raum, der nur die Homo&shy;geni&shy;tät einge&shy;büßt hat, das heißt das Prinzip seiner metri&shy;schen Verhält&shy;nisse oder des Zusam&shy;menhalts seiner Teile, so dass eine unend&shy;liche Vielfalt von Anschlüs&shy;sen möglich wird“ <bib id='Deleuze 1989a'>De&shy;leuze 1989a</bib>.
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Wie in <bib id='Ott 2007a'></bib> vorge&shy;schlagen, sollte anstel&shy;le des Ausdrucks ‘belie&shy;biger Raum’ jener des ‘unbe&shy;stimmten Raums’ verwen&shy;det werden, schon um den Beige&shy;schmack des Belie&shy;bigen und Nega&shy;tiven zu vermei&shy;den, aber auch um die Bestimm&shy;barkeit der jewei&shy;ligen Raumzeit&shy;schöpfung zu thema&shy;tisieren.
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In Nähe zu Balázs lobt Deleuze die Quali&shy;tät der Großauf&shy;nahme und des „Affekt&shy;bildes“ zur Hervor&shy;bringung neuer Raumre&shy;lati&shy;onen, die den Fluss der filmi&shy;schen Bewe&shy;gung scheinbar arre&shy;tieren und dem Film eine verti&shy;kale Inten&shy;sitäts&shy;dimen&shy;sion verlei&shy;hen:
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:''Obwohl die Großaufnah&shy;me das Gesicht (...) von jeder Raum-&#8203;Zeit-&#8203;Koor&shy;dina&shy;te ablöst, kann sie einen ihr eigenen Zeit-&#8203;Raum einbrin&shy;gen (...) Einmal ist es der Tiefen&shy;raum des Bildfel&shy;des, der der Großauf&shy;nahme einen Hinter&shy;grund verleiht, ein ander&shy;mal ist es im Gegen&shy;teil die Nega&shy;tion der Perspek&shy;tive und der Bildtie&shy;fe, die die Halbnah&shy;einstel&shy;lung einer Großauf&shy;nahme angleicht“ (<bib id='Deleuze 1989a'>De&shy;leuze 1989a</bib>: S. 151f.).
:
Ungewohnt flächige Räume und unübli&shy;che Kombi&shy;nati&shy;onen von Vorder- und Hinter&shy;grund sieht De&shy;leuze aber nicht nur dank der filmi&shy;schen Verge&shy;sichtli&shy;chungsver&shy;fahren entste&shy;hen. Räume ohne „Maßver&shy;hältnis&shy;se“ mit „takti&shy;ler Wertig&shy;keit“ entdeckt er auch in gleichsam umge&shy;kehrten Verfah&shy;ren der Entge&shy;sichtli&shy;chung wie etwa in den Filmen von Robert Bresson. Dessen Strate&shy;gie der „Entthro&shy;nung“ des Gesichts in unüb&shy;lichen Kadrie&shy;rungen und Monta&shy;gefol&shy;gen unter&shy;werfe das Bewe&shy;gungsbild einem „Gesetz der Fragmen&shy;tierung“ (S. 152) und brächte eben&shy;falls belie&shy;bige Räume hervor.
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Solchermaßen entziffert Deleuze die gesam&shy;te Filmge&shy;schichte auf Erfin&shy;dungen neuer Raumbil&shy;der hin: Im deutschen expres&shy;sionis&shy;tischen Film lasse der Einsatz von Licht und Schatten und deren „Hell-&#8203;Dunkel-&#8203;Werte“ das Räumli&shy;che zu etwas „Unbe&shy;grenztem“ (S. 155) werden. In den Filmen der „poeti&shy;schen Abstrak&shy;tion“ verlie&shy;re das Räumli&shy;che eben&shy;falls seine herkömm&shy;liche Begren&shy;zung und werde „mit der Macht des Geistes, mit einer stets zu erneu&shy;ernden geisti&shy;gen Entschei&shy;dung iden&shy;tisch“ (S. 163). An struktu&shy;ralis&shy;tischen Filmen wie Alain Resnais’ «L’année dernière à Marien&shy;bad» (F, 1961) stellt er richtungs&shy;gebun&shy;dene „topo&shy;logi&shy;sche“ Konstruk&shy;tionen heraus, die der Verschwis&shy;terung von Raum und Zeit Rechnung trügen. Belie&shy;bige Räume sind für ihn sogar in Doku&shy;mentar&shy;filmen zu finden, wie beispiels&shy;weise in Joris Ivens’ Film «Der Regen»: Der Regen, Subjekt des Films, wird dank der vielfäl&shy;tigen Perspek&shy;tivierun&shy;gen in seinen schillern&shy;den Erschei&shy;nungswei&shy;sen und [[Affekt und Kommunikation |Affekt&shy;modi]] ins Bild gesetzt.


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<!--Literaturverweise im laufenden Text <bib id='Jonas 61a'>Jonas 1961</bib> -->
<!--  ... id im Literaturverzeichnis nachsehen, gegebenenfalls neu einfügen -->
<!--  ... (siehe Link "Sammlung" in Bibliographie-Box -->
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=====Engere Begriffsbestimmung=====


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==Zeitgenössische Bild&shy;raum&shy;be&shy;stim&shy;mun&shy;gen==


In der Gegenwart lässt insbesondere der ''spatial turn'' der Kultur&shy;wissen&shy;schaften den Raumbe&shy;zug des Bildes thema&shy;tisch werden. Die moder&shy;ne Kunst, die sich sogar in ihren reali&shy;tätsna&shy;hen Medien [[Fotografie|Foto&shy;grafie]] und [[Film]] als konstruk&shy;tive Praxis begreift, bear&shy;beitet nach dem Zweiten Welt&shy;krieg, mit der postmo&shy;dernen Kritik am fort&shy;schritts&shy;beto&shy;nenden Zeitpa&shy;radig&shy;ma, erneut ihr Verhält&shy;nis zum Raum. Ihre selbst&shy;refle&shy;xiven Verfah&shy;ren bringen einen neuen Reichtum an Raumzeit&shy;expe&shy;rimen&shy;ten hervor, wodurch auch das Bedürf&shy;nis aufkommt, den Raum des Kunstwerks zu über&shy;schreiten hin auf Inter&shy;venti&shy;onen im „realen Raum“. Vor allem aber beför&shy;dert die sich globa&shy;lisie&shy;rende Gegen&shy;wart theore&shy;tische und künstle&shy;rische Raumbe&shy;zugnah&shy;men ohne gleichen, die sich im begin&shy;nenden 21. Jahrhun&shy;dert als Boom an Ausstel&shy;lungen mit Raum&shy;thema&shy;tiken mani&shy;festiert.
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Der Katalog zur Ausstellung «RAUM. Orte der Kunst» (<bib id='Flügge et al. 2007a'></bib>) begrün&shy;det seine thema&shy;tische Ausrich&shy;tung damit, dass in der Moder&shy;ne der Ort der Kunst fragwür&shy;dig gewor&shy;den sei und die gestei&shy;gerte Mobi&shy;lität der moder&shy;nen Gesell&shy;schaft zu einer Diffe&shy;renzie&shy;rung der Konzep&shy;tionen und Refle&shy;xionen über Raum und Räumlich&shy;keit geführt habe. Unter&shy;schieden wird dabei zwischen dem unbe&shy;stimmten Raum als ima&shy;ginä&shy;rer Ressour&shy;ce der Kunst und dem künstle&shy;risch begrenz&shy;ten Ort im Raum, sei er illu&shy;sionis&shy;tisch vorge&shy;spiegelt oder als Ereig&shy;nisraum insze&shy;niert. Als namhaf&shy;teste Umko&shy;dierun&shy;gen des künstle&shy;rischen Verhält&shy;nisses zwischen Raum und Ort werden die Einfüh&shy;rung des Films, Duchamps Akzen&shy;tuierung des Ausstel&shy;lungskontexts und die wieder&shy;kehren&shy;de Uto&shy;pie der Verei&shy;nigung von Kunst und Leben im Sur&shy;realis&shy;mus ange&shy;führt.
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Der unübersichtlichen Vielzahl künstle&shy;rischer Raum&shy;umbrü&shy;che in der Moder&shy;ne sucht man durch Nachzeich&shy;nung signi&shy;fikan&shy;ter Filia&shy;tionen nachzu&shy;kommen: des ''bildne&shy;rischen Raums'' in den Gemäl&shy;den von Male&shy;witsch bis Picas&shy;so, des ''foto&shy;grafi&shy;schen Raums'' bei Medar&shy;do Rosso und Man Ray, des ''leeren Raums'' bei Alber&shy;to Giaco&shy;metti und Francis Bacon, des ''sozi&shy;alen Raums'' bei Gordon Matta-&#8203;Clark und Francis Alÿs, der ''Körper im Raum'' bei Gary Hill und Trisha Brown und ande&shy;ren mehr. Als bedeut&shy;same Umbrü&shy;che werden gedeu&shy;tet die Modi&shy;fika&shy;tionen des ''zentral&shy;perspek&shy;tivi&shy;schen Kasten&shy;raums'' (<bib id='Hofmann 2007a'></bib>: S. 14) von den ‘geome&shy;trischen Puris&shy;ten’ Donald Judd und Sol Lewitt über den ‘Orga&shy;niker’ Frank Gehry zu den Laby&shy;rinthbau&shy;ern Gregor Schneider und Hans Schabus als Weiter&shy;führer des ‘Merzbaus’ von Kurt Schwitters. Hervor&shy;geho&shy;ben werden die singu&shy;lären Gestal&shy;tungen (<bib id='Lammert 2007a'></bib>) der Filmräu&shy;me Jean Pain&shy;levés in «La quatri&shy;ème dimen&shy;sion» von 1937, der fernseh&shy;gerech&shy;ten Raumri&shy;tuale Samuel Becketts in «Quadrat 2» von 1982 und Jacques Tatis filmi&shy;sche Kritik an der Glas&shy;archi&shy;tektur in «Play&shy;time» (F, 1967). Das Auftre&shy;ten von „Hybrid&shy;formen aus Medien und Raum“ (<bib id='Demuth 2007a'></bib>: S. 101) im 21. Jahrhun&shy;dert wird in seiner Rückwir&shy;kung auf den Status der Kunst&shy;objek&shy;te betont und das Infla&shy;tionä&shy;re zeitge&shy;nössi&shy;scher Museums&shy;bauten kriti&shy;siert (<bib id='Flügge et al. 2007b'></bib>: S. 7). Vorge&shy;tragen wird aber auch die Hoffnung, in raumak&shy;zentu&shy;ieren&shy;den Ausstel&shy;lungen die „Poten&shy;tiali&shy;tät“ der Kunstwer&shy;ke und neue Zusam&shy;menhän&shy;ge, Nachbar&shy;schaften, Ortsbe&shy;züge zu erschlie&shy;ßen und aufzu&shy;decken. Im Ergän&shy;zungsband «RÄUME der Zeich&shy;nung» werden unter ande&shy;rem die Aufkün&shy;digung der Linie-&#8203;Fläche-&#8203;Unter&shy;scheidung und die maschi&shy;nelle Ausfüh&shy;rung von Zeichnun&shy;gen unter&shy;sucht und die Verän&shy;derun&shy;gen erör&shy;tert, die mit der Projek&shy;tion von Zeichnun&shy;gen in den drei&shy;dimen&shy;siona&shy;len Raum verbun&shy;den sind.
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Den dazugehörigen Tagungs&shy;reader «Topos RAUM» eröff&shy;net Georges Didi-&#8203;Huber&shy;man (<bib id='Didi-Huberman 2005a'>Didi-&#8203;Huber&shy;man 2005a</bib>) mit einer Betrach&shy;tung über den leibre&shy;lati&shy;ven Raum in foto&shy;grafi&shy;schen und filmi&shy;schen Werken der Moder&shy;ne. Robert Kudiel&shy;ka bestimmt das gegen&shy;wärti&shy;ge Raum-&#8203;Verhält&shy;nis von Male&shy;rei und [[Skulptur]] in Abgren&shy;zung von der Befra&shy;gung des Bildraums in den 1960er Jahren: Während damals Inhal&shy;te der Kunst über deren räumli&shy;che Eigen&shy;schaften defi&shy;niert worden seien, würden nunmehr künstle&shy;rische Befra&shy;gungen des „realen Raums“ vorherr&shy;schen. Die Suche nach bild&shy;inter&shy;nen Gestal&shy;tungslö&shy;sungen, mit dem ame&shy;rika&shy;nischen Expres&shy;sionis&shy;mus und dessen „Auflö&shy;sung der Inte&shy;riori&shy;tät des Kunst&shy;werkes“ (<bib id='Kudielka 2005a'>Kudiel&shy;ka 2005a</bib>: S. 51) an ein Ende gekom&shy;men, werde in der Gegen&shy;wart ersetzt durch die künstle&shy;rische „Parzel&shy;lierung von Erfah&shy;rungsräu&shy;men“ (S. 53) und die Thema&shy;tisie&shy;rung des Verhält&shy;nisses der Kunst zu insti&shy;tutio&shy;nellen und gesell&shy;schaftli&shy;chen Räumen: Die „Auswei&shy;tung künstle&shy;rischer Konzep&shy;tionen, Strate&shy;gien und Verfah&shy;renswei&shy;sen auf poten&shy;tiell alle Handlungs&shy;räume“ (S. 45) habe zur „Insis&shy;tenz auf orts&shy;spezi&shy;fische Setzun&shy;gen und Eingrif&shy;fe“ als dem gegen&shy;wärtig „maßgeb&shy;lichen Motiv in den Künsten“ (S. 52) geführt. Das Verhält&shy;nis des Betrach&shy;ters zur Kunst, früher durch „Gegen&shy;über&shy;treten und Davor&shy;bleiben“ gekenn&shy;zeichnet, habe sich damit in Richtung „Eintre&shy;ten und Eintau&shy;chen“ (S. 53) verscho&shy;ben. Da „der Zusam&shy;menhalt eines Kunst&shy;werks nun von der räumli&shy;chen Erfas&shy;sung her garan&shy;tiert erscheint“ (S. 54), seien [[Installation und Montage|Instal&shy;lati&shy;onen]] häufig allein durch „dispa&shy;rate Anhäu&shy;fungen“ mit unter&shy;bestimm&shy;ten Bezü&shy;gen ausge&shy;wiesen und bezö&shy;gen gera&shy;de daraus ihre Bedeut&shy;samkeit. Insge&shy;samt wird betont, dass Grenzgänge zwischen [[Skulptur]], Archi&shy;tektur, Instal&shy;lation, [[Performance|Perfor&shy;mance]], [[Video]] und Film normal gewor&shy;den seien und sich zum ''white cube'' des Ausstel&shy;lungsraums die ''black box'' der Video&shy;projek&shy;tion und die Online-&#8203;Gale&shy;rie für imma&shy;teriel&shy;le Netzkunst gesellt habe. Lev Mano&shy;vich skizziert eine Poetik des erwei&shy;terten Raums und den „mit Daten verdich&shy;teten physi&shy;schen Raum“, der dank gewis&shy;ser Erwei&shy;terungs&shy;techno&shy;logien „zum multi&shy;dimen&shy;siona&shy;len Raum“ (<bib id='Manovich 2005a'>Mano&shy;vich 2005a</bib>: S. 343) werde. Raum&shy;konfi&shy;gura&shy;tionen mit [[Interaktives Bild|virtu&shy;ellen Bildern]] bemü&shy;hen häufig De&shy;leuzes/&#8203;Guatta&shy;ris »Rhizom«- und »Plateau«-&#8203;Begriff, um „nicht-&#8203;line&shy;are Techni&shy;ken in der Kunst“ <bib id='Bechtloff 2001a'>Becht&shy;loff 2001a</bib>, Arbei&shy;ten im Raum als „amor&shy;phe Syste&shy;me“, „Bildcon&shy;tainer“ und „Raum&shy;bilder-&#8203;Bild&shy;räume“ <bib id='Pesch 2001a'></bib> vorzu&shy;stellen.
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Diagnostiziert wird aber auch die Muta&shy;tion des Museums&shy;raums dank der Einfüh&shy;rung beweg&shy;ter Bilder und instal&shy;lati&shy;ver Präsen&shy;tati&shy;onen zu einer „new geo&shy;graphy of (re)&shy;collection“ (<bib id='Bruno 2007a'></bib>: S. 5). Auch die künstle&shy;rischen Raumpar&shy;zellen brächten einen neuen Museums&shy;typ hervor (<bib id='Kudielka 2005a'>Kudiel&shy;ka 2005a</bib>), der von der euro&shy;päischen Sammlungs&shy;antho&shy;logie abweicht, Contai&shy;nerhal&shy;den und riesi&shy;ge Stau&shy;räume hervor&shy;bringt wie in der ''Dia Art Founda&shy;tion'' in Beacon, unweit von New York, der weltweit größten Ausstel&shy;lungsan&shy;lage seit 2003.
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Diese frenetischen Ausstellungs- und Theorie&shy;bewe&shy;gungen unter dem Zeichen des Räumli&shy;chen lassen abschlie&shy;ßend deutlich werden, dass der ‘Raum’ die letzte umfas&shy;sende Bezeich&shy;nung für die zeitge&shy;nössi&shy;schen Umbrü&shy;che im Theorie- und Kunst&shy;selbstver&shy;ständis abzu&shy;geben scheint (auch hierzu ⊳ [[Bild in reflexiver Verwendung|Bild in refle&shy;xiver Verwen&shy;dung]]).


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{{GlossarSiehe}}


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* [[Affekt und Kommunikation]]
 
* [[Anschauung]]
 
* [[Bild in reflexiver Verwendung]]
=====Auswirkungen auf andere Begriffe=====
* [[bildende Kunst]]
 
* [[Bildobjekt / Bildträger]]
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* [[Chock / taktile Wahrnehmung]]
* [[Erfahrung / Unmittelbarkeit]]
* [[Film]]
* [[Fotografie]]
* [[Installation und Montage]]
* [[Interaktives Bild]]
* [[Kino]]
* [[Malerei]]
* [[Materialität]]
* [[Mimesis]]
* [[Performance]]
* [[Perspektive und Projektion]]
* [[Perspektivik]]
* [[Raum und Geometrie]]
* [[Skulptur]]
* [[Video]]
* [[Vorstellung]]
* [[Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem]]


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* [[Benutzer:Joerg R.J. Schirra|Schirra, J.R.J.]]
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Aktuelle Version vom 22. Januar 2024, 13:53 Uhr

Unterpunkt zu: Bildwahrnehmung


Historischer Diskurs zum Bild­raum

Kants „transzendentale Ästhetik“ ([Kant 1968a]Kant, Immanuel (1968): Kritik der reinen Vernunft. de Gruyter, Berlin.
Notiz: A: 1781, B: 1787
), die die sinnli­che Anschau­ung als von der apri­orisch gege­benen Vorstel­lung des Raums (und der Zeit) vorstruk­turiert versteht, gilt allge­mein als Einsatz­punkt vielfäl­tiger Theorien zur Raumwahr­nehmung. Von ihr ange­regt suchen die Gründer­väter der Physio­logie und Psycho­logie des 19. Jahrhun­derts nach den psycho­physi­schen Ursprün­gen der Raumwahr­nehmung; Hermann von Helmholtz etwa glaubt, die menschli­che Raumwahr­nehmung aus der Form der Ohrmu­schel ablei­ten zu können.

Bis heute überbieten sich Kognitions- und Wahrneh­mungs­psycho­logen mit Erklä­rungsmo­dellen für die Fähig­keit des Gehirns, aus zwei­dimen­siona­len Netzhaut­projek­tionen räumli­che Infor­mati­onen zu entneh­men. Sie konzen­trieren sich dabei weitge­hend auf zentral­perspek­tivisch orga­nisier­te Bildfor­mate, die bekannt­lich seit der Renais­sance als der anthro­pomor­phen Raumer­fassung entspre­chende Raumwie­derga­ben verstan­den worden sind. Erwin Panof­skys daran vorge­trage­ne Kritik ([Panofsky 1924a]Panofsky, Erwin (1998): Die Perspektive als symbolische Form (1924). In: Michels, K. & Warnke, M. (Hg.), Erwin Panofsky, Deutschsprachige Aufsätze, Bd. 2. Akademie, Berlin.
Nicht angezeigt: Erstpublikation in: <em>Vorträge der Bibliothek Warburg (1924/25)</em>. Leipzig, 1927, 258-330
), der die Zentral­perspek­tivie­rung als kühne Abstrak­tion von der Wirklich­keit, als Privi­legie­rung eines indif­feren­ten Denkraums und als Verken­nung des psycho­physi­schen Raums mit zwei­äugi­ger „sphäro­ider Gestalt“ (S. 668) in seiner Geltung rela­tiviert, findet in den Bild­wissen­schaften nach wie vor wenig Beach­tung. Wie Stephan Günzel in seinem Beitrag zu den Raum­wissen­schaften ausführt, erör­tert die zeitge­nössi­sche Bild­wissen­schaft den Raum vorzugs­weise im Hinblick auf zentral­perspek­tivi­sche Bild­orga­nisa­tion und auf die Diver­genz von zwei­dimen­siona­lem Bild­träger und drei­dimen­siona­ler Erschei­nung. Dieser einge­schränkte Blickwin­kel sei hier histo­risie­rend rela­tiviert und um philo­sophi­sche, kunst­histo­rische und künstle­rische Bildre­flexi­onen erwei­tert, die heutzu­tage gera­de in der Verfla­chung des Bildes, in seiner quasi-​takti­len Selbst­ausstel­lung und in der Entfal­tung unbe­kannter Raumzeit­konfi­gura­tionen den Wert von Bild­schöpfun­gen erken­nen.

Lessing und Hegel

Erste gattungstheoretische Ausführungen zur Abgren­zung der bilden­den von den lite­rari­schen Künsten entlang ihrer Raum- und Zeitbe­zugnah­men begeg­nen eben­falls in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhun­derts. 1766 unter­scheidet Gotthold Ephraim Lessing ([Lessing 1974a]Lessing, Gotthold Ephraim (1974): Laokoon oder über die Grenzen der Malerei und Poesie. In: Göpfert, H. G. (Hg.), Werke, Bd. 6. Hanser, München.
Nicht angezeigt: Erstveröffentlichung 1766
) die Nach­ahmun­gen der Male­rei von jener der Poesie: Erste­re verwen­de „Figu­ren und Farben in dem Raume“, letzte­re „arti­kulie­re Töne in der Zeit“ (S. 102). Während die Male­rei Zeitschnit­te im Konti­nuum der Handlung vorneh­me und Augen­blicke für ihre „ko­exis­tieren­den Kompo­sitio­nen“ wähle, könne die Poesie in ihren „fort­schreiten­den Nachah­mungen nur eine einzi­ge Eigen­schaft der Körper nutzen“ (S. 103). In Homers poeti­scher Beschrei­bung des Schilds des Achil­les sieht Lessing gleichwohl ein Beispiel dafür gege­ben, wie „weitläu­fig und doch poetisch“ (S. 109) Dichtung räumlich Neben­einan­derge­ordne­tes beschrei­ben kann. Er hält Dichtung gleichwohl nicht für das geeig­nete Medium zur Wieder­gabe komple­xer Raumver­hältnis­se, da das Ohr dabei keinen Gesamt­eindruck erhält.

Artikuliert sich bei Lessing noch eine Gleich­rangig­keit der Künste, so privi­legiert die auf ihn folgen­de idea­listi­sche Philo­sophie die Zeit- gegen­über den Raum­künsten, weshalb die Ästhe­tiken des 19. Jahrhun­derts die Künste in eine entwick­lungsge­schichtlich-​logi­sche Abfol­ge bringen. G. W. F. Hegel geht in den «Vorle­sungen über die Ästhe­tik» zwischen 1818 und 1826 von der Vorstel­lung eines künstle­rischen Einheits­raums aus, da „an sich, dem Begrif­fe nach, die Gesamt­heit dieser neuen Wirklich­keit der Kunst zu einer Tota­lität“ ([Hegel 1970a]Hegel, Georg W. F. (1970): Vorlesungen über die Ästhetik II. In: Moldenhauer, E. & Michel, K. M. (Hg.), Werke. Suhrkamp, Frankfurt/M.
Nicht angezeigt: Erstveröffentlichung 1835
: S. 246) gehö­re: In der sinnli­chen Gegen­wart löse sich freilich das Ideal in seine Momen­te auf, so dass die reale Kunst­welt „das System der einzel­nen Künste“ (ebd.) sei. Hegel histo­risiert und hierar­chisiert die Künste entspre­chend ihrem Geist-, Mate­rial- und Raumge­halt: Der Archi­tektur weist er dabei die unter­ste Stufe zu. Über ihr stehen die bilden­den Künste, die „die Inner­lichkeit des Subjek­tiven zu gestal­ten beru­fen sind“, wie die Male­rei, die „zum Mate­rial [...] nicht die schwere Mate­riali­tät und deren räumlich vollstän­dige Exis­tenz gebrau­chen“ kann, sondern dieses Mate­rial „verin­nerli­chen“ (S. 259f.) muss. Die Male­rei ziehe deshalb die drei Raumdi­mensi­onen „in die Fläche als die nächste Inner­lichkeit des Äuße­ren zusam­men und stellt die räumli­chen Entfer­nungen und Gestal­ten durch das Scheinen der Farbe dar“ (S. 260). Die roman­tischen Künste Musik und Poesie als „wahrhaf­te Kunst des Geistes“ zeichnen sich durch Verzicht auf „Figu­rati­onen des Räumli­chen“ (S. 261) aus.

Burckhardt und Riegl

Diesen philosophischen Raumab­wertun­gen setzt Jakob Burckhardt 1855 seine kunsthis­tori­sche Schrift «Der Cice­rone. Eine Anlei­tung zum Genuss der Kunstwer­ke Ita­liens» entge­gen, in welcher er dem Raumbe­griff erstmals metho­dische Geltung verleiht: Er grenzt darin die ita­lieni­sche Gotik mit ihrer hori­zonta­len „Weiträu­migkeit“ vom „nordi­schen Raum der Höhe“ ([Burckhardt 2001a]Burckhardt, Jacob (2001): Der Cicerone. Eine Anleitung zum Genuss der Kunstwerke Italiens. In: B. Roeck et al. (Hg.), Werke. Kritische Gesamtausgabe. Beck, München, Basel.
Nicht angezeigt: Erstveröffentlichung 1855
: S. 111) posi­tiv ab, denn in ihr entwick­le sich „das eigen­thümlich ita­lieni­sche Gefühl für Räume, Linien und Verhält­nisse, und dieses war die Erb­schaft, welche die Renais­sance über­nahm“ (S. 144). Erst im 16. Jahrhun­dert werde „der Aufwand an Raum und Bauma­terial ein ganz allge­meiner; es beginnt jene allge­meine Großräu­migkeit, auch der bürger­lichen Wohnun­gen“ (S. 247).

Burckhardts Ansatz macht Schule: Ende des 19. Jahrhun­derts, als die an die Nachah­mungsthe­orie gebun­denen Erör­terun­gen von Ort, Szene, Vertie­fung und Bildtie­fe von einer histo­risch-​kriti­schen, stil­ana­lyti­schen Kunstbe­trachtung abge­löst werden, wird die Raumbe­handlung „das allge­meinste Thema der moder­nen Kunstge­schichte“ ([Badt 1963a]Badt, Kurt (1963): Raum­phanta­sien und Raum­illu­sionen: Wesen der Plas­tik. DuMont, Köln.
, 19) und »Raum« ihr am häufig­sten gebrauch­ter Begriff. Seine Verwen­dung steht aller­dings häufig im Dienste einer Fort­schritts­erzäh­lung von der flächen­haften Bildge­staltung zur Darstel­lung unend­licher Tiefe.

Alois Riegls historische Periodi­sierung des „Kunst­wollens“ ([Riegl 1901a]Riegl, Alois (1901): Die spätrömische Kunstindustrie nach den Funden in Österreich-Ungarn im Zusammenhange mit der Gesamtentwicklung der Bildenden Künste bei den Mittelmeervölkern. KuK Hof- und Staatsdruckerei, Wien.
) vom „Taktisch-​Nahsich­tigen“ (für die alt­ägyp­tische Kunst) über das „Taktisch-​Opti­sche“ (für die klassi­sche Kunst Griechen­lands) zur dritten Stufe des „Optisch-​Fernsich­tigen“ der spätrö­mischen Kunst wird später von Walter Benja­min und De­leuze/​Guatta­ri umge­wertet: Im Sinne von Panof­skys Kritik an der Zentral­perspek­tive fordern sie, das „Taktisch-​Nahsich­tige“ in Kunst und Philo­sophie erneut in seine Rechte zu verset­zen. Riegls Schrift «Das hollän­dische Gruppen­porträt» (1902), das zwischen den „zwei Erschei­nungsfor­men des drei­dimen­sionalen (Bild)​Raums“, dem „kubi­schen, der an den Körpern haftet, und dem Freiraum, der zwischen den Figu­ren ist“ ([Riegl 1931a]Riegl, Alois (1931): Das holländische Gruppenporträt. Staatsdruckerei, Wien.
Nicht angezeigt: Erstveröffentlichung 1902
: S. 22), diffe­renziert, liefert die metho­dische Vorga­be für Erwin Panof­skys späte­re Raum­perio­disie­rungen. Auch bei Riegl findet sich ein unter­schwelli­ger Fort­schritts­gedan­ke: Während die anti­ke Kunst nie zur Darstel­lung des Freiraums gelan­ge, habe die christli­che Kunst der römi­schen Kaiser­zeit „den Freiraum eman­zipiert“ (ebd.). Mit der endgül­tigen Eman­zipa­tion des Freiraums im 15. Jahrhun­dert werde der Raum „beson­derer Gegen­stand“ der bilden­den Kunst, wobei noch einmal zwischen der ita­lieni­schen „Linien­perspek­tive“ und der „nordi­schen“ Kunst der „Luft­perspek­tive“ (S. 23) zu unter­scheiden sei. Dem hollän­dischen „Kunst­wollen“ gelin­ge die beson­dere Leistung, den Dualis­mus von Körper- und Freiraum in der Farbge­staltung des Helldunkel aufzu­heben.

Cassirer und Raphael

Im 20. Jahrhundert vervielfa­chen sich trotz der natur­wissen­schaftli­chen Formu­lierung der ‘Vier­dimen­siona­lität’ des Raums und der in Mathe­matik und Physik begrün­deten Verschwis­terung von Raum und Zeit die kunstge­schichtli­chen Über­legun­gen zu den Raumbe­zügen der Kunst. Auch ande­re Diszi­plinen tragen zur Verviel­fälti­gung von Bildraum­theorien bei: die phäno­meno­logi­sche und psycho­logi­sche Wahrneh­mungsleh­re, medien­theore­tische Diskus­sionen zur Gattungs­spezi­fik von Male­rei und Film, erkennt­niskri­tische Unter­scheidun­gen von symbo­lischen, lebens­weltli­chen, ästhe­tischen Räumen und ande­rer mehr. Der Kunst­histo­riker Adolf von Hilde­brand erklärt 1903 ([Hildebrand 1969a]Hildebrand, Adolf von (1969): Das Problem der Form. In: Bock, H. (Hg.), Hildebrand: Gesammelte Schriften zur Kunst. Westdeutscher Verlag, Köln, Opladen.
Nicht angezeigt: Erstveröffentlichung 1903
) die künstle­rische Raum­schöpfung aus unse­rem räumli­chen Verhält­nis zur Natur. Die male­rische Darstel­lung müsse demnach Raum­vorstel­lungen wecken, „um im Beschau­er dies Raumge­fühl, diese ele­mentar­ste Wirkung der Natur (zu) erzeu­gen“ (S. 220). Der Psycho­loge Theodor Lipps leitet eben­falls „das abge­schlosse­ne Ganze des räumli­chen Gebil­des“ aus der „auffas­senden, heraus­heben­den und begren­zenden Tätig­keit“ ([Lipps 1920a]Lipps, Theodor (1920): Zur Einfühlung, in: «Psychologische Untersuchungen» 2/3, 1913. In: Lipps, T. (Hg.), Die ästhetische Betrachtung und die bildende Kunst. Voss, Leipzig.
: S. 402) des Betrach­ters ab. Inner­halb der „Kunst der räumli­chen Form“ unter­scheidet er die Male­rei als „Natur­formen wieder­geben­de“ von den „frei schaffen­den Künsten“ (S. 398), die den „mit Leben erfüll­ten Raum“ (S. 399) gene­rieren. Er berück­sichtigt dabei nicht nur „abstrak­te“ Raum­künste, sondern auch solche, die Masse gestal­ten: Zur „Massen­raumkunst“ zählt er „techni­sche Kunst­formen“ (S. 400) wie etwa das Design.

Philosophie und Kunstgeschich­te zusam­menfüh­rend, erkennt der Philo­soph Ernst Cassi­rer in seinem Vortrag «Mysti­scher, ästhe­tischer und theore­tischer Raum» ([Cassirer 1930a]Cassirer, Ernst (2004): Mythischer, ästhetischer und theoretischer Raum (1930). In: Recki, B. (Hg.), Ernst Cassirer: Gesammelte Werke, Bd. 17. Meiner, Hamburg.
) zusam­men mit Panof­sky in der male­rischen, linear­perspek­tivisch konstru­ierten Illu­sion der Fenster­schau die entschei­dende „symbo­lische Form“ der euro­päischen Raumkon­zeption. Panof­sky hatte die Synthe­se des „nordisch-​goti­schen Raumge­fühls“ und seiner „Raum­kästen“ ([Panofsky 1924a]Panofsky, Erwin (1998): Die Perspektive als symbolische Form (1924). In: Michels, K. & Warnke, M. (Hg.), Erwin Panofsky, Deutschsprachige Aufsätze, Bd. 2. Akademie, Berlin.
Nicht angezeigt: Erstpublikation in: <em>Vorträge der Bibliothek Warburg (1924/25)</em>. Leipzig, 1927, 258-330
: S. 713f.) mit der in der byzan­tini­schen Male­rei weiter­leben­den Raumtie­fe, wie sie sich erstma­lig bei den toska­nischen Malern Giotto und Duccio in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhun­derts vollzieht, als „Revo­lution in der forma­len Bewer­tung der Darstel­lungsflä­che“ bestimmt, dank welcher die Wand zu jener „durchsich­tigen Ebe­ne“ wird, „durch die hindurch wir in einen Raum hinein­zublicken glauben sollen“ (S. 716f.).

In der Nachkriegszeit bekundet sich in Max Raphaels «Raumge­staltun­gen» von 1949 schließlich eine ausdif­feren­zierte Wahrneh­mung der unter­schiedli­chen Raumbe­zugnah­men der Male­rei: „Hals, Velas­quez und ande­re – der Raum der Traum­welt; Vermeer – der Raum des Unbe­wußten; Hugo van der Goes und Tinto­retto – der Raum des Über­gangs vom Dies­seits zum Jenseits; […] Bosch – der Raum der Auflö­sung des Daseins“ ([Raphael 1986a]Raphael, Max (1986): Raumgestaltungen. Der Beginn der modernen Kunst im Kubismus und im Werk von Georges Braque.
Nicht angezeigt: hg. v. H.-J. Heinrichs
: S. 63). Rück­blickend setzt er den „Beginn eines neuen Raum­›ideals‹“ mit dem Kubis­mus an, denn Picas­so und Braque hätten „die mögli­chen Raumer­lebnis­se und Raumge­staltun­gen“ (S. 56f.) zum Thema ihrer Kunst gemacht. Er unter­scheidet von daher zwischen einer über­zeitli­chen „Kate­gorie des Raums“ und den geschich­tlich beding­ten „Reali­sierun­gen dieser Kate­gorie“ (S. 59). Die moder­nen Avant­garden erschei­nen als aufein­ander folgen­de Strate­gien der Raumver­vielfäl­tigung, die sich in der Nachkriegs­zeit noch multi­pliziert.

Balázs, Kracau­er und Bazin

Auch in der Filmtheorie des 20. Jahrhun­derts wird der Raumbe­zug des Filmbil­des thema­tisiert, zunächst aller­dings unter dem Blick­winkel der verän­derten Raumwahr­nehmung des Zuschau­ers im Kino, ausge­löst durch die neuen techni­schen Möglich­keiten des Films. Als einer der ersten erör­tert der unga­rische Film­theore­tiker Béla Balázs ([Balázs 2001a]Balázs, Béla (2001): Der Geist des Films. Suhrkamp, Frankfurt/M.
) die insbe­sonde­re von der Großauf­nahme herbei­geführ­ten filmi­schen Raum­modi­fika­tionen. Die Großauf­nahmen würden sogar erlau­ben, „aus dem Raum über­haupt heraus und in eine ganz ande­re Dimen­sion“ (S. 16) hinein zu führen. Die Eröff­nung neuer Raum­dimen­sionen und verän­derter „Raumge­fühle“ schreibt Balázs auch der filmspe­zifi­schen Kame­rabe­wegung und Monta­ge zu: Durch Über­blendun­gen etwa werden Raum­wechsel ohne Perspek­tiven­wechsel gebo­ten, was der Hervor­bringung reiner Phanta­siebil­der zuar­beite. Ande­rerseits führe die Kame­rabe­wegung durch Räume hindurch und lasse Raum „wirklich erle­ben. Den Raum, der nicht zur Perspek­tive gewor­den ist, nicht zum Bild, das wir von außen betrach­ten“ (S. 59f.), als psychi­sche Reali­tät: „Wir durch­schreiten mit ihr (der Kame­ra) den Raum und fühlen ihn“ (S. 60). Für Balázs wie später für Christian Metz entste­hen dank ihrer Erschlie­ßung in Zeit quali­tativ ande­re Räume – Räume, die nicht visuell erfass­bar, sondern fühlend und taktil erfahr­bar sind.

Zeitgleich mit Balázs gelangt Siegfried Kracau­er im Feuille­ton «Über Arbeits­nachwei­se» (1930) zu einem eher sozio­logisch ausge­richte­ten Raumbe­fund:

Jeder typi­sche Raum wird durch typi­sche gesell­schaftli­che Verhält­nisse zustan­de gebracht, die sich ohne die stören­de Dazwi­schenkunft des Bewusst­seins in ihm aus­drücken. Alles vom Bewusst­sein Verleug­nete, alles, was sonst geflis­sentlich über­sehen wird, ist an seinem Aufbau betei­ligt. Die Raumbil­der sind die Träume der Gesell­schaft. Wo immer die Hiero­glyphe irgend­eines Raumbil­des entzif­fert ist, dort bietet sich der Grund der sozi­alen Wirklich­keit dar“ ([Kracauer 1992a]Kracauer, Siegfried (1992): Der verbotene Blick. Reclam, Leipzig.
: S.32).

Kracauers Suche nach unbewusst-​affek­tiven Raumbil­dern moti­viert nicht zuletzt seine Zuwen­dung zum filmi­schen Medium, wie seine Studie «From Cali­gari to Hitler. A Psycho­logical History of the German Film» von 1947 zeigt, in der er die psychi­schen Dispo­siti­onen der Gesell­schaft der Weima­rer Repu­blik retro­spektiv aus ihren filmi­schen Raumbil­dern erschließt. Raumbil­der sind zwangsläu­fig unbe­stimmte, numi­nose Größen, die von affek­tiven und unbe­wussten Beset­zungen erzäh­len und “in” dem von ihnen Darge­stellten Unge­sehenes und Unge­dachtes mitar­tiku­lieren.

Der französische Filmtheoriker André Bazin fordert in seinem gegen­über Kracau­er zuge­spitzten Realis­musver­ständnis der 50er Jahre, dass Filmbil­der die raumzeit­lichen Konti­nua von Vorgän­gen, die vielfäl­tigen und gegen­läufi­gen Bewe­gungen des Lebens und dessen wesent­liche „Ambi­guität“ einzu­fangen hätten. Der Film habe durch filmi­sche Raumge­bungen wie in den Filmen Erich von Stoheims, Jean Renoirs und Orson Welles’, durch lange Planse­quenzen mit beweg­ter Kame­ra, durch Schärfen­tiefe, tiefen­räumli­che Insze­nierung und eine Wieder­gabe des Darge­stellten als Ausschnitt aus einem über den Bildrah­men hinaus­reichen­den, realen Konti­nuum der realen Dauer der Vorkomm­nisse zu entspre­chen.

Deleuze

In den 80er Jahren verbindet sich für Gilles De­leuze mit dem Filmi­schen, noch immer in Nähe zu Kracau­er und Benja­min, die Forde­rung nach mikro­skopi­scher Durchdrin­gung der Reali­tätswie­derga­ben auf etwas “in” den Bildern hin – auch auf neue Raumzeit­dimen­sionie­rungen. In seiner zeichen­orien­tierten Perspek­tive bindet er die Erör­terung des Räumli­chen nicht an die Zuschau­erwahr­nehmung, sondern an die filmi­sche Zeichen­gebung, der er die Potenz zu Entkon­venti­ona­lisie­rung übli­cher Raumper­spekti­ven und zur Binnen­diffe­renzie­rung des Bildes zuer­kennt. Dank ihrer vom menschli­chen Blick­winkel abwei­chenden Einstel­lungsgrö­ßen und dank ihrer Bilder­abfol­ge seien Filmbil­der befä­higt, unbe­stimmte Raumzei­ten zu gene­rieren. Diese von ihm geschätz­ten „belie­bigen Räume“ sieht er immer dort entste­hen, wo die Wieder­gabe äuße­rer Raumkon­tinua und auswen­diger Bewe­gungsab­läufe durch filmspe­zifi­sche Einstel­lungen und anders montier­te Raumzeit­forma­tionen durchbro­chen wird:

Ein beliebiger Raum ist keine abstrak­te Uni­versa­lie jenseits von Zeit und Raum. Er ist ein einzel­ner, einzig­arti­ger Raum, der nur die Homo­geni­tät einge­büßt hat, das heißt das Prinzip seiner metri­schen Verhält­nisse oder des Zusam­menhalts seiner Teile, so dass eine unend­liche Vielfalt von Anschlüs­sen möglich wird“ [Deleuze 1989a]Deleuze, Gilles (1989): Das Bewegungs-Bild. Kino1. Suhrkamp, Frankfurt/M.
Nicht angezeigt: a. d. Franz. v. U. Christians & U. Bokelmann; Erstveröffentlichung 1983
.

Wie in [Ott 2007a]Ott, Michaela (2007): Der unbestimmte Raum in Philosophie und Film. Philo, Berlin.
vorge­schlagen, sollte anstel­le des Ausdrucks ‘belie­biger Raum’ jener des ‘unbe­stimmten Raums’ verwen­det werden, schon um den Beige­schmack des Belie­bigen und Nega­tiven zu vermei­den, aber auch um die Bestimm­barkeit der jewei­ligen Raumzeit­schöpfung zu thema­tisieren.

In Nähe zu Balázs lobt Deleuze die Quali­tät der Großauf­nahme und des „Affekt­bildes“ zur Hervor­bringung neuer Raumre­lati­onen, die den Fluss der filmi­schen Bewe­gung scheinbar arre­tieren und dem Film eine verti­kale Inten­sitäts­dimen­sion verlei­hen:

Obwohl die Großaufnah­me das Gesicht (...) von jeder Raum-​Zeit-​Koor­dina­te ablöst, kann sie einen ihr eigenen Zeit-​Raum einbrin­gen (...) Einmal ist es der Tiefen­raum des Bildfel­des, der der Großauf­nahme einen Hinter­grund verleiht, ein ander­mal ist es im Gegen­teil die Nega­tion der Perspek­tive und der Bildtie­fe, die die Halbnah­einstel­lung einer Großauf­nahme angleicht“ ([Deleuze 1989a]Deleuze, Gilles (1989): Das Bewegungs-Bild. Kino1. Suhrkamp, Frankfurt/M.
Nicht angezeigt: a. d. Franz. v. U. Christians & U. Bokelmann; Erstveröffentlichung 1983
: S. 151f.).

Ungewohnt flächige Räume und unübli­che Kombi­nati­onen von Vorder- und Hinter­grund sieht De­leuze aber nicht nur dank der filmi­schen Verge­sichtli­chungsver­fahren entste­hen. Räume ohne „Maßver­hältnis­se“ mit „takti­ler Wertig­keit“ entdeckt er auch in gleichsam umge­kehrten Verfah­ren der Entge­sichtli­chung wie etwa in den Filmen von Robert Bresson. Dessen Strate­gie der „Entthro­nung“ des Gesichts in unüb­lichen Kadrie­rungen und Monta­gefol­gen unter­werfe das Bewe­gungsbild einem „Gesetz der Fragmen­tierung“ (S. 152) und brächte eben­falls belie­bige Räume hervor.

Solchermaßen entziffert Deleuze die gesam­te Filmge­schichte auf Erfin­dungen neuer Raumbil­der hin: Im deutschen expres­sionis­tischen Film lasse der Einsatz von Licht und Schatten und deren „Hell-​Dunkel-​Werte“ das Räumli­che zu etwas „Unbe­grenztem“ (S. 155) werden. In den Filmen der „poeti­schen Abstrak­tion“ verlie­re das Räumli­che eben­falls seine herkömm­liche Begren­zung und werde „mit der Macht des Geistes, mit einer stets zu erneu­ernden geisti­gen Entschei­dung iden­tisch“ (S. 163). An struktu­ralis­tischen Filmen wie Alain Resnais’ «L’année dernière à Marien­bad» (F, 1961) stellt er richtungs­gebun­dene „topo­logi­sche“ Konstruk­tionen heraus, die der Verschwis­terung von Raum und Zeit Rechnung trügen. Belie­bige Räume sind für ihn sogar in Doku­mentar­filmen zu finden, wie beispiels­weise in Joris Ivens’ Film «Der Regen»: Der Regen, Subjekt des Films, wird dank der vielfäl­tigen Perspek­tivierun­gen in seinen schillern­den Erschei­nungswei­sen und Affekt­modi ins Bild gesetzt.


Zeitgenössische Bild­raum­be­stim­mun­gen

In der Gegenwart lässt insbesondere der spatial turn der Kultur­wissen­schaften den Raumbe­zug des Bildes thema­tisch werden. Die moder­ne Kunst, die sich sogar in ihren reali­tätsna­hen Medien Foto­grafie und Film als konstruk­tive Praxis begreift, bear­beitet nach dem Zweiten Welt­krieg, mit der postmo­dernen Kritik am fort­schritts­beto­nenden Zeitpa­radig­ma, erneut ihr Verhält­nis zum Raum. Ihre selbst­refle­xiven Verfah­ren bringen einen neuen Reichtum an Raumzeit­expe­rimen­ten hervor, wodurch auch das Bedürf­nis aufkommt, den Raum des Kunstwerks zu über­schreiten hin auf Inter­venti­onen im „realen Raum“. Vor allem aber beför­dert die sich globa­lisie­rende Gegen­wart theore­tische und künstle­rische Raumbe­zugnah­men ohne gleichen, die sich im begin­nenden 21. Jahrhun­dert als Boom an Ausstel­lungen mit Raum­thema­tiken mani­festiert.

Der Katalog zur Ausstellung «RAUM. Orte der Kunst» ([Flügge et al. 2007a]Flügge, Matthias & Kudielka, Robert & Lammert, Angela (Hg.) (2007): RAUM. Orte der Kunst. Verlag für moderne Kunst, Nürnberg.
Notiz: Ausstellungskatalog, Akademie der Künste, Berlin
) begrün­det seine thema­tische Ausrich­tung damit, dass in der Moder­ne der Ort der Kunst fragwür­dig gewor­den sei und die gestei­gerte Mobi­lität der moder­nen Gesell­schaft zu einer Diffe­renzie­rung der Konzep­tionen und Refle­xionen über Raum und Räumlich­keit geführt habe. Unter­schieden wird dabei zwischen dem unbe­stimmten Raum als ima­ginä­rer Ressour­ce der Kunst und dem künstle­risch begrenz­ten Ort im Raum, sei er illu­sionis­tisch vorge­spiegelt oder als Ereig­nisraum insze­niert. Als namhaf­teste Umko­dierun­gen des künstle­rischen Verhält­nisses zwischen Raum und Ort werden die Einfüh­rung des Films, Duchamps Akzen­tuierung des Ausstel­lungskontexts und die wieder­kehren­de Uto­pie der Verei­nigung von Kunst und Leben im Sur­realis­mus ange­führt.

Der unübersichtlichen Vielzahl künstle­rischer Raum­umbrü­che in der Moder­ne sucht man durch Nachzeich­nung signi­fikan­ter Filia­tionen nachzu­kommen: des bildne­rischen Raums in den Gemäl­den von Male­witsch bis Picas­so, des foto­grafi­schen Raums bei Medar­do Rosso und Man Ray, des leeren Raums bei Alber­to Giaco­metti und Francis Bacon, des sozi­alen Raums bei Gordon Matta-​Clark und Francis Alÿs, der Körper im Raum bei Gary Hill und Trisha Brown und ande­ren mehr. Als bedeut­same Umbrü­che werden gedeu­tet die Modi­fika­tionen des zentral­perspek­tivi­schen Kasten­raums ([Hofmann 2007a]Hofmann, Werner (2007): Spielräume und Raumverstecke. In: Flügge, M.; Kudielka, R. & Lammert, A. (Hg.), RAUM. Orte der Kunst. Verlag für moderne Kunst, Nürnberg.
: S. 14) von den ‘geome­trischen Puris­ten’ Donald Judd und Sol Lewitt über den ‘Orga­niker’ Frank Gehry zu den Laby­rinthbau­ern Gregor Schneider und Hans Schabus als Weiter­führer des ‘Merzbaus’ von Kurt Schwitters. Hervor­geho­ben werden die singu­lären Gestal­tungen ([Lammert 2007a]Lammert, Angela (2007): Die vertrauten Sichtweisen sind umzustoßen. Zum Raum der Nachkriegszeit in ungewohnten Begegnungen. In: Flügge, M.; Kudielka, R. & Lammert, A. (Hg.), RAUM. Orte der Kunst.
) der Filmräu­me Jean Pain­levés in «La quatri­ème dimen­sion» von 1937, der fernseh­gerech­ten Raumri­tuale Samuel Becketts in «Quadrat 2» von 1982 und Jacques Tatis filmi­sche Kritik an der Glas­archi­tektur in «Play­time» (F, 1967). Das Auftre­ten von „Hybrid­formen aus Medien und Raum“ ([Demuth 2007a]Demuth, Volker (2007): Extreme Expeditionen. Digitale, hybride und künstlerische Räume. In: Flügge, M.; Kudielka, R. & Lammert, A. (Hg.), RAUM. Orte der Kunst. Verlag für moderne Kunst, Nürnberg.
: S. 101) im 21. Jahrhun­dert wird in seiner Rückwir­kung auf den Status der Kunst­objek­te betont und das Infla­tionä­re zeitge­nössi­scher Museums­bauten kriti­siert ([Flügge et al. 2007b]Flügge, Matthias; Kudielka, Robert & Lammert, Angela (2007): Vorwort und Dank. In: Flügge, M.; Kudielka, R. & Lammert, A. (Hg.), RAUM. Orte der Kunst. Verlag für moderne Kunst, Nürnberg.
: S. 7). Vorge­tragen wird aber auch die Hoffnung, in raumak­zentu­ieren­den Ausstel­lungen die „Poten­tiali­tät“ der Kunstwer­ke und neue Zusam­menhän­ge, Nachbar­schaften, Ortsbe­züge zu erschlie­ßen und aufzu­decken. Im Ergän­zungsband «RÄUME der Zeich­nung» werden unter ande­rem die Aufkün­digung der Linie-​Fläche-​Unter­scheidung und die maschi­nelle Ausfüh­rung von Zeichnun­gen unter­sucht und die Verän­derun­gen erör­tert, die mit der Projek­tion von Zeichnun­gen in den drei­dimen­siona­len Raum verbun­den sind.

Den dazugehörigen Tagungs­reader «Topos RAUM» eröff­net Georges Didi-​Huber­man ([Didi-Huberman 2005a]Didi-Huberman, Georges (2005): L’espace danse – Der Raum tanzt. In: Lammert, A.; Diers, M.; Kudielka, R. & Mattenklott, G. (Hg.), Topos RAUM. Die Aktualität des Raumes in den Künsten der Gegenwart. Verlag für moderne Kunst, Nürnberg.
) mit einer Betrach­tung über den leibre­lati­ven Raum in foto­grafi­schen und filmi­schen Werken der Moder­ne. Robert Kudiel­ka bestimmt das gegen­wärti­ge Raum-​Verhält­nis von Male­rei und Skulptur in Abgren­zung von der Befra­gung des Bildraums in den 1960er Jahren: Während damals Inhal­te der Kunst über deren räumli­che Eigen­schaften defi­niert worden seien, würden nunmehr künstle­rische Befra­gungen des „realen Raums“ vorherr­schen. Die Suche nach bild­inter­nen Gestal­tungslö­sungen, mit dem ame­rika­nischen Expres­sionis­mus und dessen „Auflö­sung der Inte­riori­tät des Kunst­werkes“ ([Kudielka 2005a]Kudielka, Robert (2005): Gegenstände der Betrachtung – Orte der Erfahrung. Zum Wandel der Kunstauffassung im 20. Jahrhundert. In: Lammert, A.; Diers, M.; Kudielka, R. & Mattenklott, G. (Hg.), Topos RAUM. Die Aktualität des Raumes in den Künsten der Gegenwart. Verlag für moderne Kunst, Nürnberg.
: S. 51) an ein Ende gekom­men, werde in der Gegen­wart ersetzt durch die künstle­rische „Parzel­lierung von Erfah­rungsräu­men“ (S. 53) und die Thema­tisie­rung des Verhält­nisses der Kunst zu insti­tutio­nellen und gesell­schaftli­chen Räumen: Die „Auswei­tung künstle­rischer Konzep­tionen, Strate­gien und Verfah­renswei­sen auf poten­tiell alle Handlungs­räume“ (S. 45) habe zur „Insis­tenz auf orts­spezi­fische Setzun­gen und Eingrif­fe“ als dem gegen­wärtig „maßgeb­lichen Motiv in den Künsten“ (S. 52) geführt. Das Verhält­nis des Betrach­ters zur Kunst, früher durch „Gegen­über­treten und Davor­bleiben“ gekenn­zeichnet, habe sich damit in Richtung „Eintre­ten und Eintau­chen“ (S. 53) verscho­ben. Da „der Zusam­menhalt eines Kunst­werks nun von der räumli­chen Erfas­sung her garan­tiert erscheint“ (S. 54), seien Instal­lati­onen häufig allein durch „dispa­rate Anhäu­fungen“ mit unter­bestimm­ten Bezü­gen ausge­wiesen und bezö­gen gera­de daraus ihre Bedeut­samkeit. Insge­samt wird betont, dass Grenzgänge zwischen Skulptur, Archi­tektur, Instal­lation, Perfor­mance, Video und Film normal gewor­den seien und sich zum white cube des Ausstel­lungsraums die black box der Video­projek­tion und die Online-​Gale­rie für imma­teriel­le Netzkunst gesellt habe. Lev Mano­vich skizziert eine Poetik des erwei­terten Raums und den „mit Daten verdich­teten physi­schen Raum“, der dank gewis­ser Erwei­terungs­techno­logien „zum multi­dimen­siona­len Raum“ ([Manovich 2005a]Manovich, Lev (2005): Die Poetik des erweiterten Raums. In: Lammert, A.; Diers, M.; Kudielka, R. & Mattenklott, G. (Hg.), Topos RAUM. Die Aktualität des Raumes in den Künsten der Gegenwart. Verlag für moderne Kunst, Nürnberg.
: S. 343) werde. Raum­konfi­gura­tionen mit virtu­ellen Bildern bemü­hen häufig De­leuzes/​Guatta­ris »Rhizom«- und »Plateau«-​Begriff, um „nicht-​line­are Techni­ken in der Kunst“ [Bechtloff 2001a]Bechtloff, Dieter (Hg.) (2001): Choreographie der Gewalt. Kunstforum International.
Notiz: Heft 153: ''Der gerissene Faden. Nichtlineare Techniken in der Kunst''; Heft 156: ''Plateau der Menschheit''
, Arbei­ten im Raum als „amor­phe Syste­me“, „Bildcon­tainer“ und „Raum­bilder-​Bild­räume“ [Pesch 2001a]Pesch, Martin (2001): Raumbilder-Bildräume. Zu den Arbeiten von Julia Ziegler. Kunstforum International, 153.
vorzu­stellen.

Diagnostiziert wird aber auch die Muta­tion des Museums­raums dank der Einfüh­rung beweg­ter Bilder und instal­lati­ver Präsen­tati­onen zu einer „new geo­graphy of (re)­collection“ ([Bruno 2007a]Bruno, Giuliana (2007): Public Intimacy. Architecture and the Visual Arts. MIT Press, Cambridge.
: S. 5). Auch die künstle­rischen Raumpar­zellen brächten einen neuen Museums­typ hervor ([Kudielka 2005a]Kudielka, Robert (2005): Gegenstände der Betrachtung – Orte der Erfahrung. Zum Wandel der Kunstauffassung im 20. Jahrhundert. In: Lammert, A.; Diers, M.; Kudielka, R. & Mattenklott, G. (Hg.), Topos RAUM. Die Aktualität des Raumes in den Künsten der Gegenwart. Verlag für moderne Kunst, Nürnberg.
), der von der euro­päischen Sammlungs­antho­logie abweicht, Contai­nerhal­den und riesi­ge Stau­räume hervor­bringt wie in der Dia Art Founda­tion in Beacon, unweit von New York, der weltweit größten Ausstel­lungsan­lage seit 2003.

Diese frenetischen Ausstellungs- und Theorie­bewe­gungen unter dem Zeichen des Räumli­chen lassen abschlie­ßend deutlich werden, dass der ‘Raum’ die letzte umfas­sende Bezeich­nung für die zeitge­nössi­schen Umbrü­che im Theorie- und Kunst­selbstver­ständis abzu­geben scheint (auch hierzu ⊳ Bild in refle­xiver Verwen­dung).

Anmerkungen
Literatur
[Badt 1963a]Badt, Kurt (1963): Raum­phanta­sien und Raum­illu­sionen: Wesen der Plas­tik. DuMont, Köln.[Balázs 2001a]Balázs, Béla (2001): Der Geist des Films. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Bechtloff 2001a]Bechtloff, Dieter (Hg.) (2001): Choreographie der Gewalt. Kunstforum International.[Bruno 2007a]Bruno, Giuliana (2007): Public Intimacy. Architecture and the Visual Arts. MIT Press, Cambridge.[Burckhardt 2001a]Burckhardt, Jacob (2001): Der Cicerone. Eine Anleitung zum Genuss der Kunstwerke Italiens. In: B. Roeck et al. (Hg.), Werke. Kritische Gesamtausgabe. Beck, München, Basel.[Cassirer 1930a]Cassirer, Ernst (2004): Mythischer, ästhetischer und theoretischer Raum (1930). In: Recki, B. (Hg.), Ernst Cassirer: Gesammelte Werke, Bd. 17. Meiner, Hamburg.[Deleuze 1989a]Deleuze, Gilles (1989): Das Bewegungs-Bild. Kino1. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Demuth 2007a]Demuth, Volker (2007): Extreme Expeditionen. Digitale, hybride und künstlerische Räume. In: Flügge, M.; Kudielka, R. & Lammert, A. (Hg.), RAUM. Orte der Kunst. Verlag für moderne Kunst, Nürnberg.[Didi-Huberman 2005a]Didi-Huberman, Georges (2005): L’espace danse – Der Raum tanzt. In: Lammert, A.; Diers, M.; Kudielka, R. & Mattenklott, G. (Hg.), Topos RAUM. Die Aktualität des Raumes in den Künsten der Gegenwart. Verlag für moderne Kunst, Nürnberg.[Flügge et al. 2007a]Flügge, Matthias & Kudielka, Robert & Lammert, Angela (Hg.) (2007): RAUM. Orte der Kunst. Verlag für moderne Kunst, Nürnberg.[Flügge et al. 2007b]Flügge, Matthias; Kudielka, Robert & Lammert, Angela (2007): Vorwort und Dank. In: Flügge, M.; Kudielka, R. & Lammert, A. (Hg.), RAUM. Orte der Kunst. Verlag für moderne Kunst, Nürnberg.[Hegel 1970a]Hegel, Georg W. F. (1970): Vorlesungen über die Ästhetik II. In: Moldenhauer, E. & Michel, K. M. (Hg.), Werke. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Hildebrand 1969a]Hildebrand, Adolf von (1969): Das Problem der Form. In: Bock, H. (Hg.), Hildebrand: Gesammelte Schriften zur Kunst. Westdeutscher Verlag, Köln, Opladen.[Hofmann 2007a]Hofmann, Werner (2007): Spielräume und Raumverstecke. In: Flügge, M.; Kudielka, R. & Lammert, A. (Hg.), RAUM. Orte der Kunst. Verlag für moderne Kunst, Nürnberg.[Kant 1968a]Kant, Immanuel (1968): Kritik der reinen Vernunft. de Gruyter, Berlin.[Kracauer 1992a]Kracauer, Siegfried (1992): Der verbotene Blick. Reclam, Leipzig.[Kudielka 2005a]Kudielka, Robert (2005): Gegenstände der Betrachtung – Orte der Erfahrung. Zum Wandel der Kunstauffassung im 20. Jahrhundert. In: Lammert, A.; Diers, M.; Kudielka, R. & Mattenklott, G. (Hg.), Topos RAUM. Die Aktualität des Raumes in den Künsten der Gegenwart. Verlag für moderne Kunst, Nürnberg.[Lammert 2007a]Lammert, Angela (2007): Die vertrauten Sichtweisen sind umzustoßen. Zum Raum der Nachkriegszeit in ungewohnten Begegnungen. In: Flügge, M.; Kudielka, R. & Lammert, A. (Hg.), RAUM. Orte der Kunst.[Lessing 1974a]Lessing, Gotthold Ephraim (1974): Laokoon oder über die Grenzen der Malerei und Poesie. In: Göpfert, H. G. (Hg.), Werke, Bd. 6. Hanser, München.[Lipps 1920a]Lipps, Theodor (1920): Zur Einfühlung, in: «Psychologische Untersuchungen» 2/3, 1913. In: Lipps, T. (Hg.), Die ästhetische Betrachtung und die bildende Kunst. Voss, Leipzig.[Manovich 2005a]Manovich, Lev (2005): Die Poetik des erweiterten Raums. In: Lammert, A.; Diers, M.; Kudielka, R. & Mattenklott, G. (Hg.), Topos RAUM. Die Aktualität des Raumes in den Künsten der Gegenwart. Verlag für moderne Kunst, Nürnberg.[Ott 2007a]Ott, Michaela (2007): Der unbestimmte Raum in Philosophie und Film. Philo, Berlin.[Panofsky 1924a]Panofsky, Erwin (1998): Die Perspektive als symbolische Form (1924). In: Michels, K. & Warnke, M. (Hg.), Erwin Panofsky, Deutschsprachige Aufsätze, Bd. 2. Akademie, Berlin.[Pesch 2001a]Pesch, Martin (2001): Raumbilder-Bildräume. Zu den Arbeiten von Julia Ziegler. Kunstforum International, 153.[Raphael 1986a]Raphael, Max (1986): Raumgestaltungen. Der Beginn der modernen Kunst im Kubismus und im Werk von Georges Braque. [Riegl 1901a]Riegl, Alois (1901): Die spätrömische Kunstindustrie nach den Funden in Österreich-Ungarn im Zusammenhange mit der Gesamtentwicklung der Bildenden Künste bei den Mittelmeervölkern. KuK Hof- und Staatsdruckerei, Wien.[Riegl 1931a]Riegl, Alois (1931): Das holländische Gruppenporträt. Staatsdruckerei, Wien.

Ausgabe 1: 2013

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Lektorat:

Seitenbearbeitungen durch: Joerg R.J. Schirra, Julia Bonn und Marcel Lemmes — (Hinweis)

Zitierhinweis:

Ott, Michaela (2013). Theorien des Bildraums. (Ausg. 1). In: Schirra, J.R.J.; Halawa, M. & Liebsch, D. (Hg.), Glossar der Bildphilosophie. (2012-2026). [bildglossar.org/index.php?title=Theorien_des_Bildraums].