Bildanthropologie
Unterpunkt zu: Bildtheoretische Ansätze
Der Mensch als animal pictor: Bildkompetenz und die conditio humanaEs hat Tradition, den Menschen als sprachbegabtes Tier zu charakterisieren. Aber auch die merkwürdige Fähigkeit, Bilder zu verwenden, ist, nach allem was wir empirisch wissen, nur dem Menschen eigen. Gibt es begriffliche Gründe für diese empirische Koinzidenz? Ist, anders gefragt, der homo sapiens ganz wesentlich ein animal pictor – ein Wesen, das durch seine Bildkompetenz bestimmt ist? Diese Frage hat bereits Hans Jonas aufgeworfen. Unter dem Titel «Die Freiheit des Bildens – Homo pictor und die differentia des Menschen» ([Jonas 1961a]Jonas, Hans (1961): Die Freiheit des Bildens – Homo pictor und die differentia des Menschen. Zeitschrift für Philosophische Forschung, 15. Die grundsätzliche Fragestellung, die bildanthropologische Ansätze charakterisiert, richtet sich genau genommen auf den Begriff, den wir uns von Wesen mit der Fähigkeit, Gegenstände als Bilder verwenden zu können, auf sinnvolle und rational kontrollierte Weise bilden können (und sollten; ⊳ Bildlichkeit: Bedingungen und Folgen). Nach Lambert Wiesing ([Wiesing 2005a]Wiesing, Lambert (2005): Artifizielle Präsenz. Studien zur Philosophie des Bildes. Suhrkamp, Frankfurt/M.
Weitere VerweiseBildanthropologische Vorschläge wurden insbesondere von A. Leroi-Gourhan [Leroi-Gourhan 1964/65a]Leroi-Gourhan, André (1964): Le geste et la parole. Albin Michel, Paris. Eine ausführlichere Übersicht zu bildanthropologischen und kulturalistischen Bildtheorien gibt [Halawa & Grabbe 2014a]Halawa, Mark & Grabbe, Lars (2014): Anthropologische / kulturalistische Ansätze. In: Netzwerk Bildphilosophie (Hg.), Bild und Methode. Theoretische Hintergründe und methodische Verfahren der Bildwissenschaft. Halem, Köln. |
Anmerkungen
Literatur
[Belting 2001a]Belting, Hans (2001): Bildanthropologie. Entwürfe für eine Bildwissenschaft. Wilhelm Fink, München.[Davidson & Noble 1989a]Davidson, Iain & William Noble (1989): The Archaeology of Perception: Traces of Depiction and Language. Current Anthropology, 30, 2.[Donald 1993a]Donald, Merlin (1993): Origins of the Modern Mind: Three Stages in the Evolution of Culture and Cognition. Harvard University Press, Cambridge MA.[Flusser 1999a]Flusser, Vilém (1999): Ins Universum der technischen Bilder. European Photography, Göttingen.[Halawa & Grabbe 2014a]Halawa, Mark & Grabbe, Lars (2014): Anthropologische / kulturalistische Ansätze. In: Netzwerk Bildphilosophie (Hg.), Bild und Methode. Theoretische Hintergründe und methodische Verfahren der Bildwissenschaft. Halem, Köln.[Jonas 1961a]Jonas, Hans (1961): Die Freiheit des Bildens – Homo pictor und die differentia des Menschen. Zeitschrift für Philosophische Forschung, 15.[Leroi-Gourhan 1964/65a]Leroi-Gourhan, André (1964): Le geste et la parole. Albin Michel, Paris.[Sartre 1940a]Sartre, Jean-Paul (1940): L'Imaginaire: Psychologie phénoménologique de l'imagination. Gallimard, Paris.[Schirra & Sachs-Hombach 2006b]Schirra Jörg R.J. & Sachs-Hombach, Klaus (2006): Fähigkeiten zum Bild- und Sprachgebrauch . Deutsche Zeitschrift für Philosophie, 54, 6.[Schirra & Sachs-Hombach 2013a]Schirra, Jörg R.J. & Sachs-Hombach, Klaus (2013): The Anthropological Function of Pictures. In: Sachs-Hombach, K. & Schirra, J.R.J. (Hg.), Origins of Pictures. Anthropological Discourses in Image Science. Halem, Köln.[Tugendhat 2007a]Tugendhat, Ernst (2007): Anthropologie statt Metaphysik. C. H. Beck, München.[Wiesing 2005a]Wiesing, Lambert (2005): Artifizielle Präsenz. Studien zur Philosophie des Bildes. Suhrkamp, Frankfurt/M. Ausgabe 1: 2013 Verantwortlich: Lektorat: Seitenbearbeitungen durch: Joerg R.J. Schirra, Marcel Lemmes und Emilia Didier — (Hinweis) Zitierhinweis: |