Eigenwerte, Abbildungswerte und Darstellungswerte syntaktischer Einheiten

Aus Glossar der Bildphilosophie
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Unterpunkt zu: Bildsyntax


Funktionale Betrachtungsebenen bildsyntaktischer Elemente

Die Einteilung semiotischer Fragestellungen in die drei Bereiche Pragmatik, Semantik und Syntax kann auch in der Form dreier entsprechender funktionaler Aspekte eines jeden bildsyntaktischen Elements oder Pixems in Erscheinung treten: Das sind dessen darstellungswertliche (Pragmatik), abbildungswertliche (Semantik) und eigenwertliche (Syntax) Aspekte. In dieser Form werden sie insbesondere von Kai Buchholz und D. Gerhardus zur Bildanalyse eingesetzt ([Buchholz 1999a]Buchholz, Kai (1999): Zum Verhältnis von Bildsyntax und Darstellungswert am Beispiel künstlerischer Grafik. In: Sachs-Hombach, K. & Rehkämper, K. (Hg.), Bildgrammatik. Interdisziplinäre Forschungen zur Syntax bildlicher Darstellungsformen. Scriptum, Magdeburg.
, [Gerhardus 1999a]Gerhardus, Dietfried (1999): Basisprobleme der Bildgliederung – Von der Bildkomposition zur Bildsyntax. In: Sachs-Hombach, K. & Rehkämper, K. (Hg.), Bildgrammatik. Interdisziplinäre Forschungen zur Syntax bildlicher Darstellungsformen. Scriptum, Magdeburg.
). Historisch bezieht sich Buchholz auf die Unterscheidung von Eigenwert und Darstellungswert von Farben bei Hans Jantzen von 1913 ([Jantzen 1951a]Jantzen, Hans (1951): Über Prinzipien der Farbengebung in der Malerei. In: Jantzen, H. (Hg.), Über den gotischen Kirchenraum und andere Aufsätze. Gebr. Mann, Berlin.
).


Definitionen und Erläuterungen

Der Darstellungswert eines Pixems beziehen sich auf den Beitrag, den dieses syntaktische Bildelement zur Wirkung einer mit ihm vollzogenen Bildzeichenhandlung beiträgt. Buchholz definiert den Darstellungswert eines Bildträgers oder eines seiner Teile als das, “worauf es ankommt, worum es geht ... die Funktionen oder ‘Witze’ eines Bildes” ([Buchholz 1999a]Buchholz, Kai (1999): Zum Verhältnis von Bildsyntax und Darstellungswert am Beispiel künstlerischer Grafik. In: Sachs-Hombach, K. & Rehkämper, K. (Hg.), Bildgrammatik. Interdisziplinäre Forschungen zur Syntax bildlicher Darstellungsformen. Scriptum, Magdeburg.
: S. 256). Der Darstellungswert kann beispielsweise im Ausdrücken von Stimmungen bestehen, im Aufmerksammachen auf soziale oder natürliche Gegebenheiten, im Vorführen bildnerischer Eigenwerte, im Illustrieren von Geschichten, oder auch im Propagieren oder Kritisieren von Normen (vgl. [Buchholz 1999a]Buchholz, Kai (1999): Zum Verhältnis von Bildsyntax und Darstellungswert am Beispiel künstlerischer Grafik. In: Sachs-Hombach, K. & Rehkämper, K. (Hg.), Bildgrammatik. Interdisziplinäre Forschungen zur Syntax bildlicher Darstellungsformen. Scriptum, Magdeburg.
: S. 257).

In ihrem Abbildungswert können hingegen die syntaktischen Teile eines Bildträgers verstanden werden, insofern sie zur “bildlichen Wiedergabe von sichtbaren Gegenständen und Sachverhalten beitragen” ([Buchholz 1999a]Buchholz, Kai (1999): Zum Verhältnis von Bildsyntax und Darstellungswert am Beispiel künstlerischer Grafik. In: Sachs-Hombach, K. & Rehkämper, K. (Hg.), Bildgrammatik. Interdisziplinäre Forschungen zur Syntax bildlicher Darstellungsformen. Scriptum, Magdeburg.
: S. 257). Wird ein Pixem als der Teil des Bildträgers gesehen, der einen bestimmten Teil eines Gegenstands darstellt, oder wird eine Teil-Ganzes-Beziehung zwischen Pixemen als Abbildung einer mereologischen Beziehung zwischen abgebildeten Gegenstandsteilen aufgefasst, so handelt es sich jeweils um Abbildungswerte der betrachteten bildsyntaktischen Elemente.

Eigenwerte sind schließlich alle darstellungsrelevanten Aspekte eines Bildträgers, insofern sie nicht abbildungswertlich sind: Insbesondere handelt es sich um die reinen Formeigenschaften, Flächenanordnung, Farbwerte, Qualität der Linienführung und Ähnliches, die das betrachtete Pixem auszeichnen ([Buchholz 1999a]Buchholz, Kai (1999): Zum Verhältnis von Bildsyntax und Darstellungswert am Beispiel künstlerischer Grafik. In: Sachs-Hombach, K. & Rehkämper, K. (Hg.), Bildgrammatik. Interdisziplinäre Forschungen zur Syntax bildlicher Darstellungsformen. Scriptum, Magdeburg.
: S. 257).

Unter Eigenwerten sind mithin die Elemente der Bildmorphologie als sie selbst zu verstehen: geometrische Einheiten mit Farb- oder Texturzuordnungen, etwa ein kleiner roter Kreis in der Mitte der Bildfläche. Der insbesondere bei künstlerischer, designerischer oder kunstkritischer Betrachtung benötigte “gestalterische Blick” beruht vor allen Dingen darauf, die bildsyntaktischen Elemente als solche, d.h. in ihrer Eigenwertlichkeit, beurteilen zu können.

Werden die Elemente der Bildmorphologie hingegen als Teil einer Darstellung eines Exemplars einer visuell wahrnehmbaren Gegenstandssorte oder eines visuell wahrnehmbaren Sachverhalts bezüglich solcher Gegenstände begriffen, handelt es sich um ihren Abbildungswert. So kann das eigenwertlich als kleiner roter Kreis beschriebene Pixem abbildungswertlich die Nase eines Schneemanns sein.

Der Darstellungswert schließlich kennzeichnet den jeweils betrachteten Teil der Bildsyntax in seiner Rolle, die er in den für die Bildverwendung relevanten Sprachspielen (im Sinne Wittgensteins) spielt. So mag die rote Schneemannsnase etwa eine Assoziation mit einem Clown evozieren und auf diesem Weg der Bildwirkung insgesamt einen Impuls ins Heitere geben.


Anmerkungen
Literatur
[Buchholz 1999a]Buchholz, Kai (1999): Zum Verhältnis von Bildsyntax und Darstellungswert am Beispiel künstlerischer Grafik. In: Sachs-Hombach, K. & Rehkämper, K. (Hg.), Bildgrammatik. Interdisziplinäre Forschungen zur Syntax bildlicher Darstellungsformen. Scriptum, Magdeburg.[Gerhardus 1999a]Gerhardus, Dietfried (1999): Basisprobleme der Bildgliederung – Von der Bildkomposition zur Bildsyntax. In: Sachs-Hombach, K. & Rehkämper, K. (Hg.), Bildgrammatik. Interdisziplinäre Forschungen zur Syntax bildlicher Darstellungsformen. Scriptum, Magdeburg.[Gerhardus 2003a]Gerhardus, Dietfried (2003): Vom visuellen Material zum Bildmedium. Ein produktionstheoretischer Ansatz. In: Sachs-Hombach, K. (Hg.), Was ist Bildkompetenz? Studien zur Bildwissenschaft. DUV, Wiesbaden.[Jantzen 1951a]Jantzen, Hans (1951): Über Prinzipien der Farbengebung in der Malerei. In: Jantzen, H. (Hg.), Über den gotischen Kirchenraum und andere Aufsätze. Gebr. Mann, Berlin.

Verantwortlich:

Schirra, Jörg

Seitenbearbeitungen durch: Joerg R.J. Schirra, Klaus Sachs-Hombach und Marcel Lemmes — (Hinweis)