Phänomenologische Bildtheorien

Aus Glossar der Bildphilosophie
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Unterpunkt zu: Bildtheoretische Ansätze


Historische Wurzeln/ Ideengeschichte

Die theoretische Grundlage für die zahlreichen Spielarten phänomenologischer Bildanalysen liefert Edmund Husserl mit seinen bahnbrechenden Studien zum phänomenologischen Bildbewusstsein. Seine Leistung für die Bildtheorie ist in drei Aspekten zu resümieren. Erstens hat seine Destruktion der erkenntnistheoretischen Bildertheorie einen wesentlichen Beitrag zur nachfolgenden Vielfalt der Bildbegriffe ermöglicht (Bild als imaginäre Projektionsfläche, als Fenster, als Nichtung, als Zug, als „Sehen gemäß…“, als Darstellung, als Erscheinen von Sichtbarkeit usw.). Zweitens haben seine Studien zum Bildbewusstsein den Weg für die Berücksichtigung produktiver Konstitutionsleistungen geebnet, die in der nachfolgenden Phänomenologie eine wesentliche Rolle spielen. Drittens hat die Relevanz der Intentionalität bemerkenswerte Analogisierungen von Phänomenologie und Malerei ermöglicht. Wesentliches Motiv ist die Abgrenzung gegenüber einer herkömmlichen Abbildtheorie als Erkenntnistheorie, die in den Spielarten von Naturalismus und Historismus das Bild als Abbild der Wirklichkeit betrachtet und als Reproduktion der äußeren Realität im Bewusstsein eines Betrachters auffasst. Husserl unterläuft diese bildtheoretische Dichotomie mithilfe eines intentionalen Bildbewusstseins, in dessen Zentrum die Frage steht, wie die Dinge im Wie ihres Wahrgenommenseins im Medium der Bilder erscheinen. Die ursprünglich transzendentale Phänomenologie wird in eine genetische Phänomenologie umgearbeitet, die das Feld für zahlreiche methodische Variationen öffnet (anthropologische, ontologische, strukturale existenziale, dekonstruktive, archäologische, responsive, materiale Phänomenologie usw.).

Hauptvertreter
Beschreibung und Erklärung der Methode
Geeignete Bildtypen bzw. Bildexemplare
Anmerkungen
Literatur
[Boehm 2007a]Boehm, Gottfried (2007): Wie Bilder Sinn erzeugen. Die Macht des Zeigens. Berlin University Press, Berlin.[Carbone 2001a]Mauro, Carbone (2001): La visibilité de l’invisible. Olms, Hildesheim.[Casey 2002a]Casey, Edward S. (2002): Representing Place. Landscape Painting and Maps. University of Minnesota Press, Minnesota.[Casey 2005a]Casey, Edward S. (2005): Earth-Mapping. Artists Reshaping Landscape. University of Minnesota Press, Minnesota.[Casey 2007a]Casey, Edward S. (2007): The World at a Glance. Indiana University Press, Bloomington.[Derrida 1992a]Derrida, Jacques (1992): Die Wahrheit in der Malerei. Passagen, Wien.[Derrida 2007a]Derrida, Jacques (2007): Aufzeichnungen eines Blinden. Das Selbstporträt und andere Ruinen. Fink, München.[Heidegger 1986a]Der Eintrag existiert noch nicht.[Husserl 1980a]Husserl, Edmund (1980): Phantasie, Bildbewusstsein, Erinnerung. Zur Phänomenologie der anschaulichen Vergegenwärtigungen. Texte aus dem Nachlass (1898-1925) (Husserliana XXIII). Nijhoff, Den Haag, Boston, Dordrecht.[Merleau-Ponty 1993a]Merleau-Ponty, Maurice (1993): Die Prosa der Welt. Fink, München.[Merleau-Ponty 2003a]Merleau-Ponty, Maurice (2003): Das Auge und der Geist. Philosophisches Essays. Meiner, Hamburg.[Mersch 2002a]Mersch, Dieter (2002): Was sich zeigt. Materialität, Präsenz, Ereignis. Fink, München.[Nancy 2006a]Nancy, Jean Luc (2006): Am Grund der Bilder. Diaphanes, Zürich, Berlin.[Nancy 2006b]Nancy, Jean Luc & Ferrari, Federico (2006): Die Haut der Bilder. Diaphanes, Berlin.[Sallis 1998a]Sallis, John (1998): Shades. Of Painting at the Limit. Indiana University Press, Bloomington.[Sallis 2008a]Sallis, John (2008): Transfigurements: On the True Sense of Art. University Of Chicago Press, Chicago.[Sartre 1999a]Sartre, Jean Paul (1999): Die Suche nach dem Absoluten. Texte zur bildenden Kunst. Rowohlt, Hamburg.[Waldenfels 1999a]Waldenfels, Bernhard (1999): Ordnungen des Sichtbaren. In: Waldenfels, B. (Hg.), Sinnesschwellen. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Waldenfels 2010a]Waldenfels, Bernhard (2010): Sinne und Künste im Wechselspiel. Modi ästhetischer Erfahrung. Suhrkamp, Frankfurt/M.

Verantwortlich:

Silvia Seja

Seitenbearbeitungen durch: Joerg R.J. Schirra, Franziska Kurz und Marcel Lemmes — (Hinweis)