Emblem

Aus Glossar der Bildphilosophie
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Unterpunkt zu: Sprach-Bild-Bezüge


Der größere Zusammenhang

„Mit seinem umfangreichen Textkorpus und seinem großen Umfang an Varianten, der eine definitorische wie auch eine typologische Erfassung der Gattung bisweilen als schier aussichtsloses Unterfangen erscheinen läßt, ist das Emblem ohne Zweifel die produktivste der kleinen, im 16., 17. und noch im 18. Jahrhundert produktiven Wort-Bild-Gattungen“ ([Scholz 2002a]Scholz, Bernhard F. (2002): Emblem und Emblempoetik. Historische und systematische Studien. Erich Schmidt, Berlin.
: S. 15).

Ein Emblem (ἔμβλημα) ist eine spezifische Bild und Text kombinierende Gattung uneigentlicher, argumentativer Rede. Im Laufe des 16. bis 18. Jahrhunderts avancierte die Emblematik in ganz West-Europa zu einer zentralen Kulturtechnik und zum integralen Bestandteil frühneuzeitlicher Wissensordnung. Konstitutiv hierfür sind eine allegorische Verweisstruktur, eine aus regelgeleitete Kombinatorik sowie in der ciceronianischen Rhetorik gründenden Topik für Embleme konstitutiv.[1]

Embleme stehen somit in enger Verbindung mit anderen Text-Bild-Genera, wie der Imprese, dem Rebus oder der Renaissance-Hieroglyphik. Im Laufe ihrer rund 250-jährigen Geschichte bildet die Emblematik zahlreiche Strukturformen heraus (vgl. [Heckscher & Wirth 1967a]Heckscher, William S. & Wirth, Karl-August (1967): Emblem, Emblembuch. In: Heydenreich, L. H. et al. (Hg.), Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte. Bd. 5. Email – Eselsritt. Metzler, Stuttgart.
), von denen der bekannteste Strukturtyp eine spezifische Dreiteiligkeit aufweist, wie sie in dem 1531 in Augsburg publizierten ersten Emblembuch des Mailändischen Juristen Andreas Alciatus vorgegeben ist. Der Verleger Heinrich Steyner verband in diesem «Emblematum liber» die von Alciatus verfassten Epigramme mit Holzschnitten und schuf so einen emblematischen Prototypen, der rasch breite Aufnahme innerhalb der respublica litteraria fand.

Die meisten Embleme des «Emblematum liber» bestehen, wie das folgende Beispiel, aus einer Inscriptio (Lemma, Motto, Obschrift), einer Pictura (Icon, Symbolum) sowie einer Subscriptio (oder Unterschrift).

  1. FEHLENDES BILD#

Die Inscriptio „Paupertatem svmmis ingenijs obesse ne prouehantur“ gibt in Form eines kurzen Sinnspruchs das Thema des Emblems vor und ordnet es zugleich einem bestimmten Kontext zu, der den exegetischen Rahmen des Emblems festlegt.[2] Die Pictura zeigt einen Gelehrten (codiert durch Hut und Mantel), dessen rechter beflügelter Arm in Richtung Himmel, der linke hingegen, mit einem Stein beschwert, Richtung Erde strebt. Sein Blick folgt dem emporstrebenden, nicht dem beschwertem Arm. Die Subscriptio des Alciatus-Emblems besteht aus einem Distichon, dessen beide ersten Verse eine Ekphrasis gibt, die mit der Pictura korrespondiert:[3]

„Dextra tenet lapidem, manus altera sustinet alas.
Vt me pluma leuat, sic graue mergit onus,
Ingenio poteram superas uolitare per arces,
Me nisi paupertas inuida deprimeret.“

Die beiden letzten Verse stellen dann die Verbindung zur Inscriptio her, indem sie die Pictura auslegen: Die Armut hindert den intellektuell und künstlerisch Begabten daran, seine Fähigkeit voll zu entfalten. Auch wenn der bilderzeugende, ekphrastische Teil der Subscriptio der Evidentia, also dem Vor-Augen-Stellen eines Sachverhaltes oder eines Arguments, dient, so aktualisiert erst das Zusammenspiel aller Teile das dem Emblem zugrunde liegende Argument.

Aus dieser im Emblematum liber vorzufindenden dreiteiligen Emblemstruktur leitete Albrecht Schöne einen Idealtypus ab, den er unter der Formel einer „Doppelstruktur des Abbildens und Auslegens oder des Darstellens und Deutens“ ([Schöne 1993a]Schöne, Albrecht (1993): Emblematik und Drama im Zeitalter des Barock. Beck, München.
Notiz: 3. Aufl. mit Anmerkungen
: S. 21) zu klassifizieren versuchte und #im Prozess der Sinnerzeugung der Pictura den Vorrang vor den beiden anderen Konstituenten zuschrieb. Die Kritik an Schönes Idealtypus ließ nicht lange auf sich warten.[4] Bernhard F. Scholz zeigt die Nähe des Emblems zu anderen symbolischen Formen wie dem Rebus, der Imprese, der Renaissance-Hieroglyphik auf der Grundlage historischer Begriffsbestimmungen, denen er in erster Linie Traktate zur Imprese, die von Emblematikern vielfach zitiert wurden, zugrunde legt. Allen symbolischen Formen ist ein besonderer Rätselcharakter gemeinsam, der sich einerseits aus der Verlässlichkeit eines noch universal-göttlichen Verweissystems, dem mittelalterlichen Ordo, speist, in welchem alles mit allem in einem wesensmäßigen, symbolisch-allegorischen Bezug steht, andererseits sich die Phänomene der Welt in dessen topisch organisierte Wissensordnung integrieren lassen.[5] Embleme besitzen ebenso wie der Rebus, die Imprese oder die (Renaissance-)Hieroglyphe, mit denen sie poetologisch verwandt sind, Rätselcharakter und wenden sich in erster Linie an eine Gelehrtenschicht, die diese Rätselstruktur zu dechiffrieren in der Lage ist.

Im Laufe ihrer Gattungsgeschichte bildete die Emblematik eine Vielzahl von Formvarianten aus, die mehr oder weniger von dieser strukturellen Dreigliedrigkeit abweichen, wie etwa die gegen Mitte des 17. Jahrhunderts populär werdenden sogenannten „mehrständigen Sinnbildern“, die aus bis zu zehn miteinander zu einer Sinneinheit verbundenen Emblemen bestehen können. Trotz ihrer Vielfalt ist diesen Gebilden eine metonymische bzw. metaphorische Relation von Text und Bild eigen (vgl. [Scholz 1997a]Scholz, Bernhard F. (1997): Emblem. In: Weimar, K. (Hg.), Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. de Gruyter, Berlin & New York.
). Embleme stellen abstrakte, unanschauliche Begriffe, Ideen, Argumente i.d.R. mit dem Ziel vor Augen, ein bestimmtes abstraktes Wissen zu speichern und disponibel zu halten. Das verbindet die Emblematik mit anderen Formen von frühneuzeitlichen Text-Bild-Genera, insbesondere jedoch mit der Mnemonik. Kulturhistorisch äußert sich dies in einer Vielzahl emblematischer Enzyklopädien, wie die gegen Ende des 16. Jahrhunderts entstandenen «Symbola emblemata» des Nürnberger Juristen Joachim Camerarius. Gegen Ende der Emblematik sind es gerade diese Enzyklopädien, die davon zeugen, wie die Emblematik als topisch organisierte Wissensspeicher an ihre strukturellen Grenzen stoßen, indem sie die Vielzahl des Wissens nicht sinnvoll aufzunehmen im Stande sind. Mit den ersten Emblemenzyklopädien erfährt die Emblematik eine Funktionserweiterung, die vor kaum einem frühneuzeitlichen Wissensgebiet halt macht.

Die Funktionserweiterung der Emblematik drückt sich nicht nur in der sich zu Beginn des 17. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum allmählich durchsetzenden Substitution des Ausdrucks ‘Emblem’ durch die aus dem niederländischen übernommene Lehnübersetzung von ‘zinnebeeld’ in ‘Sinnbild’ aus. Sie zeigt sich auch in der zunehmenden Bedeutung, die die Emblematik überhaupt für die frühneuzeitliche Wissensdistribution und Wissensproduktion spielt, indem sie mit didaktischer, meditativer, repräsentativer Absicht funktionalisiert wird, wobei es alle nur denkbaren Zwischenformen zwischen diesen Makrobereichen gibt und Übergänge fließend sind. Es wurde daher aus erschließungspragmatischen Gründen vorgeschlagen, die Vielfalt an Emblembücher wie folgt zu systematisieren: in Impresenliteratur, in ethisch-moralische Emblematik, in weltliche Liebesemblematik, in politische Emblematik und schließlich in religiöse Emblematik sowie in Emblemenzyklopädien, die sich wiederum in zahlreiche Unterkategorien differenzieren lassen.[6]

In Anbetracht der Stellung, die die Emblematik innerhalb der frühneuzeitlichen Sinnbildsysteme einnimmt,[7] ist es erstaunlich, dass kaum theoretisch verbindliche zeitgenössische Reflexionen über eine Poetik des Emblems überliefert sind. Die meisten Vorreden und Traktate, die sich zur Ursprungsfrage der Emblematik äußern, wiederholen sich meist und werden der emblematischen Formenvielfalt ihrer Zeit kaum gerecht. Produktionsästhetische und/oder rezeptionsästhetische Poetologien des Emblems sind eine Seltenheit. Erst in der Mitte des 17. Jahrhunderts greifen die Schriften Georg Philipp Harsdörffers weiter aus. Hier finden sich erstmals umfangreiche Bestimmungen, die der Emblempraxis gerecht werden wollen und die dem sich um die Jahrhundertwende erheblich erweiterten Funktionsumfang der Emblematik Rechnung zu tragen versuchen. Mit einer für die deutschsprachige Emblemtradition exemplarischen Auswahl emblemtheoretischer Positionen, angefangen bei Andreas Alciatus über Johann Fischart, Johann Wilhelm Zincgref, Justus Georg Schottelius und Georg Philipp Harsdörffer, wird diese im Folgen anstelle einer engeren Begriffsbestimmung skizziert.


Ausgewählte Emblemtheorien

Die Begriffsgeschichte der Emblematik beginnt, wie gesagt, mit dem 1531 von Heinrich Steyner in Augsburg verlegten «Emblematum liber», dem er unautorisiert ein 104 Epigramme umfassendes Manuskript des Juristen Andreas Alciatus mit Holzschnitten von Jörg Breu verband und auf diese Weise eher zufällig die Dreiteiligkeit schuf, die dann auf die neue Text-Bild-Gattung übertragen wurde.[8] Was Alciatus selbst unter ‚Emblem‘ verstand wird andeutungsweise in seinem dem Augsburger Humanisten Konrad Peutinger zugedachten Widmungsepigramm ([Alciatus 1531a]Alciatus, Andreas (1531): Emblematum liber. Heinrich Steyner, Augsburg.
Notiz: (= VD 16 A 1641)
: fol. A 2r) fassbar:

''Dum pueros iuglans, iuuenes dum tessera fallit,
Destinet & segnes chartula picta uiros.
Haec nos festiuis Emblemata cudimus horis,
Artificum illustri signaque facta manu.
Vestibus ut torulos, petasis ut figere parmas,
Et ualeat tacitis scribere quisque notis.''

Abgesehen davon also, dass die von Alciatus invenierten Embleme einem sinnvollen Zeitvertreib dienen sollen, sieht er in Ihnen Vorlagen für die Verzierung von Kleidung und anderen Artefakten, wobei es ihm weniger auf die grafische Umsetzung der bilderzeugenden Teile der Epigramme anzukommen sondern auf das dem Epigramm zugrundeliegende Kernargument. Welchen Themenbereichen die Argumente entnommen werden können, erläutert Alciatus seinem Freund Francesco Calvo in einem Brief vom 9. Dezember 1522: „libellum composui epigrammaton, cui titulum feci Emblemata: singulis enim epigrammatibus aliquid describo, quod ex historia [!], vel ex rebus naturalibus aliquid elegans significet“ (zit. nach [Miedema 1968a]Miedema, Hessel (1968): The Term ‘Emblema’ in Alciati. Journal of the Warburg and Courtauld Institutes, 31.
: S. 236). Für die Epigramme des «Emblematum liber» hat sich Alciatus vor allem bei der »Anthologia Graeca«, dem «Physiologus» und der «Hieroglyphica» des Horapollo bedient.[9]

Alciatus’ kunsthandwerkliche Implikation des Emblems im Sinne einer Intarsie oder Einlegearbeit prägt einerseits noch das erste deutschsprachige Emblemtraktat, das Johann Fischart (1546/47–1590) als Vorwort dem 1581 In Straßburg erschienenen «Emblematum tyrocinia» Matthias Holtzwarts voranstellte. Andererseits leitet Fischart in diesem« Kurtze[n] vnd Woldienliche[ n] Vorbericht / von Vrsprung / Namen vnd Gebrauch der Emblematen / oder Eingeblömeten Zierwercken» den Emblembegriff noch aus der Heraldik und dem militärischen Standartenwesen ab und schlägt damit eine Verbindung mit der Impresentradition. Denn bereits Paolo Giovio weist in seinem berühmten und einflussreichen «Dialogo dell’Imprese Militari et Amoroso» (Rom 1555) auf die memorative Kraft dieser Bild- und Gedächtniszeichen hin,[10] die für Fischart darin bestehen, „Gedenckzeychen“ dem Rezipienten dazu verhelfen#, sich der „Vorfahren Glück vnd Fall […] zu erinnern“ ([Fischart 1581a]Fischart, Johann (1581): Kurtzer vnd Woldienlicher Vorbericht / von Vrsprung / Namen vnd Gebrauch der Emblematen / oder Eingeblömeten Zierwercken. In: Holtzwart, M. (Hg.), Emblematum Tyrocinia. Sive Picta Poesis Latinogermanica . Jobin, Straßburg.
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: fol. A8r). Wenn Fischart die enge Verwandtschaft des Emblems mit der Imprese betont, weist er zugleich auf sozialdisziplinarische und gesellschaftsordnende Dimensionen dieser Text-Bild-Verbindungen hin. An den Wappen sind die Mitglieder des Hofes identifizierbar, ihr soziales Gewicht und Prestige allen einsichtig. Die Emblematik wird in dieser Hinsicht als der kulturhistorische Versuch gewertet, auch dem gesellschaftlich-stratifikatorischen Bedeutungsverlust der Heraldik zu begegnen.[11] Um diesen aufzufangen, hätte man, so Fischart, damit begonnen, die „nach Exempel der Römischen Keyser besondere vergriffene Kunstgemärck vnd Fundzeychen / sammt darzu dienlichen kurtzen Sprüchen / Reimen / Divisen vnd buchstaben / so die Deitung begreiffen vnd erhalten / zuerfinden“ ([Fischart 1581a]Fischart, Johann (1581): Kurtzer vnd Woldienlicher Vorbericht / von Vrsprung / Namen vnd Gebrauch der Emblematen / oder Eingeblömeten Zierwercken. In: Holtzwart, M. (Hg.), Emblematum Tyrocinia. Sive Picta Poesis Latinogermanica . Jobin, Straßburg.
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: fol. b2r). Habe die Heraldik erst einmal ihre traditionelle Funktion verloren, sei es nur noch ein kleiner Schritt hin zum Anfertigen von „Poetischen Geheimnußlehrigen Gemählen: vnd dieselbige jnen selbs / oder andern zugleich neben jnen zu fruchtbarlicher Erinnerung offentlich fürzumalen“ ([Fischart 1581a]Fischart, Johann (1581): Kurtzer vnd Woldienlicher Vorbericht / von Vrsprung / Namen vnd Gebrauch der Emblematen / oder Eingeblömeten Zierwercken. In: Holtzwart, M. (Hg.), Emblematum Tyrocinia. Sive Picta Poesis Latinogermanica . Jobin, Straßburg.
Webadresse: #
: fol. a3v). Wie jedoch die produktionsästhetischen Regeln emblematischer Inventivik aussehen und die potentiellen semantischen Aufladungen solcher „Gemärcke“ zustande kommen, bleibt bei Fischart seinen Lesern schuldig. Eine Anleitung zum Erfinden eigener Embleme ist sein Traktat nicht.

Fischarts Argumente finden sich einige Zeit später auch bei Johann Wilhelm Zincgref (1591-1636), dem Heidelberger Humanisten und Doktor beider Rechte, wieder. In der «Praefatio de origine et usu emblematum» seines «Emblematum ethico-politicorum», erstmals 1619 in Frankfurt am Main bei Theodor de Bry erschienen, wiederholt er einerseits die bereits bekannten kunsthandwerklichen Argumente[12] und knüpft andererseits an die bereits von Alciatus der Emblematik zugrunde gelegten Renaissance-Hieroglyphik an. Embleme sind den Hieroglyphen analoge Schriftzeichen.[13] Wie diese auf Hermes Trismegistos zurückgeführten ideographischen Zeichen sollen auch Embleme Mentales in Bildern vor- und darstellen.[14] Zugleich aber haben, wie Alciatus bereits betonte, diese hieroglyphischen Zeichen die Kraft, Dinge direkt zu bezeichnen. Zincgref beruft sich auf Diodorus Siculus und beschreibt das emblematum scribere als das Verbinden einzelner Bildelemente (res pictae) wie die Darstellung vom Tieren, von menschlichen Gliedmaßen oder von Gegenständen mit bestimmten mentalen Konzeption, damit die mit ihnen verbundenen Argumente leichter im Gedächtnis behalten werden können. Daher sind diese durch bestimmte mentale Konzepte codierten Bildzeichen so erfolgreich, wie eine seitenlange Aufzählung einschlägiger Beispiele belegen soll. Zincgref verbindet das humanistischen Konzept der Hieroglyphik mit einer mnemotechnischen Funktion und weiß dies durch Autoritäten wie Tacitus oder Diodorus Siculus zu belegen.[15] Zincgref erweitert den Emblembegriff damit zu einem umbrella term:

„Wer sieht nun nicht aus dem, was wir gesagt haben, daß Emblem die allgemeinste Bezeichnung ist, womit jedes Gebilde, sei es gemalt oder graviert, bezeichnet wird, und daß es in seinem Bereich jene andere Art allgemeiner Embleme umfaßt, die einen allgemeinen Lehrgedanken beinhalten: entweder die Verdeutlichung der Tugend oder die Verwünschung des Lasters, oder schließlich Anleitung zur Klugheit; […].“[16]

Zincgref verwendet den Ausdruck ‘Emblem’ universal für Text-Bild-Verbindungen. Die Übergang von Emblem, Imprese und Hieroglyphe sind fließend. Ihnen allen eignet Symbol- bzw. Gleichnishaftigkeit und können von einem allgemeinen Emblem (Emblema communia sive universalia), wie Zincgref es nennt, in ein Einzelemblem (Emblema singulare) individuell verwandelt werden – und vice versa. Als solche fänden sie dann auf Devisen, Wappen oder Verwendung. Sie alle überführen Vorstellungsbilder (imagines vivantes), etwa über heroische Taten und ihre seelischen Abbilder (simulacra animorum) durch poetische Bearbeitung in körperhafte Bilder (pictae), um als Vorbild dem Gedächtnis der Nachwelt verfügbar zu bleiben (vgl. [Zincgref 1664a]Zincgref, Julius Wilhelm (1664): Hundert ethisch-politische Embleme mit den Kupferstichen des Matthaeus Merian. Winter, Heidelberg.
Notiz: Bd. 1: Emblematum Ethico-Politicarum Centuria. Faksimile der Editio ultima Heidelberg 1664. Bd. 2: Übersetzungen und Kommentare. Heidelberg 1986. Hg. v. Henkel, A. & Wiemann, W.
: fol. ):( ):( 3v). Für Zincgref besteht die uneingeschränkte Leistung der Embleme darin, unseren Geist durch Gleichnishaftigkeit und Analogiebildung zu Wahrnehmungen zu führen, zu denen die äußeren Sinne nicht im Stande sind.[17] Embleme sind Erkenntnis- und Ordnungsmittel in einem. Sie halten Wissen verfügbar und sind in der Lage, neues Wissen und neue Erkenntnisse auf Basis der Rekombination und Analogiebildung zu generieren.[18]

Wiederum einige Jahrzehnte nach Zincgref begibt sich der Nürnberger Patrizier, Jurist und Polyhistor Georg Philipp Harsdörffer auf die Suche nach konkreten Umsetzungsmöglichkeiten dieser analogiebildenden Leistungsfähigkeit des emblematischen Gleichnisses. In seinen Frauenzimmer Gesprächspielen entfaltet Harsdörffer im gelehrten Dialog die umfassendste Synthese der seit gut einhundert Jahren verhandelten Emblemtheorien, was ihn, wie Gerhard F. Strasser resümiert, „zum Gewährsmann für die Emblemtheorie im deutschen Raum“ macht.[19] Zur Mitte des 17. Jahrhunderts hat die Emblematik eine Ausdifferenzierung hin zu einer unübersichtlich gewordenen Formenvielfalt erfahren, dass kaum noch von dem Emblem und der Emblematik gesprochen werden kann. Zincgrefs umbrella term wies bereits die Richtung.

Ein Anzeichen für den Strukturwandel, den die Emblematik zu Beginn des 17. Jahrhunderts erfährt, liefert die Substitution des griechisch-lateinischen Ausdrucks ‘Emblematum’ durch das aus dem Niederländischen“ (‚zinnebeeld‘) entlehnte deutsche ‘Sinnbild’:

„Es werden aber solche Gemähl und Schriften Sinnbilder genant / weil selbe von Bildern / vnd wenig Worten / darinn der Sinn / Meinung und Verstand deß Erfinders begriffen / zusammengesetzet: welche dann mehr weisen / als gemahlet oder geschrieben ist / in dem selbe zu ferneren Nachdenken fügliche Anlaß geben.“[20]

Eine noch ausführlichere Definition dessen, was unter diesem Begriff zu verstehen ist, liefert der Wolfenbütteler Geheimrat und Fruchtbringer Justus Georg Schottelius, mit dem Harsdörffer zeitlebens in freundschaftlichem Austausch stand. In seiner 1663 erschienenen «Ausführlichen Arbeit von der teutschen HaubtSprache» verwirft er den alten Begriff »Emblematum«, weil er ihm zu einseitig auf die kunsthandwerkliche Funktion reduziert ist (vgl. [Schottelius 1663a]Schottel, Justus Georg (1663): Ausführliche Arbeit Von der Teutschen HaubtSprache. Zilliger, Braunschweig.
Webadresse: diglib.hab.de/wdb.php?dir=drucke/ko-306
: S. 1105). Der Sinnbild-Begriff zeige hingegen ein solches Bild an,

„dabey man etwas müsse zu Sinne fassen: Bild ist das letzte im Worte und also Grund / darum Haubtsachlich unser nachdenken auf ein Bild / das ist / auf jedes / so Bildweis vorgestellet wird / gehen muß: Sinn aber / das beyfugige oder vorderste Worttheil deutet an / daß solches Bild in sich ein sonderlichen Sinn / sonderliche Meynung und Deutung habe“ ([Schottelius 1663a]Schottel, Justus Georg (1663): Ausführliche Arbeit Von der Teutschen HaubtSprache. Zilliger, Braunschweig.
Webadresse: diglib.hab.de/wdb.php?dir=drucke/ko-306
: S. 1106).

Im Sinnbild codiert das Bild den propositionalen Gehalt, der durch Lemma und eventuell auch durch die subscriptio konkretisiert, niemals aber vereindeutigt werden darf. Wie die Imprese, so ist auch das Emblem (ganz nach Maßgabe der Ars memorativa) durch jene obscuritas des Rätsels geprägt (man denke hier an Paolo Giovio), die das verschlüsselte Argument nicht unmittelbar einsichtig macht und daher merk-würdig auf den Rezipienten wirkt und der in dem Sinnbild zugrunde gelegten Leib-Seele-Verhältnis metaphorisiert wird:

„Der Leib des Sinnbildes / als etwas schönes / ansehnliches und eusserliches / bestehet in einem Bilde oder Gemählte / welches auff dasselbe / was darunter angedeutet und verborgen wird / das ist / auf seinen Sinn / muß deuten […]. Die Seele des Sinnbildes / welche gleichsam den Leib redend machet / bestehet in Worten / nemlich in des Sinnbildes Deutspruche und in dessen Auslegung“ ([Schottelius 1663a]Schottel, Justus Georg (1663): Ausführliche Arbeit Von der Teutschen HaubtSprache. Zilliger, Braunschweig.
Webadresse: diglib.hab.de/wdb.php?dir=drucke/ko-306
: S. 1106).

Fehlt das Wort, so ist nicht mehr von einem Sinnbild, sondern von „einem gemahlten Rätzel oder blossen Gemählte“ ([Schottelius 1663a]Schottel, Justus Georg (1663): Ausführliche Arbeit Von der Teutschen HaubtSprache. Zilliger, Braunschweig.
Webadresse: diglib.hab.de/wdb.php?dir=drucke/ko-306
: S. 1106) die Rede.

Text und Bild sind im Sinnbild so eng aufeinander bezogen, dass das eine Zeichensystem nicht ohne das andere auskommt. Harsdörffer betont dies in seiner emblemtheoretischen Zugabe zur dritten Auflage des Großen Schau-Platzes jämmerlicher Mordgeschichte, die 50 Lehrsätze für die Inventio und Produktion von Sinnbildern präsentiert.[21] Gleich zu Beginn der Schrift verweist er auf die maßgebliche Rolle, die die Analogie bei dieser Semiose von Text und Bild spielt. Denn das Bild könne, wie das Wort auch, eine eigentliche (sensus litteralis) und uneigentliche (sensus allegoricus) Bedeutung besitzen und müsse bezüglich seiner uneigentlichen oder figürlichen Bedeutung nochmals unterschieden werden, je nachdem ob es sich um eine Allegorie, die er als Iconologia oder Bilderkunst[22] bezeichnet, oder um ein Sinnbild handelt. Während erstere sich durch stark konventionalisierte Codierungen auszeichnen, so dass sie als Zierde für „Gebäuden / Tapeten / Büchertituln und in viel andre wege“ (§3) dienen, schöpfen Sinnbilder ihr Potential aus ihrem Gleichnischarakter, der aus der Spannung zwischen Text und Bild erzeugt wird und durch die „die in Sinnbildern enthaltene Lehre leichter bemercket / die Bitterkeit der Vermahnung versüst / und die Lieblichkeit der Mahlerey und Poeterey kunstartig mit gesamter wolständigkeit an das Liecht gesetzt“ (§7) wird, so dass idealerweise ein Sinnbild nicht ohne Berücksichtigung des Zusammenspiels von Text- und Bildcode dechiffriert werden könne (§23).

Die immer wieder dargestellten Zusammenhänge, in die die Emblematik gestellt wird, werden von Harsdörffer zum diskursiven Ordnungsmuster der Verständigung über die Eigenschaften des Gleichnisses. Die Ausführungen zur Sinnbildkunst werden im ersten Band der Gesprächspiele mit Ausführungen über das Gleichnis und die Gedächtniskunst vorbereitet, die Impresenkunst (Münzpreg) schließt sich ihr an. Somit entspricht die diskursive Entfaltung des Themas ziemlich genau den üblichen Abhandlungen über diesen Sachverhalt, mit einem entscheidenden Unterschied: Harsdörffer stellt sie nicht mehr in eine kulturhistorische Entwicklungsgeschichte, sondern behandelt sie unter dem erkenntnistheoretischen Interesse potentieller Wissensgenerierung qua Analogie. Das Gleichnis, so sagt Harsdörffer, sei die Quelle der Inventio und es sei „nichts in der gantzen Welt zu finden / welches nicht durch die Gleichnis belanget werden könnte“ (GPH, Trichter, X, § 5, S. 54)#. Entsprechend vielgestaltig sind die thematischen und inhaltlichen Ausrichtungen der Emblembücher. Sie reichen von der Impresenliteratur über eine ethisch-moralische und politische Emblematik, zu der Fürstenspiegel wie Zincgrefs erwähntes Emblembuch ebenso zu zählen ist wie panegyrische und Funeral-Emblematik, und den vor allem seit Beginn des 17. Jahrhunderts inflationär einsetzende religiöse Emblematik (unabhängig von konfessionellen Beschränkungen) bis hin zu mehrbändigen Emblemenzyklopädien, die etwa das naturkundliche und moralische aber auch theologische Wissen der Frühen Neuzeit miteinander verbinden; nicht zu vergessen die Kunstbücher mit ihren Sammlungen an emblematischen Topoi, für die etwa Cesare Ripas «Iconologia» prototypisch wurde, der unüberschaubare Bereich angewandter Emblematik.[23] Die letzten Emblemenzyklopädien erschienen wie Laurentius W. Woyts Emblematischer Parnassus noch in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Danach reist die Emblemproduktion fast schlagartig ab. Als epistemische Ordnungsinstrumente sind Emblembücher im Laufe des 18. Jahrhunderts offensichtlich an die Grenzen der Verwaltbarkeit und Darstellbarkeit des Wissens geraten. Wenn die Analogie nicht mehr als Grundlage einer Wissensordnung funktioniert, scheitert auch die Emblematik als Ordnungsverfahren moralisch-ethischer Diskurse. Doch das allein erklärt den rapiden Bedeutungsverlust dieser Kulturtechnik nicht überzeigend. Denn auch andere Formen der frühneuzeitlichen Bild-Text-Relation verlieren an Bedeutung, wie etwa die Mnemonik, deren Verhältnis zur Emblematik noch nicht einmal ansatzweise untersucht wurde und eines der dringlichsten Desiderate der aktuellen Emblemforschung darstellt. Dabei ist schon des längeren bekannt, dass zwischen den Elementen der #Gedächtniskunst und denen der Mnemonik# eine enge Verknüpfung besteht.[24] Die Erforschung dieser Zusammenhänge könnte den Schlüssel zur Erklärung des Bedeutungsverlustes der auf Analogiebildung basierender Text-Bild-Genera gegen Ende der Frühen Neuzeit liefern.


ALTER TEXT

Zur Emblemforschung im 20. Jahrhundert

In der Emblemforschung des 20. Jahrhunderts, die ihren Ausgang mit den kulturhistorischen Arbeiten von Karl Giehlow und Ludwig Volkmann nahm, versuchte man der schier unüberschaubaren Vielfalt emblematischer Realisierungen vor allem in der Literaturwissenschaft mit idealtypischen Definitionen beizukommen. So definieren die Kunsthistoriker William Heckscher und Karl-August Wirth in ihrem Artikel im Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte das Emblem als eine Kunstform, die sich wegen der „Vereinigung von Text und Bild zu einem in sich geschlossenen allegorischen Gebilde“ durch einen „synthetischen Charakter […] aus den scheinbar unvereinbaren Elementen Wort und Bild“ auszeichnet und bei der es sich somit um „eine besondere Form bildlich-literärer Gestaltungen“ handelt ([Heckscher & Wirth 1959a]Heckscher, William & Wirth, Karl-August (1959): Emblem, Emblembuch, Kapitel IV (Quellen der Emblematik). In: Zentralinstitut für Kunstgeschichte (Hg.), RDK - Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte, Bd. 5. Metzler, Stuttgart.
Webadresse: rdk.zikg.net/gsdl/cgi-bin/library.exe?e=p-01000-00---off-0rdkZz-web--00-1--0-10-0---0---0prompt-10---4-------0-1l--11-de-Zz-1---20-about---01-3-1-00-0-0-11-1-0utfZz-8-00&a=d&c=rdk-web&cl=&d=Dl762.1#mark
: Sp. 85–88). Am wirkmächtigsten war Albrecht Schönes Bestimmung des Emblems als eine „Doppelfunktion des Abbildens und Auslegens oder des Darstellens und Deutens“, auch wenn diese schon bald als ahistorisch fundamental kritisiert wurde.[25] Ahistorisch sind sie vor allem aber deswegen, weil sie der emblematischen Bild-Text-Verbindung eine Differenz zwischen visuellem und sprachlichem Code zuschreiben, die ihr im zeitgenössischen Verständnis nicht eignete: weder ist dort im Kontext der Doktrin des ut pictura poesis eine wesentliche Differenz zwischen grafischem oder verbalem Bild auszumachen noch ist die Behauptung einer Vorrangstellung des Bildes vor dem Text haltbar. In aktuellen literaturwissenschaftlichen Nachschlagewerken finden sich folglich keine derart reduktionistischen Definitionen mehr, sondern offenere. Die Emblematik wird hier beispielsweise als „Sammelbezeichnung für sämtliche kulturellen Manifestationen des Emblems“ ([Scholz 1990a]Scholz, Bernhard F. (1990): Emblematik. In: Burdorf, D. & Fasbender, Ch. & Moennighoff, B. (Hg.), Metzler Literatur Lexikon. Begriffe und Definitionen. Metzler , Stuttgart.
) angesprochen, das Emblem als „eine der Lehrdichtung zuzurechnende frühneuzeitliche Wort-Bild-Gattung mit im Regelfall dreigliedriger typografischer Anordnung von Bild und Wort“ ([Scholz 1990b]Scholz, Bernhard F. (1990): Emblem. In: Burdorf, D. & Fasbender, Ch. & Moennighoff, B. (Hg.), Metzler Literatur Lexikon. Begriffe und Definitionen. Metzler , Stuttgart.
) oder als eine „Gattung uneigentlichen, argumentativ funktionalisierten Redens mittels einer Kombination von Wort und Bild“ ([Scholz 1997a]Scholz, Bernhard F. (1997): Emblem. In: Weimar, K. (Hg.), Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. de Gruyter, Berlin & New York.
: S. 435) zu definieren versucht. Dass eine einheitliche Definition des Emblems auf Schwierigkeiten stößt, zeigt sich bereits an der mangelnden zeitgenössischen poetologischen Durchdringung. Überlieferte Emblemtraktate bleiben meist weit hinter den tatsächlichen Realisationsformen dieser Text-Bild-Verbindungen zurück und machen so gut wie keine konkreten Vorgaben, wie diese auszusehen hätten. Dadurch entsteht im Laufe von gut 250 Jahren eine kaum noch überschaubare Formenvielfalt, deren einzelne Formen nur schwer voneinander abzuheben sind.

Renaissance-Hieroglyphik

Das erste Emblembuch, Andreas Alciatus' Emblematum liber (1531), steht in enger Verbindung mit den humanistisch-esoterischen Bemühungen um die ägyptische Bilderschrift, die in Gelehrtenkreisen seit einiger Zeit rege Aufmerksamkeit erfuhr ([Volkmann ????a]Der Eintrag existiert noch nicht.). Nicht zufällig widmet Alciatus sein Buch einem Augsburger Berufskollegen, dem Juristen und Humanisten Konrad Peutinger. Dieser hatte auf einer Griechenlandreise eine Handschrift der Hieroglyphica des Horapollo gekauft und mit seiner Veröffentlichung maßgeblichen Anteil an der Popularität der Renaissance-Hieroglyphik (vgl. [Warncke 2005a]Warncke, Carsten-Peter (2005): Symbol, Emblem, Allegorie. Die zweite Sprache der Bilder. Deubner, Köln.
).[26] Mit der Renaissance-Hieroglyphik wird Alciatus wohl bereits während seiner Studienzeit in Bologna in Berührung gekommen sein. Denn dort lehrte der bedeutende Humanist Pierio Valeriano, der versuchte, die hieroglyphische Weisheit mit der christlichen Lehre zu verbinden.[27] Damit nahm er grundlegenden Einfluss auf die weitere Entwicklung nicht nur der Renaissance-Hieroglyphik, sondern auch auf die der Emblematik: Er fügte den Hieroglyphen des Horapollo ein moralisierendes Moment hinzu, indem er Analogien zwischen menschlichen und tierischen Eigenschaften herstellte, und schloss damit die Hieroglyphik an die Tradition des Physiologus und der mittelalterlichen Tierbücher an ([Volkmann ????a]Der Eintrag existiert noch nicht.:, S. 37f). Ausgehend davon soll Alciatus die Idee entwickelt haben, „hieroglyphische Gedanken in Verse zu verfassen“ (ebd.: S. 41), und tatsächlich lassen sich alle genannten Einflüsse im Emblematum liber beobachten.

Ars memorativa

Der Unterschied zwischen Hieroglyphen und Emblemen besteht vor allem in der Decodierbarkeit der Text-Bild-Verbindung. Im Falle der esoterisch-gelehrten Hieroglyphik muss dem Rezipienten der Code vollständig zugänglich sein, er muss gewissermaßen im Besitz der claves speciales sein, um den Sinn und die Argumente hinter den Bildzeichen dechiffrieren zu können. Im Fall der Emblematik ist dies hingegen unerwünscht. Als Wissensspeicher und als Instrument didaktischer Unterweisung soll es gerade entschlüsselbar, wenn auch unter Demonstration der Scharfsinnigkeit ihres Schöpfers sein. Auch hierfür finden sich die Vorgaben in der Rhetorik. Der antike Autor an Herennius gibt als Regel vor, dass eine Imago affizierend wirken muss, um memorierbar zu sein; sie hat im wahrsten Sinne des Wortes merk-würdig zu sein.

In diesem Widmungsepigramm steckt Alciatus' emblematisches Programm. Es beginnt mit einer Ekphrasis, einer Bildbeschreibung im ersten Distichon, der sich zwei dieses Bild auslegende Distichen anschließen. Die Ekphrasis wiederum dient als imago agens, die hilft, das mit der Ekphrasis verbundene Argument vor Augen zu stellen. Die pictura ist somit eine mögliche Realisation einer bis dahin internalisierten imago und daher zunächst mehr oder weniger beliebig wählbar. Tatsächlich finden sich weder in den Handschriften der Hieroglyphica noch in Alciatius' Manuskript des Emblematum liber die jene spezifische Verbindung von Bild und Text, von pictura, inscriptio und subscriptio, die so charakteristisch für die Emblematik wurde. Hier wie dort reicht zunächst die Ekphrasis aus, um davon ausgehend jene imagines zu bilden, die für die Externalisierung und Memorierung eines spezifischen Arguments geeignet scheinen. Dass es Alciatus auf das (meist moralische) Argument ankommt, bezeugt auch sein unentwegt repetierter Hinweis auf eine Schrift über die richtige Bedeutungsgenerierung beim juristischen Argumentieren De verborum significatione (Lyon 1530):

Verba significant, res significantur. Tametsi et res quandoque etiam significant, ut hieroglyphica apud Horum et Caeremonem, cujus argumenti et nos carmine libellum composuimus, cui titulus est Emblemata. ([Alciatus 1530a]Alciatus, Andreas (1530): De verborum significatione. Sebastian Gryphius, Lyon.
: S. *am Original überprüfen*)

Albrecht Dürers grafische Umsetzung der Hieroglyphica-Übersetzung Pirckheimers belegt dies in virtuoser Weise ebenso wie Heinrich Steyners Entschluss, Alciatus' Manuskript für die (unautorisierte) Drucklegung mit picturae anzureichern, die auf die Ekphrasen der Epigramme referieren.

(Mögliche Überleitung von Teil A) zu B))

Gerade weil die Emblematik innerhalb der “semiotischen Matrix” frühneuzeitlicher Sinnsysteme eine dominierende Stellung einnimmt,[28] ist es erstaunlich, dass es kaum theoretisch verbindliche Reflexionen über eine Poetik des Emblems gibt. Die meisten Vorreden und Traktate, die sich zur Ursprungsfrage der Emblematik äußern, wiederholen sich meist und werden der emblematischen Formenvielfalt ihrer Zeit – ja auch innerhalb des jeweiligen Emblembuches, das sie einleiten – kaum gerecht. Produktionsästhetische und/oder rezeptionsästhetische Poetologien des Emblems sind eine Seltenheit. Erst in der Mitte des 17. Jahrhunderts greifen die Schriften Harsdörffers weiter aus. Hier finden sich erstmals umfangreiche Bestimmungen, die der Emblempraxis gerecht werden wollen und die den sich um die Jahrhundertwende erheblich erweiterten Funktionsumfang der Emblematik Rechnung zu tragen versuchen. Mit einer Auswahl von wichtigen emblemtheoretischen Positionen, angefangen bei Alciatus über Johann Fischart, Johann Wilhelm Zincgref, Johannes Sambucus, Justus Georg Schottelius bis zu Georg Philipp Harsdörffer, soll diese Entwicklung dargestellt werden. Die Funktionserweiterung der Emblematik drückt sich nicht nur in der zu Beginn des 17. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum sich allmählich durchsetzende Substitution des Ausdrucks ‚Emblem‘ durch die wohl aus dem niederländischen übernommene Lehnübersetzung von ‚zinnebeeld‘ in ‚Sinnbild‘ aus. Sie zeigt sich auch in der zunehmenden Bedeutung die die Emblematik überhaupt für die frühneuzeitliche Wissensdistribution und Wissensproduktion spielte. Als konstitutiver Bestandteil dieser “semiotischen Matrix” wird die Emblematik mit didaktischer, meditativer, repräsentativer Absicht funktionalisiert, wobei es alle nur denkbaren Zwischenformen zwischen diesen Makrobereichen gibt: als politisch-moralischer Fürstenspiegel oder allgemein ethisch-moralische Lehremblematik, als katholische oder protestantische Erbauungsemblematik, als emblematische Katechismen, Totentänze oder Ordensregeln, als Liebesemblematik oder auch als umfangreiche Emblemenzyklopädien.

Engere Begriffsbestimmung

Bitte Unterkapitel anlegen

Die Emblematik nimmt ihren Ausgang bei dem Mailänder Humanisten und Juristen Andreas Alciatus (1492–1550) – dem „emblematum pater et princeps“ (*Literaturhinweise bei Scholz 2002.*)– und damit auch die Versuche, die Spezifik dieser Text-Bild-Verbindungen zu bestimmen. Allerdings finden sich im 1531 in Augsburg erschienenen Emblematum liber kaum verwertbare Hinweise darauf, was Alciatus unter dem Begriff ‚Emblematum‘ eigentlich verstand. In der Widmung seines Büchleins, die an den Augsburger Humanisten und kaiserlichen Rat Konrad Peutinger gerichtet ist, verkündet Alciatus ([Alciatus 1531a]Alciatus, Andreas (1531): Emblematum liber. Heinrich Steyner, Augsburg.
Notiz: (= VD 16 A 1641)
: fol. A 2r):[29]

Dum pueros iuglans, iuuenes dum tessera fallit,
Destinet & segnes chartula picta uiros.
Haec nos festiuis Emblemata cudimus horis,
Artificum illustri signaque facta manu.
Vestibus ut torulos, petasis ut figere parmas,
Et ualeat tacitis scribere quisque notis.

Alciatus sieht die Funktion der Embleme für das Kunsthandwerk darin, aus einem Arsenal möglicher picturae zu schöpfen, um mit ihnen beliebige Artefakte zu schmücken. ‚Emblematum‘ in diesem Sinne ist kunstvolle Applikation, ist Intarsie oder Einlegearbeit, zurückzuführen auf den griechischen Begriff ‚emballon‘. Deutlicher äußert sich Alciatus über den Status des Emblems in einem Brief an seinen Freund Francesco Calvo vom 9. Dezember 1522, in dem es heißt: „libellum composui epigrammaton, cui titulum feci Emblemata: singulis enim epigrammatibus aliquid describo, quod ex historia [!], vel ex rebus naturalibus aliquid elegans significet.“ (zit. nach [Miedema 1968a]Miedema, Hessel (1968): The Term ‘Emblema’ in Alciati. Journal of the Warburg and Courtauld Institutes, 31.
: S. 236.). Epigramme – nicht picturae – liegen den im Emblematum liber versammelten Emblemen zugrunde. Gezogen wurden die meisten aus der Epigrammsammlung der Anthologia Graeca, aber auch aus dem Physiologus und der Hieroglyphica des Horapollo. Diese zeichnen sich allesamt durch ein spezifisches Verhältnis von bildbeschreibender Ekphrasis und einer dieser auslegenden explicatio aus. Alciatus’ Embleme verbinden alle eine Überschrift in Form eines Mottos mit einem teils ekphrastischen und teils explikatorischen Epigramm. Dennoch wurde in der Folge des Augsburger Druckes die pictura zum charakteristischen Bestandteil eines Emblems, wenngleich sie nicht zwingend konstitutiv wurde. Noch im 17. Jahrhundert führt beispielsweise Georg Philipp Harsdörffer vor, wie Sinnbilder ganz ohne konkretisierende picturae inveniert werden können. Von Anfang an wird für den Emblembegriff jedoch seine kunsthandwerkliche Funktionalisierung charakteristisch, die auch in den zahlreich folgenden Übersetzungen des Emblematum liber deutlich wird. So übersetzt beispielsweise Wolfgang Hunger den Titel als „verschrote werck“ (vgl. [Alciatus 1967a]Alciatus, Andreas (1967): Emblematum Libellus. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt.
: S. 17).[30]

Die kunsthandwerkliche Ausrichtung der Emblematik als Arsenal für die Applikationen auf alltäglichen Gebrauchsgegenständen, aber auch in der Architektur und Skulptur, findet sich auch im ersten deutschsprachigen Emblemtraktat des berühmten Straßburger Literaten Johann Fischart (1546/47–1590), das er Matthias Holtzwarts Emblematum tyrocinia (Straßburg 1581) voranstellte. Bereits der Titel dieser Arbeit weist auf die von Alciatus übernommene kunsthandwerkliche Begrifflichkeit hin: Kurtzer vnd Woldienlicher Vorbericht / von Vrsprung / Namen vnd Gebrauch der Emblematen / oder Eingeblömeten Zierwercken. Doch Fischart leitet den Emblembegriff noch aus einer weiteren Tradition ab, die ihm aus Paolo Giovios Dialogo dell’Imprese vertraut war: aus den militärischen Standarten und der Heraldik. Es sind dies Bildzeichen, die zugleich als Feldzeichen und als Gedächtniszeichen fungieren. Die memoriale Funktion der Embleme besteht für Fischart darin, dass sie als „Gedenckzeychen“ dazu helfen, sich der „Vorfahren Glück vnd Fall dadurch zu erinnern“ ([Fischart 1581a]Fischart, Johann (1581): Kurtzer vnd Woldienlicher Vorbericht / von Vrsprung / Namen vnd Gebrauch der Emblematen / oder Eingeblömeten Zierwercken. In: Holtzwart, M. (Hg.), Emblematum Tyrocinia. Sive Picta Poesis Latinogermanica . Jobin, Straßburg.
Webadresse: #
: fol. a8r). Indem Fischart die Filiation der Emblematik mit der Impresenkunst betont, macht er eine sozialdisziplinarische und gesellschaftsordnende Dimension dieser Text-Bild-Verbindungen stark, denn an den Wappen waren die Mitglieder des Hofes identifizierbar, ihr soziales Gewicht und Prestige allen einsichtig. Die Emblematik wird in dieser Hinsicht als der kulturhistorische Versuch gewertet, dem gesellschaftlich-stratifikatorischen Bedeutungsverlust der Heraldik zu begegnen.[31] Um dieses Defizit aufzufangen, hätte man, so Fischart, damit begonnen, die „nach Exempel der Römischen Keyser besondere vergriffene Kunstgemärck vnd Fundzeychen / sammt darzu dienlichen kurtzen Sprüchen / reimen / Diwisen vnd buchstaben / so die Deutung begreiffen vnd erhalten zuerfinden.“ (ebd.: fol. b2r). Haben diese Text-Bild-Verbindungen erst einmal die traditionelle Funktion der Heraldik übernommen, ist es nur noch ein kleiner Schritt hin zu ihren ästhetischen Realisierungen gewesen, dem Anfertigen von „Poetischen Geheimnußlehrigen Gemählen“ (ebd.: fol. a3v), wie Fischart befindet. Wie diese semantische Aufladung des Gemähls allerdings konkret umgesetzt werden soll, darüber äußert sich Fischart jedoch nicht. Er bleibt produktionsästhetische Regeln emblematischer Inventivik schuldig. Seine Darstellung ist vielmehr historisch deskriptiv, nicht theoretisch.

Viele der von Fischart angeführten Aspekte, finden sich ebenfalls wenige Jahrzehnte später bei dem Heidelberger Humanisten und Doktor beider Rechte, Johann Wilhelm Zincgref (1591–1636) wieder. Doch ist er bereits um die Formulierung einiger grundlegender Signifikationsregeln zwischen Text und Bild bemüht, indem er gerade den göttlichen Ursprung der Emblematik in der Hieroglyphik erneut stark zu machen versucht. Doch zunächst bestimmt auch er den Begriff „Emblem“ in der Praefatio de origine et usu emblematum seines Emblematum ethico-politicorum, das erstmals 1619 in Frankfurt am Main bei Theodor de Bry erschien ist, ganz in Alciatus' kunsthandwerklichen Sinne.[32] Bei ihm ist das Emblem jedoch nicht einfach Zierwerk, sondern eine Schrift, wie sie von den Ägyptern in Form der Hieroglyphen erfunden wurde. Wie eben diese alten Schriftzeichen der Weisen, so sollen auch die Embleme Mentales in Bildern repräsentieren (vor- und darstellen).[33] Und mit Diodorus Siculus präzisiert Zincgref diese Eigenschaft des emblematum scribere, die darin bestehe, dass bestimmte Bilder von Tieren, menschlichen Gliedmaßen oder Gegenständen bestimmte mentale Konzepte zugrunde gelegt werden, damit diese leichter im Gedächtnis gehalten werden können. Ganz wie Alciatus in De verborum significatione, verbindet auch Zincgref die humanistischen Vorstellung der Hieroglyphik explizit mit einer mnemotechnischen Funktion und weiß dies durch Autoritäten wie Tacitus oder Diodorus Siculus zu belegen.11 Daher sind diese mentale Konzepte codierende Bildzeichen auch als militärische Standarten so erfolgreich, wie eine seitenlange Auflistung einschlägiger Beispiele belegen soll und die am deutlichsten noch in der zeitgenössischen Praxis der Impresenkunst zu finden sei. Für Zincgref ist der Begriff „Emblem“ damit – modern gesprochen – ein umbrella term: „Emblem generalissimum esse nomen, quo quaevis figure, sive picta, sive caelata, significatur, quodque sub ambitu suo complectatur illam alteram speciem Emblematum universalium, habbentium aliquod noëma dogmaticum generale: vel significationem virtutis, vel detestationem vitij, vel denique instructionem ad prudentiam […].“ ([Zincgref 1664a]Zincgref, Julius Wilhelm (1664): Hundert ethisch-politische Embleme mit den Kupferstichen des Matthaeus Merian. Winter, Heidelberg.
Notiz: Bd. 1: Emblematum Ethico-Politicarum Centuria. Faksimile der Editio ultima Heidelberg 1664. Bd. 2: Übersetzungen und Kommentare. Heidelberg 1986. Hg. v. Henkel, A. & Wiemann, W.
: fol. ):( ):( 3r-v). In Zincgrefs Ausführungen kündigt sich nicht nur die fortschreitende Ausdifferenzierung der Emblematik an, für ihn sind Emblem und Imprese auch ein und dasselbe, weil sie eine bestimmte Realisation emblematischer Signifikation darstellen und zur Konkretisierung mit Devisen oder Motti versehen werden können. Dadurch aber sind sie für zahlreiche Anwendungsgebiete verfügbar. Denn ihr Gebrauch besteht darin Vorstellungsbilder (imagines vivantes), etwa über heroische Taten und Menschen, und ihre seelischen Abbilder (simulacra animorum) durch poetische Bearbeitung in körperhafte Bilder (pictae) zu überführen, um als Gedächtnis und Vorbild der Nachwelt verfügbar zu bleiben ([Zincgref 1664a]Zincgref, Julius Wilhelm (1664): Hundert ethisch-politische Embleme mit den Kupferstichen des Matthaeus Merian. Winter, Heidelberg.
Notiz: Bd. 1: Emblematum Ethico-Politicarum Centuria. Faksimile der Editio ultima Heidelberg 1664. Bd. 2: Übersetzungen und Kommentare. Heidelberg 1986. Hg. v. Henkel, A. & Wiemann, W.
: fol. ):( ):( 3v). Noch deutlicher markiert Joannes Sambucus (1531–1584) die mnemotechnische Funktion des Emblems. In seinem Traktat Emblemata (Antwerpen 1566) fordert ganz im Sinne Giovios und der Ars memorativa, die emblematische Signifikation von Wort und Bild habe überraschend und unerwartet zu sein, um dem Anspruch der obscuritas – die ja schon in Alciatus' tacite scribere angesprochen ist – gerecht zu werden.[34] Sambucus lehnt Rückgriffe auf bereits codifizierte Muster bei der inventio explizit ab.

Für Zincgref besteht die uneingeschränkte Leistung der Embleme darin, dass sie durch eine Art Gleichnis unseren Geist zu anderen Wahrnehmungen führen dies die äußeren Sinne ermöglichten.[35] Embleme sind Erkenntnis- und Ordnungsmittel in einem. Sie halten Wissen verfügbar und vermögen es bisweilen, neues Wissen und neue Erkenntnisse zu schaffen, zu denen die sinnlich-empirische Wahrnehmung des Menschen nicht fähig wäre.

Einige Jahrzehnte später begibt sich der Nürnberger Patrizier, Jurist und Polyhistor Georg Philipp Harsdörffer auf die Suche nach konkreten Umsetzungsmöglichkeiten dieser Leistungsfähigkeit analogischer Erkenntnis, die das Gleichnis verspricht. In seinen Frauenzimmer Gesprächspielen entfaltet Harsdörffer im gelehrten Dialog die umfassendste Synthese der seit gut einhundert Jahren verhandelten Emblemtheorien, die ihn nach Gerhard F. Strasser „zum Gewährsmann für die Emblemtheorie im deutschen Raum“ ([Strasser 2000a]Strasser, Gerhard F. (2000): Emblematik und Mnemonik der Frühen Neuzeit im Zusammenspiel. Johannes Buno und Johann Justus Winckelmann. Harrassowitz, Wiesbaden.
Notiz:
Nicht angezeigt: Wolfenbütteler Arbeiten zur Barockforschung. Bd. 36
: S. 41) macht. Zur Mitte des 17. Jahrhunderts hat die Emblematik eine derartige Ausdifferenzierung erfahren und eine fast unüberschaubare Formenvielfalt entwickelt, dass man nur noch schwerlich von dem Emblem und der Emblematik sprechen kann. Zincrefs umbrella term wies bereits in diese Richtung.

Ein weiteres Anzeichen für den Strukturwandel, den die Emblematik zu Beginn des 17. Jahrhunderts erfuhr, ist die Substitution des griechisch-lateinischen Terminus’ ‚Emblematum’ durch den wohl aus dem niederländischen (‚zinnebeeld’) entlehnte deutsche Ausdruck ‚Sinnbild’. „Es werden aber solche Gemähl und Schriften Sinnbilder genant / weil selbe von Bildern / vnd wenig Worten / darinn der Sinn / Meinung und Verstand deß Erfinders besgriffen / zusammengesetzet: welche dann mehr weisen / als gemahlet oder geschrieben sit / in dem selbe zu ferneren Nachdenken fügliche Anlaß geben.“ ([FZG I]Der Eintrag existiert noch nicht.: S. 73). Eine noch ausführlichere Definition dessen, was unter diesem Begriff zu verstehen ist, liefert der Wolfenbütteler Geheimrat und Fruchtbringer Justus Georg Schottelius, mit dem Harsdörffer zeitlebens in freundschaftlichem Austausch stand. In seiner 1663 erschienenen Ausführlichen Arbeit von der teutschen HaubtSprache verwirft er den alten Ausdruck ‚Emblematum‘, da er zu einseitig auf die kunsthandwerkliche Funktion dieser Text-Bild-Verbindung ausgerichtet sei (vgl. [Schottelius 1663a]Schottel, Justus Georg (1663): Ausführliche Arbeit Von der Teutschen HaubtSprache. Zilliger, Braunschweig.
Webadresse: diglib.hab.de/wdb.php?dir=drucke/ko-306
: S. 1105.). Das Wort ‚Sinnbild‘ hingegen zeige ein solches Bild an, „dabey man etwas müsse zu Sinne fassen: Bild ist das letzte im Worte und also Grund / darum Haubtsachlich unser nachdenken auf ein Bild / das ist / auf jedes / so Bildweis vorgestellet wird / gehen muß: Sinn aber / das beyfugige oder vorderste Worttheil deutet an / daß solches Bild in sich ein sonderlichen Sinn / sonderliche Meynung und Deutung habe.“ (ebd: S. 1106). Im Sinnbild codiert das Bild den propositionalen Gehalt, der durch Lemma und eventuell auch durch die subscriptio konkretisiert, niemals aber vereindeutigt werden darf. Wie die Imprese, so ist auch das Emblem (ganz nach Maßgabe der Ars memorativa) durch jene obscuritas des Rätsels geprägt, die das verschlüsselte Argument nicht unmittelbar einsichtig macht und daher merk-würdiger auf den Rezipienten wirkt und der im dem Sinnbild zugrunde gelegten Leib-Seele-Verhältnis metaphorisiert wird: „Der Leib des Sinnbildes / als etwas schönes / ansehnliches und eusserliches / bestehet in einem Bilde oder Gemählte / welches auff dasselbe / was darunter angedeutet und verborgen wird / das ist / auf seinen Sinn / muß deuten […]. Die Seele des Sinnbildes / welche gleichsam den Leib redend machet / bestehet in Worten / nemlich in des Sinnbildes Deutspruche und in dessen Auslegung.“ Fehlt das Wort, so kann auch nicht mehr von einem Sinnbild, sondern muss vielmehr von „einem gemahlten Rätzel oder blossen Gemählte“ (ebd: S. 1106) die Rede sein.

Die Bedeutung, die die Verbindung von Text und Bild im Sinnbild spielt ist nicht zu unterschätzen. Wie wenig das eine Zeichensystem ohne das andere auszukommen vermag, betont Harsdörffer in der Neue[n] Zugabe: C. Sinnbildern Welche auf Fahenen / Schaupfennige / in Stammbücher / Taeten / becher / Gläser / Flaschen / Schalen / teller / zu trauer und Freudengedichten / Wie auch zu andrer Zierlichkeit / nach Belieben / gebrauchet werden können (In: JMG). Gleich zu Beginn seiner Ausführungen verweist er auf die maßgebliche Rolle, die die Analogie bei dieser Semiose von Text und Bild spielt. Denn wie das Wort eine eigentliche (sensus litteralis) und uneigentliche (sensus allegoricus) Bedeutung besitzen kann, so auch das Bild, das bezüglich seiner uneigentlichen oder figürlichen Bedeutung nochmals unterschieden werden kann, je nachdem ob es sich um eine Allegorie handelt, die als Iconologia oder Bilderkunst bezeichnet wird,[36] oder um ein Sinnbild. Erstere zeichneten sich durch stark konventionalisierte Codierungen aus, so dass sie als Zierde für „Gebäuden / Tapeten / Büchertituln und in viel andre wege“ (§3) dienen. Im Gegensatz zur Bildkunst schöpfen Sinnbilder ihr Potential aus ihrem Gleichnischarakter, der aus der Spannung zwischen Text und Bild erzeugt wird und durch die „die in Sinnbildern enthaltene Lehre leichter bemercket / die Bitterkeit der Vernmahnung versüst / und die Lieblichkeit der Mahlerey und Poeterey kunstartig umit gesamter wolstädnigkeit an das Liecht gesetzt“ (§7) wird, so dass idealerweise ein Sinnbild nicht ohne beide Konstituenten, nicht ohne Text und Bild gemeinsam, dechiffriert werden könne (§23).

Die immer wieder dargestellten Zusammenhänge, in die die Emblematik gestellt wird, werden von Harsdörffer zum diskursiven Ordnungsmuster der Verständigung über die Eigenschaften des Gleichnisses. Die Ausführungen zur Sinnbildkunst werden im ersten Band der Gesprächspiele mit Ausführungen über das Gleichnis und die Gedächtniskunst vorbereitet, die Impresenkunst (Münzpreg) schließt sich ihr an. Somit entspricht die diskursive Entfaltung des Themas ziemlich genau den üblichen Abhandlungen über diesen Sachverhalt, mit einem entscheidenden Unterschied: Harsdörffer stellt sie nicht mehr in eine kulturhistorische Entwicklungsgeschichte, sondern behandelt sie unter dem erkenntnistheoretischem Interesse potentieller Wissensgenerierung qua Analogie. Das Gleichnis, so sagt Harsdörffer, sei die Quelle der inventio und es sein „nichts in der gantzen Welt zu finden / welches nicht durch die Gleichnis belanget werden könnte“ ([GPH ???]Der Eintrag existiert noch nicht.: Trichter, X, § 5, S. 54).


(Schluss: zum Ende der Emblematik)
Anmerkungen
  1. ↑ Zur Funktion der Topik innerhalb frühneuzeitlicher Wissensordnungen vgl. #.
  2. ↑ Vgl. [Neuber 1993a]Neuber, Wolfgang (1993): Locus. Lemma, Motto. Entwurf zu einer mnemonischen Emblematiktheorie. In: Berns, J. J. & Neuber, W. (Hg.), Ars memorativa. Zur kulturgeschichtlichen Bedeutung der Gedächtniskunst 1400-1750. Niemeyer, Tübingen.
    .
  3. ↑ Die offensichtliche Vertauschung der Seiten links und rechts in der Pictura wurde in späteren Ausgaben des «Emblematum liber» korrigiert.
  4. ↑ Vgl. ausführlich [Sulzer 1992a]Sulzer, Dieter (1992): Traktate zur Emblematik. Studien zu einer Geschichte der Emblemtheorien. W. J. Röhrig, St. Ingbert.
    Nicht angezeigt: Saarbrücker Beiträge zur Literaturwissenschaft. Bd. 22. Hg. v. Gerhard Sauder
    : S. 32-40, zuletzt auch [Scholz 2002a]Scholz, Bernhard F. (2002): Emblem und Emblempoetik. Historische und systematische Studien. Erich Schmidt, Berlin.
    : S. #.
  5. ↑ Zur Bedeutung der Topik als Ordnungssystem für die Emblematik vgl. [Scholz 2002a]Scholz, Bernhard F. (2002): Emblem und Emblempoetik. Historische und systematische Studien. Erich Schmidt, Berlin.
    , insbesondere 43-62 sowie [Kocher 2008a]Der Eintrag existiert noch nicht., [Kocher 2010a]Kocher, Ursula (2010): Bild und Gedanke. Georg Philipp Harsdörffers Emblematiktheorie. In: Thimann, M. & Zittel, C. (Hg.), Georg Philipp Harsdörffers «Kunstverständige Discurse». Beiträge zu Kunst, Literatur und Wissenschaft in der Frühen Neuzeit. Manutius, Heidelberg.
    , [Kocher 2011a]Kocher, Ursula (2011): „Die maechtige Bildung unserer Gedanken“. Zur Emblematiktheorie Georg Philipp Harsdörffers. In: Keppler-Tasaki, S. & Kocher, U. (Hg.), Georg Philipp Harsdörffers Universalität. Beiträge zu einem uomo universale des Barock. de Gruyter, Berlin, New York.
    und [Manns 2008a]Der Eintrag existiert noch nicht. sowie [Manns 2012a]Manns, Stefan (2012): Das Sakramentale am emblematischen Vollzug. In: Ertz, S. & Schlie, H. & Weidner, D. (Hg.), Sakramentale Repräsentation. Substanz, Zeichen und Präsenz in der Frühen Neuzeit. Fink, München.
    .
  6. ↑ Diese Systematik folgt der Systematisierung zur Erschließung Münchner Emblembücher; vgl. http://mdz1.bib-bvb.de/~emblem/dig-cpl.html oder auch die Strukturen unterschiedlicher Typen von Heckscher & Wirth #.
  7. ↑ In dieser Meinung sind sich Kunst- und Literaturwissenschaften einig; vgl. etwa [Green 1982a]Der Eintrag existiert noch nicht., [Scholz 2002a]Scholz, Bernhard F. (2002): Emblem und Emblempoetik. Historische und systematische Studien. Erich Schmidt, Berlin.
    und [Warncke 2005a]Warncke, Carsten-Peter (2005): Symbol, Emblem, Allegorie. Die zweite Sprache der Bilder. Deubner, Köln.
    .
  8. ↑ Vgl. zum Emblembegriff grundsätzlich [Miedema 1968a]Miedema, Hessel (1968): The Term ‘Emblema’ in Alciati. Journal of the Warburg and Courtauld Institutes, 31.
    , [Balavoine 1981a]Balavoine, Claudio (1981): Archéologie de l’emblème littéraire. La dédicace à Conrad Peutinger des Emblemata d’André Alciat. In: Jones-Davies, M. T. (Hg.), Emblèmes et devises au temps de la Renaissance. Touzot, Paris.
    .
  9. ↑ Zu Alciatus’ Quellen für das «Emblematum liber» vgl. [Köhler 1986a]Köhler, Johannes B. (1986): Der «Emblematum liber» von Andreas Alciatus (1492-1550). Eine Untersuchung zur Entstehung, Formung antiker Quellen und pädagogischer Wirkung im 16. Jahrhundert. Lax, Hildesheim.
    Nicht angezeigt: Beiträge zur Historischen Bildungsforschung. Bd. 3
    .
  10. ↑ Konstitutiv für die Impresen- wie für die Emblemtheorie wurden Giovios fünf Grundregeln für eine vollkommene Imprese: (1.) Wort (Seele) und Bild (Körper) haben in einem ausgewogenen Verhältnis zu bestehen, die Imprese darf (2.) nicht zu unverständlich, aber zugleich auch nicht zu einfach zu verstehen sein, sondern sie soll ein obscures Rätsel enthalten, das den Intellekt herausfordert. Sie soll (3.) angenehm zu betrachten sein und darf (4.) keine menschlichen Gestalten abbilden. Schließlich soll (5.) die fremdsprachige Inscriptio kurz sein – Giovio fordert eine Beschränkung auf drei Worte; zur normbildenden Bedeutung von Paolo Giovios «Dialogo» vgl. [Sulzer 1992a]Sulzer, Dieter (1992): Traktate zur Emblematik. Studien zu einer Geschichte der Emblemtheorien. W. J. Röhrig, St. Ingbert.
    Nicht angezeigt: Saarbrücker Beiträge zur Literaturwissenschaft. Bd. 22. Hg. v. Gerhard Sauder
    : S. 109-137; [Scholz 2002a]Scholz, Bernhard F. (2002): Emblem und Emblempoetik. Historische und systematische Studien. Erich Schmidt, Berlin.
    : S. 63-77 und [Scholz 2007a]Scholz, Bernhard F. (2007): Paolo Giovio als symbolorum pater. Zur Erfassung einer neuen Gattung durch die topische Poetik der Frühmoderne. In: Frank, T. & Kocher, U. & Tarnow, U. (Hg.), Topik und Tradition. Prozesse der Neuordnung von Wissensüberlieferungen des 13. bis 17. Jahrhunderts. Mit 21 Abbildungen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen.
    .
  11. ↑ „Heutigs Tags aber sein solche Wapen so gemeyn worden / daß sich deren schier entweder jeder Hellerrichtiger annimmet / oder jeder Höfling der alten eynfaltigen wolgegründten sich beschämet / vnd nach Engelländischem Mißbrauch mit vil Quartiren vnd Helmen verwirret“ ([Fischart 1581a]Fischart, Johann (1581): Kurtzer vnd Woldienlicher Vorbericht / von Vrsprung / Namen vnd Gebrauch der Emblematen / oder Eingeblömeten Zierwercken. In: Holtzwart, M. (Hg.), Emblematum Tyrocinia. Sive Picta Poesis Latinogermanica . Jobin, Straßburg.
    Webadresse: #
    : fol. b1v b2r).
  12. ↑ „Derivant illud ἀπὀ […] ἐμβάλλω, eò quod vasis, aliisque id genus utensilibus apud veteres inserebantur, revellebanturque, cum libitum erat“ [Zincgref 1664a]Zincgref, Julius Wilhelm (1664): Hundert ethisch-politische Embleme mit den Kupferstichen des Matthaeus Merian. Winter, Heidelberg.
    Notiz: Bd. 1: Emblematum Ethico-Politicarum Centuria. Faksimile der Editio ultima Heidelberg 1664. Bd. 2: Übersetzungen und Kommentare. Heidelberg 1986. Hg. v. Henkel, A. & Wiemann, W.
    : fol. ):( ):( 1r).
  13. ↑ Zum Zusammenhang der Renaissance-Hieroglyphik und der Emblematik s. bereits [Volkmann 1923a]Volkmann, Ludwig (1923): Bilderschriften der Renaissance. Hieroglyphik und Emblematik in ihren Beziehungen und Fortwirkungen. Hiersemann, Leipzig.
    .
  14. ↑ „Primi per figuras animalius […] AEgyptii sensus mentis effingebant […]“ [Zincgref 1664a]Zincgref, Julius Wilhelm (1664): Hundert ethisch-politische Embleme mit den Kupferstichen des Matthaeus Merian. Winter, Heidelberg.
    Notiz: Bd. 1: Emblematum Ethico-Politicarum Centuria. Faksimile der Editio ultima Heidelberg 1664. Bd. 2: Übersetzungen und Kommentare. Heidelberg 1986. Hg. v. Henkel, A. & Wiemann, W.
    : fol. ):( ):( 1r).
  15. ↑ „Huic accedit locupletissimus ab antiquitate testis Diodorus Siculus, qui, de literis, inquit, Aethiopicis, & his, quas Hieroglyphicas AEgyptiis nominans, aliquid dicendum ist. Prima istarum variis bestiis & hominum membris, instrumentisque fabrilibus potissimum assimiles sunt. Nam ars apud eos literaria non compositione syllabarum, sed descriptarum imaginum significant & translatione per exercitationem memoriae insculpta, subjectam orationem exprimit & absolvit” [Zincgref 1664a]Zincgref, Julius Wilhelm (1664): Hundert ethisch-politische Embleme mit den Kupferstichen des Matthaeus Merian. Winter, Heidelberg.
    Notiz: Bd. 1: Emblematum Ethico-Politicarum Centuria. Faksimile der Editio ultima Heidelberg 1664. Bd. 2: Übersetzungen und Kommentare. Heidelberg 1986. Hg. v. Henkel, A. & Wiemann, W.
    : fol. ):( ):( 1r).
  16. ↑ “At quis non videt, ex ijs quae diximus, Emblema generalissimum esse nomen, quo quaevis figura, sive picta, sive caelata, significatur, quodque sub ambitu suo complectatur illam alteram speciem Emblematum universalium, habentium aliquod noëma dogmaticum generale: vel significationem virtutis, vel detestationem vitij, vel denique instructionem ad prudentiam […]” ([Zincgref 1664a]Zincgref, Julius Wilhelm (1664): Hundert ethisch-politische Embleme mit den Kupferstichen des Matthaeus Merian. Winter, Heidelberg.
    Notiz: Bd. 1: Emblematum Ethico-Politicarum Centuria. Faksimile der Editio ultima Heidelberg 1664. Bd. 2: Übersetzungen und Kommentare. Heidelberg 1986. Hg. v. Henkel, A. & Wiemann, W.
    : fol. ):( ):( 3r-v). Diese und die folgenden Übersetzungen folgen der von Arthur Henkel und Wolfgang Wiemann auf der Basis der Editio ultima besorgten Ausgabe von 1664.
  17. ↑ „Cum igitur ea sit Emblematum natura, ut similitudine quadam, ad alia, quam quæ sensui exteriori offeruntur, intelligenda, trahant mentes nostras […]“ [Zincgref 1664a]Zincgref, Julius Wilhelm (1664): Hundert ethisch-politische Embleme mit den Kupferstichen des Matthaeus Merian. Winter, Heidelberg.
    Notiz: Bd. 1: Emblematum Ethico-Politicarum Centuria. Faksimile der Editio ultima Heidelberg 1664. Bd. 2: Übersetzungen und Kommentare. Heidelberg 1986. Hg. v. Henkel, A. & Wiemann, W.
    : fol. ):( ):( 4r).
  18. ↑ Im Rahmen der an der FU Berlin beheimateten DFG-Forschergruppe Topik und Tradition untersuchte das Projekt Imagines et Picturae eben diese emblematischen Sinnbildungsverfahren. Vgl. dazu [Kocher 2007a]Kocher, Ursula (2007): ‘Imagines’ und ‘picturae’. Wissensorganisation durch Emblematik und Mnemonik. In: Frank, T. & Kocher, U. & Tarnow, U. (Hg.), Topik und Tradition. Prozesse der Neuordnung von Wissensüberlieferungen des 13. bis 17. Jahrhunderts. Mit 21 Abbildungen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen.
    , [Manns 2007a]Manns, Stefan (2007): Nucleus emblematum. Überlegungen zu einer Semiotik des Emblems. In: Frank, T. & Kocher, U. & Tarnow, U. (Hg.), Topik und Tradition. Prozesse der Neuordnung von Wissensüberlieferungen des 13. bis 17. Jahrhunderts. Mit 21 Abbildungen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen.
    , [Manns 2009a]Manns, Stefan (2008): Topik und Gedächtnis. Text-Bild-Relationen und symbolische Kommunikation in der Ehrenpforte. Jahrbuch der Oswald von Wolkenstein-Gesellschaft, 17.
    Nicht angezeigt: = Kaiser Maximilian I (1459–1519) und die Hofkultur seiner Zeit, hg. v. Hartmann, S. & Löser, F.
    , [Kocher 2010a]Kocher, Ursula (2010): Bild und Gedanke. Georg Philipp Harsdörffers Emblematiktheorie. In: Thimann, M. & Zittel, C. (Hg.), Georg Philipp Harsdörffers «Kunstverständige Discurse». Beiträge zu Kunst, Literatur und Wissenschaft in der Frühen Neuzeit. Manutius, Heidelberg.
    sowie [Kocher 2011a]Kocher, Ursula (2011): „Die maechtige Bildung unserer Gedanken“. Zur Emblematiktheorie Georg Philipp Harsdörffers. In: Keppler-Tasaki, S. & Kocher, U. (Hg.), Georg Philipp Harsdörffers Universalität. Beiträge zu einem uomo universale des Barock. de Gruyter, Berlin, New York.
    . Die Abschlussmonografie erscheint Ende 2013.
  19. ↑ [Strasser 2000a]Strasser, Gerhard F. (2000): Emblematik und Mnemonik der Frühen Neuzeit im Zusammenspiel. Johannes Buno und Johann Justus Winckelmann. Harrassowitz, Wiesbaden.
    Notiz:
    Nicht angezeigt: Wolfenbütteler Arbeiten zur Barockforschung. Bd. 36
    : S. 41. – Dem widerspricht [Becker-Cantarino 2005a]Becker-Cantarino, Barbara (2005): Ut pictura poesis? Zu Harsdörffers Theorie der ‘Bildkunst’. In: Gerstl, D. (Hg.), Georg Philipp Harsdörffer und die Künste. Carl, Nürnberg.
    Nicht angezeigt: Schriftenreihe der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Bd. 10
    : S. 10: „Aber Harsdörffer als Theoretiker? Bekanntlich gilt das 17. Jahrhundert in Deutschland als ziemlich theorielos, wenn es um Kunsttheorie geht […].“
  20. ↑ [Harsdörffer 1968a]Harsdörffer, Georg Philipp (1968): Frauen­zimmer Gespräch­spiele. 8 Bd.. Niemeyer, Tübingen.
    Notiz: Faksimile der Nürnberger volume 1644-1649, hg. v. Böttcher, I.
    : Bd. 1, S. 73. – Zu Harsdörffers Emblemtheorie vgl. [Kocher 2010a]Kocher, Ursula (2010): Bild und Gedanke. Georg Philipp Harsdörffers Emblematiktheorie. In: Thimann, M. & Zittel, C. (Hg.), Georg Philipp Harsdörffers «Kunstverständige Discurse». Beiträge zu Kunst, Literatur und Wissenschaft in der Frühen Neuzeit. Manutius, Heidelberg.
    und [Kocher 2011a]Kocher, Ursula (2011): „Die maechtige Bildung unserer Gedanken“. Zur Emblematiktheorie Georg Philipp Harsdörffers. In: Keppler-Tasaki, S. & Kocher, U. (Hg.), Georg Philipp Harsdörffers Universalität. Beiträge zu einem uomo universale des Barock. de Gruyter, Berlin, New York.
    .
  21. ↑ Der Titel dieser kleinen Schrift, die mit 100 mehrständigen Sinnbildern aufwartet, ist Programm: «Neue Zugabe: C. Sinnbildern Welche auf Fahnen / Schaupfennige / in Stammbücher / Tapeten / Becher / Gläser / Flaschen / Schalen / Teller / zu Trauer und Freudengedichten / Wie auch zu andrer Zierlichkeit / nach Belieben / gebrauchet werden können»; vgl. JMG#.
  22. ↑ „[A]ls da ist der Glaub / in Gestalt einer Weibsperson / mit dem Kelch / Kreuz und Liecht / die hoffnung mit dem Acker / die Gedult mit dem Lamm etc.“ (§3).
  23. ↑ Die Aufzählung folgt der weitaus differenzierteren Systematik, die Dietmar Peil der Erschließung der Münchner Emblembuchbestände zugrunde legte. Sie und zahlreiche Digitalisate sind, wie eingangs erwähnt, hier## online verfügbar.
  24. ↑ Vgl. [Strasser 2000a]Strasser, Gerhard F. (2000): Emblematik und Mnemonik der Frühen Neuzeit im Zusammenspiel. Johannes Buno und Johann Justus Winckelmann. Harrassowitz, Wiesbaden.
    Notiz:
    Nicht angezeigt: Wolfenbütteler Arbeiten zur Barockforschung. Bd. 36
    , [Kocher 2008]Der Eintrag existiert noch nicht. und [Manns 2008]Der Eintrag existiert noch nicht..
  25. ↑ Zu Schönes Erklärung dieser Doppelfunktion vgl. S. 21–24 und zur Kritik an ihr bereits bei [Miedema 1968a]Miedema, Hessel (1968): The Term ‘Emblema’ in Alciati. Journal of the Warburg and Courtauld Institutes, 31.
    , [Sulzer 1992a]Sulzer, Dieter (1992): Traktate zur Emblematik. Studien zu einer Geschichte der Emblemtheorien. W. J. Röhrig, St. Ingbert.
    Nicht angezeigt: Saarbrücker Beiträge zur Literaturwissenschaft. Bd. 22. Hg. v. Gerhard Sauder
    : S. 32–40 und zuletzt ausführlich [Scholz 2002a]Scholz, Bernhard F. (2002): Emblem und Emblempoetik. Historische und systematische Studien. Erich Schmidt, Berlin.
    : S. 18–22 u. ö.
  26. ↑ Carsten Peter Warncke nennt eine deutsche Übersetzung der Handschrift, besorgt durch B. Trebatius, die 1515 in Augsburg erschienen sein soll. Nachweisbar ist eine lateinische Ausgabe der Hieroglyphica, Basel 1518 (= VD 16: H 4848).
  27. ↑ Pierio Valerianos Hieroglyphica sive de sacris Aegyptiorum aliarumque gentium literis erschien spät, nämlich erstmals 1556 in Basel im Druck. Ihm folgten zahlreiche Neuausgaben. Besonders bekannt wurde die Ausgabe Basel 1575.
  28. ↑ In dieser Meinung sind sich Kunst- und Literaturwissenschaften einig; vgl. etwa [Green 1982a]Der Eintrag existiert noch nicht., [Scholz 2002a]Scholz, Bernhard F. (2002): Emblem und Emblempoetik. Historische und systematische Studien. Erich Schmidt, Berlin.
    und [Warncke 2005a]Warncke, Carsten-Peter (2005): Symbol, Emblem, Allegorie. Die zweite Sprache der Bilder. Deubner, Köln.
    .
  29. ↑ Dazu: [Miedema 1968a]Miedema, Hessel (1968): The Term ‘Emblema’ in Alciati. Journal of the Warburg and Courtauld Institutes, 31.
    , [Balavoine 1981a]Balavoine, Claudio (1981): Archéologie de l’emblème littéraire. La dédicace à Conrad Peutinger des Emblemata d’André Alciat. In: Jones-Davies, M. T. (Hg.), Emblèmes et devises au temps de la Renaissance. Touzot, Paris.
    .
  30. ↑ Zum Ausdruck ‘verschroten’ vgl. [DWb ??]Der Eintrag existiert noch nicht. DWb, Bd. 25, S. 1166: „schnitzen des holzes, herstellen von schnitzwerk, eingelegter arbeit, dann auch auf andres material übertragen: emblemata, verschroten werck, oder die gewürffleten esterich oder wänd“.
  31. ↑ [Fischart 1581a]Fischart, Johann (1581): Kurtzer vnd Woldienlicher Vorbericht / von Vrsprung / Namen vnd Gebrauch der Emblematen / oder Eingeblömeten Zierwercken. In: Holtzwart, M. (Hg.), Emblematum Tyrocinia. Sive Picta Poesis Latinogermanica . Jobin, Straßburg.
    Webadresse: #
    : fol. b1v–b2r: „Heutig Tags [sind] solche Wapen so gemeyn worden / Daß sich deren schier entweder jeder Hellerrichtiger annimmet / oder jeder Höfling der alten eynfaltigen wolgegründten sich beschämet / vnd nach Engelländischem Mißbrauch mit vil Quartiren vnd Helmen verwirret.“
  32. ↑ Im Skript nicht korrekt lesbar!!! Griechisch?„Derivant illud á t... —m¥llw, eò quod vasis, aliisque id genus utensilibus apud veteres inserebantur, revellebanturque, cum libitum erat.“ [Zincgref 1664a]Zincgref, Julius Wilhelm (1664): Hundert ethisch-politische Embleme mit den Kupferstichen des Matthaeus Merian. Winter, Heidelberg.
    Notiz: Bd. 1: Emblematum Ethico-Politicarum Centuria. Faksimile der Editio ultima Heidelberg 1664. Bd. 2: Übersetzungen und Kommentare. Heidelberg 1986. Hg. v. Henkel, A. & Wiemann, W.
    , fol. ):( ):( 1r.
  33. ↑ „Primi per figuras animalius […] AEgyptii sensus mentis effingebant […].“ Ebd.
  34. ↑ “Non satis ergo vident, quid Emblema sit, qui quasius sententias, historias, fabulas vulgò tritas, vmbris figurarum, res eodem exprimentibus modo, aut quodlibet heroum dictum lemmate informatum, emblem existimant.” ([Sambucus 1566a]Sambucus, Johannes (1566): Emblemata et aliquot nummi antiqui operis. 2. ed. cum emendatione et auctario copioso ipsius auctoris. Plantin, Antwerpen.
    Nicht angezeigt: Reprint: Hildesheim, Zürich, New York: Olms, 2002
    : S. 4f.).
  35. ↑ „Cum igitur ea sit Emblematum natura, ut similitudine quadam, ad alia, quam quæ sensui exterior offeruntur, intelligenda, trahant mentes nostras;” ([Zincgref 1664a]Zincgref, Julius Wilhelm (1664): Hundert ethisch-politische Embleme mit den Kupferstichen des Matthaeus Merian. Winter, Heidelberg.
    Notiz: Bd. 1: Emblematum Ethico-Politicarum Centuria. Faksimile der Editio ultima Heidelberg 1664. Bd. 2: Übersetzungen und Kommentare. Heidelberg 1986. Hg. v. Henkel, A. & Wiemann, W.
    : fol. ):( ):( 4r).
  36. ↑ „[A]ls da ist der Glaub / in Gestalt einer Weibsperson / mit dem Kelch / Kreuz und Liecht / die hoffnung mit dem Acker / die Gedult mit dem Lamm etc.“ (§3)
Literatur
[Alciatus 1531a]Alciatus, Andreas (1531): Emblematum liber. Heinrich Steyner, Augsburg.[Alciatus 1967a]Alciatus, Andreas (1967): Emblematum Libellus. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt.[Balavoine 1981a]Balavoine, Claudio (1981): Archéologie de l’emblème littéraire. La dédicace à Conrad Peutinger des Emblemata d’André Alciat. In: Jones-Davies, M. T. (Hg.), Emblèmes et devises au temps de la Renaissance. Touzot, Paris.[Becker-Cantarino 2005a]Becker-Cantarino, Barbara (2005): Ut pictura poesis? Zu Harsdörffers Theorie der ‘Bildkunst’. In: Gerstl, D. (Hg.), Georg Philipp Harsdörffer und die Künste. Carl, Nürnberg.[Fischart 1581a]Fischart, Johann (1581): Kurtzer vnd Woldienlicher Vorbericht / von Vrsprung / Namen vnd Gebrauch der Emblematen / oder Eingeblömeten Zierwercken. In: Holtzwart, M. (Hg.), Emblematum Tyrocinia. Sive Picta Poesis Latinogermanica . Jobin, Straßburg.[Greene 1982a]Greene, Thomas M. Greene (1982): The Light in Troy. Imitation and Discovery in Renaissance Poetry. Yale University Press, New Haven, London.[Harsdörffer 1656a]Harsdörffer, Georg Philipp (1975): Der Grosse Schau-Platz jämmerlicher Mord-Geschichte. Beigebunden ist: Neue Zugabe: Bestehend aus C. Sinnbildern. Olms, Hildesheim, New York.[Harsdörffer 1968a]Harsdörffer, Georg Philipp (1968): Frauen­zimmer Gespräch­spiele. 8 Bd.. Niemeyer, Tübingen.[Harsdörffer 1969a]Harsdörffer, Georg Philipp (1969): Poetischer Trichter. Die Teutsche Dicht- und Reimkunst ohne Behuf der Lateinischen Sprache in VI Stunden einzugiessen. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt.[Heckscher & Wirth 1967a]Heckscher, William S. & Wirth, Karl-August (1967): Emblem, Emblembuch. In: Heydenreich, L. H. et al. (Hg.), Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte. Bd. 5. Email – Eselsritt. Metzler, Stuttgart.[Kocher 2007a]Kocher, Ursula (2007): ‘Imagines’ und ‘picturae’. Wissensorganisation durch Emblematik und Mnemonik. In: Frank, T. & Kocher, U. & Tarnow, U. (Hg.), Topik und Tradition. Prozesse der Neuordnung von Wissensüberlieferungen des 13. bis 17. Jahrhunderts. Mit 21 Abbildungen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen.[Kocher 2010a]Kocher, Ursula (2010): Bild und Gedanke. Georg Philipp Harsdörffers Emblematiktheorie. In: Thimann, M. & Zittel, C. (Hg.), Georg Philipp Harsdörffers «Kunstverständige Discurse». Beiträge zu Kunst, Literatur und Wissenschaft in der Frühen Neuzeit. Manutius, Heidelberg.[Kocher 2011a]Kocher, Ursula (2011): „Die maechtige Bildung unserer Gedanken“. Zur Emblematiktheorie Georg Philipp Harsdörffers. In: Keppler-Tasaki, S. & Kocher, U. (Hg.), Georg Philipp Harsdörffers Universalität. Beiträge zu einem uomo universale des Barock. de Gruyter, Berlin, New York.[Köhler 1986a]Köhler, Johannes B. (1986): Der «Emblematum liber» von Andreas Alciatus (1492-1550). Eine Untersuchung zur Entstehung, Formung antiker Quellen und pädagogischer Wirkung im 16. Jahrhundert. Lax, Hildesheim.[Manns 2007a]Manns, Stefan (2007): Nucleus emblematum. Überlegungen zu einer Semiotik des Emblems. In: Frank, T. & Kocher, U. & Tarnow, U. (Hg.), Topik und Tradition. Prozesse der Neuordnung von Wissensüberlieferungen des 13. bis 17. Jahrhunderts. Mit 21 Abbildungen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen.[Manns 2009a]Manns, Stefan (2008): Topik und Gedächtnis. Text-Bild-Relationen und symbolische Kommunikation in der Ehrenpforte. Jahrbuch der Oswald von Wolkenstein-Gesellschaft, 17.[Manns 2012a]Manns, Stefan (2012): Das Sakramentale am emblematischen Vollzug. In: Ertz, S. & Schlie, H. & Weidner, D. (Hg.), Sakramentale Repräsentation. Substanz, Zeichen und Präsenz in der Frühen Neuzeit. Fink, München.[Miedema 1968a]Miedema, Hessel (1968): The Term ‘Emblema’ in Alciati. Journal of the Warburg and Courtauld Institutes, 31.[Neuber 1993a]Neuber, Wolfgang (1993): Locus. Lemma, Motto. Entwurf zu einer mnemonischen Emblematiktheorie. In: Berns, J. J. & Neuber, W. (Hg.), Ars memorativa. Zur kulturgeschichtlichen Bedeutung der Gedächtniskunst 1400-1750. Niemeyer, Tübingen.[Schmidt-Biggemann 1983a]Schmidt-Biggemann, Wilhelm (1983): Topica universalis. Eine Modellgeschichte humanistischer und barocker Wissenschaft. Meiner, Hamburg.[Schmidt-Biggemann 2007a]Schmidt-Biggemann, Wilhelm (2007): Apokalypse und Philologie. Wissensgeschichten und Weltentwürfe der Frühen Neuzeit. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen.[Scholz 1997a]Scholz, Bernhard F. (1997): Emblem. In: Weimar, K. (Hg.), Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. de Gruyter, Berlin & New York.[Scholz 2002a]Scholz, Bernhard F. (2002): Emblem und Emblempoetik. Historische und systematische Studien. Erich Schmidt, Berlin.[Scholz 2007a]Scholz, Bernhard F. (2007): Paolo Giovio als symbolorum pater. Zur Erfassung einer neuen Gattung durch die topische Poetik der Frühmoderne. In: Frank, T. & Kocher, U. & Tarnow, U. (Hg.), Topik und Tradition. Prozesse der Neuordnung von Wissensüberlieferungen des 13. bis 17. Jahrhunderts. Mit 21 Abbildungen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen.[Schottelius 1663a]Schottel, Justus Georg (1663): Ausführliche Arbeit Von der Teutschen HaubtSprache. Zilliger, Braunschweig.[Schöne 1993a]Schöne, Albrecht (1993): Emblematik und Drama im Zeitalter des Barock. Beck, München.[Strasser 2000a]Strasser, Gerhard F. (2000): Emblematik und Mnemonik der Frühen Neuzeit im Zusammenspiel. Johannes Buno und Johann Justus Winckelmann. Harrassowitz, Wiesbaden.[Sulzer 1992a]Sulzer, Dieter (1992): Traktate zur Emblematik. Studien zu einer Geschichte der Emblemtheorien. W. J. Röhrig, St. Ingbert.[Volkmann 1923a]Volkmann, Ludwig (1923): Bilderschriften der Renaissance. Hieroglyphik und Emblematik in ihren Beziehungen und Fortwirkungen. Hiersemann, Leipzig.[Warncke 2005a]Warncke, Carsten-Peter (2005): Symbol, Emblem, Allegorie. Die zweite Sprache der Bilder. Deubner, Köln.[Zincgref 1664a]Zincgref, Julius Wilhelm (1664): Hundert ethisch-politische Embleme mit den Kupferstichen des Matthaeus Merian. Winter, Heidelberg.

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