Exkurs:Verifikationsverfahren

Aus Glossar der Bildphilosophie
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Exkurs zu: Modalität, Proposition


Die Wahrheit einer Proposition kann nur rela­tiv zu dem gemein­ten Kontext ange­geben werden. Bei einer singu­lären konkre­ten Propo­sition[1] ergibt sich Wahrheit (und Falsch­heit) aus dem Verhält­nis zwischen dem behaup­teten Sachver­halt und den Tatsa­chen in dem gemein­ten Kontext. Dabei muss unter­schieden werden, ob es möglich ist, die Geltung des behaup­teten Sachver­halts in dem Kontext empi­risch zu über­prüfen, oder ob direk­ter Zugang zu dem Kontext nicht möglich ist und daher nur ein logi­scher Abgleich mit dem Vorwis­sen gelingt.[2]


Verifikationsverfahren für singu­läre kon­krete Propo­siti­onen

  • Das allgemeine empirische Veri­fika­tionsver­fahren für singu­läre konkre­te Propo­siti­onen besteht darin, zunächst den durch die Kontext­bildung ange­gebe­nen Kontext aufzu­suchen, dort die durch die Nomi­natio­nen iden­tifi­zierten Gegen­stände zu finden und schließlich die durch die Prädi­kation ins Spiel gebrach­te Unter­scheidungs­praxis auf jene Gegen­stände anzu­wenden. Der Wahrheits­begriff ist damit korres­pondenz­theore­tisch gefaßt.
  • Ein Sonderfall tritt bei Loka­tionsan­gaben ein: Wird durch die Prädi­kation ein Gegen­stand loka­lisiert, dann sucht man gemein­hin nicht zunächst den Gegen­stand und prüft dann, ob er sich am prädi­zierten Ort befin­det; vielmehr sucht man den ange­gebenen Ort auf und prüft, ob sich der gemein­te konkre­te Gegen­stand dort befin­det. Diese Veri­fika­tionsum­kehr hängt mit der Bedeu­tung der Rauman­gaben für die Kontext­bildung zusam­men (vgl. [Tugendhat 1976a]Tugendhat, Ernst (1976): Vorlesungen zur Einführung in die sprachanalytische Philosophie. Suhrkamp, Frankfurt/M.
    : V. 26, insbes. S. 463-469).[3]
  • Ein allgemeines logisches Verifikationsverfahren kann für die singulären konkreten Propositionen zum Zuge kommen, wenn der Zielkontext nicht zur aktuellen Verhaltensituation, in der allein das empirische Verifikationsverfahren wirksam wäre, gemacht werden kann: Hierbei wird allein durch logisches Schließen die Verträglichkeit der Proposition mit dem Wissen über jenen Kontext getestet (vgl. hierzu Prädikation: Begriffe, begriffliche Argumente und logisches Schließen). Hier liegt daher ein kohärenztheoretischer Wahrheitsbegriff zugunde.


Verifikationsverfahren für andere Arten von Propositionen

Bei den anderen Typen von Propositionen wird Wahrheit auf verschiedene Weisen auf die Basisform der singulären konkreten Propositionen zurück bezogen:[4]

  • Das allgemeine Verifikationsverfahren für generelle konkrete Propositionen (bzw. extensional-abstrakte P.) besteht darin, die unter der Quantifikation zusammengefaßten Einzelfälle gemäß der entsprechenden Verifikationsverfahren für singuläre konkrete Propositionen zu überprüfen. Da es sich um eine endliche Menge handelt, terminiert der Entscheidungsalgorithmus, sobald bei Allquantifikation ein Gegenbeispiel oder bei Existenzquantifikation ein Beispiel gefunden wird, oder wenn alle Möglichkeiten überprüft sind. Da dieses Verifikationsverfahren auf dem für singuläre konkrete Propositionen beruht, ergeben sich analog logische und empirische Varianten.
  • Die Verifikationsverfahren für intensional-abstrakte Propositionen müssen darauf gerichtet sein zu überprüfen, ob eine prinzipiell auf unendlich viele Einzelfälle anwendbare Regel gilt. Die Wahrheit hängt also nur indirekt von bestimmten Kontexten ab. Da eine Überprüfung aller Einzelfälle nicht möglich ist, richtet sich die Verifikation in diesen Fällen normalerweise an der Korrektheit des Konstruktionsverfahrens für solche Regeln aus. Dabei spielen insbesondere die logischen Zusammenhänge zwischen den beteiligten Begriffen eine entscheidende Rolle. [5]


Anmerkungen
  1. ↑ Vgl. Ex­kurs: Ar­ten von Pro­po­si­ti­o­nen.
  2. ↑ Vgl. auch Wi­ki­pe­dia: Ve­ri­fi­ka­ti­on, so­wie Wi­ki­pe­dia: Be­weis (Lo­gik).
  3. ↑ Ge­nau­er: Da kon­kre­te Pro­po­si­ti­o­nen da­durch be­stimmt sind, dass man sich mit ih­nen auf raum­zeit­lich ver­or­te­te Ge­gen­stän­de be­zieht, tritt die Ve­ri­fi­ka­ti­ons­um­kehr ge­ra­de bei der Zu­schrei­bung der für die­se Art von Ge­gen­stän­den cha­rak­te­ris­ti­schen Ei­gen­schaft auf.
  4. ↑ Da begriffliche “Propositionen” einen stark tentativ-normativen Anteil haben, stellt sich bei ihnen nicht die Frage nach der Wahrheit, sondern nach ihrer Sinnhaftigkeit; vgl. [Ros 1999a]Ros, Arno (1999): Was ist Philosophie?. In: Raatzsch, R. (Hg.), Philo­sophie­ren über Philo­sophie. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig.
  5. ↑ Insofern mit diesen Regeln einerseits artikuliert werden kann, dass ein Sachverhalt in allen Kontexten gilt, oder andererseits, dass ein Sachverhalt wenigstens in einigen Kontexten gilt, können die alethischen Modallogiken eingesetzt werden.
Literatur
[Ros 1999a]Ros, Arno (1999): Was ist Philosophie?. In: Raatzsch, R. (Hg.), Philo­sophie­ren über Philo­sophie. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig.[Tugendhat 1976a]Tugendhat, Ernst (1976): Vorlesungen zur Einführung in die sprachanalytische Philosophie. Suhrkamp, Frankfurt/M.

Verantwortlich:

Seitenbearbeitungen durch: Joerg R.J. Schirra und Marcel Lemmes — (Hinweis)