Wahrnehmungstheorien: Übersicht

Aus Glossar der Bildphilosophie
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Hauptpunkt zu: Bild und Wahrnehmung


Kein Bild ohne Wahrnehmung

Trotz ihrer unterscheidlichen Ansätze sind sich phänomenologische Bildtheorien und semiotische Bildtheorien darüber einig, dass Bilder wesentlich etwas sind, was wahrgenommen wird. Für erstere ist die Wahrnehmbarkeit sogar das zentrale Moment der Bildhaftigkeit. Aber auch Zeichen müssen wahrge­nommen werden, um als Zeichen fungie­ren zu können. Das gilt auf jeden Fall unter der Annah­me, dass Zeichen kommu­nika­tive Enti­täten sind, das heißt: Gegen­stände, mit denen jemand etwas zu verste­hen geben will. Denn würden die in kommu­nika­tiver Absicht präsen­tierten Gegen­stände nicht wahrge­nommen werden, würde eine Kommu­nika­tion nicht stattfin­den (können). Für Zeichen im Allge­meinen und für Bilder im Beson­deren lässt sich daher voraus­setzen, dass es zum einen notwen­dig etwas gibt, das wahrge­nommen werden kann, also einen Zeichen- bzw. Bildträger, und dass es zum ande­ren jeman­den gibt, der den thema­tischen Zeichen­träger auch tatsäch­lich wahrnimmt. Die Mate­riali­tät des Zeichen­trägers und die Sensi­bili­tät des Zeichen­verwen­ders sind die beiden ele­menta­ren Voraus­setzun­gen, aus denen sich in entspre­chender Zuwen­dung und unter geeig­neten Umstän­den kommu­nika­tive Situ­ati­onen (oder gar Verstän­digung) ent­wickeln.

Die Verschränkung von medialer Materialität und perzep­tueller Sensi­bili­tät ist in beson­derer Weise für Bilder bedeut­sam, weil wir Bilder nicht nur als ein zu deco­dieren­des Mate­rial verwen­den, sondern übli­cherwei­se – semio­tisch gespro­chen – mit der Moti­viertheit der Darstel­lung rechnen und daher im Bild bzw. in der Gestal­tung des mate­riellen Bildträ­gers Anhalts­punkte für die Ermitt­lung der kommu­nika­tiven Gehal­te anneh­men bzw. suchen. Im Unter­schied hierzu bietet ein schriftli­cher Text (von den ergän­zenden bildli­chen Aspek­ten wie Layout, Typo­graphie etc. abge­sehen) in der Regel keine seman­tischen Hinwei­se auf mate­rieller Ebe­ne. Zwar können wir auch durch eine erneu­te Lektü­re zu einem besse­ren Verständ­nis eines Textes gelan­gen, aber dies hat eher mit den Aspek­ten des herme­neuti­schen Zirkels oder auch einfach nur mit der Leistungs­fähig­keit des Gedächt­nis zu tun, während wir bei der erneu­ten Betrach­tung eines Bildes unter Umstän­den Eigen­schaften und Zusam­menhän­ge erken­nen, die wir bislang noch nicht hatten wahrneh­men können. Entspre­chend ist die Beschrei­bung eines Bildes ganz prinzi­piell kein vollwer­tiger Ersatz des Bildes, da wir davon ausge­hen müssen, dass uns zu einen späte­ren Zeitpunkt und / oder in einen verän­derten Kontext ganz ande­re Eigen­schaften und Zusam­menhän­ge auffal­len werden.


Thematische Aufteilung

Für das Verständnis von Bildern ist nach dem Gesag­ten und in auffäl­liger Über­einkunft der meisten Bildfor­scher ein Bezug zur Wahrneh­mungstheorie essen­tiell. Etwas anders formu­liert: Wir verste­hen Bilder besser, wenn wir die hierbei betei­ligten Wahrne­hmungspro­zesse besser verste­hen. In den verschie­denen Unter­punkten werden entspre­chend in exem­plari­scher Weise wichti­ge Aspek­te des Wahr­nehmungs­vorgan­ges und der unter­schiedli­chen Wahrneh­mungstheo­rien behan­delt. Auf der Ebene des Wahrneh­mungsvor­gangs liegen etwa die Einträ­ge zu «Auge» und «Sehen», in denen die Voraus­setzun­gen und Diffe­renzie­rungen der betei­ligten Instan­zen und Prozes­se erläu­tert werden. Lemma­ta wie «Bildwahr­nehmung vs. Objekt­wahrneh­mung» oder «Farbwahr­nehmung» beschrei­ben die Beson­derhei­ten, die sich mit unter­schiedli­chen Wahrneh­mungsfor­men oder Wahrneh­mungsin­halten einstel­len. Schlagwor­te wie «Phäno­meno­logie des Bildes» gehen schließlich auf die Beson­derheiten der (visu­ellen) Erfah­rung ein, wenn Bilder wahrge­nommen werden.

Anmerkungen
Literatur

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Verantwortlich:

Seitenbearbeitungen durch: Joerg R.J. Schirra und Klaus Sachs-Hombach — (Hinweis)