Spanisch: 'imagen', 'efigie', 'cuadro', 'cromo'

Aus Glossar der Bildphilosophie
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Das Konzept „Bild“ wird im Spanischen durch zwei Lexeme aufgerufen: „cuadro“ (maskulinum), und „imagen“ (femininum). Sie sind stilistisch neutral und weisen verschiedene Bedeutungsspektren auf.


Aktuelle Bedeutung

„Cuadro“ ist ursprünglich ein geometrischer Begriff (im Spanischen ein Synonym für „quadrado“) und bedeutet „Rechteck“ bzw. „Viereck“. Ausgehend von dieser geometrischen Idee hat das Wort diverse Bedeutungen erlangt, wobei vor allem „Rahmen“ geläufig ist. Seine Verwendung für das Konzept „Bild“ ist dem entsprechend mit der Idee des Eingerahmtseins in Verbindung gebracht. In diesem Sinne, als „das von einem Rechteck umschlossene Bild“, wird der Begriff speziell in der Malerei verwendet.

„Imagen“ ist in seiner Bedeutung als „Bild“ weniger spezifisch: Der Begriff bezeichnet primär die „Figur“, das „Abbild“ oder auch das „Erscheinen“ von Etwas. Er kann darüber als das „Bildnis“ einer Gottheit oder eines Heiligen religiös konnotiert sein. Über die Dichotomie Urbild-Abbild hinaus ist „imagen“ im physikalischen Sinne als „Erzeugung der Umrisse eines Körpers durch Lichtstrahlen“ zu verstehen, rhetorisch als das „sprachliche Bild“, soziologisch wird das „Bild der Öffentlichkeit“ evoziert, das sich auf Personen, Dinge oder Ereignisse beziehen kann.


Etymologie und Begriffsgeschichte

„Cuadro“ ist aus dem lateinischen „quadrum“ („Viereck“) entstanden, das dem gleichen Wortstamm wie „quattuor“ („Vier“) angehört. Das Lexem ist mit der Schreibweise „quadro“ im Vulgärlateinischen der iberischen Halbinsel erstmals für das Jahr 968 dokumentiert, im frühen Spanisch des Hochmittelalters erstmals für das Jahr 1210. Im Covarrubias (1611), dem ersten Wörterbuch der spanischen Sprache, taucht der Begriff noch nicht auf. Dies könnte auf eine geringe Verbreitung zu jener Zeit verweisen, obwohl Beispiele, auch in der Bedeutung von „Bild“, in der Literatur zu finden sind („Auf dem ersten Bild [quadro] befanden sich vier bezaubernde Jungfrauen, deren vorderste auf dem Kopf eine glänzende edelsteinerne Krone trug, vom Maler mit größtmöglicher Sorgfalt dargestellt.“, Cristóbal Suárez de Figueroa, La constante Amarilis, 1609). Im Diccionario de Autoridades, dem ersten Wörterbuch der Königlich Spanischen Akademie (1726-39), erscheint „quadro“, ausgehend von der geometrischen Bedeutung, als Substantiv bereits in 10 Bedeutungsvarianten, den Bereich der Malerei im o. g. Sinne einschließend; darüber hinaus wird „quadro, -a“ im Sinne von „quadratisch“, aber auch „vollkommen“ bzw. „makellos“, als Adjektiv genannt. Seit 1817 ist die heutige Schreibweise „cuadro“ in den Wörterbüchern der Akademie angeführt.

„Imagen“ ist aus lat. „imago, - inis“ („Bild“, „Abbild“) entstanden. Die Milagros de Nuestra Señora von Gonzalo de Berceo, eine um die Mitte des 13. Jahrhunderts verfasste Sammlung von Marienerzählungen, gilt als erster schriftlicher Beleg. Hier deutet sich bereits die religiöse Konnotation des zu allen Epochen geläufigen Terminus an, die im Covarrubias besonders auffällig ist: „Im Allgemeinen bezeichnen wir Katholiken Figuren, welche unseren Herrn Jesus Christus, seine gesegnete Mutter und heilige Jungfrau Maria, seine Apostel, die übrigen Heiligen sowie die Geheimnisse des Glaubens, sofern diese überhaupt nachgebildet werden können, darstellen, als Bilder [imágenes].“ Das Diccionario de Autoridades gibt 3 Bedeutungsvarianten: Primär bezeichnet „imagen“ auch hier Darstellungsformen Christi, Marias oder der Heiligen, darüber hinaus wird, unter Bezugnahme auf die Porträtmalerei, ein „vollkommenes Antlitz“ als „Bild“ [imagen] bezeichnet, denn, so der Autor, „der Maler versucht ebenfalls, seiner Darstellung größtmögliche Schönheit und Vollkommenheit zu verleihen.“ Auf astronomischer Ebene schließlich findet sich die Bedeutung „himmlisches Bild“ [imagen celeste] im Sinne von Sternbild. Im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts weitet sich der Bedeutungsumfang aus (s. o.).

Verwandte Begriffe

Beide Begriffe entstammen jeweils einer großen Wortfamilie. Ausgewählte Beispiele seien im Folgenden kurz skizziert: Die Wortfamilie von „cuadro“ beinhaltet eine lange Reihe (das Diccionario de la lengua española de la Real Academia Española, 1992, führt 101 Einträge an) von Begriffen, die allesamt auf lat. „quadrum“ („Viereck“) bzw. „quattuor“ („Vier“) zurückzuführen sind. Im heutigen Spanisch geläufig sind neben dem Zahlwort „cuatro“ (maskulinum, „Vier“) vor allem das maskuline Substantiv „cuadrado“ („Viereck“, „Rechteck“) sowie die Adjektive „cuadrado, -a“ („viereckig“, „rechteckig“) und, synonym dazu, „cuadrático“; das abgeleitete Verb „cuadrar“ („quadrieren“), und damit verwandt, das maskuline Substantiv „cuadratura“ („Quadratur“) gehören dagegen bereits einem spezifischeren technisch-mathematischen Wortschatz an. Das Konzept „Bild“ wird durch die genannten Lexeme nicht aufgerufen.

Ein wenig überschaubarer ist die Wortfamilie von „imagen“, die sich laut Diccionario de la lengua española de la Real Academia Española (1992) auf 15 Lexeme erstreckt. Geläufig sind vor allem das feminine „imaginación“ („Einbildung“, „Einbildungskraft“), das Adjektiv „imaginario, -a“ („imaginär“) sowie das Verb „imaginar“ („sich einbilden“, „vorstellen“).


Anmerkungen
Literatur
[Covarrubias Orozco 1611a]Covarrubias Orozco, Sebastián de (1994): Tesoro de la lengua castellana o española. Nueva biblioteca de erudición y crítica, Madrid.[Real Academia Española 1992a]Real Academia Española (1992): Diccionario de la lengua española. Espasa Calpe, Madrid.[Suárez de Figueroa 1609a]Suárez de Figueroa, Cristóbal (1781): La constante Amarilis. Antonio de la Sancha, Madrid.[del Hierro 1732a]del Hierro, Francisco (1979): Diccionario de Autoridades. Bd. 2. D — Ñ. Editorial Gredos, Madrid.[del Hierro 1737a]del Hierro, Francisco (1979): Diccionario de Autoridades. Bd. 3. O — Z. Editorial Gredos, Madrid.

Verantwortlich:

Schmelzer, Felix

Seitenbearbeitungen durch: Dimitri Liebsch, Joerg R.J. Schirra und Marcel Lemmes — (Hinweis)