Glossar-English:Excursus: Actions
Excursus to: Bildrezeption als Kommunikationsprozess, Interaktion und Kommunikation
Two concepts of action with different scopesActions are usually contrasted with mere behavior, whereby the difference to the latter lies in the consciously pursued goal, the purpose of the action recognized by the actor himself (cf., for example, [Weber 2005a]Weber, Max (2005): Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriss der verstehenden Soziologie. Zweitausendeins, Frankfurt/M. Behavior, in general, and also the two action concepts are characterized by the presence of an activity carrier. A special form of behavior is that of biological activity carriers (see Fig. 1). While no purposes established by evolutionary processes are attributed to the behavior of inanimate activity carriers, for example, articulated with a sentence such as ‘the stone rolls into the valley’, this is certainly true for behavior in the narrower sense, namely of living beings, even if their activity carriers are far from consciously pursuing these purposes themselves: for example, ‘a plant blooms’ for the purpose of reproduction.[3] Actions in the broad sense stand between such behavior (in the narrow sense) and actions in the narrow sense: if not self-awareness, at least consciousness can be attributed to the biological activity bearer – especially simple forms of cognitions and intentions.[4] An observer interlinks the currently observable activity of the activity carrier with previous (especially in the case of cognitions) and future (especially in the case of intentions) activities, which are understood by the observer as a unit. Therefore, recognizing an action in the broad sense involves recognizing an action complex of the following form in an activity carrier: ‹doing something now because the activity carrier has previously done something related to it and wants to do something later that is also related to the current activity›.[5] However, the activity carrier, as such, is not aware of this connection. As observers, we can attribute to a dog that we see running towards the food bowl that it has seen the bowl and knows that it usually finds food there (cognition, connection to past activities) and also wants to eat immediately (intention, future activity). However, this connection between the activities of different times still takes place entirely at the observer level; although the dog is conscious, it is always entirely in the here and now. Erst wenn der Beobachter dem Aktivitätsträger zugesteht, dass dieser sich selbst relativ zu den kognitiven und intentionalen Aspekten eigener Handlungen (zunächst im weiten, dann auch im engen Sinn) verhalten kann, kann von »Selbstbewusstsein« und damit von »Handlungen im engen Sinn« die Rede sein. Denn letztlich können wir als Selbstbewusstsein zuschreibende Beobachter diese Zuschreibung nur anhand von entsprechendem Verhalten und entsprechenden Handlungen des betrachteten Aktivitätsträgers rechtfertigen. Allerdings hängt nun – im Gegensatz zu den Handlungen im weiten Sinn – die Zuschreibung auch davon ab, dass sich der betrachtete Aktivitätsträger dem Beobachter gegenüber selbst darstellt als einer der sich selbst bestimmte Kognitionen und Intentionen zuschreibt und also selbst die entsprechenden Beziehungen zu den über die aktuelle Tätigkeit hinausgehenden (Teil-)Handlungen berücksichtigt. Aktivitätsträger dieses Typs unterscheiden sich also deutlich von denen, die bei Handlungen im weiten Sinn (bzw. gar bei Verhalten) angesetzt werden. In der Monographie zum Materie-Geist-Problem von 2005 greift Arno Ros diese Unterscheidungen auf und ordnet dem Verhalten im engeren Sinn den Aktivitätsträgertyp »Lebewesen« zu, dem Handeln im weiten Sinn den Aktivitätsträgertyp »Handlungssubjekt« und dem Handeln im engen Sinn den Aktivitätsträgertyp »Person« (vgl. [Ros 2005a]Ros, Arno (2005): Materie und Geist. Eine philosophische Untersuchung. Mentis, Paderborn.
Schema und AktualisierungVerhalten und Handlungen – jeweils im engen wie im weiten Sinn – können in zwei wichtigen, aufeinander bezogenen Formen thematisiert werden: als einzelner Handlungsvollzug, d.h. als Instanz, und als allgemeines Handlungsschema, d.h. als Typus. Ein konkreter Handlungsvollzug – etwa die Handlung des Lesens dieses Satzes zu genau diesem Zeitpunkt an genau diesem Ort von diesem individuellen Handlungsträger – passiert und ist dann unwiederholbar vorbei und endgültig Vergangenheit. Ein abstraktes Handlungsschema hingegen, beispielsweise die Handlung »Lesen«, ist nicht raumzeitlich situiert und kann daher auch nicht vergehen. Auch kann sie beliebig oft wieder (jeweils als Instanz) vollzogen werden. Mit einem Handlungsausdruck kann je nach Kontext jeder der beiden Perspektiven zur Sprache gebracht werden. Als Typ verweist der Handlungsausdruck dann auf all das, was allen Handlungsvollzügen dieses Typs gemein ist – auf die entsprechende Unterscheidungsgewohnheit bzw. den zugehörigen Begriff. In der Tat können wir uns einer Handlungsinstanz auch immer nur als Instanz eines Handlungstyps zuwenden.[7] Bei den Handlungen im engeren Sinn erscheinen die beiden Perspektiven insbesondere als Ausführungs- oder Vollzugsaspekt (token: eine Handlung gemäß einem Schema konkret ausführen) einerseits und als Wahrnehmungs- oder Beschreibungsaspekt (type: eine ausgeführte konkrete Handlung als Realisierung eines Schemas erkennen und darstellen) andererseits. Es wird damit also eine Verbindung zu der Unterscheidung zwischen Beobachterebene (oder Ebene der dritten Person, Er-Perspektive) und der Ebene des Aktivitätsträgers (oder Ebene der ersten Person, Ich-Perspektive) gezogen (vgl. etwa [Janich 2005a]Janich, Peter (2005): Medienphilosophie der Kommunikation. In: Sandbothe, M. & Nagel (Hg.), Systematische Medienphilosophie. Akademie, Berlin. Komponenten von HandlungsschemataHandlungsschemata bestimmen allgemein die Elemente, die bei allen entsprechenden Handlungsvollzügen vorkommen. Dazu gehören, wie bei einem Theaterstück, zum einen die Rollen: die handelnden Personen bzw. Handlungssubjekte, aber auch die “Requisiten” – alle ebenfalls jeweils als Typ charakterisiert – gewissermaßen als Variablennamen für entsprechende mögliche konkrete Belegungen.[8] Erst im konkreten Handlungsvollzug, analog zu einer konkreten Aufführung des Theaterstücks, werden diese Rollenvariablen mit konkreten Instanzen des passenden Gegenstandstyps belegt. Zum anderen gehört das zeitlich (mehr oder weniger) geordnete System der Teilhandlungen zum Handlungsschema. Auch hier bieten die Teilhandlungen, die die Handlung eines Theaterstücks determinieren, ein gutes, wenn auch komplexes Beispiel. Zwischen dem Begriff der Teilhandlung und dem der Handlungsintention besteht zudem ein enger Zusammenhang.[9] Mißerfolg und Mißlingen von HandlungsaktualisierungenMit einer Handlungsaktualisierung kann das Handlungssubjekt das intendierte Handlungsziel erreichen oder auch nicht: Die Handlungs(aktualisierung) ist entsprechend erfolgreich oder nicht. Andererseits kann ein Aktualisierungsversuch gelingen oder misslingen. Im letzten Fall entspricht sie nicht dem durch das Schema gesetzten Standard. Gelingen und Erfolg sind also durchaus verschiedene Aspekte von Handlungsvollzügen, wie auch der bekannte ursprünglich medizinische Kommentar ‘Operation gelungen, Patient tot’ deutlich werden lässt, mit dem auch außerhalb der Medizin auf zwar das entsprechende Schema korrekt instanziierende Ausführungen einer Handlung referiert wird, die gleichwohl ihre eigentliche Intention verfehlt haben. Besondere Bedeutung kommt der Unterscheidung zwischen Gelingen und Erfolg bei Handlungen mit mehr als einem Handlungssubjekt zu, also insbesondere bei Interaktionen. Hier kann unterschieden werden zwischen solchen Handlungsschemata, die nur erfolgreich aktualisiert werden können, wenn mehrere Handlungsträger teilnehmen, und solchen, deren Aktualisierungen nur gelingen, wenn mehrere Handlungsträger teilnehmen. Im ersten Fall geht es um eine Handlung vom Typus der gemeinschaftlichen Handlungen, im zweiten Fall um so genannte Beteiligungshandlungen. Typisches Beispiel einer gemeinschaftlichen Handlung ist das Tragen eines Gegenstandes, wenn dieser so schwer ist, dass einer alleine es nicht schafft. Er mag sich noch so mühen und das Schema des Tragens von Gegenständen korrekt aktualisieren, der Gegenstand ist so nicht zu bewegen. Ein Beispiel für eine Beteiligungshandlung liefert ein Wettrennen: Hier gelingt es einem alleine nicht einmal, eine Aktualisierung des Schemas zu vollziehen, denn das Schema sieht hier unbedingt die Rolle eines Konkurrenten vom Gegenstandstyp »Handlungssubjekt« vor. Mit einem solchen mag dann das Schema korrekt aktualisiert werden und der erste Handlungsträger bei dem Rennen Erfolg haben, indem er es gewinnt.
Auswirkungen auf Kommunikations- und Zeichen(handlungs)begriffeOffensichtlich sind alle Interaktionen Beteiligungshandlungen, da Interaktionsschemata nur korrekt instantiiert werden können, wenn mehrere Handlungsträgerrollen belegt sind. Als spezielle Form der Interaktionen gilt das auch für Kommunikations- und Zeichenhandlungen. Bei Zeichenhandlungen ist es allerdings durchaus legitim, dass diese beiden Rollen von derselben Person eingenommen werden – das ist eine Konsequenz aus der Bestimmung der Zeichenhandlungen als denjenigen Kommunikationsschemata, bei denen die Handlungsträger den Zweck der Handlung selbst bewusst verfolgen (und nicht bloß evolutionär etablierte oder individualgeschichtlich antrainierte Ausdrucksbewegungen absolvieren). Die Verwendung des weit gefassten Handlungsbegriffs ermöglicht es, auch die nicht von den Handlungsträgern bewusst zum Zweck der Kommunikation eingesetzten kommunikativen Interaktionen als Kommunikationen im vollen Sinn zu betrachten. Das gilt etwa für Signale bei Tieren. Legt man nur den engen Handlungsbegriff zugrunde, werden alle Kommunikationen notwendig zu Zeichenhandlungen, denn diese sind ja eben durch den bewussten Einsatz zum Zweck der Kommunikation bestimmt, der dem engen Handlungsbegriff eignet. |
Anmerkungen
Literatur
[Janich 2005a]Janich, Peter (2005): Medienphilosophie der Kommunikation. In: Sandbothe, M. & Nagel (Hg.), Systematische Medienphilosophie. Akademie, Berlin.[Plessner 1928a]Plessner, Helmuth (1928): Die Stufen des Organischen und der Mensch. W. de Gruyter, Berlin.[Ros 1979a]Ros, Arno (1979): Objektkonstitution und elementare Sprachhandlungsbegriffe. Hain, Königstein/Ts.[Ros 1989/90a]Ros, Arno (1989): Begründung und Begriff. Wandlungen des Verständnisses begrifflicher Argumentationen. Meiner, Hamburg.[Ros 2005a]Ros, Arno (2005): Materie und Geist. Eine philosophische Untersuchung. Mentis, Paderborn.[Weber 2005a]Weber, Max (2005): Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriss der verstehenden Soziologie. Zweitausendeins, Frankfurt/M. Ausgabe 1: 2013 Verantwortlich: Lektorat: Seitenbearbeitungen durch: Joerg R.J. Schirra und Marcel Lemmes — (Hinweis) Zitierhinweis: [Schirra 2013g-k]Schirra, Jörg R.J. (2013). Handlungen (Exkurs). (Ausg. 1). In: Schirra, J.R.J.; Halawa, M. & Liebsch, D. (Hg.), Glossar der Bildphilosophie. (2012-2026). [bildglossar.org/index.php?title=Exkurs:Handlungen]. |
