Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem

Aus Glossar der Bildphilosophie
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Unterpunkt zu: Zeichentheorien: Übersicht


Es gibt viele unterschied­liche Verwen­dungswei­sen des Ausdrucks ‘Zeichen’,[1] was seinen Einsatz in der Bild­philo­sophie kompli­ziert macht. Im Folgen­den soll nur auf die bild­philo­sophisch rele­vantes­ten Aspek­te der Zeichen­diskus­sion einge­gangen werden.


Kommunikative Interaktionen und Zeichen­handlun­gen

Von Kritikern wird den semio­tischen Bild­theorien häufig vorge­worfen, dass in ihnen allein die Darstel­lungsfunk­tion eines Bildes fokus­siert werde. Medien­theore­tische Ansätze klagen seine kommu­nika­tiven Aspekte ein, während wahrneh­mungstheo­reti­sche Posi­tionen die Arbi­trari­tät und Konven­tiona­lität kriti­sieren, die sie unter­stellen, wenn Bilder als eine Art von Zeichen verstan­den werden.

Beide Kritiken richten sich an Zeichen­begrif­fen aus, die zwar in der “Vor- und Frühge­schichte” der Semio­tik häufi­ger verwen­det wurden: ‹Ein Ding, das für ein ande­res steht› bzw. ‹eine Vorstel­lung, die willkür­lich für eine ande­re Vorstel­lung eintritt›. Die damit umris­senen onto­logi­schen oder menta­listi­schen Zeichen­begrif­fe sind in der Tat wenig geeig­net, die charak­teris­tischen Eigen­heiten von Bildern zu erfas­sen. Doch spricht nichts gegen Zeichen­begrif­fe, die – nicht zuletzt in der Folge des linguis­tic turn – aus einem weiten Kommu­nika­tionsbe­griff handlungs­theore­tisch ent­wickelt werden. Als eine solche Ausgangs­basis bietet sich etwa die Unter­scheidung zwischen sachbe­zügli­chen und kommu­nika­tiven Inter­aktio­nen an. Zeichen­gebrauch wird damit als eine Handlung[2] begrif­fen, die zwischen zwei Handlungs­subjek­ten stattfin­det.[3] Die Rollen dieser beiden Agen­ten werden meist als ‘Sender’ und ‘Empfän­ger’ (oder auch ‘Produ­zent’ und ‘Rezi­pient’) bezeich­net. Die Pointe der kommu­nika­tiven Inter­aktio­nen liegt darin, dass sich hier der Sender an den Empfän­ger richtet, indem er sich selbst in beson­derer Weise darstellt. In dieser Selbstdar­stellung (Osten­tion) wird für den Empfän­ger etwas Drittes erkenn­bar – das Darge­stellte, bei dem es sich etwa auch um einen fikti­ven Sachver­halt handeln kann, den wahrzu­nehmen der Sender sich darstellt. Es ist offen­sichtlich, dass ein auf diesen verschach­telten Handlungs­typus gegrün­deter Zeichen­begriff sehr viel komple­xer ist, als der unmit­telbar an der Darstel­lungsfunk­tion orien­tierte der frühen Semio­tik.

Anzeichen und Signa­le

Zum einen fällt auf, dass der handlungs­theore­tische Kommu­nika­tionsbe­griff Anzei­chen (Sympto­me) nicht mehr ohne weite­res als Zeichen zu verste­hen erlaubt. Zwar ist es möglich, Anzei­chen als Zeichen für das sie verur­sachen­de Phäno­men zu verwen­den, doch muss dann zumindest die entspre­chende Selbstdar­stellung eines Senders in einer kommu­nika­tiven Inter­aktion hinzu­treten (⊳ “natür­liche” Bilder). Beispiels­weise ist nämlich Rauch, obzwar ein Symptom von Feuer, als solcher noch kein Zeichen für Feuer; er kann aber von jeman­dem in einer kommu­nika­tiven Inter­aktion dafür verwen­det werden, den Empfän­ger auf Feuer aufmerk­sam zu machen.[4] Das Problem der Auffas­sung, dass Anzei­chen eine Art von Zeichen seien, besteht also im Wesent­lichen darin, dass sie (in der Regel) keine kommu­nika­tiven Inter­aktio­nen sind und ihnen die entspre­chenden Handlungs­subjek­te – Sender und Empfän­ger – fehlen.

Das gilt für (tierische) Signale nicht.[5] Der Warnschrei eines Affen vor einem Raubtier, die pulsie­rende Färbung eines Kraken vor einem Geschlechts­partner oder das Fletschen der Zähne eines Hundes einem ihn ärgern­den Kind gegen­über sind zweifels­frei Fälle von kommu­nika­tiver Inter­aktion mit der dafür charak­teris­tischen Selbstdar­stellung des Senders. Gleichwohl sollen sie nicht als Instan­zen von Zeichen gelten. Der Grund liegt darin, dass die dabei zu beobach­tende Selbstdar­stellung nur für den Beobach­ter den Zweck der Kommu­nika­tion erfüllt; für den Handeln­den selbst ist dieser Zweck (noch) nicht zugäng­lich.

Aus diesem Grund auch lässt sich bei Signa­len stets die Sender­bedeu­tung von der Empfän­gerbe­deutung unter­scheiden: Im dafür ange­setzten beha­vioris­tischen Bedeu­tungsbe­griff ist erste­re durch die (von einem Beobach­ter als solche genom­menen inne­ren und äuße­ren) Voraus­setzun­gen gege­ben, die für den Sender vorlie­gen müssen, dass er das Signal äußert, während letzte­re den durch den Empfang des Signals (in den Augen des Beobach­ters) ausge­lösten Akti­vitä­ten entspricht. Für Zeichen soll hinge­gen gelten, dass ihre Bedeu­tung für Sender und Empfän­ger selbst diesel­be ist.[6]

Zeichenhandlungen und die kommu­nika­tive Inten­tion

Ab­bil­dung 1: Hi­e­r­ar­chi­sche Ein­bet­tung des Zei­chen­be­griffs in die Hand­lungs­be­grif­fe und ihr Um­feld

Zei­chen­hand­lun­gen un­ter­schei­den sich von an­de­ren kom­mu­ni­ka­ti­ven In­ter­ak­ti­o­nen (ins­be­son­de­re Sig­na­len) da­durch, dass sie von den be­tei­lig­ten Hand­lungs­sub­jek­ten mit Ein­sicht in ih­ren Zweck ver­wen­det wer­den. Sen­der und Emp­fän­ger kom­mu­ni­zie­ren al­so nicht ein­fach nur mit­ein­an­der, in­dem sie et­wa ei­nem er­lern­ten Hand­lungs­mus­ter fol­gen (‹in der und der Si­tu­a­ti­on: tue dies!›), wo­bei der ei­gent­li­che Zweck der (Ge­samt-)Hand­lun­gen nur ei­nem ex­ter­nen Be­o­bach­ter klar ist. Sie tun das viel­mehr im ei­ge­nen Be­wusst­sein des da­mit ver­folg­ten Ziels der Ver­stän­di­gung mit ei­nem (auch vor­ge­stell­ten) an­de­ren (‹tue dies, um dich mit dem an­de­ren zu ko­or­di­nie­ren›). Zeichen­handlun­gen sind also genau die kommu­nika­tiven Inter­akti­onen, die zugleich Handlun­gen im enge­ren Sinn sind.[7]

Ein Zeichenhandelnder stellt sich damit einem ande­ren gegen­über (oder sich selbst in der Rolle des Rezi­pienten) stets insbe­sonde­re dar als ein Wesen, das eine kommu­nika­tive Inter­aktion mit diesem Gegen­über durchführt: Der Produ­zent stellt sich also dar als einer, der sich darstellt als einer, der sich einer bestimm­ten Situ­ation gegen­über sieht (die kursi­ve Passa­ge arti­kuliert genau das Sender­verhal­ten bei kommu­nika­tiven Inter­aktio­nen ganz allge­mein). Ana­loges gilt für den Rezi­pienten, der sich darstellt als einer, der an einer kommu­nika­tiven Inter­aktion verste­hend teilnimmt. Während bei signal­haften kommu­nika­tiven Inter­aktio­nen der rezep­tive Teilneh­mer keine Osten­tation zu vollzie­hen braucht, ändert sich eben das bei Zeichen­handlun­gen. Indem die Osten­tation auf diese zweifa­che Weise verdop­pelt wird, eröff­net sich für die Handeln­den selbst die Möglich­keit, die produ­zenten­seiti­ge Bedeu­tung und die rezi­pienten­seiti­ge Bedeu­tung aufein­ander zu bezie­hen und damit letzt­lich: sie zu einer einzi­gen, kontrol­liert geteil­ten Bedeu­tung zu verein­heitli­chen. Eben das bildet die Grundl­age dafür, dass sich bei Zeichen ein von ande­ren Kompo­nenten der Zeichen­handlung sepa­rierba­rer Sachbe­zug festle­gen lässt.[8]

Ab­bil­dung 2: Das tra­di­ti­o­nel­le se­mi­o­ti­sche Drei­eck nach [Richards & Ogden 1923a]Richards, I.A. & Ogden, R.G. (1923): The Meaning of Meaning. Routledge & Kegan Paul, London.
(hier in der Fas­sung von [Bußmann 1983a]Bußmann, Hadumod (1983): Lexikon der Sprachwissenschaft. Kröner, Stuttgart.
)

Um­ge­kehrt öf­fnet die ge­mein­sa­me und se­pa­rier­te Be­deu­tung den Blick auch für den rein phy­si­schen As­pekt der Zei­chen­hand­lung: den Zei­chen­trä­ger. Erst in die­ser kom­ple­xen Hand­lungs­kon­stel­la­ti­on macht das se­mi­o­ti­sche Drei­eck als für die Han­deln­den selbst un­ter­scheid­ba­re Or­ga­ni­sa­ti­on von As­pek­ten ei­ner ent­spre­chen­den Hand­lungs­aus­füh­rung Sinn: der Zei­chen­trä­ger als Be­zeich­nen­des (Abb. 2: „Sym­bol“), der Sach­be­zug als Be­zeich­ne­tes („Re­fe­rent“) und der bei­des al­ler­erst zu­sam­men­bin­den­de Voll­zug ei­ner (ele­men­ta­re­ren) kom­mu­ni­ka­ti­ven In­ter­ak­ti­on (in den Stan­dard­fas­sun­gen des se­mi­o­ti­schen Drei­ecks meist ver­kürzt zu „Ge­dan­ke/Be­zug“).[9]

Regeln und Gewohnheiten: Zeichen­systeme

Im Gegensatz zum einfachen Ausführen von elementaren Kommunikationshandlungen werden mit dem Zeigen solcher Handlungen die entsprechenden Teilhandlungen und ihr Zusammenspiel zumindest partiell den Kommunizierenden selbst bewusst.[10] Das heißt insbesondere, dass sie dem Zeichenhandelnden als jeweils eine von verschiedenen Alternativen erscheinen, zwischen denen er sich entscheiden kann – und zwischen denen entscheiden zu können er auch dem Kommunikationspartner unterstellt. Die Zeichenhandlung ist damit eine Kommunikationshandlung, die als Teil eines ganzen Systems möglicher Varianten zu verstehen ist: Sie ist ein Element eines Zeichensystems.

Zwar bilden auch Signale durchaus Systeme von Alternativen: Die Warnschreie bestimmter Primaten (wie auch die Reaktionen darauf) sind etwa nach dem gesichteten Feind differenziert – Leopard, Adler oder Python. Was für einen ethologischen Beobachter schnell als Zusammenhang zwischen verschiedenen, alternativen Signalausprägungen eines gemeinsamen Schemas herauszufinden ist, kann gleichwohl von nicht-zeichenverwendenden Tieren noch nicht in einen regelhaften Zusammenhang gebracht werden, da sie sich jeweils nur auf die aktuelle Situation und die darin vorzuführende auf einen Fall beschränkte Selbstdarstellung beziehen können. Die zu beobachtenden Regelmäßigkeiten sind Gewohnheiten, die nicht wie Regeln durch wechselseitige (d.h. interindividuelle) Abstimmungen der Handelnden selbst kontrolliert werden und sich in ihren Ausprägungen nur “hinter dem Rücken der Akteure” (etwa durch evolutionäre Prozesse) verändern.

Erst mit der Kompetenz zu Zeichenhandlungen gewinnen die Handelnden auch die Fähigkeit, diese Gewohnheiten miteinander abzustimmen, sie zu echten Regeln umzuformen. Der Umfang alternativer Zeichenhandlungen, die ein Zeichensystem bilden, ist daher durch Regeln bestimmt: Die Alternativen können dabei auf der syntaktischen, der semantischen oder der pragmatischen Ebene auftreten.[11]


‘Zeichen’ als »Zeichen­träger« und als »Zeichen­hand­lungs­sche­ma­ta«

Umgangssprachlicher Zeichen­begriff

In der Umgangssprache wird mit dem Ausdruck ‘Zeichen’ häufig auf den Zeichenträger als einem von der Zeichenhandlung abtrennbaren Gegenstand hingewiesen. Das geschieht besonders häufig, wenn der Zeichenträger außerhalb seiner Zeichenfunktion verwendet wird: ‘Stelle das Plakat hinter das Halteverbotszeichen!’ (statt ‘Schild’) Allerdings wird diese außer-semiotische Verwendungsweise oft auch als Basis für den alltagsprachlichen Zeichenbegriff genutzt, der damit als ein unilateraler Zeichenbegriff bestimmt werden kann, bei dem das Zeichen nur über die Eigenschaften eines einzigen Gegenstandes (des Zeichenträgers) charakterisiert wird.

Ein solcher unilateraler Bildbegriff liegt gelegentlich auch medieninformatischen Darstellungen zugrunde: Die digitale Kodierung von Bildern in einer Bilddatei (beispielsweise als jpg oder tiff), welche üblicherweise von Informatikern einfach als ‘Bild’ bezeichnet wird, ist tatsächlich lediglich eine Beschreibung von syntaktischen Elemente des eigentlichen Bildzeichens, das Datei-Format eine Notation nur für Bildträger.

Diese Betrachtungsweise verschleiert allerdings den Blick darauf, dass (1) eine weitere Entität – das, was bezeichnet wird – eine den Gegenstand als Zeichen bestimmende Rolle spielt, und dass darüber hinaus (2) diese Bedeutungsbeziehung sich nur in einem bestimmten Handlungsrahmen – nämlich einer Kommunikation – instantiieren lässt, so dass zwei weitere Rollen (‘Sender’ und ‘Empfänger’) ebenfalls zur Definition des Zeichenbegriffs notwendig gehören.

Bilaterale und multilaterale Zeichenbegriffe

Bilaterale (oder dyadische) Zeichenbegriffe, wie etwa der von Saussure ([Saussure 1916a]Saussure, Ferdinand de (1916): Cours de linguistique générale. Payot, Paris.
Notiz: Deutsch: Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft. 3. Aufl. Berlin 2001
) aber auch schon von Aristoteles ([Keller 1995a]Keller, Rudi (1995): Zeichentheorie. Zu einer Theorie semiotischen Wissens. Francke, Tübingen, Basel.
), versuchen im Wesentlichen das beim unilateralen Begriff erwähnte Problem (1) zu beheben, wird hier doch ein Zeichen als Gegenstand verstanden, sofern er eine semantische Beziehung zu einem weiteren Gegenstand aufweist. Je nach Theorie kann dieser zweite Gegenstand insbesondere ein mentaler Gegenstand (eine Vorstellung), ein Abstraktum (etwa eine Klasse) oder ein Konkretum (physischer Einzelgegenstand) sein. Alle Verwendungen des Zeichenträgers als Zeichen beruhen aber auf der Bedeutungs- oder Darstellungsrelation.[12]

Abbildung 3: Das Organon-Modell von Bühler

Bei multilateralen Zeichenbegriffen, wie sie etwas von Bühler ([Bühler 1934a]Bühler, Karl (1965): Sprachtheorie. Die Darstellungsfunktion der Sprache. Fischer , Stuttgart.
) und Peirce ([Peirce 1983a]Peirce, Charles S. (1983): Phänomen und Logik der Zeichen. Suhrkamp, Frankfurt/M.
Nicht angezeigt: hg. u. übers. v. Helmut Pape
) vorgeschlagen wurden, ist die Darstellungsfunktion hingegen nur ein Aspekt des Zeichens, neben den andere pragmatische Aspekte treten, die auf die Zeichenverwender fokussieren und damit auch auf die Aktivitäten, die mit der Zeichenhandlung in Zusammenhang stehen (sollen) und so ihre Bedeutung im weiteren Sinn bestimmen. Damit ergeben sich also auch Ansätze zur Behebung des oben erwähnten Problems (2). Das Organon-Modell Bühlers etwa integriert den Zeichen immanenten Interaktionsaspekt, indem es den beiden beteiligten Aktivitätsträgern schematisch jeweils spezifische mit der Zeichenhandlung vollzogene Funktionen zuordnet, nämlich die Ausdrucksfunktion für den Sender und die Appellfunktion für den Empfänger (Abb. 3).

Handlungstheoretischer Zeichen­begriff

Bühler und Peirce entwickeln zwar einen bereits dezidiert auf Handlung ausgerichteten Zeichenbegriff. Doch bleiben sie bei dessen Ausarbeitung noch stark an der semiotischen Tradition des bilateralen Zeichenbegriffs orientiert: So ist etwa der Interpretant eines Zeichens bei Peirce zunächst eine Art mentales Zeichen, das der Zeichennutzer zur Interpretation des “äußeren” Zeichens erzeugt (und zu dessen Interpretation er jeweils weitere Interpretanten hinzuzieht). Die Kette der Interpretanten führe schließlich zum „ultimate logical interpretant“, den Kuno Lorenz als Änderung einer Verhaltensgewohnheit – „habit change“ – interpretiert ([Lorenz 1990a]Lorenz, Kuno (1990): Einführung in die philosophische Anthropologie. WBG, Darmstadt.
Notiz: (<sup>2</sup>1992)
: S. 121), so dass hier endlich die Verankerung des Zeichens in Handlungen erfolgt.

Nun steht Lorenz in der Tradition des Erlanger Konstruktivismus von Kamlah und Lorenzen, der in der Folge des linguistic turns und der handlungstheoretischen Umdeutung psychischer Phänomene bei Mead, Wittgenstein, v. Holst u.a. einen weniger mentalistischen Zeichenbegriff aus dem Begriff der Zeichenhandlung entwickelt hat. Fokussiert wird dabei nicht der Zeichenträger, der etwas bedeutet, indem er in einer speziellen Form von Handlung benutzt wird, sondern das, was als allen Ausführungen einer Art von Zeichenhandlungen (allen „Aktualisierungen“ dieses Typs) gemein bestimmt wird: Ein Zeichen im Sinne von Kamlah, Lorenzen und auch Lorenz ist das Handlungsschema einer Zeigehandlung (= Vorführhandlung, d.h. das Schema einer bewussten kommunikativen Interaktion; [Kamlah & Lorenzen 1973a]Kamlah, Wilhelm & Lorenzen, Paul (1973): Logische Propädeutik. Vorschule des vernünftigen Redens. BI Wissenschaftsverlag, München.
Nicht angezeigt: 2. Aufl. (<sup>1</sup>1967, <sup>3</sup>1996)
, [Lorenz 1970a]Lorenz, Kuno (1970): Elemente der Sprachkritik – Eine Alternative zum Dogmatismus und Skeptizismus in der Analytischen Philosophie. Suhrkamp, Frankfurt/M.
).

Das Beziehungsgeflecht zwischen einer Zeichenhandlung und ihren Teilhandlungen einerseits und den kontextuellen Aktivitäten (insbesondere die jeweils dabei vorausgesetzten Vorbereitungshandlungen und die verursachten Folgehandlungen) andererseits werden auf diese Weise wesentlich unmittelbarer in den Fokus der semiotischen Betrachtung gerückt. Es geht nicht um materielle Gegenstände, sondern um äußerst komplexe Formen von Interaktionen.

Dieses Vorgehen trägt daher auch der Eigentümlichkeit bestimmter Zeichenhandlungen Rechnung, bei denen der Zeichenträger gar kein von der Zeichenverwendung separierbarer Gegenstand ist: Wenn etwa ein Fahrradfahrer an einer Kreuzung mit der linken Hand Wedelbewegungen ausführt, um den anderen Verkehrsteilnehmern zu verstehen zu geben, dass er beabsichtigt, nach links abzubiegen - dann ist das durchaus ein klarer Fall von Zeichenverwendung. Gleichwohl ist es hier schwierig, den Zeichenträger unabhängig von der Zeichenhandlung überhaupt zu bestimmen.

Abtrennbare und insbesondere als solche über die eigentlichen Zeichenteilhandlung hinaus bestehende (d.h. persistente) Zeichenträger werden entsprechend nicht einfach ‘Zeichen’ genannt – auch nicht abkürzend – sondern als ‘Marken’ bezeichnet.[13] Eine Marke kann dem Empfänger als Symptom für die vorgängige produzentenseitigen Teilhandlungen dienen, die er sich vorstellt und nun durch die entsprechenden rezipientenseitigen Teilhandlungen zu einer Zeichenhandlung vervollständigen kann: Er stellt sich anhand des vorliegenden Gegenstandes sich selber gegenüber dar als einer, der an einer kommunikativen Interaktion unter Beteiligung der Marke in Gegenwart eines vorgestellten Senders verstehend teilnimmt.


Sprachliche Zeichen

Sicherlich ist Sprache das am besten untersuchte Zeichensystem.[14] Die Struktur sprachlicher Zeichen hat entsprechend die Begrifflichkeit der Zeichentheorie stark geprägt. Kritiker des semiotischen Bildbegriffs äußern in der Folge gelegentlich die Befürchtung, dass eine dezidiert am Zeichenbegriff ausgerichtete Bildtheorie zu sprachlastig operiere und dadurch die Unterschiede, die zwischen Bild und Wort bestehen, nicht hinreichend beachtet würden (⊳ Ikonische Differenz).

Allerdings ist weder der Ausdruck ‘Zeichen’ synonym mit ‘sprachliche Zeichen’ noch der Terminus ‘Zeichensystem’ mit ‘Zeichensprache’. Sprachliche Zeichen sind auch nicht dasselbe wie Sprache(n) im Sinne der Linguistik, die sich semiotisch eher als Wort/Satz-sprachliche Zeichensysteme (s.u.) charakterisieren lassen.

Verallgemeinerter Sprachbegriff und nicht-sprachliche Zeichen­systeme

Gegenüber dem primär an der Linguistik ausgerichteten (engen) Sprachbegriff kann eine allgemeinere semiotische Unterscheidung ins Feld geführt werden, die darauf beruht, dass die Zeichen eines Zeichensystems sich – in einem weiten Sinne – syntaktisch gliedern lassen: Die zugehörigen Zeichenhandlungsschemata bestehen aus Teilen, die in unterschiedlichen Kombinationen verschiedene Zeichen des Systems konstituieren (siehe nochmals Abb. 1). Bei nicht-sprachlichen Zeichensystemen liegt mithin keine solche Gliederung vor. Das System besitzt keine Morphologie, mit deren Hilfe sich die einzelnen Zeichen bereits anhand von Eigenschaften des Zeichenträgers alleine (d.h. rein syntaktisch) sinnvoll semiotisch zueinander in Beziehung setzen ließen.[15] Für sprachliche Zeichensysteme muss sich hingegen eine Morphologie angeben lassen.

Nicht gefordert ist für sprachliche Zeichensysteme (Zeichensprachen), dass die Teile selbst wiederum Zeichen sein müssen, wie es bei der Relation zwischen Wort und Satz der Fall wäre. Betrachten wir daher zunächst den Fall der Zeichensysteme, bei denen die Zeichenteile generell keine Zeichen sind – genauer formuliert: keine der Teilhandlungen, die die Zeichenhandlungschemata eines solchen Zeichensystems konstituieren, ist bereits eine Zeichenhandlung. Im Gegensatz zu den nicht-sprachlichen Zeichensystemen lässt sich also eine syntaktische Gliederung der Zeichensprache angeben, die aber noch nicht der Kombination von Wörtern zu Sätzen entspricht, sondern, um ein linguistisches Analogon zu bemühen, eher der Zusammensetzung von (nicht eigenständig verwendbaren) Morphemen zu Wörtern.

Als Beispiel mag das dem »Fährten lesen« zugrunde liegende Zeichensystem dienen. Die Zeichen dieses Systems unterscheiden sich als Interpretation der Variationen von Eigenschaften der Abdrücke (etc.) und ihrer Teile: So mag etwa der Grad der Verwischung der Kanten im Zusammenhang mit anderen Eigenheiten als Altersindiz dienen.[16] Dabei ist aber das Erkennen von “Verwischtheit” noch kein eigenständiges Zeichen, das innerhalb des Systems losgelöst von anderen Zeichenkomponenten verwendet werden könnte. Gleichwohl bestimmt es gemeinsam mit den anderen relevanten Dimensionen die Morphologie der Zeichen dieses Systems.

Wort/Satz-sprachliche Zeichen­systeme: Sprachen im engeren Sinn

Von den allgemeinen Zeichensprachen ist die Klasse der Wort/Satz-sprachlichen Zeichensysteme zu differenzieren. Diese verfügen über eine syntaktische Gliederung im engen Sinn, insofern die Teilhandlungen, die ein Zeichen dieser Systeme bilden, zum Teil selber bereits Zeichen sind: nämlich Wörter, die Sätze bilden. Dadurch wird die Unterscheidung zwischen Wörtern und Sätzen überhaupt erst möglich und damit eine über reine Morphologie hinausgehende kombinative Syntax etwa im Sinne von Chomsky ([Chomsky 1957a]Chomsky, Noam (1957): Syntactic Structures. Mouton, Den Haag.
; hierzu auch ⊳ Bildgrammatik und Bildmorphologie).

Die Festlegung der Begriffe »Wort« und »Satz« ist in Linguistik und Semiotik umstritten:[17] Das liegt nicht zuletzt an den dabei zumeist betrachteten bi- und multilateralen Bildbegriffen, die kaum Kriterien für eine Unterscheidung zwischen nur morphologisch organisierten und im engeren Sinn syntaktisch organisierten Sprachzeichensystemen bereitstellen. Handlungstheoretisch betrachtet liegt es hingegen durchaus nahe,

den Ausdruck ‘Satz’ zu erklären als die Gesamtheit der Zeichen i.e.S., die in den jeweiligen Teilhandlungen einer einheitlichen Handlung wie »etwas aussagen«, »etwas mitteilen« usw. verwendet werden. Der Ausdruck ‘Wort’ hingegen mag sich in seinem Gebrauch erklären lassen, indem man auf die einzelnen Zeichen i.e.S. verweist, welche im Rahmen einer solchen Gesamthandlung, beim Vollzug einer zu dieser gehörenden Teilhandlung, verwendet werden. Aus dieser Erklärung folgt dann nämlich zunächst, daß ein Handlungsschema spezieller Art, z.B. ein Laut, wirklich erst im Zusammenhang mit der Äußerung eines Satzes als Wort erkannt werden kann. Es folgt aber auch aus ihr, daß ein Sprecher durchaus selbst strukturell neue und gleichwohl verständliche Sätze formen kann: Er hat seinen Gebrauch einzelner Wörter dieser Erklärung nach ja weder “induktiv” aus bereits gehörten bzw. gar von ihm selbst gebildeten Sätzen “abgeleitet”, noch ist er durch in ihm bereits “angelegte” Regeln in seiner zukünftigen Rede vordeterminiert ([Ros 1979a]Ros, Arno (1979): Objektkonstitution und elementare Sprachhandlungsbegriffe. Hain, Königstein/Ts.
: S. 174).

Die Pointe satzsprachlicher Zeichensystem besteht mithin darin, dass nicht nur die Gesamtzeichenhandlung (der Satz) in Form und Gebrauch an Regeln ausgerichtet wird, sondern bereits Form und Gebrauch der Teilzeichenhandlungen (der Wörter) jeweils vollständig an Regeln orientiert sind. Die korrekte (syntaktische) Form und der richtige (pragmatische) Gebrauch der Sätze (und damit auch ihre Bedeutungen) lassen sich dann bei Bedarf kompositional aus den morphologischen, semantischen und pragmatischen Eigenschaften der Wörter ableiten. Analoge Argumentationen fehlen für einfache Zeichensprachen.

Die massive Komplexitätssteigerung, die mit dem Gebrauch von Teilzeichenhandlungen verbunden ist, macht sich mit einer außerordentlich erhöhten Flexibilität dieser Sprachsysteme bezahlt.[18]

Propositionale und explizit performative Zeichenhandlungen

Zwar sind wort/satzsprachliche Zeichenhandlungen noch nicht hinreichend zur Artikulation eines expliziten Sachbezugs. Ein solcher entfaltet sich erst mit propositionalen Sprachzeichenhandlungen. Allerdings ist die echte syntaktische Gliederung des Zeichensystems eine notwendige Voraussetzung für letztere, denn die für die Proposition charakteristischen Teilhandlungen – Prädikation, Nomination und Kontextbildung – müssen als eigenständige Zeichenhandlungen mit je eigenen Interpretationsregeln auftreten. Erst dadurch ist es auch möglich, über nicht anwesende Sachverhalte (als solche) zu kommunizieren.[19]

Des weiteren setzen explizit performative Zeichenhandlungen – etwa ‘hiermit taufe ich dich auf den Namen «Titanic»’ oder ‘hiermit schwöre ich (dir), dass p’ – die Kompetenz zu satz/wortsprachlichen Kommunikationshandlungen (bzw. im zweiten Beispiel sogar von propositionalen Zeichenhandlungen) voraus: Die ausdrückliche Artikulation der mit der Zeichenhandlung durchgeführten Illokution kann nur gelingen, wenn die Benennung als eigenständiges (Teil)Zeichen verfügbar und als solches in den Gesamtzeichenakt eingebettet ist.

Sprachen im linguistischen Sinn umfassen offensichtlich stets propositionale und explizit performative Zeichenhandlungen, gehören mithin zu den komplexesten Zeichensprachen.[20] Die genaue semiotische Einordnung von Bildern ist hingegen derzeit noch umstritten.

Anmerkungen
  1. ↑ Vgl. et­wa Wi­ki­pe­dia: Zei­chen.
  2. ↑ Vgl. Ex­kurs: Hand­lun­gen.
  3. ↑ Das schließt nicht aus, dass die­se bei­den Rol­len des Hand­lungs­sche­mas von dem­sel­ben Sub­jekt ein­ge­nom­men wer­den kön­nen (⊳ Bild­re­zep­ti­on als Kom­mu­ni­ka­ti­ons­pro­zess). Al­ler­dings gilt das nicht für je­de kom­mu­ni­ka­ti­ve In­ter­ak­ti­on.
  4. ↑ Und zwar, in­dem der Sen­der sich selbst i.w. dem Emp­fän­ger ge­gen­über (oder auch sich selbst ge­gen­über) dar­stellt als ei­ner, der Rauch als An­zei­chen für Feu­er nimmt.
  5. ↑ Wie bei den meis­ten Aus­drü­cken in die­sem Zu­sam­men­hang wird auch ‘Sig­nal’ mit vie­len ver­schie­de­nen sich teil­wei­se über­schnei­den­den Be­deu­tun­gen ver­wen­det. Hier ist der im en­ge­ren Sin­ne etho­lo­gi­sche Sig­nal­be­griff ge­meint (et­wa im Zu­sam­men­hang von »Aus­drucks­be­we­gung«, vgl. [Eibl-Eibesfeldt 1974a]Eibl-Eibesfeldt, Irenäus (1974): Stammesgeschichtliche Anpassungen im menschlichen Verhalten. In: Immelmann, K. (Hg.), Grzimeks Tierleben. Ergänzungsband Verhaltensforschung. Kindler , Zürich.
    ). Zu be­ach­ten ist, dass der in der Bio­lo­gie häu­fig auf­tre­ten­de all­ge­mei­ne­re Sig­nal­be­griff, nach dem et­wa Bo­ten­stof­fe, die von Pflan­zen auf­grund von In­sek­ten­frass aus­ge­stos­sen wer­den und Nach­bar­pflan­zen zur Pro­duk­ti­on ent­spre­chen­der Schutz­stof­fe an­re­gen, als Sig­na­le gel­ten, hier nicht ad­äquat wä­re: Es han­delt sich hier­bei zwar um Ver­hal­ten (im en­ge­ren Sin­ne), aber nicht um Hand­lun­gen (im wei­ten Sinn). Da­her kann hier auch kei­nes­falls von kom­mu­ni­ka­ti­ven In­ter­ak­ti­o­nen die Re­de sein. Ähn­li­ches gilt für tech­ni­sche Sig­nal­be­grif­fe (vgl. [Shannon & Weaver 1949a]Shannon, Claude & Weaver, Warren (1949): The Mathematical Theory of Communication. University of Illinois Press, Champaign.
    ).
  6. ↑ Das gilt un­be­scha­det der Mög­lich­keit von über die ge­teil­te Kern­be­deu­tung hi­n­aus­ge­hen­den dif­fe­rie­ren­den Kon­no­ta­ti­o­nen.
  7. ↑ Vgl. wie­de­rum Ex­kurs: Hand­lun­gen.
  8. ↑ Es soll­te klar sein, dass zum ei­nen Sig­na­le ganz zwang­los als Teil­hand­lun­gen in Zei­chen­ver­wen­dun­gen vor­kom­men kön­nen, und dass zum an­de­ren auch An­zei­chen, so­fern sie nur schon in ei­nem Sig­nal ei­ne Rol­le spie­len, oh­ne wei­te­res auch in ei­ne Zei­chen­hand­lung ein­ge­bun­den sein kön­nen: Das be­wusst ver­wen­de­te (vor­ge­führ­te) Sig­nal wird zum Zei­chen, wie auch das be­wusst zur Kom­mu­ni­ka­ti­on be­nutz­te An­zei­chen.
  9. ↑ Zu den ver­schie­de­nen Aus­for­mun­gen des se­mi­o­ti­schen Drei­ecks seit sei­ner Ein­füh­rung in [Richards & Ogden 1923a]Richards, I.A. & Ogden, R.G. (1923): The Meaning of Meaning. Routledge & Kegan Paul, London.
    so­wie den di­ver­sen Aus­wei­tun­gen (z.B. ein Vier­eck bei der Eco­le de Pa­ris) oder Re­duk­ti­o­nen (et­wa das bi­po­la­re Zei­chen­kon­zept bei Saus­sure) vgl. [Eco 1977a]Eco, Umberto (1977): Zeichen. Einführung in einen Begriff und seine Geschichte. Suhrkamp, Frankfurt/M.
    und [Trabant 1996a]Trabant, Jürgen (1996): Elemente der Semiotik. Franke, Tübingen.
    , so­wie Jus­to Fer­nán­dez Ló­pez’ Zu­sam­men­stel­lung zu »Se­mi­o­ti­sches Drei­eck/Tri­án­gu­lo se­mán­ti­co o se­mi­ó­ti­co« und Wi­ki­pe­dia: Se­mi­o­ti­sches Drei­eck.
  10. ↑ Beim einfachen Ausführen einer nicht-zeichenhaften kommunikativen Interaktion führt der Handelnde zwar eine bestimmte Handlung vor und hat damit auch entsprechenden “Zugang” dazu, dass es eben diese Handlung ist und keine andere, aber der Akt des Vorführens, der Selbstdarstellung, der für die kommunikative Interaktion bestimmend ist, bleibt davon unberührt.
  11. ↑ Das heißt nun allerdings nicht, dass Zeichensysteme stets und ausschließlich durch explizit ausgehandelte Regeln bestimmt wären.
  12. ↑ Auch das semiotische Dreieck ist also eigentlich den bilateralen Zeichenbegriffen zuzuordnen, denn es wird nur die Darstellungsfunktion (Beziehung zwischen Zeichenträger und Bezeichnetem) artikuliert und über eine Zwischeninstanz erläutert.
  13. ↑ Marken bilden damit die Grundlage für Kommunikationen in sekundären Medien. Auch Bilder müssten im Sinne der handlungstheoretischen Semiotik als Marken verstanden werden.
  14. ↑ Genau genommen handelt es sich dabei ja um eine Vielzahl von Zeichensystemen – entsprechend den Einzelsprachen. ‘Sprache als solche’ (d.h. im Sinne der Saussureschen ‘Langue’ - als Sprachkompetenz - oder gar im Sinne Chomskys als Kompetenz zum Erwerb von Einzelsprachen; [Saussure 1916a]Saussure, Ferdinand de (1916): Cours de linguistique générale. Payot, Paris.
    Notiz: Deutsch: Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft. 3. Aufl. Berlin 2001
    , [Chomsky 1957a]Chomsky, Noam (1957): Syntactic Structures. Mouton, Den Haag.
    ) bezeichnet offensichtlich kein Zeichensystem in der oben eingeführten Bedeutung des Wortes.
  15. ↑ Ein solches elementares “Zeichenspiel” könnte beispielsweise daraus bestehen, dass einer für das eine Zeichen des Systems mit dem linken Arm wedelt, für das zweite Zeichen wegrennt und für das dritte Zeichen gar nichts tut. Keine der beteiligten Zeichenhandlungsschemata enthält Teile, die auch Teil eines der anderen Zeichenhandlungsschemata sind.
  16. ↑ Genau genommen geht es natürlich um das sich bewusst Darstellen als einer, der dieses Indiz erkennt.
  17. ↑ Besonderer Ausdruck dieser Unklarheiten ist die Debatte darüber, ob nun Wörter oder Sätze die “eigentlichen” – d.h. grundlegenden – semantischen Einheiten der “natürlichen” Sprachen darstellen, so dass der jeweils andere Begriff als lediglich abgeleitet zu gelten habe; vgl. etwa [Ros 1979a]Ros, Arno (1979): Objektkonstitution und elementare Sprachhandlungsbegriffe. Hain, Königstein/Ts.
    : S. 167ff. Siehe auch Wikipedia: Wort und Wikipedia: Satz.
  18. ↑ Nur am Rande sei hier erwähnt, dass diese Komplexitätssteigerung nicht nur die Art der Handlung betrifft, sondern gleichermassen auch die Art von Wesen, die zu derartigen Handlungen fähig sind; hierzu ⊳ Dezeptiver und immersiver Modus. Dem immensen Zuwachs an Flexibilität in der Kommunikation steht ein ungeheurer Gewinn an Reflexionsfähigkeit der Kommunizierenden und damit an Freiheit und Individualität zur Seite; vgl. [Ros 1979a]Ros, Arno (1979): Objektkonstitution und elementare Sprachhandlungsbegriffe. Hain, Königstein/Ts.
    .
  19. ↑ Im Übrigen hat nicht jede Zeichenhandlung überhaupt einen Sachbezug: Für eine Begrüßung etwa genügen Interaktions- und Selbstbezug.
  20. ↑ Eine weitere Ebene der kommunikativen Reflexivierung wird schließlich mit dem Übergang zur philosophischen Diskussion erreicht; vgl. [Ros 1989/90a]Ros, Arno (1989): Begründung und Begriff. Wandlungen des Verständnisses begrifflicher Argumentationen. Meiner, Hamburg.
    Notiz: 3 Bände
    Nicht angezeigt: B. I: Antike, Spätantike und Mittelalter; B. II: Neuzeit; B. III: Moderne
    .
Literatur
[Born 1983a]Born, Rainer (1983): Schizo-Semantik: Provokationen zum Thema Bedeutungstheorien und Wissenschaftsphilosophie im allgemeinen. Conceptus, 17, 41.[Bußmann 1983a]Bußmann, Hadumod (1983): Lexikon der Sprachwissenschaft. Kröner, Stuttgart.[Bühler 1934a]Bühler, Karl (1965): Sprachtheorie. Die Darstellungsfunktion der Sprache. Fischer , Stuttgart.[Chomsky 1957a]Chomsky, Noam (1957): Syntactic Structures. Mouton, Den Haag.[Eco 1977a]Eco, Umberto (1977): Zeichen. Einführung in einen Begriff und seine Geschichte. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Eibl-Eibesfeldt 1974a]Eibl-Eibesfeldt, Irenäus (1974): Stammesgeschichtliche Anpassungen im menschlichen Verhalten. In: Immelmann, K. (Hg.), Grzimeks Tierleben. Ergänzungsband Verhaltensforschung. Kindler , Zürich.[Kamlah & Lorenzen 1973a]Kamlah, Wilhelm & Lorenzen, Paul (1973): Logische Propädeutik. Vorschule des vernünftigen Redens. BI Wissenschaftsverlag, München.[Keller 1995a]Keller, Rudi (1995): Zeichentheorie. Zu einer Theorie semiotischen Wissens. Francke, Tübingen, Basel.[Krah & Titzmann2013a]Krah, Hans & Titzmann, Michael (2013): Medien und Kommunikation. Eine interdisziplinäe Einführung. Stutz, Passau.[Lorenz 1970a]Lorenz, Kuno (1970): Elemente der Sprachkritik – Eine Alternative zum Dogmatismus und Skeptizismus in der Analytischen Philosophie. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Lorenz 1990a]Lorenz, Kuno (1990): Einführung in die philosophische Anthropologie. WBG, Darmstadt.[Nöth 2005a]Nöth, Winfried (2005): Zeichentheoretische Grundlagen der Bildwissenschaft. In: Sachs-Hombach, K. (Hg.), Bildwissenschaft zwischen Reflexion und Anwendung. Halem, Köln.[Peirce 1983a]Peirce, Charles S. (1983): Phänomen und Logik der Zeichen. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Richards & Ogden 1923a]Richards, I.A. & Ogden, R.G. (1923): The Meaning of Meaning. Routledge & Kegan Paul, London.[Ros 1979a]Ros, Arno (1979): Objektkonstitution und elementare Sprachhandlungsbegriffe. Hain, Königstein/Ts.[Ros 1989/90a]Ros, Arno (1989): Begründung und Begriff. Wandlungen des Verständnisses begrifflicher Argumentationen. Meiner, Hamburg.[Saussure 1916a]Saussure, Ferdinand de (1916): Cours de linguistique générale. Payot, Paris.[Shannon & Weaver 1949a]Shannon, Claude & Weaver, Warren (1949): The Mathematical Theory of Communication. University of Illinois Press, Champaign.[Trabant 1996a]Trabant, Jürgen (1996): Elemente der Semiotik. Franke, Tübingen.

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Seitenbearbeitungen durch: Joerg R.J. Schirra, Klaus Sachs-Hombach und Marcel Lemmes — (Hinweis)