Figur/Grund-Differenzierung: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Glossar der Bildphilosophie
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=====Darstellung des gr. Zusammenhangs=====
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Die Figur/Grund Illusion wurde um 1915 durch den dänischen Psychologen Edgar Rubin (1886–1951) theoretisch untersucht. Die sogenannte „Rubinsche Vase“, bei der die Wahrnehmung zweier Gesichter in die Wahrnehmung einer Vase umspringt, spielt in Rubins zweibändigem Werk Synsoplevede Figurer (Visuell wahrgenommene Figuren) (im Original dänisch) zum ersten Mal eine wichtige Rolle.
Rubin führte eine Reihe ähnlicher Bilder ein (etwa das schwarz-weiße Malteserkreuz), aber am bekanntesten wurde die Rubinsche Vase. Rubin kam aus Kopenhagen, verbrachte aber einige Zeit in Göttingen, so daß sich eine phänomenologische Perspektive in seiner Auffassung von visueller Wahrnehmung erkennen läßt. Offensichtlicher ist allerdings seine Nähe zur Gestaltphilosophie.
Die Rubinsche Vase lieferte einen weiteren Beleg für die These, daß das Netzhautbild nicht mit dem visuell Wahrgenommenen identisch ist und stellt einen Spezialfall der sogenannten multistabilen Wahrnehmung dar. (Man spricht von multistabiler Wahrnehmung, wenn wir uns visuell zweideutigen Darstellungen wie der Rubinsche Vase, dem Necker-Würfel oder Fällen von ??? gegenübersehen.) An der Figur/Grund Illusion läßt sich so das Prinzip der Emergenz deutlich machen (daß wir Gegenstände unserer Umgebung als Ganze und auf einmal wahrnehmen) sowie der produktive Anteil der Wahrnehmung, d.h. die Gegenstandskonstitution (daß das in unserer Erfahrung Wahrgenommene mehr Information über die Raumlage eines Gegenstands enthält als die reinen Sinnesdaten).


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=====Engere Begriffsbestimmung=====
=====Engere Begriffsbestimmung=====

Version vom 29. Februar 2012, 07:45 Uhr

Unterpunkt zu: Bildwahrnehmung


Darstellung des gr. Zusammenhangs

Die Figur/Grund Illusion wurde um 1915 durch den dänischen Psychologen Edgar Rubin (1886–1951) theoretisch untersucht. Die sogenannte „Rubinsche Vase“, bei der die Wahrnehmung zweier Gesichter in die Wahrnehmung einer Vase umspringt, spielt in Rubins zweibändigem Werk Synsoplevede Figurer (Visuell wahrgenommene Figuren) (im Original dänisch) zum ersten Mal eine wichtige Rolle. Rubin führte eine Reihe ähnlicher Bilder ein (etwa das schwarz-weiße Malteserkreuz), aber am bekanntesten wurde die Rubinsche Vase. Rubin kam aus Kopenhagen, verbrachte aber einige Zeit in Göttingen, so daß sich eine phänomenologische Perspektive in seiner Auffassung von visueller Wahrnehmung erkennen läßt. Offensichtlicher ist allerdings seine Nähe zur Gestaltphilosophie. Die Rubinsche Vase lieferte einen weiteren Beleg für die These, daß das Netzhautbild nicht mit dem visuell Wahrgenommenen identisch ist und stellt einen Spezialfall der sogenannten multistabilen Wahrnehmung dar. (Man spricht von multistabiler Wahrnehmung, wenn wir uns visuell zweideutigen Darstellungen wie der Rubinsche Vase, dem Necker-Würfel oder Fällen von ??? gegenübersehen.) An der Figur/Grund Illusion läßt sich so das Prinzip der Emergenz deutlich machen (daß wir Gegenstände unserer Umgebung als Ganze und auf einmal wahrnehmen) sowie der produktive Anteil der Wahrnehmung, d.h. die Gegenstandskonstitution (daß das in unserer Erfahrung Wahrgenommene mehr Information über die Raumlage eines Gegenstands enthält als die reinen Sinnesdaten).


Engere Begriffsbestimmung
optional Beispiele
Auswirkungen auf andere Begriffe
Anmerkungen
Literatur
[Andrews et.al. 2002a]Andrews, Timothy J.; Schluppeck, Denis; Homfray, Dave; Matthews, Paul & Blakemore, Colin (2002): Activity in the Fusiform Gyrus Predicts Conscious Perception of Rubin’s Vase—​Face Illusion. NeuroImage, 17.[Arnheim 2000a]Arnheim, Rudolf (2000): Kunst und Sehen: Eine Psychologie des schöpferischen Auges. DeGruyter, Berlin, New York.[Gallistel 1980a]Gallistel, Randy (1980): The Organization of Action: A New Synthesis. Lawrence Erlbaum Assoc., Hillsdale, NJ.[Heider 1926a]Heider, Fritz (1926): Ding und Medium. Kulturverlag Kadmos, Berlin.[Mathesius 1911a]Mathesius, Vilém (1982): O potenciálnosti jevů jazykových (Über die Potentialität der Spracherscheinungen) (1911). In: Vachek, J. & Macek, E. (Hg.), V. Mathesius: Jazyk, kultura a slovesnost. Odeon, Prag.[Rubin 1921a]Rubin, Edgar (1921): Visuell wahrgenommene Figuren. Studien in psychologischer Analyse. Gyldendalske Boghandel, Kopenhagen.[Sherrington 1947a]Sherrington, Charles S. (1947): The Integrative Action of the Nervous System. Yale Univ. Press, New Haven.[Tritthart 2013a]Tritthart, Martina (2013): Der negative Raum oder die andere Seite des Lichts. Maria Nordman und Nan Hoover: Wahrnehmung Raum Kunst Architektur. ALL-OVER. Magazin für Kunst und Ästhetik, 5.[Velden 1982a]Velden, Manfred (1982): Die Signalentdeckungstheorie in der Psychologie. Kohlhammer, Stuttgart.

Verantwortlich:

Kapust, Antje