Bild in der Wissenschaft: Unterschied zwischen den Versionen
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Denkt man an ''Bilder'', denkt man wahrscheinlich zunächst an den künstlerischen Kontext und erst in einem zweiten Schritt an jenen der Wissenschaften. [[Datei: | Denkt man an ''Bilder'', denkt man wahrscheinlich zunächst an den künstlerischen Kontext und erst in einem zweiten Schritt an jenen der Wissenschaften. [[Datei:Proportions_of_the_Head.jpg|thumb|Proportionen des Kopfes]]Dabei waren beide Sphären vor noch nicht allzu langer Zeit eng miteinander verzahnt, wie es an den Arbeiten von Leonardo da Vinci besonders deutlich wird. Da Vinci war nicht nur ein begnadeter Maler, sondern auch ein nicht weniger leidenschaftlicher Naturforscher (vgl. da Vinci 1958). Präzise hat er dabei seine Beobachtungen nicht nur im Wort, sondern auch im Bild – in der von seiner Hand gefertigten Zeichnung – präzise für die Nachwelt festgehalten ([http://www.museoscienza.org/english/leonardo/default.asp Leonardos Werk], vgl. auch Robin 1993, 198, 200f.). Das Bild wird damit zum zentralen Gegenstand der Wissenschaften. Es dokumentiert die Beobachtungen, macht sie verfügbar, ermöglicht anderen Forschern einen genauen Vergleich mit ihren Resultaten und hilft, das einmal erlangte Wissen weiterzugeben und zu erhalten. | ||
[http://www.britannica.com/EBchecked/topic/224058/Galileo Galileo Galilei] liefert uns ein weiteres Beispiel für diese Verknüpfung von künstlerischem Können und naturwissenschaftlichen Forschergeist. Detailgetreu hielt er in von Hand gefertigten Zeichnungen fest, was ihm sein Blick durch das Teleskop am Nachthimmel enthüllte. Hierzu gehören beispielsweise seine ([http://brunelleschi.imss.fi.it/galileopalazzostrozzi/object/GalileoGalileiDrawingsOfTheMoon.html Zeichnungen des Mondes], vgl. auch Robin 1993, 22), welche zum ersten Mal deutlich werden ließen, dass der Trabant der Erde von Kratern übersät und durchaus nicht der perfekt geformte Himmelskörper war, zu welchem ihn die Aristotelische Lehre noch erklärt hatte (vgl. Chalmers 2007, 65). | [http://www.britannica.com/EBchecked/topic/224058/Galileo Galileo Galilei] liefert uns ein weiteres Beispiel für diese Verknüpfung von künstlerischem Können und naturwissenschaftlichen Forschergeist. Detailgetreu hielt er in von Hand gefertigten Zeichnungen fest, was ihm sein Blick durch das Teleskop am Nachthimmel enthüllte. Hierzu gehören beispielsweise seine ([http://brunelleschi.imss.fi.it/galileopalazzostrozzi/object/GalileoGalileiDrawingsOfTheMoon.html Zeichnungen des Mondes], vgl. auch Robin 1993, 22), welche zum ersten Mal deutlich werden ließen, dass der Trabant der Erde von Kratern übersät und durchaus nicht der perfekt geformte Himmelskörper war, zu welchem ihn die Aristotelische Lehre noch erklärt hatte (vgl. Chalmers 2007, 65). | ||
Version vom 6. Februar 2012, 11:32 Uhr
Unterpunkt zu: Bildverwendungstypen
Übersicht: Das Bild in der WissenschaftInstrumentenbilder – in diesem Falle Bilder, die durch mikroskopische, fotografische oder teleskopische Beobachtungsverfahren gewonnen wurden – stellen dabei nur eine von vielen Erscheinungsweisen des wissenschaftlichen Bildes dar. Balkendiagramme zur Veranschaulichung von Umfrageergebnissen in der Soziologie oder Kurvendiagramme zur Visualisierung von Messdaten in der Physik wären andere Beispiele. Die bildhafte Repräsentation ist dabei in ihren vielfältigen Formen ein wichtiger Bestandteil sowohl der wissenschaftlichen Kommunikations-, Dokumentations- als auch der Forschungsprozesse selbst.
Das Bild in der Wissenschaft wurde in den letzten Jahren in unterschiedlichsten Kontexten thematisiert und aus dem Blickwinkel verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen beleuchtet (vgl. z.B. [Baigrie 1996a]Baigrie, Brian S. (Hg.) (1996): Picturing Knowledge. Historical and Philosophical Problems Concerning the Use of Art in Science. University of Toronto Press, Toronto, Buffalo, London.
Kunst und Wissenschaft[1]„[…] und wahrlich, die Malerei ist eine Wissenschaft und echte Tochter der Natur, weil sie von dieser erzeugt ist; doch richtiger müßte man sie Enkelin der Natur nennen, weil alle offenbaren Dinge von der Natur erzeugt worden sind und diese Dinge ihrerseits die Malerei geboren haben. Also werden wir sie richtig Enkelin der Natur und mit Gott verwandt nennen.“ Leonardo da Vinci 1492 (zitiert nach 1958, 83) Denkt man an Bilder, denkt man wahrscheinlich zunächst an den künstlerischen Kontext und erst in einem zweiten Schritt an jenen der Wissenschaften.Galileo Galilei liefert uns ein weiteres Beispiel für diese Verknüpfung von künstlerischem Können und naturwissenschaftlichen Forschergeist. Detailgetreu hielt er in von Hand gefertigten Zeichnungen fest, was ihm sein Blick durch das Teleskop am Nachthimmel enthüllte. Hierzu gehören beispielsweise seine (Zeichnungen des Mondes, vgl. auch Robin 1993, 22), welche zum ersten Mal deutlich werden ließen, dass der Trabant der Erde von Kratern übersät und durchaus nicht der perfekt geformte Himmelskörper war, zu welchem ihn die Aristotelische Lehre noch erklärt hatte (vgl. Chalmers 2007, 65). Deutlich wird an diesen Fallbeispielen, dass seit der Begründung der modernen Naturwissenschaften das Bild immer schon eine wichtige Rolle in diesem Kontext gespielt hat. Offenbar ist der Zusammenhang zwischen Bild und Wissenschaft demnach doch ein engerer als unsere anfänglichen Intuitionen uns suggerierten haben. Nicht immer waren freilich die Kompetenzen so gelagert, dass Forschergeist und Künstler sich in ein und derselben Person verbanden. Oftmals waren und sind auch heute noch die Wissenschaftler auf die Unterstützung der Künstler angewiesen, wenn sie ihre Ergebnisse nicht nur schriftlich, sondern eben auch bildlich darstellen, vervielfältigen und veröffentlichen möchten. Auf das wechselvolle Verhältnis von Kunst und Wissenschaft geht Anja Zimmermann (2009) genauer ein. In ihren Ausführungen zeigt sich, dass es sich aus der wissenschaftlichen Perspektive dabei nicht allein um eine neutrale Inanspruchnahme von Diensten einer anderen Disziplin gehandelt hat, sondern dass durchaus eine wechselseitige Beeinflussung der jeweils vertretenen Darstellungsideale erfolgte. Insbesondere betraf dies die wechselseitigen Überlegungen dazu, was die charakteristischen Eigenschaften einer objektiven Darstellung ausmache (vgl. Zimmermann 2009, 31ff.; Daston u. Galison 1992). Auch zeigt sich, dass in beiden Disziplinen ein stetiger Prozess von einerseits gegenseitiger Annäherung und andererseits mehr oder weniger starken Abgrenzungsversuchen im Laufe der Entwicklungsgeschichte erfolgte. Immer wieder gab es von Seiten der Wissenschaftler Bestrebungen, sich von ihrer Abhängigkeit von künstlerischen Zuarbeiten zu befreien und selbst die Bilder zu erstellen, die im jeweiligen Forschungsfeld gebraucht wurden (vgl. z.B. Zimmermann 2009, 53ff.). Aber auch im künstlerischen Bereich wurde insbesondere infolge der Erfindung und Weiterentwicklung der Fotografie, die seit jeher als besonders zuverlässiges und realistisches Medium gilt (vgl. z.B. Wiegand 1981), die Bestrebung geweckt, ganz neue Darstellungsformen z.B. die abstrakte Malerei in der modernen Kunst zu entwickeln. Hintergrund war dabei die Überlegung, dass mit der Fotografie das Ideal der realistischen Darstellung in einer Weise verwirklicht wurde, wie sie mit den Mitteln der Malerei nie erreicht werden könnte. Alex Soojung-Kim Pang (2002) erläutert ferner ein Problem, dass insbesondere mit dem Einsatz von Fotografien im wissenschaftlichen Kontext (hier nun der Astronomie) verbunden war: die Frage der Reproduzierbarkeit im Druck. Auch hier waren die Wissenschaftler wieder auf die enge Zusammenarbeit mit Fachfremden – nun den Herstellern der Druckplatten für die fotografischen Bilder – konfrontiert. „Der Triumphzug der Fotografie in die Observatorien war, so schien es, gepaart mit der Entwicklung mechanischer Druckmethoden, die eine von Ansichten und Interventionen unabhängige Vervielfältigung versprachen“ (Pang 2002, 103). Erneut ging es, wie schon in den Kooperationen mit der bildenden Kunst, um das Herausarbeiten gemeinsamer Darstellungskonventionen (vgl. ebd., 122ff.). Anschaulich beschreibt Pang, wie als wichtige Hürde hier die Verständigung über die Relevanz einzelner Bildkomponenten und über die Unterscheidung zwischen einer erlaubten Verbesserung der Abbildung und einer unerlaubten Manipulation des Bildes genommen werden musste (vgl. ebd., 131ff.). Das Bild in der Wissenschaft ist aber keinesfalls nur ein Phänomen der Renaissance oder anderer historischer Zeitalter. Es behauptet seine Stellung auch weiterhin und baut diese stetig aus. Es folgte der Ausdifferenzierung der Wissenschaften in die unterschiedlichsten Einzeldisziplinen sowohl in die Natur- als auch in den Sozial- und Geisteswissenschaften hinein (vgl. z.B. Mößner u. Liebsch im Erscheinen). Ferner hat sich am Beispiel der Fotografie schon gezeigt, dass das Bild sich nicht bloß inhaltlich in den Wissenschaften weiterentwickelt, sondern sich ebenso in seiner Form zunehmend ausdifferenziert hat. So wurden im Laufe der Jahre immer mehr Abbildungsverfahren entwickelt, die sowohl die Art der Darstellung als auch die Weise der technischen Entstehung des Bildes betreffen. Formen wissenschaftlicher BilderFunktionen wissenschaftlicher Bilder |
Anmerkungen
Literatur
[Baigrie 1996a]Baigrie, Brian S. (Hg.) (1996): Picturing Knowledge. Historical and Philosophical Problems Concerning the Use of Art in Science. University of Toronto Press, Toronto, Buffalo, London.[Bredekamp et al. 2008a]Bredekamp, Horst; Schneider, Birgit & Dünkel, Vera (2008): Das Technische Bild. Kompendium zu einer Stilgeschichte wissenschaftlicher Bilder. Akademie, Berlin.[Chalmers 2007a]Chalmers, Alan F. (2007): Wege der Wissenschaft. Einführung in die Wissenschaftstheorie. Springer, Berlin.[Daston & Galison 1992a]Daston, Lorraine & Galison, Peter (1992): The Image of Objectivity. Representations, 40.[Fleck 1980a]Fleck, Ludwik (1980): Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache. Einführung in die Lehre vom Denkstil und Denkkollektiv. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Frercks 2009a]Frercks, Jan (2009): Runs. Computersimulationen des Unsichtbaren am Max-Planck-Institut für Astrophysik. In: Adelmann, R.; Frercks, J.; Heßler, M. & Hennig, J. (Hg.), Datenbilder. Zur digitalen Bildpraxis in den Naturwissenschaften. transcript, Bielefeld.[Frercks 2009b]Frercks, Jan (2009): Formen, Funktionen und Praxen von Wissenschaftsbildern. Ein systematischer Blick auf die Reportagen. In: Adelmann, R.; Frercks, J.; Heßler, M. & Hennig. J. (Hg.), Datenbilder. Zur digitalen Bildpraxis in den Naturwissenschaften. transcript, Bielefeld.[Gall 2007a]Gall, Alexander (Hg.) (2007): Konstruieren, Kommunizieren, Präsentieren. Bilder von Wissenschaft und Technik. Wallstein, Göttingen.[Groß & Westermann 2007a]Groß, Dominik & Westermann, Stefanie (Hg.) (2007): Vom Bild zur Erkenntnis? Visualisierungskonzepte in den Wissenschaften. Kassel Univ. Press, Kassel.[Groß u. Schäfer 2007a]Groß, Dominik & Schäfer, Gereon (2007): Das Gehirn in bunten Bildern. Farbstrategien und Farbsemantiken in den Neurowissenschaften. In: Groß, D. & Westermann, S. (Hg.), Vom Bild zur Erkenntnis? Visualisierungskonzepte in den Wissenschaften. Kassel Univ. Press, Kassel.[Hennig 2007a]Hennig, Jochen (2007): Wissensbilder und Bilderwissen in Wissenschaftsmuseen. Das Konzept der Ausstellung »Atombilder«. In: Gall, A. (Hg.), Konstruieren, Kommunizieren, Präsentieren. Bilder von Wissenschaft und Technik. Wallstein, Göttingen.[Huber 2007a]Huber, Mathias (2007): Virtual Reality in Bildung und Forschung. Wissenschaft anschaulich. Linux Magazin, 7.[Kulvicki 2010a]Kulvicki, John (2010): Knowing with Images: Medium and Message. Philosophy of Science, 77.[Liebsch & Mößner 2012a]Liebsch, Dimitri & Mößner, Nicola (Hg.) (2012): Visualisierung und Erkenntnis. Bildverstehen und Bildverwenden in Natur- und Geisteswissenschaften. Halem, Köln.[Mitchell 1994b]Mitchell, William J.T. (1994): The Reconfigured Eye. Visual Truth in Post-Photographic Era. MIT Press, Cambridge, London.[Mößner 2013a]Mößner, Nicola (2013): Können Bilder Argumente sein?. In: Harth, M. & Steinbrenner, J. (Hg.), Bilder als Gründe. 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Bildverstehen und Bildverwenden in Natur- und Geisteswissenschaften. Halem, Köln.[Schickore 2002a]Schickore, Jutta (2002): Fixierung mikroskopischer Beobachtungen: Zeichnung, Dauerpräparat, Mikrofotografie. In: Geimer, P. (Hg.), Ordnungen der Sichtbarkeit. Fotografie in Wissenschaft, Kunst und Technologie. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Stafford 1998a]Stafford, Barbara Maria (1998): Kunstvolle Wissenschaft. Aufklärung, Unterhaltung und der Niedergang der visuellen Bildung. Verlag der Kunst, Amsterdam, Dresden [Vögtli & Ernst 2007a]Vögtli, Alexander & Ernst, Beat (2007): Wissenschaftliche Bilder. Eine kritische Betrachtung. Schwabe, Basel.[Weinert 2007a]Weinert, Peter (2007): Computergestützte Visualisierung eines human-embryonalen Gehirns.[Weiss 2012a]Weiss, Dieter G. (2012): Das neue Bild der Zelle: Wechsel der Sichtweisen in der Zellbiologie durch neue Mikroskopieverfahren. In: Liebsch, D. & Mößner, N. (Hg.), Visualisierung und Erkenntnis. Bildverstehen und Bildverwenden in Natur- und Geisteswissenschaften. Halem, Köln.[Wiegand 1981a]Wiegand, Wilfried (Hg.) (1981): Die Wahrheit der Photographie. Klassische Bekenntnisse zu einer neuen Kunst . S. Fischer, Frankfurt/M.[Zimmermann 2009a]Zimmermann, Anja (2009): Ästhetik der Objektivität. Genese und Funktion eines wissenschaftlichen und künstlerischen Stils im 19. Jahrhundert. transcript, Bielefeld.[da Vinci 1958a]da Vinci, Leonardo (1958): Philosophische Tagebücher. rowohlt, Hamburg. Seitenbearbeitungen durch: Nicola Mößner, Joerg R.J. Schirra, Dimitri Liebsch und Marcel Lemmes — (Hinweis) |

