Chinesische Kalligraphie: Unterschied zwischen den Versionen
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Auf der Basis der chinesischen Schriftzeichen entwickelte sich Schrift zu einer hohen Kunst des persönlichen Ausdrucks. Die Schrifttypen, die charakteristische graphische Form und die Struktur der chinesischen Schriftzeichen haben diese Entwicklung der Kalligraphie erst ermöglicht. | |||
Die vier Hauptschriftarten entwickelten sich aufeinander folgend.<bib id='Chen 2009a'>Chen 2009</bib> Die ersten bekannten Schriftzeichen ( | <u>Die Schrift - Entwicklung der Schrifttypen</u> | ||
Die vier Hauptschriftarten entwickelten sich aufeinander folgend.<bib id='Chen 2009a'>Chen 2009</bib> Die ersten bekannten Schriftzeichen (大篆 dà zhuān Große Siegelschrift) sind Inschriften auf Orakelknochen (甲骨文 jiăgŭwén ‚Orakelknochenschrift’) der Shang 商-Dynastie (ca.16.-11.Jh.v. Chr.), sowie auf Bronzegefäßen (金文 jīnwén ‚Bronzeschrift’) der Shang 商 und Zhou 周 (ca.1045- 221 v. Chr.).<bib id='Heng 2003a'>Heng 2003</bib> In dieser frühen Phase existierte von den meisten Schriftzeichen eine Vielzahl an Schreibweisen. Zur Zeit der Reichseinigung Chinas in der Qin秦-Dynastie (221- 207 v. Chr.) wurde durch die Einführung der kleinen Siegelschrift (小篆 xiăo zhuān) ein einheitliches Schriftsystem konstituiert;im ca. 1. Jh. n. Chr. löste die an Strichformen reduzierte, schnellere Kanzleischrift (隸書 lĭ shū) diese als Gebrauchsschrift ab. Damit und mit der Einführung des Pinsels und dem Papier war der Weg für die Schriftkunst gebahnt.<bib id='Ch'en 66a'>Ch'en 1966</bib> Mit den Kursivschriften des 4.Jh., der halbkursiven Schreib- bzw. Aktionsschrift (行書 xíng shū) und der Grasschrift (草書 căo shū), kamen weitere, schnellere Schriftformen hinzu, die Individualität und künstlerischen Ausdruck förderten.<bib id='Tseng 2003a'>Tseng 2003</bib> Mit der Standardisierung der Kanzleischrift zur Normal- oder Modellschrift (楷書 kăi shū) war die Entwicklung der Typen vorläufig (bis zum 20.Jh.) abgeschlossen. Seit der Tang唐–Dynastie (618-907) ist sie die Standardschrift in China. In der Folge bildeten sich aus den bestehenden Typen eine Vielzahl an Schul- und Individualstilen heraus.<bib id='Ledderose 2003a'>Ledderose 2003</bib> | |||
Zur Zeit der sechs Dynastien (六朝 liù chaó 3.-6.Jh.) entwickelte sich die Schrift zu einer von der Schicht der Literaten-Beamten<ref> Die Literaten-Beamten bildeten jene dünne Oberschicht und Elite, die sich sukzessive seit den ersten Jahrhunderten u.Z. herausgebildet hatte und die Träger der staatlichen Macht und der kulturellen Überlieferung war. Ihren Mitgliedern ermöglichte sie eine literarsiche Ausbildung, welche die Vertrautheit mit klassischen kanonischen Texten, die Befähigung selbst Gedichte und Prosa zu verfassen und die Beherrschung der Kalligraphie umfasste. Die Ausbildung wurde in staatlichen Examina geprüft; diese stellten den normalen Zugang zu einer Beamtenkarriere dar und waren somit der Schlüssel zu einer gehobenen Stellung und politischem Einfluss. (Ledderose 2003).</ref> gepflegten Kunstform und löste sich infolgedessen aus der handwerklichen Anonymität. Man begann Schriftkunstwerke aufgrund ihres ästhetischen Wertes zu schätzen. Technische Meisterschaft sowie die in der Schrift zum Ausdruck kommende Persönlichkeit und kunsthistorische Bildung des Schreibers wurden zu Bewertungskriterien der ästhetischen Qualität von Schrift(kunstwerken). Zwar musste eine gute Schrift Individualität besitzen, sie musste jedoch zudem erkennen lassen, dass ihr Schreiber die Geschichte der Schriftkunst theoretisch wie auch praktisch beherrschte; dem Schreiber und dem Betrachter waren die stilistischen Zitate und Schichten eines Schriftkunstwerkes bewusst. Seit der Zeit der sechs Dynastien gibt es Schriftsammlungen und eine theoretische Literatur zur Schriftkunst, deren ästhetische Terminologie weitgehend der Poetik entlehnt ist und die ihrerseits auf die ca.500v.Chr. entstehende Maltheorie einwirkte. Wang Xizhi 王羲之 (303-361) ist der berühmteste Kalligraph dieser Zeit und der gesamten Kalligraphiegeschichte überhaupt.<bib id='Ledderose 2003a'>Chen 2003</bib>--> | |||
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Version vom 29. Dezember 2011, 22:48 Uhr
Unterpunkt zu: Schriftbildlichkeit
Darstellung des gr. ZusammenhangsAuf der Basis der chinesischen Schriftzeichen entwickelte sich Schrift zu einer hohen Kunst des persönlichen Ausdrucks. Die Schrifttypen, die charakteristische graphische Form und die Struktur der chinesischen Schriftzeichen haben diese Entwicklung der Kalligraphie erst ermöglicht. Die Schrift - Entwicklung der Schrifttypen Die vier Hauptschriftarten entwickelten sich aufeinander folgend.[Chen 2009a]Chen, Tingyou (2009): China: Die Kalligraphie. China Intercontinental Press, Beijing.
Engere BegriffsbestimmungDie ästhetische Dimension der chinesischen Kalligraphie gründet auf den chinesischen Schriftzeichen (漢字 hànzi), durch sie wird die Komposition, d.h. die Striche, Abstände und die Richtung des Schreibens und Lesens festgelegt; ihre innere Struktur wird durch die darin vorkommenden Striche bestimmt. Es gibt acht grundlegende Striche: Punkt (點 diăn), horizontal (橫héng), vertikal (豎shù), abgesetzt und gekrümmt (折zhé), Haken (鈎goū), links hinunter (撇piě),rechts hinauf (提tí) und rechts hinunter (捺nà). Die Striche werden in einer festgelegten Reihenfolge geschrieben, wobei jedes Schriftzeichen unabhängig vom Komplexitätsgrad den gleichen Raum eines imaginären Quadrats einnimmt. [Alleton 2003a]Alleton, Viviane (2003): Schrift. In: Staiger, B. et al. (Hg.), Das große China-Lexikon. WBG, Hamburg.
optional BeispieleAuswirkungen auf andere BegriffeDer Einfluss der Kalligraphie auf die Malerei In dem Bestreben, sich von der professionellen, handwerklichen Malerei, die sich im allgemeinen durch starke Farbigkeit und eine sehr realistische Darstellung auszeichnete, zu distanzieren, setzten die Literaten eine Malerei (Xieyi-Stil, 寫意xiěyì, ‚geschriebener Sinn/Bedeutung’), die sich nicht nur technisch sondern auch ästhetisch an der Kalligraphie orientierte. Die bildnerischen Mittel, insbesondere der Pinselstrich gewannen dadurch an Selbständigkeit und gestalterischen Eigenleben; die Darstellung wurde dem gewählten Pinselduktus angepasst. Diese Tendenz setzte sich in der Yuan元-Zeit (1271-1368) allgemein durch. Womit die Malerei von ihrer reinen Abbildfunktion und der unbedingten Forderung nach der Übereinstimmung mit der Wirklichkeit befreit wurde. Wie schon die Kalligraphie wandelte sich das Bild damit zur „gestalteten Manifestation der Künstlerpersönlichkeit“. [Ledderose 2003]Der Eintrag existiert noch nicht.<bib id='Heng 2003'>Heng 2003</ bib> |
- ↑ Die Literaten-Beamten bildeten jene dünne Oberschicht und Elite, die sich sukzessive seit den ersten Jahrhunderten u.Z. herausgebildet hatte und die Träger der staatlichen Macht und der kulturellen Überlieferung war. Ihren Mitgliedern ermöglichte sie eine literarsiche Ausbildung, welche die Vertrautheit mit klassischen kanonischen Texten, die Befähigung selbst Gedichte und Prosa zu verfassen und die Beherrschung der Kalligraphie umfasste. Die Ausbildung wurde in staatlichen Examina geprüft; diese stellten den normalen Zugang zu einer Beamtenkarriere dar und waren somit der Schlüssel zu einer gehobenen Stellung und politischem Einfluss. (Ledderose 2003).