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Version vom 7. Januar 2011, 13:55 Uhr
Unterpunkt zu: Bildmedien
Darstellung des GesamtzusammenhangsDie Malerei als Medium wird traditionellerweise als Teilbereich der Bildenden Kunst ausgewiesen und aufgrund ihrer Flächenbezogenheit von der Skulptur und Architektur als dreidimensionalen Kunstformen unterschieden. Im Kontext der flächenbezogenen Künste sind materiale und technische Abgrenzungen, beispielsweise zur Zeichnung, zur Druckgrafik und zum Relief geläufig, genauso wie funktionale Differenzierungen etwa hinsichtlich der Wandmalerei, des Tafelbildes u.s.f. Bevor es die Kunst-, die Medienwissenschaften und die Bildwissenschaften gab, wurden Fragen an das Medium Malerei im Rahmen der Ästhetik und Kunsttheorie sowie im Rahmen künstlertheoretischer Traktate thematisiert. In der älteren Kunsttheorie kann der Paragone, der Vergleich zwischen den verschiedenen Gattungen der Bildenden Kunst, als Vorläufer medienästhetischer Debatten gelten. Insbesondere im 16. Jahrhundert wurde der „Wettstreit der Künste“ nicht nur genutzt, um eine Rangfolge der Künste festzulegen, sondern um die Grundlagen bzw. Prinzipien der verschiedenen Künste zu bedenken. In Leonardos Schriften zur Malerei ([Farago 1992a]Farago, Claire J. (1992): Leonardo da Vinci’s Paragone. A Critical Interpretation with a New Edition of the Text in the Codex Urbinas. Brill, Leiden, New York, Kopenhagen, Köln. ). Die Laokoon-Debatte spielt als Referenzpunkt bis in die kunsthistorische Medienreflexion des 20. Jahrhunderts hinein eine entscheidende Rolle, worauf nicht zuletzt Clement Greenbergs „Towards a Newer Laocoon“ (1940)[1] verweist, ein Text, der als Basis von Greenbergs modernistischer Konzeption der Malerei als Bildmedium verstanden werden kann. In einer eigenwilligen Verschränkung historiographisch-ideologiekritischer und systematisch-geschichtsphilosophischer Argumente beschreibt Greenberg die Entwicklung der Kunst seit Manet als Auseinandersetzung der Malerei mit den eigenen medienästhetischen Bedingungen, zugleich fordert er (als Kunstkritiker), daß dieser Essentialismus in immer ‚reinerer‘ Form zur Geltung kommen müsse: der Malerei (als Bildmedium) sei die Auseinandersetzung mit bzw. im Medium wesentlich, ja das Medium sei die eigentliche Inspirationsquelle aller Kunst. Deutlich zeichnen sich in dieser Position die Erfahrungen mit der Abstraktion insbesondere seit den 1920er Jahren ab; Greenbergs – antiliterarisches – Malereiverständnis basiert wesentlich auf einem Bildbegriff der Abstraktion.
In der kritischen Auseinandersetzung mit Greenbergs Thesen hat u.a. Thierry de Duve zu einer Dekonstruktion des modernistischen Medienverständnisses beigetragen und der Medienspezifik (der Malerei) im Sinne Clement Greenbergs das Generische (der Kunst) im Anschluß an Marcel Duchamp und den Minimalismus entgegengesetzt ([de Duve 1990a]de Duve, Thierry (1990): The Monochrome and the Blank Canvas. In: Guilbaut, S. (Hg.), Reconstructing Modernism. Art in New York, Paris and Montreal 1945-1964. The MIT Press, Cambridge/Mass. optional BeispieleAuswirkungen auf andere Begriffe |
Anmerkungen
Literatur
[Alpers 1985a]Alpers, Svetlana (1985): Kunst als Beschreibung. Holländische Malerei des 17. Jahrhunderts. DuMont, Köln.[Asemissen & Schweikhart 1994a]Asemissen, Hermann Ulrich & Schweikhart, Gunter (1994): Malerei als Thema der Malerei. Akademie, Berlin.[Baader 2003a]Baader, Hannah (2003): Paragone. In: Pfisterer, U. (Hg.), Metzler Lexikon Kunstwissenschaft. Ideen – Methoden – Begriffe. J.B. Metzler, Stuttgart, Weimar.[Belting 2008a]Belting, Hans (2008): Florenz und Bagdad. Eine westöstliche Geschichte des Blicks. C.H. Beck, München.[Boehm 1985a]Boehm, Gottfried (1985): Der Andere als Prototyp. In: Boehm, G. (Hg.), Bildnis und Individuum. Über den Ursprung der Porträtmalerei in der italienischen Renaissance. Prestel, München.[Bredekamp 2000a]Bredekamp, Horst (2000): Antikensehnsucht und Maschinenglauben. Die Geschichte der Kunstkammer und die Zukunft der Kunstgeschichte. Wagenbach, Berlin.[Büttner 2003a]Büttner, Frank (2003): Perspektive. In: Pfisterer, U. (Hg.), Metzler Lexikon Kunstwissenschaft. Ideen – Methoden – Begriffe. JB Metzler, Stuttgart, Weimar.[Edgerton 2002a]Edgerton, Samuel Y. (2002): Die Entdeckung der Perspektive. Fink, München.[Farago 1992a]Farago, Claire J. (1992): Leonardo da Vinci’s Paragone. A Critical Interpretation with a New Edition of the Text in the Codex Urbinas. Brill, Leiden, New York, Kopenhagen, Köln.[Greenberg 1997a]Greenberg, Clement (1997): Zu einem neuen Laokoon. In: Lüdeking, K. (Hg.), Clement Greenberg – Die Essenz der Moderne. Ausgewählte Essays und Kritiken. Philo Fine Arts, Amsterdam, Dresden.[Imdahl 1987a]Imdahl, Max (1987): Farbe. Kunsttheoretische Reflexionen in Frankreich. Fink, München.[Kemp 1974a]Kemp, Wolfgang (1974): Disegno. Beiträge zu einer Geschichte des Begriffs zwischen 1547 und 1607. Marburger Jahrbuch für Kunstwissenschaf, 19.[Krauss 1999a]Krauss, Rosalind (1999): Reinventing the Medium. Critical Inquiry, 25,, 2.[Krauss 2000a]Der Eintrag existiert noch nicht.[Kruse 2003a]Kruse, Christiane (2003): Wozu Menschen malen. Historische Begründungen eines Bildmediums. Fink, München.[König & Obrist 1993a]König, Kasper & Obrist, Hans-Ulrich (Hg.) (1993): Der zerbrochene Spiegel. Positionen zur Malerei. Kunsthalle Wien / Deichtorhallen Hamburg, Wien.[Liesbrock 2010a]Liesbrock, Heinz (Hg.) (2010): Ad Reinhardt: Letzte Bilder. Josef Albers Museum Quadrat Bottrop, Düsseldorf.[Meinhardt 1997a]Meinhardt, Johannes (1997): Ende der Malerei und Malerei nach dem Ende der Malerei. Hatje Cantz, Ostfildern-Ruit.[Mendelsohn 1982a]Mendelsohn, Leatrice (1982): Paragoni. Benedetto Varchi’s Due Lezioni and Cinquecento Art Theory. UMI Research Press, Ann Arbor.[Michalsky 2005a]Michalsky, Tanja (2005): Raum visualisieren. Zur Genese des modernen Raumverständnisses in den Medien der Frühen Neuzeit. In: Geppert, A. C.; Jensen, U. & Weinhold, J. (Hg.), Ortsgespräche. Raum und Kommunikation im 19. und 20. Jahrhundert. transcript, Bielefeld.[Panofsky 1924a]Panofsky, Erwin (1998): Die Perspektive als symbolische Form (1924). In: Michels, K. & Warnke, M. (Hg.), Erwin Panofsky, Deutschsprachige Aufsätze, Bd. 2. Akademie, Berlin.[Perrault 1964a]Perrault, Charles (1964): Parallèle des Anciens et des Modernes en ce qui regarde les Arts et les Sciences. Eidos, München.[Pfisterer & von Rosen 2006a]Pfisterer, Ulrich & von Rosen, Valeska (Hg.) (2006): Der Künstler als Kunstwerk. Selbstporträts vom Mittelalter bis zur Gegenwart. reclam, Stuttgart.[Puttfarken 1985a]Puttfarken, Thomas (1985): Roger de Piles‘ Theory of Art. Yale Univ. Press, New Haven, London.[Puttfarken 1991a]Puttfarken, Thomas (1991): The Dispute about Disegno and Colorito in Venice. Paolo Pino, Lodovico Dolce and Titian. In: Glanz, P.; Gosebruch, M.; Meier, N. & Warnke, M. (Hg.), Kunst und Kunsttheorie 1400–1900. Harrassowitz, Wiesbaden.[Stierle 1984a]Stierle, Karlheinz (1984): Das bequeme Verhältnis. Lessings Laokoon und die Entdeckung des ästhetischen Mediums. In: Gebauer, G. (Hg.), Das Laokoon-Projekt: Pläne einer semiotischen Ästhetik. Metzler, Stuttgart.[Stoichita 1998a]Stoichita, Victor I. (1998): Das selbstbewusste Bild. Vom Ursprung der Metamalerei. Fink, München.[Winner 1962a]Winner, Matthias (1962): Gemalte Kunsttheorie. Zu Gustave Courbets «Allégorie réelle» und der Tradition. Jahrbuch der Berliner Museen, 4.[de Duve 1990a]de Duve, Thierry (1990): The Monochrome and the Blank Canvas. In: Guilbaut, S. (Hg.), Reconstructing Modernism. Art in New York, Paris and Montreal 1945-1964. The MIT Press, Cambridge/Mass. Verantwortlich: Seitenbearbeitungen durch: Joerg R.J. Schirra, Martina Dobbe, Eva Schürmann, Marcel Lemmes und Sebastian Spanknebel — (Hinweis) |