Bildzitat: Unterschied zwischen den Versionen
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===== | =====Interbildlichkeit, Interpikturalität und Interikonizität===== | ||
<!--Zur Darstellung von Bildbeziehungen wird häufig auf den literaturwissenschaftlichen Ansatz der Intertextualität zurückgegriffen, den Julia Kristeva in den 1970er Jahren zur Beschreibung von Textbeziehungen in Anlehnung an Michail Bachtins Konzept der Dialogizität entwickelte. Der Begriff der Intertextualität wird in kunstwissenschaftlichen Arbeiten zum Teil direkt auf das Medium Bild übertragen, da entweder explizit textähnliche Strukturen von Bild-Bild-Bezügen – etwa die intertextuelle Metamalerei (Stoichita 1998) – untersucht werden oder sich bildspezifischere Begrifflichkeiten noch nicht großflächig in der Forschung durchgesetzt haben (Rose 2006: 60). Mieke Bal verwendet für Bildzitate den Ausdruck quotation als Sprach- und Bildmedium übergreifender Terminus. Nach Bals Definition benennt quotation die „intersection of iconography and intertextuality“ (Bal 1999: 8), bei der sich Zitiertes und Zitierendes semantisch-diskursiv beeinflussen und überlagern. | |||
Darüber hinaus finden sich verschiedene Termini in der Literatur, die intertextuelle Taxonomien und Herangehensweisen adaptieren: | |||
- Interbildlichkeit (Rose 2006) bezeichnet einerseits Bildbeziehungen und Bildreflektionen im Medium Bild und andererseits eine literarische Interbildlichkeit, die durch eine im übertragenen Sinne vorhandene Bildlichkeit der Sprache im Text charakterisiert ist, z. B. die Verknüpfungen von Sprachbildern. | |||
- Interpikturalität (zusammenfassend Rosen 2003), auch in der Schreibweise Interpiktoralität: Hierbei handelt es sich um Beziehungen zwischen Bildern, die in der Übernahme von Termini aus der Sprach- und Literaturwissenschaft als Zitat oder Allusion gekennzeichnet werden. Analog zu Text-Text-Beziehungen stellt sich die Frage, wie Markierungen von Bildbezügen aussehen könnten oder wie verschiedene Deutlichkeitsgrade von Referenzen auseinander zu halten sind. | |||
Wie bei der Erforschung von Textrelationen sind Phänomen und Beschreibung von Bildkontakten in der gesamten Kunstgeschichte zu finden. Die traditionelle Quellenforschung der Kunstgeschichte unterscheidet sich jedoch insofern von dem neueren Interpikturalitätsdiskurs, als in ersterer versucht wird, Einflüsse nachzuvollziehen und Beziehungslinien abzubilden. Letztere indes nimmt die sinnproduzierenden und konstitutiven Funktionen von Bildbezügen in Kunstwerken in den Blick. | |||
- Interikonizität (Zuschlag 2006; Gamer 2007): Zuschlag strebt unter diesem Terminus ein mehrdimensionales Modell an, das sowohl eine Typologie der interikonischen Bezugnahmen nach formalen und inhaltlichen Einteilungen, als auch die funktionalen und historischen Bedingungen und Kontexte sowie produktions- und rezeptionsästhetische Sichtweisen berücksichtigt. Diese Vorgehensweise soll eine differenzierte Beschreibung der einzelnen Bezugnahmen und der Rolle des Rezipienten ermöglichen. In der Übertragung vom Medium des Textes auf Objekte der Kunst müssten folgende Aspekte diskutiert werden: die Frage eines engen oder weiten Interikonizitätsbegriffs, Fragen von Autorschaft und Intentionalität, des Wechselverhältnisses von bildlichem Prätext und Posttext sowie des Nutzen von Kategorien wie Einzeltextreferenz, System- oder Gattungsreferenz. | |||
Eine Anwendung des interikonischen Konzepts liegt bisher nur in Ansätzen vor. Zuschlag weist auf die Notwendigkeit hin, bei der Übernahme textbasierter Kategorien die spezifischen Charakteristika des Mediums Bild zu berücksichtigen. Gerade in diesem Punkt bestehen noch keine Lösungsvorschläge. Wagner kritisiert an Zuschlags Begriff der Interikonizität, dass dieser auf rein bildliche Relationen fokussiert ist. Sie bedürfen jedoch stets sprachlicher Vermittlung und Bedeutungsstiftung, so dass Interikonizität auf sprachliche Intertextualität angewiesen ist. (Wagner 2006: 221). | |||
- Vereinzelt sind Arbeiten zu Bildzitaten in verschiedenen visuellen Formaten (Malerei, Fotografie, Film) (Böhn 1999), zu zitierenden Bezügen zwischen filmischen Stills und Werken des kunstgeschichtlichen Kanons (Keitz 1994) sowie zu Zitaten in intermedialen Relationen zwischen Texten und Bildern (Horstkotte/Leonhard 2006; zum Ikonotext Horstkotte 2009) zu finden. Sie stützen sich weitestgehend auch auf eine literaturwissenschaftlich orientierte Herangehensweise. | |||
Mit diesen Begrifflichkeiten wird versucht, dem Bildtransfer nachzugehen, intermediale und interkulturelle Bildbeziehungen und damit verschiedenen Medien, Zeitschichten und Diskurse zu berücksichtigen (Schulz 2010: 322 f.). | |||
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=====Auswirkungen auf andere Begriffe===== | =====Auswirkungen auf andere Begriffe===== | ||
Version vom 22. Dezember 2010, 14:14 Uhr
Unterpunkt zu: Bildpragmatik
FragestellungKunsthistorische Perspektive: Das Bildzitat im Kontext weiterer BildbezügeInterbildlichkeit, Interpikturalität und InterikonizitätAuswirkungen auf andere Begriffe |
Anmerkungen
Literatur
[Asemissen & Schweikhart 1994a]Asemissen, Hermann Ulrich & Schweikhart, Gunter (1994): Malerei als Thema der Malerei. Akademie, Berlin.[Baader 2003b]Baader, Hannah (2003): Einfluss. In: Pfisterer, U. (Hg.), Metzler Lexikon Kunstwissenschaft. Ideen – Methoden – Begriffe. Metzler, Stuttgart, Weimar.[Bal 1999a]Bal, Mieke (1999): Quoting Caravaggio. Contemporary Art, Preposterous History. The University of Chicago Press, Chicago.[Barabash 2010a]Barabash, Igor (2010): Das Bildzitat im Internet. Shaker, Aachen.[Baxmann 2001a]Baxmann, Inge (2001): Körperzitate. In: Gutenberg, A. & Poole, R.J. (Hg.), Zitier-Fähigkeit. Findungen und Erfindungen des Anderen. Erich Schmidt, Berlin.[Belting 1998a]Belting, Hans (1998): Das unsichtbare Meisterwerk. Die modernen Mythen der Kunst. C.H. Beck, München.[Birk 2012a]Birk, Elisabeth (2012): Nelson Goodmans Begriff der Exemplifikation und seine Anwendung in den Bildwissenschaften. In: Jäger, L.; Fehrmann, G. & Adam M. (Hg.), Medienbewegungen. Praktiken der Bezugnahme. Fink, München.[Böhn 1999a]Böhn, Andreas (1999): Intermediale Form- und Stilzitate in Photographie und Film bei Godard, Greenaway und Cindy Sherman. In: Böhn, A. (Hg.), Formzitate, Gattungsparodien, ironische Formverwendung: Gattungsformen jenseits von Gattungsgrenzen. Röhrig, St. Ingbert.[Calame & Thouvenin 2008a]Calame, Thierry & Thouvenin, Florent (2008): Das Bildzitat. In: Schmitz, W. et al. (Hg.), Probleme des neuen Urheberrechts für die Wissenschaft, den Buchhandel und die Bibliotheken. Harrassowitz, Wiesbaden.[Eilert 1991a]Eilert, Heide (1991): Das Kunstzitat in der erzählenden Dichtung. Studien zur Literatur um 1900. Steiner, Stuttgart.[Gamer 2007a]Gamer, Elisabeth-Christine (2007): Überlegungen zur Interikonizität. Malewitsch, Duchamp, Warhol und die Mona Lisa. In: Herrmann, K. & Hübenthal, S. (Hg.), Intertextualität. Perspektiven auf ein interdiziplinäres Arbeitsfeld. Shaker, Aachen.[Goodman 1990a]Goodman, Nelson (1990): Weisen der Welterzeugung. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Hammer-Tugendhat 2009a]Hammer-Tugendhat, Daniela (2009): Das Sichtbare und das Unsichtbare. Zur holländischen Malerei des 17. Jahrhunderts. Böhlau, Köln.[Horstkotte & Leonhard 2006a]Horstkotte, Silke & Leonhard, Karin (Hg.) (2006): Lesen ist wie Sehen. Intermediale Zitate in Bild und Text. Böhlau, Köln.[Keitz 1994a]Keitz, Ursula von (1994): Dialogizität der Bilder. Bemerkungen zum Verhältnis von Bildender Kunst und Film aus semiotischer Sicht. In: Paech, J. (Hg.), Film, Fernsehen, Video. Strategien der Intermedialität. Metzler, Weimar.[Kemp 1995a]Kemp, Wolfgang (1995): Praktische Bildbeschreibung. Über Bilder in Bildern, besonders bei Van Eyck und Mantegna. In: Boehm, G. & Pfotenhauer, H. (Hg.), Beschreibungskunst – Kunstbeschreibung. Ekphrasis von der Antike bis zur Gegenwart. Fink, München.[Neumann 1980a]Neumann, Horst Peter (1980): Das Eigene und das Fremde. Über die Wünschbarkeit einer Theorie des Zitierens. Akzente. 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