GIB - Glossar der Bildphilosophie:Vorwort: Unterschied zwischen den Versionen

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===Intentionen===
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Ein Großteil der Absichten, die wir mit dem Glossar der Bildphilosophie verfolgen, ergeben sich aus den Bestandteilen seines Namens.  
Ein Großteil der Absich­ten, die wir mit dem Glossar der Bild­philo­sophie verfol­gen, erge­ben sich aus den Bestand­teilen seines Namens.  
 
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'''»Glossar«:''' „Ein fachsprachliches oder technisches Glossar listet die Terminologie einer Fachsprache oder eines technischen Sachgebietes mit begrifflich-sachlichen Definitionen auf, die den richtigen Gebrauch dieser Fachausdrücke und deren eindeutiges Verständnis sichern sollen.“ heißt es bei «Wikipedia».<ref>siehe [http://de.wikipedia.org/wiki/Glossar Wikipedia: Glossar]</ref> Faktisch variiert die Länge der einzelnen Artikel bei bestehenden Glossaren beträchtlich. Von knappen, nur wenige Zeilen umfassenden Wörterbucheinträgen zu je einem einzelnen Fachterminus reicht die Spannbreite bis zu umfangreichen Abhandlungen, die größere Zusammenhänge eher im Sinne eines Handbuchs erläutern und entsprechend oft viele Fachtermini in ihrem jeweiligen Kontext ausführlicher betrachten. Die Art der Artikel hat natürlich neben den sachlichen, dem jeweiligen Fachgebiet geschuldeten Gründen auch merklichen Einfluß darauf, wie die Schlagwörter im Glossar geordnet sind, insbesondere wenn neben rein äußerliche Gliederungskriterien, wie die alphabetische Anordnung der Lemmata, inhaltliche Gliederungskriterien treten. Dabei führt eine strikte hierarchische Aufgliederung zwar zu einer besonders übersichtlichen Strukturierung, entspricht aber häufig nicht den sachlichen Gegebenheiten des betrachteten Sachgebiets. In den mit diesem System präsentierten Seiten handelt es sich um ein online-verfügbares Glossar zum Fachgebiet ''Bildphilosophie''.<ref>Zum “Medium” Wiki, in dem das Glossar hier erstellt und präsentiert wird, siehe auch [http://humanities.uchicago.edu/faculty/mitchell/glossary2004/wiki.htm The University of Chicago :: Theories of Media :: Keywords Glossary :: wiki]. </ref>   
'''»Glossar«:''' „Ein fachsprach&shy;liches oder techni&shy;sches Glossar listet die Termi&shy;nolo&shy;gie einer Fach&shy;sprache oder eines techni&shy;schen Sachge&shy;bietes mit begriff&shy;lich-&#8203;sachli&shy;chen Defi&shy;niti&shy;onen auf, die den richti&shy;gen Gebrauch dieser Fachaus&shy;drücke und deren eindeu&shy;tiges Verständ&shy;nis sichern sollen.“ heißt es bei «Wiki&shy;pedia».<ref>sie&shy;he [http://de.wikipedia.org/wiki/Glossar Wikipedia: Glossar]</ref> Faktisch vari&shy;iert die Länge der einzel&shy;nen Arti&shy;kel bei beste&shy;henden Glossa&shy;ren beträcht&shy;lich. Von knappen, nur weni&shy;ge Zeilen umfas&shy;senden Wörter&shy;buchein&shy;trägen zu je einem einzel&shy;nen Fachter&shy;minus reicht die Spann&shy;breite bis zu umfang&shy;reichen Abhand&shy;lungen, die größe&shy;re Zusam&shy;menhän&shy;ge eher im Sinne eines Handbuchs erläu&shy;tern und entspre&shy;chend oft viele Fachter&shy;mini in ihrem jewei&shy;ligen Kontext ausführ&shy;licher betrach&shy;ten. Die Art der Arti&shy;kel hat natür&shy;lich neben den sachli&shy;chen, dem jewei&shy;ligen Fachge&shy;biet geschul&shy;deten Gründen auch merkli&shy;chen Einfluß darauf, wie die Schlagwör&shy;ter im Glossar geord&shy;net sind, insbe&shy;sonde&shy;re wenn neben rein äußer&shy;liche Gliede&shy;rungskri&shy;terien, wie die alpha&shy;beti&shy;sche Anord&shy;nung der Lemma&shy;ta, inhalt&shy;liche Gliede&shy;rungskri&shy;terien treten. Dabei führt eine strikte hierar&shy;chische Aufglie&shy;derung zwar zu einer beson&shy;ders über&shy;sichtli&shy;chen Struktu&shy;rierung, entspricht aber häufig nicht den sachli&shy;chen Gege&shy;benhei&shy;ten des betrach&shy;teten Sachge&shy;biets. In den mit diesem System präsen&shy;tierten Seiten handelt es sich um ein online&#8203;-verfüg&shy;bares Glossar zum Fachge&shy;biet ''Bild&shy;philo&shy;sophie''.<ref>Zum “Me&shy;di&shy;um” Wi&shy;ki, in dem das Glos&shy;sar hier er&shy;stellt und prä&shy;sen&shy;tiert wird, sie&shy;he auch [http://humanities.uchicago.edu/faculty/mitchell/glossary2004/wiki.htm The University of Chicago :: Theories of Media :: Keywords Glossary :: wiki]. </ref>   
 
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'''»Bildphilosophie«:''' Dieses Glossar soll die spezifischen Begriffe der Bildphilosophie auf kurze, sachliche Weise bestimmen und im jeweiligen Kontext verständlich machen. Sei daher das Fachgebiet Bildphilosophie zunächst von den beiden seine Bezeichnung konstituierenden Begriffen &raquo;Bild&laquo; und &raquo;Philosophie&laquo; her näher bestimmt:  
'''»Bildphilosophie«:''' Dieses Glossar soll die spezi&shy;fischen Begrif&shy;fe der Bild&shy;philo&shy;sophie auf kurze, sachli&shy;che Weise bestim&shy;men und im jewei&shy;ligen Kontext verständ&shy;lich machen. Sei daher das Fachge&shy;biet Bild&shy;philo&shy;sophie zunächst von den beiden seine Bezeich&shy;nung konsti&shy;tuieren&shy;den Begrif&shy;fen &raquo;Bild&laquo; und &raquo;Philo&shy;sophie&laquo; her näher bestimmt:  
 
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'''»Bild«:''' Im Alltagsleben kann wohl jeder mehr oder weniger intuitiv Bilder unterscheiden von anderen Dingen. Diese Intuitionen mögen zunächst auch genügen, um sich dem Thema der Bildphilosophie zu nähern. Allerdings fällt es der Fachwelt nach wie vor schwer, sich auf eine prägnante Definition des Begriffs »Bild« zu einigen. Tatsächlich ist immer noch umstritten, ob überhaupt nur ein einziger Begriff vorliegt oder eine Überlagung mehr oder weniger verwandter Begriffe im Sinne der Wittgensteinschen Familienähnlichkeit, oder ob schließlich nicht gar die Bildphänomene so heterogen sind, dass vernünftiger Weise nur von einer Menge teilweise völlig unterschiedlicher Bildbegriffe auszugehen ist. Metaphorische Übertragungen vom Bereich der Bilder im engeren Sinn auf ansonsten ganz anders geartete Phänomene verkomplizieren die Lage zusätzlich: Ist etwa ein Feindbild tatsächlich ein Bild oder nur eine – dann wie geartete – Metapher?   
'''»Bild«:''' Im Alltags&shy;leben kann wohl jeder mehr oder weni&shy;ger intu&shy;itiv Bilder unter&shy;scheiden von anderen Dingen. Diese Intu&shy;iti&shy;onen mögen zunächst auch genü&shy;gen, um sich dem Thema der Bild&shy;philo&shy;sophie zu nähern. Aller&shy;dings fällt es der Fachwelt nach wie vor schwer, sich auf eine prägnan&shy;te Defi&shy;niti&shy;on des Begriffs »Bild« zu eini&shy;gen. Tatsäch&shy;lich ist immer noch umstrit&shy;ten, ob über&shy;haupt nur ein einzi&shy;ger Begriff vorliegt oder eine Über&shy;lagung mehr oder weni&shy;ger verwand&shy;ter Begrif&shy;fe im Sinne der Wittgen&shy;steinschen Fami&shy;lienähn&shy;lichkeit, oder ob schließ&shy;lich nicht gar die Bild&shy;phäno&shy;mene so hete&shy;rogen sind, dass vernünf&shy;tiger Weise nur von einer Menge teil&shy;weise völlig unter&shy;schiedli&shy;cher Bildbe&shy;griffe auszu&shy;gehen ist. Meta&shy;phori&shy;sche Über&shy;tragun&shy;gen vom Bereich der Bilder im enge&shy;ren Sinn auf ansons&shy;ten ganz anders gear&shy;tete Phäno&shy;mene verkom&shy;plizie&shy;ren die Lage zusätz&shy;lich: Ist etwa ein Feind&shy;bild tatsäch&shy;lich ein Bild oder nur eine – dann wie gear&shy;tete – Meta&shy;pher?   
 
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Selbst innerhalb des zentralen Phänomenbereichs gibt es bekanntlich so große Unterschiede, dass realistische, abstrakte, strukturelle oder reflexiv gebrauchte Bildtypen (um nur einige zu nennen) nur schwer auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden können. Allerdings scheint weitgehend Einigkeit unter den gegenwärtigen Bildforschern zu herrschen, dass eine ausgearbeitete Analyse des Begriffsfeldes um den Begriff »Bild« jedenfalls die folgenden Differenzierungen aufgreifen sollte: 1) Bei vielen, aber nicht bei allen Bildern kann von etwas Abgebildetem – das im Übrigen nicht real sein muss – geredet werden. 2) Wenn wir von etwas Abgebildetem sprechen, kann das entweder etwas sein, was man visuell wahrnehmen kann, oder nicht: Im ersten Fall kann das (dann oft als ‘darstellendes Bild’ bezeichnete) Bild dem Abgebildeten visuell mehr oder weniger ähneln – das darstellende Bild ist mehr oder weniger naturalistisch (bzw. weniger oder mehr abstrahiert). Im zweiten Fall – etwas Nicht-Visuelles wird abgebildet – handelt es sich um eine Art Strukturbild. 3) Alle Bilder, auch die ohne Abgebildetes, können dazu verwendet werden, auf Aspekte der Bildverwendung exemplarisch hinzuweisen: das ist der reflexive Gebrauch des Bildes. Bei Bildern ohne Abgebildetes (den so genannten ‘nicht-gegenständlichen’ Bildern) ist das der einzige Gebrauch.  
Selbst innerhalb des zentralen Phänomenbereichs gibt es bekanntlich so große Unterschiede, dass realistische, abstrakte, strukturelle oder reflexiv gebrauchte Bildtypen (um nur einige zu nennen) nur schwer auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden können. Allerdings scheint weitgehend Einigkeit unter den gegenwärtigen Bildforschern zu herrschen, dass eine ausgearbeitete Analyse des Begriffsfeldes um den Begriff »Bild« jedenfalls die folgenden Differenzierungen aufgreifen sollte: 1) Bei vielen, aber nicht bei allen Bildern kann von etwas Abgebildetem – das im Übrigen nicht real sein muss – geredet werden. 2) Wenn wir von etwas Abgebildetem sprechen, kann das entweder etwas sein, was man visuell wahrnehmen kann, oder nicht: Im ersten Fall kann das (dann oft als ‘darstellendes Bild’ bezeichnete) Bild dem Abgebildeten visuell mehr oder weniger ähneln – das darstellende Bild ist mehr oder weniger naturalistisch (bzw. weniger oder mehr abstrahiert). Im zweiten Fall – etwas Nicht-Visuelles wird abgebildet – handelt es sich um eine Art Strukturbild. 3) Alle Bilder, auch die ohne Abgebildetes, können dazu verwendet werden, auf Aspekte der Bildverwendung exemplarisch hinzuweisen: das ist der reflexive Gebrauch des Bildes. Bei Bildern ohne Abgebildetes (den so genannten ‘nicht-gegenständlichen’ Bildern) ist das der einzige Gebrauch.  



Version vom 25. Juni 2014, 10:40 Uhr

Vorwort

Eine der Aufgaben, die sich das DFG-​geför­derte Forscher­netzwerk «Bild­philo­sophie» zu seiner Gründung im Jahre 2009 gestellt hatte, bestand darin, ein Glossar zu wichti­gen Begrif­fen der Bild­philo­sophie zusam­menzu­stellen und der Allge­meinheit verfüg­bar zu machen. Dies soll den Über­blick über das mittler­weile ausge­sprochen breite Spektrum bild(er)­wissen­schaftli­cher Forschun­gen, die in den letzten Jahren in den unter­schiedli­chen Wissen­schaftsdis­zipli­nen unter­nommen worden sind und die noch immer unter­nommen werden, erleich­tern helfen. Wie so oft bei vergleich­baren Projek­ten stellte sich diese Aufga­be letztlich als wesent­lich umfang­reicher heraus, als mit der im Netzwerk gebün­delten Arbeits­kraft in der verfüg­baren Zeit trotz tatkräf­tiger Hilfe zahlrei­cher Gast­auto­ren zu bewäl­tigen war. Trotz zahlrei­cher Abstri­che, die wir daher gegen unse­re ursprüng­lichen Plänen machen mussten, freuen wir uns, hier nach ca. vier Jahren Arbeit ein über 100 Stichpunk­te umfas­sendes Glossar wichti­ger bild­philo­sophi­scher Begrif­fe vorle­gen zu können.[1] Allen, die dazu beige­tragen haben, sei an dieser Stelle ganz herzlich gedankt!

Intentionen

Ein Großteil der Absich­ten, die wir mit dem Glossar der Bild­philo­sophie verfol­gen, erge­ben sich aus den Bestand­teilen seines Namens.

»Glossar«: „Ein fachsprach­liches oder techni­sches Glossar listet die Termi­nolo­gie einer Fach­sprache oder eines techni­schen Sachge­bietes mit begriff­lich-​sachli­chen Defi­niti­onen auf, die den richti­gen Gebrauch dieser Fachaus­drücke und deren eindeu­tiges Verständ­nis sichern sollen.“ heißt es bei «Wiki­pedia».[2] Faktisch vari­iert die Länge der einzel­nen Arti­kel bei beste­henden Glossa­ren beträcht­lich. Von knappen, nur weni­ge Zeilen umfas­senden Wörter­buchein­trägen zu je einem einzel­nen Fachter­minus reicht die Spann­breite bis zu umfang­reichen Abhand­lungen, die größe­re Zusam­menhän­ge eher im Sinne eines Handbuchs erläu­tern und entspre­chend oft viele Fachter­mini in ihrem jewei­ligen Kontext ausführ­licher betrach­ten. Die Art der Arti­kel hat natür­lich neben den sachli­chen, dem jewei­ligen Fachge­biet geschul­deten Gründen auch merkli­chen Einfluß darauf, wie die Schlagwör­ter im Glossar geord­net sind, insbe­sonde­re wenn neben rein äußer­liche Gliede­rungskri­terien, wie die alpha­beti­sche Anord­nung der Lemma­ta, inhalt­liche Gliede­rungskri­terien treten. Dabei führt eine strikte hierar­chische Aufglie­derung zwar zu einer beson­ders über­sichtli­chen Struktu­rierung, entspricht aber häufig nicht den sachli­chen Gege­benhei­ten des betrach­teten Sachge­biets. In den mit diesem System präsen­tierten Seiten handelt es sich um ein online​-verfüg­bares Glossar zum Fachge­biet Bild­philo­sophie.[3]

»Bildphilosophie«: Dieses Glossar soll die spezi­fischen Begrif­fe der Bild­philo­sophie auf kurze, sachli­che Weise bestim­men und im jewei­ligen Kontext verständ­lich machen. Sei daher das Fachge­biet Bild­philo­sophie zunächst von den beiden seine Bezeich­nung konsti­tuieren­den Begrif­fen »Bild« und »Philo­sophie« her näher bestimmt:

»Bild«: Im Alltags­leben kann wohl jeder mehr oder weni­ger intu­itiv Bilder unter­scheiden von anderen Dingen. Diese Intu­iti­onen mögen zunächst auch genü­gen, um sich dem Thema der Bild­philo­sophie zu nähern. Aller­dings fällt es der Fachwelt nach wie vor schwer, sich auf eine prägnan­te Defi­niti­on des Begriffs »Bild« zu eini­gen. Tatsäch­lich ist immer noch umstrit­ten, ob über­haupt nur ein einzi­ger Begriff vorliegt oder eine Über­lagung mehr oder weni­ger verwand­ter Begrif­fe im Sinne der Wittgen­steinschen Fami­lienähn­lichkeit, oder ob schließ­lich nicht gar die Bild­phäno­mene so hete­rogen sind, dass vernünf­tiger Weise nur von einer Menge teil­weise völlig unter­schiedli­cher Bildbe­griffe auszu­gehen ist. Meta­phori­sche Über­tragun­gen vom Bereich der Bilder im enge­ren Sinn auf ansons­ten ganz anders gear­tete Phäno­mene verkom­plizie­ren die Lage zusätz­lich: Ist etwa ein Feind­bild tatsäch­lich ein Bild oder nur eine – dann wie gear­tete – Meta­pher?

Selbst innerhalb des zentralen Phänomenbereichs gibt es bekanntlich so große Unterschiede, dass realistische, abstrakte, strukturelle oder reflexiv gebrauchte Bildtypen (um nur einige zu nennen) nur schwer auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden können. Allerdings scheint weitgehend Einigkeit unter den gegenwärtigen Bildforschern zu herrschen, dass eine ausgearbeitete Analyse des Begriffsfeldes um den Begriff »Bild« jedenfalls die folgenden Differenzierungen aufgreifen sollte: 1) Bei vielen, aber nicht bei allen Bildern kann von etwas Abgebildetem – das im Übrigen nicht real sein muss – geredet werden. 2) Wenn wir von etwas Abgebildetem sprechen, kann das entweder etwas sein, was man visuell wahrnehmen kann, oder nicht: Im ersten Fall kann das (dann oft als ‘darstellendes Bild’ bezeichnete) Bild dem Abgebildeten visuell mehr oder weniger ähneln – das darstellende Bild ist mehr oder weniger naturalistisch (bzw. weniger oder mehr abstrahiert). Im zweiten Fall – etwas Nicht-Visuelles wird abgebildet – handelt es sich um eine Art Strukturbild. 3) Alle Bilder, auch die ohne Abgebildetes, können dazu verwendet werden, auf Aspekte der Bildverwendung exemplarisch hinzuweisen: das ist der reflexive Gebrauch des Bildes. Bei Bildern ohne Abgebildetes (den so genannten ‘nicht-gegenständlichen’ Bildern) ist das der einzige Gebrauch.

»Philosophie«: Eine gleichermassen allgemein anerkannte wie aussagekräftige Charakterisierung der Philosophie zu geben gehört bekanntlich nicht zu den einfacheren Aufgaben. Einigen mag man sich immerhin darauf, dass eine ihrer wesentlichen Aufgaben darin besteht, bestehende Unterscheidungsgewohnheiten begriffskartografisch aufzunehmen, zu versuchen, sie systematisch zu ordnen, und ihre Zusammenhänge kritisch zu hinterfragen. Das betrifft auch die Unterscheidungsgewohnheiten, die sich in den verschiedenen empirischen Einzeldisziplinen, die auf die eine oder andere Weise thematisch mit Bildern befasst sind, herausgebildet haben, aber auch den mit Aspekten von Bildlichkeit befassten Teilgebieten der Philosophie, insbesondere Ästhetik und Epistemologie.

Zentrales Anliegen einer Philosophie des Bildes ist insbesondere zu untersuchen, was es grundsätzlich bedeutet, mit Bildern umgehen zu können und dabei zugleich die Frage zu beantworten, welchen Begriff wir uns von Wesen machen müssen, die über Bildfähigkeit verfügen. Als Reflexion auf die Medialität und Materialität von Denken und Rationalität trägt Bildphilosophie zudem bei zur ständigen medialen und methodologischen Selbstvergewisserung von Philosophie.

»Glossar der Bildphilosophie«: Das hier vorliegende Glossar der Bildphilosophie richtet sich gleichermassen an interessierte Laien wie das Fachpublikum aus dem gesamten Bereich der Bildwissenschaften. Als Präsentationsform wurde dafür in technischer Hinsicht ein online-System gewählt, das auch der seit einigen Jahren zunehmend an Bedeutung gewinnenden «Wikipedia» als Basis dient, so daß eine gute Zugänglichkeit und einfache Bedienbarkeit mit der fundierten Annahme verbunden werden konnte, vielen potentiellen Nutzern des Glossars dürfe die Grundlagen der Bedienung des Systems bereits von «Wikipedia» bekannt sein. Wie bei einer “klassischen” Enzyklopädie wurden die Artikel allerdings von jeweils dafür verpflichteten für das jeweilige Gebiet kompetenten Autoren verfasst, nicht vom breiten Publikum insgesamt. Die Arbeit an den Artikeln ist mit Redaktionsende abgeschlossen. Allerdings erlaubt es das Glossarsystem im Gegensatz zu einem Druckwerk, auf einfache Weise nachträgliche Verbesserungen einzubringen.[4]

Erläuterungen zur Aufteilung

Die Logik dieses Glossars soll einer weichen, Überschneidungen zulassenden Systematik entsprechen, also eher im Sinne eines Handbuches als in dem eines Wörterbuchs. Die Struktur des Glossars ist dabei zwar grundsätzlich hierarchisch, erhält aber insbesondere durch hypertextuelle Assoziationen von Artikeln und Themen eine stärker vernetzte zweite Strukturierungsbasis. Auf der obersten Ebene der Hierarchie gibt es sechs Theorieperspektiven, die jeweils einen speziellen thematischen Blickwinkel auf bildphilosophische Themen werfen und neben einer kurzen Einleitung aus je drei bis fünf zentralen Hauptpunkten bestehen. Jeder Hauptpunkt stellt seinerseits einen einleitenden Artikel von ca. anderthalb bis zwei Seiten bereit und fasst eine Menge von Unterpunkten zusammen, die die eigentlichen Glossarartikel bilden und (im Ideal) je etwa vier Manuskriptseiten aufweisen.

Die inhaltliche Aufteilung des Glossars erfolgt demnach in sechs einander durchaus partiell überlappende thematische Felder, die jeweils durch eine bestimmte Art der theoretischen Betrachtungsweise bestimmt sind. Diese sollen im folgenden ganz kurz umrissen und miteinander in Beziehung gestellt werden:

  • Bildtheorie/Bildwissenschaft/Bildkritik: Eine erste Theorieperspektive ist der Vielfalt an theoretischen Diskursen zu Bildern gewidmet, die häufig unter Bezeichnungen wie Bildwissenschaft, Bildtheorie oder Bildkritik laufen. Neben die Systematik der verschiedenen bildtheoretischen Ansätze, zu denen etwa auch Kunstgeschichte, Kunstwissenschaft und Ästhetik zählen, und dazu vorgeschalteten bildwissenschaftlichen Abgrenzungen tritt in diesem Kapitel auch die Beschäftigung mit wichtigen historischen Bildbegriffen auf der metatheoretischen Ebene.
  • Bild und Wahrnehmung: Viele bildtheoretische Begriffe beziehen sich auf die Besonderheiten der Beziehung zwischen Bildern und Wahrnehmung (insbesondere visuelle Wahrnehmung), was eine entsprechende Theorieperspektive rechtfertigt. Neben eine Übersicht über wichtige Begriffe, die allgemeinen Wahrnehmungstheorien eignen, geht es hier einerseits vor allem um Aspekte, die spezifisch bei der Wahrnehmung von Bildern auftreten, andererseits aber auch um Fragen der damit verbundenen bzw. dafür vorausgesetzten Einbildungskraft.
  • Bilder als Zeichen: Solche Aspekte, die sich vor allem aus den als im weiten Sinn kommunikativ verstandenen Verwendungszusammenhängen von Bildern ableiten, sind unter einer eigenen Theorieperspektive zusammengestellt. Neben eine Übersicht zu wichtigen Begriffen allgemeiner Zeichentheorien werden dabei Begriffe für die spezifischen Aspekte bildhafter Zeichen im Sinne bildsyntaktischer, bildsemantischer und bildpragmatischer Fragestellungen erläutert.
  • Bilder als Medien: Unter medientheoretischem Betrachtungswinkel ergeben sich bildtheoretische Aspekte, die weder unter einen im engeren Sinne wahrnehmungstheoretischen noch unter einen im engeren Sinne zeichentheoretischen Ansatz fallen. Dazu zählen unterschwellige Auswirkungen des jeweiligen Verwendungszusammenhangs ebenso wie (mehr oder weniger beabsichtige) Effekte des verwendeten Materials. Neben eine Übersicht über wichtige Begriffe aus allgemein medientheoretischen Ansätzen konzentriert sich diese Theorieperspektive vor allem auf eine Differenzierung in verschiedene Bildmedien und medial unterschiedliche Typen der Bildverwendung.
  • Bild und Sprache: Obwohl sowohl medien- als auch zeichentheoretische Betrachtungen gleichermaßen Bild wie Sprache ins Auge fassen, sprengt die Vielfalt der Beziehungen zwischen Sprache und Bild die jeweiligen Theorieperspektiven und motiviert ein eigenständiges Kapitel. Neben Aspekte des Sprechens über Bilder[5] gehört die komplexe Wechselbeziehung zwischen Schrift und Bild ebenso hierher, wie der Zusammenhang zwischen Bild und rhetorischen Figuren (insbesondere Metaphern). Auch im Zusammenwirken von Bildern und gesprochener oder geschriebener Sprache zu komplexen Medien- bzw. Zeichennutzungen kommen spezifische Sprach-Bild-Bezüge in den Blick. Ergänzend wirft ein Abschnitt zu den Bildtermini in anderen Sprachen ein wenig Licht auf "blinde Flecke", die der Verwendung des modernen Deutsch geschuldet sein mögen.
  • Bildlichkeit: Bedingungen und Folgen: Da auf diese Weise eine spezifische, von den anderen Theorieperspektiven nicht (oder jedenfalls nicht deutlich) aufgezeigte Herangehensweise berücksichtigt werden kann, erscheint es den Herausgebern nach reiflicher Überlegung sinnvoller, unter dem Titel «Bildlichkeit» eine eigene Theorieperspektive für eine Reihe von bildphilosophisch wichtigen Begriffen bereitzustellen, als diese in die fünf anderen Kapitel einzuordnen (obwohl auch das möglich wäre). Dabei wird unter dem Ausdruck ‘Bildlichkeit’ in verschiedenen Forschungstraditionen durchaus recht Unterschiedliches verstanden. Einerseits wird mit dem Ausdruck Bezug genommen auf die charakteristischen Eigenheiten, die einem Gegenstand überhaupt zukommen, wenn er als ein Bild gewertet wird (bzw. die Kompetenzen, die Wesen benötigen, um jene Eigenschaften zuschreiben zu können). Andererseits soll mit dem Wort ein ganz besonderer Komplex von Bildeigenschaften zum Ausdruck gebracht werden, die nämlich nur den „Bildern im emphatischen Sinn“ (...) zukommen. »Bildlichkeit« in diesem zweiten Sinn wäre also gar keine Qualität aller Bilder ganz allgemein, sondern nur von speziellen, ihre Bildlichkeit (im ersten Sinn) besonders hervorhebenden Bildern (oder: Bildern, mit denen sich Bildlichkeit besonders deutlich aufzeigen läßt). Der spezifische Zugang dieser Theorieperspektive besteht in der (wahlweise transzendental-philosophisch oder argumentationstheoretisch-begriffsgenetisch zu verstehenden) Frage nach den Grundbegriffen der Bildlichkeit in dem einen oder anderen Sinn. Zudem ergeben sich aus den begriffsgenetischen Betrachtungen bestimmte Auswirkungen, die die Synthese eines Bildbegriffs auf andere Zusammenhänge hat.

Die damit aufgespannte Hierarchie mit den jeweils zugeordneten Unterpunkten wird ergänzt durch Verteilerseiten, die jeweils zu allen Lemmata verweisen, in denen dasselbe Thema aus verschiedener Perspektive behandelt wird. Generell soll die starre hierarchische Grundanordnung durch diese Verteilerseiten ebenso, wie durch die in die Artikel integrierten hypertextuellen Querverweise unterlaufen werden.

Sonstiges

Die Vollversion von in den Texten eingebundenen Abbildungen wie auch die dazugehörigen Quellenverweise werden angezeigt, wenn man auf die eingebundenen “Thumbnail”-Versionen klickt. Auch bei den Literaturangaben führt ein Klick auf den Link gegebenenfalls zu mehr Information, die nur in der Gesamtbibliographie angezeigt wird.

* * *

Wir laden alle Besucher des Glossars der Bildphilosophie ein, ihre konstruktiven Kritiken in den entsprechenden Diskussionsseiten zu vermerken (diese Option ist derzeit aus redaktionellen Gründen noch nicht aktiviert; kommt demnächst).

Für die Glossargruppe im Frühjahr 2013: Jörg R.J. Schirra

  1. ↑ Ei­ni­ge der ur­sprüng­lich rund 200 ge­plan­ten Lem­ma­ta konn­ten bis­lang noch nicht re­a­li­siert wer­den, ei­ni­ge an­de­re Tex­te sind der­zeit noch in Ar­beit. Da­her füh­ren ak­tu­ell noch nicht al­le an­ge­ge­be­nen Ver­wei­se zu ent­spre­chen­den Ar­ti­keln.
  2. ↑ sie­he Wikipedia: Glossar
  3. ↑ Zum “Me­di­um” Wi­ki, in dem das Glos­sar hier er­stellt und prä­sen­tiert wird, sie­he auch The University of Chicago :: Theories of Media :: Keywords Glossary :: wiki.
  4. ↑ In Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für interdisziplinäre Bildwissenschaft wird das Herausgebergremium daher in regelmäßigen Abständen in Abstimmung mit den Autoren der jeweiligen Artikel Updates vornehmen, um das Glossar aktuell zu halten, wenn nicht gar weiter zu verbessern.
  5. ↑ Auf gewisse Weise bildet dieses Thema offensichtlich selbst eine Grundlage dieses Glossars