Bildsemiotik: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Glossar der Bildphilosophie
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Die belgische Forschergruppe ''Groupe µ'' richte&shy;te im Rahmen ihres rheto&shy;rischen Projekts (<bib id='Groupe µ 1970a'></bib>, <bib id='Groupe µ 1980a'></bib>) ihr Augen&shy;merk auf die Bild&shy;rheto&shy;rik und legte 1992 einen «Traktat des visu&shy;ellen Zeichens» vor (<bib id='Groupe µ 1992a'></bib>), in dem u.a. die rheto&shy;rischen Ope&shy;rati&shy;onen beschrie&shy;ben werden, die authen&shy;tische Bilder von einem – ange&shy;nomme&shy;nen – Normal-&#8203;Zustand („degrée zero“) der [[Repräsentation|Reprä&shy;senta&shy;tion]] abwei&shy;chen lassen.
Die belgische Forschergruppe ''Groupe µ'' richte&shy;te im Rahmen ihres rheto&shy;rischen Projekts (<bib id='Groupe µ 1970a'></bib>, <bib id='Groupe µ 1980a'></bib>) ihr Augen&shy;merk auf die Bild&shy;rheto&shy;rik und legte 1992 einen «Traktat des visu&shy;ellen Zeichens» vor (<bib id='Groupe µ 1992a'></bib>), in dem u.a. die rheto&shy;rischen Ope&shy;rati&shy;onen beschrie&shy;ben werden, die authen&shy;tische Bilder von einem – ange&shy;nomme&shy;nen – Normal-&#8203;Zustand („degrée zero“) der [[Repräsentation|Reprä&shy;senta&shy;tion]] abwei&shy;chen lassen.
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Mit Jean-Marie Floch und Felix Thürlemann gibt es zwei Vertreter der strukturalsemantischen Pariser Schule, die das textsemiotische Modell des Semiotikers Algirdas Julien Greimas (<bib id='Greimas 1966a'></bib>, <bib id='Greimas & Courtés 1979a'></bib>) auf Bilder übertragen haben (vgl. <bib id='Thürlemann 1990a'></bib>, <bib id='Floch 1985a'></bib>, <bib id='Floch 1989a'></bib>, <bib id='Floch 1990a'></bib>). Sie gehen davon aus, dass bildliche Bedeutungssysteme ''semi-symbolische'' Systeme sind, die sich über innerbildliche Korrelationen von [[Farbe als bildsyntaktische Kategorie|Farb-]] und [[Raum und Geometrie|Formkontrasten]]  konstituieren (⊳ [[Bildsyntax]]). Die bildanalytischen Verfahren lassen sich dabei sowohl auf gegenständliche als auch abstrakte Bilder anwenden.  
Mit Jean-Marie Floch und Felix Thürle&shy;mann gibt es zwei Vertre&shy;ter der struktu&shy;ralse&shy;manti&shy;schen Pari&shy;ser Schule, die das textse&shy;mioti&shy;sche Modell des Semio&shy;tikers Algir&shy;das Julien Greimas (<bib id='Greimas 1966a'></bib>, <bib id='Greimas & Courtés 1979a'></bib>) auf Bilder über&shy;tragen haben (vgl. <bib id='Thürlemann 1990a'>Thürle&shy;mann 1990a</bib>, <bib id='Floch 1985a'></bib>, <bib id='Floch 1989a'></bib>, <bib id='Floch 1990a'></bib>). Sie gehen davon aus, dass bildli&shy;che Bedeu&shy;tungssys&shy;teme ''semi-&#8203;symbo&shy;lische'' Syste&shy;me sind, die sich über inner&shy;bildli&shy;che Korre&shy;lati&shy;onen von [[Farbe als bildsyntaktische Kategorie|Farb-]] und [[Raum und Geometrie|Formkon&shy;trasten]]  konsti&shy;tuieren (⊳ [[Bildsyntax|Bildsyn&shy;tax]]). Die bild&shy;ana&shy;lyti&shy;schen Verfah&shy;ren lassen sich dabei sowohl auf gegen&shy;ständli&shy;che als auch abstrak&shy;te Bilder anwen&shy;den.  
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Fernande Saint-Martin (<bib id='Saint-Martin 1990a'></bib>) entwickelte ein [[Bildgrammatik|bildgrammatisches]] Modell auf der Grundlage von Hjelmslevs glossematischem Zeichenmodell (<bib id='Hjelmslev 1943a'></bib>). Das Bild wird dabei zunächst schematisch segmentiert und in einer syntaktischen Analyse nach topologischen, chromatischen und [[Gestalt|gestaltpsychologischen]] Kriterien ausgewertet.  
Fernande Saint-Martin (<bib id='Saint-Martin 1990a'>Saint-&#8203;Martin 1990a</bib>) ent&shy;wickel&shy;te ein [[Bildgrammatik|bildgram&shy;mati&shy;sches]] Modell auf der Grund&shy;lage von Hjelms&shy;levs glosse&shy;mati&shy;schem Zeichen&shy;modell (<bib id='Hjelmslev 1943a'></bib>). Das Bild wird dabei zunächst schema&shy;tisch segmen&shy;tiert und in einer syntak&shy;tischen Ana&shy;lyse nach topo&shy;logi&shy;schen, chroma&shy;tischen und [[Gestalt|gestalt&shy;psycho&shy;logi&shy;schen]] Krite&shy;rien ausge&shy;wertet.  
Diese im wesentlichen strukturalistisch fundierten Ansätze machen einen Großteil der bildsemiotischen Arbeiten aus. Selbst die frühe Barthes’sche Musteranalyse dient bis heute als produktive Grundlage exemplarischer Analysen (vgl. <bib id='Friedrich & Schweppenhäuser 2010a'></bib>).
Diese im wesent&shy;lichen struktu&shy;ralis&shy;tisch fundier&shy;ten Ansät&shy;ze machen einen Großteil der bild&shy;semio&shy;tischen Arbei&shy;ten aus. Selbst die frühe Barthes’&#8203;sche Muster&shy;ana&shy;lyse dient bis heute als produk&shy;tive Grund&shy;lage exem&shy;plari&shy;scher Ana&shy;lysen (vgl. <bib id='Friedrich & Schweppenhäuser 2010a'>Friedrich & Schweppen&shy;häuser 2010a</bib>).
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Etwa zeitlich parallel zu den Anfängen der strukturalistisch ausgerichteten Bildemiotik entwickelte der Philosoph Nelson Goodman eine (allerdings nur implizite) Zeichentheorie der Künste (<bib id='Goodman 1968a'></bib>). Er unterschied Typen von künstlerischen Zeichenkomplexen (gedruckte Literatur, Tanz, Musik, Malerei, Fotografie u.a.) im Hinblick auf ihre [[Notation|Notierbarkeit]] und stellte für das Bild u.a. die fehlende Disjunktivität der Zeichen fest: Bildliche Zeichenschemata seien syntaktisch und semantisch "dicht" (<bib id='Goodman 1968a'></bib>: 130ff, 148ff; ⊳ [[Syntaktische Dichte]]),<ref>Vgl. zu Goodmans Bildbegriff auch <bib id='Scholz 1991a'></bib> und <bib id='Birk 2011a'></bib>.</ref> eine Zerlegung in kleinere Zeicheneinheiten sei demnach für ein Bild nicht möglich.  Goodman beschreibt darüber hinaus mit der [[Exemplifikation|''Exemplifikation'']] eine bildtypische Art der Bezugnahme. Bei der Exemplifikation verweist das Bild auf ein Etikett, d.h. ein [[Prädikation|Prädikat]], das auf es selbst zutrifft: Es exemplifiziert z.B. eine Farbe, einen Kontrast oder metaphorisch auch eine Stimmung (<bib id='Goodman 1968a'></bib>: S. 52ff und 253). Diese Art von Zeichenbezug ist unabhängig von der Existenz eines Bildreferenten und trifft auch auf nicht-figurative (abstrakte) Bilder zu.
Etwa zeitlich parallel zu den Anfängen der strukturalistisch ausgerichteten Bildemiotik entwickelte der Philosoph Nelson Goodman eine (allerdings nur implizite) Zeichentheorie der Künste (<bib id='Goodman 1968a'></bib>). Er unterschied Typen von künstlerischen Zeichenkomplexen (gedruckte Literatur, Tanz, Musik, Malerei, Fotografie u.a.) im Hinblick auf ihre [[Notation|Notierbarkeit]] und stellte für das Bild u.a. die fehlende Disjunktivität der Zeichen fest: Bildliche Zeichenschemata seien syntaktisch und semantisch "dicht" (<bib id='Goodman 1968a'></bib>: 130ff, 148ff; ⊳ [[Syntaktische Dichte]]),<ref>Vgl. zu Goodmans Bildbegriff auch <bib id='Scholz 1991a'></bib> und <bib id='Birk 2011a'></bib>.</ref> eine Zerlegung in kleinere Zeicheneinheiten sei demnach für ein Bild nicht möglich.  Goodman beschreibt darüber hinaus mit der [[Exemplifikation|''Exemplifikation'']] eine bildtypische Art der Bezugnahme. Bei der Exemplifikation verweist das Bild auf ein Etikett, d.h. ein [[Prädikation|Prädikat]], das auf es selbst zutrifft: Es exemplifiziert z.B. eine Farbe, einen Kontrast oder metaphorisch auch eine Stimmung (<bib id='Goodman 1968a'></bib>: S. 52ff und 253). Diese Art von Zeichenbezug ist unabhängig von der Existenz eines Bildreferenten und trifft auch auf nicht-figurative (abstrakte) Bilder zu.

Version vom 11. Februar 2014, 15:49 Uhr

Unterpunkt zu: Bildtheoretische Ansätze


Semiotik ist die Wissenschaft von den Zeichen. Sie unter­sucht Zeichen­prozes­se, d.h. Prozes­se der Bedeu­tungsver­mittlung bzw. -konsti­tution. Der Zentral­begriff der Semi­otik ist der des​ »Zeichens«​ (von griech. semeion), das – ganz allge­mein – als etwas aufge­fasst werden kann, das in irgend­einer Hinsicht für etwas ande­res steht (vgl. [Peirce CP]Hartshorne, C. & Weiss, P. / Burks, A.W. (Hg.) (1994): Charles Sanders Peirce: Collected Papers. Bd. 1-6 / 7-8. Harvard University Press, Cambrigde, Mass.
2.228).[1] So unmit­telbar einleuch­tend das Konzept des Zeichens für viele kommu­nika­tive Phäno­mene ist (etwa im Fall der Sprache als Zeichen­system oder – erst recht – bei sekun­dären Syste­men wie dem Morse­alpha­bet, der Braille­schrift u.ä.), so sehr scheint der Zeichen­charak­ter von Bildern im allge­meinen einer beson­deren Klärung zu bedür­fen. Bildse­mioti­sche Theorien widmen sich genau dieser Frage.

Anders als bei vielen anderen semi­oti­schen Subdis­zipli­nen,[2] bei denen die zeichen­theore­tischen Frage­stellun­gen auf die tradi­tionel­len Objekt­berei­che von bereits etab­lierten Einzel­wissen­schaften appli­ziert werden, ist der Unter­suchungs­gegen­stand der Bildse­miotik – das (proto­typisch: stati­sche) Bild – im allge­meinen nicht auf bestimm­te Bild­genres beschränkt und berührt daher eine Vielzahl von Wissen­schaften und Alltags­berei­chen, die mit Bildern zu tun haben (vgl. [Sonesson 1993a]Sonesson, Göran (1993): Pictorial Semiotics, Perceptual Ecology, and Gestalt Theory. Review of Saint-Martin, Fernande, «La théorie de la Gestalt et l'art visuel». Semiotica , 99, 3.
: S. 319). Im Zentrum bildse­mioti­scher Theorien stehen die spezi­fischen Eigen­schaften von Bildern als komple­xen Zeichen, d.h. deren Bildhaf­tigkeit (oder Pikto­rali­tät). Inso­fern verhal­ten sich die Bildse­miotik und Kunstge­schichte, der es im Kern um die Würdi­gung künstle­rischer Einzel­bilder geht, ähnlich wie die Diszi­plinen der Text­lingu­istik/​-semio­tik und der Lite­ratur­wissen­schaft zuein­ander.


Bildsemiotische Theorien

Der Beginn der Bildsemiotik wird gewöhn­lich in die Mitte der 1960er Jahre datiert, als der franzö­sische Semi­oti­ker und Philo­soph Roland Barthes ([Barthes 1964c]Barthes, Roland (1964): Rhétorique de l'image. Communications , 4.
) eine Werbe­anzei­ge exem­plarisch ana­lysier­te und darin ein ganzes Spektrum an grundle­gend rele­vanten bildse­mioti­schen Fragen (Iko­nizi­tät des Bildes, bildli­che Rheto­rik und Verweis­strate­gien, Deno­tation und Konno­tation des Bildes, Text-​Bild-​Rela­tionen) aufwarf. Seine darin vorge­schlage­nen Antwor­ten basier­ten auf den von den Lingu­isten Ferdi­nand de Saus­sure ([Saussure 1916a]Saussure, Ferdinand de (1916): Cours de linguistique générale. Payot, Paris.
Notiz: Deutsch: Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft. 3. Aufl. Berlin 2001
) und Louis Hjelms­lev ([Hjelmslev 1943a]Hjelmslev, Louis (1943): Omkring sprogteoriens grundlæggelse. Nordisk Sprog- od Kulturforlag, Kopenhagen.
Notiz: (auch in: Festskrift udgivet i anledning af Universitetets Aarsfest. Kopenhagen: Munksgaard. S. 3-113)
Nicht angezeigt: Dt.: Prolegomena zu einer Sprachtheorie. München: Hueber
) gepräg­ten struktu­ralis­tischen Grundbe­griffen der Semi­olo­gie,[3] die zwar grundsätz­lich von ihnen als allge­meine, und nicht nur auf Sprache bezo­gene Zeichen­theorie ange­legt war, aber erst von Barthes expli­zit auf eine ganze Reihe nicht-​sprachli­cher Phäno­mene ange­wandt wurde ([Barthes 1961a]Barthes, Roland (1961): Le message photographique. Communications , 1.
, [Barthes 1963a]Barthes, Roland (1963): Le message publicitaire. Cahiers de publicité , 7.
, [Barthes 1964c]Barthes, Roland (1964): Rhétorique de l'image. Communications , 4.
, [Barthes 1967a]Barthes, Roland (1967): Système de la Mode. Éditions du Seuil, Paris.
). So vorläu­fig und auch unzu­reichend[4] Barthes’ theore­tische Annah­men in seiner Werbe­ana­lyse «Rhéto­rique de l'ima­ge» ([Barthes 1964c]Barthes, Roland (1964): Rhétorique de l'image. Communications , 4.
) zunächst waren, so blieben sie in der Folge nicht selten ein konstruk­tiver Ausgangs­punkt für diffe­renzier­tere Theorien.

Die belgische Forschergruppe Groupe µ richte­te im Rahmen ihres rheto­rischen Projekts ([Groupe µ 1970a]Groupe µ (1970): Rhétorique générale. Larousse, Paris.
Nicht angezeigt: Dubois, J., Dubois, Ph., Edeline, F., Klinkenberg, J.F., Minguet, Ph.
, [Groupe µ 1980a]Groupe µ (1980): Plan d'une rhétorique de l'image. Kodi­kas / Code, 3.
) ihr Augen­merk auf die Bild­rheto­rik und legte 1992 einen «Traktat des visu­ellen Zeichens» vor ([Groupe µ 1992a]Groupe µ (1992): Traité du signe visuel. Seuil, Paris.
Nicht angezeigt: Edeline, F., Klinkenberg, J.F., Minguet, P.
), in dem u.a. die rheto­rischen Ope­rati­onen beschrie­ben werden, die authen­tische Bilder von einem – ange­nomme­nen – Normal-​Zustand („degrée zero“) der Reprä­senta­tion abwei­chen lassen.

Mit Jean-Marie Floch und Felix Thürle­mann gibt es zwei Vertre­ter der struktu­ralse­manti­schen Pari­ser Schule, die das textse­mioti­sche Modell des Semio­tikers Algir­das Julien Greimas ([Greimas 1966a]Greimas, Algirdas Julien (1966): Sémantique structurale. Seuil, Paris.
Nicht angezeigt: Dt.: Strukturale Semantik. Braunschweig: Vieweg, 1971
, [Greimas & Courtés 1979a]Greimas, Algirdas Julien & Courtés, Joseph (1979): Sémiotique: Dictionnaire raisonné de la théorie du langage. Hachette, Paris.
) auf Bilder über­tragen haben (vgl. [Thürlemann 1990a]Thürlemann, Felix (1990): Vom Bild zum Raum. Beiträge zu einer semiotischen Kunstwissenschaft. DuMont, Köln.
, [Floch 1985a]Floch, Jean-Marie (1985): Petites mythologies de l'oeil et de l'esprit: Pour une sémiotique plastique. Hades Benjamin, Paris, Amsterdam.
, [Floch 1989a]Floch, Jean-Marie (1989): The Semiotics of the Plastic Arts and the Language of Advertising. In: Perron, P. & Collins, F. (Hg.), Paris School Semiotics II: Practice. Benjamins, Amsterdam.
, [Floch 1990a]Floch, Jean-Marie (1990): Sémiotique, marketing et communication. Presses Universitaires de France, Paris.
). Sie gehen davon aus, dass bildli­che Bedeu­tungssys­teme semi-​symbo­lische Syste­me sind, die sich über inner­bildli­che Korre­lati­onen von Farb- und Formkon­trasten konsti­tuieren (⊳ Bildsyn­tax). Die bild­ana­lyti­schen Verfah­ren lassen sich dabei sowohl auf gegen­ständli­che als auch abstrak­te Bilder anwen­den.

Fernande Saint-Martin ([Saint-Martin 1990a]Saint-Martin, Fernande (1990): Semiotics of Visual Language. Indiana University Press, Bloomington, IN.
) ent­wickel­te ein bildgram­mati­sches Modell auf der Grund­lage von Hjelms­levs glosse­mati­schem Zeichen­modell ([Hjelmslev 1943a]Hjelmslev, Louis (1943): Omkring sprogteoriens grundlæggelse. Nordisk Sprog- od Kulturforlag, Kopenhagen.
Notiz: (auch in: Festskrift udgivet i anledning af Universitetets Aarsfest. Kopenhagen: Munksgaard. S. 3-113)
Nicht angezeigt: Dt.: Prolegomena zu einer Sprachtheorie. München: Hueber
). Das Bild wird dabei zunächst schema­tisch segmen­tiert und in einer syntak­tischen Ana­lyse nach topo­logi­schen, chroma­tischen und gestalt­psycho­logi­schen Krite­rien ausge­wertet. Diese im wesent­lichen struktu­ralis­tisch fundier­ten Ansät­ze machen einen Großteil der bild­semio­tischen Arbei­ten aus. Selbst die frühe Barthes’​sche Muster­ana­lyse dient bis heute als produk­tive Grund­lage exem­plari­scher Ana­lysen (vgl. [Friedrich & Schweppenhäuser 2010a]Friedrich, Thomas & Schweppenhäuser, Gerhard (2010): Bildsemiotik. Grundlagen und exemplarische Analysen visueller Kommunikation. Birkäuser, Basel, Boston, Berlin
).

Etwa zeitlich parallel zu den Anfängen der strukturalistisch ausgerichteten Bildemiotik entwickelte der Philosoph Nelson Goodman eine (allerdings nur implizite) Zeichentheorie der Künste ([Goodman 1968a]Goodman, Nelson (1968): Languages of Art. Hackett, Indianapolis.
Notiz: 2. rev. Aufl. 1976
Nicht angezeigt: dt.: Sprachen der Kunst. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1998
). Er unterschied Typen von künstlerischen Zeichenkomplexen (gedruckte Literatur, Tanz, Musik, Malerei, Fotografie u.a.) im Hinblick auf ihre Notierbarkeit und stellte für das Bild u.a. die fehlende Disjunktivität der Zeichen fest: Bildliche Zeichenschemata seien syntaktisch und semantisch "dicht" ([Goodman 1968a]Goodman, Nelson (1968): Languages of Art. Hackett, Indianapolis.
Notiz: 2. rev. Aufl. 1976
Nicht angezeigt: dt.: Sprachen der Kunst. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1998
: 130ff, 148ff; ⊳ Syntaktische Dichte),[5] eine Zerlegung in kleinere Zeicheneinheiten sei demnach für ein Bild nicht möglich. Goodman beschreibt darüber hinaus mit der Exemplifikation eine bildtypische Art der Bezugnahme. Bei der Exemplifikation verweist das Bild auf ein Etikett, d.h. ein Prädikat, das auf es selbst zutrifft: Es exemplifiziert z.B. eine Farbe, einen Kontrast oder metaphorisch auch eine Stimmung ([Goodman 1968a]Goodman, Nelson (1968): Languages of Art. Hackett, Indianapolis.
Notiz: 2. rev. Aufl. 1976
Nicht angezeigt: dt.: Sprachen der Kunst. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1998
: S. 52ff und 253). Diese Art von Zeichenbezug ist unabhängig von der Existenz eines Bildreferenten und trifft auch auf nicht-figurative (abstrakte) Bilder zu.

Die Peirce’sche Semiotik, die neben den strukturalistischen Ansätzen die einflussreichste zeichentheoretische Richtung innerhalb der Semiotik ist, ist keineswegs primär auf Sprache ausgerichtet, sondern wesentlich universeller konzipiert und erscheint von daher mit ihren allgemeinen (dreigliedrigen) Grundbegriffen für eine Anwendung auf Bilder als Zeichen prädestiniert. Auch wenn Peirce selbst keine Bildtheorie vorgelegt hat, so ist doch sein Begriffssystem in bildtheoretischen Arbeiten immer wieder genutzt worden (vgl. [Deledalle 1979a]Deledalle, Gérard (1989): Théorie et pratique du signe. Payot, Paris.
, [Schönrich 1990a]Schönrich, Gerhard (1990): Zeichenhandeln. Suhrkamp, Frankfurt/M.
, [Nöth & Santaella 2000a]Nöth, Winfried & Santaella, Lucia (2000): Bild, Malerei und Photographie aus der Sicht der Peirceschen Semiotik. In: Wirth, U. (Hg.), Die Welt als Zeichen und Hypothese. Suhrkamp, Frankfurt/M.
, [Nöth 2005a]Nöth, Winfried (2005): Zeichentheoretische Grundlagen der Bildwissenschaft. In: Sachs-Hombach, K. (Hg.), Bildwissenschaft zwischen Reflexion und Anwendung. Halem, Köln.
, [Nöth 2007a]Nöth, Winfried (2007): Metapictures and Self-referential Pictures. In: Nöth, W. & Bishara, N. (Hg.), Self-Reference in the Media. Mouton de Gruyter, Berlin.
, [Halawa 2008a]Halawa, Mark A. (2008): Wie sind Bilder möglich? Argumente für eine semiotische Fundierung des Bildbegriffs. Halem, Köln.
). So stützen sich zum Beispiel Nöth und Santaella ([Nöth & Santaella 2000a]Nöth, Winfried & Santaella, Lucia (2000): Bild, Malerei und Photographie aus der Sicht der Peirceschen Semiotik. In: Wirth, U. (Hg.), Die Welt als Zeichen und Hypothese. Suhrkamp, Frankfurt/M.
) und Nöth ([Nöth 2007a]Nöth, Winfried (2007): Metapictures and Self-referential Pictures. In: Nöth, W. & Bishara, N. (Hg.), Self-Reference in the Media. Mouton de Gruyter, Berlin.
) bei der Diskussion der Zeichenhaftigkeit von abstrakten Bildern auf Peirce’ Begriff des puren Ikons, das „nichts anderes repräsentieren könne als Formen und Gefühle“ ([Peirce CP]Hartshorne, C. & Weiss, P. / Burks, A.W. (Hg.) (1994): Charles Sanders Peirce: Collected Papers. Bd. 1-6 / 7-8. Harvard University Press, Cambrigde, Mass.
4.544) und damit ein selbst-referentielles Zeichen sei (vgl. [Nöth 2011a]Nöth, Winfried (2011): Visual Semiotics: Key Features and an Application to Picture Ads. In: Margolis, E. & Pauwels, L. (Hg.), The SAGE Handbook of Visual Research Methods. SAGE, London.
: S. 304ff).


Methoden und spezifische Fragestellungen der Bildsemiotik

Schon früh hat sich in der Bildsemiotik gezeigt, dass eine Analogie von sprachlichen und bildlichen Zeichenprozessen nur sehr bedingt besteht und dass es spezifischer Beschreibungsmodelle und Instrumentarien bedarf, um den Zeichencharakter von Bildern angemessen herauszuarbeiten. So ist zum Beispiel die Annahme einer doppelten Artikulation (eine mögliche Zerlegung von Zeichen in bedeutungstragende und bedeutungsunterscheidende Elemente), wie sie für die Sprache typisch ist, für das Bild nicht haltbar. Sinnvoll ist es dagegen, wie Groupe µ ([Groupe µ 1979a]Groupe µ (1979): Iconique et plastique: sur un fondement de la rhétorique visuelle. Revue d'ésthe­tique, 1-2.
) es vorgeschlagen hat, für Bilder die ikonische von der plastischen Bedeutungsebene zu unterscheiden. Die ikonische Bedeutungsschicht enthält die figurative Lesart des Bildes, d.h. die bildhaft akzentuierte Darstellung dreidimensionaler Szenen oder Gegenstände, während die plastische Bedeutungsschicht das Zeichenpotential des Bildes als flächigen Gegenstand umfasst: sein Format, seine Pigmentierung, seine Textur. Intuitive Segmentierungen von Bildern nach plastischen Kriterien sind zum Beispiel in strukturalsemantischen Arbeiten methodische Ausgangspunkte für die Bildanalyse (vgl. [Sonesson 1993a]Sonesson, Göran (1993): Pictorial Semiotics, Perceptual Ecology, and Gestalt Theory. Review of Saint-Martin, Fernande, «La théorie de la Gestalt et l'art visuel». Semiotica , 99, 3.
: S. 228ff; ⊳ Bildmorphologie).

Bildsemiotische Theorien haben sich inzwischen breit entfächert (vgl. [Blanke 1998a]Blanke, Börries (1998): Semiotische Perspektiven auf das Bild. Zeitschrift für Semiotik, 20, 3.
und [Nöth 2011a]Nöth, Winfried (2011): Visual Semiotics: Key Features and an Application to Picture Ads. In: Margolis, E. & Pauwels, L. (Hg.), The SAGE Handbook of Visual Research Methods. SAGE, London.
: S. 299). Es gibt nicht nur eine Vielzahl von Modellen, sondern auch verschiedene Methoden[6] sowie unterschiedliche Schwerpunktsetzungen.

Sonesson ([Sonesson 1993b]Sonesson, Göran (1993): Die Semiotik des Bildes. Zum Forschungsstand am Anfang der 90er Jahre. Zeitschrift für Semiotik, 15, 1.
) unterscheidet vier methodische Herangehensweisen für die Bildsemiotik:

(1) die Textanalyse, die von einem oder mehreren exemplarischen Bildern ausgeht, und zu einer heuristischen Modellierung der relevanten Prozesse führt (z.B. [Saint-Martin 1990a]Saint-Martin, Fernande (1990): Semiotics of Visual Language. Indiana University Press, Bloomington, IN.
).
(2) die Systemanalyse, bei der die Kombinatorik von Bildeigenschaften auf rein konzeptueller Basis geklärt werden soll (z.B. [Van Lier 1983a]Van Lier, Henri (1983): Philosophie de la photographie. Contrejour, Paris, Laplume.
Notiz: (Les cahiers de la photographie)
),
(3) experimentelle Methoden (z.B. [Espe 2004a]Espe, Hartmut (2004): Paarbilder aus fünf Jahrhunderten: Eine Sortierstudie.
Webadresse: psydok.sulb.uni-saarland.de/volltexte/2004/381/pdf/paarbilder_gesamt.pdf
Notiz: Diplomarbeit
) sowie
(4) die Textklassifikation als eine Mischung aus Text- und Systemanalyse – letztere Methode findet sich zum Teil bei Groupe µ ([Groupe µ 1992a]Groupe µ (1992): Traité du signe visuel. Seuil, Paris.
Nicht angezeigt: Edeline, F., Klinkenberg, J.F., Minguet, P.
), aber auch bei Sonesson selbst ([Sonesson 1989a]Sonesson, Göran (1989): Pictorial Concepts: Inquiries into the Semiotic Heritage and its Relevance to the Interpretation of the Visual World. Lund University Press, Lund.
).

Eine grundlegende bildsemiotische Frage bleibt die Frage nach der Ikonizität von Bildern, d.h. die Frage nach der Ähnlichkeit von Bildträger und Bildinhalt bzw. Referent als einer bildspezifischen Relation. Peirce, auf den der Begriff des Ikons in seiner semiotischen Verwendung zurückgeht, grenzt das Ikon zeichentypologisch innerhalb einer Trichotomie der Objektrelation (Verhältnis von Zeichenträger und Referent)[7] gegen den 'Index' und das 'Symbol' ab (⊳ Symbol, Index, Ikon). Er versteht unter einem Ikon ein Zeichen, „das auf das bezeichnete Objekt allein auf Grund von ihm eigenen Eigenschaften verweist“ ([Peirce CP]Hartshorne, C. & Weiss, P. / Burks, A.W. (Hg.) (1994): Charles Sanders Peirce: Collected Papers. Bd. 1-6 / 7-8. Harvard University Press, Cambrigde, Mass.
2.247), wobei es der Universalkategorie der​ »Erstheit«,​ einer Kategorie der Unmittelbarkeit angehört.[8] Der Grad, zu dem ein solcher Verweis aufgrund einer Ähnlichkeit von Zeichenträger und Referent zustande kommt, bemisst die Ikonizität des Zeichens. Peirce (CP 2.277) unterscheidet folgerichtig für das Ikon selbst wiederum triadisch

(1) das »Bild« (‘image’)[9] als ein Ikon, bei dem die materielle Ähnlichkeit für die Zeichenbeziehung ausschlaggebend ist,
(2) das »Diagramm« als Ikon, bei dem analoge Relationen zu einer immerhin strukturellen Ähnlichkeit (Isomorphie) führen und
(3) die Metapher als ein Ikon, bei dem es lediglich metaphorische, d.h. transferierte Parallelen gibt.

Der Grad der Ikonizität ist in dieser Reihenfolge abnehmend.

Schon Gombrich ([Gombrich 1962a]Gombrich, Ernst H. (1962): Art and Illusion. A Study in the Psychology of Pictorial Representation. Phaidon, London.
) hatte die Annahme der generellen Ikonizität von Bildern relativiert. Eine radikalere Sicht findet sich sowohl bei Goodman ([Goodman 1968a]Goodman, Nelson (1968): Languages of Art. Hackett, Indianapolis.
Notiz: 2. rev. Aufl. 1976
Nicht angezeigt: dt.: Sprachen der Kunst. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1998
) als auch bei Eco ([Eco 1968a]Eco, Umberto (1968): La struttura assente. Bompiani, Milano.
Nicht angezeigt: Deutsch: Einführung in die Semiotik. München: Fink 1972.
, [Eco 1976a]Eco, Umberto (1976): A Theory of Semiotics. Indiana University Press, Bloomington.
), die die Ikonizität als grundlegende Eigenschaft von Bildern zurückgewiesen und stattdessen den hohen Grad an Konventialität betont haben.

Groupe µ entwickelte hingegen ein eigenes triadisches Modell des ikonischen Zeichens ([Groupe µ 1992a]Groupe µ (1992): Traité du signe visuel. Seuil, Paris.
Nicht angezeigt: Edeline, F., Klinkenberg, J.F., Minguet, P.
: S. 136, vgl. [Blanke 1998b]Blanke, Börries (1998): Modelle des ikonischen Zeichens. Zeitschrift für Semiotik, 20.
und [Blanke 2003a]Blanke, Börries (2003): Vom Bild zum Sinn. Das ikonische Zeichen zwischen strukturalistischer Semiotik und analytischer Philosophie. Deutscher Universitätsverlag, Wiesbaden.
Nicht angezeigt: Reihe Bildwissenschaft, Bd. 4
), in dem zwischen den Bezug von Bildträger („Signifikant“) und Referenten ein Bezug auf einen ikonischen Typ geschoben wird, eine kognitive Invariante. Bildträger und Referent weisen darin insofern Ähnlichkeit auf, als sie beide Merkmale des ikonischen Typs aufweisen (vgl. [Blanke 1998b]Blanke, Börries (1998): Modelle des ikonischen Zeichens. Zeitschrift für Semiotik, 20.
: S. 287). Sonesson ([Sonesson 1989a]Sonesson, Göran (1989): Pictorial Concepts: Inquiries into the Semiotic Heritage and its Relevance to the Interpretation of the Visual World. Lund University Press, Lund.
: S. 220ff), der die Ikonizitätsdebatte ausführlich kommentiert hat, spricht sich ebenfalls für eine Aufrechterhaltung des Konzepts der Ikonizität aus, die er – bildspezifischer – ‘Piktoralität’ nennt. Auch er nimmt jedoch keineswegs eine naive Ähnlichkeitsbeziehung von Bildträger und Referent an, sondern setzt gerade eine grundlegende Verschiedenheit der dominanten lebensweltlichen Hierarchien für Bildträger und Referent voraus, damit das Bild überhaupt als Zeichen für den Referenten gelten kann ([Sonesson 1989a]Sonesson, Göran (1989): Pictorial Concepts: Inquiries into the Semiotic Heritage and its Relevance to the Interpretation of the Visual World. Lund University Press, Lund.
: S. 249).

Neben der Ikonizität von Bildern ist auch die Indexikalität von Fotografien im Rückgriff auf Peirce diskutiert worden (vgl. [Nöth 2000b]Nöth, Winfried (2000): Handbuch der Semiotik. Metzler, Stuttgart, Weimar.
Nicht angezeigt: 2., vollständig neu bearbeitete u. erweiterte Auflage
: S. 497). Ein Index ist nach Peirce ein Zeichen, das aufgrund einer Kausalitäts- bzw. Kontiguitätsbeziehung auf den Referenten („object“) verweist (vgl. [Peirce CP]Hartshorne, C. & Weiss, P. / Burks, A.W. (Hg.) (1994): Charles Sanders Peirce: Collected Papers. Bd. 1-6 / 7-8. Harvard University Press, Cambrigde, Mass.
2.248). Für die Fotografie ist durch den physikalischen Prozess der Belichtung generell eine Indexikalität anzunehmen. Jedoch können auch in der Fotografie andere bildliche Zeichenprozesse diesen Referenzbezug dominieren. Umgekehrt können indexikalische Prozesse innerhalb der Bildkomposition zu indexikalischen Bedeutungstransfers führen, ein Phänomen, das Nöth ([Nöth 1975a]Nöth, Winfried (2000): Semiotik. Eine Einführung mit Beispielen für Reklameanalysen. Niemeyer, Tübingen.
: S. 29ff, [Nöth 2011a]Nöth, Winfried (2011): Visual Semiotics: Key Features and an Application to Picture Ads. In: Margolis, E. & Pauwels, L. (Hg.), The SAGE Handbook of Visual Research Methods. SAGE, London.
: S. 312f) beschrieben hat und das nicht nur für (inszenierte) Fotografien gilt.

Eine weitere bildsemiotische Schwerpunktsetzung liegt bei der Analyse von Bildern im Zusammenspiel mit Zeichenträgern anderer Modalitäten, z.B. Sprache und Ton. Schon Barthes ([Barthes 1964c]Barthes, Roland (1964): Rhétorique de l'image. Communications , 4.
) thematisierte das Verhältnis von Bild und Text, doch vor allem die sozialsemiotischen Arbeiten von Kress & van Leeuwen ([Kress & Leeuwen 1996a]Kress, Gunther & Leeuwen, Theo van (1996): Reading Images. The Grammar of Visual Design. Routledge, London.
, [Kress & Leeuwen 2001a]Kress, Gunther & Leeuwen, Theo van (2001): Multimodal Discourse. The Modes and Media of Contemporary Communication. Arnold, London.
) haben der Frage nach Multimodalität einen fundierten theoretischen Rahmen gegeben, der auch den umfangreichen Arbeiten von Stöckl ([Stöckl 2004a]Stöckl, Hartmut (2004): Die Sprache im Bild – Das Bild in der Sprache. Zur Verknüpfung von Sprache und Bild im massenmedialen Text. de Gruyter, Berlin.
, [Stöckl 2004c]Stöckl, Hartmut (2004): In Between Modes. Language and Image in Printed Media. In: Eija Ventola, E.; Charles, C. & Kaltenbacher, M. (Hg.), Perspectives on Multimodality. Benjamins, Amsterdam.
Nicht angezeigt: = Document Design Companion Series 6
, [Stöckl 2010a]Stöckl, Hartmut (2010): Sprache-Bild-Texte lesen. Bau​steine zur Metho​dik einer Grund​kompe​tenz. In: Diekmannshenke, H.; Klemm, M. & Stöckl, H. (Hg.), Bildlinguistik. Erich Schmidt, Berlin.
) zu diesem Thema zugrunde liegt (⊳ Sprach-Bild-Bezüge).


Abgrenzung zu anderen Bildtheorien

Anders als andere Bildtheorien haben wir es bei der Bildsemiotik mit einem wissenschaftssoziologisch ausgesprochen heterogenen Forschungsbereich zu tun, der zudem weder begrifflich, noch methodisch einheitlich ist. Das liegt unter anderem daran, dass die Semiotik inter- bzw. transdisziplinär angelegt ist, wodurch völlig verschiedenartige Forschungshintergründe und Diskurse aufeinandertreffen. Geeint werden bildsemiotische Ansätze jedoch durch die Grundannahme, dass Bilder (komplexe) Zeichen sind und dass es die Aufgabe der Bildsemiotik bleibt zu zeigen, wie sich bildliche Bedeutung von anderen Bedeutungskonstitutionen unterscheiden. Methodisch bleiben die Wege dabei verschieden und sollen es auch.

Phänomenologische Bildtheorien grenzen sich zum Teil entschieden und explizit gegen die semiotischen ab (vgl. [Böhme 1999a]Böhme, Gernot (1999): Theorie des Bildes. Wilhelm Fink, München.
: S. 10, [Wiesing 1998a]Wiesing, Lambert (1998): Sind Bilder Zeichen?. In: Sachs-Hombach, & Rehkämper, K. (Hg.), Bild – Bildwahrnehmung – Bildverarbeitung: Interdisziplinäre Beiträge zur Bildwissenschaft. Deutscher Universitätsverlag, Wiesbaden.
), wobei deren Annahmen über bildsemiotische Theorien dabei oft zu kurz greifen (vgl. [Nöth 2005a]Nöth, Winfried (2005): Zeichentheoretische Grundlagen der Bildwissenschaft. In: Sachs-Hombach, K. (Hg.), Bildwissenschaft zwischen Reflexion und Anwendung. Halem, Köln.
: S. 33-35).

Die Bildsemiotik ist heute Bestandteil einer allgmeinen transdisziplinären Bildwissenschaft, die sich jenseits einer Fixierung auf Bildkommunikation oder auf Kunst (vgl. [Posner 2003a]Posner, Roland (2003): Ebenen der Bildkompetenz. In: Sachs-Hombach, K. (Hg.), Was ist Bildkompetenz? Studien zur Bildwissenschaft. Deutscher Universitäts-Verlag, Wiesbaden.
: S. 18) bewegt, und stattdessen mediale und wahrnehmungstheoretische Aspekte angemessen berücksichtigt (vgl. [Sachs-Hombach 2003a]Sachs-Hombach, Klaus (2003): Das Bild als kommu­nika­tives Medium. Ele­mente einer allge­meinen Bild­wissen­schaft. Halem, Köln.
: S. 11).

Anmerkungen
  1. ↑ Ei­ne knap­pe Ein­füh­rung in die Se­mi­o­tik als Hin­ter­grund­the­o­rie der Bild­wis­sen­schaft ge­ben [Birk et al. 2014a]Birk, Elisabeth & Halawa, Mark A. & Mosbach, Doris (2014): Semiotik. In: Netzwerk Bildphilosophie (Hg.), Bild und Methode. Theoretische Hintergründe und methodische Verfahren der Bildwissenschaft. Halem, Köln.
    .
  2. ↑ Auch ‘spe­zi­el­le Se­mi­o­ti­ken’ ([Eco 1984b]Eco, Umberto (1984): Semiotica e filosofia del linguaggio. Einaudi, Turin.
    Nicht angezeigt: Deutsch: Semiotik und Philosophie der Sprache. München: Fink 1985
    : S. 16) ge­nannt, wie z.B. The­a­ter­se­mi­o­tik, Ar­chi­tek­tur­se­mi­o­tik, Com­pu­ter­se­mi­o­tik.
  3. ↑ Mit ‘Se­mi­o­lo­gie’ wird die frü­he Se­mi­o­tik struk­tu­ra­lis­ti­scher Prä­gung be­zeich­net. Der Ter­mi­nus ‘Se­mi­o­tik’ hat sich al­ler­dings als all­ge­mei­ne Be­zeich­nung ei­ner the­o­re­tisch und me­tho­disch viel­fäl­ti­gen all­ge­mei­nen und trans­dis­zi­pli­nä­ren Zei­chen­wis­sen­schaft durch­ge­setzt.
  4. ↑ Vgl. die kri­ti­sche Dis­kus­si­on zu [Barthes 1964a]Barthes, Roland (1990): Rhetorik des Bildes (1964). In: Barthes, R. (Hg.), Der entgegenkommende und der stumpfe Sinn. Kritische Essays III. Suhrkamp, Frankfurt/M.
    Nicht angezeigt: aus dem Französischen von Hornig, Dieter
    in [Sonesson 1989a]Sonesson, Göran (1989): Pictorial Concepts: Inquiries into the Semiotic Heritage and its Relevance to the Interpretation of the Visual World. Lund University Press, Lund.
    : S. 125ff.
  5. ↑ Vgl. zu Goodmans Bildbegriff auch [Scholz 1991a]Scholz, Oliver R. (1991): Bild, Darstellung, Zeichen. Philosophische Theorien bildhafter Darstellungen. Klostermann, Frankfurt/M.
    Nicht angezeigt: (1. Aufl.)
    und [Birk 2011a]Birk, Elisabeth (2011): Bezugnahme und Weltkonstruktion. Elemente einer symboltheoretischen Bildanalyse. In: Schneider, J.G. & Stöckl, H. (Hg.), Medientheorien und Multimodalität. Halem, Köln.
    .
  6. ↑ Zu den Unter­schieden bild­ana­lyti­scher Methoden vgl. [Netzwerk Bildphilosophie 2014a]Netzwerk Bildphilosophie (Hg.) (2014): Bild und Methode. Theoretische Hintergründe und methodische Verfahren der Bildwissenschaft. Halem, Köln.
    Webadresse: http://www.halem-verlag.de/2014/bild-und-methode/
    Nicht angezeigt: ISBN 978-3-86962-067-1
    .
  7. ↑ Peirce klassifiziert Zeichen in drei Trichotomien (des​ »Reprä­senta­mens«,​ der​ »Objekt­rela­tion«​ und des​ »Inter­pretan­tenbe­zugs«).​ Die Zeichen­typo­logie von Ikon, Index und Symbol ist eine weithin akzep­tierte Unter­scheidung in der allge­meinen Semiotik geworden.
  8. ↑ Die Peirce'sche Phäno­meno­logie basiert auf den drei Uni­versal­kate­gorien:​ »Erstheit«,​ »Zweitheit«,​ »Drittheit«​ (vgl. [Nöth 2000a]Nöth, Winfried (2000): Der Zusammenhang von Text und Bild. In: Brinker, K. et al. (Hg.), Text- und Gesprächslinguistik. Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft 16. de Gruyter, Berlin.
    : S. 61ff).
  9. ↑ Ein Bild im Peirce’schen Sinn muss dabei nicht notwen­diger­weise visuell sein. Auch auditive oder olfak­torische Bilder sind z.B. möglich.
Literatur
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Ausgabe 1: 2014

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Seitenbearbeitungen durch: Joerg R.J. Schirra und Marcel Lemmes — (Hinweis)