Authentizität: Unterschied zwischen den Versionen
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: '''(b)''' Im Hinblick auf den ''[[Bildinhalt|Bild­inhalt]]'' muss der Begriff der Authen­tizi­tät zunächst para­dox anmu­ten. Denn der Betrach­ter eines Bildes ist – wie jeder Rezi­pient eines kommu­nika­tiven Arte­fakts – nie mit einer Sache selbst, d.h. dem echten, realen [[Proposition|Sach­verhalt]], konfron­tiert, sondern immer nur mit [[Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem|Zeichen]], die per defini­tionem in stell­vertre­tender Funktion stehen. Damit scheint die Frage nach einem authen­tischen Bild zu einer „Chimä­re, eine[r] Fiktion“ (<bib id='Wortmann 2003a'>Wort­mann 2003a</bib>: S. 13) zu werden: | : '''(b)''' Im Hinblick auf den ''[[Bildinhalt|Bild­inhalt]]'' muss der Begriff der Authen­tizi­tät zunächst para­dox anmu­ten. Denn der Betrach­ter eines Bildes ist – wie jeder Rezi­pient eines kommu­nika­tiven Arte­fakts – nie mit einer Sache selbst, d.h. dem echten, realen [[Proposition|Sach­verhalt]], konfron­tiert, sondern immer nur mit [[Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem|Zeichen]], die per defini­tionem in stell­vertre­tender Funktion stehen. Damit scheint die Frage nach einem authen­tischen Bild zu einer „Chimä­re, eine[r] Fiktion“ (<bib id='Wortmann 2003a'>Wort­mann 2003a</bib>: S. 13) zu werden: | ||
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:''Die Frage nach Echt­heit oder Betrug im medi­alen Gesche­hen ist nichts ande­res als eine neue Schattie­rung im Versuch der Über­windung der Media­lität, es geht hier um ein apore­tisches ''Verhält­nis von Dar­stellungs­unab­hängig­keit und Darstel­lung'' – auch die authen­tischen Zeichen lassen sich nur para­dox defi­nieren als nicht herge­stellte Fabri­katio­nen.'' (<bib id='Andree 2006a'></bib>: S. 437f.) | ::''Die Frage nach Echt­heit oder Betrug im medi­alen Gesche­hen ist nichts ande­res als eine neue Schattie­rung im Versuch der Über­windung der Media­lität, es geht hier um ein apore­tisches ''Verhält­nis von Dar­stellungs­unab­hängig­keit und Darstel­lung'' – auch die authen­tischen Zeichen lassen sich nur para­dox defi­nieren als nicht herge­stellte Fabri­katio­nen.'' (<bib id='Andree 2006a'></bib>: S. 437f.) | ||
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Aus diesem Grund ist die Ver­wendung des Attri­buts ‘authen­tisch’ in diesem Zu­sammen­hang als meta­phorisch einzu­stufen. Gemeint ist mit ihm letzt­lich die kom­muni­kati­ve Auf­richtig­keits­behaup­tung im Sinne der Grice­schen Maxi­me der »Wahr­heit« des Koope­rations­prinzips (vgl. <bib id='Grice 1970a'></bib>).<ref>Sie­he aber auch den Ab­schnitt​ [[Interaktions-, Selbst- und Sachbezug#Wahrhaftigkeit und Wahr­heit|«Wahr­haf­tig­keit und Wahr­heit»​ von​ «In­ter­ak­ti­ons-, Selbst- und Sach­be­zug»]].</ref> | :Aus diesem Grund ist die Ver­wendung des Attri­buts ‘authen­tisch’ in diesem Zu­sammen­hang als meta­phorisch einzu­stufen. Gemeint ist mit ihm letzt­lich die kom­muni­kati­ve Auf­richtig­keits­behaup­tung im Sinne der Grice­schen Maxi­me der »Wahr­heit« des Koope­rations­prinzips (vgl. <bib id='Grice 1970a'></bib>).<ref>Sie­he aber auch den Ab­schnitt​ [[Interaktions-, Selbst- und Sachbezug#Wahrhaftigkeit und Wahr­heit|«Wahr­haf­tig­keit und Wahr­heit»​ von​ «In­ter­ak­ti­ons-, Selbst- und Sach­be­zug»]].</ref> | ||
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:''Die Programmatik der Authen­tizi­tät gestat­tet der Kom­muni­kation also, sich im fort­laufen­den Kommu­nika­tions­ge­schehen immer wieder aufs neue zu verge­wissern, daß sie es mit ''echten'' und ''ernst­zuneh­menden'' Opera­tionen zu tun hat.'' (<bib id='Andree 2006a'></bib>: S. 438). | ::''Die Programmatik der Authen­tizi­tät gestat­tet der Kom­muni­kation also, sich im fort­laufen­den Kommu­nika­tions­ge­schehen immer wieder aufs neue zu verge­wissern, daß sie es mit ''echten'' und ''ernst­zuneh­menden'' Opera­tionen zu tun hat.'' (<bib id='Andree 2006a'></bib>: S. 438). | ||
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Ein Bild wäre in diesem Sinne genau dann authen­tisch, wenn damit ange­geben ist, dass es einen realen Sach­verhalt wahrheits­gemäß, unver­fälscht und genau abbil­det, womit auch die [[Mimesis|Mime­sis]] als ein zentra­ler Ter­minus aufge­rufen ist. | :Ein Bild wäre in diesem Sinne genau dann authen­tisch, wenn damit ange­geben ist, dass es einen realen Sach­verhalt wahrheits­gemäß, unver­fälscht und genau abbil­det, womit auch die [[Mimesis|Mime­sis]] als ein zentra­ler Ter­minus aufge­rufen ist. | ||
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:''Authen­tizität bezieht sich dabei auf eine Über­ein­stimmung einer Auf­nahme [= eines Bildes, T. S.] mit der Rea­lität.'' (<bib id='Grittmann 2003a'>Gritt­mann 2003a</bib>: S. 124) | ::''Authen­tizität bezieht sich dabei auf eine Über­ein­stimmung einer Auf­nahme [= eines Bildes, T. S.] mit der Rea­lität.'' (<bib id='Grittmann 2003a'>Gritt­mann 2003a</bib>: S. 124) | ||
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Die für die Authentizität entschei­dende Frage lautet dann, wie die beiden Aspek­te der Ori­gina­lität und der Reali­täts­treue in der [[Interaktion und Kommunikation|Kom­mun­ika­tion]] mit Bildern aufge­rufen werden können. Es geht also um die kom­muni­kati­ven Formen der Authen­tifizie­rung. | Die für die Authentizität entschei­dende Frage lautet dann, wie die beiden Aspek­te der Ori­gina­lität und der Reali­täts­treue in der [[Interaktion und Kommunikation|Kom­mun­ika­tion]] mit Bildern aufge­rufen werden können. Es geht also um die kom­muni­kati­ven Formen der Authen­tifizie­rung. | ||
Version vom 2. Januar 2014, 17:46 Uhr
Unterpunkt zu: Bildpragmatik
BegriffsbestimmungDer Ausdruck ‘Authentizität’ geht auf das griechische ‘authentikos’ (Urheber) wie auch auf das lateinische ‘authenticum’ (Original) zurück und wird gemeinhin als die ‹Echtheit, Originalität, Verbürgtheit und der Gültigkeits- und Wahrheitsanspruch einer Sache› verstanden. Wichtige Oppositionspaare ergeben sich mit der Kopie (das lateinische ‘exemplarium’ als Gegenstück zum ‘authenticum’), dem Plagiat oder der Fälschung sowie auch der Inszenierung (vgl. [Röttgers & Fabian 1971a]Röttgers, K. & Fabian, R. (1971): Authentisch. In: Ritter, J. (Hg.), Historisches Wörterbuch der Philosophie. Bd. 1. A-C. Wissenschaftl. Buchges., Darmstadt. »Authentizität« ist als ein Schlüsselbegriff der abendländischen Kulturgeschichte zu verstehen und in vielen wissenschaftlichen Disziplinen (u.a. Psychologie, Rhetorik, Kulturwissenschaften, maßgeblich in der Philosophie etwa bei Heidegger und Sartre) ein häufig bemühter Begriff, wobei sich auch die unterschiedlichen disziplinären Fragestellungen unweigerlich in die jeweilige Begriffsverwendung eingeschrieben haben.
‘Authentizität’ im bildwissenschaftlichen DiskursIm bildwissenschaftlichen Diskurs wird der Begriff der Authentizität letztlich für zwei Problembereiche hinzugezogen, die nur eine geringe Schnittmenge aufweisen. Die Frage, wann ein Bild authentisch ist, wird in der bildbezogenen Forschung, dem oben angedeuteten semantischen Spielraum des Terminus ‘Authentizität’ gemäß, auf zweierlei Art beantwortet: (a) im Hinblick auf den Urheber und (b) im Hinblick auf den Bildinhalt, die Bildbedeutung.
Die für die Authentizität entscheidende Frage lautet dann, wie die beiden Aspekte der Originalität und der Realitätstreue in der Kommunikation mit Bildern aufgerufen werden können. Es geht also um die kommunikativen Formen der Authentifizierung.
Formen der Bild-AuthentifizierungSystematisch lassen sich (a) extrinsische (durch Zuschreibungen von außen) und (b) intrinsische (durch das Bild selbst hervorgebrachte) Formen der Bild-Authentifizierung unterscheiden. In den meisten Fällen sind mehrere Formen der Bildauthentifizierung aufzufinden (also sowohl extrinsische als auch intrinsische).
Siehe auch:
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Anmerkungen
Literatur
[Andree 2006a]Andree, Martin (2006): Archäologie der Medienwirkung. Faszinationstypen von der Antike bis heute. Fink, München.[Bazin 2009a]Bazin, André (2009): Ontologie des photographischen Bildes. In: Fischer, R. (Hg.), Was ist Film?. Alexander , Berlin.[Benjamin 1939a]Benjamin, Walter (2002): Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. In: Schöttker, D. (Hg.), Walter Benjamin: Medienästhetische Schriften. Suhrkamp , Frankfurt/M.[Grice 1970a]Grice, Herbert Paul (1970): Logic and Conversation. Harvard University Press, Cambridge.[Grittmann 2003a]Grittmann, Elke (2003): Die Konstruktion von Authentizität. Was ist echt an den Pressefotos im Informationsjournalismus?. In: Knieper, T. & Müller, M. (Hg.), Authentizität und Inszenierung von Bilderwelten. Halem, Köln.[Knieper & Müller 2003a]Knieper, Thomas & Müller, Marion G. (2007): Vorwort. In: Knieper, T. & Müller, M. G. (Hg.), Authentizität und Inszenierung von Bilderwelten. Halem, Köln.[Röttgers & Fabian 1971a]Röttgers, K. & Fabian, R. (1971): Authentisch. In: Ritter, J. (Hg.), Historisches Wörterbuch der Philosophie. Bd. 1. A-C. Wissenschaftl. Buchges., Darmstadt.[Sontag 2003a]Sontag, Susan (2003): Regarding the Pain of Others. Picador, New York.[Susanka 2012a]Susanka, Thomas (2012): The Rhetorics of Authenticity: Photographic Representations of War. In: Straub, J. (Hg.), Paradoxes of Authenticity. transcript, Bielefeld.[Wiesing 2007a]Wiesing, Lambert (2007): Zur Rhetorik des Bildes. In: Knape, J. (Hg.), Bildrhetorik. Koerner, Baden-Baden.[Wortmann 2003a]Wortmann, Volker (2003): Authentisches Bild und authentisierende Form. Halem, Köln. Verantwortlich: Lektorat: Seitenbearbeitungen durch: Thomas Susanka, Joerg R.J. Schirra, Mark A. Halawa und Marcel Lemmes — (Hinweis) |