Authentizität: Unterschied zwischen den Versionen
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:''Die Frage nach Echt­heit oder Betrug im medi­alen Gesche­hen ist nichts ande­res als eine neue Schattie­rung im Versuch der Über­windung der Media­lität, es geht hier um ein apore­tisches ''Verhält­nis von Dar­stellungs­unab­hängig­keit und Darstel­lung'' – auch die authen­tischen Zeichen lassen sich nur para­dox defi­nieren als nicht herge­stellte Fabri­katio­nen.'' (<bib id='Andree 2006a'></bib>: S. 437f.) | :''Die Frage nach Echt­heit oder Betrug im medi­alen Gesche­hen ist nichts ande­res als eine neue Schattie­rung im Versuch der Über­windung der Media­lität, es geht hier um ein apore­tisches ''Verhält­nis von Dar­stellungs­unab­hängig­keit und Darstel­lung'' – auch die authen­tischen Zeichen lassen sich nur para­dox defi­nieren als nicht herge­stellte Fabri­katio­nen.'' (<bib id='Andree 2006a'></bib>: S. 437f.) | ||
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Aus diesem Grund ist die Ver­wendung des Attri­buts ‘authen­tisch’ in diesem Zu­sammen­hang als meta­phorisch einzu­stufen. Gemeint ist mit ihm letzt­lich die kom­muni­kati­ve Auf­richtig­keits­behaup­tung im Sinne der Grice­schen Maxi­me der »Wahr­heit« des Koope­rations­prinzips (vgl. <bib id='Grice 1970a'></bib>).<ref>Sie­he aber auch den Ab­schnitt​ [[Interaktions-, Selbst- und Sachbezug#Wahrhaftigkeit und | Aus diesem Grund ist die Ver­wendung des Attri­buts ‘authen­tisch’ in diesem Zu­sammen­hang als meta­phorisch einzu­stufen. Gemeint ist mit ihm letzt­lich die kom­muni­kati­ve Auf­richtig­keits­behaup­tung im Sinne der Grice­schen Maxi­me der »Wahr­heit« des Koope­rations­prinzips (vgl. <bib id='Grice 1970a'></bib>).<ref>Sie­he aber auch den Ab­schnitt​ [[Interaktions-, Selbst- und Sachbezug#Wahrhaftigkeit und Wahr­heit|«Wahr­haf­tig­keit und Wahr­heit»​ von​ «In­ter­ak­ti­ons-, Selbst- und Sach­be­zug»]].</ref> | ||
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:''Die Programmatik der Authen­tizi­tät gestat­tet der Kom­muni­kation also, sich im fort­laufen­den Kommu­nika­tions­ge­schehen immer wieder aufs neue zu verge­wissern, daß sie es mit ''echten'' und ''ernst­zuneh­menden'' Opera­tionen zu tun hat.'' (<bib id='Andree 2006a'></bib>: S. 438). | :''Die Programmatik der Authen­tizi­tät gestat­tet der Kom­muni­kation also, sich im fort­laufen­den Kommu­nika­tions­ge­schehen immer wieder aufs neue zu verge­wissern, daß sie es mit ''echten'' und ''ernst­zuneh­menden'' Opera­tionen zu tun hat.'' (<bib id='Andree 2006a'></bib>: S. 438). | ||
Version vom 2. Januar 2014, 17:44 Uhr
Unterpunkt zu: Bildpragmatik
BegriffsbestimmungDer Ausdruck ‘Authentizität’ geht auf das griechische ‘authentikos’ (Urheber) wie auch auf das lateinische ‘authenticum’ (Original) zurück und wird gemeinhin als die ‹Echtheit, Originalität, Verbürgtheit und der Gültigkeits- und Wahrheitsanspruch einer Sache› verstanden. Wichtige Oppositionspaare ergeben sich mit der Kopie (das lateinische ‘exemplarium’ als Gegenstück zum ‘authenticum’), dem Plagiat oder der Fälschung sowie auch der Inszenierung (vgl. [Röttgers & Fabian 1971a]Röttgers, K. & Fabian, R. (1971): Authentisch. In: Ritter, J. (Hg.), Historisches Wörterbuch der Philosophie. Bd. 1. A-C. Wissenschaftl. Buchges., Darmstadt. »Authentizität« ist als ein Schlüsselbegriff der abendländischen Kulturgeschichte zu verstehen und in vielen wissenschaftlichen Disziplinen (u.a. Psychologie, Rhetorik, Kulturwissenschaften, maßgeblich in der Philosophie etwa bei Heidegger und Sartre) ein häufig bemühter Begriff, wobei sich auch die unterschiedlichen disziplinären Fragestellungen unweigerlich in die jeweilige Begriffsverwendung eingeschrieben haben.
‘Authentizität’ im bildwissenschaftlichen DiskursIm bildwissenschaftlichen Diskurs wird der Begriff der Authentizität letztlich für zwei Problembereiche hinzugezogen, die nur eine geringe Schnittmenge aufweisen. Die Frage, wann ein Bild authentisch ist, wird in der bildbezogenen Forschung, dem oben angedeuteten semantischen Spielraum des Terminus ‘Authentizität’ gemäß, auf zweierlei Art beantwortet: (a) im Hinblick auf den Urheber und (b) im Hinblick auf den Bildinhalt, die Bildbedeutung.
In diesem Sinne kann man von einem authentischen Gemälde Picassos, Rembrandts oder Brueghels sprechen, wenn außer Frage steht, dass das vorliegende Exemplar tatsächlich von der entsprechenden historischen Person verfertigt wurde. Diese Form der Authentizität wird in Walter Benjamins Aufsatz «Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit» problematisiert. Benjamin spricht hier von einem Verlust der Aura, den ein Gemälde im Zuge seiner technischen Reproduktion (Kopie) erfahre (vgl. [Benjamin 1939a]Benjamin, Walter (2002): Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. In: Schöttker, D. (Hg.), Walter Benjamin: Medienästhetische Schriften. Suhrkamp , Frankfurt/M.
Aus diesem Grund ist die Verwendung des Attributs ‘authentisch’ in diesem Zusammenhang als metaphorisch einzustufen. Gemeint ist mit ihm letztlich die kommunikative Aufrichtigkeitsbehauptung im Sinne der Griceschen Maxime der »Wahrheit« des Kooperationsprinzips (vgl. [Grice 1970a]Grice, Herbert Paul (1970): Logic and Conversation. Harvard University Press, Cambridge.
Ein Bild wäre in diesem Sinne genau dann authentisch, wenn damit angegeben ist, dass es einen realen Sachverhalt wahrheitsgemäß, unverfälscht und genau abbildet, womit auch die Mimesis als ein zentraler Terminus aufgerufen ist.
Die für die Authentizität entscheidende Frage lautet dann, wie die beiden Aspekte der Originalität und der Realitätstreue in der Kommunikation mit Bildern aufgerufen werden können. Es geht also um die kommunikativen Formen der Authentifizierung.
Formen der Bild-AuthentifizierungSystematisch lassen sich (a) extrinsische (durch Zuschreibungen von außen) und (b) intrinsische (durch das Bild selbst hervorgebrachte) Formen der Bild-Authentifizierung unterscheiden. In den meisten Fällen sind mehrere Formen der Bildauthentifizierung aufzufinden (also sowohl extrinsische als auch intrinsische).
Siehe auch:
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Anmerkungen
Literatur
[Andree 2006a]Andree, Martin (2006): Archäologie der Medienwirkung. Faszinationstypen von der Antike bis heute. Fink, München.[Bazin 2009a]Bazin, André (2009): Ontologie des photographischen Bildes. In: Fischer, R. (Hg.), Was ist Film?. Alexander , Berlin.[Benjamin 1939a]Benjamin, Walter (2002): Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. In: Schöttker, D. (Hg.), Walter Benjamin: Medienästhetische Schriften. Suhrkamp , Frankfurt/M.[Grice 1970a]Grice, Herbert Paul (1970): Logic and Conversation. Harvard University Press, Cambridge.[Grittmann 2003a]Grittmann, Elke (2003): Die Konstruktion von Authentizität. Was ist echt an den Pressefotos im Informationsjournalismus?. In: Knieper, T. & Müller, M. (Hg.), Authentizität und Inszenierung von Bilderwelten. Halem, Köln.[Knieper & Müller 2003a]Knieper, Thomas & Müller, Marion G. (2007): Vorwort. In: Knieper, T. & Müller, M. G. (Hg.), Authentizität und Inszenierung von Bilderwelten. Halem, Köln.[Röttgers & Fabian 1971a]Röttgers, K. & Fabian, R. (1971): Authentisch. In: Ritter, J. (Hg.), Historisches Wörterbuch der Philosophie. Bd. 1. A-C. Wissenschaftl. Buchges., Darmstadt.[Sontag 2003a]Sontag, Susan (2003): Regarding the Pain of Others. Picador, New York.[Susanka 2012a]Susanka, Thomas (2012): The Rhetorics of Authenticity: Photographic Representations of War. In: Straub, J. (Hg.), Paradoxes of Authenticity. transcript, Bielefeld.[Wiesing 2007a]Wiesing, Lambert (2007): Zur Rhetorik des Bildes. In: Knape, J. (Hg.), Bildrhetorik. Koerner, Baden-Baden.[Wortmann 2003a]Wortmann, Volker (2003): Authentisches Bild und authentisierende Form. Halem, Köln. Verantwortlich: Lektorat: Seitenbearbeitungen durch: Thomas Susanka, Joerg R.J. Schirra, Mark A. Halawa und Marcel Lemmes — (Hinweis) |