Gleichheit, Ähnlichkeit und Identität: Unterschied zwischen den Versionen
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
||
| Zeile 14: | Zeile 14: | ||
Je nach Kontext handelt es sich hier in der Tat um unter­schiedli­che, wenn auch mitein­ander verwand­te Begrif­fe, die mit demsel­ben Ausdruck ‘Ähnlich­keit’ gemeint sein können. Insbe­sonde­re sollte der bildtheo­reti­sche Begriff »Ähnlich­keit«​ dem Begriff der »Gleich­heit«​ bzw. »Gleich­artig­keit«​ von Gegen­ständen einer­seits und dem der »Iden­tität« ande­rerseits gegen­über­gestellt werden. | Je nach Kontext handelt es sich hier in der Tat um unter­schiedli­che, wenn auch mitein­ander verwand­te Begrif­fe, die mit demsel­ben Ausdruck ‘Ähnlich­keit’ gemeint sein können. Insbe­sonde­re sollte der bildtheo­reti­sche Begriff »Ähnlich­keit«​ dem Begriff der »Gleich­heit«​ bzw. »Gleich­artig­keit«​ von Gegen­ständen einer­seits und dem der »Iden­tität« ande­rerseits gegen­über­gestellt werden. | ||
: | : | ||
Bereits in dieser kurzen | Bereits in dieser kurzen Einlei­tung wird deutlich, dass sich auch die Diskus­sion um Gleich­heit, Ähnlich­keit und Iden­tität sinnvoll nur zwischen den beiden Polen der beur­teilten Gegen­stände und ihren für ein Wesen erkenn­baren Eigen­schaften einer­seits und den beur­teilen­den Wesen und ihren Kompe­tenzen zum Erken­nen von Gegen­ständen ande­rerseits wird führen lassen. Denn nur wer beispiels­weise über­haupt dazu fähig ist, zwischen der momen­tanen Erschei­nung eines Objekts und dem Objekt unab­hängig von seiner jewei­ligen Erschei­nung zu unter­scheiden, kann einen Gegen­stand als einer ande­ren Art von Gegen­ständen ähnlich verste­hen, d.h. nämlich als ‹in seiner aktu­ellen Erschei­nung jenen ande­ren Objek­ten gleich›. | ||
==Begriffsgenetische | ==Begriffsgenetische Betrach­tung zu »Ähnlich­keit«== | ||
Die Verklammerung von | Die Verklammerung von Objekt­eigen­schaften und Betrach­terkom­peten­zen läßt sich am ehes­ten in einer handlungs­theore­tischen Bestim­mung des Ähnlich­keitsbe­griffs erfas­sen: Die Reak­tionen und Reaktions­dispo­sitio­nen, die ein Wesen bei Anwe­senheit eines Gegen­stands in seinem Umfeld zeigt, bilden dann die Grund­lage der begriffs­gene­tischen Ana­lyse. | ||
===Ausgangspunkt: »Ähnlichkeit« als | ===Ausgangspunkt: »Ähnlichkeit« als »Gleich­artig­keit« === | ||
Die Fähigkeit, etwas wahrnehmen zu können, ist wohl die | Die Fähigkeit, etwas wahrnehmen zu können, ist wohl die unstrit­tige Basis, von der begriffs­gene­tische Betrach­tungen des Begriffs »Ähnlich­keit« ausge­hen können.<ref>Die Al­ter­na­ti­ve wä­re ein plat­ter on­to­lo­gi­scher Ähn­lich­keits­be­griff, der – hor­ri­bi­le dic­tu – Ähn­lich­kei­ten ein­fach als Ei­gen­schaf­ten der Welt un­ab­hän­gig von ei­nem Be­trach­ter vo­raus­setzt.</ref> Dass eine gewis­se Wahrneh­mung bei einem ande­ren Wesen vorliegt, erken­nen wir indes nur an dessen zuge­höri­gen Reak­tionen. So legt die durch Plinius d. J. erzähl­te Anek­dote von dem anti­ken Maler Zeuxis auf den ersten Blick nahe anzu­nehmen, dass Vögel Ähnlich­keit erfas­sen: Plinius zufol­ge hatte Zeuxis seine Darstel­lung von Trauben so ähnlich gestal­tet, dass eini­ge Vögel herbei flogen, um nach den scheinba­ren Früchten zu picken (vgl. <bib id='Plinius 2004a'></bib>). Auch dass Gegen­stände in eini­gen Aspek­ten gleich, in ande­ren ungleich sind ist nur rela­tiv zu den entspre­chend gleichen oder verschie­denen Reak­tionen des betrach­teten Wesens bestimmt (vgl. <bib id='Gallistel 1980a'>Gallis­tel 1980a</bib>). | ||
: | : | ||
Ein einfacher | Ein einfacher Wahrnehmungsbe­griff ergibt sich für Wesen, für die die Umwelt bereits in Objek­te geglie­dert ist, ohne dass sie aber mit diesen Objek­ten als mit ''indi­vidu­ierten Gegen­ständen'' umge­hen können.<ref> Bei noch ein­fa­che­ren We­sen, de­ren Ver­hal­ten be­griff­lich nur durch Reiz-​Re­ak­ti­ons-​Sche­ma­ta (SR-​Sche­ma­ta) be­stimmt wird, sollte noch nicht von »Wahrneh­mung« gespro­chen werden: Die SR-​Schema­ta gruppie­ren ledig­lich in der einen oder ande­ren Hinsicht Gleich­arti­ges – inso­fern nämlich dassel­be Verhal­tensmus­ter damit verbun­den ist. Alles, was hinrei­chend vom zuge­höri­gen Rezep­tor als hinrei­chend “ähnlich” klassi­fiziert wird, löst dassel­be Verhal­ten aus (ermü­dungs- und krankheits­beding­te Ände­rungen nicht berück­sichtigt). Der Begriff, dass verschie­dene Reize – als von einem Objekt ausge­hend – mitein­ander asso­ziiert und damit auch verschie­dene Verhal­tenswei­sen als auf ''ein Objekt'' bezo­gen zusam­menge­bunden werden, ist in diesem Begriffs­feld noch nicht möglich. Daher kann auch nicht von einer gegen­ständli­chen Wahrneh­mung gesprochen werden (vgl. <bib id='Schirra 2000a'></bib>). </ref> Zwar werden auf dieser begriff­lichen Ebe­ne schon verschie­dene Nah- und Fern­reize einer­seits und unter­schiedli­che Verhal­tensbe­reiche ande­rerseits mitein­ander asso­ziiert, so dass von einem dem Orga­nismus gegen­über­stehen­den Objekt als Teil seiner Umwelt gespro­chen werden kann wie auch von dessen Wahrneh­mung: Wasser aus der Nähe und aus der Ferne gese­hen, gehört, gefühlt etc.; Wasser zum Trinken, zum Baden, zum Schwimmen etc. Gleich­wohl gilt auch hier, dass Schein und Sein jeweils zusam­menfal­len. Wahrneh­mung heißt hier stets, Ähnli­ches zusam­men zu gruppie­ren. | ||
: | : | ||
[[Datei:Aehnlichkeit_und_Taeuschung.jpg|thumb| | [[Datei:Aehnlichkeit_und_Taeuschung.jpg|thumb|Ab­bil­dung 1: Zwei Ar­ten von Ähn­lich­keit ]] | ||
Auf das | Auf das obi­ge Bei­spiel der Vö­gel des Zeu­xis be­zo­gen, die im We­sent­li­chen auf die­ser Kom­ple­xi­täts­stu­fe be­grif­fen wer­den kön­nen, ist für die hand­lungs­the­o­re­ti­sche Be­stim­mung des Be­griffs der Ähn­lich­keit ent­schei­dend, dass das Ver­hal­ten der Vö­gel als ein der ak­tu­el­len [[Kontext|Ver­hal­tens­si­tu­a­ti­on]] nicht ad­äqua­tes Ver­hal­ten be­trach­tet wird (vgl. Abb. 1<ref>Die im Bild ver­wen­de­ten “Denk­bla­sen” sind le­dig­lich als gra­phisch-​ver­kürz­te Dar­stel­lun­gen der je­wei­li­gen Ver­hal­tens­dis­po­si­ti­o­nen re­la­tiv zu ei­ner wahr­ge­nom­me­nen Ver­hal­tens­si­tu­a­ti­on zu ver­ste­hen.</ref>). Das Verhalten würde jedoch, so begreifen wir Beobachter, zu einem ganz anderen Kontext durchaus gut passen – einer Verhaltenssituation, in der an Stelle des Bildträger tatsächlich Futter wäre. Das Verhalten der Vögel zeigt uns, mit anderen Worten, dass sie sich vom falschen Schein täuschen lassen. Dass er falsch ist ist dem Beobachter klar. Die Vögel durchschauen hingegen ihr Verhalten nicht selbst als Ergebnis einer Täuschung. Zwar werden sie sich auch nach einiger Zeit “enttäuscht” abwenden. Doch bleibt für sie dann an der Stelle, an der sie eben noch Trauben wahrgenommen hatten (B-Wahrnehmung in Abb. 1), nicht etwas zurück, was an Trauben erinnert, sondern lediglich etwas, was mit Trauben gar nichts mehr zu tun hat (A-Wahrnehmung). | ||
: | : | ||
Wann immer solche Wesen erkennen, reagieren sie auf Ähnlichkeit, nicht aber auf Identität, da auf dieser Ebene der Begriff des über eine Verhaltenssituation hinausgehenden Zusammenhangs von Erscheinungsweisen ein und desselben Gegenstands noch nicht gebildet werden kann. Gerade darum sind sie im Gegensatz zu dem menschlichen Beobachter auch nicht in der Lage, die (täuschende) Erscheinung eines tatsächlich anwesenden Gegenstands mit der Erscheinung eines ganz anderen abwesenden Gegenstands in Beziehung zu setzen. Ähnlichkeit kann von Wesen, die unter diesen Begriff fallen, selbst noch nicht erkannt werden. | Wann immer solche Wesen erkennen, reagieren sie auf Ähnlichkeit, nicht aber auf Identität, da auf dieser Ebene der Begriff des über eine Verhaltenssituation hinausgehenden Zusammenhangs von Erscheinungsweisen ein und desselben Gegenstands noch nicht gebildet werden kann. Gerade darum sind sie im Gegensatz zu dem menschlichen Beobachter auch nicht in der Lage, die (täuschende) Erscheinung eines tatsächlich anwesenden Gegenstands mit der Erscheinung eines ganz anderen abwesenden Gegenstands in Beziehung zu setzen. Ähnlichkeit kann von Wesen, die unter diesen Begriff fallen, selbst noch nicht erkannt werden. | ||
Version vom 21. November 2013, 11:59 Uhr
Unterpunkt zu: Auswirkungen der Bildlichkeit
Die Mehrdeutigkeit des Ausdrucks ‘Ähnlichkeit’Häufig charakterisiert als ‘Gleiches im Ungleichen’ gilt Ähnlichkeit in vielen bildtheoretischen Ansätzen als besonders relevanter Begriff, wenn nicht gar als ein zentraler Grundbegriff (⊳ Ähnlichkeit und wahrnehmungsnahe Zeichen und Symbol, Index, Ikon);[1] für eine entsprechende Theorie kann nur dann von einem Wesen behauptet werden, es verwende etwas als Bild, wenn es in der Lage ist, Ähnlichkeit zwischen Gegenständen zu erkennen. Hinter dieser Formulierung entbirgt sich bei genauerer Betrachtung eine recht komplexe Fähigkeit, deren Tragweite erst bei einer begriffsgenetischen Rekonstruktion klar hervortritt. Denn auf Ähnlichkeit reagieren offensichtlich bereits recht niedere Organismen, wenn sie etwa in ethologischen Experimenten auf künstliche Reize oder in freier Natur auf Fälle von Mimikry[2] ansprechen. Doch bleibt dabei gerade fraglich, ob jene Wesen tatsächlich ein Vorkommnis von »Ähnlichkeit« erkennen, ja, ob sie überhaupt dazu in der Lage sind, Ähnlichkeit im eigentlich gemeinten Sinn zu erkennen, wird hierbei doch ‘Ähnlichkeit’ letztlich einfach im Sinne von ‹Gleichheit für jene Wesen› verwendet, während die Abweichungen von der Gleichheit nur dem menschlichen Beobachter bewußt sind. Je nach Kontext handelt es sich hier in der Tat um unterschiedliche, wenn auch miteinander verwandte Begriffe, die mit demselben Ausdruck ‘Ähnlichkeit’ gemeint sein können. Insbesondere sollte der bildtheoretische Begriff »Ähnlichkeit« dem Begriff der »Gleichheit« bzw. »Gleichartigkeit« von Gegenständen einerseits und dem der »Identität« andererseits gegenübergestellt werden. Bereits in dieser kurzen Einleitung wird deutlich, dass sich auch die Diskussion um Gleichheit, Ähnlichkeit und Identität sinnvoll nur zwischen den beiden Polen der beurteilten Gegenstände und ihren für ein Wesen erkennbaren Eigenschaften einerseits und den beurteilenden Wesen und ihren Kompetenzen zum Erkennen von Gegenständen andererseits wird führen lassen. Denn nur wer beispielsweise überhaupt dazu fähig ist, zwischen der momentanen Erscheinung eines Objekts und dem Objekt unabhängig von seiner jeweiligen Erscheinung zu unterscheiden, kann einen Gegenstand als einer anderen Art von Gegenständen ähnlich verstehen, d.h. nämlich als ‹in seiner aktuellen Erscheinung jenen anderen Objekten gleich›.
Begriffsgenetische Betrachtung zu »Ähnlichkeit«Die Verklammerung von Objekteigenschaften und Betrachterkompetenzen läßt sich am ehesten in einer handlungstheoretischen Bestimmung des Ähnlichkeitsbegriffs erfassen: Die Reaktionen und Reaktionsdispositionen, die ein Wesen bei Anwesenheit eines Gegenstands in seinem Umfeld zeigt, bilden dann die Grundlage der begriffsgenetischen Analyse. Ausgangspunkt: »Ähnlichkeit« als »Gleichartigkeit«Die Fähigkeit, etwas wahrnehmen zu können, ist wohl die unstrittige Basis, von der begriffsgenetische Betrachtungen des Begriffs »Ähnlichkeit« ausgehen können.[3] Dass eine gewisse Wahrnehmung bei einem anderen Wesen vorliegt, erkennen wir indes nur an dessen zugehörigen Reaktionen. So legt die durch Plinius d. J. erzählte Anekdote von dem antiken Maler Zeuxis auf den ersten Blick nahe anzunehmen, dass Vögel Ähnlichkeit erfassen: Plinius zufolge hatte Zeuxis seine Darstellung von Trauben so ähnlich gestaltet, dass einige Vögel herbei flogen, um nach den scheinbaren Früchten zu picken (vgl. [Plinius 2004a]König, Roderich et al. (Hg.) (1990): G. Plinius Secundus d. Ä: Naturkunde / Naturalis historia: lateinisch-deutsch. Artemis, Zürich. Ein einfacher Wahrnehmungsbegriff ergibt sich für Wesen, für die die Umwelt bereits in Objekte gegliedert ist, ohne dass sie aber mit diesen Objekten als mit individuierten Gegenständen umgehen können.[4] Zwar werden auf dieser begrifflichen Ebene schon verschiedene Nah- und Fernreize einerseits und unterschiedliche Verhaltensbereiche andererseits miteinander assoziiert, so dass von einem dem Organismus gegenüberstehenden Objekt als Teil seiner Umwelt gesprochen werden kann wie auch von dessen Wahrnehmung: Wasser aus der Nähe und aus der Ferne gesehen, gehört, gefühlt etc.; Wasser zum Trinken, zum Baden, zum Schwimmen etc. Gleichwohl gilt auch hier, dass Schein und Sein jeweils zusammenfallen. Wahrnehmung heißt hier stets, Ähnliches zusammen zu gruppieren. Auf das obige Beispiel der Vögel des Zeuxis bezogen, die im Wesentlichen auf dieser Komplexitätsstufe begriffen werden können, ist für die handlungstheoretische Bestimmung des Begriffs der Ähnlichkeit entscheidend, dass das Verhalten der Vögel als ein der aktuellen Verhaltenssituation nicht adäquates Verhalten betrachtet wird (vgl. Abb. 1[5]). Das Verhalten würde jedoch, so begreifen wir Beobachter, zu einem ganz anderen Kontext durchaus gut passen – einer Verhaltenssituation, in der an Stelle des Bildträger tatsächlich Futter wäre. Das Verhalten der Vögel zeigt uns, mit anderen Worten, dass sie sich vom falschen Schein täuschen lassen. Dass er falsch ist ist dem Beobachter klar. Die Vögel durchschauen hingegen ihr Verhalten nicht selbst als Ergebnis einer Täuschung. Zwar werden sie sich auch nach einiger Zeit “enttäuscht” abwenden. Doch bleibt für sie dann an der Stelle, an der sie eben noch Trauben wahrgenommen hatten (B-Wahrnehmung in Abb. 1), nicht etwas zurück, was an Trauben erinnert, sondern lediglich etwas, was mit Trauben gar nichts mehr zu tun hat (A-Wahrnehmung). Wann immer solche Wesen erkennen, reagieren sie auf Ähnlichkeit, nicht aber auf Identität, da auf dieser Ebene der Begriff des über eine Verhaltenssituation hinausgehenden Zusammenhangs von Erscheinungsweisen ein und desselben Gegenstands noch nicht gebildet werden kann. Gerade darum sind sie im Gegensatz zu dem menschlichen Beobachter auch nicht in der Lage, die (täuschende) Erscheinung eines tatsächlich anwesenden Gegenstands mit der Erscheinung eines ganz anderen abwesenden Gegenstands in Beziehung zu setzen. Ähnlichkeit kann von Wesen, die unter diesen Begriff fallen, selbst noch nicht erkannt werden. Zielpunkt: »Ähnlichkeit« als Gegenbegriff zu »Identität«Anders als Vögel verfügen Menschen hingegen mit den Begriffen für individuierte Gegenstände prinzipiell über die Möglichkeit, in einer trompe l’œil-Situation nicht einfach nur entweder fehlerhaft auf die Täuschung hereinzufallen oder gar keinen Zusammenhang zwischen Bildträger und Abgebildetem herzustellen. Vielmehr gelingt es ihnen, sich zugleich anwesende Darstellung (A-Wahrnehmung in Abb. 1, auf die aktuelle Verhaltenssituation bezogen) und abwesendes Dargestelltes (B-Wahrnehmung, auf einen anderen Kontext bezogen) zu vergegenwärtigen und beides als zwei verschiedene, aber aufeinander verweisende Entitäten zu begreifen. Genau das ist es, was wir als »Erkennen von Ähnlichkeit« begreifen (vgl. [Schirra & Sachs-Hombach 2006b]Schirra Jörg R.J. & Sachs-Hombach, Klaus (2006): Fähigkeiten zum Bild- und Sprachgebrauch . Deutsche Zeitschrift für Philosophie, 54, 6.
Da es umgangssprachlich zu nahe liegt und daher kaum zu vermeiden ist, dass auch bei den Vögeln des Zeuxis und ähnlichen Fällen von ‘Ähnlichkeit’ gesprochen wird, ist es sinnvoll, die beiden Fälle zumindest durch Indizes voneinander zu unterscheiden. In [Schirra 2005a]Schirra, Jörg R.J. (2005): Foundation of Computational Visualistics. DUV, Wiesbaden.
Ähnlichkeit und KontextbildungDie Grundlage der erweiterten Wahrnehmungskompetenz, die »Ähnlichkeitβ« erlaubt, ist gleichermassen die Basis der Fähigkeit, mit individuellen, die Zeit überdauernden Gegenständen umgehen zu können (Objektkonstitution), nämlich die Fähigkeit verschiedene Situationen miteinander in Beziehung zu setzen (Kontextbildung). Damit verklammert Ähnlichkeit Bilder auf doppelte Weise mit dem Zugang zu abwesenden Kontexten: Ähnlichkeit beruht auf der intentionalen Hinwendung zu einer abwesenden Situation, die damit für Bilder als wahrnehmungsnahen Zeichen konstitutiv ist. Andererseits wird mit dem Bild auf eben diese in der Regel abwesende Situation hingewiesen, so dass die kommunikative Grundfunktion des Bildes im Etablieren eines gemeinsamen Zugang zu diesem Kontext besteht. Bildanthropologisch spielt dieser Doppelbezug bei der »initialen Kontextbildung« – der begriffsgenetischen Betrachtung zur Fähigkeit, mit abwesenden Kontexten umzugehen, eine wichtige Rolle (⊳ logische Kontextbildung und mentale Bilder). |
Anmerkungen
Literatur
[Gallistel 1980a]Gallistel, Randy (1980): The Organization of Action: A New Synthesis. Lawrence Erlbaum Assoc., Hillsdale, NJ.[Goodman 1968a]Goodman, Nelson (1968): Languages of Art. Hackett, Indianapolis.[Plinius 2004a]König, Roderich et al. (Hg.) (1990): G. Plinius Secundus d. Ä: Naturkunde / Naturalis historia: lateinisch-deutsch. Artemis, Zürich.[Schirra & Sachs-Hombach 2006b]Schirra Jörg R.J. & Sachs-Hombach, Klaus (2006): Fähigkeiten zum Bild- und Sprachgebrauch . Deutsche Zeitschrift für Philosophie, 54, 6.[Schirra 2000a]Schirra, Jörg R.J. (2000): Täuschung, Ähnlichkeit und Immersion: Die Vögel des Zeuxis. In: Rehkämper, K.& Sachs-Hombach, K. (Hg.), Vom Realismus der Bilder: Interdisziplinäre Forschungen zur Semantik bildhafter Darstellungsformen. Skriptum, Magdeburg.[Schirra 2005a]Schirra, Jörg R.J. (2005): Foundation of Computational Visualistics. DUV, Wiesbaden.[Scholz 2004a]Scholz, Oliver R. (2004): Bild, Darstellung, Zeichen. Philosophische Theorien bildhafter Darstellungen. Klostermann, Frankfurt/M.[Wollheim 1982a]Wollheim, Richard (1982): Sehen-als, sehen-in und bildliche Darstellung. In: Wollheim, R. (Hg.), Objekte der Kunst. Suhrkamp, Frankfurt/M. Verantwortlich: Lektorat: Seitenbearbeitungen durch: Joerg R.J. Schirra, Klaus Sachs-Hombach, Elisabeth Birk und Marcel Lemmes — (Hinweis) |
