Notation: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Glossar der Bildphilosophie
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Joerg R.J. Schirra (Diskussion | Beiträge)
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Eine Partitur kann ihre primäre Funktion nur erfül&shy;len, wenn das Zeichen&shy;system, in dem sie verfasst ist, bestimm&shy;ten syntak&shy;tischen und seman&shy;tischen Anfor&shy;derun&shy;gen genügt (vgl. <bib id='Goodman 1968a'>Goodman 1968</bib>: S. 130–154; <bib id='Elgin 1983a'>Elgin 1983</bib>: S. 97–104; <bib id='Elgin 1992a'>Elgin 1992</bib>). Eine Nota&shy;tion muss syntak&shy;tisch disjunkt und diffe&shy;renziert sein, da eine Parti&shy;tur ein Werk nur dann von Auffüh&shy;rung zu Auffüh&shy;rung iden&shy;tifi&shy;zieren kann, wenn es bestimmt und entscheid&shy;bar ist, ob verschie&shy;dene Inskrip&shy;tionen solche dersel&shy;ben Parti&shy;tur sind. Ein Zeichen&shy;system besteht aus einem Zeichen&shy;schema, das mit einem Bereich korre&shy;liert ist. Das Zeichen&shy;schema, das Charak&shy;tere und ihre Marken enthält, ist ''syntak&shy;tisch disjunkt'', wenn keine Marke zu mehr als einem Charak&shy;ter gehört. Die syntak&shy;tische Disjunk&shy;theit stellt sicher, dass alle Marken, die zum selben Charak&shy;ter gehö&shy;ren, ohne syntak&shy;tische Auswir&shy;kungen durchein&shy;ander ersetz&shy;bar sind. Ein Zeichen&shy;schema ist ''syntak&shy;tisch diffe&shy;renziert'', wenn es für jede seiner Marken möglich ist festzu&shy;legen, zu welchem Charak&shy;ter des Schemas sie gehört. Die syntak&shy;tische Diffe&shy;renziert&shy;heit stellt sicher, dass wir entschei&shy;den können, ob zwei Marken zum selben Charak&shy;ter gehö&shy;ren. Ein Zeichen&shy;schema ist dage&shy;gen ''[[syntaktische Dichte|syntak&shy;tisch dicht]]'', wenn es unend&shy;lich viele Charak&shy;tere vorsieht, die so geord&shy;net sind, dass zwischen jeweils zweien immer ein dritter liegt. Die syntak&shy;tische Dichte verun&shy;möglicht es, den Charak&shy;ter zu iden&shy;tifi&shy;zieren, zu dem eine Marke gehört, weil es immer konkur&shy;rieren&shy;de Kandi&shy;daten und keine Grundla&shy;ge gibt, um zwischen ihnen zu entschei&shy;den.
Eine Partitur kann ihre primäre Funktion nur erfül&shy;len, wenn das Zeichen&shy;system, in dem sie verfasst ist, bestimm&shy;ten syntak&shy;tischen und seman&shy;tischen Anfor&shy;derun&shy;gen genügt (vgl. <bib id='Goodman 1968a'>Goodman 1968</bib>: S. 130–154; <bib id='Elgin 1983a'>Elgin 1983</bib>: S. 97–104; <bib id='Elgin 1992a'>Elgin 1992</bib>). Eine Nota&shy;tion muss syntak&shy;tisch disjunkt und diffe&shy;renziert sein, da eine Parti&shy;tur ein Werk nur dann von Auffüh&shy;rung zu Auffüh&shy;rung iden&shy;tifi&shy;zieren kann, wenn es bestimmt und entscheid&shy;bar ist, ob verschie&shy;dene Inskrip&shy;tionen solche dersel&shy;ben Parti&shy;tur sind. Ein Zeichen&shy;system besteht aus einem Zeichen&shy;schema, das mit einem Bereich korre&shy;liert ist. Das Zeichen&shy;schema, das Charak&shy;tere und ihre Marken enthält, ist ''syntak&shy;tisch disjunkt'', wenn keine Marke zu mehr als einem Charak&shy;ter gehört. Die syntak&shy;tische Disjunk&shy;theit stellt sicher, dass alle Marken, die zum selben Charak&shy;ter gehö&shy;ren, ohne syntak&shy;tische Auswir&shy;kungen durchein&shy;ander ersetz&shy;bar sind. Ein Zeichen&shy;schema ist ''syntak&shy;tisch diffe&shy;renziert'', wenn es für jede seiner Marken möglich ist festzu&shy;legen, zu welchem Charak&shy;ter des Schemas sie gehört. Die syntak&shy;tische Diffe&shy;renziert&shy;heit stellt sicher, dass wir entschei&shy;den können, ob zwei Marken zum selben Charak&shy;ter gehö&shy;ren. Ein Zeichen&shy;schema ist dage&shy;gen ''[[syntaktische Dichte|syntak&shy;tisch dicht]]'', wenn es unend&shy;lich viele Charak&shy;tere vorsieht, die so geord&shy;net sind, dass zwischen jeweils zweien immer ein dritter liegt. Die syntak&shy;tische Dichte verun&shy;möglicht es, den Charak&shy;ter zu iden&shy;tifi&shy;zieren, zu dem eine Marke gehört, weil es immer konkur&shy;rieren&shy;de Kandi&shy;daten und keine Grundla&shy;ge gibt, um zwischen ihnen zu entschei&shy;den.
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Ein Charakter ist mehrdeutig, wenn eine seiner Inskriptionen mehr als eine Erfüllungsklasse hat oder nicht alle seiner Inskriptionen dieselbe Erfüllungsklasse haben. Wäre eine Partitur mehrdeutig, würde sie von Aufführungen unterschiedlicher Werke erfüllt. Damit die Partitur ihre primäre Funktion erfüllen kann, muss die Notation frei von Mehrdeutigkeit sein. Das stellt sicher, dass zwei Aufführungen, die dieselbe Partitur erfüllen, Einzelfälle desselben Werks sind. Eine Notation muss zudem semantisch disjunkt und differenziert sein, da eine Partitur ein Werk nur dann von Aufführung zu Aufführung identifizieren kann, wenn es bestimmt und entscheidbar ist, ob verschiedene Aufführungen dieselbe Partitur erfüllen und damit Einzelfälle desselben Werks sind. Ein Zeichensystem ist semantisch disjunkt, wenn sich seine Erfüllungsklassen nicht überschneiden. Die semantische Disjunktheit stellt sicher, dass keine Aufführung nicht-koextensive Partituren erfüllt und ein Einzelfall von mehr als einem Werk ist. Aber sie schließt nicht aus, dass eine Aufführung verschiedene koextensive Partituren erfüllt und das System also redundant ist. Redundanzen gefährden zwar nicht die Werk-, aber die Partituridentität, da nicht alle Partituren eines Werks Einzelfälle desselben Charakters sind. Sie können ausgeschlossen werden, wenn man für die semantische Disjunktivität fordert, dass keine zwei Charaktere einen Erfüllungsgegenstand gemeinsam haben. Die Erfüllungsklassen eines Zeichensystems sind semantisch differenziert, wenn es für jeden Charakter des Systems möglich ist festzulegen, welche Gegenstände ihn erfüllen. Die semantische Differenziertheit stellt sicher, dass wir für jede Aufführung entscheiden können, welche Partitur sie erfüllt. Ein Zeichensystem ist semantisch dicht, wenn die Erfüllungsklassen so geordnet sind, dass zwischen jeweils zweien eine dritte liegt. Wären Partituren Charaktere in dichten Systemen, wäre es unmöglich, die Partitur einer Aufführung zu identifizieren, weil es immer konkurrierende Kandidaten und keine Grundlage gäbe, um zwischen ihnen zu entscheiden.
Ein Charakter ist ''mehrdeu&shy;tig'', wenn eine seiner Inskrip&shy;tionen mehr als eine Erfül&shy;lungsklas&shy;se hat oder nicht alle seiner Inskrip&shy;tionen diesel&shy;be Erfül&shy;lungsklas&shy;se haben. Wäre eine Parti&shy;tur mehrdeu&shy;tig, würde sie von Auffüh&shy;rungen unter&shy;schiedli&shy;cher Werke erfüllt. Damit die Parti&shy;tur ihre primä&shy;re Funktion erfül&shy;len kann, muss die Nota&shy;tion frei von Mehrdeu&shy;tigkeit sein. Das stellt sicher, dass zwei Auffüh&shy;rungen, die diesel&shy;be Parti&shy;tur erfül&shy;len, Einzel&shy;fälle dessel&shy;ben Werks sind. Eine Nota&shy;tion muss zudem seman&shy;tisch disjunkt und diffe&shy;renziert sein, da eine Parti&shy;tur ein Werk nur dann von Auffüh&shy;rung zu Auffüh&shy;rung iden&shy;tifi&shy;zieren kann, wenn es bestimmt und entscheid&shy;bar ist, ob verschie&shy;dene Auffüh&shy;rungen diesel&shy;be Parti&shy;tur erfül&shy;len und damit Einzel&shy;fälle dessel&shy;ben Werks sind. Ein Zeichen&shy;system ist ''seman&shy;tisch disjunkt'', wenn sich seine Erfül&shy;lungsklas&shy;sen nicht über&shy;schneiden. Die seman&shy;tische Disjunkt&shy;heit stellt sicher, dass keine Auffüh&shy;rung nicht-ko&shy;exten&shy;sive Parti&shy;turen erfüllt und ein Einzel&shy;fall von mehr als einem Werk ist. Aber sie schließt nicht aus, dass eine Auffüh&shy;rung verschie&shy;dene ko&shy;exten&shy;sive Parti&shy;turen erfüllt und das System also redun&shy;dant ist. Redun&shy;danzen gefähr&shy;den zwar nicht die Werk-, aber die Par&shy;titur&shy;iden&shy;tität, da nicht alle Parti&shy;turen eines Werks Einzel&shy;fälle dessel&shy;ben Charak&shy;ters sind. Sie können ausge&shy;schlossen werden, wenn man für die seman&shy;tische Disjunk&shy;tivi&shy;tät fordert, dass keine zwei Charak&shy;tere einen Erfül&shy;lungsge&shy;genstand gemein&shy;sam haben. Die Erfül&shy;lungsklas&shy;sen eines Zeichen&shy;systems sind ''seman&shy;tisch diffe&shy;renziert'', wenn es für jeden Charak&shy;ter des Systems möglich ist festzu&shy;legen, welche Gegen&shy;stände ihn erfül&shy;len. Die seman&shy;tische Diffe&shy;renziert&shy;heit stellt sicher, dass wir für jede Auffüh&shy;rung entschei&shy;den können, welche Parti&shy;tur sie erfüllt. Ein Zeichen&shy;system ist ''seman&shy;tisch dicht'', wenn die Erfül&shy;lungsklas&shy;sen so geord&shy;net sind, dass zwischen jeweils zweien eine dritte liegt. Wären Parti&shy;turen Charak&shy;tere in dichten Syste&shy;men, wäre es unmög&shy;lich, die Parti&shy;tur einer Auffüh&shy;rung zu iden&shy;tifi&shy;zieren, weil es immer konkur&shy;rieren&shy;de Kandi&shy;daten und keine Grundla&shy;ge gäbe, um zwischen ihnen zu entschei&shy;den.
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Ein Zeichenschema, das die syntaktischen Anforderungen erfüllt, ist ein Notationsschema ''im formalen Sinn''; ein Notationssystem im formalen Sinn erfüllt auch die semantischen Anforderungen und ist also syntaktisch und semantisch disjunkt und differenziert sowie frei von Mehrdeutigkeit.<ref> Eine praktikable Notation hat zudem technische Anforderungen zu erfüllen, die nichts mit der primären theoretischen Funktion zu tun haben, wie überschaubar kleine oder endliche Menge atomarer Charaktere, Deutlichkeit, Lesbarkeit, Dauerhaftigkeit, Handhabbarkeit, graphische Eingängigkeit, mnemotechnische Effizienz und bequeme Duplizierbarkeit (<bib id='Goodman 1968a'>Goodman 1968</bib>: S. 154).</ref> Eine Notation ''im substantiellen Sinn'' ist ein Notationssystem im formalen Sinn, das ein Kriterium der Werkidentität liefert, welches zwei Bedingungen erfüllt. Es muss erstens die Identität von Werken unabhängig von ihrer Entstehungsgeschichte festlegen und zweitens hinreichend mit unserer bestehenden Praxis der Identifikation von Werken übereinstimmen (vgl. <bib id='Goodman 1968a'>Goodman 1968</bib>: S. 195f.). Die unqualifizierten Ausdrücke ‘Notation’ und ‘Notationssystem’ verwende ich im Folgenden für Notationen im substantiellen Sinn.
Ein Zeichenschema, das die syntaktischen Anforderungen erfüllt, ist ein Notationsschema ''im formalen Sinn''; ein Notationssystem im formalen Sinn erfüllt auch die semantischen Anforderungen und ist also syntaktisch und semantisch disjunkt und differenziert sowie frei von Mehrdeutigkeit.<ref> Eine praktikable Notation hat zudem technische Anforderungen zu erfüllen, die nichts mit der primären theoretischen Funktion zu tun haben, wie überschaubar kleine oder endliche Menge atomarer Charaktere, Deutlichkeit, Lesbarkeit, Dauerhaftigkeit, Handhabbarkeit, graphische Eingängigkeit, mnemotechnische Effizienz und bequeme Duplizierbarkeit (<bib id='Goodman 1968a'>Goodman 1968</bib>: S. 154).</ref> Eine Notation ''im substantiellen Sinn'' ist ein Notationssystem im formalen Sinn, das ein Kriterium der Werkidentität liefert, welches zwei Bedingungen erfüllt. Es muss erstens die Identität von Werken unabhängig von ihrer Entstehungsgeschichte festlegen und zweitens hinreichend mit unserer bestehenden Praxis der Identifikation von Werken übereinstimmen (vgl. <bib id='Goodman 1968a'>Goodman 1968</bib>: S. 195f.). Die unqualifizierten Ausdrücke ‘Notation’ und ‘Notationssystem’ verwende ich im Folgenden für Notationen im substantiellen Sinn.

Version vom 16. November 2013, 18:02 Uhr

Unterpunkt zu: Zeichentheorien: Übersicht


Notation und die primäre Funktion einer Parti­tur

Die Theorie der Notation wurde von Nelson Goodman ([Goodman 1968a]Goodman, Nelson (1968): Languages of Art. Hackett, Indianapolis.
Notiz: 2. rev. Aufl. 1976
Nicht angezeigt: dt.: Sprachen der Kunst. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1998
: Kap. 4) im Zusam­menhang mit der Frage nach den Iden­titäts­krite­rien für Kunstwer­ke ent­wickelt. Eine Nota­tion ist ein Zeichen­system, das ein syntak­tisches oder seman­tisches Krite­rium dafür ermög­licht, welche Gegen­stände oder Ereig­nisse Einzel­fälle eines bestimm­ten Werks sind. Ein solches Krite­rium ist dann notwen­dig, wenn Werke mehre­re Einzel­fälle zulas­sen, deren Iden­tität nicht durch ihre Entste­hungsge­schichte bestimmt ist. Da dies in para­digma­tischer Weise in der Musik der Fall ist, führe ich den Begriff der Nota­tion für die Musik ein, ehe ich mich kurz der Lite­ratur und ausführ­licher den bilden­den Künsten zuwen­de. Die resul­tieren­den Iden­titäts­krite­rien sollen auch für Musik, Texte und Bilder ohne Kunstwerk­status gelten, auch wenn wir hier in der Regel nicht von Werken sprechen.

Ein musikalisches Werk kann mehrmals aufge­führt werden; und ob eine Auffüh­rung ein Einzel­fall des Werks ist, hängt nicht davon ab, wer sie wann wo aufge­führt hat. Zudem können sich verschie­dene Auffüh­rungen eines Werks beträcht­lich unter­scheiden. Die Parti­tur legt fest, in welchen Hinsich­ten sie über­einstim­men müssen. Genau dieje­nigen Auffüh­rungen, die diesel­be Parti­tur erfül­len, sind Einzel­fälle dessel­ben Werks. Die Parti­tur liefert damit ein seman­tisches Krite­rium der Werk­iden­tität. Ihre primä­re Funktion besteht nach Goodman ([Goodman 1968a]Goodman, Nelson (1968): Languages of Art. Hackett, Indianapolis.
Notiz: 2. rev. Aufl. 1976
Nicht angezeigt: dt.: Sprachen der Kunst. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1998
: S. 128f.) in der defi­niti­ven Iden­tifi­kation eines Werks von Auffüh­rung zu Auffüh­rung.[1] Dafür muss sie aber nicht nur die Klasse der Auffüh­rungen des Werks eindeu­tig festle­gen; sie muss als Klasse von Inskrip­tionen auch selbst durch eine Auffüh­rung eindeu­tig festge­legt werden, wenn das Nota­tionssys­tem gege­ben ist. Nur so bleiben die Werk- und die Par­titur­iden­tität in jeder Folge von Schritten erhal­ten, von denen jeder entwe­der von einer Auffüh­rung zu einer Parti­turin­skripti­on oder von dieser zu einer Auffüh­rung oder zu einer weite­ren Inskrip­tion der Parti­tur führt.


Notation im formalen Sinn und im sub­stantiel­len Sinn

Eine Partitur kann ihre primäre Funktion nur erfül­len, wenn das Zeichen­system, in dem sie verfasst ist, bestimm­ten syntak­tischen und seman­tischen Anfor­derun­gen genügt (vgl. [Goodman 1968a]Goodman, Nelson (1968): Languages of Art. Hackett, Indianapolis.
Notiz: 2. rev. Aufl. 1976
Nicht angezeigt: dt.: Sprachen der Kunst. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1998
: S. 130–154; [Elgin 1983a]Elgin, Catherine Z. (1983): With Reference to Reference. Hackett, Indianapolis.
: S. 97–104; [Elgin 1992a]Elgin, Catherine Z. (1992): Notation. In: Cooper, D. (Hg.), A Companion to Aesthetics. Backwell, Oxford.
). Eine Nota­tion muss syntak­tisch disjunkt und diffe­renziert sein, da eine Parti­tur ein Werk nur dann von Auffüh­rung zu Auffüh­rung iden­tifi­zieren kann, wenn es bestimmt und entscheid­bar ist, ob verschie­dene Inskrip­tionen solche dersel­ben Parti­tur sind. Ein Zeichen­system besteht aus einem Zeichen­schema, das mit einem Bereich korre­liert ist. Das Zeichen­schema, das Charak­tere und ihre Marken enthält, ist syntak­tisch disjunkt, wenn keine Marke zu mehr als einem Charak­ter gehört. Die syntak­tische Disjunk­theit stellt sicher, dass alle Marken, die zum selben Charak­ter gehö­ren, ohne syntak­tische Auswir­kungen durchein­ander ersetz­bar sind. Ein Zeichen­schema ist syntak­tisch diffe­renziert, wenn es für jede seiner Marken möglich ist festzu­legen, zu welchem Charak­ter des Schemas sie gehört. Die syntak­tische Diffe­renziert­heit stellt sicher, dass wir entschei­den können, ob zwei Marken zum selben Charak­ter gehö­ren. Ein Zeichen­schema ist dage­gen syntak­tisch dicht, wenn es unend­lich viele Charak­tere vorsieht, die so geord­net sind, dass zwischen jeweils zweien immer ein dritter liegt. Die syntak­tische Dichte verun­möglicht es, den Charak­ter zu iden­tifi­zieren, zu dem eine Marke gehört, weil es immer konkur­rieren­de Kandi­daten und keine Grundla­ge gibt, um zwischen ihnen zu entschei­den.

Ein Charakter ist mehrdeu­tig, wenn eine seiner Inskrip­tionen mehr als eine Erfül­lungsklas­se hat oder nicht alle seiner Inskrip­tionen diesel­be Erfül­lungsklas­se haben. Wäre eine Parti­tur mehrdeu­tig, würde sie von Auffüh­rungen unter­schiedli­cher Werke erfüllt. Damit die Parti­tur ihre primä­re Funktion erfül­len kann, muss die Nota­tion frei von Mehrdeu­tigkeit sein. Das stellt sicher, dass zwei Auffüh­rungen, die diesel­be Parti­tur erfül­len, Einzel­fälle dessel­ben Werks sind. Eine Nota­tion muss zudem seman­tisch disjunkt und diffe­renziert sein, da eine Parti­tur ein Werk nur dann von Auffüh­rung zu Auffüh­rung iden­tifi­zieren kann, wenn es bestimmt und entscheid­bar ist, ob verschie­dene Auffüh­rungen diesel­be Parti­tur erfül­len und damit Einzel­fälle dessel­ben Werks sind. Ein Zeichen­system ist seman­tisch disjunkt, wenn sich seine Erfül­lungsklas­sen nicht über­schneiden. Die seman­tische Disjunkt­heit stellt sicher, dass keine Auffüh­rung nicht-ko­exten­sive Parti­turen erfüllt und ein Einzel­fall von mehr als einem Werk ist. Aber sie schließt nicht aus, dass eine Auffüh­rung verschie­dene ko­exten­sive Parti­turen erfüllt und das System also redun­dant ist. Redun­danzen gefähr­den zwar nicht die Werk-, aber die Par­titur­iden­tität, da nicht alle Parti­turen eines Werks Einzel­fälle dessel­ben Charak­ters sind. Sie können ausge­schlossen werden, wenn man für die seman­tische Disjunk­tivi­tät fordert, dass keine zwei Charak­tere einen Erfül­lungsge­genstand gemein­sam haben. Die Erfül­lungsklas­sen eines Zeichen­systems sind seman­tisch diffe­renziert, wenn es für jeden Charak­ter des Systems möglich ist festzu­legen, welche Gegen­stände ihn erfül­len. Die seman­tische Diffe­renziert­heit stellt sicher, dass wir für jede Auffüh­rung entschei­den können, welche Parti­tur sie erfüllt. Ein Zeichen­system ist seman­tisch dicht, wenn die Erfül­lungsklas­sen so geord­net sind, dass zwischen jeweils zweien eine dritte liegt. Wären Parti­turen Charak­tere in dichten Syste­men, wäre es unmög­lich, die Parti­tur einer Auffüh­rung zu iden­tifi­zieren, weil es immer konkur­rieren­de Kandi­daten und keine Grundla­ge gäbe, um zwischen ihnen zu entschei­den.

Ein Zeichenschema, das die syntaktischen Anforderungen erfüllt, ist ein Notationsschema im formalen Sinn; ein Notationssystem im formalen Sinn erfüllt auch die semantischen Anforderungen und ist also syntaktisch und semantisch disjunkt und differenziert sowie frei von Mehrdeutigkeit.[2] Eine Notation im substantiellen Sinn ist ein Notationssystem im formalen Sinn, das ein Kriterium der Werkidentität liefert, welches zwei Bedingungen erfüllt. Es muss erstens die Identität von Werken unabhängig von ihrer Entstehungsgeschichte festlegen und zweitens hinreichend mit unserer bestehenden Praxis der Identifikation von Werken übereinstimmen (vgl. [Goodman 1968a]Goodman, Nelson (1968): Languages of Art. Hackett, Indianapolis.
Notiz: 2. rev. Aufl. 1976
Nicht angezeigt: dt.: Sprachen der Kunst. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1998
: S. 195f.). Die unqualifizierten Ausdrücke ‘Notation’ und ‘Notationssystem’ verwende ich im Folgenden für Notationen im substantiellen Sinn.


Musik, Literatur, bildende Künste

Goodman und Elgin argumentieren dafür, dass eine Partitur in der musikalischen Standardnotation als Charakter in einem Notationssystem zu rekonstruieren ist (vgl. [Goodman 1968a]Goodman, Nelson (1968): Languages of Art. Hackett, Indianapolis.
Notiz: 2. rev. Aufl. 1976
Nicht angezeigt: dt.: Sprachen der Kunst. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1998
: S. 117f. & 179–187). Die Standardnotation erfüllt die syntaktischen und semantischen Anforderungen, wenn man von Redundanzen absieht, Instrumentspezifikationen als Teil der Notation und sprachliche Ergänzungen wie Tempoangaben als bloße Empfehlungen dafür interpretiert, wie ein Werk aufzuführen ist. Sie ermöglicht ein semantisches Kriterium der Werkidentität und ein syntaktisches Kriterium der Partituridentität: Eine Aufführung ist genau dann ein Einzelfall eines bestimmten Werks, wenn sie die Partitur des Werks erfüllt; und zwei Inskriptionen sind genau dann solche derselben Partitur, wenn sie gleich buchstabiert, d.h. aus denselben Elementen in derselben Anordnung zusammengesetzt sind. Das Kriterium der Partiturerfüllung legt die Identität eines musikalischen Werks unabhängig von seiner Entstehungsgeschichte fest. Nach Goodman stimmt es zudem hinreichend mit unserer Praxis der Identifikation von Werken überein, die in Standardnotation kodifiziert sind. Dagegen wurde erstens eingewendet, dass nach ihm eine Aufführung mit einer einzigen falschen Note kein Einzelfall des fraglichen Werks ist, was unserer bestehenden Klassifikationspraxis widerspreche (vgl. [Hernadi 1991a]Hernadi, Paul (1991): Reconceiving Notation and Performance. Journal of Aesthetic Education, 25, 1.
; für eine Antwort vgl. [Goodman 1968a]Goodman, Nelson (1968): Languages of Art. Hackett, Indianapolis.
Notiz: 2. rev. Aufl. 1976
Nicht angezeigt: dt.: Sprachen der Kunst. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1998
: S. 186f.; [Elgin 1983a]Elgin, Catherine Z. (1983): With Reference to Reference. Hackett, Indianapolis.
: S. 110). Zweitens wurde moniert, der Vorschlag übersehe die historisch und kontextuell gebundene Natur musikalischer Werke (vgl. [Wollheim 1978a]Wollheim, Richard (1978): Are the Criteria of Identity that Hold für a Work of Art in the Different Arts Aesthetically Relevant?. Ratio, 20.
; [Levinson 1990a]Levinson, Jerrold (1990): What a Musical Work is. In: Levinson, J. (Hg.), Music, Art, and Metaphysics. Cornell University Press, Ithaca.
; [Predelli 1999a]Predelli, Stefano (1999): Goodman and the Score. British Journal of Aesthetics, 39.
). Nach diesem grundsätzlicheren Einwand stimmt das Kriterium gerade deshalb nicht mit unserer Klassifikationspraxis überein, weil es die Identität eines musikalischen Werks unabhängig von seiner Entstehungsgeschichte festlegt.

Ein Text ist ein Charakter in einem Notationsschema, nicht aber in einem Notationssystem. Verbale Sprachen erfüllen die syntaktischen Anforderungen an eine Notation: Jede Inskription gehört zu höchstens einem Charakter und es ist im Prinzip auch entscheidbar, zu welchem Charakter. Aber sie verletzen die semantischen Anforderungen: Sie enthalten mehrdeutige Ausdrücke, ihre Erfüllungsklassen stehen in Inklusions- und Überlappungsbeziehungen und sind zudem semantisch dicht. Damit ist ein syntaktisches Kriterium der Werkidentität verfügbar: Eine Inskription ist genau dann ein Einzelfall eines Texts, wenn sie gleich buchstabiert ist wie ein echter Einzelfall des Texts (vgl. [Goodman 1968a]Goodman, Nelson (1968): Languages of Art. Hackett, Indianapolis.
Notiz: 2. rev. Aufl. 1976
Nicht angezeigt: dt.: Sprachen der Kunst. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1998
: S. 115f.; 207–210). Es legt die Identität eines Texts unabhängig von seiner Entstehungsgeschichte fest. Dass es auch hinreichend mit unserer Klassifikationspraxis übereinstimmt, wurde wiederum mit dem Hinweis bestritten, dass nach ihm eine Kopie eines Textes, die nur einen Druck- oder Schreibfehler enthält, kein Einzelfall des Textes ist. Zudem wurde auch gegen diesen Vorschlag eingewendet, dass er die Gebundenheit insbesondere literarischer Werke an einen historischen Kontext und einen Autor übersehe (vgl. [Davies 1991a]Davies, David (1991): Works, Texts, and Contexts. Goodman on the Literary Artwork. Canadian Journal of Philosophy, 21.
; [Steinbrenner 1996a]Steinbrenner, Jakob (1996): Kognitivismus in der Ästhetik. Königshausen & Neumann, Würzburg.
: S. 90–118).

Die Skizze eines Malers kann wie die Partitur eines Komponisten als Arbeitsanleitung gebraucht werden, hat aber einen ganz anderen Status. Sie ist weder ein Charakter in einem Notationssystem noch ein Charakter in einem Notationsschema, da das bildliche Zeichensystem, zu dem sie gehört, weder die semantischen noch die syntaktischen Anforderungen erfüllt. Die semantischen Anforderungen verletzt es, weil es mehrdeutige Bilder enthält, seine Erfüllungsklassen sich in vielfacher Weise überschneiden und überlappen und zudem dicht sind. Die syntaktischen Anforderungen verletzt es, weil seine Marken aufgrund ihrer vielen pikturalen Eigenschaften Inskriptionen mehrerer Charaktere sein können und weil seine Charaktere bezüglich manchen Hinsichten (wie der Größe, der Gestalt, der Position, sowie mehrerer farblicher Aspekte) dicht sind (vgl. [Goodman 1968a]Goodman, Nelson (1968): Languages of Art. Hackett, Indianapolis.
Notiz: 2. rev. Aufl. 1976
Nicht angezeigt: dt.: Sprachen der Kunst. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1998
: S. 225–228; [Scholz 2004a]Scholz, Oliver R. (2004): Bild, Darstellung, Zeichen. Philosophische Theorien bildhafter Darstellungen. Klostermann, Frankfurt/M.
Nicht angezeigt: 2., vollständig überarbeitete Aufl.
: Kap. 4).[3] Die Skizze liefert damit kein Kriterium für die Werkidentität; sie ist vielmehr selbst ein Werk.

Dass Bilder als Zeichen in syntaktisch und semantisch dichten und nicht-disjunkten Systemen funktionieren, schließt an sich die Möglichkeit einer Notation nicht aus.[4] Auch musikalische Aufführungen funktionieren als expressive Zeichen in syntaktisch und semantisch dichten und nicht-disjunkten Systemen; dennoch lassen sie eine Notation zu. Die Frage nach der Möglichkeit einer Notation für eine Kunst muss von der Frage unterschieden werden, welche syntaktischen und semantischen Eigenschaften die Systeme haben, in denen ihre Werke als Zeichen funktionieren. Das wird oft übersehen, weil Goodmans Notationstheorie zugleich ein Instrumentarium für eine vergleichende Untersuchung verschiedener Zeichensysteme liefert.[5] Die erste Frage steht im Kontext der Frage nach dem Kriterium der Werkidentität, die zweite im Kontext der Frage, wie die Werke als Zeichen funktionieren.

Ein bibliotheksartiges Dezimalsystem, das jedem Bild nach Maler, Entstehungszeit und -ort eine Ziffer zuordnet und ein System, das Bilder nach ihren Kosten klassifiziert, erfüllen die syntaktischen und semantischen Anforderungen an eine Notation (vgl. [Goodman 1968a]Goodman, Nelson (1968): Languages of Art. Hackett, Indianapolis.
Notiz: 2. rev. Aufl. 1976
Nicht angezeigt: dt.: Sprachen der Kunst. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1998
: S. 194f.). Das erste dieser Systeme liefert zudem ein Kriterium der Werkidentität, das hinreichend mit unserer Klassifikationspraxis übereinstimmt, aber es identifiziert Bilder nicht unabhängig von ihrer Entstehungsgeschichte. Das zweite System liefert zwar ein Kriterium der Werkidentität, das Bilder unabhängig von ihrer Entstehungsgeschichte identifiziert, aber es weicht zu stark von unserer Klassifikationspraxis ab. Wir betrachten zwei Bilder mit demselben Preis nicht als Einzelfälle desselben Werks. Es scheint keine Notation für Bilder zu geben, die ein Identitätskriterium liefert, das sowohl hinreichend mit unserer Klassifikationspraxis übereinstimmt als auch unabhängig von der Entstehungsgeschichte der Bilder ist. Analoges gilt für Werke anderer bildender Künste (wie z.B. Skulpturen). Etwas komplizierter ist die Situation in der Architektur (vgl. [Baumberger 2010a]Baumberger, Christoph (2010): Gebaute Zeichen. Eine Symboltheorie der Architektur. Ontos, Heusenstamm.
: Kap. 6).

Das Kriterium der Werkidentität für bildende Künste ist damit weder semantischer noch syntaktischer, sondern historischer Art: Ein Gegenstand ist genau dann ein bestimmtes Werk oder ein Einzelfall eines bestimmten Werks, wenn er die angemessene Entstehungsgeschichte hat (⊳ Authentizität). Das Kriterium dafür, dass wir die «Mona Lisa» vor Augen haben, besteht darin, dass das Bild tatsächlich von Leonardo da Vinci zwischen 1503 und 1505 gemalt wurde. Während die Malerei eine singuläre Kunst ist, ist die Druckkunst wie die Musik und die Literatur multipel. Ihre Werke lassen mehrere Einzelfälle zu. Das Kriterium dafür, dass wir einen Einzelfall eines bestimmten Werks vor Augen haben, besteht darin, dass der Druck von der Platte des Künstlers stammt ([Goodman 1968a]Goodman, Nelson (1968): Languages of Art. Hackett, Indianapolis.
Notiz: 2. rev. Aufl. 1976
Nicht angezeigt: dt.: Sprachen der Kunst. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1998
: S. 116–118 & 192–194).


Notation und die Unmöglichkeit der Fälschung

Die Verfügbarkeit einer Notation schließt Fälschungen von bestehenden Werken oder Einzelfälle solcher (im Gegensatz zu Fälschungen von Werken ohne Original und bestimmten Einzelfällen) aus. In den bildenden Künsten sind solche Fälschungen möglich; sie geben fälschlicherweise vor, eine Entstehungsgeschichte zu besitzen, die für das oder ein Original unerlässlich ist (⊳ Replika, Faksimile und Kopie). In der Musik und der Literatur sind sie ausgeschlossen, da die Notation ein semantisches respektive syntaktisches Identitätskriterium liefert, das die Werke unabhängig von ihrer Entstehungsgeschichte identifiziert. Werke, die solche Fälschungen zulassen, bezeichnet Goodman als ‘autographisch’, Werke, die sie ausschließen, als ‘allographisch’ (vgl. [Goodman 1968a]Goodman, Nelson (1968): Languages of Art. Hackett, Indianapolis.
Notiz: 2. rev. Aufl. 1976
Nicht angezeigt: dt.: Sprachen der Kunst. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1998
: S. 113–122). Bezieht man die obigen Überlegungen ein, gilt: Ein Werk ist genau dann autographisch, wenn seine Identität durch seine Entstehungsgeschichte bestimmt ist; es ist genau dann allographisch, wenn seine Identität syntaktisch oder semantisch bestimmt ist (vgl. [Goodman & Elgin 1988a]Goodman, Nelson & Elgin, Catherine Z. (1988): Reconceptions in Philosophy and Other Arts and Sciences. Hackett, Indianapolis.
Nicht angezeigt: Deutsch: <em>Revisionen. Philosophie und andere Künste und Wissenschaften</em>. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1993
: S. 116–118 & 65; für eine kritische Diskussion der Unterscheidung vgl. [Levinson 1990b]Levinson, Jerrold (1990): Autographic and Allographic Art Revisited. In: Levinson, J. (Hg.), Music, Art, and Metaphysics. Cornell University Press, Ithaca.
; [Pillow 2003a]Pillow, Kirk (2003): Did Goodman's Distinction Survive LeWitt?. Journal of Aesthetics and Art Criticism, 61.
). Der Begriff der Notation liegt Goodmans Unterscheidung zwischen autographischen und allographischen Werken zugrunde und ermöglicht eine Erklärung, weshalb manche Werke im relevanten Sinn gefälscht werden können und andere nicht.

Anmerkungen
  1. ↑ Na­tür­lich er­füllt nicht al­les, was wir ‘Par­ti­tur’ nen­nen, die­se Funk­ti­on; zu­dem ha­ben Par­ti­tu­ren wei­te­re Funk­ti­o­nen wie das Trans­po­nie­ren, das Ver­ste­hen und das Kom­po­nie­ren zu er­leich­tern.
  2. ↑ Eine praktikable Notation hat zudem technische Anforderungen zu erfüllen, die nichts mit der primären theoretischen Funktion zu tun haben, wie überschaubar kleine oder endliche Menge atomarer Charaktere, Deutlichkeit, Lesbarkeit, Dauerhaftigkeit, Handhabbarkeit, graphische Eingängigkeit, mnemotechnische Effizienz und bequeme Duplizierbarkeit ([Goodman 1968a]Goodman, Nelson (1968): Languages of Art. Hackett, Indianapolis.
    Notiz: 2. rev. Aufl. 1976
    Nicht angezeigt: dt.: Sprachen der Kunst. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1998
    : S. 154).
  3. ↑ Nach James Elkins sind schematische Bilder wie Karten, Pläne und genealogische Bäume annähernd notational (vgl. [Elkins 1999a]Elkins, James (1999): The Domain of Images. Cornell University Press, Ithaca, London.
    : Kap. 5, 6 & 13). Aber obwohl Elkins an Goodman anschließt, entspricht seine Verwendung von ‘notational’ eher Goodmans Verwendung von ‘diagrammatisch’. Diagramme unterscheiden sich nach Goodman von Bildern im eigentlichen Sinn dadurch, dass relativ wenige ihrer Merkmale konstitutiv dafür sind, zu welchem Charakter sie gehören (vgl. [Goodman 1968a]Goodman, Nelson (1968): Languages of Art. Hackett, Indianapolis.
    Notiz: 2. rev. Aufl. 1976
    Nicht angezeigt: dt.: Sprachen der Kunst. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1998
    : S. 228–230).
  4. ↑ Mit gewissen Einschränkungen können etwa die digitalen Speicherformate für Bilder (genauer: Bildträger), wie sie für die informatische Bildverarbeitung oder Computergraphik eingesetzt werden, als solche Notationen betrachtet werden.
  5. ↑ Notationssysteme dienen dabei als Vergleichs- und nicht als Wertmaßstab, dem sich alle Zeichensysteme annähern sollten. Dass bildliche Zeichensysteme alle syntaktischen und semantischen Anforderungen an eine Notation verletzen, impliziert deshalb keine Wertung ([Scholz 2004a]Scholz, Oliver R. (2004): Bild, Darstellung, Zeichen. Philosophische Theorien bildhafter Darstellungen. Klostermann, Frankfurt/M.
    Nicht angezeigt: 2., vollständig überarbeitete Aufl.
    : S. 124, Fn. 50).
Literatur
[Baumberger 2010a]Baumberger, Christoph (2010): Gebaute Zeichen. Eine Symboltheorie der Architektur. Ontos, Heusenstamm.[Davies 1991a]Davies, David (1991): Works, Texts, and Contexts. Goodman on the Literary Artwork. Canadian Journal of Philosophy, 21.[Elgin 1983a]Elgin, Catherine Z. (1983): With Reference to Reference. Hackett, Indianapolis.[Elgin 1992a]Elgin, Catherine Z. (1992): Notation. In: Cooper, D. (Hg.), A Companion to Aesthetics. Backwell, Oxford.[Elkins 1999a]Elkins, James (1999): The Domain of Images. Cornell University Press, Ithaca, London.[Goodman & Elgin 1988a]Goodman, Nelson & Elgin, Catherine Z. (1988): Reconceptions in Philosophy and Other Arts and Sciences. Hackett, Indianapolis.[Goodman 1968a]Goodman, Nelson (1968): Languages of Art. Hackett, Indianapolis.[Hernadi 1991a]Hernadi, Paul (1991): Reconceiving Notation and Performance. Journal of Aesthetic Education, 25, 1.[Levinson 1990a]Levinson, Jerrold (1990): What a Musical Work is. In: Levinson, J. (Hg.), Music, Art, and Metaphysics. Cornell University Press, Ithaca.[Levinson 1990b]Levinson, Jerrold (1990): Autographic and Allographic Art Revisited. In: Levinson, J. (Hg.), Music, Art, and Metaphysics. Cornell University Press, Ithaca.[Pillow 2003a]Pillow, Kirk (2003): Did Goodman's Distinction Survive LeWitt?. Journal of Aesthetics and Art Criticism, 61.[Predelli 1999a]Predelli, Stefano (1999): Goodman and the Score. British Journal of Aesthetics, 39.[Scholz 2004a]Scholz, Oliver R. (2004): Bild, Darstellung, Zeichen. Philosophische Theorien bildhafter Darstellungen. Klostermann, Frankfurt/M.[Steinbrenner 1996a]Steinbrenner, Jakob (1996): Kognitivismus in der Ästhetik. Königshausen & Neumann, Würzburg.[Wollheim 1978a]Wollheim, Richard (1978): Are the Criteria of Identity that Hold für a Work of Art in the Different Arts Aesthetically Relevant?. Ratio, 20.

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