Spanisch: 'imagen', 'efigie', 'cuadro', 'cromo': Unterschied zwischen den Versionen

Aus Glossar der Bildphilosophie
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Das Konzept »Bild« wird im Spanischen vor allem durch zwei Lexeme aufgerufen: ‘cuadro’ (maskulinum), und ‘imagen’ (femininum). Sie sind stilistisch neutral und weisen verschiedene Bedeutungsspektren auf.  
Das Konzept »Bild« wird im Spanischen vor allem durch zwei Lexe&shy;me aufge&shy;rufen: ‘cuadro’ (masku&shy;linum), und ‘ima&shy;gen’ (femi&shy;ninum). Sie sind stilis&shy;tisch neutral und weisen verschie&shy;dene Bedeu&shy;tungsspek&shy;tren auf.  




==Aktuelle Bedeutung==
==Aktuelle Bedeutung==
‘Cuadro’ ist ursprünglich ein geometrischer Begriff (im Spanischen ein Synonym für ‘quadrado’) und bedeutet ‘Rechteck’ bzw. ‘Viereck’. Ausgehend von dieser geometrischen Idee hat das Wort diverse Bedeutungen erlangt, wobei vor allem ‘Rahmen’ geläufig ist. Seine Verwendung für das Konzept »Bild« ist dem entsprechend mit der Idee des Eingerahmtseins in Verbindung gebracht. In diesem Sinne, als ‹das von einem Rechteck umschlossene Bild›, wird der Begriff speziell in der Malerei verwendet.   
‘Cuadro’ ist ursprünglich ein geome&shy;trischer Begriff (im Spanischen ein Synonym für ‘quadra&shy;do’) und bedeu&shy;tet ‘Rechteck’ bzw. ‘Viereck’. Ausge&shy;hend von dieser geome&shy;trischen Idee hat das Wort diver&shy;se Bedeu&shy;tungen erlangt, wobei vor allem ‘Rahmen’ geläu&shy;fig ist. Seine Verwen&shy;dung für das Konzept »Bild« ist dem entspre&shy;chend mit der Idee des [[Rahmung, Rahmen|Einge&shy;rahmtseins]] in Verbin&shy;dung gebracht. In diesem Sinne, als ‹das von einem Rechteck umschlos&shy;sene Bild›, wird der Begriff speziell in der [[Malerei|Male&shy;rei]] verwen&shy;det.   
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‘Imagen’ ist in seiner Bedeutung weniger spezifisch: Der Begriff bezeichnet primär die ‹Figur›, das ‹Abbild› oder auch das ‹Erscheinen› von Etwas. Er kann darüber als das ‹Bildnis› einer Gottheit oder eines Heiligen religiös konnotiert sein. Über die Dichotomie Urbild-Abbild hinaus ist ‘imagen’ im physikalischen Sinne als ‹Erzeugung der Umrisse eines Körpers durch Lichtstrahlen› zu verstehen, rhetorisch als das ‹sprachliche Bild›, soziologisch wird das ‹Bild der Öffentlichkeit› evoziert, das sich auf Personen, Dinge oder Ereignisse beziehen kann.   
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‘Imagen’ ist in seiner Bedeutung weni&shy;ger spezi&shy;fisch: Der Ausdruck bezeich&shy;net primär die ‹Figur›, das ‹Abbild› oder auch das ‹Erschei&shy;nen› von Etwas. Er kann darü&shy;ber als das ‹Bild&shy;nis› einer Gottheit oder eines Heili&shy;gen reli&shy;giös konno&shy;tiert sein. Über die Dicho&shy;tomie »Urbild-Abbild« hinaus ist ‘ima&shy;gen’ im physi&shy;kalischen Sinne als ‹Erzeu&shy;gung der Umris&shy;se eines Körpers durch Lichtstrah&shy;len› zu verste&shy;hen, rheto&shy;risch als das ‹sprachli&shy;che Bild›, sozio&shy;logisch wird das ‹Bild der Öffent&shy;lichkeit› evo&shy;ziert, das sich auf Perso&shy;nen, Dinge oder Ereig&shy;nisse bezie&shy;hen kann.   




==Etymologie und Begriffsgeschichte==
==Etymologie und Begriffs&shy;geschich&shy;te==
‘Cuadro’ ist — wie auch das französische [[Französisch: 'image', 'dessin' und 'cadre'|‘cadre’]] — aus dem lateinischen ‘quadrum’ (‘Viereck’) entstanden, das dem gleichen Wortstamm wie ‘quattuor’ (‘vier’) angehört. Das Lexem ist mit der Schreibweise ‘quadro’ im Vulgärlateinischen der iberischen Halbinsel erstmals für das Jahr 968 dokumentiert, im frühen Spanisch des Hochmittelalters erstmals für das Jahr 1210. Im «Covarrubias» (1611), dem ersten Wörterbuch der spanischen Sprache, taucht der Begriff noch nicht auf (vgl. <bib id='Covarrubias Orozco 1611a'></bib>). Dies könnte auf eine geringe Verbreitung zu jener Zeit verweisen, obwohl Beispiele, auch in der Bedeutung von ‘Bild’, wie das folgende in der Literatur zu finden sind: „Auf dem ersten Bild [quadro] befanden sich vier bezaubernde Jungfrauen, deren vorderste auf dem Kopf eine glänzende edelsteinerne Krone trug, vom Maler mit größtmöglicher Sorgfalt dargestellt.“ <bib id='Suárez de Figueroa 1609a'></bib>: S. 79.<ref>Die Übersetzungen stammen hier und im Folgenden vom Verfasser.</ref> Im «Diccionario de Autoridades», dem ersten Wörterbuch der Königlich Spanischen Akademie (1726-39), erscheint ‘quadro’, ausgehend von der geometrischen Bedeutung, als Substantiv bereits in zehn Bedeutungsvarianten, den Bereich der Malerei im oben genannten Sinne einschließend; darüber hinaus wird ‘quadro, -a’ im Sinne von ‘quadratisch’, aber auch von ‘vollkommen’ bzw. ‘makellos’, als Adjektiv genannt (vgl. <bib id='del Hierro 1737a'></bib>: S. 449). Seit 1817 ist die heutige Schreibweise ‘cuadro’ in den Wörterbüchern der Akademie angeführt.  
‘Cuadro’ ist — wie auch das franzö&shy;sische [[Französisch: 'image', 'dessin' und 'cadre'|‘cadre’]] — aus dem latei&shy;nischen ‘quadrum’ (‘Viereck’) entstan&shy;den, das dem gleichen Wortstamm wie ‘quattuor’ (‘vier’) ange&shy;hört. Das Lexem ist mit der Schreibwei&shy;se ‘quadro’ im Vulgär&shy;latei&shy;nischen der ibe&shy;rischen Halbin&shy;sel erstmals für das Jahr 968 doku&shy;mentiert, im frühen Spanisch des Hochmit&shy;telal&shy;ters erstmals für das Jahr 1210. Im «Cova&shy;rrubias» (1611), dem ersten Wörter&shy;buch der spani&shy;schen Sprache, taucht das Wort noch nicht auf (vgl. <bib id='Covarrubias Orozco 1611a'>Cova&shy;rrubias Oroz&shy;co 1611a</bib>). Dies könnte auf eine gerin&shy;ge Verbrei&shy;tung zu jener Zeit verwei&shy;sen, obwohl Beispie&shy;le, auch in der Bedeu&shy;tung von ‘Bild’, wie das folgen&shy;de in der Lite&shy;ratur zu finden sind: „Auf dem ersten Bild [quadro] befan&shy;den sich vier bezau&shy;bernde Jungfrau&shy;en, deren vorder&shy;ste auf dem Kopf eine glänzen&shy;de edel&shy;steiner&shy;ne Krone trug, vom Maler mit größtmög&shy;licher Sorgfalt darge&shy;stellt.“ <bib id='Suárez de Figueroa 1609a'>Suárez de Figue&shy;roa 1609a</bib>: S. 79.<ref>Die Über&shy;set&shy;zun&shy;gen stam&shy;men hier und im Fol&shy;gen&shy;den vom Ver&shy;fas&shy;ser.</ref> Im «Diccio&shy;nario de Auto&shy;rida&shy;des», dem ersten Wörter&shy;buch der König&shy;lich Spani&shy;schen Aka&shy;demie (1726-39), erscheint ‘quadro’, ausge&shy;hend von der geome&shy;trischen Bedeu&shy;tung, als Substan&shy;tiv bereits in zehn Bedeu&shy;tungsva&shy;rianten, den Bereich der Male&shy;rei im oben genann&shy;ten Sinne ein&shy;schließend; darü&shy;ber hinaus wird ‘quadro, -a’ im Sinne von ‘quadra&shy;tisch’, aber auch von ‘vollkom&shy;men’ bzw. ‘makel&shy;los’, als Adjek&shy;tiv genannt (vgl. <bib id='del Hierro 1737a'></bib>: S. 449). Seit 1817 ist die heuti&shy;ge Schreib&shy;weise ‘cuadro’ in den Wörter&shy;büchern der Aka&shy;demie ange&shy;führt.  
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‘Imagen’ ist aus lat. [[Lateinisch: 'effigies', 'species', 'simulacrum', 'imago'|‘imago, -inis’]] (‘Bild’, ‘Abbild’) entstanden. Die «Milagros de Nuestra Señora» von Gonzalo de Berceo, eine um die Mitte des 13. Jahrhunderts verfasste Sammlung von Marienerzählungen, gilt als erster schriftlicher Beleg. Hier deutet sich bereits die religiöse Konnotation des zu allen Epochen geläufigen Terminus an, die im «Covarrubias» besonders auffällig ist: „Im Allgemeinen bezeichnen wir Katholiken Figuren, welche unseren Herrn Jesus Christus, seine gesegnete Mutter und heilige Jungfrau Maria, seine Apostel, die übrigen Heiligen sowie die Geheimnisse des Glaubens, sofern diese überhaupt nachgebildet werden können, darstellen, als Bilder [imágenes]“ (<bib id='Covarrubias Orozco 1611a'></bib>: S. 662). Das «Diccionario de Autoridades» gibt drei Bedeutungsvarianten: Primär bezeichnet ‘imagen’ auch hier Darstellungsformen Christi, Marias oder der Heiligen, darüber hinaus wird, unter Bezugnahme auf die Porträtmalerei, ein ‹vollkommenes Antlitz› als ‘Bild’ [imagen] bezeichnet, denn, so der Autor, „der Maler versucht ebenfalls, seiner Darstellung größtmögliche Schönheit und Vollkommenheit zu verleihen“ (vgl. hier und im Folgenden <bib id='del Hierro 1732a'></bib>: S. 212f.). Auf astronomischer Ebene schließlich findet sich die Bedeutung ‹himmlisches Bild› [imagen celeste] im Sinne von Sternbild. Im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts weitet sich der Bedeutungsumfang aus (s. o.).
‘Imagen’ ist aus lat. [[Lateinisch: 'effigies', 'species', 'simulacrum', 'imago'|‘imago, -inis’]] (‘Bild’, ‘Abbild’) entstan&shy;den. Die «Mila&shy;gros de Nuestra Seño&shy;ra» von Gonza&shy;lo de Berceo, eine um die Mitte des 13. Jahrhun&shy;derts verfass&shy;te Sammlung von Marien&shy;erzäh&shy;lungen, gilt als erster schriftli&shy;cher Beleg. Hier deutet sich bereits die reli&shy;giöse Konno&shy;tation des zu allen Epo&shy;chen geläu&shy;figen Termi&shy;nus an, die im «Covar&shy;rubias» beson&shy;ders auffäl&shy;lig ist: „Im Allge&shy;meinen bezeich&shy;nen wir Katho&shy;liken Figu&shy;ren, welche unse&shy;ren Herrn Jesus Christus, seine geseg&shy;nete Mutter und heili&shy;ge Jungfrau Maria, seine Apos&shy;tel, die übri&shy;gen Heili&shy;gen sowie die Geheim&shy;nisse des Glaubens, sofern diese über&shy;haupt nachge&shy;bildet werden können, darstel&shy;len, als Bilder [imá&shy;genes]“ (<bib id='Covarrubias Orozco 1611a'>Covar&shy;rubias Oroz&shy;co 1611a</bib>: S. 662). Das «Diccio&shy;nario de Auto&shy;rida&shy;des» gibt drei Bedeu&shy;tungsva&shy;rianten: Primär bezeich&shy;net ‘ima&shy;gen’ auch hier Darstel&shy;lungsfor&shy;men Christi, Marias oder der Heili&shy;gen, darü&shy;ber hinaus wird, unter Bezug&shy;nahme auf die [[Gesichtsdarstellung|Porträt&shy;male&shy;rei]], ein ‹vollkom&shy;menes Antlitz› als ‘Bild’ [ima&shy;gen] bezeich&shy;net, denn, so der Autor, „der Maler versucht eben&shy;falls, seiner Darstel&shy;lung größtmög&shy;liche Schönheit und Vollkom&shy;menheit zu verlei&shy;hen“ (vgl. hier und im Folgen&shy;den <bib id='del Hierro 1732a'></bib>: S. 212f.). Auf astro&shy;nomi&shy;scher Ebe&shy;ne schließlich findet sich die Bedeu&shy;tung ‹himmli&shy;sches Bild› [ima&shy;gen celes&shy;te] im Sinne von Sternbild. Im Laufe des 19. und 20. Jahrhun&shy;derts weitet sich der Bedeu&shy;tungsum&shy;fang aus (s. o.).




==Verwandte Begriffe==
==Verwandte Begriffe==
Beide Begriffe entstammen jeweils einer großen Wortfamilie. Ausgewählte Beispiele seien im Folgenden kurz skizziert: Die Wortfamilie von ‘cuadro’ beinhaltet eine lange Reihe von Begriffen, die allesamt auf lat. ‘quadrum’ (‘Viereck’) bzw. ‘quattuor’ (‘vier’) zurückzuführen sind (vgl. dazu die 101 Einträge in <bib id='Real Academia Española 1992a'></bib>: S. 426-431). Im heutigen Spanisch geläufig sind neben dem Zahlwort ‘cuatro’ (maskulinum, ‘vier’) vor allem das maskuline Substantiv ‘cuadrado’ (‘Viereck’, ‘Rechteck’) sowie die Adjektive ‘cuadrado, -a’ (‘viereckig’, ‘rechteckig’) und, synonym dazu, ‘cuadrático’; das abgeleitete Verb ‘cuadrar’ (‘quadrieren’), und damit verwandt, das maskuline Substantiv ‘cuadratura’ (‘Quadratur’) gehören dagegen bereits einem spezifischeren technisch-mathematischen Wortschatz an. Das Konzept »Bild« wird durch die genannten Lexeme nicht aufgerufen.
Beide Begriffe entstammen jeweils einer großen Wortfa&shy;milie. Ausge&shy;wählte Beispie&shy;le seien im Folgen&shy;den kurz skizziert: Die Wortfa&shy;milie von ‘cuadro’ beinha&shy;ltet eine lange Reihe von Bezeich&shy;nungen, die alle&shy;samt auf lat. ‘quadrum’ (‘Viereck’) bzw. ‘quattuor’ (‘vier’) zurück&shy;zufüh&shy;ren sind (vgl. dazu die 101 Einträ&shy;ge in <bib id='Real Academia Española 1992a'>Real Aca&shy;demia Espa&shy;ñola 1992a</bib>: S. 426-431). Im heuti&shy;gen Spanisch geläu&shy;fig sind neben dem Zahlwort ‘cuatro’ (masku&shy;linum, ‘vier’) vor allem das masku&shy;line Substan&shy;tiv ‘cuadra&shy;do’ (‘Viereck’, ‘Rechteck’) sowie die Adjek&shy;tive ‘cuadra&shy;do, -a’ (‘vier&shy;eckig’, ‘recht&shy;eckig’) und, syno&shy;nym dazu, ‘cuadrá&shy;tico’; das abge&shy;leite&shy;te Verb ‘cuadrar’ (‘quadrie&shy;ren’), und damit verwandt, das masku&shy;line Substan&shy;tiv ‘cuadra&shy;tura’ (‘Quadra&shy;tur’) gehö&shy;ren dage&shy;gen bereits einem spezi&shy;fische&shy;ren technisch-mathe&shy;mati&shy;schen Wortschatz an. Das Konzept »Bild« wird durch die genann&shy;ten Lexe&shy;me nicht aufge&shy;rufen.
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Ein wenig überschaubarer ist die Wortfamilie von ‘imagen’, die sich auf 15 Lexeme erstreckt (vgl. <bib id='Real Academia Española 1992a'></bib>: S. 806f.). Geläufig sind vor allem das feminine ‘imaginación’ (‘Einbildung’, [[Einbildungskraft|‘Einbildungskraft’]]), das Adjektiv ‘imaginario, -a’ (‘imaginär’) sowie das Verb ‘imaginar’ (‘sich einbilden’, ‘vorstellen’).     
Ein wenig überschaubarer ist die Wortfa&shy;milie von ‘ima&shy;gen’, die sich auf 15 Lexe&shy;me erstreckt (vgl. <bib id='Real Academia Española 1992a'>Real Aca&shy;demia Espa&shy;ñola 1992a</bib>: S. 806f.). Geläu&shy;fig sind vor allem das femi&shy;nine ‘imagi&shy;nación’ (‘Einbil&shy;dung’, [[Einbildungskraft|‘Einbil&shy;dungskraft’]]), das Adjek&shy;tiv ‘imagi&shy;nario, -a’ (‘ima&shy;ginär’) sowie das Verb ‘ima&shy;ginar’ (‘sich einbil&shy;den’, ‘vorstel&shy;len’).     


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* [[Einbildungskraft]]
* [[Einbildungskraft]]
* [[Französisch: 'image', 'dessin' und 'cadre']]
* [[Französisch: 'image', 'dessin' und 'cadre']]
* [[Gesichtsdarstellung]]
* [[Lateinisch: 'effigies', 'species', 'simulacrum', 'imago']]
* [[Lateinisch: 'effigies', 'species', 'simulacrum', 'imago']]
* [[Malerei]]
* [[Rahmung, Rahmen]]


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Version vom 8. November 2013, 11:07 Uhr

Unterpunkt zu: Bildtermini anderer Sprachen


Das Konzept »Bild« wird im Spanischen vor allem durch zwei Lexe­me aufge­rufen: ‘cuadro’ (masku­linum), und ‘ima­gen’ (femi­ninum). Sie sind stilis­tisch neutral und weisen verschie­dene Bedeu­tungsspek­tren auf.


Aktuelle Bedeutung

‘Cuadro’ ist ursprünglich ein geome­trischer Begriff (im Spanischen ein Synonym für ‘quadra­do’) und bedeu­tet ‘Rechteck’ bzw. ‘Viereck’. Ausge­hend von dieser geome­trischen Idee hat das Wort diver­se Bedeu­tungen erlangt, wobei vor allem ‘Rahmen’ geläu­fig ist. Seine Verwen­dung für das Konzept »Bild« ist dem entspre­chend mit der Idee des Einge­rahmtseins in Verbin­dung gebracht. In diesem Sinne, als ‹das von einem Rechteck umschlos­sene Bild›, wird der Begriff speziell in der Male­rei verwen­det.

‘Imagen’ ist in seiner Bedeutung weni­ger spezi­fisch: Der Ausdruck bezeich­net primär die ‹Figur›, das ‹Abbild› oder auch das ‹Erschei­nen› von Etwas. Er kann darü­ber als das ‹Bild­nis› einer Gottheit oder eines Heili­gen reli­giös konno­tiert sein. Über die Dicho­tomie »Urbild-Abbild« hinaus ist ‘ima­gen’ im physi­kalischen Sinne als ‹Erzeu­gung der Umris­se eines Körpers durch Lichtstrah­len› zu verste­hen, rheto­risch als das ‹sprachli­che Bild›, sozio­logisch wird das ‹Bild der Öffent­lichkeit› evo­ziert, das sich auf Perso­nen, Dinge oder Ereig­nisse bezie­hen kann.


Etymologie und Begriffs­geschich­te

‘Cuadro’ ist — wie auch das franzö­sische ‘cadre’ — aus dem latei­nischen ‘quadrum’ (‘Viereck’) entstan­den, das dem gleichen Wortstamm wie ‘quattuor’ (‘vier’) ange­hört. Das Lexem ist mit der Schreibwei­se ‘quadro’ im Vulgär­latei­nischen der ibe­rischen Halbin­sel erstmals für das Jahr 968 doku­mentiert, im frühen Spanisch des Hochmit­telal­ters erstmals für das Jahr 1210. Im «Cova­rrubias» (1611), dem ersten Wörter­buch der spani­schen Sprache, taucht das Wort noch nicht auf (vgl. [Covarrubias Orozco 1611a]Covarrubias Orozco, Sebastián de (1994): Tesoro de la lengua castellana o española. Nueva biblioteca de erudición y crítica, Madrid.
). Dies könnte auf eine gerin­ge Verbrei­tung zu jener Zeit verwei­sen, obwohl Beispie­le, auch in der Bedeu­tung von ‘Bild’, wie das folgen­de in der Lite­ratur zu finden sind: „Auf dem ersten Bild [quadro] befan­den sich vier bezau­bernde Jungfrau­en, deren vorder­ste auf dem Kopf eine glänzen­de edel­steiner­ne Krone trug, vom Maler mit größtmög­licher Sorgfalt darge­stellt.“ [Suárez de Figueroa 1609a]Suárez de Figueroa, Cristóbal (1781): La constante Amarilis. Antonio de la Sancha, Madrid.
: S. 79.[1] Im «Diccio­nario de Auto­rida­des», dem ersten Wörter­buch der König­lich Spani­schen Aka­demie (1726-39), erscheint ‘quadro’, ausge­hend von der geome­trischen Bedeu­tung, als Substan­tiv bereits in zehn Bedeu­tungsva­rianten, den Bereich der Male­rei im oben genann­ten Sinne ein­schließend; darü­ber hinaus wird ‘quadro, -a’ im Sinne von ‘quadra­tisch’, aber auch von ‘vollkom­men’ bzw. ‘makel­los’, als Adjek­tiv genannt (vgl. [del Hierro 1737a]del Hierro, Francisco (1979): Diccionario de Autoridades. Bd. 3. O — Z. Editorial Gredos, Madrid.
Notiz: edición facsímil
: S. 449). Seit 1817 ist die heuti­ge Schreib­weise ‘cuadro’ in den Wörter­büchern der Aka­demie ange­führt.

‘Imagen’ ist aus lat. ‘imago, -inis’ (‘Bild’, ‘Abbild’) entstan­den. Die «Mila­gros de Nuestra Seño­ra» von Gonza­lo de Berceo, eine um die Mitte des 13. Jahrhun­derts verfass­te Sammlung von Marien­erzäh­lungen, gilt als erster schriftli­cher Beleg. Hier deutet sich bereits die reli­giöse Konno­tation des zu allen Epo­chen geläu­figen Termi­nus an, die im «Covar­rubias» beson­ders auffäl­lig ist: „Im Allge­meinen bezeich­nen wir Katho­liken Figu­ren, welche unse­ren Herrn Jesus Christus, seine geseg­nete Mutter und heili­ge Jungfrau Maria, seine Apos­tel, die übri­gen Heili­gen sowie die Geheim­nisse des Glaubens, sofern diese über­haupt nachge­bildet werden können, darstel­len, als Bilder [imá­genes]“ ([Covarrubias Orozco 1611a]Covarrubias Orozco, Sebastián de (1994): Tesoro de la lengua castellana o española. Nueva biblioteca de erudición y crítica, Madrid.
: S. 662). Das «Diccio­nario de Auto­rida­des» gibt drei Bedeu­tungsva­rianten: Primär bezeich­net ‘ima­gen’ auch hier Darstel­lungsfor­men Christi, Marias oder der Heili­gen, darü­ber hinaus wird, unter Bezug­nahme auf die Porträt­male­rei, ein ‹vollkom­menes Antlitz› als ‘Bild’ [ima­gen] bezeich­net, denn, so der Autor, „der Maler versucht eben­falls, seiner Darstel­lung größtmög­liche Schönheit und Vollkom­menheit zu verlei­hen“ (vgl. hier und im Folgen­den [del Hierro 1732a]del Hierro, Francisco (1979): Diccionario de Autoridades. Bd. 2. D — Ñ. Editorial Gredos, Madrid.
Notiz: edición facsímil
: S. 212f.). Auf astro­nomi­scher Ebe­ne schließlich findet sich die Bedeu­tung ‹himmli­sches Bild› [ima­gen celes­te] im Sinne von Sternbild. Im Laufe des 19. und 20. Jahrhun­derts weitet sich der Bedeu­tungsum­fang aus (s. o.).


Verwandte Begriffe

Beide Begriffe entstammen jeweils einer großen Wortfa­milie. Ausge­wählte Beispie­le seien im Folgen­den kurz skizziert: Die Wortfa­milie von ‘cuadro’ beinha­ltet eine lange Reihe von Bezeich­nungen, die alle­samt auf lat. ‘quadrum’ (‘Viereck’) bzw. ‘quattuor’ (‘vier’) zurück­zufüh­ren sind (vgl. dazu die 101 Einträ­ge in [Real Academia Española 1992a]Real Academia Española (1992): Diccionario de la lengua española. Espasa Calpe, Madrid.
Notiz: 21ª edición
: S. 426-431). Im heuti­gen Spanisch geläu­fig sind neben dem Zahlwort ‘cuatro’ (masku­linum, ‘vier’) vor allem das masku­line Substan­tiv ‘cuadra­do’ (‘Viereck’, ‘Rechteck’) sowie die Adjek­tive ‘cuadra­do, -a’ (‘vier­eckig’, ‘recht­eckig’) und, syno­nym dazu, ‘cuadrá­tico’; das abge­leite­te Verb ‘cuadrar’ (‘quadrie­ren’), und damit verwandt, das masku­line Substan­tiv ‘cuadra­tura’ (‘Quadra­tur’) gehö­ren dage­gen bereits einem spezi­fische­ren technisch-mathe­mati­schen Wortschatz an. Das Konzept »Bild« wird durch die genann­ten Lexe­me nicht aufge­rufen.

Ein wenig überschaubarer ist die Wortfa­milie von ‘ima­gen’, die sich auf 15 Lexe­me erstreckt (vgl. [Real Academia Española 1992a]Real Academia Española (1992): Diccionario de la lengua española. Espasa Calpe, Madrid.
Notiz: 21ª edición
: S. 806f.). Geläu­fig sind vor allem das femi­nine ‘imagi­nación’ (‘Einbil­dung’, ‘Einbil­dungskraft’), das Adjek­tiv ‘imagi­nario, -a’ (‘ima­ginär’) sowie das Verb ‘ima­ginar’ (‘sich einbil­den’, ‘vorstel­len’).

Anmerkungen
  1. ↑ Die Über­set­zun­gen stam­men hier und im Fol­gen­den vom Ver­fas­ser.
Literatur
[Covarrubias Orozco 1611a]Covarrubias Orozco, Sebastián de (1994): Tesoro de la lengua castellana o española. Nueva biblioteca de erudición y crítica, Madrid.[Real Academia Española 1992a]Real Academia Española (1992): Diccionario de la lengua española. Espasa Calpe, Madrid.[Suárez de Figueroa 1609a]Suárez de Figueroa, Cristóbal (1781): La constante Amarilis. Antonio de la Sancha, Madrid.[del Hierro 1732a]del Hierro, Francisco (1979): Diccionario de Autoridades. Bd. 2. D — Ñ. Editorial Gredos, Madrid.[del Hierro 1737a]del Hierro, Francisco (1979): Diccionario de Autoridades. Bd. 3. O — Z. Editorial Gredos, Madrid.

Verantwortlich:

Lektorat:

Seitenbearbeitungen durch: Dimitri Liebsch, Joerg R.J. Schirra und Marcel Lemmes — (Hinweis)